#7# ----- Vorwort Das zweite Buch des "Kapital" druckfertig herzustellen, und zwar so, daá es einerseits als zusammenh„ngendes und m”glichst abge- schloánes Werk, andrerseits aber auch als das ausschlieáliche Werk des Verfassers, nicht des Herausgebers dastand, war keine leichte Arbeit. Die groáe Zahl der vorhandnen, meist fragmentari- schen Bearbeitungen erschwerte die Aufgabe. H”chstens eine ein- zige (Manuskript IV) war, soweit sie ging, durch weg fr den Druck redigiert; dafr aber auch der gr”áte Teil durch Redaktio- nen aus sp„terer Zeit veraltet. Die Hauptmasse des Materials war, wenn auch gr”átenteils sachlich, so doch nicht sprachlich fertig ausgearbeitet; abgefaát in der Sprache, worin Marx seine Auszge anzufertigen pflegte: nachl„ssiger Stil, famili„re, oft derbhumo- ristische Ausdrcke und Wendungen, englische und franz”sische technische Bezeichnungen, oft ganze S„tze und selbst Seiten eng- lisch; es ist Niederschrift der Gedanken in der Form, wie sie sich jedesmal im Kopf des Verfassers entwickelten. Neben einzel- nen, ausfhrlich dargestellten Partien andre, gleich wichtige nur angedeutet; das Material illustrierender Tatsachen gesammelt, aber kaum gruppiert, geschweige verarbeitet; am Schluá der Kapi- tel, unter dem Drang zum n„chsten zu kommen, oft nur ein paar ab- geriáne S„tze als Marksteine der hier unvollendet gelaánen Ent- wicklung; endlich die bekannte, dem Verfasser selbst manchmal un- leserliche Handschrift. Ich habe mich damit begngt, die Manuskripte so w”rtlich wie m”g- lich wiederzugeben, am Stil nur das zu „ndern, was Marx selbst ge„ndert haben wrde, und nur da erl„uternde Zwischens„tze und šberg„nge einzuschieben, wo dies absolut n”tig und der Sinn oben- drein ganz unzweifelhaft war. S„tze, deren Deutung nur im ent- ferntesten Zweifel zulieá, sind lieber ganz w”rtlich abgedruckt worden. Die von mir herrhrenden Umarbeitungen und Einschlebungen betragen im ganzen noch keine zehn Druckseiten und sind nur for- meller Natur. #8# Vorwort ----- Die bloáe Aufz„hlung des von hinterlaánen handschriftlichen Mate- rials zu Buch II beweist, mit welcher Gewissenhaftigkeit ohne- gleichen, mit welcher strengen Selbstkritik er seine groáen ”ko- nomischen Entdeckungen bis zur „uáersten Vollendung auszuarbeiten strebte, ehe er sie ver”ffentlichte; eine Selbstkritik, die ihn nur selten dazu kommen lieá, die Darstellung nach Inhalt und Form seinem stets durch neue Studien sich erweiternden Gesichtskreis anzupassen. Dies Material besteht nun aus folgendem. Zuerst ein Manuskript "Zur Kritik der politischen Oekonomie", 1472 Quartseiten in 23 Heften, geschrieben August 1861 bis Juni 1863. Es ist die Fortsetzung des 1859 in Berlin erschienenen er- sten Hefts 1*) desselben Titels. Es behandelt auf Seite 1-220 (Heft I-IV) und dann wieder auf Seite 1159-1472 (Heft XIX-XXIII) die in Buch I des "Kapital" untersuchten Themata, von der Ver- wandlung von Geld in Kapital bis zum Schluá, und ist die erste vorhandne Redaktion dafr. Die Seiten 973-1158 (Heft XVI bis XVIII) handeln von: Kapital und Profit, Profitrate, Kaufmannska- pital und Geldkapital, also von Thematen, die sp„ter im Manu- skript zu Buch III entwickelt sind. Die in Buch II sowie sehr viele sp„ter in Buch III behandelten Themata sind dagegen noch nicht besonders zusammengestellt. Sie werden nebenbei behandelt, namentlich in dem Abschnitt, der den Hauptk”rper des Manuskripts ausmacht: Seite 220-972 (Heft VI-XV): Theorien ber den Mehrwert. Dieser Abschnitt enth„lt eine ausfhrhche kritische Geschichte des Kernpunkts der politischen ™konomie, der Mehrwertstheorie, und entwickelt daneben, in polemischem Gegensatz zu den Vorg„n- gern, die meisten der sp„ter im Manuskript zu Buch II und III be- sonders und in logischem Zusammenhang untersuchten Punkte. Ich behalte mir vor, den kritischen Teil dieses Manuskripts, nach Be- seitigung der zahlreichen durch Buch II und III bereits erledig- ten Stellen, als Buch IV des "Kapitals" zu ver”ffentlichen. [1] So wertvoll dies Manuskript, so wenig war es fr die gegenw„rtige Ausgabe des Buch II zu benutzen. Das dem Datum nach jetzt folgende Manuskript ist das von Buch III. Es ist wenigstens gr”átenteils 1864 und 1865 geschrieben. Erst nachdem dies im wesentlichen fertig, ging Marx an die Ausar- beitung von Buch I, des 1867 gedruckten ersten Bandes. Dies Manu- skript von Buch III bearbeite ich jetzt fr den Druck. Aus der n„chsten Periode - nach Erscheinen des Buch I - liegt vor fr Buch II eine Sammlung von vier Manuskripten in Folio, von Marx selbst I-IV numeriert. Davon ist Manuskript I (150 Seiten), vermutlich von 1865 ----- 1*) Siehe Band 13 unserer Ausgabe, S. 3-160 #11# Vorwort ----- oder 1867 datierend, erste selbst„ndige, aber mehr oder weniger fragmentarische Bearbeitung von Buch II in seiner gegenw„rtigen Einteilung. Auch hiervon war nichts benutzbar. Manuskript III be- steht teils aus einer Zusammenstellung von Zitaten und Hinweisen auf Marx' Auszugshefte - meist auf den ersten Abschnitt des Buch II bezglich -, teils aus Bearbeitungen einzelner Punkte, nament- lich der Kritik der A. Smithschen S„tze ber fixes und zirkulie- rendes Kapital und ber die Quelle des Profits; ferner eine Dar- stellung des Verh„ltnisses der Mehrwertsrate zur Profitrate, die in Buch III geh”rt. Die Hinweise lieferten wenig neue Ausbeute, die Ausarbeitungen waren sowohl fr Buch II wie Buch III durch sp„tere Redaktionen berholt, muáten also auch meist beiseitege- legt werden. - Manuskript IV ist eine druckfertige Bearbeitung des ersten, und der ersten Kapitel des zweiten Abschnitts von Buch II, und ist da, wo es an die Reihe kommt, auch benutzt wor- den. Obwohl sich herausstellte, daá es frher abgefaát ist als Manuskript II, so konnte es doch, weil vollendeter in der Form, fr den betreffenden Teil des Buchs mit Vorteil benutzt werden; es gengte, aus Manuskript II einige Zus„tze zu machen. - Dies letztre Manuskript ist die einzige einigermaáen fertig vorlie- gende Bearbeitung des Buch II und datiert von 1870. Die gleich zu erw„hnenden Notizen fr die schlieáliche Redaktion sagen aus- drcklich: "Die zweite Bearbeitung muá zugrunde gelegt werden." Nach 1870 trat wieder eine Pause ein, bedingt haupts„chlich durch Krankheitszust„nde. Wie gew”hnlich fllte Marx diese Zeit durch Studien aus; Agronomie, amerikanische und namentlich russische l„ndliche Verh„ltnisse, Geldmarkt und Bankwesen, endlich Natur- wissenschaften: Geologie und Physiologie, und namentlich selb- st„ndige mathematische Arbeiten bilden den Inhalt der zahlreichen Auszugshefte aus dieser Zeit. Anfang 1877 fhlte er sich soweit hergestellt, daá er wieder an seine eigentliche Arbeit gehn konnte. Von Ende M„rz 1877 datieren Hinweise und Notizen aus obi- gen vier Manuskripten als Grundlage einer Neubearbeitung von Buch II, deren Anfang in Manuskript V (56 Seiten Folio) vorliegt. Es umfaát die ersten vier Kapitel und ist noch wenig ausgearbeitet; wesentliche Punkte werden in Noten unter dem Text behandelt; der Stoff ist mehr gesammelt als gesichtet, aber es ist die letzte vollst„ndige Darstellung dieses wichtigsten Teils des ersten Ab- schnitts. - Ein erster Versuch, hieraus ein druckfertiges Manu- skript zu machen, liegt vor in Manuskript VI (nach Oktober 1977 und vor Juli 1878); nur 17 Quartseiten, den gr”áten Teil des er- sten Kapitels umfassend, ein zweiter - der letzte - in Manuskript VII, "2. Juli 1878", nur 7 Folioseiten. #12# Vorwort ----- Um diese Zeit scheint Marx sich darber klar geworden zu sein, daá ohne eine vollst„ndige Revolution seines Gesundheitszustandes er nie dahin kommen werde, eine ihm selbst gengende Bearbeitung des zweiten und dritten Buchs zu vollenden. In der Tat tragen die Manuskripte V-VIII die Spuren gewaltsamen Ankampfs gegen nieder- drckende Krankheitszust„nde nur zu oft an sich. Das schwierigste Stck des ersten Abschnitts war in Manuskript V neu bearbeitet; der Rest des ersten und der ganze zweite Abschnitt (mit Ausnahme des siebzehnten Kapitels) boten keine bedeutenden theoretischen Schwierigkeiten; der dritte Abschnitt dagegen, die Reproduktion und Zirkulation des gesellschaftlichen Kapitals, schien ihm einer Umarbeitung dringend bedrftig. In Manuskript II war n„mlich die Reproduktion behandelt zuerst ohne Bercksichtigung der sie ver- mittelnden Geldzirkulation und sodann nochmals mit Rcksicht auf diese. Dies sollte beseitigt und der ganze Abschnitt berhaupt so umgearbeitet werden, daá er dem erweiterten Gesichtskreis des Verfassers entsprach. So entstand Manuskript VIII, ein Heft von nur 70 Quartseiten; was Marx aber auf diesen Raum zusammenzudr„n- gen verstand, beweist die Vergleichung von Abschnitt III im Druck nach Abzug der aus Manuskript II eingeschobnen Stcke. Auch dies Manuskript ist nur eine vorl„ufige Behandlung des Gegenstands, bei der es vor allem darauf ankam, die gewonnenen neuen Gesichts- punkte gegenber Manuskript II festzustellen und zu entwickeln, unter Vernachl„ssigung der Punkte, ber die nichts Neues zu sagen war. Auch ein wesentliches Stck von Kapitel XVII des zweiten Ab- schnitts, das ohnehin einigermaáen in den dritten Abschnitt ber- greift, wird wieder hineingezogen und erweitert. Die logische Folge wird ”fters unterbrochen, die Behandlung ist stellenweise lckenhaft und namentlich am Schluá ganz fragmentarisch. Aber was Marx sagen wollte, ist in dieser oder 'ener Weise darin gesagt. Das ist das Material zu Buch II, woraus, nach einer Žuáerung von Marx zu seiner Tochter Eleanor kurz vor seinem Tode, ich "etwas machen" sollte. Ich habe diesen Auftrag in seinen engsten Grenzen genommen; wo irgend m”glich, habe ich meine T„tigkeit auf bloáe Auswahl zwischen den verschiednen Redaktionen beschr„nkt. Und zwar so, daá stets die letzte vorhandne Redaktion unter Verglei- chung der frhern zugrunde gelegt wurde. Wirkliche, d.h. andre als bloá technische Schwierigkeiten boten dabei nur der erste und dritte Abschnitt, diese aber auch nicht geringe. Ich habe sie zu l”sen gesucht ausschlieálich im Geist des Verfassers. Die Zitate im Text habe ich meist bersetzt bei Belegen fr Tat- sachen oder wo, wie bei Stellen aus A. Smith, das Original iedem zu Gebot steht, #13# Vorwort ----- der der Sache auf den Grund kommen will. Nur in Kapitel X war dies nicht m”glich, weil hier direkt der englische Text kriti- siert wird. - Die Zitate aus Buch I tragen die Seitenzahlen der zweiten Auflage, der letzten, die Marx noch erlebt hat. Fr das Buch III liegt auáer der ersten Bearbeitung im Manu- skript: "Zur Kritik", den erw„hnten Stcken in Manuskript III und einigen, in Auszugsheften gelegentlich eingesprengten kurzen No- ten, nur vor: das erw„hnte Manuskript in Follo von 1864-1865, ausgearbeitet in ungef„hr derselben Vollst„ndigkeit wie Manu- skript II von Buch II, und endlich ein Heft von 1875: Das Ver- h„ltnis der Mehrwertsrate zur Profitrate, mathematisch (in Glei- chungen) entwickelt. Die Fertigstellung dieses Buchs fr den Druck schreitet rasch voran. Soweit ich bis jetzt beurteilen kann, wird sie haupts„chlich nur technische Schwierigkeiten ma- chen, mit Ausnahme freilich einiger sehr wichtigen Abschnitte. --- Es ist hier der Ort, eine Anklage gegen Marx zurckzuweisen, die, erst nur leise und vereinzelt erhoben, jetzt, nach seinem Tode, von deutschen Katheder- und Staatssozialistent [2] und deren An- hang als ausgemachte Tatsache verkndet wird - die Anklage, als habe Marx ein Plagiat an Rodbertus begangen. Ich habe bereits an andrer Stelle das Dringendste darber gesagt 1), kann aber erst hier die entscheidenden Belege beibringen. Diese Anklage findet sich meines Wissens zuerst in R. Meyers "Emancipationskampf des vierten Standes", S. 43: "Aus diesen Publikationen" (den bis in die letzte H„lfte der dreiáiger Jahre zurckdatierenden von Rodbertus) "hat n a c h w e i s b a r Marx den gr”áten Teil seiner Kritik ge- sch”pft." Ich darf bis auf weitern Nachweis wohl annehmen, daá die ganze "Nachweisbarkeit" dieser Behauptung darin besteht, daá Rodbertus dies Herrn Meyer versichert hat. - 1879 tritt Rodbertus selbst auf die Bhne, und schreibt an J. Zeller (Tbinger "Zeitschrift fr die gesammte Staatswissensaaft" [3], 1879, S. 219) mit Bezie- hung auf seine Schrift: Zur Erkenntniá unsrer staatswirthschaft- lichen Zust„nde" (1842) wie folgt: --- 1) In der Vorrede zu: "Das Elend der Philosophie. Antwort auf Proudhons Philosophie des Elends", von Karl Marx. Deutsch von E. Bernstein und K. Kautsky. Stuttgart 1885. 1*) ----- 1*) Siehe Band 4 unserer Ausgabe, S. 558-569 #14# Vorwort ----- "Sie werden finden, daá derselbe" (der darin entwickelte Gedan- kengang) "schon ganz hbsch von Marx... benutzt worden ist, frei- lich ohne mich zu zitieren." Was ihm denn auch sein posthumer Herausgeber Th. Kozak ohne wei- teres nachplappert. ("Das Kapital" von Rodbertus. Berlin 18M. Einleitung, S. XV.) - Endlich, in den von R. Meyer 1881 herausge- gebnen "Briefen und socialpolitischen Aufs„tzen von Dr. Rodber- tus-Jagetzow", sagt Rodbertus geradezu: "heute finde ich mich von Sch„ffle und Marx geplndert, ohne daá ich genannt werde". (Brief Nr. 60, S. 134.) Und an einer andern Stelle nimmt Rodbertus' Anspruch bestimmtere Gestalt an: "Woraus der M e h r w e r t des Kapitalisten e n t s p r i n g t, habe ich in meinem 3. sozialen Brief i m w e s e n t l i c h e n e b e n s o wie Marx, nur kurzer und klarer ggezeigt." (Brief Nr. 48, S. 111.) Von allen diesen Anklagen auf Plagiat hatte Marx nie etwas erfah- ren. In seinem Exemplar des "Emancipationskampfs" war nur der die Internationale betreffende Teil aufgeschnitten, das Aufschneiden des brigen habe ich selbst erst nach seinem Tode besorgt. Die Tbinger Zeitschrift sah er nie an. Die "Briefe etc." an R. Meyer blieben ihm ebenfalls unbekannt, und bin ich auf die Stelle von wegen der "Plnderung" erst 1884 durch die Gte des Herrn Dr. Meyer selbst aufmerksam gemacht worden. Dagegen den Brief Nr. 48 kannte Marx; Herr Meyer hatte die Gef„lligkeit gehabt, das Origi- nal der jngsten Tochter von Marx zu schenken. Marx, dem aller- dings einiges geheimnisvolle Gemunkel ber die bei Rodbertus zu suchende geheime Quelle seiner Kritik zu Ohren gekommen war, zeigte ihn mir mit der Bemerkung: Hier habe er endlich authenti- sche Auskunft darber, was Rodbertus selbst beanspruche; wenn er weiter nichts behaupte, so k”nne dies ihm, Marx, schon recht sein; und daá Rodbertus seine eigne Darstellung fr die krzre und klarere halte, dies Vergngen k”nne er ihm auch lassen. In der Tat hielt er durch diesen Brief von Rodbertus die ganze Sache fr erledigt. Er konnte dies um so eher, als ihm, wie ich positiv weiá, die ganze literarische T„tigkeit von Rodbertus unbekannt geblieben war bis gegen 1859, wo seine eigne Kritik der politischen ™kono- mie nicht nur in den Grundzgen, sondern auch in den wichtigsten Einzelheiten fertig war. Er begann seine ”konomischen Studien 1843 in Paris mit den groáen Engl„ndern und Franzosen; von den Deutschen kannte er nur Rau und List und hatte genug an ihnen. Weder Marx noch ich erfuhren von der stenz von Rodbertus #15# Vorwort ----- ein Wort, bis wir 1848 in der "Neuen Rheinischen Zeitung" seine Reden als Berliner Abgeordneter und seine Handlungen als Minister zu kritisieren hatten. Wir waren so unwissend, daá wir die rhei- nischen Abgeordneten befrugen, wer denn dieser Rodbertus sei, der so pl”tzlich Minister geworden. Aber auch diese wuáten nichts von den ”konomischen Schriften Rodbertus' zu verraten. Daá, dagegen Marx, auch ohne Rodbertus' Hilfe, schon damals sehr gut wuáte, nicht nur woher, sondern auch w i e der "Mehrwert des Kapitali- sten entspringt", beweisen die "MisŠre de la Philosophie", 1847 1*) und die 1847 in Brssel gehaltnen und 1849 in der "Neuen Rheinischen Zeitung", Nr. 264-269 2*), ver”ffentlichten Vortr„ge ber Lohnarbeit und Kapital. Erst durch Lassalle erfuhr Marx ge- gen 1859, daá es auch einen ™konomen Rodbertus gebe, und fand dann dessen "dritten sozialen Brief" auf dem Britischen Museum. Dies der tats„chliche Zusammenhang. Wie steht es nun mit dem In- halt, um den Marx den Rodbertus "geplndert" haben soll? "Woraus der Mehrwert des Kapitalisten entspringt", sagt Rodber- tus, "habe ich in meinem 3. sozialen Brief ebenso wie Marx, nur krzer und klarer gezeigt." Also das ist der Kernpunkt: die Mehrwertstheorie; und es ist in der Tat nicht zu sagen, was sonst Rodbertus bei Marx als sein Ei- gentum allenfalls reklamieren k”nnte. Rodbertus erkl„rt sich hier also fr den wirklichen Urheber der Mehrwertstheorie, die Marx ihm geplndert habe. Und was sagt uns der 3. soziale Brief [4] ber die Entstehung des Mehrwerts? Einfach, daá die "Rente", wie er Bodenrente und Profit zusammenfaát, nicht aus einem "Wertzuschlag" auf den Wert der Ware entstehe, sondern "infolge eines Wertabzugs, den der Arbeitslohn erleidet, mit and- ren Worten: weil der Arbeitslohn nur einen Teil des Werts des Produkts betr„gt", und bei hinreichender Produktivit„t der Arbeit "nicht „qual dem natrl;chen Tauschwert ihres Produkts zu sein braucht, damit von diesem noch zu Kapitalersatz (!) und Rente b- rig bleibt". Wobei uns nicht gesagt wird, was das fr ein "natrlicher Tausch- wert" des Produkts ist, bei dem zu "Kapitalersatz", also doch wohl Ersatz des Rohstoffs und des Verschleiáes der Werkzeuge nichts brig bleibt. Glcklicherweise ist uns verg”nrt zu konstatieren, welchen Ein- druck diese epochemachende Entdeckung Rodbertus' auf Marx machte. Im ----- 1*) Siehe Band 4unserer Ausgabe, S. 63-182 -2*) siehe Band 6 un- serer Ausgabe, S. 397 bis 423 #16# Vorwort ----- Manuskript: "Zur Kritik etc." findet sich in Heft X, S. 445 ff. 1*) eine "Abschweifung. Herr Rodbertus. Eine neue Grundrenten- theorie". Nur unter diesem Gesichtspunkt wird hier der dritte so- ziale Brief betrachtet. Die Rodbertussche Mehrwertstheorie irn allgemeinen wird erledigt mit der ironischen Bemerkung: "Herr Rodbertus untersucht erst, wie es in einem Lande aussieht, wo Grund- und Kapitalbesitz nicht geschieden sind, und kommt dann zum wichtigen Resultat, daá die Rente (worunter er den ganzen Mehrwert versteht) bloá gleich der unbezahlten Arbeit oder dem Quantum von Produkten ist, worin sie sich darstellt." Die kapitalistische Menschheit hat nun schon verschiedliche Jahr- hunderte lang Mehrwert produziert und ist allm„hlich auch dahin gekommen, sich ber dessen Entstehung Gedanken zu machen. Die er- ste Ansicht war die aus der unmittelbaren kaufm„nnischen Praxis entspringende: der Mehrwert entstehe aus einem Aufschlag auf den Wert des Produkts. Sie herrschte unter den Merkantilisten, aber schon James Steuart sah ein, daá dabei, was der eine gewinnt, der andre notwendig verlieren muá. Trotzdem spukt diese Ansicht noch lange fort, namentlich unter Sozialisten; aus der klassischen Wissenschaft wird sie aber verdr„ngt durch A. Smith. Bei ihm heiát es, "Wealth of Nations", b. I, ch. VI: "Sobald Kapital (stock) sich angeh„uft hat in den H„nden einzel- ner, werden einige darunter es natrlicherweise anwenden, um fleiáige Leute an die Arbeit zu setzen und diesen Rohstoffe und Lebensmittel zu liefern, um durch den Verkauf der Produkte ihrer Arbeit, oder durch d a s w a s i h r e A r b e i t d e m W e r t j e n e r R o h s t o f f e h i n z u g e f g t h a t, einen P r o f i t zu machen... Der W e r t, den die Arbeiter d e n R o h s t o f f e n z u s e t z e n, l”st sich hier in z w e i T e i l e auf, wovon der eine i h r e n L o h n zahlt, der andre den P r o f i t d e s B e s c h „ f t i g e r s auf den n von ihm vorgeschoánen Betrag von Rohstoffen und Arbeitsl”hnen." Und etwas weiter: "Sobald der Boden eines Landes durchweg Privateigentum geworden, lieben es die Grundbesitzer wie andre Leute auch, zu ernten, wo sie nicht ges„et, und fordern Bodenrente selbst fr die natrli- chen Erzeugnisse des Bodens... Der Arbeiter... muá dem Grundbe- sitzer e i n e n A n t e i l von dem a b t r e t e n, was seine A r b e i t gesammelt oder produziert hat. Dieser Anteil, oder was dasselbe, der Preis dieses Anteils, macht die B o d e n r e n t e aus." Zu dieser Stelle bemerkt Marx in dem erw„hnten Manuskript: "Zur Kritik etc.", S. 253: A. Smith faát also den Mehrwert, n„mlich die Surplusarbeit, den šberschuá der verrichteten und in der Ware vergegenst„ndlichten ----- 1*) Siehe Band 26 unserer Ausgabe, 2. Teil, S. 7 ff. - 2*) ebenda, 1. Teil, S. 53 #17# Vorwort ----- Arbeit b e r die bezahlte Arbeit hinaus, also ber die Arbeit hinaus, die ihr Žquivalent im Lohn erhalten hat, als die a l l g e m e i n e K a t e g o r i e auf, wovon der eigentli- che Profit und die Grundrente nur Abzweigungen." Ferner sagt A. Smith, b. I, ch. VIII: "Sobald der Boden Privateigentum geworden, verlangt der Grundbe- sitzer einen Anteil fast aller Produkte, die der Arbeiter darauf erzeugen oder einsammeln kann. Seine Bodenrente macht den e r s t e n A b z u g vom P r o d u k t d e r a u f d e n B o d e n v e r w a n d t e n A r b e i t aus. Aber der Be- bauer des Bodens hat selten die Mittel, sich bis zur Einbringung der Ernte zu erhalten. Sein Unterhalt wird ihm gew”hnlich vorge- schossen aus dem Kapital (steck) eines Besch„ftigers, des P„ch- ters, der kein Interesse h„tte ihn zu besch„ftigen, wenn er nicht d a s P r o d u k t s e i n e r A r b e i t m i t i h m t e i l t e, oder sein Kapital ihm ersetzt wrde samt einem Pro- fit. Dieser Profit macht e i n e n z w e i t e n A b z u g von der auf Boden verwandten Arbeit. Das Produkt fast aller Ar- beit ist demselben Abzug fr Profit unterworfen. In allen Indu- strien bedrfen die meisten Arbeiter eines Besch„ftigers, um ih- nen bis zur Vollendung der Arbeit Rohstoff und Arbeitslohn und Unterhalt vorzuschieáen. Dieser Besch„ftiger t e i l t mit ih- nen das P r o d u k t i h r e r A r b e i t, oder den Wert, den diese den verarbeiteten Rohstoffen zufgt, und in diesem An- teil besteht sein Profit." Marx hierzu (Manuskript, S. 256 1*)): "Hier also bezeichnet A. Smith in drren Worten Grundrente und Profit des Kapitals als bloáe A b z g e von dem Produkt des Arbeiters oder von dem Wert seines Produkts, gleich der von ihm dem Rohstoff zugefgten Arbeit. Dieser Abzug kann aber, wie A. Smith frher selbst aus- einandergesetzt, nur bestehn aus dem Teil der Arbeit, den der Ar- beiter den Stoffen zusetzt ber das Arbeitsquantum hinaus, wel- ches nur seinen Lohn zahlt oder nur ein Žquivalent fr seinen Lohn liefert - also aus der Surplusarbeit, aus dem unbezahlten Teil seiner Arbeit." "Woraus der Mehrwert des Kapitalisten entspringt" und obendrein der des Grundeigentmers, hat also schon A. Smith gewuát; Marx erkennt dies schon 1861 aufrichtig an, w„hrend Rodbertus und der Schwarm seiner unter dem warmen Sommerregen des Staatssozialismus wie Pilze emporschieáenden Verehrer es total vergessen zu haben scheint. "Dennoch", f„hrt Marx fort, "hat Smith den Mehrwert als solchen nicht als eigne Kategorie geschieden von den besondren Formen, die er in Profit und Grundrente erh„lt. Daher bei ihm, wie noch mehr bei Ricardo, viel Irrtum und Mangelhaftigkeit in der Unter- suchung." 2*) - Dieser Satz paát w”rtlich auf Rodbertus. Seine "Rente" ist einfach die Summe von Bodenrente + Profit; von der Bodenrente macht er sich eine total falsche ----- 1*) Ebenda, S. 56 - 1*) ebenda, S. 53 #18# Vorwort ----- Theorie, den Profit nimmt er unbesehn wie er ihn bei seinen Vor- g„ngern findet. - Marx' Mehrwert dagegen ist die a l l g e m e i n e F o r m der ohne Žquivalent von den Eignern der Produktionsmittel angeeigneten Wertsumme, die sich nach ganz eigentmlichen, erst von Marx entdeckten Gesetzen in die besond- ren, verwandelten Formen von Profit und Bodenrente spaltet. Diese Gesetze werden entwickelt in Buch III, wo sich erst zeigen wird, wie viele Mittelglieder n”tig sind, um vom Verst„ndnis des Mehr- werts im allgemeinen zum Verst„ndnis seiner Verwandlung in Profit und Grundrente, also zum Verst„ndnis der Gesetze der Verteilung des Mehrwerts innerhalb der Kapitahstenklasse zu kommen. Ricardo geht schon bedeutend weiter als A. Smith. Er begrndet seine Auffassung des Mehrwerts auf eine neue, bei A. Smith zwar schon im Keim vorhandne, aber in der Ausfhrung fast immer wieder vergeáne Werttheorie, die der Ausgangspunkt aller nachfolgenden ”konomischen Wissenschaft geworden. Aus der Bestimmung des Waren- werts durch die in den Waren realisierte Arbeitsmenge leitet er die Verteilung des den Rohstoffen durch die Arbeit zugesetzten Wertquantums unter Arbeiter und Kapitalisten ab, ihre Spaltung in Arbeitslohn und Profit (d.h. hier Mehrwert). Er weist nach, daá der Wert der Waren derselbe bleibt, wie auch das Verh„ltnis die- ser beiden Teile wechsle, ein Gesetz, bei dem er nur einzelne Ausnahmsf„lle zugibt. Er stellt sogar einige Hauptgesetze ber das wechseln seitige Verh„ltnis von Arbeitslohn und Mehrwert (in der Form von Profit gefaát), wenn auch in zu allgemeiner Fassung fest (Marx, "Kapital" I, Kap. XV, A *1)) und weist die Grundrente als einen unter bestimmten Umst„nden abfallenden šberschuá ber den Profit nach. - In keinem dieser Punkte ist Rodbertus ber Ri- cardo hinausgegangen. Die innern Widersprche der Ricardoschen Theorie, an denen seine Schule zugrunde ging, blieben ihm entwe- der ganz unbekannt oder verleiteten ihn nur ("Zur Erkenntniá etc.", S. 130 zu utopistischen Forderungen statt zu ”konomischen L”sungen. Die Ricardosche Lehre vom Wert und Mehrwert brauchte aber nicht auf Rodbertus' "Zur Erkenntniá etc." zu warten, um sozialistisch ausgebeutet zu werden. Auf S. 609 des ersten Bandes "Kapital" (2. Aufl.) 2*) findet sich zitiert: "The possessors of surplus pro- duce or capital" 3*), aus einer Schrift: "The Source and Remedy of the National Difficulties. A Letter to Lord John Russell", London 1821. In dieser Schrift, auf deren ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 543-547 - 2*) ebenda, S. 614 - 3*) "Die Besitzer des Mehrprodukts oder Kapitals" #19# Vorwort ----- Bedeutung schon der eine Ausdruck: surplus produce or capital h„tte aufmerksam machen mssen, und die ein von Marx aus seiner Verschollenheit geriánes Pamphlet von 40 Seiten ist, heiát es: "Was auch dem Kapitalisten zukommen m”ge" (vom Standpunkt des Ka- pitalisten aus) "er kann immer nur die Mehrarbeit (surplus la- bour) des Arbeiters aneignen, denn der Arbeiter muá leben." (p. 23.) W i e aber der Arbeiter lebt und wie groá daher die vom Kapita- listen angeeignete Mehrarbeit sein kann, ist sehr relativ. "Wenn das Kapital nicht an Wert abnimmt im Verh„ltnis wie es an Masse zunimmt, so wird der Kapitalist dem Arbeiter das Produkt jeder Arbeitsstunde abpressen ber das Minimum hinaus, wovon der Arbeiter leben kann... der Kapitalist kann schlieálich dem Arbei- ter sagen: du sollst kein Brot essen, denn man kann von Runkelr- ben und Kartoffeln leben; und dahin sind wir gekommen." (p. 23, 24.) "Wenn der Arbeiter dahin gebracht werden kann, sich von Kar- toffeln zu n„hren, statt von Brot, so ist es unbestreitbar rich- tig, daá mehr aus seiner Arbeit herausgeschlagen werden kann; d.h. wenn, um von Brot zu leben, er gen”tigt war, fr seine Er- haltung und die seiner Familie d i e A r b e i t d e s M o n t a g s u n d D i e n s t a g s f r s i c h z u b e h a l t e n, so wird er bei Kartoffelnahrung nur die H „ l f t e d e s M o n t a g s fr sich erhalten; und die an- dre H„lfte des Montags und der ganze Dienstag w e r d e n f r e i g e s e t z t entweder fr den Nutzen des Staats oder f r d e n K a p i t a l i s t e n." (p. 26.) "Man bestreitet nicht (it is admitted), daá die den Kapitalisten bezahlten Inter- essen, sei es in der Gestalt von Rente, Geldzins oder Ge- sch„ftsprofit, bezahlt werden aus der Arbeit anderer." (p. 23.) Hier also ganz Rodbertus' "Rente", nur daá statt "Rente": Inter- essen gesagt wird. Marx bemerkt hierzu (Manuskript "Zur Kritik", S. 852 1*)): "Dies kaum bekannte Pamphlet - erschienen zu der Zeit, wo der 'unglaubliche Schuhflicker' MacCulloch [5] anfing, von sich reden zu machen - enth„lt einen wesentlichen Fortschritt ber Ricardo hinaus. Es bezeichnet direkt den Mehrwert oder 'Profit', wie Ri- cardo es nennt (oft auch Mehrprodukt, surplus produce) oder in- terest 2*), wie der Verfasser des Pamphlets es heiát, als surplus labour, Mehrarbeit, die Arbeit, die der Arbeiter gratis verrich- tet, die er verrichtet ber das Quantum Arbeit hinaus, wodurch der Wert seiner Arbeitskraft ersetzt, also ein Žquivalent fr seinen Lohn produziert wird. Ganz so wichtig wie es war, den W e r t i n A r b e i t aufzul”sen, ganz so wichtig war es, den Mehrwert (surplus value), der sich in einem M e h r p r o d u k t (surplus produce) darstellt, in M e h r a r b e i t (surplus labour). Dies ist in der Tat bei A. S m i t h s c h o n g e s a g t, u n d b i l d e t e i n H a u p t m o m e n t i n ----- 1*) Siehe Band 26 unserer Ausgabe, 3. Teil, S. 234/235 - 2*) Zins #20# Vorwort ----- R i c a r d o s E n t w i c k l u n g. Aber es ist bei ihnen nirgends in der absoluten Form herausgesagt und fixiert." Es heiát dann weiter, S. 859 1*) des Manuskripts: "Im brigen ist der Verfasser in den ”konomischen Kategorien befangen, wie er sie vorfindet. Ganz wie bei Ricardo das Verwechseln von Mehrwert und Profit zu unangenehmen Widersprchen fhrt, so bei ihm, daá er Mehrwert Kapitalinteressen tauft. Zwar steht er darin ber Ri- cardo, daá er erstens allen Mehrwert auf Mehrarbeit reduziert und, wenn er den Mehrwert Kapitalinteressen nennt, zugleich her- vorhebt, daá er unter interest of capital die allgemeine Form der Mehrarbeit versteht, im Unterschied von ihren besondern Formen, Rente, Geldzins und Gesch„ftsprofit. Aber er nimmt den Namen ei- ner dieser besondern Formen, interest, wieder als den der allge- meinen Form. Und dies reicht hin, damit er wieder in das ”ko- nosche Kauderwelsch" (slang steht im Manuskript) "zurckf„llt." Dieser letztere Passus sitzt unserm Rodbertus wie angegossen. Auch er ist befangen in den ”konomischen Kategorien, wie er sie vorfindet. Auch er tauft den Mehrwert mit dem Namen einer seiner verwandelten Unterformen, den er noch dazu ganz unbestimmt macht: Rente. Das Ergebnis dieser beiden B”cke ist, daá er wieder in das ”konomische Kauderwelsch verf„llt, seinen Fortschritt ber Ri- cardo hinaus nicht weiter kritisch verfolgt, und statt dessen sich verleiten l„át, seine unfertige Theorie, ehe sie noch die Eierschalen losgeworden, zur Grundlage einer Utopie zu machen, mit der er wie berall zu sp„t kommt. Das Pamphlet erschien 1821 und antizipiert die Rodbertussche "Rente" von 1842 bereits voll- st„ndig. Unser Pamphlet ist nur der „uáerste Vorposten einer ganzen Lite- ratur, die in den zwanziger Jahren die Ricardosche Wert- und Mehrwerttheorie im Interesse des Proletariats gegen die kapitali- stische Produktion kehrt, die Bourgeoisie mit ihren eignen Waffen bek„mpft. Der ganze Owensche Kommunismus, soweit er ”konomisch- polemisch auftritt, sttzt sich auf Ricardo. Neben ihm aber noch eine ganze Reihe von Schriftstellern, von denen Marx schon 1847 nur einige gegen Proudhon ("MisŠre de la Philosophie p. 49 2*)) anfhrt: Edmonds, Thompson, Hodgskin etc., etc., "und noch vier Seiten Etcetera". Ich greife aus dieser Unzahl von Schriften nur aufs Geratewohl eine heraus: "An Inquiry into the Principles of the Distribution of Wealth, most conducive to Human Happiness", by William Thompson; a new edition, London 1850. Diese 1822 ver- faáte Schrift erschien zuerst 1824. Auch hier wird der von den nichtproduzierenden Klassen angeeignete ----- 1*) Siehe Band 26 unserer Ausgabe, 3. Teil, S. 250 - 2*) siehe Band 4 unserer Ausgabe, S. 98 #21# Vorwort ----- Reichtum berall als Abzug vom Produkt des Arbeiters bezeichnet, und das in ziemlich starken Ausdrcken. "Das best„ndige Streben dessen, was wir Cesellschaft nennen, be- stand darin, durch Betrug oder Beredung, durch Schrecken oder Zwang, den produktiven Arbeiter zu bewegen, die Arbeit zu ver- richten fr den m”glichst kleinen Teil des Produkts seiner eignen Arbeit." (p. 28.) "Warum soll der Arbeiter nicht das ganze abso- lute Produkt seiner Arbeit erhalten?" (p. 32.) "Diese Kompensa- tion, die die Kapitalisten dem produktiven Arbeiter abnatigen un- ter dem Namen Bodenrente oder Profit, wird beansprucht fr den Gebrauch des Bodens oder andrer Gegenst„nde... Da alle physischen Stoffe, an denen oder vermittelst derer der besitzlose produktive Arbeiter, der nichts besitzt, auáer seiner F„higkeit zu produzie- ren, diese seine Produktionsf„higkeit geltend machen kann, im Be- sitz andrer sind, deren Interessen den seinen entgegengesetzt, und deren Einwilligung eine Vorbedingung seiner T„tigkeit ist -, h„ngt es da nicht ab, und muá es nicht abhen von der Gnade dieser Kapitalisten, welchen T e i l d e r F r c h t e s e i n e r e i g n e n A r b e i t sie ihm als Entsch„digung fr diese Arbeit wollen zukommen lassen?" (p. 125) "...im Verh„ltnis zur Gr”áe des z u r c k b e h a l t e n e n P r o d u k t s, ob man dies Steuern, Profit oder Diebstahl nenne... diese Defalka- tionen" (p. 126) usw. Ich gestehe, ich schreibe diese Zeilen nicht ohne eine gewisse Besch„mung. Daá die antikapitalistische englische Literatur der zwanziger und dreiáiger Jahre in Deutschland so g„nzlich unbe- kannt ist, trotzdem Marx schon in der "MisŠre de la Philosophie" direkt darauf hingewiesen und manches davon - das Pamphlet von 1821, Ravenstone, Hodgskin etc. - im ersten Band des "Kapital" mehrfach zitiert, das mag noch hingehn. Aber daá nicht nur der sich an Rodbertus' Rocksch”áe mit Verzweiflung anklammernde Lite- ratus vulgaris 1*), "der wirklich auch nichts gelernt hat", son- dern auch der Professor in Amt und Wrden 2*), der "sich mit Ge- lehrsamkeit brsten tut", seine klassische ™konomie bis zu dem Grad vergessen hat, daá er Marx ernsthaft vorwirft, er habe Rod- bertus Dinge entwendet, die schon in A. Smith und Ricardo zu le- sen stehn - das beweist, wie tief die offizielle ™konomie heute heruntergekommen ist. Was hat dann aber Marx ber den Mehrwert Neues gesagt? Wie kommt es, daá Marx' Mehrwertstheorie wie ein Blitz aus heitrem Himmel eingeschlagen hat, und das in allen zivilisierten L„ndern, w„h- rend die Theorien aller seiner sozialistischen Vorg„nger, Rodber- tus eingeschlossen, wirkungslos verpufften? Die Geschichte der Chee kann uns das an einem Beispiel zeigen. Noch gegen Ende des vorigen Jahrhunderts herrschte bekanntlich die phlogistische Theorie, wonach das Wesen jeder Verbrennung darin bestand, ----- 1*) vulg„re Schriftsteller (R. Meyer) - 2*) A. Wagner #22# Vorwort ----- daá sich von dem verbrennenden K”rper ein andrer, hypothetischer K”rper trenne, ein absoluter Brennstoff, der mit dem Namen Phlo- giston bezeichnet wurde. Diese Theorie reichte hin, die meisten damals bekannten chemischen Erscheinungen zu erkl„ren, wenn auch in manchen F„llen nicht ohne Anwendung von Gewalt. Nun stellte 1774 Priestley eine Luftart dar, "die er so rein oder so frei von Phlogiston fand, daá gew”hnliche Luft im Vergleich damit schon verdorben erschien". Er nannte sie: dephlogistisierte Luft. Kurz nachher stellte Scheele in Schweden dieselbe Luft dar und wies deren Vorhanden- sein in der Atmosph„re nach. Er fand auch, daá sie verschwindet, wenn man einen K”rper in ihr oder in gew”hnlicher Luft verbrennt, und nannte sie daher Feuerluft. "Aus diesen Ergebnissen zog er nun den Schluá, daá die Verbin- dung, welche bei der Vereinigung von Phlogiston mit einem der Be- standteile der Luft" (also bei der Verbrennung) entstehe, nichts weiter als Feuer oder W„rme sei, welche durch das Glas entwei- che." 2) Priestley wie Scheele hatten den Sauerstoff dargestellt, wuáten aber nicht, was sie unter der Hand hatten. Sie "blieben befangen in den" phlogistischen "Kategorien, wie sie sie vorfanden". Das Element, das die ganze phlogistische Anschauung umstoáen und die Chemie revolutionieren sollte, war in ihrer Hand mit Unfruchtbar- keit geschlagen. Aber Priestley hatte seine Entdeckung gleich darauf in Paris Lavoisier mitgeteilt, und Lavoisier untersuchte nun, an der Hand dieser neuen Tatsache, die ganze phlogistische Chemie, entdeckte erst, daá die neue Luftart ein neues chemisches Element war, daá in der Verbrennung nicht das geheimnisvolle Phlogiston aus dem verbrennenden K”rper w e g g e h t, sondern dies neue Element sich mit dem K”rper v e r b i n d e t, und stellte so die ganze Chemie, die in ihrer phlotischen Form auf dem Kopf gestanden, erst auf die Fáe. Und wenn er auch nicht, wie er sp„ter behauptet, den Sauerstoff gleichzeitig mit den an- dern und unabh„ngig von ihnen dargestellt hat, so bleibt er den- noch der eigentliche E n t d e c k e r des Sauerstolis gegen- ber den beiden, die ihn bloá d a r g e s t e l l t haben, ohne auch nur zu ahnen, w a s sie dargestellt hatten. Wie Lavoisier zu Priestley und Scheele, so verh„lt sich Marx zu seinen Vorg„ngern in der Mehrwertstheorie. Die E x i s t e n z des Produktenwertteils, --- 2) Roscoe-Schorlemmer, "Ausfhrliches Lehrbuch der Chemie", Braunschweig 1877, I, p. 13, 18. #23# Vorwort ----- den wir jetzt Mehrwert nennen, war festgestellt lange vor Marx; ebenso war mit gr”árer oder geringrer Klarheit ausgesprochen, wo- raus er besteht, n„mlich aus dem Produkt der Arbeit, fr welche der Aneigner kein Žquivalent gezahlt hat. Weiter aber kam man nicht. Die einen - die klassischen brgerlichen ™konomen - unter- suchten h”chstens das Gr”áenverh„ltnis, worin das Arbeitsprodukt verteilt wird zwischen dem Arbeiter und dem Besitzer der Produk- tionsmittel. Die andren - die Sozialisten - fanden diese Vertei- lung ungerecht und suchten nach utopistischen Mitteln, die Unge- rechtigkeit zu beseitigen. Beide blieben befangen in den ”konomi- schen Kategorien, wie sie sie vorgefunden hatten. Da trat Marx auf. Und zwar in direktem Gegensatz zu allen seinen Vorg„ngern. Wo diese eine L ” s u n g gesehn hatten, sah er nur ein P r o b l e m. Er sah, daá hier weder dephlogistisierte Luft vorlag noch Feuerluft, sondern Sauerstoff - daá es sich hier nicht handelte, sei es um die bloáe Konstatierung einer ”konomi- schen Tatsache, sei es um den Konflikt dieser Tatsache mit der ewigen Gerechtigkeit und der wahren Moral, sondern um eine Tatsa- che, die berufen war, die ganze ™konomie umzuw„lzen, und die fr das Verst„ndnis der gesamten kapitalistischen Produktion den Schlssel bot - fr den, der ihn zu gebrauchen wuáte. An der Hand dieser Tatsache untersuchte er die s„mtlichen vorgefundnen Kate- gorien, wie Lavoisier an der Hand des Sauerstoffs die vorgefund- nen Kategorien der phlogistischen Chemie untersucht hatte. Um zu wissen, was der Mehrwert war, muáte er wissen, was der Wert war. Ricardos Werttheorie selbst muáte vor allem der Kritik unterwor- fen werden. Marx also untersuchte die Arbeit auf ihre wertbil- dende Qualit„t und stellte zum ersten Mal fest, w e l c h e Ar- beit, und warum, und wie sie Wert bildet, und daá Wert berhaupt nichts ist als festgeronnene Arbeit d i e s e r Art - ein Punkt, den Rodbertus bis zuletzt nicht begriffen hat. Marx unter- suchte dann das Verh„ltnis von Ware und Geld und wies nach, wie und warum, kraft der ihr innewohnenden Werteigenschaft, die Ware und der Warenaustausch den Gegensatz von Ware und Geld erzeugen muá; seine hierauf gegrndete Geldtheorie ist die erste ersch”p- fende und jetzt stillschweigend allgemein akzeptierte. Er unter- suchte die Verwandlung von Geld in Kapital, und bewies, daá sie auf dem Kauf und Verkauf der Arbeitskraft beruhe. Indem er hier die Arbeitskraft, die wertschaffende Eigenschaft, an die Stelle der Arbeit setzte, l”ste er mit einem Schlag eine der Schwierig- keiten, an der die Picardosche Schule zugrunde gegangen war: die Unm”glichkeit, den gegenseitigem Austausch von Kapital und Arbeit in Einklang zu bringen mit dem Ricardoschen Gesetz der Wertbe- stimmung durch Arbeit. Indem er die Unterscheidung des Kapitals in #24# Vorwort ----- konstantes und variables konstatierte, kam er erst dahin, den Prozeá der Mehrwertbildung in seinem wirklichen Hergang bis ins einzelnste darzustellen und damit zu erkl„ren - was keiner seiner Vorg„nger fertiggebracht; konstatierte er also einen Unterschied innerhalb des Kapitals selbst, mit dem Rodbertus ebensowenig wie die brgerlichen ™konomen im Stande waren, das geringste anzufan- gen, der aber den Schlssel zur L”sung der verwickeltsten ”kono- mischen Probleme liefert, wovon hier wieder Buch II - und noch mehr, wie sich zeigen wird, Buch III - der schlagendste Beweis. Den Mehrwert selbst untersuchte er weiter, fand seine beiden For- men: absoluter und relativer Mehrwert, und wies die verschiedne, aber beidemal entscheidende Rolle nach, die sie in der geschicht- lichen Entwicklung der kapitalistischen Produktion gespielt. Auf Grundlage des Mehrwerts entwickelte er die erste rationelle Theo- rie des Arbeitslohns, die wir haben, und gab zum ersten Mal die Grundzge einer Geschichte der kapitalistischen Akkumulation und eine Darstellung ihrer geschichtlichen Tendenz. Und Rodbertus? Nachdem er das alles gelesen, findet er darin - wie immer Tendenz”konom! - einen "Einbruch in die Gesellschaft" [6], findet, daá er selbst bereits viel krzer und klarer gesagt hat, woraus der Mehrwert entsteht, und findet endlich, daá das alles zwar auf "die heutige Kapitalform" paát, d.h. auf das Kapi- tal, wie es historisch besteht, nicht aber auf "den Kapitalbe- griff", d.h. die utopistische Vorstellung des Herrn Rodbertus vom Kapital. Ganz der alte Priestley, der bis an sein Ende aufs Phlo- giston schwor und vom Sauerstoff nichts wissen wollte. Nur daá Priestley den Sauerstoff wirklich zuerst dargestellt, w„hrend Rodbertus in seinem Mehrwert oder vielmehr seiner "Rente" nur einen Gemeinplatz wieder entdeckt hatte, und daá Marx es ver- schm„hte, im Gegensatz zu Lavoisiers Verfahren, zu behaupten, er sei der erste, der die T a t s a c h e der Existenz des Mehr- werts aufgedeckt. Was Rodbertus sonst ”konomisch geleistet hat, steht auf demselben Niveau. Seine Verarbeitung des Mehrwerts in eine Utopie ist von Marx in der "MisŠre de la Philosophie" schon unabsichtlich mit kritisiert; was sonst noch darber zu sagen, habe ich in der Vor- rede 1*) zur deutschen šbersetzung jener Schrift gesagt. Seine Erkl„rung der Handelskrisen aus der Unterkonsumtion der Arbeiter- klasse findet sich bereits in Sismondig "Nouveaux Principes de l'conomie Politique", liv. IV, ch. IV. 3) Nur daá --- 3) "So verengt sich also durch die Konzentration der Reichtmer in der Hand einer kleinen Anzahl von Eigentmern der innere Markt immer mehr, und die Industrie ist ----- 1*) Siehe Band 4 unserer Ausgage, S.558/559 #25# Vorwort ----- Sismondi dabei stets den Weltmarkt vor Augen hatte, w„hrend Rod- bertus' Horizont nicht ber die preuáische Grenze hinausgeht. Seine Spekulationen darber, ob der Arbeitslohn aus Kapital oder Einkommen stamme, geh”ren der Scholastik an und erledigen sich endgltig durch den dritten Abschnitt dieses zweiten Buchs des "Kapital". Seine Rententheorie ist sein ausschlieáliches Eigentum geblieben und kann fortschlummern, bis das sie kritisierende Ma- nuskript von Marx erscheint. 1*) Endlich seine Vorschl„ge zur Emanzipation des altpreuáischen Grundbesitzes vom Druck des Kapi- tals sind wieder durchaus utopistisch; sie vermeiden n„mlich die einzige praktische Frage, um die es sich dabei handelt - die Frage: Wie kann der altpreuáische Landjunker jahraus, jahrein sage 20000 Mark einnehmen und sage 30000 Mark ausgeben, und doch keine Schulden machen? Die Ricardosche Schule scheiterte gegen 1830 am Mehrwert. Was sie nicht l”sen konnte, blieb erst recht unl”sbar fr ihre Nachfolge- rin, die Vulg„r”konomie. Die beiden Punkte, an denen sie zugrunde ging, waren diese: Erstens. Die Arbeit ist das Maá des Werts. Nun hat aber die le- bendige Arbeit im Austausch mit dem Kapital einen geringem Wert als die vergegenst„ndlichte Arbeit, gegen die sie ausgetauscht wird. Der Arbeitslohn, der Wert eines bestimmten Quantums leben- diger Arbeit, ist stets geringer als der Wert des Produkts, das von diesem selben Quantum lebendiger Arbeit erzeugt wird, oder worin dieses sich darstellt. Die Frage ist in dieser Fassung in der Tat unl”slich. Sie ist von Marx richtig gestellt und damit beantwortet worden. Es ist nicht die Arbeit, die einen Wert hat. Als wertschaffende T„tigkeit kann sie ebensowenig einen besondren Wert haben, wie die Schwere ein besondres Gewicht, die W„rme eine besondre Temperatur, die Elektrizit„t eine besondre Stromst„rke. Es ist nicht die Arbeit, die als Ware gekauft und verkauft wird, sondern die Arbeitskraft. Sobald sie Ware wird, richtet sich ihr Wert nach der in ihr, als einem gesellschaftlichen Produkt, ver- k”rperten Arbeit, ist er gleich der zu ihrer Produktion und Re- produktion gesellschaftlich n”tigen Arbeit. Der Kauf und Verkauf der Arbeitskraft auf Grund dieses ihres Werts widerspricht also keineswegs dem ”konomischen Wertgesetz. --- immer mehr gezwungen, ihre Absatzgebiete auf den fremden M„rkten zu suchen, wo noch gr”áere Umw„lzungen sie erwarten" (n„mlich die Krise von 1817, die gleich darauf beschrieben wird). "Nouv. Princ.", ‚d. 1819, I, p. 336. ----- 1*) Siehe Band 26 unserer Ausgabe, 2. Teil, S. 7-106 #26# Vorwort ----- Zweitens. Nach dem Ricardoschen Wertgesetz produzieren zwei Kapi- tale, die gleich viel und gleich hoch bezahlte lebendige Arbeit anwenden, alle andern Umst„nde gleichgesetzt, in gleichen Zeiten Produkte von gleichem Wert und ebenfalls Mehrwert oder Profit von gleicher H”he. Wenden sie aber ungleiche Mengen lebendiger Arbeit an, so k”nnen sie nicht Mehrwert oder, wie die Ricardianer sagen, Profit von gleicher H”he produzieren. Nun ist aber das Gegenteil der Fall. Tats„chlich produzieren gleiche Kapitale, einerlei wie viel oder wie wenig lebendige Arbeit sie an wenden, in gleichen Zeiten durchschnittlich gleiche Profite. Hier liegt also ein Wi- derspruch gegen das Wertgesetz vor, den schon Ricardo fand, und den seine Schule ebenfalls zu l”sen unf„hig war. Auch Rodbertus konnte nicht umhin, diesen Widerspruch zu sehn; statt ihn zu l”- sen, macht er ihn zu einem der Ausgangspunkte seiner Utopie. ("Zur Erk.", S. 131.) Diesen Widerspruch hatte Marx bereits im Manuskript "Zur Kritik" 1*) gel”st; die L”sung erfolgt nach dem Plan des "Kapital" in Buch III. 2*) Bis zu seiner Ver”ffentli- chung werden noch Monate verstreichen. Die ™konomen also, die in Rodbertus die geheime Quelle und einen berlegnen Vorg„nger von Marx entdecken wollen, haben hier eine Gelegenheit zu zeigen, was die Rodbertussche ™konomie leisten kann. Wenn sie nachweisen, wie nicht nur ohne Verletzung des Wertgesetzes, sondern vielmehr auf Grundlage desselben eine gleiche Durchschnittsprofitrate sich bilden kann und muá, dann wollen wir weiter miteinander sprechen. Inzwischen m”gen sie sich gef„lligst beeilen. Die brillanten Un- tersuchungen dieses Buch II und ihre ganz neuen Ergebnisse auf bisher fast unbetretenen Gebieten sind nur Vorders„tze zum Inhalt des Buch III, das die Schluáergebnisse der Marxschen Darstellung des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses auf kapitalisti- scher Grundlage entwickelt. Wenn dies Buch III erschienen, wird von einem ™konomen Rodbertus wenig mehr die Rede sein. Das zweite und dritte Buch des "Kapital" sollte, wie Marx ”fters sagte, seiner Frau gewidmet werden. London, an Marx' Geburtstag, 5. Mai 1885. Friedrich Engels ----- 1*) "Siehe Band 26 unserer, 2. Teil, S. 19-24, 58-65, 170-234, 428-470 - 2*) siehe Band 25 unserer Ausgabe, 1. und 2. Abschnitt #27# Vorwort ----- [Vorwort zur zweiten Auflage] Die vorliegende zweite Auflage ist der Hauptsache nach ein wort- getreuer Abdruck der ersten. Die Druckfehler sind verbessert, ei- nige stilistische Nachl„ssigkeiten beseitigt, einige kurze, nur Wiederholungen enthaltende Abs„tze gestrichen worden. Das dritte Buch, das ganz unerwartete Schwierigkeiten gemacht hat, ist nun auch beinahe im Manuskript fertiggestellt. Bleibe ich gesund, dann kann der Druck noch diesen Herbst beginnen. London, 15. Juli 1893. F. Engels #28# ----- Der bequemeren Ansicht wegen folgt hier eine kurze Zusammenstel- lung der den einzelnen Manuskripten II-VIII entlehnten Stellen: Erster Abschnitt S. 31-32 aus Ms. II. - S. 32-42 Ms. VII. - S. 42-45 Ms. VI. S. 45-120 Ms. V. - S. 120-123 Note, unter Bcherauszgen gefunden. S. 124 bis Schluá Ms. IV; jedoch eingesprengt: S. 131-132, Stelle aus Ms. VIII; S. 136 u. 142 Noten aus Ms. II. Zweiter Abschnitt Anfang, S. 154-163, ist Schluá von Ms. IV. - Von hier an bis Schluá des Abschnitts S. 350 alles aus Ms. II. Dritter Abschnitt Kap. 18: (S.351-358) aus Ms. II. Kap. 19: I u. II (S. 359-388) aus Ms. VIII. - III (S.388-390) aus Ms. II. Kap. 20: I (S. 391-393) aus Ms. II, nur der Schluáabsatz aus Ms. VIII. II (S. 394-397) im wesentlichen aus MS. II, III, IV, V (S. 397-420) aus MS. VIII. VI, VII, VIII, IX (S. 420-435) aus Ms. II. X, XI, XII (S. 435-476) aus Ms. VIII. XIII (S. 47) aus Ms. II. Kap. 21: (S. 485-518) ganz aus MS. VIII. Zweites Buch Der Zirkulationsprozeá des Kapitals #31# ----- Erster Abschnitt Die Metamorphosen des Kapitals und ihr Kreislauf ERSTES KAPITEL Der Kreislauf des Geldkapitals Der Kreislaufsprozeá 1) des Kapitals geht vor sich in drei Sta- dien, welche, nach der Darstellung des ersten Bandes, folgende Reihe bilden: Erstes Stadium: Der Kapitalist erscheint auf dem Warenmarkt und Arbeitsmarkt als K„ufer; sein Geld wird in Ware umgesetzt oder macht den Zirkulationsakt G-W durch. Zweites Stadium: Produktive Konsumtion der gekauften Waren durch den Kapitalisten. Er wirkt als kapitalistischer Warenproduzent; sein Kapital macht den Produktionsprozeá durch. Das Resultat ist: Ware von mehr Wert als dem ihrer Produktionselemente. Drittes Stadium: Der Kapitalist kehrt zum Markt zurck als Ver- k„ufer; seine Ware wird in Geld umgesetzt oder macht den Zirkula- tionsakt W-G durch. Die Formel fr den Kreislauf des Geldkapitals ist also: G-W... P... W'- G', wo die Punkte andeuten, daá der Zirkulations- prozeá unterbrochen ist, und W' wie G' ein durch Mehrwert ver- mehrtes W und G bezeichnen. Das erste und dritte Stadium wurden im ersten Buch nur er”rtert, soweit dies n”tig fr das Verst„ndnis des zweiten Stadiums, den Produktionsprozeá des Kapitals. Die verschiednen Formen, worin das Kapital in seinen verschiednen Stadien sich kleidet, und die es bei wiederholtem Kreislauf bald annimmt, bald abstreift, blie- ben daher unbercksichtigt. Sie bilden jetzt den n„chsten Gegen- stand der Untersuchung. --- 1) Aus Ms. II. #32# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- Um die Formen rein aufzufassen, ist zun„chst von allen Momenten zu abstrahieren, die mit dem Formwechsel und der Formbildung als solchen nichts zu tun haben. Daher wird hier angenommen, nicht nur, daá die Waren zu ihren Werten verkauft werden, sondern auch, daá dies unter gleichbleibenden Umst„nden geschieht. Es wird also auch abgesehn von den Wertver„nderungen, die w„hrend des Kreis- laufsprozesses eintreten k”nnen. I. Erstes Stadium. G-W 2) G-W stellt den Umsatz einer Geldsumme in eine Summe von Waren dar; fr den K„ufer Verwandlung seines Geldes in Ware, fr die Verk„ufer Verwandlung ihrer Waren in Geld. Was aus diesem Vorgang der allgemeinen Warenzirkulation zugleich einen funktionell be- stimmten Abschnitt im selbst„ndigen Kreislauf eines individuellen Kapitals macht, ist zun„chst nicht die Form des Vorgangs, sondern sein stofflicher Gehalt, der spezifische Gebrauchscharakter der Waren, welche den Platz mit dem Gelde wechseln. Es sind einer- seits Produktionsmittel, andrerseits Arbeitskraft, sachliche und pers”nliche Faktoren der Warenproduktion, deren besondre Art na- trlich der Sorte des herzustellenden Artikels entsprechen muá. Nennen wir die Arbeitskraft A, die Produktionsmittel Pm, so ist die zu kaufende Warensumme W = A + Pm. oder krzer A W < Pm G-W, seinem Inhalt nach betrachtet, stellt sich also dar als A G-W< ; Pm d.h. G-W zerf„llt in G-A und G-Pm; die Geldsumme G spaltet sich in zwei Teile, wovon der eine Arbeitskraft, der andre Produkti- onsmittel kauft. Diese eiden Reihen von K„ufen geh”ren ganz und gar verschiednen M„rkten an, die eine dem eigentlichen Waren- markt, die andre dem Arbeitsmarkt. Auáer dieser qualitativen Spaltung der Warensumme, worin G umge- setzt wird, stellt A G-W< Pm aber noch ein h”chst charakteristisches quantitatives Verh„ltnis dar. Wir wissen, daá der Wert, resp. Preis der Arbeitskraft ihrem In- haber, der sie als Ware feilh„lt, in der Form von Arbeitslohn be- zahlt wird, d.h. als Preis einer Arbeitssumme, die Mehrarbeit enth„lt; so daá, wenn z.B. der Tageswert der Arbeitskraft = 3 Mark, dem Produkt fnfstndiger Arbeit diese Summe in dem Kon- trakt zwischen K„ufer und Verk„ufer figuriert als der Preis oder Lohn, sage fr zehnstndige Arbeit. Wurde ein solcher Kontrakt z.B. mit 50 Arbeitern geschlossen, so haben sie zusammen dem K„u- fer --- 2) Von hier an Ms. VII, angefangen 2. Juli 1878. #33# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- w„hrend eines Tages 500 Arbeitsstunden zu liefern, wovon die H„lfte, 250 Arbeitsstunden = 25 zehnstndigen Arbeitstagen, bloá aus Mehrarbeit besteht. Quantum wie Umfang der zu kaufenden Pro- duktionsmittel mssen hinreichen zur Anwendung dieser Arbeits- masse. A G-W< Pm drckt also nicht nur das qualitative Verh„ltnis aus, daá eine bestimmte Geldsumme, z.B. 422 Pfd. St., in einander entsprechende Produktionsmittel und Arbeitskraft umgesetzt wird, sondern auch ein quantitatives Verh„ltnis zwischen den in Arbeitskraft A und den in Produktionstteln Pm ausgelegten Teilen des Geldes, ein Verh„ltnis, von vornherein bestimmt durch die Summe der von einer bestimmten Arbeiterzahl zu verausgabenden berschssigen Mehrar- beit. Wenn also z.B. in einer Spinnerei der Wochenlohn der 50 Arbeiter 50 Pfd.St. betr„gt, mssen 372 Pfd.St. in Produktionsmitteln ver- ausgabt werden, falls dies der Wert der Produktionsmittel, welche die Wochenarbeit von 3000 Stunden, wovon 1500 Stunden Mehrarbeit, in Garn verwandelt. Wieweit in verschiednen Industriezweigen die Anwendung zuschssi- ger Arbeit einen Wertzuschuá in der Form von Produktionsrnitteln bedingt, ist hier ganz gleichgltig. Es handelt sich nur darum, daá unter allen Umst„nden der in Produktionsmitteln verausgabte Teil des Geldes - die in G-Pm gekauften Produktionsmittel - hin- reichen, also von vornherein darauf berechnet, in entsprechender Proportion beschafft sein mssen. Oder die Masse der Produktions- mittel muá hinreichen, um die Arbeitsmasse zu absorbieren, um durch sie in Produkt verwandelt zu werden. W„ren nicht hinrei- chend Produktionsmittel vorhanden, so w„re die berschssige Ar- beit, ber die der K„ufer verfgt, nicht verwendbar; sein Verf- gungsrecht darber fhrte zu nichts. W„ren mehr Produktionsmittel vorhanden als verfgbare Arbeit, so blieben sie unges„ttigt mit Arbeit, wrden nicht in Produkt verwandelt. Sobald A G-W< Pm vollzogen, verfgt der K„ufer nicht nur ber die zur Produktion eines ntzlichen Artikels n”tigen Produktionsmittel und Arbeits- kraft. Er verfgt šber eine gr”áere Flssigmachung der Arbeits- kraft, oder gr”áeres Quantum Arbeit, als zum Ersatz des Werts der Arbeitskraft n”tig, und zugleich ber die Produktionsmittel, erheischt zur Verwirklichung oder Vergegenst„ndlichung dieser Ar- beitssumme: er verfgt also ber die Faktoren der Produktion von Artikeln von gr”áerem Wert als dem ihrer Produktionselemente, oder einer Mehrwert enthaltenden Warenmasse. Der von ihm in Geld- form vorgeschoáne Wert befindet sich also jetzt in einer Natural- form, worin er als Mehrwert (in Gestalt von Waren) heckender Wert verwirklicht werden kann. In andern Worten: er befindet sich in dem #34# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- Zustand oder der Form von p r o d u k t i v e m K a p i t a l, welches die F„higkeit hat, als Wert und Mehrwert schaffend zu fungieren. Kapital in dieser Form heiáe P. Der Wert von P ist aber = Wert von A + Pm, dem in A und Pm umge- setzten G. G ist derselbe Kapitalwert wie P, nur in verschiedner Existenzweise, n„mlich Kapitalwert in Geldzustand oder Geldform - G e l d k a p i t a l. A G-W< , Pm oder seiner allgemeinen Form nach G-W, Summe von Warenk„ufen, dieser Vorgang der allgemeinen Warenzirkulation ist daher zugleich, als Stadium im selbst„ndigen Kreislaufprozeá des Kapi- tals, Verwandlung des Kapitalwerts aus seiner Geldform in seine produktive Form, oder krzer Verwandlung von G e l d k a p i t a l in p r o d u k t i v e s K a p i t a l. In der hier zun„chst betrachteten Figur des Kreislaufs erscheint also Geld als der erste Tr„ger des Kapitalwerts, daher Geldkapi- tal als die Form, worin das Kapital vorgeschossen wird. Als Geldkapital befindet es sich in einem Zustand, worin es Geld- funktionen vollziehen kann, wie im vorliegenden Fall die Funktio- nen des allgemeinen Kaufmittels und des allgemeinen Zahlungsmit- tels. (Letztres, sofern die Arbeitskraft zwar zuerst gekauft, aber erst gezahlt wird, nachdem sie gewirkt hat. Soweit die Pro- duktionsmittel nicht fertig auf dem Markt vorhanden, sondern erst zu bestellen sind, wirkt das Geld bei G-Pm ebenfalls als Zah- lungsmittel.) Diese F„higkeit entspringt nicht daraus, daá das Geldkapital Kapital, sondern daraus, daá es Geld ist. Andrerseits kann der Kapitalwert im Geldzustand auch nur Geld- funktionen, und keine andern, verrichten. Was diese letztren zu Kapitanktionen macht, ist ihre bestimmte Rolle in der Bewegung des Kapitals, daher auch der Zusammenhang des Stadiums, worin sie erscheinen, mit den andern Stadien seines Kreislaufs. Z.B. im Fall, der uns zun„chst vorliegt, wird Geld umgesetzt in Waren, deren Verbindung die Naturalform des produktiven Kapitals bildet, die also latent, der M”glichkeit nach, bereits das Resultat des kapitalistischen Produktionsprozesses in sich birgt. Ein Teil des Geldes, welches in A G-W< Pm die Funktion von Geldkapital verrichtet, geht durch die Vollzie- hung dieser Zirkulation selbst in eine Funktion ber, worin sein Kapitaicharakter verschwindet und sein Geldcharakter bleibt. Die Zirkulation des Geldkapitals G zerf„llt in G-Pm und G-A, Kauf von Produktionsmitteln und Kauf von Arbeitskraft. Betrachten wir den Letztem Vorgang fr sich. G-A ist Kauf von Arbeitskraft seitens des Kapitalisten; es ist Verkauf der Arbeitskraft - wir k”nnen hier sagen der Arbeit, da die Form des Arbeitslohns vorausgesetzt - von seiten des Arbeiters, des Inhabers der Arbeitskraft. Was fr den K„ufer G-W (= G-A), ist hier, wie bei jedem Kauf, fr den Verk„ufer (den Arbeiter) A-G (= W-G), #35# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- Verkauf seiner Arbeitskraft. Dies ist das erste Zirkulationssta- dium oder die erste Metamorphose der Ware (Buch I, Kap. III 2a); es ist, seitens des Verk„ufers der Arbeit, Verwandlung seiner Ware in ihre Geldform. Das so erhaltne Geld verausgabt der Arbei- ter nach und nach in einer Summe von Waren, die seine Bedrfnisse befriedigen, in Konsumtionsartikeln. Die Gesamtzirkulation seiner Ware stellt sich also dar als A-G-W, d.h. erstens A-G (= W-G) und zweitens G-W, also in der allgemeinen Form der einfachen Waren- zirkulation W-G-W, wo das Geld als bloáes verschwindendes Zirku- lationsmittel, als bloáer Vermittler des Umsatzes von Ware gegen Ware figuriert. G-A ist das charakteristische Moment der Verwandlung von Geldka- pital in produktives Kapital, weil es die wesentliche Bedingung, damit der in Geldform vorgeschoáne Wert sich wirklich in Kapital, in Mehrwert produzierenden Wert verwandle. G-Pm ist nur notwen- dig, um die durch G-A gekaufte Arbeitsmasse zu realisieren. G-A wurde daher von diesem Gesichtspunkt aus dargestellt in Buch I, Abschn. II, Verwandlung von Geld in Kapital. Die Sache ist hier noch von einem andern Gesichtspunkt aus zu betrachten, mit spe- ziellem Bezug auf das Geldkapital als Erscheinungsform des Kapi- tals. G-A wird allgemein als charakteristisch angesehn fr die kapita- listische Produktionsweise. Aber keineswegs aus dem angegebnen Grund, weil der Kauf der Arbeitskraft ein Kaufkontrakt ist, worin die Lieferung eines gr”áern Quantums Arbeit bedungen wird, als zum Ersatz des Preises der Arbeitskraft, des Arbeitslohns, n”tig ist; also Lieferung von Mehrarbeit, die Grundbedingung fr die Kapitalisation des vorgeschoánen Werts, oder was dasselbe, fr Produktion von Mehrwert. Sondern vielmehr seiner Form halber, weil in der Form des Arbeitslohns m i t G e l d Arbeit gekauft wird, und dies gilt als Merkmal der Geldwirtschaft. Hier ist es wieder nicht das Irrationelle der Form, welches fr charakteristisch gilt. Dies Irrationelle wird vielmehr bersehn. Das Irrationelle besteht darin, daá die Arbeit als wertbildendes Element selbst keinen Wert besitzen, also auch ein bestimmtes Quantum Arbeit keinen Wert haben kann, der sich in ihrem Preise ausdrckt, in ihrer Žquivalenz mit einem bestimmten Quantum Geld. Aber wir wissen, daá der Arbeitslohn bloá eine verkleidete Form ist, eine Form, worin z.B. der Tagespreis der Arbeitskraft sich als Preis der w„hrend eines Tages von dieser Arbeitskraft flssig gemachten Arbeit darstellt, so daá also etwa der in 6 Stunden Ar- beit von dieser Arbeitskraft produzierte Wert als Wert ihrer zw”lfstndigen Funktion oder Arbeit ausgckt wird. #36# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- G-A gilt als das Charakteristische, als die Signatur der sog. Geldwirtschaft, weil die Arbeit hier als Ware ihres Besitzers er- scheint, das Geld daher als K„ufer - also wegen des Geldverh„lt- nisses (d.h. Kauf und Verkauf von menschlicher T„tigkeit). Nun aber erscheint das Geld schon sehr frh als K„ufer sogenannter Dienste, ohne daá G sich in Geldkapital verwandelte oder der all- gemeine Charakter der Wirtschaft umgew„lzt wrde. Dem Geld ist es durchaus gleichgltig, in welche Sorte von Waren es verwandelt wird. Es ist die allgemeine Žquivalentform aller Waren, die in ihren Preisen schon zeigen, daá sie ideell eine be- stimmte Geldsumme darstellen, ihre Verwandlung in Geld erwarten, und nur durch ihren Stellenwechsel mit Geld die Form erhalten, worin sie in Gebrauchswerte fr ihre Besitzer umsetzbar sind. Findet sich also auf dem Markt die Arbeitskraft einmal als Ware ihres Besitzers vor, deren Verkauf unter der Form der Zahlung fr Arbeit geschieht, in Gestalt des Arbeitslohns, so stellt ihr Kauf und Verkauf nichts Auffallenderes dar als der Kauf und Verkauf jeder andern Ware. Nicht, daá die Ware Arbeitskraft k„uflich ist, sondern daá die Arbeitskraft als Ware erscheint, ist das Charak- teristische. Durch A G-W< , Pm die Verwandlung von Geldkapital in produktives Kapital, bewirkt der Kapitalist die Verbindung der gegenst„ndlichen und pers”nli- chen Faktoren der Produktion, soweit diese Faktoren aus Waren be- stehn. Wird Geld zum ersten Mal in produktives Kapital verwan- delt, oder fungiert es fr seinen Besitzer zum ersten Mal als Geldkapital, so muá er erst die Produktionsmittel kaufen, Ar- beitsgeb„ude, Maschinen etc., ehe er die Arbeitskraft kauft; denn sobald letztre in seine Botm„áigkeit bergeht, mssen die Produk- tionsmittel da sein, um sie als Arbeitskraft anwenden zu k”nnen. So stellt sich die Sache von seiten des Kapitalisten dar. Von seiten des Arbeiters: Die produktive Bet„tigung seiner Ar- beitskraft wird erst m”glich von dem Augenblick, wo sie infolge ihres Verkaufs in Verbindung mit den Produktionsmitteln gesetzt wird. Sie existiert also vor dem Verkauf getrennt von den Produk- tionsmitteln, von den gegenst„ndlichen Bedingungen ihrer Bet„ti- gung. In diesem Zustand der Trennung kann sie weder direkt ver- wandt werden zur Produktion von Gebrauchswerten fr ihren Besit- zer, noch zur Produktion von Waren, von deren Verkauf dieser le- ben k”nnte. Sobald sie aber durch ihren Verkauf in Verbindung mit den Produktionsmitteln gesetzt ist, bildet sie einen Bestandteil des produktiven Kapitals ihres K„ufers, ebensogut wie die Produk- tionsmittel. Obgleich daher in dem Akt G-A Geldbesitzer und Arbeitskraftbesit- zer sich nur als K„ufer und Verk„ufer zueinander verhalten, als Geldbesitzer #37# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- und Warenbesitzer einander gegenbertreten, sich also nach dieser Seite hin in bloáem Geldverh„ltnis zueinander befinden, - so tritt doch der K„ufer von vornherein zugleich als Besitzer der Produktionsmittel auf, welche die gegenst„ndlichen Bedingungen der produktiven Verausgabung der Arbeitskraft durch ihren Besit- zer bilden. Mit andern Worten: diese Produktionsmittel treten dem Besitzer der Arbeitskraft gegenber als fremdes Eigentum. Andrer- seits steht der Verk„ufer der Arbeit ihrem K„ufer gegenber als fremde Arbeitskraft, die in seine Botm„áigkeit bergehn, seinem Kapital einverleibt werden muá, damit dies wirklich als produkti- ves Kapital sich bet„tige. Das Klassenverh„ltnis zwischen Kapita- list und Lehnarbeiter ist also schon vorhanden, schon vorausge- setzt, in dem Augenblick, wo beide in dem Akt G-A (A-G von seiten des Arbeiters) sich gegenbertreten. Es ist Kauf und Verkauf, Geldverh„ltnis, aber ein Kauf und Verkauf, wo der K„ufer als Ka- pitalist und der Verk„ufer als Lohnarbeiter vorausgesetzt wird, und dies Verh„ltnis ist damit gegeben, daá die Bedingungen zur Verwirklichung der Arbeitskraft - Lebensmittel und Produktions- mittel getrennt sind als fremdes Eigentum von dem Besitzer der Arbeitskraft. Wie diese Trennung entsteht, besch„ftigt uns hier nicht. Sie exi- stiert, sobald G-A vollzogen wird. Was uns hier interessiert, ist: Wenn G-A als eine Funktion des Geldkapitals erscheint, oder Geld hier als Existenzform des Kapitals, so keineswegs bloá, weil das Geld hier auftritt als Zahlungsmittel fr eine menschliche T„tigkeit, die einen Nutzeffekt hat, fr einen Dienst; also kei- neswegs durch die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel. Das Geld kann in dieser Form nur verausgabt werden, weil die Arbeits- kraft im Zustand der Trennung von ihren Produktionsmitteln (einschlieálich der Lebensmittel als Produktionsmittel der Ar- beitskraft selbst) sich befindet; und weil diese Trennung nur da- durch aufgehoben wird, daá die Arbeitskraft an den Inhaber der Produktionsmittel verkauft wird; daá also auch die Flssigmachung der Arbeitskraft, deren Grenzen keineswegs nut den Grenzen der zur Reproduktion ihres eignen Preises n”tigen Arbeitsmasse zusam- menfallen, dem K„ufer geh”rt. Das Kapitalverh„ltnis w„hrend des Produktionsprozesses kommt nur heraus, weil es an sich im Zirku- lationsakt existiert, in den unterschiednen ”konomischen Grundbe- dingungen, worin K„ufer und Verk„ufer sich gegenbertreten, in ihrem Klassenverh„ltnis. Es ist nicht das Geld, mit dessen Natur das Verh„ltnis gegeben ist; es ist vielmehr das Dasein dieses Verh„ltnisses, eine bloáe Geldfunktion in eine Kapitalfunktion verwandeln kann. Bei Auffassung des Geldkapitals (wir haben mit diesem einstweilen nur zu tun innerhalb der bestimmten Funktion, in der es uns hier gegenbertritt) #38# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- laufen gew”hnlich zwei Irrtmer neben- oder durcheinander. Er- stens: Die Funktionen, die der Kapitalwert als Geldkapital ver- richtet, und die er eben verrichten kann, weil er sich in Geld- form befindet, werden irrtmlich aus seinem Kapitalcharakter ab- geleitet, w„hrend sie nur dem Geldzustand des Kapitalwerts ge- schuldet sind, seiner Erscheinungsform als Geld. Und zweitens um- gekehrt: Der spezifische Gehalt der Geldfunktion, der sie zugleich zu einer Kapitalfunktion macht, wird aus der Natur des Geldes hergeleitet (Geld daher mit Kapital verwechselt), w„hrend sie gesellschaftliche Bedingungen voraussetzt, wie hier in Voll- ziehung von G-A, die in bloáer Waren- und entsprechender Geldzir- kulation keineswegs gegeben sind. Auch der Kauf und Verkauf von Sklaven ist seiner Form nach Warenkauf und -verkauf. Ohne Exi- stenz der Sklaverei kann Geld aber nicht diese Funktion voll- ziehn. Ist Sklaverei da, so kann Geld im Ankauf von Sklaven aus- gelegt werden. Umgekehrt reicht Geld in der Hand des K„ufers kei- nes Wegs hin, um Sklaverei zu erm”glichen. Daá der Verkauf der eignen Arbeitskraft (in der Form des Verkaufs der eignen Arbeit oder des Arbeitslohns) nicht als isolierte Er- scheinung, sondern als gesellschaftlich maágebende Voraussetzung der Produktion von Waren sich darstelle, daá also das Geldkapital auf gesellschaftlicher Stufenleiter die hier betrachtete Funktion A G-W< Pm vollziehe, - dies unterstellt historische Prozesse, durch welche die ursprngliche Verbindung der Produktionsmittel mit der Ar- beitskraft aufgel”st wurde; Prozesse, infolge deren die Masse des Volks, die Arbeiter, als Nichteigentmer und die Nichtarbeiter als Eigentmer dieser Produktionsmittel sich gegenberstehn. Wo- bei es nichts zur Sache tut, ob die Verbindung vor ihrer Zerset- zung die Form besaá, daá der Arbeiter selbst als Produktionsmit- tel zu den andern Produktionsmitteln geh”rte, oder ob er deren Eigner war. Der Tatbestand, der hier also dem Akt A G-W< Pm zugrunde liegt, ist die Verteilung; nicht die Verteilung im ge- w”hnlichen Sinn als Verteilung der Konsumtionsmittel, sondern die Verteilung der Elemente der Produktion selbst, von denen die ge- genst„ndlichen Faktoren auf der einen Seite konzentriert sind, die Arbeitskraft davon isoliert auf der andern. Die Produktionsmittel, der gegenst„ndliche Teil des produktiven Kapitals, mssen also dem Arbeiter schon als solche, als Kapital gegenberstehn, bevor der Akt G-A ein allgemein gesellschaftli- cher Akt werden kann. Wir haben frher 1*) gesehn, daá die kapi- talistische Produktion, einmal etabliert, in ihrer Entwicklung nicht nur diese Trennung reproduziert, ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe. 7. Abschnitt, S. 589-802 #39# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- sondern sie auf stets gr”áem Umfang erweitert, bis sie der allge- mein herrschende gesellschaftliche Zustand geworden. Die Sache bietet aber noch eine andre Seite dar. Damit das Kapital sich bilden und sich der Produktion bem„chtigen kann, ist eine gewisse Entwicklungsstufe des Handels vorausgesetzt, also auch der Waren- zirkulation und damit der Warenproduktion; denn es k”nnen nicht Artikel als Waren in die Zirkulation eingehn, sofern sie nicht fr den Verkauf, also als Waren, produziert werden. Als normaler, herrschender Charakter der Produktion erscheint die Warenproduk- tion aber erst auf Grundlage der kapitalistischen Produktion. Die russischen Grundeigentmer, die infolge der sog. Bauerneman- zipation ihre Landwirtschaft jetzt mit Lohnarbeitern statt mit leibeignen Zwangsarbeitern betreiben, klagen ber zweierlei: Er- stens ber Mangel an Geldkapital. So heiát es z.B.: Bevor man die Ernte verkauft, habe man Lohnarbeitern in gr”áerem Umfang zu zah- len, und da fehle es an der ersten Bedingung, an Barem. Kapital in der Form von Geld muá gerade zur Zahlung des Arbeitslohns be- st„ndig vorhanden sein, um die Produktion kapitalistisch zu be- treiben. Doch darber m”gen sich die Grundbesitzer tr”sten. Mit der Zeit pflckt man Rosen, und verfgt der industrielle Kapita- list nicht nur ber sein eignes Geld, sondern auch ber l'argent des autres 1*). Charakteristischer aber ist die zweite Klage, n„mlich: daá, wenn man auch Geld habe, man nicht in hinreichendem Umfang und zu be- liebiger Zeit die zu kaufenden Arbeitskr„fte disponibel finde, indem der russische Landarbeiter infolge des Gemeineigentums der Dorfgemeinde an Grund und Boden noch nicht v”llig von seinen Pro- duktionsmitteln getrennt, daher noch kein "freier Lohnarbeiter" im vollen Sinne des Wortes ist. Aber das Vorhandensein des letz- tren auf gesellschaftlicher Stufenleiter ist unerl„áliche Bedin- gung, damit G-W, Verwandlung von Geld in Ware, als Verwandlung von Geldkapital in produktives Kapital, darstellbar sei. Es versteht sich daher von selbst, daá die Formel fr den Kreis- lauf des Geldkapitals: G-W... P... W'-G' selbstverst„ndliche Form des Kapitalkreislaufs nur auf Grundlage schon entwickelter kapi- talistischer Produktion ist, weil sie das Vorhandensein der Lohn- arbeiterklasse auf gesellschaftlicher Stufe voraussetzt. Die ka- pitalistische Produktion, wie wir gesehn, produziert nicht nur Ware und Mehrwert; sie reproduziert, und in stets erweitertem Um- fang, die Klasse der Lohnarbeiter und verwandelt die ungeheure Majorit„t der unmittelbaren Produzenten in Lohnarbeiter. G-W... P... W'-G', da die erste Voraussetzung seines Verlaufs das be- st„ndige Vorhandensein ----- 1*) das Geld der anderen #40# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- der Lohnarbeiterklasse, unterstellt daher schon das Kapital in der Form des produktiven Kapitals, und daher die Form des Kreis- laufs des produktiven Kapitals. #40# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- II. Zweites Stadium. Funktion des produktiven Kapitals Der hier betrachtete Kreislauf des Kapitals beginnt mit dem Zir- kulationsakt G-W, der Verwandlung von Geld in Ware, Kauf. Die Zirkulation muá also erg„nzt werden durch die entgegengesetzte Metamorphose W-G, Verwandlung von Ware in Geld, Verkauf. Aber das unmittelbare Resultat von A G-W< Pm ist die Unterbrechung der Zirkulation des in Geldform vorgeschoá- nen Kapitalwerts. Durch die Verwandlung von Geldkapital in pro- duktives Kapital hat der Kapitalwert eine Naturalform erhalten, worin er nicht fortzirkulieren kann, sondern in die Konsumtion, n„mlich in die produktive Konsumtion, eingehen muá. Der Gebrauch der Arbeitskraft, die Arbeit, kann nur im Arbeitsprozeá reali- siert werden. Der Kapitalist kann den Arbeiter nicht wieder als Ware verkaufen, da dieser nicht sein Sklave ist, und jener weiter nichts gekauft hat, als die Vernutzung seiner Arbeitskraft auf bestimmte Zeit. Er kann andrerseits die Arbeitskraft nur vernut- zen, indem er durch sie die Produktionsmittel als Warenbildner vernutzen l„át. Das Resultat des ersten Stadiums ist also der Eintritt in das zweite, das produktive Stadium des Kapitals. Die Bewegung stellt sich dar als A G-W< ...P, Pm wo die Punkte andeuten, daá die Zirkulation des Kapitals unter- brochen ist, sein Kreislaufsprozeá aber fortdauert, indem es aus der Sph„re der Warenzirkulation in die Produktionssph„re ein- tritt. Das erste Stadium, die Verwandlung von Geldkapital in pro- duktives Kapital, erscheint also nur als Vorl„ufer und Einlei- tungsphase des zweiten Stadiums, der Funktion des produktiven Ka- pitals. A G-W< Pm setzt voraus, daá das Individuum, welches diesen Akt vollzieht, nicht nur ber Werte in beliebiger Gebrauchsform verfgt, sondern daá es diese Werte in Geldform besitzt, da es Geldbesitzer ist. Der Akt besteht aber gerade in der Weggabe des Geldes, und jener kann nur Geldbesitzer bleiben, soweit ihm das Geld implizite durch den Akt der Weggabe selbst zurckstr”mt. Geld kann ihm aber nur zurckflieáen durch den Verkauf von Waren. Der Akt setzt ihn also voraus als Warenproduzenten. G-A. Der Lohnarbeiter lebt nur vom Verkauf der Arbeitskraft. Ihre Erhaltung - seine Selbsterhaltung - erfordert t„gliche Konsum- tion. Seine #41# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- Zahlung muá also best„ndig in krzern Terminen wiederholt werden, damit er die zu seiner Selbsterhaltung n”tigen Eink„ufe - den Akt A-G-W oder W-G-W - wiederholen kann. Der Kapitalist muá ihm daher best„ndig als Geldkapitalist und sein Kapital als Geldkapital ge- genbertreten. Andrerseits aber, damit die Masse der unmittelba- ren Produzenten, der Lohnarbeiter, den A-G-W vollziehn k”nne, mssen ihr die notwendigen Lebensmittel in k„uflicher, d.h. in Warenform, best„ndig gegenbertreten. Dieser Zustand erheischt also schon einen hohen Grad der Zirkulation der Produkte als Wa- ren, also auch des Umfangs der Warenproduktion. Sobald die Pro- duktion vermittelst Lohnarbeit allgemein, muá die Warenproduktion die allgemeine Form der Produktion sein. Diese als allgemein vor- ausgesetzt, bedingt ihrerseits eine stetig wachsende Teilung der gesellschaftlichen Arbeit, d.h. stets gr”áre Besondrung des Pro- dukts, das als Ware von einem bestimmten Kapitalisten produziert wird, stets gr”áre Spaltung sich erg„nzender Produktionsprozesse in verselbst„ndigte. In demselben Grad wie G-A entwickelt sich daher G-Pm; d.h. in demselben Umfang trennt sich die Produktion der Produktionsmittel von der der Ware, deren Produktionsmittel sie sind, und treten diese jedem Warenproduzenten selbst als Wa- ren gegenber, die er nicht produziert, sondern zum Behuf seines bestimmten Produktionsprozesses kauft. Sie kommen heraus, von dem seinen vollst„ndig getrennten, selbst„ndig betriebnen Produkti- onszweigen, und gehn ein in seinen Produktionszweig als Waren, mssen daher gekauft werden. Die sachlichen Bedingungen der Wa- renproduktion treten ihm in immer gr”árem Umfang als Produkte andrer Warenproduzenten, als Waren, gegenber. In demselben Um- fang muá der Kapitalist als Geldkapitalist auftreten, oder erwei- tert sich der Maástab, worauf sein Kapital als Geldkapital fun- gieren muá. Andrerseits: Dieselben Umst„nde, welche die Grundbedingung der kapitalistischen Produktion produzieren - das Dasein einer Lohn- arbeiterklasse -, sollizitieren den šbergang aller Warenproduk- tion in kapitalistische Warenproduktion. Im Umfang wie diese sich entwickelt, wirkt sie zersetzend und aufl”send auf jede „ltre Form der Produktion, die, vorzugsweis auf unmittelbaren Selbstbe- darf gerichtet, nur den šberschuá des Produkts in Ware verwan- delt. Sie macht den Verkauf des Produkts zum Hauptinteresse, zun„chst ohne scheinbar die Produktionsweise selbst anzugreifen, wie dies z.B. die erste Wirkung des kapitalistischen Welthandels auf solche V”lker war, wie Chinesen, Indier, Araber etc. Zweitens aber, wo sie Wurzel gegriffen, zerst”rt sie alle Formen der Wa- renproduktion, die entweder auf Selbstarbeit der Produzenten ge- grndet, oder bloá auf den Verkauf des #42# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- berschssigen Produkts als Ware. Sie verallgemeinert zuerst die Warenproduktion und verwandelt dann stufenweise alle Warenproduk- tion in kapitalistische. 3) Welches immer die gesellschaftlichen Formen der Produktion, Ar- beiter und Produktionsmittel bleiben stets ihre Faktoren. Aber die einen und die andern sind dies nur der M”glichkeit nach im Zustand ihrer Trennung voneinander. Damit berhaupt produziert werde, mssen sie sich verbinden. Die besondre Art und Weise, worin diese Verbindung bewerkstelligt wird, unterscheidet die verschiednen ”konomischen Epochen der Gesellschaftsstruktur. Im vorliegenden Fall ist die Trennung des freien Arbeiters von sei- nen Produktionsmitteln der gegebne Ausgangspunkt, und wir haben gesehn, wie und unter welchen Bedingungen beide in der Hand des Kapitalisten vereint werden - n„mlich als produktive Daseinsweise seines Kapitals. Der wirkliche Prozeá, den die so zusammenge- brachten pers”nlichen und sachlichen Warenbildner miteinander eingehn, der Produktionsprozeá, wird daher selbst eine Funktion des Kapitals - kapitalistischer Produktionsprozeá, dessen Natur ausfhrlich im ersten Buch dieser Schrift entwickelt worden. Je- der Betrieb der Warenproduktion wird zugleich Betrieb der Ausbeu- tung der Arbeitskraft; aber erst die kapitalistische Warenproduk- tion wird zu einer epochemachenden Ausbeutungsweise, die in ihrer geschichtlichen Fortentwicklung durch die Organisation des Ar- beitsprozesses und die riesenhafte Ausbildung der Technik die ganze ”konomische Struktur der Gesellschaft umw„lzt und alle fr- heren Epochen unvergleichbar bergipfelt. Durch die verschiednen Rollen, die sie w„hrend des Produktions- prozesses bei der Wertbildung, also auch in der Erzeugung von Mehrwert spielen, unterscheiden sich Produktionsmittel und Ar- beitskraft, soweit sie Existenzformen des vorgeschoánen Kapital- werts, als konstantes und variables Kapital. Als verschiedne Be- standteile des produktiven Kapitals unterscheiden sie sich ferner dadurch, daá die erstern, im Besitz des Kapitalisten, sein Kapi- tal bleiben auch auáerhalb des Produktionsprozesses, w„hrend bloá innerhalb desselben die Arbeitskraft Daseinsform eines individu- ellen Kapitals wird. Wenn die Arbeitskraft nur in der Hand ihres Verk„ufers, des Lohnarbeiters, Ware ist, so wird sie dagegen Ka- pital nur in der Hand ihres K„ufers, des Kapitalisten, dem ihr zeitweiser Gebrauch zuf„llt. Die Produktionsmittel selbst werden nur gegenst„ndliche Gestalten des produktiven Kapitals, oder pro- duktives Kapital, von dem Augenblick, wo ihnen die --- 3) Bis hierher Manuskript VII. Von hier an Manuskript VI. #43# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ------ Arbeitskraft, als pers”nliche Daseinsform desselben, einverleib- bar geworden ist. So wenig also menschliche Arbeitskraft von Na- tur Kapital, so wenig sind es die Produktionsmittel. Sie erhalten diesen spezifischen gesellschaftlichen Charakter nur unter be- stimmten, geschichtlich entwickelten Bedingungen, wie nur unter solchen den edlen Metallen der des Geldes, oder gar dem Geld der des Geldkapitals ausgepr„gt wird. Indem es fungiert, verbraucht das produktive Kapital seine eignen Bestandteile, um sie in eine h”herwertige Produktenmasse umzuset- zen. Da die Arbeitskraft nur als eins seiner Organe wirkt, ist auch der durch ihre Mehrarbeit erzeugte šberschuá des Pro- duktwerts ber den Wert seiner Bildungselemente die Frucht des Kapitals. Die Mehrarbeit der Arbeitskraft ist die Gratisarbeit des Kapitals und bildet daher fr den Kapitalisten Mehrwert, einen Wert, der ihm kein Žquivalent kostet. Das Produkt ist daher nicht nur Ware, sondern mit Mehrwert befruchtete Ware. Ihr Wert ist = P + M, gleich dem Wert des in ihrer Herstellung verzehrten produktiven Kapitals P plus dem von ihm erzeugten Mehrwert M. Un- terstellen wir, diese Ware bestehe aus 10 000 Pfund Garn, in de- ren Herstellung Produktionsmittel zum Wert von 372 Pfd.St. und Arbeitskraft zum Wert von 50 Pfd.St. verbraucht worden. W„hrend des Spinnprozesses bertrugen die Spinner den Wert der durch ihre Arbeit verzehrten Produktionsmittel im Belauf von 372 Pfd.St. auf das Garn, wie sie zugleich, entsprechend ihrer Arbeitsausgabe, einen Neuwert von, sage 128 Pfd.St. darstellten. Die 10 000 Pfund Garn sind daher Tr„ger eines Werts von 500 Pfd.St. #43# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ------ III. Drittes Stadium. W'-G' Ware wird Warenkapital als unmittelbar aus dem Produktionsprozeá selbst entsprungene funktionelle Daseinsform des bereits verwer- teten Kapitalwerts. Wrde die Warenproduktion in ihrem ganzen ge- sellschaftlichen Umfang kapitalistisch betrieben, so w„re alle Ware von Haus aus Element eines Warenkapitals, bestehe sie nun aus Roheisen oder Brsseler Spitzen, Schwefels„ure oder Zigarren. Das Problem, welche Sorten des Warenheers durch ihre Beschaffen- heit zum Kapitalrang bestimmt, welche andere zum gemeinen Waren- dienst, ist eins der selbstgeschaffnen holden Drangsale der scho- lastischen ™konomie. In einer Warenform muá das Kapital Warenfunktion verrichten. Die Artikel, woraus es besteht, von Haus aus fr den Markt produ- ziert, mssen verkauft, in Geld verwandelt werden, also die Bewe- gung W-G durchlaufen. #44# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- Die Ware des Kapitalisten bestehe aus 10 000 Pfund Baumwollen- garn. Wurden im Spinnprozeá Produktionsmittel zum Wert von 372 Pfd.St. verzehrt und ein Neuwert von 128 Pfd.St. geschaffen, so hat das Garn einen Wert von 500 Pfd.St., welchen es ausdrckt in seinem gleichnamigen Preise. Dieser Preis werde realisiert durch den Verkauf W-G. Was macht diesen einfachen Vorgang aller Waren- zirkulation gleichzeitig zu einer Kapitalfunktion? Keine Ver„nde- rung, die sich innerhalb desselben ereignet, sei es mit Bezug auf ihren Gebrauchscharakter, denn als Gebrauchsgegenstand geht die Ware an den K„ufer ber, sei es mit Bezug auf ihren Wert, denn dieser erleidet keinen Gr”áenwechsel, sondern nur einen Formwech- sel. Erst existierte er in Garn, jetzt existiert er in Geld. So tritt ein wesentlicher Unterschied hervor zwischen dem ersten Stadium G-W 1*) und dem letzten Stadium W-G. Dort fungiert das vorgeschoáne Geld als Geldkapital, weil es sich vermittelst der Zirkulation in Waren von spezifischem Gebrauchswert umsetzt. Hier kann die Ware nur als Kapital fungieren, sofern sie diesen Cha- rakter schon fertig aus dem Produktionsprozeá mitbringt, bevor ihre Zirkulation beginnt. W„hrend des Spinnprozesses schufen die Spinner Garnwert zum Belauf von 128 Pfd.St. Davon bilden, sage 50 Pfd.St., dem Kapitalisten bloá ein Žquivalent fr seine Auslage in Arbeitskraft, und 78 Pfd.St. - bei einem Exploitationsgrad der Arbeitskraft von 156% - bilden Mehrwert. Der Wert der 10 000 Pfund Garn enth„lt also erstens den Wert des aufgezehrten produk- tiven Kapitals P, wovon der konstante Teil = 372 Pfd.St., der va- riable = 50 Pfd.St., ihre Summe = 422 Pfd.St., = 8440 Pfund Garn. Der Wert des produktiven Kapitals P ist aber = W, dem Wert seiner Bildungselemente, die in dem Stadium G-W dem Kapitalisten als Wa- ren in den H„nden ihrer Verk„ufer gegenberstanden. - Zweitens aber enth„lt der Wert des Garns einen Mehrwert von 78 Pfd.St. 1560 Pfund Garn. W als Wertausdruck der 10 000 Pfund Garn ist also W + delta W, W plus einem Inkrement von W (= 78 Pfd.St.), welches wir w nennen wollen, da es in derselben Warenform exi- stiert wie jetzt der ursprngliche Wert W. Der Wert der 10 000 Pfund Garn = 500 Pfd.St. ist also = W + w = W'. Was W, als Wert- ausdruck der 10 000 Pfund Garn, zu W' macht, ist nicht seine ab- solute Wertgr”áe (500 Pfd.St.), denn sie ist wie bei allen andern W als Wertausdruck irgendeiner andern Warensumme bestimmt durch die Gr”áe der in ihr vergegenst„ndlichten Arbeit. Es ist eine re- lative Wertgr”áe, seine Wertgr”áe verglichen mit dem Wert des in seiner Produktion aufgezehrten Kapitals P. Dieser Wert ist in ihr enthalten, ----- 1*) 1. und 2.AufIage: W-G; ge„ndert nach der Druckvorlage von En- gels. #45# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- plus dem vom produktiven Kapital gelieferten Mehrwert. Sein Wert ist gr”áer, berschssig ber diesen Kapitalwert, um diesen Mehr- wert w. Die 10 000 Pfund Garn sind Tr„ger des verwerteten, mit einem Mehrwert bereicherten Kapitalwerts, und sind dies als Pro- dukt des kapitalistischen Produktionsprozesses. W' drckt ein Wertverh„ltnis aus, das Verh„ltnis des Werts des Warenprodukts zu dem des in seiner Produktion verausgabten Kapitals, also die Zu- sammensetzung seines Werts aus Kapitalwert und Mehrwert. Die 10 000 Pfund Garn sind Warenkapital, W', nur als verwandelte Form des produktiven Kapitals P, also in einem Zusammenhang, der zun„chst nur im Kreislauf dieses individuellen Kapitals exi- stiert, oder fr den Kapitalisten, der mit seinem Kapital Garn produziert hat. Es ist sozusagen nur ein inneres, kein ausw„rti- ges Verh„ltnis, das die 10 000 Pfund Garn als Werttr„ger zu Wa- renkapital macht; sie tragen ihr kapitalistisches Muttermal nicht in der absoluten Gr”áe ihres Werts, sondern in seiner relativen Gr”áe, in ihrer Wertgr”áe verglichen mit der, die das in ihnen enthaltene produktive Kapital besaá, ehe es sich in Ware verwan- delt. Werden daher die 10 000 Pfund Garn zu ihrem Wert von 500 Pfd.St. verkauft, so ist dieser Zirkulationsakt, fr sich be- trachtet, = W-G, bloáe Verwandlung eines gleichbleibenden Werts aus Warenform in Geldform. Aber als besonderes Stadium im Kreis- lauf eines individuellen Kapitals ist derselbe Akt Realisierung des von der Ware getragnen Kapitalwerts von 422 Pfd.St. + dem von ihr getragnen Mehrwert von 78 Pfd.St., also W'-G', Verwandlung des Warenkapitals aus seiner Warenform in Geldform. 4) Die Funktion von W' ist nun die alles Warenprodukts: sich in Geld zu verwandeln, verkauft zu werden, die Zirkulationsphase W-G durchzumachen. Solange das jetzt verwertete Kapital in der Form des Warenkapitals verharrt, auf dem Markt festliegt, steht der Produktionsprozeá still. Es wirkt weder als Produkt- noch als Wertbildner. Je nach dem verschiednen Grad der Geschwindigkeit, womit das Kapital seine Warenform abst”át und seine Geldform an- nimmt, oder je nach der Raschheit des Verkaufs, wird derselbe Ka- pitalwert in sehr ungleichem Grad als Produkt- und Wertbildner dienen und die Stufenleiter der Reproduktion sich ausdehnen oder verkrzen. Es wurde im ersten Buch gezeigt, daá der Wirkungsgrad eines gegebnen Kapitals durch Potenzen des Produktionsprozesses bedingt ist, die von seiner eignen Wertgr”áe in gewissem Grad un- abh„ngig sind. 1*) --- 4) Bis hierher Manuskript VI. Von hier an Manuskript V. ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausg S. 629-631 #46# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- Hier zeigt sich, daá der Zirkulationsprozeá neue, von der Wert- gr”áe des Kapitals unabh„ngige Potenzen seines Wirkungsgrads, seiner Expansion und Kontraktion in Bewegung setzt. Die Warentnasse W', als Tr„ger des verwerteten Kapitals, muá fer- ner in ihrem ganzen Umfang die Metamorphose W'-G' durchmachen. Die Quantit„t des Verkauften wird hier wesentliche Bestimmung. Die einzelne Ware figuriert nur noch als integrierender Teil der Gesamtmasse. Die 500 Pfd.St. Wert existieren in 10 000 Pfund Garn. Gelingt es dem Kapitalisten, nur 7440 Pfund zu ihrem Wert von 372 Pfd.St. zu verkaufen, so hat er nur den Wert seines kon- stanten Kapitals, den Wert der verausgabten Produktionsmittel, ersetzt, wenn Pfund, so nur die Wertgr”áe des vorgeschoánen Ge- samtkapitals. Er muá mehr verkaufen, um Mehrwert zu realisieren, und er muá alle 10 000 Pfund Garn verkaufen, um den ganzen Mehr- wert von 78 Pfd.St. (= 1560 Pfund Garn) zu realisieren. Er erh„lt also in 500 Pfd.St. Geld nur einen Gleichwert fr die verkaufte Ware; seine Transaktion innerhalb der Zirkulation ist einfaches W-G. H„tte er seinen Arbeitern 64 Pfd.St. statt 50 Pfd. St. Lohn gezahlt, so w„re sein Mehrwert nur 64 Pfd.St. statt 78 Pfd.St., und der Exploitationsgrad nur 100% statt 156%; aber nach wie vor bliebe der Wert seines Garns unver„ndert, nur das Verh„ltnis sei- ner verschiednen Teile w„re ein andres; der Zirkulationsakt W-G w„re nach wie vor Verkauf von 10 000 Pfund Garn fr 500 Pfd.St., ihren Wert. W' = W + w (= 422 Pfd.St. + 78 Pfd.St.). - W ist gleich dem Wert von P oder dem produktiven Kapital, und dies gleich dem Wert von G, das in G-W, dem Kauf der Produktionselemente, vorgeschossen wurde; in unserm Beispiel = 422 Pfd.St. Wird die Warenmasse zu ihrem Wert verkauft, so W = 422 Pfd.St. und w = 78 Pfd.St., dem Wert des Mehrprodukts von 1560 Pfund Garn. Nennen wir w, in Geld ausgedruckt, g, so ist W'-G' = (W+w) - (G+g), und der Kreislauf G-W... P... W'-G'in seiner expliziten Form also A G-W G, G'-G = M, dem Mehrwert. - Aber als Resul- tat dieses Kreislaufs G... G' existiert jetzt nur noch G', es ist das Produkt, worin sein Bildungsprozeá erloschen ist. G' exi- stiert jetzt selbst„ndig fr sich, unabh„ngig von der Bewegung, die es hervorbrachte. Sie ist vergangen, es ist da an ihrer Stelle. Aber G' als G + g, 500 Pfd.St. als 422 Pfd. St. vorgeschoánes Ka- pital plus einem Inkrement desselben von 78 Pfd.St., stellt zugleich ein qualitatives Verh„ltnis dar, obgleich dies qualita- tive Verh„ltnis selbst nur als Verh„ltnis der Teile einer gleich- namigen Summe, also als quantitatives Verh„ltnis existiert. G, das vorgeschoáne Kapital, das jetzt wieder in seiner ursprngli- chen Form (422 Pfd.St.) vorhanden ist, existiert jetzt als reali- siertes Kapital. Es hat sich nicht nur erhalten, es hat sich auch als Kapital realisiert, indem es sich als solches unterscheidet von g (78 Pfd.St.), worauf es bezogen ist als auf seinen Zuwachs, seine Frucht, auf ein durch es selbst gehacktes Inkrement. Es ist als Kapital realisiert, weil als Wert, der einen #50# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- Wert geheckt hat. G' existiert als Kapitalverh„ltnis -, G er- scheint nicht mehr als bloáes Geld, sondern es ist ausdrcklich als Geldkapital gesetzt, ausgedrckt als Wert, der sich verwertet hat, also auch die Eigenschaft besitzt, sich zu verwerten, mehr Wert zu hecken als er selbst hat. G ist als Kapital gesetzt durch sein Verh„ltnis zu einem andern Teil von G', als dem durch es Ge- setzten, aus ihm als Ursache Bewirktem, als der Folge, wovon es der Grund. So erscheint G' als in sich differenzierte, sich funk- tionell (begrifflich) in sich selbst unterscheidende, das Kapi- talverh„ltnis ausdrckende Wertsumme. Aber dies ist nur ausgedruckt als Resultat, ohne die Vermittlung des Prozesses, dessen Resultat es ist. Wertteile unterscheiden sich als solche qualitativ nicht vonein- ander, auáer soweit sie als Werte verschiedner Artikel, konkreter Dinge auftreten, also in verschiednen Gebrauchsformen, daher als Werte verschiedner Warenk”rper - ein Unterschied, der nicht aus ihnen selbst als bloáen Wert teilen entspringt. Im Geld ist alle Verschiedenheit der Waren ausgel”scht, weil es eben die ihnen al- len gemeinsame Žquivalentform ist. Eine Geldsumme von 500 Pfd.St. besteht aus lauter gleichnamigen Elementen von 1 Pfd.St. Da in dem einfachen Dasein dieser Geldsumme die Vermittlung ihrer Her- kunft ausgel”scht und von der spezifischen Differenz, welche die verschiednen Kapitalbestandteile im Produktionsprozeá besitzen, jede Spur verschwunden ist, so existiert der Unterschied nur noch in der begrifflichen Form einer Hauptsunune (englisch principal) = dem vorgeschoánen Kapital von 422 Pfd.St. und einer berschs- sigen Wertsumme von 78 Pfd.St. G' sei z.B. = 110 Pfd.St., wovon 100 = G, Hauptsumme, und 10 = M, Mehrwert. Es herrscht absolute Gleichartigkeit, also begrifffiche Unterschiedslosigkeit, zwi- schen den beiden konstituierenden Teilen der Summe von 110 Pfd.St. Beliebige 10 Pfd.St. sind immer 1/11 der Gesamtsumme von 110 Pfd.St., ob sie nun 1/10 der vorgeschoánen Hauptsunune von 100 Pfd.St. oder der šberschuá von 10 Pfd. St. ber dieselbe. Hauptsumme und Zuwachssumme, Kapital und Mehrsumme sind daher ausdrckbar als Bruchteile der Gesamtsumme; in unserm Beispiel bilden 10/11 die Hauptsumme oder das Kapital, 1/11 die Mehrsumme. Es ist daher begriffsloser Ausdruck des Kapitalverh„ltnisses, worin hier am Schluá seines Prozesses das realisierte Kapital in seinem Geldausdruck erscheint. Allerdings gilt dies auch fr W' (= W + w). Aber mit dem Unter- schied, daá W', worin W und w auch nur proportionelle Wertteile derselben homogenen Warenmasse, hinweist auf seinen Ursprung P, dessen unmittelbares #51# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- Produkt es ist, w„hrend in G', einer unmittelbar aus der Zirkula- tion herstammenden Form, direkte Beziehung zu P verschwunden ist. Der begriffslose Unterschied zwischen Haupt- und Zuwachssumme, der in G' enthalten ist, soweit es das Resultat der Bewegung G... G'ausdrckt, verschwindet sofort, sobald es aktiv als Geldkapital wieder fungiert, also nicht umgekehrt als Geldausdruck des ver- werteten industriellen Kapitals fixiert wird. Der Kreislauf des Geldkapitals kann nie mit G' beginnen (obgleich G' jetzt als G fungiert), sondern nur mit G; d.h. nie als Ausdruck des Kapital- verh„ltnisses, sondern nur als Vorschuáform des Kapitalwerts. So- bald die 500 Pfd.St. von neuem als Kapital vorgeschossen werden, um sich von neuem zu verwerten, sind sie Ausgangspunkt statt Rckkehrpunkt. Statt eines Kapitals von 422 Pfd.St. ist jetzt eins von 500 Pfd.St. vorgeschossen, mehr Geld als frher, mehr Kapitalwert, aber das Verh„ltnis zwischen den zwei Bestandteilen ist weggefallen, ganz wie ursprnglich die Summe von 500 Pfd.St. statt der von 422 Pfd.St. h„tte als Kapital fungieren k”nnen. Es ist keine aktive Funktion des Geldkapitals, sich als G' darzu- stellen; seine eigne Darstellung als G'ist vielmehr eine Funktion von W'. Schon in der einfachen Warenzirkulation, 1) W1-G, 2) G- W2, fungiert G erst aktiv im zweiten Akt G-W2; seine Darstellung als G ist nur Resultat des ersten Akts, kraft dessen es erst als verwandelte Form von W, auftritt. Das in G' enthaltene Kapital- verh„ltnis, die Beziehung eines seiner Teile als des Kapitalwerts auf den andern als dessen Wertinkrement, bekommt allerdings funk- tionelle Bedeutung, soweit, bei best„ndiger Wiederholung des Kreislaufs G... G', G'sich in zwei Zirkulationen spaltet, Kapi- talzirkulation und Mehrwertzirkulation, also die beiden Teile nicht bloá quantitativ, sondern auch qualitativ verschiedne Funk- tionen vollziehn, G andre als g. Aber an sich betrachtet, schlieát die Form G... G' die Konsumtion des Kapitalisten nicht ein, sondern ausdrcklich nur die Selbstverwertung und die Akku- mulation, soweit letztre zun„chst in periodischem Anwachs des stets von neuem vorgeschoánen Geldkapitals sich ausdrckt. Obgleich begriffslose Form des Kapitals, ist G' = G + g zugleich erst das Geldkapital in seiner realisierten Form, als Geld, wel- ches Geld geheckt hat. Fber ist aber zu unterscheiden von der Funktion des Geldkapitals im ersten Stadium A G-W < . Pm G in diesem ersten Stadium zirkuliert als Geld. Es fungiert als Geldkapital nur deshalb, weil es nur in seinem Geldzustand eine Geldfunktion verrichten, sich in die ihm als Waren gegenberste- henden Elemente von P, in A und Pm umsetzen kann. In diesem Zir- kulationsakt fungiert es nur als Geld; aber weil dieser Akt das erste Stadium des #52# I. Abschnitt - Die Metmorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- prozessierenden Kapitalwerts, ist er zugleich Funktion des Geld- kapitals, kraft der spezifischen Gebrauchsform der Waren A und Pm, die gekauft werden. G' dagegen, zusammengesetzt aus G, dem Kapitalwert, und g, dem durch diesen erzeugten Mehrwert, drckt verwerteten Kapitalwert aus, den Zweck und das Resultat, die Funktion des gesamten Kreislaufsprozesses des Kapitals. Daá es dies Resultat in Geldform, als realisiertes Geldkapital aus- drckt, entspringt nicht daraus, daá es Geldform des Kapitals, G e l d kapital ist, sondern umgekehrt daraus, daá es Geld k a p i t a l, Kapital in Geldform ist, daá das Kapital in dieser Form den Prozeá er”ffnet hat, in Geldform vorgeschossen worden ist. Die Rckverwandlung in die Geldform ist eine Funktion des Warenkapitals W', wie wir gesehn, nicht des Geldkapitals. Was aber die Differenz von G' gegenber G betrifft, so ist sie (g) nur Geldform von w, dem Inkrement von W; G' ist nur = G + g, weil W' = W + w war. In W' ist also diese Differenz und das Verh„ltnis des Kapitalwerts zu dem von ihm gehackten Mehrwert vorhanden und ausgedrckt, bevor beide in G' verwandelt, in eine Geldsumme, worin beide Wertteile selbst„ndig einander gegenbertreten und daher auch zu selbst„ndigen und voneinander verschiednen Funktio- nen verwendbar sind. G' ist nur Resultat der Realisierung von W'. Beide, W' wie G', sind nur verschiedne Formen, Warenform und Geldform, des verwer- teten Kapitalwerts, beide haben dies gemein, daá sie verwerteter Kapitalwert. Beide sind verwirklichtes Kapital, weil hier der Ka- pitalwert als solcher mitsamt dem Mehrwert als von ihm verschied- ner, durch ihn erhaltner Frucht existiert, obgleich dies Verh„lt- nis nur ausgedruckt ist in der begriffslosen Form des Verh„ltnis- ses zweier Teile einer Geldsumme oder eines Warenwerts. Aber als Ausdrcke des Kapitals in Beziehung zu und im Unterschied von dem durch es erzeugten Mehrwert, also als Ausdrcke von verwertetem Wert, sind G' und W' dasselbe und drcken dasselbe aus, nur in verschiedner Form; sie unterscheiden sich nicht als Geldkapital und Warenkapital, sondern als Geld und Ware. Sofern sie verwerte- ten Wert, als Kapital bet„tigtes Kapital darstellen, drcken sie nur das Resultat der Funktion des produktiven Kapitals aus, der einzigen Funktion, worin der Kapitalwert Wert heckt. Ihr Gemein- sames ist, daá sie beide, Geldkapital und Warenkapital, Existenz- weisen des Kapitals sind. Das eine ist Kapital in Geldform, das andre in Warenform. Die sie unterscheidenden spezifischen Funk- tionen k”nnen daher nichts andres sein, als Unterschiede zwischen Geldfunktion und Warenfunktion. Das Warenkapital, als direktes Produkt des kapitalistischen Produktionsprozesses, erinnert an diesen seinen Ursprung und ist daher in seiner Form rationeller, minder begriffslos als das Geldkapital, #55# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- in dem jede Spur dieses Prozesses erloschen ist, wie berhaupt im Geld alle besondre Gebrauchsform der Ware erlischt. Es ist daher nur, wo G' selbst als Warenkapital fungiert, wo es unmittelbares Produkt eines Produktionsprozesses und nicht verwandelte Form dieses Produkts ist, daá seine bizarre Form verschwindet - also in der Produktion des Geldmaterials selbst. Fr Goldproduktion z.B. w„re die Formel: A G-W < ... P... G' (G + g), Pm wo G' als Warenprodukt figuriert, weil P mehr Gold liefert als fr die Produktionselemente des Goldes im ersten G, dem Geldkapi- tal, vorgeschossen war. Hier verschwindet also das Irrationelle des Ausdrucks G... G' (G + g), wo ein Teil einer Geldsumme als Mutter eines andern Teils derselben Gddsumme erscheint. #55# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- IV. Der Gesamt-Kreislauf Wir haben gesehn, daá der Zirkulationsprozeá nach Ablauf seiner ersten Phase A G-W < Pm unterbrochen wird durch P, wo die auf dem Markt gekauften Waren A und Pm nun als stoffliche und westliche Bestandteile des produk- tiven Kapitals konsumiert werden; das Produkt dieser Konsumtion ist eine neue Ware, W', stofflich und wertlich ver„ndert. Der un- terbrochene Zirkulationsprozeá, G-W, muá erg„nzt werden durch W- G. Aber als Tr„ger dieser zweiten und abschlieáenden Phase der Zirkulation erscheint W', eine stofflich und wertlich von dem er- sten W verschiedne Ware. Die Zirkulationsreihe stellt sich also dar als 1) G-W1; 2) W'2-G', wo in der zweiten Phase der ersten Ware W, eine andre von h”herem Wert und verschiedner Gebrauchs- form, W'2, untergeschoben ist w„hrend der durch die Funktion von P verursachten Unterbrechung, der Produktion von W' aus den Ele- menten von W, den Daseinsformen des produktiven Kapitals P. Die erste Erscheinungsform dagegen, worin uns das Kapital (Buch 1, Kap. IV, 1) gegenbertrat, G-W-G' (aufgel”st: 1) G-W1; 2) W1-G') zeigt dieselbe Ware zweimal. Es ist beidemal dieselbe Ware, worin sich das Geld in der ersten Phase verwandelt, und welche sich in der zweiten Phase in mehr Geld rckverwandelt. Trotz dieser we- sentlichen Verschiedenheit haben beide Zirkulationen das gemein, daá in ihrer ersten Phase Geld in Ware und in ihrer zweiten Ware in Geld verwandelt wird, das in der ersten Phase verausgabte Geld also in der zweiten wieder zurckflieát. Einerseits haben sie diesen Rckstrom des Geldes zu seinem Ausgangspunkt gemein, andrerseits aber auch den šberschuá des rckstr”menden Geldes ber das vorgeschoáne. Insofern erscheint auch G-W... W'-G' in der allgemeinen Formel G-W-G' enthalten. #56# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- Es ergibt sich hier ferner, daá in den beiden der Zirkulation an- geh”rigen Metamorphosen G-W und W'-G' sich jedesmal gleich groáe, gleichzeitig vorhandne Wertexistenzen gegenberstehn und einander ersetzen. Die Wertver„nderung geh”rt lediglich der Metamorphose P, dem Produktionsprozeá, der so als reale Metamorphose des Kapi- tals, gegenber den bloá formellen Metamorphosen der Zirkulation, erscheint. Betrachten wir nun die Gesamtbewegung G-W... P... W'- G, oder ihre explizite Form A G-W < ... P ... W' (W + w) - G' (G + g). Pm Das Kapital erscheint hier als ein Wert, der eine Reihenfolge zu- sammenh„ngender, durch einander bedingter Verwandlungen durch- l„uft, eine Reihe von Metamorphosen, die ebensoviele Phasen oder Stadien eines Gesamtprozesses bilden. Zwei dieser Phasen geh”ren der Zirkulationssph„re an, eine der Produktionssph„re. In jeder dieser Phasen befindet sich der Kapitalwert in verschiedner Ge- stalt, der eine verschiedne, spezielle Funktion entspricht. In- nerhalb dieser Bewegung erh„lt sich nicht nur der vorgeschoáne Wert, sondern er w„chst, vermehrt seine Gr”áe. Endlich, im Schluástadium, kehrt er zur selben Form zurck, worin er beim Ausgang des Gesamtprozesses erschien. Dieser Gesamtprozeá ist da- her Kreislaufsprozeá. Die beiden Formen, die der Kapitalwert innerhalb seiner Zirkula- tionsstadien annimmt, sind die von G e l d k a p i t a l und W a r e n k a p i t a l; seine dem Produktionsstadium angeh”rige Form ist die von p r o d u k t i v e m K a p i t a l. Das Ka- pital, welches im Verlauf seines Gesamtkreislaufs diese Formen annimmt und wieder abstreift und in jeder die ihr entsprechende Funktion vollzieht, ist i n d u s t r i e l l e s K a p i t a l - industriell hier in dem Sinn, daá es jeden kapitalistisch be- triebnen Produktionszweig umfaát. Geldkapital, Warenkapital, produktives Kapital bezeichnen hier also nicht selbst„ndige Kapitalsorten, deren Funktionen den In- halt gleichfalls selbst„ndiger und voneinander getrennter Ge- sch„ftszweige bilden. Sie bezeichnen hier nur besondre Funktions- formen des industriellen Kapitals, das sie alle drei nacheinander annimmt. Der Kreislauf des Kapitals geht nur normal vonstatten, solange seine verschiednen Phasen ohne Stockung ineinander bergehn. Stockt das Kapital in der ersten Phase G-W, so erstarrt das Geld- kapital zum Schatz; wenn in der Produktionsphase, so liegen die Produktionsmittel funktionslos auf der einen Seite, w„hrend die Arbeitskraft duf der andern unbesch„ftigt bleibt; wenn in der letzten Phase W'-G', so versperren unverk„uflich aufgeh„ufte Wa- ren den Zirkulationsfluá. Andrerseits liegt es in der Natur der Sache, daá der Kreislauf selbst die Fixierung des Kapitals, w„hrend bestimmter Fristen, in den einzelnen #59# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- Kreisabschnitten bedingt. In jeder seiner Phasen ist das indu- strielle Kapital an eine bestimmte Form gebunden, als Geldkapi- tal, produktives Kapital, Warenkapital. Nur nachdem es die seiner jedesmaligen Form entsprechende Funktion vollzogen hat, erh„lt es die Form, worin es eine neue Verwandlungsphase eingehn kann. Um dies klarzulegen, haben wir in unserm Beispiel angenommen, daá der Kapitalwert der im Produktionsstadium erzeugten Warenmasse gleich sei der Gesamtsumme des ursprnglich als Geld vorgeschoá- nen Werts, mit andern Worten, daá der ganze als Geld vorgeschoáne Kapitalwert auf einmal aus dem einen Stadium in das jedesmal n„chstfolgende tritt. Wir haben aber gesehn (Buch I, Kap. VI), daá ein Teil des konstanten Kapitals, die eigentlichen Arbeits- mittel (z.B. Maschinen) in einer gr”áern oder geringem Anzahl von Wiederholungen derselben Produktionsprozesse stets von neuem die- nen, ihren Wert daher auch nur stckweis an das Produkt abgeben. Wieweit dieser Umstand den Kreislaufsprozeá des Kapitals modifi- ziert, wird sich sp„ter zeigen. Hier gengt folgen des: In unserm Beispiel enthielt der Wert des produktiven Kapitals = 422 Pfd.St. nur den durchschnittlich berechneten Verschleiá der Fabrikge- b„ude, Maschinerie etc., also nur den Wertteil, den sie bei Ver- wancUung von 10 600 Pfund Baumwolle in 10 000 Pfund Garn auf letztres bertragen, auf das Produkt eines w”chentlichen Spinn- prozesses von 60 Stunden. In den Produktionsmitteln, in welche sich das vorgeschoáne konstante Kapital von 372 Pfd.St. verwan- delt, figurierten daher auch die Arbeitsmittel, Geb„ude, Maschi- nerie etc. so, als ob sie auf dem Markt gegen w”chentliche Raten- zahlung nur gemietet w„ren. Dies „ndert jedoch absolut nichts am Sachverhalt. Wir brauchen das in der Woche produzierte Garnquan- tum von 10 000 Pfund nur mit der Anzahl der auf eine gewisse Reihe von Jahren berechneten Wochen zu multiplizieren, damit der ganze Wert der gekauften und in dieser Zeit aufgebrauchten Ar- beitsmittel auf es bertragen wird. Es ist dann klar, daá das vorgeschoáne Geldkapital erst in diese Mittel verwandelt, also aus dem ersten Stadium G-W herausgetreten sein muá, bevor es als produktives Kapital P fungieren kann. Ebenso klar ist es in un- serm Beispiel, daá die dem Garn w„hrend des Produktionsprozesses einverleibte Kapitalwertsumme von 422 Pfd.St. nicht als Wertbe- standteil der 10 000 Pfund Garn in die Zirkulationsphase W'-G' eingehn kann, ehe es fertig ist. Das Garn kann nicht verkauft werden, ehe es gesponnen. In der allgemeinen Formel wird das Produkt von P betrachtet als ein von den Elementen des produktiven Kapitals verschiednes mate- rielles Ding, als ein Gegenstand, der eine vom Produktionsprozeá abgesonderte Existenz, eine von der der Produktionselemente ver- schiedne Gebrauchsform #60# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- besitzt. Und wenn das Resultat des Produktionsprozesses als Ding auftritt, ist dies stets der Fall, selbst wo ein Teil des Pro- dukts wieder als Element in die erneuerte Produktion eingeht. So dient Getreide als Aussaat zu seiner eignen Produktion; aber das Produkt besteht nur aus Getreide, hat also eine von den mitver- wandten Elementen, der Arbeitskraft, den Instrumenten, dem Dn- ger, verschiedne Gestalt. Es gibt aber selbst„ndige Industrie- zweige, wo das Produkt des Produktionsprozesses kein neues gegen- st„ndliches Produkt, keine Ware ist. ™konomisch wichtig davon ist nur die Kommunikationsindustrie, sei sie eigentliche Transportin- dustrie fr Waren und Menschen, sei sie šbertragung bloá von Mit- teilungen, Briefen, Telegrammen etc. A. Tschuprow 6) sagt darber: "Der Fabrikant kann zuerst Artikel produzieren und dann Konsumen- ten dafr suchen." {sein Produkt, nachdem es als fertig aus dem Produktionsprozeá ausgestoáen, geht als von demselben getrennte Ware in die Zirku- lation ber}. "Produktion und Konsumtion erscheinen so als zwei, dem Raum und der Zeit nach getrennte Akte. In der Transportindustrie, die keine neuen Produkte schafft, sondern nur Menschen und Dinge ver- setzt, fallen diese beiden Akte zusammen; die Dienste" (die Orts- ver„nderung) "mssen in demselben Augenblick konsumiert werden, in dem sie produziert werden. Deshalb erstreckt sich der Rayon, aus dem die Eisenbahnen Kundschaft suchen k”nnen, auf h”chstens 50 Werst" (53 km) "auf beiden Seiten." Das Resultat - ob Menschen oder Waren transportiert werden - ist ihr ver„ndertes ”rtliches Dasein, z.B. daá das Garn sich jetzt in Indien befindet statt in England, wo es produziert worden. Was aber die Transportindustrie verkauft, ist die Ortsver„nderung selbst. Der hervorgebrachte Nutzeffekt ist untrennbar verbunden miut dem Transportprozeá, d.h. dem Produktionsprozeá der Trans- portindustrie. Menschen und Ware reisen mit dem Transportmittel, und sein Reisen, seine ”rtliche Bewegung, ist eben der durch es bewirkte Produktionsprozeá. Der Nutzeffekt ist nur konsumierbar w„hrend des Produktionsprozesses; er existiert nicht als ein von diesem Prozeá verschiednes Gebrauchsding, das erst nach seiner Produktion als Handelsartikel fungiert, als Ware zirkuliert. Der Tauschwert dieses Nutzeffekts ist aber bestimmt, wie der jeder andern Ware, durch den Wert der in ihm verbrauchten Produktionse- lemente (Arbeitskraft und Produktionttel) plus dem Mehrwert, den die Mehrarbeit --- 6) ?. ??????, "??????????????? ?????????", ?????, 1875, ???, 69, 70 #61# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- der in der Transportindustrie besch„ftigten Arbeiter geschaffen hat. Auch in Beziehung auf seine Konsumtion verh„lt sich dieser Nutzeffekt ganz wie andre Waren. Wird er individuell konsumiert, so verschwindet sein Wert mit der Konsumtion; wird er produktiv konsumiert, so daá er selbst ein Produktionsstadium der im Trans- port befindlichen Ware, so wird sein Wert als Zuschuáwert auf die Ware selbst bertragen. Die Formel fr die Transportindustrie w„re also A G-W < ... P-G', Pm da der Produktionsprozeá selbst, nicht ein von ihm trennbares Produkt, gezahlt und konsumiert wird. Sie hat also fast genau dieselbe Form wie die fr die Produktion der edlen Metalle, nur daá G' hier verwandelte Form des w„hrend des Produktionsprozesses hervorgebrachten Nutzeffekts, nicht Naturalform des w„hrend die- ses Prozesses hervorgebrachten und aus ihm ausgestoánen Goldes oder Silbers ist. Das industrielle Kapital ist die einzige Daseinsweise des Kapi- tals, worin nicht nur Aneignung von Mehrwert, resp. Mehrprodukt, sondern zugleich dessen Sch”pfung Funktion des Kapitals ist. Es bedingt daher den kapitalistischen Charakter der Produktion; sein Dasein schlieát das des Klassengegensatzes von Kapitalisten und Lohnarbeitern ein. Im Maá wie es sich der gesellschaftlichen Pro- duktion bem„chtigt, werden Technik und gesellschaftliche Organi- sation des Arbeitsprozesses umgew„lzt, und damit der ”konomisch- geschichtliche Typus der Gesellschaft. Die andern Arten von Kapi- tal, die vor ihm inmitten vergangner oder untergehender gesell- schaftlicher Produktionszust„nde erschienen, werden ihm nicht nur untergeordnet und im Mechanismus ihrer Funktionen ihm entspre- chend ver„ndert, sondern bewegen sich nur noch auf seiner Grund- lage, leben und sterben, stehen und fallen daher mit dieser ihrer Grundlage. Geldkapital und Warenkapital, soweit sie mit ihren Funktionen als Tr„ger eigner Gesch„ftszweige neben dem industri- ellen Kapital auftreten, sind nur noch durch die gesellschaftli- che Teilung der Arbeit verselbst„ndigte und einseitig ausgebil- dete Existenzweisen der verschiednen Funktionsformen, die das in- dustrielle Kapital innerhalb der Zirkulationssph„re bald annimmt, bald abstreift. Der Kreislauf G... G' verschlingt sich einerseits mit der allge- meinen Warenzirkulation, geht aus ihr hervor und in sie ein, und bildet einen Teil von ihr. Andrerseits bildet er eine eigne selb- st„ndige Bewegung des Kapitalwerts fr den individuellen Kapita- listen, eine Bewegung, die teils innerhalb der allgemeinen Waren- zirkulation vorgeht, teils auáerhalb derselben, die aber stets ihren selbst„ndigen Charakter bewahrt. Erstens dadurch, daá ihre beiden in der Zirkulationssph„re vorgehenden Phasen G-W und W'-G' als Phasen der Kapitalbewegung funktioneh bestimmte Charaktere #62# I. Abschnitt - Die Metamorphose des Kap. und ihr Kreislauf ----- besitzen; in G-W ist W stofflich bestimmt als Arbeitskraft und Produktionsmittel; in W'-G' wird der Kapitalwert realisiert + dem Mehrwert. Zweitens umschlieát P, der Produktionsprozeá, die pro- duktive Konsumtion. Drittens macht die Rckkehr des Geldes zu ih- rem Ausgangspunkt die Bewegung G... G' zu einer sich in sich selbst abschlieáenden Kreislaufbewegung. Einerseits bildet also jedes individuelle Kapital in seinen bei- den Zirkulationsh„lften G-W und W'-G ein Agens der allgemeinen Warenzirkulation, worin es entweder als Geld oder als Ware fun- giert oder verkettet ist, und so selbst ein Glied bildet in der allgemeinen Metamorphosenreihe der Warenwelt. Andrerseits be- schreibt es innerhalb der allgemeinen Zirkulation seinen eignen selbst„ndigen Kreislauf, worin die Produktionssph„re ein Durch- gangsstadium bildet, und worin es zu seinem Ausgangspunkt in der- selben Form zurckkehrt, in der es ihn verlieá. Innerhalb seines eignen Kreislaufs, der seine reale Metamorphose im Produktions- prozeá einschlieát, ver„ndert es zugleich seine Wertgr”áe. Es kehrt zurck, nicht nur als Geldwert, sondern als vergr”áerter, gewachsener Geldwert. Betrachten wir schlieálich G-W... P... W'-G' als spezielle Form des Kreislaufsprozesses des Kapitals neben den andern sp„ter zu untersuchenden Formen, so zeichnet es sich durch folgendes aus. 1. Es erscheint als K r e i s l a u f d e s G e l d k a p i t a l s, weil das industrielle Kapital in seiner Geldform, als Geldkapital, den Ausgangspunkt und den Rckkehr- punkt seines Gesamtprozesses bildet. Die Formel selbst drckt aus, daá das Geld hier nicht als Geld verausgabt, sondern nur vorgeschossen wird, also nur Geldform des Kapitals, Geldkapital ist. Sie drckt ferner aus, daá der Tauschwert, nicht der Ge- brauchswert, der bestimmende Selbstzweck der Bewegung ist. Eben weil die Geldgestalt des Werts seine selbst„ndige, handgreifliche Erscheinungsform ist, drckt die Zirkulationsform G... G', deren Ausgangspunkt und Schluápunkt wirkliches Geld, das Geldmachen, das treibende Motiv der kapitalistischen Produktion, am hand- greiflichsten aus. Der Produktionsprozeá erscheint nur als unver- meidliches Mittelglied, als notwendiges šbel zum Behuf des Geld- machens. {Alle Nationen kapitalistischer Produktionsweise werden daher periodisch von einem Schwindel ergriffen, worin sie ohne Vermittlung des Produktionsprozesses das Geldmachen vollziehen wollen.} 2. Das Produktionsstadium, die Funktion von P, bildet in diesem Kreislauf die Unterbrechung der zwei Phasen der Zirkulation G- W... W'-G', die wieder nur Vermittlung der einfachen Zirkulation G-W-G'. Der Produktionsprozeá erscheint in der Form des Kreis- laufsprozesses selbst, #63# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- formell und ausdrcklich als das, was er in der kapitalistischen Produktionsweise ist, als bloáes Mittel zur Verwertung des vorge- schoánen Werts, also die Bereicherung als solche als Selbstzweck der Produktion. 3. Weil die Reihenfolge der Phasen durch G-W er”ffnet wird, ist das zweite Glied der Zirkulation W'-G'; also Ausgangspunkt G, das zu verwertende Geldkapital, Schluápunkt G', das verwertete Geld- kapital G + g, worin G als realisiertes Kapital neben seinem Spr”áling g figuriert. Dies unterscheidet den Kreislauf G von den beiden andern Kreisl„ufen P und W', und zwar in doppelter Weise. Einerseits durch die Geldform der beiden Extreme; Geld ist aber die selbst„ndige handgreifliche Existenzform des Werts, der Wert des Produkts in seiner selbst„ndigen Wertform, worin alle Spur des Gebrauchswerts der Waren ausgel”scht ist. Andrerseits wird die Form P... P nicht notwendig zu P... P' (P + p), und in der Form W'... W' ist berhaupt keine Wertdifferenz zwischen beiden Extremen sichtbar. - Der Formel G... G' ist es also charakteri- stisch, einerseits, daá der Kapitalwert den Ausgangspunkt und der verwertete Kapitalwert den Rckkehrpunkt bildet, so daá der Vor- schuá des Kapitalwerts als Mittel, der verwertete Kapitalwert als Zweck der ganzen Operation erscheint; andrerseits, daá dies Ver- h„ltnis in Geldform ausgedrckt ist, der selbst„ndigen Wertform, daher das Geldkapital als Geld heckendes Geld. Die Erzeugung von Mehrwert durch den Wert ist nicht nur als Alpha und Omega des Prozesses ausgedrckt, sondern ausdrckhch in der blinkenden Geldform. 4. Da G', das realisierte Geldkapital als Resultat von W'-G', der er. g„nzenden und abschlieáenden Phase von G-W, sich absolut in derselben Form befindet, worin es seinen ersten Kreislauf er”ff- net hat, kann es, sowie es aus demselben hervorgeht, denselben Kreislauf wieder er”ffnen als vergr”áertes (akkumuliertes) Geld- kapital: G' = G + g; und es ist wenigstens nicht in der Form von G... G' ausgedrckt, daá bei Wiederholung des Kreislaufs die Zir- kulation von g sich von der von G trennt. In seiner einmaligen Gestalt betrachtet, formell, drckt der Kreislauf des Geldkapi- tals daher nur den Verwertungs- und Akkumulationspcozeá aus. Die Konsumtion ist darin nur als produktive Konsumtion ausgedrckt durch A G-W < , Pm nur diese ist eingeschlossen in diesen Kreislauf des individuel- len Kapitals. G-A ist A-G oder W-G von seiten des Arbeiters; ist also die erste Phase der Zirkulation, die seine individuelle Kon- sumtion vermittelt: A-G-W (Lebensmittel). Die zweite Phase G-W f„llt nicht mehr in den Kreislauf des individuellen Kapitals-, aber sie ist durch ihn eingeleitet, von ihm vorausgesetzt, da der Arbeiter, um sich stets als exploitierbarer Stoff des #64# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- Kapitalisten auf dem Markt zu befinden, vor allen Dingen leben, also sich durch individuelle Konsumtion erhalten muá. Aber diese Konsumtion selbst ist hier nur vorausgesetzt als Bedingung der produktiven Konsumtion der Arbeitskraft durch das Kapital, also auch nur, soweit sich der Arbeiter durch seine individuelle Kon- sumtion als Arbeitskraft erh„lt und reproduziert. Die Pm, die ei- gentlichen Waren aber, die in den Kreislauf eingehn, bilden nur Speisematerial der produktiven Konsumtion. Der Akt A-G vermittelt die individuelle Konsumtion des Arbeiters, Verwandlung der Le- bensmittel in sein Fleisch und Blut. Allerdings muá auch der Ka- pitalist da sein, also auch leben und konsumieren, um als Kapita- list zu fungieren. Dazu brauchte er in der Tat nur als Arbeiter zu konsumieren, und mehr ist daher in dieser Form des Zirkulati- onsprozesses nicht vorausgesetzt. Formell ausgedruckt ist selbst das nicht, da die Formel schlieát mit G', also einem Resultat, das sofort wieder als vergr”áertes Geldkapital fungieren kann. In W'-G' ist der Verkauf von W' direkt enthalten; aber W'-G', Verkauf von der einen Seite, ist G-W, Kauf von der andern, und die Ware wird endgltig nur ihres Gebrauchswerts wegen gekauft, um (von Zwischenverk„ufen abgesehn) in den Konsumtionsprozeá ein- zugehn, sei dieser nun individuell oder produktiv, je nach der Natur des gekauften Artikels. Aber diese Konsumtion geht nicht ein in den Kreislauf des individuellen Kapitals, dessen Produkt W' ist; dies Produkt wird eben als zu verkaufende Ware aus dem Kreislauf abgestoáen. Das W' ist ausdrcklich bestimmt zu fremder Konaumtion. Wir finden daher bei Dolmetschern des Merkantilsy- stems (dem die Formel G-W... P... W'- G' zugrunde liegt) sehr weitl„ufige Predigten darber, daá der einzelne Kapitalist nur als Arbeiter konsumieren muá, wie die Kapitalistennation den an- dern dmmern Nationen das Verzehren ihrer Waren und berhaupt den Konsumtionsprozeá berlassen, dagegen die produktive Konsumtion zu ihrer Lebensaufgabe machen muá. Diese Predigten erinnern oft der Form und dem Inhalt nach an analoge asketische Ermahnungen der Kirchenv„ter. --- Der Kreislaufsprozeá des Kapitals ist also Einheit von Zirkula- tion und Produktion, schlieát beide ein. Sofern die beiden Phasen G-W, W'-G' Zirkulationsvorg„nge, bildet die Zirkulation des Kapi- tals Teil der allgemeinen Warenzirkulation. Aber als funktionell bestimmte Abschnitte, Stadien im Kreislauf des Kapitals, der nicht nur der Zirkulationssph„re, #65# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- sondern auch der Produktionssph„re angeh”rt, vollzieht das Kapi- tal innerhalb der allgemeinen Warenzirkulation seinen eignen Kreislauf. Die allgemeine Warenzirkulation dient ihm im ersten Stadium dazu, die Gestalt anzunehmen, worin es als produktives Kapital fungieren kann; im zweiten, die Warenfunktion 1*) abzu- stoáen, worin es seinen Kreislauf nicht erneuern kann; und zugleich ihm die M”glichkeit zu er”ffnen, seinen eignen Kapital kreislauf zu trennen von der Zirkulation des ihm angewachsnen Mehrwerts. Der Kreislauf des Geldkapitals ist daher die einsei- tigste, darum schlagendste und charakteristischste Erscheinungs- form des Kreislaufs des industriellen Kapitals, dessen Ziel und treibendes Motiv: Verwertung des Werts, Geldmachen und Akkumula- tion, in die Augen springend dargestellt wird (kaufen, um teurer zu verkaufen). Dadurch, daá die erste Phase G-W ist, tritt auch hervor die Herkunft der Bestandteile des produktiven Kapitals aus dem Warenmarkt, wie berhaupt die Bedingtheit des kapitalisti- schen Produktionsprozesses durch die Zirkulation, den Handel. Der Kreislauf des Geldkapitals ist nicht nur Warenproduktion; er kommt selbst nur durch die Zirkulation zustande, er setzt sie voraus. Es liegt dies schon darin, daá die der Zirkulation ange- h”rige Form G als erste und reine Form des vorgeschoánen Kapital- werts erscheint, was in den beiden andern Kreislaufsformen nicht der Fall. Der Kreislauf des Geldkapitals bleibt insofern stets der allge- meine Ausdruck des industriellen Kapitals, als er stets Verwer- tung des vorgeschossenen Werts einschlieát. In P... P tritt der Geldausdruck des Kapitals nur als Preis der Produktionselemente hervor, also nur als in Rechengeld auew gedruckter Wert, und wird in dieser Form festgehalten in der Buchhaltung. Besondere Form des Kreislaufs des industriellen Kapitals wird G... G', soweit neu auftretendes Kapital zuerst als Geld vorge- schossen und in derselben Form zurckgezogen wird, sei es beim šbertritt aus einem Gesch„ftszweig in den andern, sei es beim Rcktritt des industriellen Kapitals aus dem Gesch„ft. Es schlieát dies ein die Kapitalfunktion des zuerst in Geldform vor- geschoánen Mehrwerts, und tritt am schlagendsten hervor, wenn dieser in einem andern Gesch„ft fungiert als dem, woraus er her- kommt. G... G' kann erster Kreislauf eines Kapitals sein; es kann letzter sein; es kann als Form des gesellschaftlichen Gesamtkapi- tals gelten; es ist die Form von Kapital, das neu angelegt wird, sei es als in Geldform neu akkumuliertes Kapital, sei es als al- tes Kapital, das ganz in Geld verwandelt wird zur šbertragung aus einem Produktionszweig in den andern. ----- 1*) 1. Auflage: Warenform #66# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- Als stets in allen Kreisl„ufen einbegriffne Form vollzieht das Geldkapital diesen Kreislauf gerade fr den Teil des Kapitals, der den Mehrwert erzeugt, das variable Kapital. Die normale Form des Vorschusses des Arbeitslohns ist Zahlung in Geld; dieser Pro- zeá muá in krzeren Terminen stets erneuert werden, weil der Ar- beiter von der Hand in den Mund lebt. Dem Arbeiter muá der Kapi- talist daher best„ndig als Geldkapitalist, und sein Kapital als Geldkapital gegenbertreten. Es kann hier nicht, wie beim Kauf der Produktionsmittel und Verkauf der produktiven Waren, direkte oder indirekte Ausgleichung stattfinden (so daá die gr”áere Masse des Geldkapitals tats„chlich nur in Form von Waren, das Geld nur in der Form der Rechengelds, und schlieálich bar nur fr Ausglei- chung der Bilanzen figuriert). Andrerseits wird ein Teil des aus dem variablen Kapital entspringenden Mehrwerts vom Kapitalisten verausgabt fr seine Privatkonsumtion, die dem Kleinhandel ange- h”rt und, auf welchen Umwegen immer, bar, in der Geldform des Mehrwerts verausgabt wird. Wie groá oder klein dieser Teil des Mehrwerts sei, „ndert nichts an der Sache. Fort w„hrend erscheint von neuem das variable Kapital als im Arbeitslohn an gelegtes Geldkapital (G-A) und g als Mehrwert, der zur Bestreitung der Privatbedrfnisse des Kapitalisten verausgabt wird. Also G als vorgeschossner variabler Kapitalwert und g als sein Zuwachs, beide in Geldform notwendig festgehalten, um in solcher veraus- gabt zu werden. Die Formel G-W... P... W'-G', mit dem Resultat G' = G + g, schlieát in ihrer Form eine T„uschung ein, tr„gt einen illusori- schen Charakter, der aus dem Dasein des vorgeschoánen und verwer- teten Werts in seiner Žquivalentform, dem Geld, entspringt. Der Akzent liegt nicht auf Verwertung des Werts, sondern auf der G e l d f o r m dieses Prozesses, darauf, daá mehr Wert in Geld- form schlieálich aus der Zirkulation gezogen wird, als ihr ur- sprnglich vorgeschossen ward, also auf Vermehrung der dem Kapi- talisten geh”rigen Gold- und Silbermasse. Das sogenannte Monet„r- system ist bloá Ausdruck der begriffslosen Form G-W-G', einer Be- wegung, die ausschlieálich in der Zirkulation verl„uft und daher die beiden Akte: 1) G-W, 2) W-G' nur dadurch erkl„ren kann, daá W im zweiten Akt ber seinen Wert verkauft wird, daher mehr Geld der Zirkulation entzieht, als durch seinen Kauf in sie hineinge- worfen ward. Dagegen G-W... P... W'-G', als ausschlieáliche Form fixiert, liegt dem entwickelteren Merkantilsystem zugrund, wo nicht nur Warenzirkulation, sondern auch Waren produktion als notwendiges Element erscheint. Der illusorische Charakter von G-W... P... W'-G', und die ihr entsprechende illusorische Deutung ist da, sobald diese Form als einmalige #67# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- fixiert wird, nicht als flieáende, best„ndig sich erneuernde; so- bald sie daher nicht als eine der Formen des Kreislaufs, sondern als seine ausschlieáliche gilt. Sie weist aber selbst auf andre Formen hin. Erstens setzt dieser ganze Kreislauf den kapitalisti- schen Charakter des Produktionsprozesses selbst voraus, und als Basis daher diesen Produktionsprozeá nebst dem spezifischen, durch ihn bedingten Gesellschaftszustand. A G-W = G-W < ; Pm aber G-A unterstellt den Lohnarbeiter, und daher Pm die Produkti- onsmittel als Teil des produktiven Kapitals, daher den Arbeits- und Verwertungsprozeá, den Produktionsprozeá schon als Funktion des Kapitals. Zweitens: Wird G... G' wiederholt, so erscheint die Rckkehr zur Geldform ebenso verschwindend, wie die Geldform im ersten Sta- dium. G-W verschwindet, um P Platz zu machen. Der best„ndige Wie- dervorschuá in Geld, ebensosehr wie seine best„ndige Rckkehr als Geld, erscheinen selbst als nur im Kreislauf verschwindende Mo- mente. Drittens: +---------------------------------------+ G-W... P... W'-G'. G-W... P... W'-G'. G-W... P... etc +---------------------------------------+ +--------------------+ Schon bei der zweiten Wiederholung des Kreislaufs erscheint der Kreis lauf P... W'-G'. G-W... P, bevor der zweite Kreislauf von G vollendet ist, und alle ferneren Kreisl„ufe k”nnen so unter der Form P... W'-G-W... P betrachtet werden, so daá G-W als erste Phase des ersten Kreislaufs nur die verschwindende Vorbereitung des sich stets wiederholenden Kreislaufs des produktiven Kapitals bildet, wie dies in der Tat der Fall bei zum ersten Mal in der Form von Geldkapital angelegtem, industriellem Kapital. Andrer- seits, bevor der zweite Kreislauf von P vollendet, ist der erste Kreislauf W'-G' G-W... P... W' (abgekrzt W'... W') beschrieben, der Kreislauf des Warenkapitals. So enth„lt die erste Form schon die beiden andern und es verschwindet so die Geldform, soweit sie nicht bloáer Wertausdruck, sondern Wertausdruck in der Žqui- valentform, in Geld. Endlich: Nehmen wir ein neu auftretendes einzelnes Kapital, wel- ches zum ersten Mal den Kreislauf G-W... P... W'-G' beschreibt, so ist G-W die Vorbereitungsphase, der Vorl„ufer des ersten Pro- duktionsprozesses, den dies einzelne Kapital durchmacht. Diese Phase G-W ist daher nicht vorausgesetzt, sondern wird vielmehr durch den Produktionsprozeá gesetzt oder bedingt. Aber dies gilt nur fr dies einzelne Kapital. Allgemeine Form des Kreislaufs des industriellen Kapitals ist der Kreislauf des Geldkapitals, soweit die kapitalistische Produktionsweise vorausgesetzt ist, also in- nerhalb #68# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- eines durch die kapitalistische Produktion bestimmten Gesell- schaftszustandes. Der kapitalistische Produktionsprozeá ist daher als ein prius vorausgesetzt, wenn nicht in dem ersten Kreislauf des Geldkapitals eines neu angelegten industriellen Kapitals, so auáerhalb desselben; das best„ndige Dasein dieses Produktionspro- zesses unterstellt den best„ndig erneuerten Kreislauf von P... P. Innerhalb des ersten Stadiums A G-W < Pm tritt diese Voraussetzung selbst schon auf, indem dies einerseits das Dasein der Lohnarbeiterklasse voraussetzt; indem andrerseits das, was erstes Stadium G-W fr den K„ufer der Produktionsmittel, W'-G' fr ihren Verk„ufer ist, also in W' das Warenkapital, somit die Ware selbst als Resultat der kapitalistischen Produktion, und damit die Funktion des produktiven Kapitals voraussetzt. #69# ----- ZWEITES KAPITEL Der Kreislauf des produktiven Kapitals Der Kreislauf des produktiven Kapitals hat die allgemeine Formel: P... W'-G'-W... P. Er bedeutet die periodisch erneuerte Funktion des produktiven Kapitals, also die Reproduktion, oder seinen Pro- duktionsprozeá als Reproduktionsprozeá mit Bezug auf die Verwer- tung; nicht nur Produktion, sondern periodische Reproduktion von Mehrwert; die Funktion des in seiner produktiven Form befindli- chen industriellen Kapitals, nicht als einmalige, sondern als pe- riodisch wiederholte Funktion, so daá der Wiederbeginn durch den Ausgangspunkt selbst gegeben ist. Ein Teil von W' kann unmittel- bar (in gewissen F„llen, Anlagezweigen des industriellen Kapi- tals) wieder als Produktionsmittel in denselben Arbeitsprozeá eingehn, aus dem er als Ware herauskam; dadurch wird nur die Ver- wandlung seines Werts in wirkliches Geld oder Geldzeichen er- spart, oder sie erh„lt nur selbst„ndigen Ausdruck als Rechengeld. Dieser Wertteil geht nicht in die Zirkulation ein. Es gehn so Werte in den Produktionsprozeá ein, die nicht in den Zirkulati- onsprozeá eingehn. Dasselbe gilt von dem Teil von W', den der Ka- pitalist als Teil des Mehrprodukts in natura verzehrt. Dies ist jedoch fr die kapitalistische Produktion unbedeutend; es kommt h”chstens bei der Agrikultur in Betracht. Zweierlei springt sofort bei dieser Form in die Augen. Erstens. W„hrend in der ersten Form G... G' der Produktionspro- zeá, die Funktion von P, die Zirkulation des Geldkapitals unter- bricht und nur als Vermittler zwischen seinen beiden Phasen G-W und W'-G' erscheint, bildet hier der gesamte Zirkulationsprozeá des industriellen Kapitals, seine ganze Bewegung innerhalb der Zirkulationsphase, nur eine Unterbrechung und daher nur die Ver- mittlung zwischen dem produktiven Kapital, das als erstes Extrem den Kreislauf er”ffnet und als letztes ihn in derselben Form, also in der Form seines Wiederbeginns, schlieát. Die eigentliche Zirkulation #70# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- erscheint nur als Vermittlung der periodisch erneuerten und durch die Erneuerung kontinuierlichen Reproduktion. Zweitens. Die gesamte Zirkulation stellt sich dar in der entge- gengesetzten Form von der, die sie im Kreislauf des Geldkapitals besitzt. Sie war dort: G-W-G (G-W. W-G), abgesehn von der Wertbe- stimmung; sie ist hier, wieder abgesehn von der Wertbestimmung, W-G-W (W-G G-W), also die Form der einfachen Warenzirkulation. I. Einfache Reproduktion Betrachten wir also zun„chst den zwischen den Extremen P... P in der Zirkulationssph„re verlaufenden Prozeá W'-G'-W. Der Ausgangspunkt dieser Zirkulation ist das Warenkapital: W' = W + w = P + w. Die Funktion des Warenkapitals W'-G' (die Realisie- rung des in ihm enthaltenen Kapitalwerts = P, der jetzt als Wa- renbestandteil W existiert, wie des in ihm enthaltnen Mehrwerts, der als Bestandteil derselben Warenmasse, mit dem Wert w, exi- stiert) wurde in der ersten Form des Kreislaufs betrachtet. Aber dort bildete sie die zweite Phase der unterbrochnen Zirkulation und die Abschluáphase des ganzen Kreislaufs. Hier bildet sie die zweite Phase des Kreislaufs, aber die erste Phase der Zirkula- tion. Der erste Kreislauf endet mit G', und da G' ebensowohl wie das ursprngliche G von neuem als Geldkapital den zweiten Kreis- lauf er”ffnen kann, war es zun„chst nicht n”tige weiter zuzusehn, ob die in G' enthaltnen G und g (der Mehrwert) ihre Bahn mitein- ander fortsetzen, oder ob sie verschiedne Bahnen beschreiben. Dies w„re nur n”tig geworden, h„tten wir den ersten Kreislauf in seiner Erneuerung weiter verfolgt. Dieser Punkt muá aber im Kreislauf des produktiven Kapitals entschieden werden, da die Be- stimmung schon seines ersten Kreislaufs davon abh„ngt, und weil W'-G' in ihm als erste Zirkulationsphase erscheint, welche durch G-W zu erg„nzen ist. Es h„ngt von dieser Entscheidung ab, ob die Formel einfache Reproduktion oder Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter darstellt. Je nach ihrer Entscheidung also „ndert sich der Charakter des Kreislaufs. Nehmen wir also zun„chst die einfache Reproduktion des produkti- ven Kapitals, wobei wie im ersten Kapitel gleichbleibende Um- st„nde und Kauf und Verkauf der Waren zu ihrem Wert vorausgesetzt sind. Der ganze Mehrwert geht unter dieser Annahme in die pers”n- liche Konsumtion des Kapitalisten ein. Sobald die Verwandlung des Warenkapitals W' in Geld stattgefunden, zirkuliert der Teil der Geldsumme, der den Kapitalwert darstellt, #71# 2. Kapitel - Der Kreislauf des produktiven Kapitals ----- fort im Kreislauf des industriellen Kapitals; der andre, der ver- goldeter Mehrwert ist, geht ein in die allgemeine Warenzirkula- tion, ist vom Kapitalisten ausgehende Geldzirkulation, geht aber vor auáerhalb der Zirkulation seines individuellen Kapitals. In unserm Beispiel hatten wir ein Warenkapital W' von 10 000 Pfund Garn zum Wert von 500 Pfd.St.; 422 Pfd.St. davon sind der Wert des produktiven Kapitals, und setzen als Geldform von 8440 Pfund Carn die von W' begonnene Kapitalzirkulation fort, w„hrend der Mehrwert von 78 Pfd.St., Geldform von 1560 Pfund Garn, dem ber- schssigen Teil des Warenprodukts, aus dieser Zirkulation heraus- tritt und eine getrennte Bahn innerhalb der allgemeinen Warenzir- kulation beschreibt. A W - - G - W < W' ( + ) - G' ( + ) Pm w - - g - w g-w ist eine Reihe von K„ufen vermittelst des Geldes, das der Ka- pitalist, sei es in eigentlichen Waren, sei es in Diensten fr seine werte Person, resp. Familie, verausgabt. Diese K„ufe sind zersplittert, finden zu verschiednen Terminen statt. Das Geld existiert also zeitweis in der Form eines fr die laufende Kon- sumtion bestimmten Geldvorrats oder Schatzes, da in seiner Zirku- lation unterbrochnes Geld sich in Schatzform befindet. Seine Funktion als Zirkulationsmittel, das auch seine vorbergehende Form als Schatz einbegreift, geht nicht in die Zirkulation des Kapitals in seiner Geldform G ein. Das Geld wird nicht vorge- schossen, sondern verausgabt. Wir haben vorausgesetzt, daá das vorgeschossene Gesamtkapital stets ganz aus einer seiner Phasen in die andre bergeht, so auch hier, daá das Warenprodukt von P den Gesamtwert des produktiven Kapitals P = 422 Pfd.St. + dem w„hrend des Produktionsprozesses geschaffnen Mehrwert 78 Pfd.St. tr„gt. In unserm Beispiel, wo wir es mit einem diskreten Warenprodukt zu tun haben, existiert der Mehrwert in der Form von 1560 Pfund Garn; ganz wie er auf 1 Pfund Garn berechnet in der Form von 2,496 Unzen Garn existiert. W„re dagegen das Warenprodukt z.B. eine Maschine von 500 Pfd.St. und von derselben Wertzusammensetzung, so w„re zwar ein Wertteil die- ser Maschine = 78 Pfd.St. Mehrwert, aber diese 78 Pfd.St. exi- stierten nur in der Gesamtmaschine; sie ist nicht in Kapitalwert und Mehrwert teilbar, ohne sie selbst in Stcke zu zerschlagen und so mit ihrem Gebrauchswert auch ihren Wert zu vernichten. Die beiden Wertbestandteile k”nnen also nur ideell in Bestandteilen des Warenk”rpers dargestellt werden, nicht als selbst„ndige Ele- mente der Ware W', wie jedes Pfund #72# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- Garn als trennbares, selbst„ndiges Warenelement der 10 000 Pfund. Im ersten Fall muá die Gesamtware, das Warenkapital, die Ma- schine, ganz verkauft sein, bevor g seine besondte Zirkulation eingehn kann. Dagegen wenn der Kapitalist 8440 Pfund verkauft, wrde der Verkauf der weitern 1560 Pfund eine vollst„ndig ge- trennte Zirkulation des Mehrwerts in der Form w (1560 Pfund Garn) - g (78 Pfd.St.) = w (Konsumtionsartikel) darstellen. Die Werte- lemente jedes einzelnen Quotums des Garnprodukts von 10 000 Pfund sind aber in Teilen des Produkts ebenso darstellbar wie im Ge- samtprodukt. Wie dieses, 10 000 Pfund Garn, sich einteilen l„át in konstanten Kapitalwert (c), 7440 Pfund Garn zum Wert 372 Pfd.St., variablen Kapitalwert (v) von 1000 Pfund Garn zu 50 Pfd.St. und Mehrwert (m) von 1560 Pfund Garn zu 78 Pfd.St., so jedes Pfund Garn in c = 11,904 Unzen zum Wert von 8,928 d., v = 1,600 Unze Garn zum Wert von 1,200 d., in = 2,496 Unzen Garn zum Wert von 1,872 d. Der Kapitalist k”nnte auch bei sukzessivem Ver- kauf der 10 000 Pfund die in den sukzessiven Portionen enthaltnen Mehrwertselemente sukzessive verzehren, und dadurch ebenso suk- zessive die Summe von c + v realisieren. Aber diese Operation un- terstellt schlieálich ebenfalls, daá die ganzen 10 000 Pfund ver- kauft, daá also auch durch Verkauf von 8440 Pfund der Wert von c und v ersetzt wird. (Buch I, Kap. VII, 2.) Wie dem aber auch sei, durch W'-G' erhalten sowohl der in W' ent- haltene Kapitalwert wie der Mehrwert eine trennbare Existenz, die Existenz verschiedner Geldsummen; in beiden F„llen ist G sowohl wie g wirklich verwandelte Form des Werts, der ursprnglich in W' nur als Preis der Ware eignen, nur ideellen Ausdruck besitzt. w-g-w ist einfache Warenzirkulation, deren erste Phase w-g in der Zirkulation des Warenkapitals W'-G' einbegriffen ist, also in den Kreislauf des Kapitals; deren erg„nzende Phase g-w 1*) dagegen auáerhalb dieses Kreislaufs f„llt, als davon getrennter Vorgang der allgemeinen Warenzirkulation. Die Zirkulation von W und w, von Kapitalwert und Mehrwert, spaltet sich nach der Verwandlung von W' in G'. Es folgt daher: Erstens: Indem durch W'-G' = W'- (G + g) das Warenkapital reali- siert wird, wird die in W'-G' noch gemeinsame und von derselben Waren, masse getragne Bewegung von Kapitalwert und Mehrwert spaltbar, indem beide jetzt selbst„ndige Formen als Geldsummen besitzen. Zweitens: Findet diese Spaltung statt, indem g als Re- venue des Kapitalisten verausgabt wird, w„hrend G als funktio- nelle Form des Kapitalwerts ----- 1*) 1. und 2. Auflage: w-g; ge„ndert nach dem Manuskript von Marx. #73# 2. Kapitel - Der Kreislauf des produktiven Kapitals ----- seine durch den Kreislauf bestimmte Bahn fortsetzt - so ist der erste W'-G', im Zusammenhang mit den nachfolgenden Akten G-W und g-w, darstellbar als die zwei verschiednen Zirkulationen: W-G-W und w-g-w; beides, der allgemeinen Form nach, der gew”hnlichen Warenzirkulation angeh”rige Reihen. šbrigens werden in der Praxis bei kontinuierlichen Warenk”rpern, die sich nicht teilen lassen, die Wertbestandtelle ideell fr sich isoliert. Z.B. im Londoner Baugesch„ft, das gr”átenteils auf Kredit betrieben wird, erh„lt der Bauunternehmer Vorschsse, je nachdem der Bau des Hauses sich in verschiednen Stadien befindet. Keins dieser Stadien ist ein Haus, sondern nur ein wirklich exi- stierender Bestandteil eines werdenden knftigen Hauses; also trotz seiner Wirklichkeit nur ideeller Bruchteil des ganzen Hauses, aber dennoch wirklich genug, um als Sicherheit fr zu- s„tzlichen Vorschuá zu dienen. (Siehe hierber unten Kap. XII.) Drittens: Trennt sich die in W und G noch gemeinschaftliche Bewe- gung von Kapitalwert und Mehrwert nur teilweise (so daá ein Teil des Mehrwerts nicht als Revenue verausgabt wird) oder gar nicht, so geht im Kapitalwert selbst eine Ver„nderung vor noch innerhalb seines Kreislaufs, vor Vollendung desselben. In unserm Beispiel war der Wert des produktiven Kapitals gleich 422 Pfd.St. Setzt es also G-W fort, z. B. als 480 Pfd.St. oder 500 Pfd.St., so durch- miát es die letztern Stadien des Kreislaufs als ein um 58 Pfd.St. oder 78 Pfd.St. gr”áerer Wert denn der anf„ngliche war. Es kann dies zugleich verbunden sein mit Žnderung seiner Wertzusammenset- zung. - W'-G', das zweite Stadium der Zirkulation und das abschlieáende Stadium des Kreislaufs I (G... G'), ist in unserm Kreislauf zwei- tes Stadium desselben und erstes der Warenzirkulation. Soweit die Zirkulation in Betracht kommt, muá es also erg„nzt werden durch G'-W'. Aber W'-G hat nicht nur den Verwertungsprozeá (hier die Funktion von P, das erste Stadium) bereits hinter sich, sondern sein Resultat, das Warenprodukt W, ist bereits realisiert. Der Verwertungsprozeá des Kapitals, sowie die Realisierung des Waren- produkts, worin sich der verwertete Kapitalwert darstellt, ist also beendet mit W'-G'. Wir haben also einfache Reproduktion vorausgesetzt, d.h. daá g-w sich ganz trennt von G -W. Da beide Zirkulationen, w-g-w ebenso wie W-G-W, der allgemeinen Form nach der Warenzirkulation angeh”- ren (und daher auch keine Wertdilfferenzen zwischen den Extremen zeigen), so ist es leicht, wie die Vulg„r”konornie es tut, den kapitalistischen Produktionsprozeá aufzufassen als bloáe Produk- tion von War Gebrauchswerten #74# I. Abschnitt - Die Metamorphose des Kap. und ihr Kreislauf ----- zur Konsumtion irgendeiner Art bestimmt, die der Kapitalist nur produziert, um sie durch Waren von anderm Gebrauchswert zu erset- zen oder sie damit umzutauschen, wie es in der Vulg„r”konomie f„lschlich heiát. W' tritt von vornherein als Warenkapital auf, und der Zweck des ganzen Prozesses, die Bereicherung (Verwertung) schlieát eine mit der Gr”áe des Mehrwerts (also auch des Kapitals) wachsende Kon- sumtion des Kapitalisten keineswegs aus, sondern erst recht ein. In der Zirkulation der Revenue des Kapitalisten dient in der Tat die produzierte Ware w (oder der ihr ideell entsprechende Bruch- teil des Warenprodukts W') nur dazu, sie zuerst in Geld und aus Geld in eine Reihe andrer, der Privatkonsumtion dienender Waren umzusetzen. Aber der kleine Umstand ist hierbei nicht zu ber- sehn, daá w Warenwert ist, der dem Kapitalisten nichts gekostet hat, Verk”rperung von Mehrarbeit, daher es ursprnglich als Be- standteil des Warenkapitals W' auf die Bhne tritt. Dies w selbst ist also schon seiner Existenz nach gebunden an den Kreislauf des prozessierenden Kapitalw und kommt dieser ins Stocken oder wird sonstwie gest”rt, so schr„nkt sich nicht nur die Konsumtion von w, oder h”rt ganz auf, sondern damit zugleich der Absatz fr die Warenreihe, welche den Ersatz fr w bildet. Dasselbe ist der Fall, wenn W'-G' miálingt oder nur ein Teil von W' verk„uflich ist. Wir sahen, daá w-g-w, als Zirkulation der Revenue des Kapitali- sten, nur in die Kapitalzirkulation eingeht, solange w Wertteil von W', dem Kapital in seiner Funktionsform von Warenkapital, ist: aber sobald verselbst„ndigt durch g-w, also in der ganzen Form w-g-w, geht sie nicht in die Bewegung des vom Kapitalisten vorgeschoánen Kapitals ein, obgleich sie aus derselben hervor- geht. Sie h„ngt damit soweit zusammen, als die Existenz des Kapi- tals die Existenz des Kapitalisten voraussetzt, und diese letz- tere ist bedingt durch seinen Verzehr von Mehrwert. Innerhalb der allgemeinen Zirkulation fungiert W', z.B. Garn, nur als Ware, aber als Moment der Zirkulation des Kapitals fungiert es als W a r e n k a p i t a l, eine Gestalt, die der Kapital- wert abwechselnd annimmt und abst”át. Nach dem Verkauf des Garns an den Kaufmann ist es aus dem Kreislaufsprozeá desjenigen Kapi- tals, dessen Produkt es ist, entfernt, befindet sich aber trotz- dem fortw„hrend als Ware im Umkreis der allgemeinen Zirkulation. Die Zirkulation derselben Warenmasse dauert fort, obgleich sie aufgeh”rt hat, ein Moment im selbst„ndigen Kreislauf des Kapitals des Spinners zu bilden. Die wirkliche definitive Metamorphose der vom Kapitalisten in die Zirkulation geworfnen Warenmasse, W-G, ihr schlieáliches Herausfallen in die Konsumtion kann daher zeit- lich und r„umlich durchaus #75# 2. Kapitel - Der Kreislauf des produktiven Kapitals ----- getrennt sein von der Metarmrphose, worin diese Warenniasse als sein Warenkapital fungiert. Dieselbe Metamorphose, die in der Zirkulation des Kapitals vollzogen ist, bleibt in der Sph„re der allgemeinen Zirkulation noch zu vollziehn. Es „ndert nichts an der Sache, wenn das Garn wieder in den Kreis- lauf eines andern industriellen Kapitals eingeht. Die allgemeine Zirkulation umfaát ebensosehr die Verschlingung der Kreisl„ufe der verschiednen selbst„ndigen Bruchstcke des gesellschaftlichen Kapitals, d.h. die Gesamtheit der einzelnen Kapitale, wie die Zirkulation der nicht als Kapital auf den Markt geworfnen, bezie- hungsweise der in die individuelle Konaumtion eingehenden Werte. Das Verh„ltnis zwischen dem Kreislauf des Kapitals, sofern er Teil der allgemeinen Zirkulation und sofern er Glieder eines selbst„ndigen Kreislaufs bildet, zeigt sich ferner, wenn wir die Zirkulation von G' = G + g betrachten. G, als Geldkapital, setzt den Kreislauf des Kapitals fort. g, als Revenueausgabe (g-w), geht in die allgemeine Zirkulation ein, fliegt aber aus dem Kreislauf des Kapitals hinaus. Nur der Teil geht in letztren Kreislauf ein, der als zus„tzliches Geldkapital fungiert. In w-g- w fungiert Geld nur als Mnze; Zweck dieser Zirkulation ist die individuelle Konsumtion des Kapitalisten. Es charakterisiert den Kretinismus der Vulg„r”konomie, daá sie diese Zirkulation, die nicht in den Kreislauf des Kapitals eingeht - die Zirkulation des als Revenue verzehrten Teils des Wertprodukts - fr den charakte- ristischen Kreislauf des Kapitals ausgibt. In der zweiten Phase, G-W, ist der Kapitalwert G = P (dem Wert des produktiven Kapitals, das den Kreislauf des industriellen Ka- pitals hier er”ffnet) wieder vorhanden, entledigt vom Mehrwert, also in derselben Wertgr”áe, wie in dem ersten Stadium des Kreis- laufs des Geldkapitals G-W. Trotz der verschiednen Stelle ist die Funktion des Geldkapitals, worin nun das Warenkapital umgewan- delt, dieselbe: seine Verwandlung in Pm und A, Produktionsmittel und Arbeitskraft. Gleichzeitig mit w-g hat also der Kapitalwert in der Funktion des Warenkapitals W'-G' die Phase W-G durchlaufen und tritt nun in die erg„nzendePhase A G-W< ; Pm seine Gesamtzirkulation ist also A W-G-W< . Pm Erstens: Das Geldkapital G trat in Form I (Kreislauf G... G') als ursprngliche Form auf, worin der Kapitalwert vorgeschossen wird, es tritt hier von vornherein auf als Teil der Geldsumme, worin das Warenkapital in der ersten Zirkulationsphase W'-G' sich ver- wandelt hat, also von vomherein als durch Verkauf des Warenpro- dukts vermittelte Verwandlung von P, dem produktiven Kapital, in Geldform. Das Geldkapital existiert hier #76# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- von vornherein als nicht ursprngliche und nicht schlieáliche Form des Kapitalwerts, da nur durch abermalige Abstreifung der Geldform die die Phase W-G abschlieáende Phase G-W vollzogen wer- den kann. Der Teil von G-W, der zugleich G-A, erscheint daher auch nicht mehr als bloáer Geldvorschuá durch Ankauf von Arbeits- kraft, sondern als Vorschuá, worin der Arbeitskraft dieselben 1000 Pfund Garn zum Wert von 50 Pfd.St., in Geldform vorgeschos- sen werden, die einen Teil des von der Arbeitskraft geschaffnen Warenwerts bilden. Das Geld, das dem Arbeiter hier vorgeschossen wird, ist nur verwandelte Žquivalentform eines Wertteils des von ihm selbst produzierten Warenwerts. Und schon darum ist der Akt G-W, soweit er G-A, keineswegs nur Ersatz von Ware in Geldform durch Ware in Gebrauchsform, sondern schlieát andre, von der all- gemeinen Warenzirkulation als solcher unabh„ngige Elemente ein. G' erscheint als verwandelte Form von W', welches selbst Produkt der vergangnen Funktion von P, dem Produktionsprozeá, ist; die gesamte Geldsumme G' daher als Geldausdruck vergangner Arbeit. In unserm Beispiel: 10 000 Pfund Garn = 500 Pfd.St., Produkt des Spinnprozesses; davon 7440 Pfund Garn = dem vorgeschoánen kon- stanten Kapital c = 372 Pfd.St.; 1000 Pfund Garn = dem vorge- schoánen variablen Kapital v = 50 Pfd.St., und 1560 Pfund Garn = dem Mehrwert m = 78 Pfd.St. Wird von G' nur das ursprngliche Ka- pital = 422 Pfd.St. von neuem vorgeschossen, unter sonst gleich- bleibenden Verh„ltnissen, so erh„lt der Arbeiter in G-A nur einen Teil der in dieser Woche produzierten 10 000 Pfund Garn (den Geldwert von 1000 Pfund Garn) in der n„chsten Woche vorgeschos- sen. Als Resultat von W-G ist das Geld stets Ausdruck vergangner Arbeit. Soweit der erg„nzende Akt G-W sofort auf dem Warenmarkt sich vollzieht, also G gegen existierende, auf dem Markt befind- liche Waren umgesetzt wird, ist es wieder Umsatz vergangner Ar- beit, aus einer Form (Geld) in andre Form (Ware). Aber G-W ist in der Zeit von W-G verschieden. Es kann gleichzeitig sein, aus- nahmsweise, wenn z.B. der Kapitalist, der G -W vollzieht, und der Kapitalist, fr den dieser Akt W-G ist, sich ihre Waren wechsel- seitig zur selben Zeit berweisen und G dann nur die Bilanz aus- gleicht. Die Zeitdifferenz zwischen der Exekution von W-G und der von G-W kann mehr oder minder betr„chtlich sein. Obgleich als Re- sultat des Akts W-G, G vergangne Arbeit vorstellt, kann G fr den Akt G-W die verwandelte Form von Waren vorstellen, die noch gar nicht auf dem Markt befindlich sind, sondern sich erst in Zukunft darauf befinden werden, da G-W erst vorzugehn braucht, nachdem W neu produziert ist. Ebensowohl kann G Waren vorstellen, die gleichzeitig mit #77# 2. Kapitel - Der Kreislauf des produktiven Kapitals ----- dem W, dessen Geldausdruck es ist, produziert werden. Z.B. in dem Umsatz G-W (Ankauf von Produktionsmitteln) k”nnen die Kohlen gek- auft werden, ehe sie aus der Grube gehoben sind. Soweit g als Geldakkumulation figuriert, nicht als Revenue verausgabt wird, kann es Baumwolle vorstellen, die erst n„chstes Jahr produziert wird. Ebenso bei der Verausgabung von Revenue des Kapitalisten, g-w. Ebenso der Arbeitslohn A = 50 Pfd.St.; es ist dies Geld nicht nur Geldform der vergangnen Arbeit der Arbeiter, sondern zugleich Anweisung auf gleichzeitige oder zuknftige Arbeit, die sich erst realisiert, oder in Zukunft realisieren soll. Der Ar- beiter mag damit einen Rock kaufen, der erst in n„chster Woche gemacht wird. Namentlich ist dies der Fall mit Bezug auf die sehr groáe Zahl notwendiger Lebensmittel, die beinahe unmittelbar im Augenblick ihrer Produktion konsumiert werden messen, sollen sie nicht verderben. So erh„lt der Arbeiter in dem Geld, worin er seinen Arbeitslohn ausbezahlt erh„lt, die verwandelte Form seiner eignen zuknftigen Arbeit oder der andrer Arbeiter. Mit einem Teil seiner vergangnen Arbeit gibt ihm der Kapitalist Anweisung auf seine eigne knftige Arbeit. Es ist seine eigne gleichzeitige oder knftige Arbeit, die den noch nicht vorhandnen Vorrat bil- det, womit ihm seine vergangne Arbeit bezahlt wird. Hier ver- schwindet die Vorstellung der Vorratbildung ganz. Zweitens: In der Zirkulation A W-G-W < Pm wechselt dasselbe Geld zweimal die Stelle; der Kapitalist erh„lt es erst als Verk„ufer und gibt es fort als K„ufer; die Verwand- lung von Ware in Geldform dient nur dazu, sie am Geldform wieder in Warenform zu verwandeln; die Geldform des Kapitals, sein Da- sein als Geldkapital, ist daher in dieser Bewegung nur verschwin- dendes Moment; oder das Geldkapital soweit die Bewegung flssig, erscheint nur als Zirkulationsmittel, wenn es als Kaufmittel dient; als eigentliches Zahlungsmittel erscheint es, wenn Kapita- listen gegenseitig voneinander kaufen, daher nur Zahlungsbilanz zu saldieren ist. Drittens: Die Funktion des Geldkapitals, ob es als bloáes Zirku- lationsmittel oder als Zahlungsmittel diene, vermittelt nur den Ersatz von W durch A und Pm, d.h. den Ersatz des Garns, des Wa- renprodukts, worin das produktive Kapital resultiert (nach Abzug des als Revenue zu verwendenden Mehrwerts) durch seine Produkti- onselemente, also Rckverwandlung des Kapitalwerts aus seiner Form als Ware in die Bildungselemente dieser Ware; sie vermittelt also schlieálich nur die Rckverwandlung des Warenkapitals in produktives Kapital. Damit der Kreislauf sich normal vollzieht, muá W' zu seinem Wert und in seiner Gesamtheit verkauft werden. Ferner schlieát W-G-W nicht nur #78# I. Abschnitt - Metamorphose des Kap. und ihr Kreislauf ----- Ersatz einer Ware durch eine andre, sondern Ersatz in denselben Wertverh„ltnissen ein. Es ist unsre Annahme, daá dies hier ge- schieht. Tats„chlich aber variieren die Werte der Produktionsmit- tel; gerade der kapitalistischen Produktion ist fortw„hrender Wechsel der Wertverh„ltnisse eigen schon durch den best„ndigen Wechsel in der Produktivit„t der Arbeit, der die kapitalistische Produktion charakterisiert. Auf diesen sp„ter 1*) zu er”rternden Wertwechsel der Produktionsfaktoren weisen wir hier nur hin. Die Verwandlung der Produktionselemente in Warenprodukt, von P in W', geht in der Produktionssph„re vor, die Rckverwandlung von W' in P in der Zirkulationssph„re. Sie ist vermittelt durch die einfa- che Warenmetamorphose. Ihr Inhalt aber ist ein Moment des Repro- duktionsprozesses als Ganzes betrachtet. W-G-W, als Zirkulations- form des Kapitals, schlieát einen funktionell bestimmten Stoff- wechsel ein. Der Umsatz W-G-W bedingt ferner, daá W = den Produk- tionselementen des Warenquantums W', und daá diese ihre ursprng- lichen Wertverh„ltnisse gegeneinander behaupten; es ist also un- terstellt nicht nur, daá die Waren zu ihrem Werte gekauft werden, sondern auch, daá sie w„hrend des Kreislaufs keinen Wertwechsel erleiden; wo nicht, kann der Prozeá nicht normal verlaufen. In G... G' ist G die ursprngliche Form des Kapitalwerts, die ab- gestreift wird, um wieder angenommen zu werden. In P... W'-G'- W... P ist G nur im Prozeá angenommene Form, die schon innerhalb desselben wieder abgestreift wird. Die Geldform erscheint hier nur als verschwindende selbst„ndige Wertform des Kapitals; das Kapital als W' ist ebenso „ngstlich sie anzunehmen, wie als G' sie abzustreifen, sobald es sich in sie verpuppt hat, um sich wieder in die Form des produktiven Kapitals umzusetzen. Solange es in der Geldgestalt verharrt, fungiert es nicht als Kapital, und verwertet sich daher nicht; das Kapital liegt brach. G wirkt hier als Zirkulationsmittel, aber als Zirkulationsmittel des Ka- pitals. 2*) Der Schein der Selbst„ndigkeit, den die Geldform des Kapitalwerts in der ersten Form seines Kreislaufs (des Geldkapi- tals), besitzt, verschwindet in dieser zweiten Form, welche somit die Kritik der Form I bildet, und sie auf eine nur besondre Form reduziert. St”át die zweite Metamorphose G-W auf Hindernisse (fehlen z.B. die Produktionsmittel auf dem Markt), so ist der Kreislauf, der Fluá des Reproduktionsprozesses unterbrochen, ebensosehr als wenn das Kapital in der Form des Warenkapitals festliegt. Der Unterschied ist aber der: In Geldform kann es l„n- ger ausharren als in der verg„nglichen ----- 1*) Siehe vorl. Band. S. 287-295 - 2*) Hier im Manuskript von Marx vermerkt: "Gegen Tooke". #79# 2. Kapitel - Der Kreislauf des produktiven Kapitals ----- Warenform. Es h”rt nicht auf Geld zu sein, wenn es nicht als Geldkapital fungiert; es h”rt aber auf Ware zu sein und berhaupt Gebrauchswert, wenn es zu lange in seiner Funktion als Warenkapi- tal aufgehalten wird. Zweitens ist es in Geldform f„hig, statt seiner ursprnglichen produktiven Kapitalform eine andre anzuneh- men, w„hrend es als W' berhaupt nicht vom Platze kommt. W'-G'-W schlieát nur fr W' seiner Form nach Zirkulationsakte ein, die Momente seiner Reproduktion sind; aber die wirkliche Re- produktion von W, worin sich W' umsetzt, ist n”tig zur Ausfhrung von W'-G'-W; diese ist aber bedingt durch Reproduktionsprozesse auáerhalb des Reproduktionsprozesses des individuellen in W' dar- gestellten Kapitals. - In der Form I bereitet A G-W < Pm nur die erste Verwandlung von Geldkapital in produktives Kapital vor; in der Form II die Rckverwandlung aus Warenkapital in pro- duktives Kapital; also, soweit die Anlage des industriellen Kapi- tals dieselbe bleibt, Rckverwandlung des Warenkapitals in die- selben Produktionselemente, aus denen es hervorgegangen. Es er- scheint daher hier, wie in Form I, als vorbereitende Phase des Produktionsprozesses, aber als Rckkehr zu demselben, Erneuerung desselben, daher als Vorl„ufer des Reproduktionsprozesses, also auch der Wiederholung des Verwertungsprozesses. Es ist nun wieder zu bemerken, daá G-A nicht einfacher Warenaus- tausch ist, sondern Kauf einer Ware A, die der Produktion von Mehrwert dienen soll, wie G-Pm nur Prozedur, die zur Ausfhrung dieses Zwecke stofflich unerl„álich ist. Nfit Vollziehung von A G-W < Pm ist G in produktives Kapital rckverwandelt, in P, und beginnt der Kreislauf von neuem. Die explizite Form von P... W'-G'-W... P ist also: A W - G - W < ... P P... W' { + } { + } Pm w - g - w Die Verwandlung von, Geldkapital in produktives Kapital ist Wa- renkauf zur Warenproduktion. Nur soweit die Konsumtion diese pro- duktive Konsumtion ist, f„llt sie in den Kreislauf des Kapitals selbst; ihre Bedingung ist, daá vermittelst der so konsumierten Waren Mehrwert gemacht wird. Und dies ist etwas sehr Verschiednes von Produktion und selbst Warenproduktion, deren Zweck die Exi- stenz der Produzenten ist; ein so durch Mehrwertsproduktion be- dingter Ersatz von Ware durch Ware ist etwas ganz andres als Pro- duktenaustausch - nur durch Geld vermittelt - an sich #80# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kapitals ihr Kreislauf ----- ist. So wird aber die Sache genommen von den ™konomen zum Beweis, daá keine šberproduktion m”glich ist. Auáer der produktiven Kon- sumtion von G, das in A und Pm verwandelt wird, enth„lt der Kreislauf das erste Glied von G-A, welches fr den Arbeiter A-G = W-G ist. Von der Zirkulation des Arbeiters A-G-W, welche seine Konsumtion einschlieát, f„llt nur das erste Glied als Resultat von G-A in den Kreislauf des Kapitals. Der zweite Akt, n„mlich G- W, f„llt nicht in die Zirkulation des individuellen Kapitals, ob- gleich sie aus derselben hervorgeht. Das best„ndige Dasein der Arbeiterklasse ist aber fr die Kapitalistenklasse n”tig, daher auch die durch G-W vermittelte Konsumtion des Arbeiters. Der Akt W'-G' unterstellt fr die Fortsetzung des Kreislaufs des Kapitalwerts, wie fr die Konsumtion des Mehrwerts durch den Ka- pitalisten, nur, daá W' in Geld verwandelt, verkauft worden. Es wird natrlich nur gekauft, weil der Artikel ein Gebrauchswert, also zur Konsumtion irgendeiner Art, produktiven oder individuel- len, tauglich. Wenn aber W' weiter zirkuliert, z.B. in der Hand des Kaufmanns, der das Garn gekauft hat, so berhrt das zun„chst keineswegs die Fortsetzung des Kreislaufs des individuellen Kapi- tals, das das Garn produziert und an den Kaufmann verkauft hat. Der ganze Prozeá geht seinen Gang fort, und mit ihm auch die da- durch bedingte individuelle Konsumtion von Kapitalist und Arbei- ter. Ein Punkt, wichtig bei Betrachtung der Krisen. Sobald W' n„mlich verkauft, in Geld verwandelt ist, kann es in die realen Faktoren des Arbeitsprozesses und darum des Reproduk- tionsprozesses rckverwandelt werden. Ob W' daher vom definitiven Konsumenten gekauft ist oder vom Kaufmann, der es wieder verkau- fen will, „ndert unmittelbar nichts an der Sache. Der Umfang der von der kapitalistischen Produktion erzeugten Warenmassen wird bestimmt durch die Stufenleiter dieser Produktion und das Bedrf- nis der best„ndigen Ausdehnung dieser letztren, nicht durch einen pr„destinierten Kreis von Nachfrage und Angebot, von zu befriedi- genden Bedrfnissen. Die Massenproduktion kann fr ihren unmit- telbaren K„ufer, auáer andere industriellen Kapitalisten, nur den Groákaufmann haben. Innerhalb gewisser Grenzen kann der Reproduk- tionsprozeá auf derselben oder erweiterten Stufe vorgehn, ob- gleich die aus ihm ausgestoánen Waren nicht wirklich in die indi- viduelle oder produktive Konsumtion eingegangen sind. Die Konsum- tion der Waren ist nicht eingeschlossen in den Kreislauf des Ka- pitals, aus dem sie hervorgegangen sind. Sobald das Garn z.B. verkauft ist, kann der Kreislauf des im Garn dargestellten Kapi- talwerts von neuem beginnen, was auch immer zun„chst #81# 2. Kapitel - Der Kreislauf des produktiven Kapitals ----- aus dem verkauften Garn wird. Solange das Produkt verkauft wird, geht vom Standpunkt des kapitalistischen Produzenten alles seinen regelm„áigen Gang. Der Kreislauf des Kapitalwerts, den er repr„- sentiert, wird nicht unterbrochen. Und ist dieser Prozeá erwei- tert - was erweiterte produktive Konsumtion der Produktionsmittel einschlieát -, so kann diese Reproduktion des Kapitals von erwei- terter individueller Konsumtion (also Nachfrage) der Arbeiter be- gleitet sein, da er durch produktive Konsumtion ein, geleitet und vermittelt ist. Es kann so die Produktion von Mehrwert und mit ihr auch die individuelle Konsumtion des Kapitalisten wachsen, der ganze Reproduktionsprozeá sich im blhendsten Zustand befin- den und dennoch ein groáer Teil der Waren nur scheinbar in die Konsumtion eingegangen sein, in Wirklichkeit aber unverkauft in den H„nden von Wiederverk„ufern lagern, tats„chlich sich also noch auf dem Markt befinden. Nun folgt Warenstrom auf Warenstrom, und es tritt endlich hervor, daá der frhere Strom nur scheinbar von der Konsumtion verschlungen ist. Die Warenkapitale machen sich wechselseitig ihren Platz auf dem Markt streitig. Die Nachrckenden, um zu verkaufen, verkaufen unter dem Preis. Die frheren Str”me sind noch nicht flssig gemacht, w„hrend die Zah- lungstermine dafr f„llig werden. Ihre Inhaber mssen sich insol- vent erkl„ren, oder verkaufen zu jedem Preis, um zu zahlen. Die- ser Verkauf hat absolut nichts zu tun mit dem wirklichen Stand der Nachfrage. Er hat nur zu tun mit der Nachfrage nach Zahlung, mit der absoluten Notwendigkeit, Ware in Geld zu verwandeln. Dann bricht die Krise los. Sie wird sichtbar nicht in der unmittelba- ren Abnahme der konsumtiven Nachfrage, der Nachfrage fr indivi- duelle Konsumtion, sondern in der Abnahme des Austauschs von Ka- pital gegen Kapital, des Reproduktionsprozesses des Kapitals. - Wenn die Waren Pm und A, worin sich G umgesetzt, um seine Funk- tion als Geldkapital, als zur Rckverwandlung in produktives Ka- pital bestimmter Kapitalwert, zu vollziehn - wenn diese Waren in verschiednen Terminen zu kaufen oder zu zahlen sind, G-W also eine Reihe nacheinander vorgehender K„ufe und Zahlungen vor- stellt, so vollzieht ein Teil von G den Akt G-W, w„hrend ein andrer Teil im Geldzustand verharrt, um erst zu einer durch die Bedingungen des Prozesses selbst bestimmten Zeit fr gleichzei- tige oder sukzessive Akte G-W zu dienen. Er ist der Zirkulation nur zeitweilig entzogen, um imam bestimmten Zeitpunkt in Aktion zu treten, seine Funktion auszuben. Diese Aufspeicherung dessel- ben ist dann selbst eine durch seine Zirkulation und fr die Zir- kulation bestimmte Funktion. Sein Dasein als Kauf- und Zahlungs- fonds, die Suspension seiner Bewegung, der Zustand seiner unter- brochnen Zirkulation, ist dann ein Zustand, worin #82# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- das Geld eine seiner Funktionen als Geldkapital ausbt. Als Geld- kapital; denn in diesem Fall ist das zeitweilig in Ruhe verhar- rende Geld selbst ein Teil des Geldkapitals G (von G'-g = G), des Wertteils des Warenkapitals, der = P, dem Wert des produktiven Kapitals, von dem der Kreislauf ausgeht. Andrerseits befindet sich alles der Zirkulation entzogne Geld in Schatzform. Die Schatzform des Geldes wird also hier Funktion des Geldkapitals, ganz wie in G-W die Funktion des Geldes als Kauf- oder Zahlungs- mittel zur Funktion des Geldkapitals wird, und zwar weil der Ka- pitalwert hier in Geldform existiert, der Geldzustand hier ein durch den Zusammenhang des Kreislaufs vorgeschriebner Zustand des industriellen Kapitals in einem seiner Stadien ist. Aber es be- w„hrt sich hier wieder zugleich, daá das Geldkapital innerhalb des Kreislaufs des industriellen Kapitals keine andren als Geld- funktionen verrichtet, und diese Geldfunktionen nur durch ihren Zusanunenhang mit den andren Stadien dieses Kreislaufs zugleich die Bedeutung von Kapitalfunktionen haben. Die Darstellung von G' als Verh„ltnis von g zu G, als Kapitalver- h„ltnis, ist unmittelbar keine Funktion des Geldkapitals, sondern des Warenkapitals W', welches selbst wieder als Verh„ltnis von w und W nur das Resultat des Produktionsprozesses ausdrckt, der darin vorgegangnen Selbstverwertung des Kapitalwerts. St”át der Fortgang des Zirkulationsprozesses auf Hindernisse, so daá G durch „uáre Umst„nde, Lage des Markts etc., seine Funktion G -W suspendieren muá und deswegen in seinem Geldzustand krzer oder l„nger verharrt, so ist das wieder ein Schatzzustand des Geldes, der auch in der einfachen Warenzirkulation vorkommt, so- bald der šbergang von W-G in G-W durch „uáre Umst„nde unterbro- chen wird. Es ist unfreiwillige Schatzbildung. In unserm Fall hat das Geld so die Form von brachliegendem, latentem Geldkapital. Doch gehn wir zun„chst nicht weiter darauf ein. In beiden F„llen aber erscheint das Verharren des Geldkapitals in seinem Geldzu- stand als Resultat unterbrochner Bewegung, sei diese nun zweckge- m„á oder zweckwidrig, freiwillig oder unfreiwillig, funktionsge- m„á oder funktionswidrig. #82# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- II. Akkmulation und Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter Da die Proportionen, worin der Produktionsprozeá erweiterbar, nicht willkrlich, sondern technisch vorgeschrieben sind, so kann der realisierte Mehrwert, obgleich zur Kapitallsierung bestimmt, oft erst durch die Wiederholung #83# 2. Kapitel - Der Kreislauf des produktiven Kapitals ----- verschiedner Kreisl„ufe zu dem Umfang heranwachsen (muá also bis dahin aufgeh„uft werden), worin er wirklich als zuschssiges Ka- pital fungieren oder in den Kreislauf des prozessierenden Kapi- talwerts eingehn kann. Der Mehrwert erstarrt also zum Schatz und bildet in dieser Form latentes Geldkapital. Latent, weil es, so- lange es in der Geldform verharrt, nicht als Kapital wirken kann. 6[a]) So erscheint hier die Schatzbildung als ein innerhalb des kapitalistischen Akkumulationsprozesses einbegriffnes, ihn be- gleitendes, aber zugleich wesentlich von ihm unterschiednes Mo- ment. Denn durch die Bildung von latentem Geldkapital wird der Reproduktionsprozeá selbst nicht erweitert. Umgekehrt. Latentes Geldkapital wird hier gebildet, weil der kapitalistische Produ- zent die Stufenielter seiner Produktion nicht unmittelbar erwei- tern kann. Verkauft er sein Mehrprodukt an einen Gold- oder Sil- berproduzenten, der neues Gold oder Silber in die Zirkulation hineinwirft, oder, was auf dasselbe hinauskommt, an einen Kauf- mann, der fr einen Teil des nationalen Mehrprodukts zuschssiges Gold oder Silber vom Ausland importiert, so bildet sein latentes Geldkapital ein Inkrement des nationalen Gold- oder Silberschat- zes. In allen andren F„llen haben z. B. die 78 Pfd.St., die in der Hand des K„ufers Zirkulationsmittel waren, in der Hand des Kapitalisten nur die Schatzform angenommen; es hat also nur andre Verteilung des nationalen Gold- oder Silberschatzes stattgefun- den. Fungiert das Geld in den Transaktionen unsres Kapitalisten als Zahlungsmittel (in der Art, daá die Ware erst in krzrem oder em Tern vom K„ufer zu zahlen), so verwandelt sich das zur Kapitali- sation bestimmte Mehrprodukt nicht in Geld, sondern in Schuldfor- derungen, Eigentumstitel auf ein Žquivalent, das der K„ufer viel- leicht schon im Besitz, vielleicht erst in Aussicht hat. Es geht nicht in den Reproduktionsprozeá des Kreislaufs ein, so wenig wie Geld, das in zinstragenden Papieren etc. angelegt, obgleich es in den Kreislauf andrer industriellen Einzelkapitale eingehn kann. Der ganze Charakter der kapitalistischen Produktion ist bestimmt durch die Verwertung des vorgeschoánen Kapitalwerts, also in er- ster Instanz durch Produktion von m”glichst viel Mehrwert; zwei- tens aber (siehe Buch 1, --- 6[a]) Der Ausdruck "latent" ist der physikalischen Vorstellung von latenter W„rme entlehnt, die jetzt durch die Theorie von der Verwandlung der Energie ziemlich beseitigt ist. Daher gebrauchte Marx im dritten Abschnitt (sp„tere Redaktion) dafr den der Vor- stellung von potentiell Energie entlehnten Ausdruck: "potentielles", oder nach Analogie der virtuellen Geschwindigkei- ten D'Alemberts: "virtuelles Kapital". - F.E. #84# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- Kap. XXXII) durch Produktion von Kapital, also durch Verwandlung von Mehrwert in Kapital. Die Akkumulation oder Produktion auf er- weiterter Stufenleiter, die als Mittel zu stets ausgedehnterer Produktion von Mehrwert, daher Bereicherung des Kapitalisten, als pers”nlicher Zweck des letztren erscheint, und eingeschlossen ist in die allgemeine Tendenz der kapitalistischen Produktion, wird aber weiter, wie im ersten Buch gezeigt, durch ihre Entwicklung eine Notwendigkeit fr jeden individuellen Kapjtalisten. Die stete Vergr”árung seines Kapitals wird Bedingung der Erhaltung desselben. Doch haben wir nicht weiter auf das frher Entwickelte zurckzukommen. Wir betrachteten zuerst die einfache Reproduktion, wobei unter- stellt wurde, daá der ganze Mehrwert als Revenue verausgabt wird. In der Wirklichkeit muá unter normalen Verh„ltnissen immer ein Teil des Mehrwerts als Revenue verausgabt und ein andrer Teil ka- pitalisiert werden, wobei es ganz gleichgltig, ob innerhalb be- stimmter Perioden produzierter Mehrwert bald ganz verzehrt, bald ganz kapitallsiert wird. Im Durchschnitt der Bewegung - und die allgemeine Formel kann nur diesen darstellen - findet beides statt. Um die Formel nicht zu komplizieren, ist es indes besser anzunehmen, daá der ganze Mehrwert akkumuliert wird. Die Formel A P... W'-G'-W'< ...P' Pm drckt aus: produktives Kapital, das auf gr”árer Stufenleiter und mit gr”árem Wert reproduziert wird, und als angewachsnes produk- tives Kapital seinen zweiten Kreislauf beginnt, oder, was das- selbe, seinen ersten Kreislauf erneuert. Sobald dieser zweite Kreislauf beginnt, haben wir wieder P als Ausgangspunkt; bloá ist P ein gr”áres produktives Kapital als das erste P war. So, wenn in der Formel G... G' der zweite Kreislauf mit G' beginnt, fun- giert G' als G, als vorgeschoánes Geldkapital von bestimmter Gr”áe; es ist gráres Geldkapital als das, womit der erste Kreis- lauf er”ffnet ward, aber alle Beziehung auf sein Angewachsensein durch Kapitalisierung von Mehrwert ist verschwunden, sobald es in der Funktion von vorgeschoánem Geldkapital auftritt. Dieser Ur- sprung ist ausgel”scht in seiner Form als Geldkapital, das seinen Kreislauf beginnt. Ebenso mit P', sobald es als Ausgangspunkt ei- nes neuen Kreislaufs fungiert. Vergleichen wir P... P' mit G... G'oder dem ersten Kreislauf, so haben sie durchaus nicht dieselbe Bedeutung. G... G', fr sich genommen als vereinzelter Kreislauf, drckt nur aus, daá G, das Geldkapital (oder das industrielle Kapital in seinem Kreislauf als Geldkapital), Geld heckendes Geld, Wert heckender Wert ist, Mehrwert setzt. Im Kreislauf von P dagegen ist der Verwertungs- prozeá selbst mit Ablauf des ersten Stadiums, des #85# 2. Kapitel - Der Kreislauf des produktiven Kapitals ----- Produktionsprozesses, bereits vollzogen, und nach Durchlaufen des zweiten Stadiums (des ersten, Zirkulationsstadiums) W'-G' exi- stieren Kapitalwert + Mehrwert bereits als realisiertes Geldkapi- tal, als G', welches als letztes Extrem im ersten Kreislauf er- schien. Daá Mehrwert produziert worden, ist in der zuerst be- trachteten Form von P... P dargestellt (siehe explizite For. mel S. 47 1*)) durch w-g-w, das in seinem zweiten Stadium auáerhalb der Kapitalzirkulation f„llt und die Zirkulation des Mehrwerts als Revenue darstellt. In dieser Form, wo sich die ganze Bewegung in P... P darstellt, also keine Wertdifferenz zwischen den beiden Endpunkten stattfindet, ist also die Verwertung des vorgeschoánen Werts, die Erzeugung von Mehrwert, ebenso dargestellt wie in G... G'; nur erscheint der Akt W'-G' als letztes Stadium in G... G', und als zweites des Kreislaufs, erstes der Zirkulation in p... P. In P... P' drckt P' aus, nicht daá Mehrwert produziert, sondern daá der produzierte Mehrwert kapitalisiert, also Kapital akkumu- liert worden ist, und daher P', gegenber P, aus dem ursprngli- chen Kapitalwert Plus dem Wert von durch dessen Bewegung akkumu- liertem Kapital besteht. G', als bloáer Schluá von G... G', sowohl wie W', wie es inner- halb aller dieser Kreisl„ufe erscheint, drcken fr sich genommen nicht die Bewegung aus, sondern ihr Resultat: die in Warenform oder Geldform realisierte Verwertung des Kapitalwerts, und daher den Kapitalwert als G + g oder als W + w, als Verh„ltnis von Ka- pitalwert zu seinem Mehrwert, als seinem Abk”mmling. Sie drcken dies Resultat aus als verschiedne Zirkulationsformen des verwer- teten Kapitalwerts. Aber weder in der Form W' noch in der Form G' ist die stattgefundene Verwertung selbst eine Funktion, sei es des Geldkapitals, sei es des Warenkapitals. Als besondre, ver- schiedene Formen, Daseinsweisen, die besondren Funktionen des in- dustriellen Kapitals entsprechen, kann Geldkapital nur Geldfunk- tionen, Warenkapital nur Warenfunktionen vollziehn, ist ihr Un- terschied voneinander nur der von Geld und Ware. Ebenso kann das industrielle Kapital, in seiner Form als produktives Kapital, nur aus denselben Elementen bestehn, wie jeder andre produktbildende Arbeitsprozeá: einerseits gegenst„ndlichen Arbeitsbedingungen (Produktionsmitteln), andrerseits sich produktiv (zweckgem„á) be- t„tigender Arbeitskraft. Wie das industrielle Kapital innerhalb der Produktionssph„re nur in der dem Produktionsprozeá berhaupt, also auch dem nichtkapitalistischen Produktionsprozeá, entspre- chenden Zusammensetzung existieren kann, so kann es in der Zirku- lationssph„re nur ----- 1*) Siehe vorl. Band, S. 79 #86# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- existieren in den beiden ihr entsprechenden Formen von Ware und Geld. Wie aber die Summe der Produktionselemente von vornherein dadurch sich als produktives Kapital ankndigt, daá die Arbeits- kraft fremde Arbeitskraft ist, die der Kapitalist gekauft hat von ihrem eignen Inhaber, ganz wie er seine Produktionsmittel von an- dren Wareninhabern gekauft; wie daher auch der Produktionsprozeá selbst als produktive Funktion des industriellen Kapitals auf- tritt, so Geld und Ware als Zirkulationsformen desselben indu- striellen Kapitals, also auch ihre Funktionen als seine Zirkula- tionsfunktionen, die die Funktionen des produktiven Kapitals ent- weder einleiten oder daraus entspringen. Nur durch ihren Zusam- menhang als Funktionsformen, die das industrielle Kapital in den verschiednen Stadien seines Kreislaufprozesses zu verrichten hat, sind hier Geldfunktion und Waren funktion zugleich Funktion von Geldkapital und Warenkapital. Es ist also verkehrt, die das Geld als Geld und die Ware als Ware charakterisierenden, spezifischen Eigenschaften und Funktionen aus ihrem Kapitalcharakter her lei- ten zu wollen, und ebenso verkehrt ist es, umgekehrt die Eigen- schaften des produktiven Kapitals aus seiner Existenzweise in Produktionsmitteln abzuleiten. Sobald G' oder W' fixiert werden als G + g, W + w, d.h. als Ver- h„ltnis des Kapitalwerts zum Mehrwert als seinem Spr”áling, ist dies Verh„ltnis in beiden ausgedrckt, das eine Mal in Geldform, das andre Mal in Warenform, was an der Sache selbst nichts „n- dert. Dies Verh„ltnis entspringt daher weder aus Eigenschaften und Funktionen, die dem Geld als solchem, noch der Ware als sol- cher zukommen. In beiden F„llen ist die das Kapital charakteri- sierende Eigenschaft, Wert heckender Wert zu sein, nur als Resul- tat ausgedruckt. W' ist stets das Prcdukt der Funktion von P, und G' ist stets nur die im Kreislauf des industriellen Kapitals ver- wandelte Form von W'. Sobald daher das realisierte Geldkapital seine besondre Funktion als Geldkapital wieder beginnt, h”rt es auf, das in G' = G + g enthaltne Kapitalverh„ltnis auszudrcken. Wenn G... G' durchlaufen ist, und G' den Kreislauf von neuem be- ginnt, figuriert es nicht als G', sondern als G, selbst wenn der ganze in G enthaltne Mehrwert kapitalisiert wird. Der zweite Kreislauf beginnt in unserm Fall mit einem Geldkapital von 500 Pfd.St., statt wie der erste mit 422 Pfd.St. Das Geldkapital, das den Kreislauf er”ffnet, ist um 78 Pfd.St. gr”áer als vorher; die- ser Unterschied existiert in der Vergleichung des einen Kreis- laufs mit dem andren; a diese Vergleichung existiert nicht inner- halb jedes einzelnen Kreislaufs. Die als Geldkapital vorgeschoá- nen 500 Pfd.St., wovon 78 Pfd.St. frher als Mehrwert existier- ten, spielen keine andre Rolle, als 500 Pfd.St., womit ein #87# 2. Kapitel - Der Kreislauf des produktiven Kapitals ----- andrer Kapitalist seinen ersten Kreislauf er”ffnet. Ebenso im Kreislauf des produktiven Kapitals. Das vergr”áerte P' tritt beim Wiederbeginn als P auf, so gut wie P in der einfachen Reproduk- tion P... P. Im Stadium A G'-W'< Pm ist die angewachsne Gr”áe nur durch W' angezeigt, aber nicht durch A' und Pm'. Da W die Summe von A und Pm, ist schon durch W' angezeigt, daá die Summe der in ihm enthaltnen A und Pm gr”áer ist als das ursprngliche P. Zweitens aber w„re die Bezeichnung A' und Pm' falsch, weil wir wissen, daá mit dem Wachstum des Ka- pitals eine Žnderung seiner Wertzusammensetzung verbunden ist, im Fortschritt derselben der Wert von Pm w„chst, der von A stets re- lativ abnimmt, oft absolut. #87# 2. Kapitel - Der Kreislauf des produktiven Kapitals ----- III. Geldakkumulation Ob g, der vergoldete Mehrwert, sofort wieder dem prozessierenden Kapitalwert zugeschlagen, und so, zusammen mit dem Kapital G, in der Gr”áe G' in den Kreislaufsprozeá eingehn kann, h„ngt von Um- st„nden ab, die unabh„ngig sind von dem bloáen Vorhandensein von g. Soll g als Geldkapital in einem, neben dem ersten Gesch„ft an- zulegenden, zweiten selbst„ndigen Gesch„ft dienen, so ist klar, daá es hierzu nur anwendbar, wenn es die zu solchem Gesch„ft erheischte Minimalgr”áe besitzt. Soll es zur Ausdehnung des ur- sprnglichen Gesch„fts verwandt werden, so bedingen die Verh„lt- nisse der stofflichen Faktoren von P und deren Wertverh„ltnisse ebenfalls eine bestinunte Minimalgr”áe fr g. Alle in diesem Ge- sch„ft wirkenden Produktionsmittel haben nicht nur ein qualita- tives, sondern ein bestimmtes quantitatives Verh„ltnis zueinan- der, einen proportionellen Umfang. Diese stofflichen und die von ihnen getragnen Wertverh„ltnisse der in das produktive Kapital eingehenden Faktoren bestimmen den Minimalumfang, den g besitzen muá, um in zuschssige Produktionsmittel und Arbeitskraft, oder nur in erstere, als Zuwachs des produktiven Kapitals umsetzbar zu werden. So kann der Spinner nicht die Zahl seiner Spindeln ver- mehren, ohne gleichzeitig die entsprechenden Kratzen und Vor- spinnsthle anzuschaffen, abgesehn von der vermehrten Ausgabe fr Baumwolle und Arbeitslohn, die eine solche Gesch„ftsausdehnung bedingt. Um diese letztre auszufhren, muá also der Mehrwert schon eine ziemliche Summe ausmachen (1 Pfd.St. per Spindel Neuanschaffung wird gew”hnlich gerechnet). Solange g diesen Mini- malumfang nicht besitzt, muá der Kreislauf des Kapitals sich mehrmals wiederholen, bis die Summe der sukzessive von ihm er- zeugten g, mit G zusanunen, also in A G'-W' < Pm fungieren kann. Schon bloáe Detailver„nderungen, #88# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- z.B. in der Spinnmaschinerie, soweit sie diese produktiver ma- chen, erheischen gr”áre Ausgabe in Spinnmaterial, Ausdehnung der Vorspinnmaschinerie etc. In der Zwischenzeit wird also g ange- h„uft und seine Anh„ufung ist nicht seine eigne Funktion, sondern das Resultat wiederholter P... P. Seine eigne Funktion ist sein Verharren im Geldzustand, bis es aus den wiederholten Verwer- tungskreisl„ufen, also von auáen, Zuschuá genug erhalten hat, um die zu seiner aktiven Funktion erheischte Minimalgráe zu errei- chen, die Gr”áe, in der allein es wirklich als Geldkapital, im gegebnen Fall als akkumulierter Teil des in Funktion begriffnen Geldkapitals G, mit in die Funktion dieses letztren eingehn kann. In der Zwischenzeit wird es angeh„uft und existiert nur in der Form eines im Bildungsprozeá, im Wachstum begriffnen Schatzes. Geldakkumulation, Schatzbildung, erscheint hier also als ein Pro- zeá, der die wirkliche Akkumulation, die Ausdehnung der Stufen- leiter, worauf das industrielle Kapital wirkt, vorbergehend be- gleitet. Vorbergehend, denn solange der Schatz in seinem Schatz- zustande verharrt, fungiert er nicht als Kapital, nimmt nicht teil am Verwertungsprozeá, bleibt eine Geldsumme, die nur an- w„chst, weil ohne ihr Zutun vorhandnes Geld in denselben Kasten geworfen wird. Die Form des Schatzes ist nur die Form von nicht in Zirkulation befindlichem Geld, von Geld, das in seiner Zirkulation unterbro- chen ist und deshalb in seiner Geldform aufbewahrt wird. Was den Prozeá des Schatzbildens selbst betrifft, so ist er aller Waren- produktion gemein und spielt als Selbstzweck eine Rolle nur in den unentwickelten vorkapitalistischen Formen derselben. Hier aber erscheint der Schatz als Form des Geldkapitals und die Schatzbildung als ein Prozeá, der die Akkumulation des Kapitals vorbergehend begleitet, weil und sofern das Geld hier als laten- tes Geldkapital figuriert; weil die Schatzbildung, der Schatzzu- stand des in Geldform vorhandnen Mehrwerts ein auáerhalb des Kreislaufs des Kapitals vorgehendes, funktionell bestimmtes Vor- bereitungsstadium fr die Verwandlung des Mehrwerts in wirklich fungierendes Kapital ist. Es ist also latentes Geldkapital durch diese seine Bestimmung, weshalb auch der Umfang, den es erreicht haben muá, um in den Prozeá einzutreten, durch die jedesmalige Wertzusammensetzung des produktiven Kapitals bestimmt ist. So- lange es aber im Schatzzustande verharrt, fungiert es noch nicht als Geldkapital, ist noch brachliegendes Geldkapital; nicht wie vorher in seiner Funktion unterbrochnes, sondern noch nicht zu seiner Funktion f„higes. Wir nehmen hier die Geldanh„ufung in ihrer ursprnglichen realen Form, als wirklichen Geldschatz. Sie kann auch existieren in der Form von bloáen Guthaben. Schuldforderungen des Kapitalisten, der W' verkauft hat. #89# 2. Kapitel - Der Kreislauf des produktiven Kapitals ----- Was die andren Formen betrifft, wo dies latente Geldkapital in der Zwischenzeit selbst in Gestalt von Geld hackendem Geld exi- stiert, z. B. als zinstragendes Depositum in einer Bank, in Wech- seln oder Wertpapieren irgendeiner Art, so geh”ren sie nicht hierher. Der in Geld realisierte Mehrwert verrichtet dann beson- dre Kapitalfunktionen auáerhalb des Kreislaufs des industriellen Kapitals, dem er entsprungen; Funktionen, die erstens nut jenem Kreislauf als solchem nichts zu tun haben, zweitens aber von den .unktionen des industriellen Kapitals unterschiedne Kapitalfunk- tionen unterstellen, die hier noch nicht entwickelt sind. #89# 2. Kapitel - Der Kreislauf des produktiven Kapitals ----- IV. Reservefonds In der eben betrachteten Form ist der Schatz, als welcher der Mehrwert existiert, Geldakkumulationsfonds, die Geldform, welche die Kapitalakkumulation vorbergehend besitzt, und insofern selbst Bedingung der letztren. Dieser Akkumulationsfonds kann aber auch besondre Nebendienste verrichten, d.h. in den Kreis- laufsprozeá des Kapitals eingehn, ohne daá dieser die Form P... P' besitzt, also ohne daá die kapitalistische Reproduktion erwei- tert ist. Verl„ngert sich der Prozeá W'-G' ber sein normales Maá, ist also das Warenkapital anormal aufgehalten in seiner Verwandlung in Geldform; oder ist, wenn letztre vollzogen, Z.B. der Preis der Produktionsmittel, worin das Geldkapital umgesetzt werden muá, gestiegen ber den Stand, den er beim Beginn des Kreislaufs hatte, so kann der als Akkumulationsfonds fungierende Schatz ver- wandt werden, um die Stelle des Geldkapitals oder eines Teils desselben einzunehmen. Der Geldakkumulationsfonds dient so als Reservefonds, um St”rungen des Kreislaufs auszugleichen. Als solcher Reservefonds ist er verschieden von dem im Kreislauf P... P betrachteten Fonds von Kauf- oder Zahlungsmitteln. Die letztren sind ein Teil des fungierenden Geldkapitals (also Da- seinsformen eines Teils des im Prozeá begriffnen Kapitalwerts berhaupt), dessen Teile nur in verschiednen Zeitterminen nach- einander in Funktion treten. Es bildet sich in der Kontinuit„t des Produktionsprozesses best„ndig Reservegeldkapital, da heute Zahlungen eingegangen, erst an einem sp„tern Termin wieder zu ma- chen, heute gr”áre Warenmassen verkauft, an sp„tern Tagen erst wieder gr”áre Warenmassen zu kaufen sind; in diesen Intervallen existiert also best„ndig ein Teil des zirkulierenden Kapitals in Geldform. Dagegen ist der Reservefonds nicht ein Bestandteil des fungierenden Kapitals, n„her Geldkapitals, #90# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- sondern des in einem Vorstadium seiner Akkumulation begriffnen Kapitals, des noch nicht in aktives Kapital verwandelten Mehr- werts. Es versteht sich brigens ganz von selbst, daá der Kapita- list in N”ten in keiner Weise nach den bestimmten Funktionen des in seiner Hand befindlichen Geldes fragt, sondern anwendet, was er hat, um den Kreislaufsprozeá seines Kapitals im Gang zu hal- ten. Z.B. in unserm Beispiel G = 422 Pfd.St., G' = 500 Pfd.St. Wenn ein Teil des Kapitals von 422 Pfd.St. als Fonds von Zah- lungs- und Kaufmitteln, als Geldvorrat existiert, so ist er dar- auf berechnet, daá er bei gleichbleibenden Umst„nden ganz in den Kreislauf eintritt, hierfr aber auch gengt. Der Reservefonds aber ist ein Teil der 78 Pfd.St. Mehrwert; er kann nur in den Kreislaufsprozeá des Kapitals von 422 Pfd.St. Wert eintreten, so- weit dieser Kreislauf unter nicht sich gleichbleibenden Umst„nden vollzogen wird; denn er ist ein Teil des Akkumulationsfonds und figuriert hier Erweitrung der Stufenleiter der Reproduktion. Der Geldakkumulationsfonds ist schon Dasein von latentem Geldka- pital; also Verwandlung von Geld in Geldkapital. Die allgemeine Formel des Kreislaufs des produktiven Kapitals, welche einfache und Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter zusammenfaát, ist: 1 2 A P... W'-G'. G-W < ... P (P') Pm Ist P = P, so G in 2) = G'-g; ist P = P', so ist G in 2) gr”áer als G'-g; d.h. g ist ganz oder teilweise in Geldkapital verwan- delt worden. Der Kreislauf des produktiven Kapitals ist die Form, worin die klassische ™konomie den Kreislaufsprozeá des industriellen Kapi- tals betrachtet. #91# ----- DRITTES KAPITEL Der Kreislauf des Warenkapitals Die allgemeine Formel fr den Kreislauf des Warenkapitals ist: W'-G-W... P... W'. W' erscheint nicht nur als Produkt, sondern auch als Vorausset- zung der beiden frheren Kreisl„ufe, da, was G-W fr das eine Ka- pital, schon W'-G' fr das andre einschlieát, sofern wenigstens ein Teil der Produktionsmittel selbst das Warenprodukt andrer in ihrem Kreislauf befindlichen individuellen Kapitale ist. In un- serm Fall z.B. sind Kohle, Maschinen etc. das Warenkapital des Grubenexploiteurs, des kapitalistischen Maschinenbauers usw. Fer- ner ist schon in Kap. I, 4 gezeigt, schon bei der ersten Wieder- holung von G... G', schon ehe dieser zweite Kreislauf des Geldka- pitals vollendet, nicht nur der Kreislauf P... P, sondern auch der Kreislauf W'... W' vorausgesetzt ist. Findet Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter statt, so ist das Schluá-W' gr”áer als das Ausgangs-W' und soll deshalb hier mit wit zeichnet werden. Der Unterschied der dritten Form von den zwei ersten zeigt sich darin, erstens, daá hier die Gesamtzirkulation mit ihren zwei entgegengesetzten Phasen den Kreislauf er”ffnet, w„hrend in Form I die Zirkulation durch den Produktionsprozeá unterbrochen wird, in Form II die Gesamtzirkulation t ihren zwei sich erg„nzenden Phasen nur als Vermittlung des Reproduktionsprozesses erscheint und daher die vermittelnde Bewegung zwischen P... P bildet. Bei G... G' ist die Zirkulationsform G-W... W'-G' = G-W-G. Bei P... P ist sie die umgekehrte W'-G'. G-W = W-G-W. In W'... W' hat sie ebenfalls diese letztre Form. Zweitens: In der Wiederholung der Kreisl„ufe I und II, auch wenn die Schluápunkte G' und P' die Anfangspunkte des erneuerten Kreislaufs #92# I. Abschnitt - Die Metamorphose des Kap. und ihr Kreislauf ----- bilden, verschwindet die Form, in der sie erzeugt waren. G'-G + g, P' = P + p beginnt den neuen Prozeá wieder als G und P. In Form III aber muá der Ausgangspunkt W als W' bezeichnet werden, auch bei Erneuerung des Kreislaufs auf derselben Stufenleiter, und zwar aus folgendem Grund. In Form I, sobald G' als solches einen neuen Kreislauf er”ffnet, fungiert es als Geldkapital G, Vorschuá des zu verwertenden Kapitalwerts in Geldform. Die Gr”áe des vorgeschoánen Geldkapitals, angewachsen durch die im ersten Kreislauf vollzogne Akkumulation, hat zugenommen. Aber ob 422 Pfd.St. oder 500 Pfd.St. die Gr”áe des vorgeschoánen Geldkapi- tals, „ndert nichts daran, daá es als bloáer Kapitalwert er- scheint. G' existiert nicht mehr als verwertetes oder mit Mehr- wert geschw„ngertes Kapital, als Kapitalverh„ltnis. Es soll sich ja erst im Prozeá verwerten. Dasselbe gilt fr P... P'; P' muá stets als P, als Kapitalwert, der Mehrwert produzieren soll, wei- ter fungieren und den Kreislauf erneuern. - Dagegen der Kreislauf des Warenkapitals er”ffnet sich nicht mit Kapitalwert, sondern mit in Warenform vermehrtem Kapitalwert, schlieát also von vorn- herein den Kreislauf nicht nur des in Warenform vorhandnen Kapi- talwerts, sondern auch des Mehrwerts ein. Findet daher in dieser Form einfache Reproduktion statt, so tritt ein W' von gleicher Gr”áe am Schluápunkt wie am Ausgangspunkt ein. Geht ein Teil des Mehrwerts in den Kapitalkreislauf ein, so erscheint zwar am Schluá statt W', W'', ein gr”áres W', aber der nun folgende Kreislauf wird wieder er”ffnet mit W', was nur ein gr”áres W' ist als im vorigen Kreislauf und mit gr”árem akkumuliertem Kapital- wert, daher auch mit verh„ltnism„áig gr”árem neuerzeugtem Mehr- wert seinen neuen Kreislauf beginnt. In allen F„llen er”ffnet W' den Kreislauf stets als ein Warenkapital, welches = Kapitalwert + Mehrwert. W' als W erscheint in dem Kreislauf eines einzelnen industriellen Kapitals nicht als Form dieses Kapitals, sondern als Form eines andren industriellen Kapitals, soweit die Produktionsmittel des- sen Produkt sind. Der Akt G-W (d. h. G-Pm) des ersten Kapitals ist fr dieses zweite Kapital W'-G'. Im Zirkulationsvorgang A G-W < Pm verhalten sich A und Pm soweit identisch, als sie Waren sind in der Hand ihrer Verk„ufer, hier der Arbeiter, die ihre Arbeits- kraft, dort der Besitzer der Produktionsmittel, die diese verkau- fen. Fr den K„ufer, dessen Geld hier als Geldkapital fungiert, fungieren sie nur als Waren, solange er sie noch nicht gekauft hat, solange sie also seinem in Geldform existierenden Kapital als Waren andrer gegenbertreten. Pm und A unterscheiden sich hier nur soweit, als Pm in der Hand seines Verk„ufers = W', also Kapital sein kann, wenn Pm Warenform #93# 3. Kapitel - Der Kreislauf des Warenkapitals ----- seines Kapitals ist, w„hrend A fr den Arbeiter stets nur Ware ist und erst Kapital wird in der Hand des K„ufers, als Bestand- teil von P. W' kann daher nie als bloáes W, als bloáe Warenform des Kapital- werts einen Kreislauf er”ffnen. Als Warenkapital ist es immer ein Doppeltes. Unter dem Gesichtspunkt des Gebrauchswerts ist es das Produkt der Funktion von P, hier Garn, dessen als Waren aus der Zirkulation herkommende Elemente, A und Pm, nur 1*) als Pro- duktbildner dieses Produkts fungiert haben. Zweitens, unter dem Gesichtspunkt des Werts, ist es der Kapitalwert P plus dem in der Funktion von P erzeugten Mehrwert m. Nur im Kreislauf von W' selbst kann und muá W-P = dem Kapitalwert sich trennen von dem Teil von W', worin Mehrwert existiert, von dem Mehrprodukt, worin der Mehrwert steckt, ob beide nun tats„ch- lich trennbar, wie bei Garn, oder nicht, wie in der Maschine. Sie werden jedesmal trennbar, sobald W' in G' verwandelt. Ist das gesamte Warenprodukt trennbar in selbst„ndige homogene Teilprodukte, wie z.B. unsre 10 000 Pfund Garn, und kann daher der Akt W'-G' sich in einer Summe nacheinander vollzogner Ver- k„ufe darstellen, so kann der Kapitalwert in Warenform als W fun- gieren, sich von W' lostrennen, bevor der Mehrwert, also bevor W' als ganzes realisiert ist. Von den 10 000 Pfund Garn zu 500 Pfd.St. ist der Wert von 8440 Pfund 422 Pfd.St. = dem Kapitalwert, getrennt vom Mehrwert. Ver- kauft der Kapitalist erst 8440 Pfund Garn zu 422 Pfd.St., so stellen diese 8440 Pfund Garn W dar, den Kapitalwert in Waren- form, das in W' auáerdem enthaltne Mehrprodukt von 1560 Pfund Garn = Mehrwert von 78 Pfd.St. zirkulierte erst sp„ter; der Kapi- talist k”nnte A W-G-W < Pm vollziehn vor der Zirkulation des Mehrprodukts w-g-w. Oder wenn er erst 7440 Pfund Garn zum Wert von 372 Pfd.St. und dann 1000 Pfund Garn zum Wert von 50 Pfd.St. verkaufte, so k”nnten mit dem ersten Teil von W die Produktionsmittel (der konstante Kapi- talteil c) und mit dem zweiten Teil von W der variable Kapi- talteil v, die Arbeitskraft ersetzt werden, und dann wie vorher. Finden aber solche sukzessive Verk„ufe statt und erlauben es die Bedingungen des Kreislaufs, so kann der Kapitalist, statt W' zu trennen in c+v+m, diese Trennung auch bei aliquoten Teilen von W' vornehmen. Z.B. 7440 Pfund Garn = 372 Pfd.St., die als Teile von W' (10 000 Pfund Garn = 500 Pfd.St.) den konstanten Kapitalteil repr„sentieren, sind selbst wieder zerf„llbar in 5535,360 Pfund Garn zum Wert von 276,768 Pfd. St., --- 1*) 1. und 2. Auflage: nun, ge„ndert dem Manuskript von Marx #94# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- die bloá den konstanten Teil, den Wert der in 7440 Pfund Garn verbrauchten Produktionsmittel ersetzen; 744 Pfund Garn zum Wert von 37,200 Pfd. St., die nur das variable Kapital ersetzen; 1160,640 Pfund Garn zum Wert von 58,032 Pfd. St., welche als Mehrprodukt Tr„ger des Mehrwerts sind. Von den verkauften 7440 Pfund kann er also den in ihnen enthaltnen Kapitalwert ersetzen durch Verkauf von 6279,360 Pfund Garn zum Preis von 313,968 Pfd.St., und den Wert des Mehrprodukts 1160,640 Pfund = 58,032 Pfd.St. als Revenue verausgaben. Ebenso kann er weiter 1000 Pfund Garn = 50 Pfd.St. = dem vari- ablen Kapitalwert zerfallen und demgem„á verkaufen; 744 Pfund Garn zu 37,200 Pfd. St., konstanter Kapitalwert von 1000 Pfund Garn, 100 Pfund Garn zu 5,000 Pfd.St., variabler Kapitalteil von ditto; also 84 Pfund Garn zu 42,200 Pfd. St., Ersatz des in den 1000 Pfund Garn enthaltnen Kapitalwerts; endlich 156 Pfund Garn zum Wert von 7,800 Pfd.St., die du darin enthaltne Mehrprodukt darstellen und als solches verzehrt werden k”nnen. Endlich kann er die noch brigen 1560 Pfund Garn zum Wert von 78 Pfd. St., wenn der Verkauf gelingt, in der Weise zerfallen, daá der Verkauf von 1160,640 Pfund Garn zu 58,032 Pfd.St. den Wert der in den 1560 Pfund Garn enthaltnen Produktionsmittel, und 156 Pfund Garn zum Wert von 7,800 Pfd.St. den variablen Kapitalwert ersetzen; en 1316,640 Pfund Garn = 65.832 Pfd.St., Ersatz des gesamten Kapi- talwerts; endlich das Mehrprodukt 243,360 Pfund = 12,168 Pfd.St. bleibt als Revenue zu verausgaben. Wie jedes im Garn existierend Element c, v, m, wieder in diesel- ben Bestandteile zerlegbar so auch jedes einzelne Pfund Garn zum Wert von 1 sh. = 12 d. c = 0,744 Pfund Garn = 8,928 d. v = 0,100 " " = 1,200 " m = 0,156 " " = 1,872 " -------------------------------- c+v+m = 1 Pfund Garn = 12 d. Addieren wir die Resultate der drei obigen Teilverk„ufe zusammen, so kommt dasselbe Resultat heraus, wie beim Verkauf der 10 000 Pfund Garn auf einen Schlag. Wir haben an konstantem Kapital: beim 1. Verkauf: 5535,360 Pfund Garn = 276,768 Pfd.St. " 2. " 744,000 " " = 37,200 " " " 3. " 1160,640 " ". = 58,032 " " ----------------------------------------------------- zusammen 7440 Pfund Garn = 372 Pfd.St. #95# 3. Kapitel - Der Kreislauf des Warenkapitals ----- An variablem Kapital: beim 1. Verkauf: 744,000 Pfund Garn = 37,200 Pfd.St. " 2. " 100,000 " " = 5,000 " " " 3 " 156,000 " " = 7,800 " " ---------------------------------------------------- zusammen 1000 Pfund Garn = 50 Pfd.St. An Mehrwert: beim 1. Verkauf:1160,640 Pfund Garn = 58,032 Pfd.St. " 2. " 156,000 " " = 7,800 " " " 3. " 243,360 " " = 12,168 " " ---------------------------------------------------- zusammen 1560 Pfund Garn = 78 Pfd.St. Summa Summarum: Konstantes Kapital: 7440 Pfund Garn = 372 Pfd.St. Variables " 1000 " " = 50 " " Mehrwert " 1560 " " " 78 " " ------------------------------------------------- zusammen 10000 Pfund Garn = 500 Pfd.St. W'-G' ist fr sich nichts als ein Verkauf von 10 000 Pfund Garn. Die 10 000 Pfund Garn sind Ware wie alles andre Garn. Den K„ufer interessiert der Preis von 1 sh. per Pfund, oder von 500 Pfd.St. fr 10 000 Pfund. L„át er sich bei dem Handel auf die Wertzusam- mensetzung ein, dann nur mit der heimtckischen Absicht nachzu- weisen, daá das Pfund unter 1 sh. verkauft werden k”nne und der Verk„ufer dabei immer noch ein gutes Gesch„ft machen werde. Das Quantum aber, das er kauft, h„ngt von seinen Bedrfnissen ab; ist er z.B. Webereibesitzer, dann von der Zusammensetzung seines eig- nen in der Weberei fungierenden Kapitals, nicht von der des Spin- ners, von dem er kauft. Die Verh„ltnisse, worin W' einerseits das in ihm aufgearbeitete Kapital (resp. dessen verschiedne Bestand- teile) zu ersetzen, andrerseits als Mehrprodukt, sei es zur Ver- ausgabung von Mehrwert, sei es zur Kapitalakkumulation, zu dienen hat, existieren nur im Kreislauf des Kapitals, dessen Warenform die 10 000 Pfund Garn sind. Sie haben mit dem Verkauf als solchem nichts zu tun. Hier ist auáerdem unterstellt, daá W' zu seinem Wert verkauft wird, es sich also nur um seine Verwandlung aus Wa- renform in Geldform handelt. Fr W', als funktionelle Form im Kreislauf dieses einzelnen Kapitals, woraus das produktive Kapi- tal ersetzt werden muá, ist es natrlich entscheidend, ob und wieweit Preis und Wert beim Verkauf voneinander abweichen, aber damit haben wir hier bei Betrachtung der bloáen Formunterschiede nichts zu schaffen. #96# I. Abschnitt - Die Metamorphose des Kap. und ihr Kreislauf ----- In Form I, G... G', erscheint der Produktionsprozeá in der Mitte schen den zwei sich erg„nzenden und einander entgegengesetzten Phasen der Zirkulation des Kapitals; er ist vergangen, bevor die abschlieáende Phase W'-G' eintritt. Geld ist als Kapital vorge- schossen, zuerst in die Produktionselemente, aus diesen in Waren- produkt verwandelt und dies Warenprodukt wieder in Geld umge- setzt. Es ist ein fertig abgeschloáner Gesch„ftszyklus, dessen Resultat das zu allem und jedem verwendbare Geld. Der Neubeginn ist so nur der M”glichkeit nach gegeben. G... P... G, kann eben- sowohl der letzte Kreislauf sein, der beim Rcktritt aus dem Ge- sch„ft die Funktion eines individuellen Kapitals abschlieát, wie erster Kreislauf eines neu in Funktion tretenden Kapitals. Die allgemeine Bewegung ist hier G... G', von Geld zu mehr Geld. In Form II, P... W'-G'-W... P (P'), folgt der gesamte Zirkulati- onsprozeá auf das erste P und geht dem zweiten vorher; er erfolgt aber in entgegengesetzter Ordnung wie in Form I. Das erste P ist das produktive Kapital, und seine Funktion der Produktionsprozeá, als Vorbedingung des nachfolgenden Zirkulationsprozesses. Das ab- schlieáende P dagegen ist nicht der Produktionsprozeá; es ist nur das Wiederdasein des industriellen Kapitals in seiner Form als produktives Kapital. Und zwar ist es dies als Resultat der in der letzten Zirkulationsphase vollzognen Verwandlung des Kapitalwerts in A + Pm, in die subjektiven und objektiven Faktoren, welche in ihrer Vereinigung die Daseinsform des produktiven Kapitals bil- den. Das Kapital, sei es P oder P', ist am Schluá wieder in einer Form fertig vorhanden, worin es von neuem als produktives Kapital fungieren, den Produktionsprozeá vollziehn muá. Die allgemeine Form der Bewegung, P... P, ist die Form der Reproduktion und zeigt nicht, wie G... G', die Verwertung als Zweck des Prozesses an. Sie macht es deshalb der klassischen ™konomie um so leichter, von der bestimmten kapitalistischen Form des Produktionsprozesses abzusehn und die Produktion als solche als Zweck des Prozesses darzustellen, so daá m”glichst viel und wohlfeil zu produzieren und das Produkt gegen m”glichst vielseitige andre Produkte auszu- tauschen sei, teils zur Erneuerung der Produktion (G-W), teils zur Konsumtion (g-w). Wobei denn, da G und g hier nur als ver- schwindendes Zirkulationsmittel erscheinen, die Eigentmlichkei- ten sowohl des Geldes wie des Geldkapitals bersehn werden k”n- nen, und der ganze Prozeá einfach und natrlich erscheint, d.h. die Natrlichkeit des flachen Rationalismus besitzt. Beim Waren- kapital wird ebenso der Profit gelegentlich vergessen, und figu- riert es, sobald vom Produktionskreislauf als Ganzem die Rede, nur als Ware; sobald aber von den Wertbestandteilen die Rede, als Warenkapital. Die #97# 3. Kapitel - Der Kreislauf des Warenkapitals ----- Akkumulation erscheint natrlich in derselben Weise wie die Pro- duktion. In Form III, W'-G'-W... P... W', er”ffnen die zwei Phasen des Zirkulationsprozesses den Kreislauf, und zwar in derselben Ord- nung wie in Form II, P... P; es folgt dann P, und zwar wie in Form I mit seiner Funktion, dem Produktionsprozeá; mit dem Resul- tat des letztren, W', schlieát der Kreislauf. Wie in Form II mit P, als bloáem Wiederdasein des produktiven Kapitals, schlieát er hier mit W', als Wiederdasein des Warenkapitals; wie in Form II das Kapital in seine Schluáform P den Prozeá wieder beginnen muá als Produktionsprozeá, so muá hier mit dem Wiedererscheinen des industriellen Kapitals, in der Form von Warenkapital, der Kreis- lauf sich von neuem er”ffnen mit der Zirkulationsphase W'-G'. Beide Formen des Kreislaufs sind unvollendet, weil sie nicht mit G', dem in Geld rckverwandelten, verwerteten Kapitalwert ab- schlieáen. Beide mssen also weiter fortgesetzt werden und schlieáen daher die Reproduktion ein. Der Gesamtkreislauf in Form III ist W'...W'. Was die dritte Form von den beiden ersten unterscheidet, ist, daá nur in diesem Kreislauf der verwertete Kapitalwert, nicht der ur- sprngliche, erst zu verwertende Kapitalwert als Ausgangspunkt seiner Verwertung erscheint. W' als Kapitalverh„ltnis ist hier der Ausgangspunkt und wirkt als solches determinierend auf den ganzen Kreislauf ein, indem es sowohl den Kreislauf des Kapital- werts als den des Mehrwerts schon in seiner ersten Phase ein- schlieát, und der Mehrwert, wenn auch nicht in jedem einzelnen Kreislauf, doch in ihrem Durchschnitt, zum Teil als Revenue ver- ausgabt werden, die Zirkulation w-g-w durchlaufen, zum Teil als Element der Kapitalakkumulation fungieren muá. In der Form W'... W' ist die Konsumtion des gesamten Warenpro- dukts als Bedingung des normalen Verlaufs des Kreislaufs des Ka- pitals selbst vorausgesetzt. Die individuelle Konsumtion des Ar- beiters und die individuelle Konsumtion des nicht akkumulierten Teils des Mehrprodukts umschlieát die gesamte individuelle Kon- sumtion. Es geht also die Konsumtion ihrer Gesamtheit nach - als individuelle und als produktive Konsumtion als Bedingung in den Kreislauf W' ein. Die produktive Konsumtion (worin der Sache nach die individuelle Konsumtion des Arbeiters eingeschlossen, da Ar- beitskraft best„ndiges Produkt, innerhalb gewisser Grenzen, der und indviduellen Konsumtion des Arbeiters) geschieht durch jedes individuelle Kapital selbst. Die individuelle Konsumtion - auáer soweit zur Existenz des individuellen Kapitalisten n”tig - ist nur unterstellt als gesellschaftlicher Akt, keineswegs als Akt des individuellen Kapitalisten. #98# I. Abschnitt - Die Metarnorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- In den Formen I und II stellt sich die Gesamtbewegung dar als Be- wegung des vorgeschoánen Kapitalwerts. In der Form III bildet das verwertete Kapital, in Gestalt des gesamten Warenprodukts, den Ausgangspunkt und besitzt die Form des sich bewegenden Kapitals, Warenkapitals. Erst nach seiner Verwandlung in Geld zweigt diese Bewegung sich ab in Kapitalbewegung und Revenuebewegung. Die Ver- teilung des gesellschaftlichen Gesamtprodukts, wie die besondre Verteilung des Produkts fr jedes individuelle Warenkapital, ei- nerseits in individuellen Konsumtionsfonds, andrerseits in Repro- duktionsfonds, ist in dieser Form in den Kreislauf des Kapitals eingeschlossen. In G... G' ist m”gliche Erweitrung des Kreislaufs eingeschlossen, je nach dem Umfang des g, das in den erneuerten Kreislauf ein- geht. In P... P kann P mit demselben Wert, vielleicht mit geringrem, den neuen Kreislauf beginnen und dennoch Reproduktion auf erwei- terter Stufenleiter darstellen; wenn z.B. Warenelemente sich in- folge gesteigerter Produktivit„t der Arbeit verwohlfeilern. Umge- kehrt kann im entgegengesetzten Fall das dem Wert nach gewachsne produktive Kapital Reproduktion auf stofflich verengerter Stufen- leiter darstellen, wenn z.B. Produktionselemente verteuert. Das- selbe gilt fr W'... W'. In W'... W' ist Kapital in Warenform der Produktion vorausge- setzt; es kehrt wieder als Voraussetzung innerhalb dieses Kreis- laufs im zweiten W. Ist dies W noch nicht produziert oder repro- duziert, so ist der Kreislauf gehemmt; dies W muá reproduziert werden, gr”átenteils als W' eines andren industriellen Kapitals. In diesem Kreislauf existiert W' als Ausgangspunkt, Durchgangs- punkt, Schluápunkt der Bewegung, ist daher stets da. Es ist be- st„ndige Bedingung des Reproduktionsprozesses. W'... W' unterscheidet sich durch ein andres Moment von den For- men I und II. Alle drei Kreisl„ufe haben das gemein, daá die Form, worin das Kapital seinen Kreislaufsprozeá er”ffnet, auch die Form ist, worin es ihn schlieát, und damit sich wieder in der Anfangsform befindet, worin es denselben Kreislauf neu er”ffnet. Die Anfangsform G, P, W' ist stets die Form, worin der Kapital- wert (in III mit dem ihm angewachsnen Mehrwert) vorgeschossen wird, also seine mit Bezug auf den Kreislauf ursprngliebe Form; die Schluáform G', P, W' ist jedesmal verwandelte Form einer im Kreislauf vorhergehenden funktionellen Form, welche nicht die ur- sprngliche Form ist. So ist G' in I verwandelte Form von W', das Schluá-P in II ver- wandelte Form von G (und in I und II wird diese Verwandlung durch einen einfachen Vorgang der Warenzirkulation, durch formellen Stellenwechsel von #99# 3. Kapitel - Der Kreislauf des Warenkapitals ----- Geld bewirkt); in III ist W' verwandelte Form von P, dem produk- tiven Kapital. Aber hier in III betrifft erstens die Verwandlung nicht nur die funktionelle Form des Kapitals, sondern auch seine Wertgr”áe; zweitens aber ist die Verwandlung das Resultat nicht eines dem Zirkulationsprozeá angeh”rigen, bloá formellen Stellen- wechsels, sondern der wirklichen Verwandlung, welche Gebrauchs- form und Wert der Warenbestandteile des produktiven Kapitals im Produktionsprozeá durchgemacht haben. Die Form des Anfangsextrems G, P, W' ist dem jedesmaligen Kreis- lauf I, III vorausgesetzt; die im Schluáextrem wiederkehrende Form ist gesetzt und daher bedingt durch die Metamorphosenreihe des Kreislaufs selbst. W', als Schluápunkt eines individuellen industriellen Kapitalkreislaufs, setzt nur die nicht der Zirkula- tion angeh”rige Form P desselben industriellen Kapitals voraus, dessen Produkt es ist. G', als Schluápunkt in I, als verwandelte Form von W' (W'-G'), setzt G voraus in der Hand des K„ufers, als auáerhalb des Kreislaufs G... G' existierend und durch Verkauf von W' in ihn hineingezogen und zu seiner eignen Schluáform ge- macht. So setzt in II das Schluá-P voraus A und Pm (W) als auáer- halb existierend und durch G-W ihm als Schluáform inkorporiert. Aber abgesehn von dem letzten Extrem, setzt weder der Kreislauf des individuellen Geldkapitals das Dasein des Geldkapitals ber- haupt, noch der Kreislauf des individuellen produktiven Kapitals das des produktiven Kapitals in ihrem Kreislauf voraus. In I kann G das erste Geldkapital, in II P das erste produktive Kapital sein, das auf der geschichtlichen Bhne auftritt, aber in III A W - G - W < ... P... W' W' {- G' { Pm w - g - w ist W zweimal auáerhalb des Kreislaufs vorausgesetzt. Einmal im Kreislauf A W'-G'-W < Pm Dies W, soweit es aus Pm besteht, ist Ware in der Hand Pm des Verk„ufers; es ist selbst Warenkapital, soweit es Produkt eines kapitalistischen Produktionsprozesses; und selbst wenn das nicht, erscheint es als Warenkapital in der Hand des Kaufmanns. Das an- dre Mal in dem zweiten w in w-g-w, das ebenfalls als Ware vorhan- den sein muá, um gekauft werden zu k”nnen. Jedenfalls, ob Waren- kapital oder nicht, sind A und Pm Waren so gut wie W' und verhal- ten sich zueinander als Waren. Dasselbe gilt von dem zweiten w in w-g-w. Soweit also W' = W (A + Pm), hat es Waren zu seinen eignen Bildungselementen und muá durch gleiche Waren in der Zirkulation ersetzt werden; wie auch in w-g-w das zweite w durch andte glei- che Waren in der Zirkulation zu ersetzen ist. #100# 1. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- Auf Grundlage der kapitalistischen Produktionsweise, als herr- schender, muá auáerdem alle Ware in der Hand des Verk„ufers Wa- renkapital sein. Sie f„hrt fort es zu sein in der Hand des Kauf- manns, oder wird es in seiner Hand, wenn sie es noch nicht war. Oder aber sie muá Ware sein - z.B. eingefhrte Artikel -, welche ursprngliches Warenkapital ersetzt, ihm daher nur eine andre Da- seinsform gegeben hat. Die Warenelemente A und Pm, woraus das produktive Kapital P be- steht, besitzen als Daseinsformen von P nicht dieselbe Gestalt wie auf den verschiednen Warenm„rkten, auf denen sie zusammenge- sucht werden. Sie sind jetzt vereinigt, und in ihrer Verbindung k”nnen sie als produktives Kapital fungieren. Daá nur in dieser Form III, innerhalb des Kreislaufs selbst, W als Voraussetzung von W erscheint, kommt daher, daá der Ausgangs- punkt das Kapital in Warenform ist. Der Kreislauf wird er”ffnet durch Umsatz von W' (soweit es als Kapitalwert fungiert, ob durch Zusatz von Mehrwert vergr”áert oder nicht) in die Waren, die seine Produktionselemente bilden. Dieser Umsatz aber umfaát den ganzen Zirkulationsprozeá W-G-W (= A + Pm) und ist dessen Resul- tat. Hier steht also W auf beiden Extremen, aber das zweite Ex- trem, das seine Form W durch G-W von auáen aus dem Warenmarkt er- h„lt, ist nicht letztes Extrem des Kreislaufs, sondern nur seiner zwei ersten, den Zirkulationsprozeá umfassenden Stadien. Sein Re- sultat ist P, dessen Funktion dann eintritt, der Produktionspro- zeá. Erst als dessen Resultat, also nicht als Resultat des Zirku- lationsprozesses, erscheint W' als Schluá des Kreislaufs und in derselben Form wie das Anfangsextrem W'. Dagegen in G... G', P... P sind die Schluáextreme G' und P unmittelbare Resultate des Zir- kulationsprozesses. Hier sind also nur am Schluá das eine Mal G', das andre Mal P in andrer Hand vorausgesetzt. Soweit der Kreis- lauf zwischen den Extremen vorgeht, erscheint weder G in dem einen Fall, noch P in dem andren - das Dasein von G, als fremdem Geld, von P, als fremdem Produktionsprozeá - als Voraussetzung dieser Kreisl„ufe. W'... W' dagegen setzt W (= A + Pm) als fremde Waren in fremder Hand voraus, die durch den einleitenden Zirkula- tionsprozeá in den Kreislauf gezogen und in das produktive Kapi- tal verwandelt werden, als Resultat von dessen Funktion nun W' wieder Schluáform des Kreislaufs wird. Aber eben weil der Kreislauf W'...W' innerhalb seiner Beschrei- bung andres industrielles Kapital in Form von W (= A+ Pm) voraus- setzt (und Pm umschlieát verschiedenartige andre Kapitale, z.B. in unserm Fall Maschinen. Kohlen, ™l etc.), fordert er selbst dazu heraus, ihn zu betrachten #101# 3. Kapitel - Der Kreislauf des Warenkapitals ----- nicht nur als a l l g e m e i n e Form des Kreislaufs, d.h. als eine gesellschaftliche Form, worunter jedes einzelne industrielle Kapital (auáer bei seiner ersten Anlage) betrachtet werden kann, daher nicht nur als eine allen individuellen industriellen Kapi- talen gemeinsame Bewegungsform, sondern zugleich als Bewegungs- form der Summe der individuellen Kapitale, also des Gesamtkapi- tals der Kapitalistenklasse, eine Bewegung. worin die jedes indi- viduellen industriellen Kapitals nur als eine Tellbewegung er- scheint, die t der andren sich verschlingt und durch sie bedingt wird. Betrachten wir z.B. das j„hrliche Gesamtwarenprodukt eines Landes und analysieren die Bewegung, wodurch ein Teil desselben das produktive Kapital in allen individuellen Gesch„ften ersetzt, ein andrer Teil in die individuelle Konsumtion der verschiednen Klassen eingeht, so betrachten wir W'... W' als Bewegungsform sowohl des gesellschaftlichen Kapitals, als des von diesem er- zeugten Mehrwerts, resp. Mehrprodukts. Daá das gesellschaftliche Kapital = Summe der individuellen Kapitale (inkl. der Aktienkapi- tale resp. des Staatskapitals, soweit Regierungen produktive Lohnarbeit in Bergwerken, Eisenbahnen etc. anwenden, als indu- strielle Kapitalisten fungieren), und daá die Gesamtbewegung des gesellschaftlichen Kapitals = der algebraischen Summe der Bewe- gungen der individuellen Kapitale ist, schlieát in keiner Weise aus, daá diese Bewegung als Bewegung des vereinzelten individuel- len Kapitals andre Ph„nomene darbietet, als dieselbe Bewegung, wenn sie unter dem Gesichtspunkt eines Teils der Gesamtbewdgung des gesellschaftlichen Kapitals, also in ihrem Zusammenhang mit den Bewegungen seiner andren Teile betrachtet wird, und daá sie zugleich Probleme l”st, deren L”sung bei der Betrachtung des Kreislaufs eines einzelnen individuellen Kapitals vorausgesetzt werden muá, statt sich daraus zuergeben. W'... W' ist der einzige Kreislauf, worin der ursprnglich vorge- schossene Kapitalwert nur einen Teil des die Bewegung er”ffnenden Extrems bildet und die Bewegung von vornherein sich so als Total- bewegung des industriellen Kapitals ankndigt; sowohl des Pro- duktteils, der das produktive Kapital ersetzt, als des Pro- dukttells, der Mehrprodukt bildet und der durchschnittlich teils als Revenue verausgabt wird, teils als Element der Akulation zu dienen hat. Soweit die Verausgabung von Mehrwert als Revenue in diesen Kreislauf eingeschlossen, soweit ist es auch die individu- elle Konsumtion. Diese letztre ist aber auch ferner dadurch ein- geschlossen, daá der Ausgangspunkt W, Ware, existiert als irgend- ein beliebiger Gebrauchsartikel; jeder kapitalistisch produzierte Artikel ist aber Warenkapital, gleichgltig ob seine Gebrauchs- form ihn bestimmt fr produktive oder fr individuelle Konsum- tion, oder fr beide. G... G' zeigt nur hin #102# 1. Abschnitt - Die Metamorphose des Kap. und ihr Kreislauf ----- auf die Wertseite, die Verwertung des vorgeschoánen Kapitalwerts als Zweck des ganzen Prozesses; P... P (P') auf den Produktions- prozeá des Kapitals als Reproduktionsprozeá mit gleichbleibender oder wachsender Gr”áe des produktiven Kapitals (Akkumulation); W'... W', w„hrend es schon in seinem Anfangsextrem sich als Ge- stalt der kapitalistischen Warenproduktion ankndigt, umschlieát produktive und individuelle Konsumtion von vornherein; die pro- duktive Konsumtion und die darin eingeschloáne Verwertung er- scheint nur als Zweig seiner Bewegung. Endlich, da W' existieren kann in Gebrauchsform, die nicht wieder in irgendeinen Produkti- onsprozeá eingehn kann, so ist von vornherein angezeigt, daá die verschiednen in Produktteilen ausgedrckten Wertbestandtelle von W' eine andre Stelle einnehmen mssen, je nachdem W'... W' als Form der Bewegung des gesellschaftlichen Gesamtkapitals oder als selbst„ndige Bewegung eines individuellen industriellen Kapitals gilt. In allen diesen seinen Eigentmlichkeiten weist dieser Kreislauf ber sich selbst hinaus als vereinzelten Kreislauf ei- nes bloá individuellen Kapitals. In Figur W'... W' erscheint die Bewegung des Warenkapitals, d.h. des kapitalistisch produzierten Produkts, sowohl als Voraussetzung des selbst„ndigen Kreislaufs des individuellen Kapitals, wie ihrerseits durch denselben be- dingt. Wird diese Figur daher in ihrer Eigentmlichkeit aufge- faát, so gengt es nicht mehr, sich dabei zu beruhigen, daá die Metamorphosen W'-G' und G-W einerseits funktionell bestimmte Ab- schnitte in der Metamorphose des Kapitals sind, andrerseits Glie- der der allgemeinen Warenzirkulation. Es wird notwendig, die Ver- schlingungen der Metamorphosen eines individuellen Kapitals mit denen andter individuellen Kapitale und mit dem fr den individu- ellen Konsum bestimmten Teil des Gesamtprodukts klarzulegen. Bei Analyse des Kreislaufs des individuellen industriellen Kapitals legen wir daher vorzugsweise die beiden ersten Formen zugrunde. Als Form eines einzelnen individuellen Kapitals erscheint der Kreislauf W'... W' z.B. in der Agrikultur, wo von Ernte zu Ernte gerechnet wird. In Figur II wird von der Aussaat, in Figur III von der Ernte ausgegangen, oder wie die Physiokraten sagen, in der ersteren von den avances 1*), in der letzteren von den repri- ses 2*). Die Bewegung des Kapitalwerts erscheint in III von vorn- herein nur als Teil der Bewegung der allgemeinen Produktenmasse, w„hrend in I und II die Bewegung von, W' nur ein Moment in der Bewegung eines vereinzelten Kapitals bildet. ----- 1*) Vorschssen - 2*) Wiedereinnahmen #103# 3. Kapitel - Der Kreislauf des Warenkapitals ----- In Figur III bilden auf dem Markt befindliche Waren die best„n- dige Voraussetzung des Produktions- und Reproduktionsprozesses. Fixiert man daher diese Figur, so scheinen alle Elemente des Pro- duktionsprozesses aus der Warenzirkulation herzukommen und nur aus Waren zu bestehn. Diese einseitige Auffassung bersieht die von den Warenelementen unabh„ngigen Elemente des Produktionspro- zesses. Da in W'... W' das Gesamtprodukt (der Gesamtwert) Ausgangspunkt ist, so zeigt sich hier, daá (abgesehn vom ausw„rtigen Handel) Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter, bei sonst gleichblei- bender Produktivit„t, nur stattfinden kann, wenn in dem zu kapi- tallsierenden Teil des Mehrprodukts die stofflichen Elemente des zus„tzlichen produktiven Kapitals bereits enthalten sind; daá also, soweit die Produktion eines Jahres der des folgenden zur Voraussetzung dient, oder soweit dies gleichzeitig mit dem einfa- chen Reproduktionsprozeá innerhalb eines Jahres geschehn kann, Mehrprodukt sofort produziert wird in der Form, die es bef„higt, als zuschssiges Kapital zu fungieren. Vermehrte Produktivit„t kann nur den Kapitalstoffvermehren, ohne dessen Wert zu erh”hn; sie bildet aber damit zus„tzliches Material fr die Verwertung. W'... W' liegt dem Tableau ‚conomique Quesnays zugrunde, und es zeigt groáen und richtigen Takt, daá er im Gegensatz zu G... G' (der isoliert festgehaltenen Form des Merkantilsystems) diese Form und nicht P... P w„hlte. #104# ----- VIERTES KAPITEL Die drei Figuren des Kreislaufsprozesses Die drei Figuren k”nnen dargestellt werden, wenn Ck fr den Ge- samtzirkulationsprozeá steht: I) G-W... P... W'-G' II) P... Ck... P III) Ck... P (W'). Fassen wir alle drei Formen zusammen, so erscheinen alle Voraus- setzungen des Prozesses als sein Resultat, als von ihm selbst produzierte Voraussetzung. Jedes Moment erscheint als Ausgangs- punkt, Durchgangspunkt und Punkt der Rckkehr. Der Gesamtprozeá stellt sich dar als Einheit von Produktionsprozeá und Zirkulati- onsprozeá; der Produktionsprozeá wird Vermittler des Zirkulati- onsprozesses und umgekehrt. Allen drei Kreisl„ufen ist gemeinsam: Verwertung des Werts als bestimmender Zweck, als treibendes Motiv. In I ist das in der Form ausgedrckt. Form II beginnt mit P, dem Verwertungsprozeá selbst. In III beginnt der Kreislauf mit dem verwerteten Wert und schlieát mit neu verwertetem Wert, selbst wenn die Bewegung auf gleichbleibender Stufe wiederholt wird. Soweit W-G fr den K„ufer G-W, und G-W fr den Verk„ufer W-G, stellt die Zirkulation des Kapitals nur die gew”hnliche Warenme- tamorphose dar, und gelten die bei derselben (Buch I, Kap. III, 2) entwickelten Gesetze ber die Masse des zirkulierenden Geldes. Wird aber nicht an dieser formellen Seite festgehalten, sondern der reale Zusammenhang der Metamorphosen der verschied- nen.individuellen Kapitale betrachtet, also in der Tat der Zusam- menhang der Kreisl„ufe der individuellen Kapitale als der Teilbe- wegungen des Reproduktionsprozesses des gesellschaftlichen Ge- samtkapitals, so kann dieser nicht aus dem bloáen Formwechsel von Geld und Ware erkl„rt werden. #105# 4. Kapitel - Die drei Figuren des Kreislaufsprozesses ----- In einem best„ndig rotierenden Kreis ist jeder Punkt zugleich Ausgangspunkt und Punkt der Rckkehr. Unterbrechen wir die Rota- tion, so ist nicht jeder Ausgangspunkt Punkt der Rckkehr. So ha- ben wir gesehn, daá nicht nur jeder besondre Kreislauf den andern (implizite) voraussetzt, sondern auch, daá die Wiederholung des Kreislaufs in einer Form die Beschreibung des Kreislaufs in den andren Formen einbegreift. So stellt sich der ganze Unterschied als ein bloá formaler dar, oder auch als ein bloá subjektiver, nur fr den Betrachter bestehender Unterschied. Sofern jeder dieser Kreisl„ufe als besondre Form der Bewegung be- trachtet wird, worin sich verschiedne individuelle industrielle Kapitale befinden, so existiert auch diese Verschiedenheit immer nur als eine individuelle. In Wirklichkeit aber befindet sich je- des individuelle industrielle Kapital in allen dreien zugleich. Die drei Kreisl„ufe, die Reproduktionsformen der drei Gestalten des Kapitals, vollziehn sich kontinuierlich nebeneinander. Ein Teil des Kapitalwerts z.B., der jetzt als Warenkapital fungiert, verwandelt sich in GeIdkapital, aber gleichzeitig tritt ein andrer Teil aus dem Produktionsprozeá in die Zirkulation als neues Warenkapital. So wird die Kreisform W'... W' best„ndig be- schrieben; ebenso die beiden andren Formen. Die Reproduktion des Kapitals in jeder seiner Formen und jedem seiner Stadien ist ebenso kontinuierlich, wie die Metamorphose dieser Formen und der sukzessive Verlauf durch die drei Stadien. Her ist also der ge- samte Kreislauf wirkliche Einheit seiner drei Formen. In unsrer Betrachtung wurde unterstellt, daá der Kapitalwert sei- ner gesamten Wertgr”áe nach ganz als Geldkapital oder als produk- tives Kapital oder als Warenkapital auftritt. So hatten wir z.B. die 422 Pfd.St. zuerst ganz als Geldkapital, dann ebenso ihrem ganzen Umfang nach in produktives Kapital verwandelt, endlich als Warenkapital: Garn zum Wert von 500 Pfd.St. (worin 78 Pfd.St. Mehrwert). Hier bilden die verschiednen Stadien ebensoviele Un- terbrechungen. Solange z.B. die 422 Pfd.St. in Geldform verhar- ren, d.h. bis die K„ufe G-W (A + Pm) vollzogen, existiert und fungiert das gesamte Kapital nur als Geldkapital. Sobald es in produktives Kapital verwandelt, fungiert es weder als Geldkapital noch als Warenkapital. Sein gesamter Zirkulationsprozeá ist un- terbrochen, wie andrerseits sein gesamter Produktionsprozeá un- terbrochen ist, sobald es in einem der beiden Zirkulationsstadien fungiert, sei es als G oder W'. So wrde sich also der Kreislauf P... P nicht nur als periodische Erneuerung des produktiven Kapi- tals darstellen, sondern ebensosehr als Unterbrechung seiner Funktion, des Produktionsprozesses, bis der Zirkulationsprozeá zurckgelegt, statt kontinuierlich erfolgte die Produktion ruck- weise und erneuerte #106# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- sich nur nach Zeitabschnitten von zuf„lliger Dauer, je nachdem die beiden Stadien des Zirkulationsprozesses rascher oder lang- samer absolviert werden. So z.B. bei einem chinesischen Handwer- ker, der bloá fr Privatkunden arbeitet und dessen Produktions- prozeá aufh”rt, bis die Bestellung erneuert wird. In der Tat gilt dies fr jeden einzelnen, in Bewegung befindli- chen Kapitalteil, und alle Teile des Kapitals machen der Reihe nach diese Bewegung durch. Z.B. die 10 000 Pfund Garn sind das Wochenprodukt eines Spinners. Diese 10 000 Pfund Garn treten ganz aus der Produktionssph„re hinaus in die Zirkulationssph„re; der in ihm enthaltne Kapitalwert muá ganz in Geldkapital verwandelt werden, und solange er in der Form von Geldkapital verharrt, kann er nicht von neuem in den Produktionsprozeá eingehn; er muá vor- her in die Zirkulation eintreten und in die Elemente des produk- tiven Kapitals A+Pm rckverwandelt werden. Der Kreislaufsprozeá des Kapitals ist best„ndige Unterbrechung, Verlassen eines Stadi- ums, Eintreten in das n„chste; Abstreifen einer Form, Dasein in einer andren; jedes dieser Stadien bedingt nicht nur das andre, sondern schlieát es zugleich aus. Kontinuit„t ist aber das charakteristische Merkmal der kapitali- stischen Produktion und durch ihre technische Grundlage bedingt, wenn auch nicht immer unbedingt erreichbar. Sehn wir also, wie die Sache in der Wirklichkeit zugeht. W„hrend z.B. die 10 000 Pfund Garn als Warenkapital auf den Markt treten und ihre Ver- wandlung in Geld (sei dies nun Zahlungsmittel, Kaufmittel oder gar nur Rechengeld) vollziehn, tritt neue Baumwolle, Kohle etc. im Produktionsprozeá an ihre Stelle, hat also schon aus Geldform und Warenform sich wieder in die Form des produktiven Kapitals rckverwandelt und beginnt ihre Funktion als solches; w„hrend zur selben Zeit, wo die ersten 10 000 Pfund Carn in Geld umgesetzt werden, frhere 10 000 Pfund Garn schon das zweite Stadium ihrer Zirkulafion beschreiben und sich aus Geld in die Elemente des produktiven Kapitals rckverwandeln. Alle Teile des Kapitals ma- chen den Kreislaufsprozeá der Reihe nach durch, befinden sich gleichzeitig in verschiednen Stadien desselben. So befindet sich das industrielle Kapital in der Kontinuit„t seines Kreislaufs gleichzeitig in allen seinen Stadien und den ihnen entsprechenden verschiednen Funktionsformen. Fr den Teil, der zum ersten Mal aus Warenkapital sich in Geld verwandelt, ist der Kreislauf W'... W' er”ffnet, w„hrend fr das industrielle Kapital, als sich bewe- gendes Ganze, der Kreislauf W'...W' durchlaufen ist. Mit der einen Hand wird Geld vorgeschossen, mit der andren eingenommen; die Er”ffnung des Kreislaufs G... G' auf einem #107# 4. Kapitel - Die drei Figuren des Kreislaufprozesses ----- Punkt ist zugleich seine Rckkehr auf einem andren. Das gleiche gilt fr das produktive Kapital. Der wirkliche Kreislauf des industriellen Kapitals in seiner Kon- tinuit„t ist daher nicht nur Einheit von Zirkulations- und Pro- duktionsprozeá, sondern Einheit aller seiner drei Kreisl„ufe. Solche Einheit kann er aber nur sein, sofern jeder verschiedne Teil des Kapitals sukzessive die einander folgenden Phasen des Kreislaufs durchmessen, aus einer Phase, einer Funktionsform in die andre bergehn kann, das industrielle Kapital, als Ganzes dieser Teile, sich also gleichzeitig in den verschiednen Phasen und Funktionen befindet, und so alle drei Kreisl„ufe gleichzeitig beschreibt. Das Nacheinander jedes Teils ist hier bedingt durch das Nebeneinander der Teile, d.h. durch die Teilung des Kapitals. So befindet sich in dem gegliederten Fabriksystem das Produkt ebenso fortw„hrend auf den verschiednen Stufen seines Bildungs- prozesses, wie im šbergang aus einer Produktionsphase in die an- dre. Da das individuelle industrielle Kapital eine bestimmte Gr”áe darstellt, die abh„ngig ist von den Mitteln des Kapitali- sten und die fr jeden Industriezweig eine bestimmte Minimalgr”áe hat, so mssen bestimmte Verh„ltniszahlen bei seiner Teilung be- stehn. Die Gr”áe des vorhandnen Kapitals bedingt den Umfang des Produktionsprozesses, dieser den Umfang von Warenkapital und Geldkapital, soweit sie neben dem Produktionsprozeá fungieren. Das Nebeneinander, wodurch die Kontinuit„t der Produktion bedingt wird, existiert aber nur durch die Bewegung der Teile des Kapi- tals, worin sie nacheinander die verschiednen Stadien beschrei- ben. Das Nebeneinander ist selbst nur Resultat des Nacheinander. Stockt z.B. W'-G' fr einen Teil, ist die Ware unverk„uflich, so ist der Kreislauf dieses Teils unterbrochen und der Ersatz durch seine Produktionsmittel wird nicht vollzogen; die nachfolgenden Teile, die als W' aus dem Produktionsprozeá hervorgehn, finden ihren Funktionswechsel durch ihre Vorg„nger gesperrt. Dauert dies einige Zeit fort, so wird die Produktion eingeschr„nkt und der ganze Prozeá zum Stillstand gebracht. jede Stockung des Nachein- ander bringt das Nebeneinander in Unordnung, jede Stockung in ei- nem Stadium bewirkt gr”áre oder geringre Stockung im gesamten Kreislauf nicht nur des stockenden Kapitalteils, sondern auch des gesamten individuellen Kapitals. Die n„chste Form, worin sich der Prozeá darstellt, ist die einer Sukzession von Phasen, so daá der Obergang des Kapitals in eine neue Phase durch sein Verlassen der andren bedingt ist. Jeder besondre Kreislauf hat daher auch eine der Funktionsformen des Kapitals zum Ausgangspunkt und Rckkehr- punkt. Andrerseits ist der Gesamtprozeá in der Tat die Einheit der drei Kreisl„ufe, die die verschiednen Formen sind, in denen die #108# 1. - Die Metamorphmen des Kapitals und ir Kreislauf ----- Kontinuit„t des Prozesses sich ausdrckt. Der Gesamtkreislauf stellt sich fr jede Funktionsform des Kapitals als ihr spezifi- scher Kreislauf dar, und zwar bedingt jeder dieser Kreisl„ufe die Kontinuit„t des Gesamtprozesses; der Zirkellauf der einen funk- tionellen Form bedingt den andren. Es ist eine notwendige Bedin- gung fr den Gesamtproduktionsprozeá, besonders fr das gesell- schaftliche Kapital, daá er zugleich Reproduktionsprozeá, und da- her Kreislauf jedes seiner Momente ist. Verschiedne Bruchteile des Kapitals durchlaufen sukzessiv die verschiednen Stadien und Funktionsformen. Jede Funktionsform, obgleich sich stets ein andrer Teil des Kapitals darin darstellt, durchl„uft dadurch gleichzeitig mit den andren ihren eignen Kreislauf. Ein Teil des Kapitals, aber ein stets wechselnder, stets reproduziert, exi- stiert als Warenkapital, das sich in Geld verwandelt; ein andrer als Geldkapital, das sich in produktives verwandelt; ein dritter als produktives Kapital, das sich in Warenkapital verwandelt. Das best„ndige Vorhandensein aller drei Formen ist vermittelt durch den Kreislauf des Gesamtkapitals durch eben diese drei Phasen. Als Ganzes befindet sich das Kapital dann gleichzeitig, r„umlich neben einander, in seinen verschiednen Phasen. Aber jeder Teil geht best„ndig der Reihe nach aus der einen Phase, aus der einen Funktionsform in die andre ber, fungiert so der Reihe nach in allen. Die Formen sind so flieáende Formen, deren Gleichzeitig- keit durch ihr Nacheinander vermittelt ist. Jede Form folgt der andren nach und geht ihr vorher, so daá die Rckkehr des einen Kapitalteils zu einer Form durch die Rckkehr des andren zu einer andren Form bedingt ist. Jeder Teil beschreibt fortw„hrend seinen eignen Umlauf, aber es ist stets ein andrer Teil des Kapitals, der sich in dieser Form befindet, und diese besondren Uml„ufe bilden nur gleichzeitige und sukzessive Momente des Gesamtver- laufs. Nur in der Einheit der drei Kreisl„ufe ist die Kontinuit„t des Gesamtprozesses verwirklicht statt der oben geschilderten Un- terbrechung. Das gesellschaftliche Gesamtkapital besitzt stets diese Kontinuit„t und besitzt n Prozeá stets die Einheit der drei Kreisl„ufe. Fr individuelle Kapitale wird die Kontinuit„t der Reproduktion stellenweise mehr oder minder unterbrochen. Erstens sind die Wertmassen h„ufig zu verschiednen Epochen in ungleichen Portionen auf die verschiednen Stadien und Funktionsformen ver- teilt. Zweitens k”nnen sich je nach dem Charakter der zu produ- zierenden Ware, also je nach der besondren Produktionssph„re, worin das Kapital angelegt ist, diese Portionen verschieden ver- teilen. Drittens kann die Kontinuit„t mehr oder weniger unterbro- chen werden in Produktionszweigen, die von der Jahreszeit abh„n- gen, es #109# 4. Kapitel - Die drei Figuren des Kreislaufsprozesses ----- infolge von Naturbedingungen (Agrikultur, Heringsfang etc.), sei es infolge konventioneller Umst„nde, wie z.B. bei sogenannten Saisonarbeiten. Am regelm„áigsten und uniformsten verl„uft der Prozeá in der Fabrik und im Bergbau. Aber diese Verschiedenheit der Produktionszweige bewirkt keine Verschiedenheit in den allge- meinen Formen des Kreislaufsprozesses. Das Kapital als sich verwertender Wert umschlieát nicht nur Klas- senverh„ltnisse, einen bestimmten gesellschaftlichen Charakter, der auf dem Dasein der Arbeit als hnarbeit ruht. Es ist eine Be- wegung, ein Kreislaufsprozeá durch verschiedne Stadien, der selbst wieder drei verschiedne Formen des Kreislaufsprozesses einschlieát. Es kann daher nur als Bewegung und nicht als ruhen- des Ding begriffen werden. Diejenigen, die die Verselbst„ndigung des Werts als bloáe Abstraktion betrachten, vergessen, daá die Bewegung des industriellen Kapitals diese Abstraktion in actu ist. Der Wert durchl„uft hier verschiedne Formen, verschiedne Be- wegungen, in denen er sich erh„lt und zugleich verwertet, vergr”- áert. Da wir es hier zun„chst mit der bloáen Bewegungsform zu tun haben, werden die Revolutionen nicht bercksichtigt, die der Ka- pitalwert in seinem Kreislaufsprozeá erleiden kan; aber es ist klar, daá trotz aller Wertrevolutionen die kapjtalistische Pro- duktion nur solange existiert und fortexistieren kann, als der Kapitalwert verwertet wird, d.h. als verselbst„ndigter Wert sei- nen Kreislaufsprozeá beschreibt, solange also die Wertrevolutio- nen in irgendeiner Art berw„ltigt und ausgeglichen werden. Die Bewegungen des Kapitals erscheinen als Aktionen des einzelnen in- dustriellen Kapitalisten in der Weise, daá er als Waren- und Ar- beitk„ufer, Warenverk„ufer und produktiver Kapitalist fungiert, durch seine T„tigkeit also den Kreislauf vermittelt. Erleidet der gesellschaftliche Kapitalwert eine Wertrevolution, so kann es vorkommen, daá sein individuelles Kapital ihr erliegt und unter- geht, weil es die Bedingungen dieser Wertbewegung nicht erfllen kann. Je akuter und h„ufiger die Wertrevolutionen werden, desto mehr macht sich die automatische, mit der Gewalt eines elementa- ren Naturprozesses wirkende Bewegung des verselbst„ndigten Werts geltend gegenber der Voraussicht und Berechnung des einzelnen Kapitalisten, desto mehr wird der auf der normalen Produktion un- ten der anormalen Spekulation, desto gr”áer wird die Gefahr fr die Existenz der Einzelkapitale. Diese periodischen Wertrevolu- tionen best„tigen also, was sie angeblich widerlegen sollen: die Verselbst„ndigung, die der Wert als Kapital erf„hrt und durch seine Bewegung forterh„lt und versch„rft. Diese Reihenfolge der Metarnorphosen des prozessierenden Kapitals erf„hrt fortw„hrende Vergleichung der im Kreislauf vollbrachten Ver„nderung #110# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- der Wertgr”áe des Kapitals ein mit dem ursprnglichen Wert. Wenn die Verselbst„ndigung des Werts gegenber der wertbildenden Kraft, der Arbeitskraft, im Akt G-A (Kauf der Arbeitskraft) ein- geleitet und w„hrend des Produktionsprozesses als Exploitation der Arbeitskraft verwirklicht wird, so erscheint diese Verselb- st„ndigung des Werts nicht wieder in diesem Kreislauf, worin Geld, Ware, Produktionselernente, nur allwechselnde Formen des prozessierenden Kapitalwerts sind, und die vergangne Wertgr”áe mit der gegenw„rtigen ver„nderten des Kapitals sich vergleicht. "Value", sagt Bailey [7] gegen die Verselbst„ndigung des Werts, welche die kapitalistische Produktionsweise charakterisiert, und die er als Illusion gewisser ™Konomen traktiert, "value is a re- lation between cotemporary commodities, because such only admit of being exchanged with each other." 1*) Dies sagt er gegen den Vergleich von Warenwerten in verschiednen Zeitepochen, ein Vergleich, der, den Geldwert einmal fr jede Epoche fixiert, nur eine Vergleichung der in den verschiednen Epochen erforderlichen Ausgabe von Arbeit fr Produktion dersel- ben Sorte Waren bedeutet. Es entspringt dies seinem allgemeinen Miáverst„ndnis, wonach Tauschwert = Wert, die Form des Werts der Wert selbst ist; Warenwerte also nicht mehr vergleichbar sind, sobald sie nicht aktiv als Tauschwerte fungieren, also nicht re- aliter gegeneinander ausgetauscht werden k”nnen. Er ahnt also nicht im geringsten, daá Wert nur als Kapitalwert oder Kapital fungiert, sofern er in den verschiednen Phasen seines Kreislaufs, die keineswegs cotemporary sind, sondern nacheinander fallen, mit sich selbst identisch bleibt und mit sich selbst verglichen wird. Um die Formel des Kreislaufs rein zu betrachten, gengt es nicht zu unterstellen, daá die Waren zu ihrem Wert verkauft werden, sondern daá dies unter sonst gleichbleibenden Umst„nden ge- schieht. Nehmen wir z.B. die Form P... P, abgesehn von allen technischen Revolutionen innerhalb des Produktionsprozesses, die das produktive Kapital eines bestimmten Kapitalisten entwerten k”nnen; abgesehn ebenfalls von allem Rckschlag eines Wechsels der Wertelemente des produktiven Kapitals auf den Wert des vor- handnen Warenkapitals, der gesteigert oder gesenkt werden kann, wenn Vorrat davon vorhanden. W', die 10 000 Pfund Garn, seien zu ihrem Wert von 500 Pfd.St. verkauft; 8440 Pfund = 422 Pfd.St. er- setzen den in W' enthaltnen Kapitalwert. Ist aber der Wert von Baumwolle, Kohle etc. gestiegen (da wir hier von bloáen Preis- schwankungen absehn), so reichen ----- 1*) "Wert ist ein Verh„ltnis zwischen gleichzeitig vorhandnen Wa- ren, weil nur solche šberhaupt gegeneinander ausgetaut werden k”nnen." - 2*) gleichzeitig #111# 4. Kapitel - Die drei Figuren des Kreislaufprozesses ----- vielleicht diese 422 Pfd.St. nicht hin, um die Elemente des pro- duktiven Kapitals ganz zu ersetzen; es ist zuschssiges Geldkapi- tal n”tig, Geldkapital wird gebunden. Umgekehrt, wenn jene Preise gefallen; Geldkapital wird freigesetzt. Ganz normal verl„uft der Prozeá nur, wenn die Wertverh„ltnisse konstant bleiben; er ver- l„uft faktisch, solange sich St”rungen in der Wiederholung des Kreislaufs ausgleichen; je gr”áer die St”rungen, um so gr”áres Geldkapital muá der industrielle Kapitalist besitzen, um die Aus- gleichung abwarten zu k”nnen; und da im Fortgang der kapitalisti- schen Produktion sich die Stufenleiter jedes individuellen Pro- duktionsprozesses, und mit ihm die Minimialgr”áe des vorzuschie- áenden Kapitals erweitert, so kommt jener Umstand zu den andren, die die Funktion des industriellen Kapitalisten mehr und mehr in ein Monopol groáer Geldkapitalisten, vereinzelter oder assoziier- ter, verwandeln. Es ist hier beil„ufig zu bemerken: Tritt ein Wertwechsel der Pro- duktionselemente ein, so zeigt sich ein Unterschied zwischen der Form G...- G' einerseits und P... P und W'... W' andrerseits. In G... G', als der Formel des neu angelegten Kapitals, das zu- erst als Geldkapital auftritt, wird ein Fall im Wert der Produk- tionsmittel, z.B. Rohmaterialien, Hilfsstoffe etc., geringre Aus- lage von Geldkapital erheischen, als vor dem Fall, um ein Ge- sch„ft von bestimmtem Umfang zu er”ffnen, da der Umfang des Pro- duktionsprozesses (bei gleichbleibender Entwicklung der Produkti- onskraft) von der Masse und dem Umfang der Produktionsmittel ab- h„ngt, die eine gegebne Menge Arbeitskraft bew„ltigen kann; aber weder von dem Wert dieser Produktionsmittel, noch von dem der Ar- beitskraft ("letztrer hat nur Einfluá auf die Gr”áe der Verwer- tung). Umgekehrt. Findet eine Werterh”hung in den Produktionsele- menten der Waren statt, welche die Elemente des produktiven Kapi- tals bilden, so ist mehr Geldkapital n”tig, um ein Gesch„ft von gegebnem Umfang zu grnden. In beiden F„llen wird nur die Menge des neu anzulegenden Geldkapitals affiziert; im ersten wird Geld- kapital berschssig, im zweiten wird Geldkapital gebunden, wo- fern der Zuwachs neuer individueller industrieller Kapitale in gewohnter Weise in einem gegebnen Produktionszweig vorangeht. Die Kreisl„ufe P... P und W...W' stellen sich selbst nur soweit als G... G' dar, als die Bewegung von P und W' zugleich Akkumula- tion ist, also zuschssiges g, Geld, in Geldkapital verwandelt wird. Abgesehn hiervon, werden sie anders affiziert als G... G' durch Wertwechsel der Elemente des produktiven Kapitals; Wir sehn hier wieder ab von der Rckwirkung solches Wertwechsels auf die im Produktionsprozeá begriffnen #112# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- Bestandteile des Kapitals. Es ist hier nicht die ursprngliche Auslage, die direkt affiziert wird, sondern ein in seinem Repro- duktionsprozeá, nicht in seinem ersten Kreislauf, begriffnes in- dustrielles Kapital; also A W'... W < , Pm der Rckumsatz des Warenkapitals in seine Produktionselemente, soweit diese aus Waren bestehn. Beim Wertfall (resp. Preisfall) sind drei F„lle m”glich: der Reproduktionsprozeá wird auf dersel- ben Stufenleiter fortgesetzt; dann wird ein Teil des bisherigen Geldkapitals freigesetzt, und es findet Anh„ufung von Geldkapital statt, ohne daá wirkliche Akkumulation (Produktion auf erweiter- ter Stufenleiter) oder die sie einleitende und begleitende Ver- wandlung von g (Mehrwert) in Akkumulationsfonds stattgefunden; oder der Reproduktionsprozeá wird auf gr”árer Stufenleiter erwei- tert, als sonst geschehn w„re, falls die technischen Proportionen dies erlauben; oder aber es findet gr”áre Voratbildung von Rohma- terialien etc. statt. Umgekehrt bei Steigen des Werts der Ersatzelemente des Warenkapi- tals. Die Reproduktion findet dann nicht mehr in ihrem normalen Umfang statt (es wird z.B. krzre Zeit gearbeitet); oder es muá zuschssiges Geldkapital eintreten, um sie auf ihrem alten Umfang fortzusetzen (Bindung von Geldkapital); oder der Akkumulations- Geldfonds, wenn vorhanden, dient ganz oder teilweise, statt zur Erweitrung des Reproduktionsprozes, zu seinem Betrieb auf der al- ten Stufenleiter. Es ist dies auch Bindung von Geldkapital, nur daá hier das zuschssige Geldkapital nicht von auáen her, vom Geldmarkt, sondern aus den Mitteln des industriellen Kapitalisten selbst her, kommt. Es k”nnen aber bei P... P, W'... W' modifizierende Umst„nde stattfinden. Hat unser Baumwollspinner z.B. groáen Vorrat von Baumwolle (also groáen Teil seines produktiven Kapitals in Form von Baumwollvorrat), so wird ein Teil seines produktiven Kapitals entwertet durch einen Fall der Baumwollpreise; sind letztre dage- gen gestiegen, so findet Wertsteigerung dieses Teils seines pro- duktiven Kapitals statt. Andrerseits, hat er groáe Massen in der Form des Warenkapitals fixiert, Z.B. in Baumwollgarn, so wird beim Fall der Baumwolle ein Teil seines Warenkapitals, also ber- haupt seines im Kreislauf befindlichen Kapitals, entwertet; umge- kehrt beim Steigen der Baumwollpreise. Endlich in dem Prozeá A W'-G-W < ; Pm wenn W'-G, Realisierung des Warenkapitals, stattgefunden hat vor dem Wertwechsel in den Elementen von W, so wird das Kapital nur in der im ersten Fall betrachteten Weise affiziert, n„mlich im zweiten Zirkulationsakt A G-W < ; Pm wenn aber vor Vollziehung von W'-G, so bewirkt bei sonst gleich- bleibenden Umst„nden der Fall im Preis der Baumwolle entsprechen- den Fall im Preis des Garns, und Preissteigerung im Preis der Baumwolle #113# 4. Kapitel - Die drei Figuren des Kreislaufsprozesses ----- umgekehrt Preissteigerung des Garns. Die Wirkung auf die ver- schiednen, im selben Produktionszweig angelegten Einzelkapitale kann sehr verschieden sein nach den verschiednen Umst„nden, worin sie sich befinden k”nnen. Freisetzung und Bindung von Geldkapital k”nnen ebenso aus Verschiedenheiten in der Zeitdauer des Zirkula- tionsprozesses, also auch der Zirkulationsgeschwindigkeit, ent- springen. Dies geh”rt jedoch in die Betrachtung des Umschlags. Hier interessiert uns nur der reale Unterschied, der sich mit Be- zug auf Wertwechsel der Elemente des produktiven Kapitals zwi- schen G... G' und den beiden andren Formen des Kreislaufsprozes- ses zeigt. In dem Zirkulationsabschnitt A G-W < Pm wird in der Epoche bereits entwickelter, daher vorherrschender kapitalistischer Produktionsweise ein groáer Teil der Waren, aus denen Pm, die Produktionsmittel, bestehn, selbst fremdes fungie- rendes Warenkapital sein. Es findet also vom Standpunkt des Ver- k„ufers W'-G' statt, Verwandlung von Warenkapital in Geldkapital. Aber es gilt dies nicht absolut. Umgekehrt. Innerhalb seines Zir- kuIationsprozesses, wo das industrielle Kapital entweder als Geld oder als Ware fungiert, durchkreuzt sich der Kreislauf des indu- striellen Kapitals, sei es als Geldkapital oder als Warenkapital, mit der Warenzirkulation der verschiedensten sozialen Produkti- onsweise, soweit letztre zugleich Warenproduktion ist. Ob die Ware das Produkt der auf Sklaverei gegrndeten Produktion, oder von Bauern (Chinesen, indische Ryots), oder Gemeinwesen (holl„ndisch Ostindien), oder der Staatsproduktion (wie solche, auf Leibeigenschaft gegrndet, in frheren Epochen der russischen Geschichte vorkommt), oder halbwilder J„gerv”lker etc.: als Waren und Geld treten sie gegenber dem Geld und den Waren, worin sich das industrielle Kapital darstellt, und gehn ein ebensosehr in den Kreislauf desselben, wie in den des vom Warenkapital getrag- nen Mehrwerts, sofern letztrer als Revenue verausgabt wird; also in beide Zirkulationszweige des Warenkapitals. Der Charakter des Produktionsprozesses, aus dem sie herkommen, ist gleichgffltig; als Waren fungieren sie auf dem Markt, als Waren gehn sie ein in den Kreislauf des industriellen Kapitals, wie in die Zirkulation des von ihm getragnen Mehrwerts. Es ist also der allseitige Cha- rakter ihrer Herkunft, das Dasein des Markts als Weltmarkt, der den Zirkulationsprozeá des industrielIen Kapitals auszeichnet. Was von fremden Waren gilt, gilt von fremdem Geld; wie das Waren- kapital ihm gegenber nur als Ware, so fungiert dies Geld ihm ge- genber nur als Geld; das Geld fungiert hier als Weltgeld. Hier ist jedoch zweierlei zu bemerken. Erstens. Die Waren (Pm), sobald der Akt G-Pm vollendet, h”ren auf, #114# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- Waren zu sein und werden eine der Daseinsweisen des industriellen Kapitals in seiner Funktionsform als P, produktives Kapital. Da- mit aber ist ihre Herkunft ausgel”scht; sie existieren nur noch als Existenzformen des industriellen Kapitals, sind ihm einver- leibt. Doch bleibt es dabei, daá zu ihrem Ersatz ihre Reproduk- tion n”tig, und insofern ist die kapitalistische Produktionsweise bedingt durch auáerhalb ihrer Entwicklungsstufe liegende Produk- tionsweisen. Ihre Tendenz aber ist, alle Produktion m”glichst in Warenproduktion umzuwandeln; ihr Hauptmittel hierzu ist gerade dies Hereinziehn derselben in ihren Zirkulationsprozeá; und die entwickelte Warenproduktion selbst ist kapitalistische Warenpro- duktion. Das Eingreifen des industriellen Kapitals bef”rdert berall diese Umwandlung, mit ihr aber auch die Verwandlung aller unmittelbaren Produzenten in Lohnarbeiter. Zweitens. Die in den Zirkulationsprozeá des industriellen Kapi- tals eingehenden Waren (wozu auch die notwendigen Lebensmittel geh”ren, in die sich das variable Kapital nach seiner Auszahlung an die Arbeiter, behufs Reproduktion der Arbeitskraft umsetzt), welches immer ihre Herkunft, die gesellschaftliche Form des Pro- duktionsprozesses, dem sie entstammen treten dem industriellen Kapital selbst schon in der Form von Warenkapital gegenber, in der Form von Warenhandlungs- oder Kaufmannskapital; dies aber um- faát seiner Natur nach Waren aller Produktionsweisen. Wie die kapitalistische Produktionsweise groáe Stufenleiter der Produktion voraussetzt, so auch notwendig groáe Stufenleiter des Verkaufs; also Verkauf an den Kaufmann, nicht an den einzelnen Konsumenten. Soweit dieser Konsument selbst produktiver Konsu- ment, also industrieller Kapitalist, also soweit das industrielle Kapital eines Produktionszweigs dem andren Zweig Produktionsmit- tel liefert, findet (in Form von Bestellung etc.) auch direkter Verkauf eines industriellen Kapitalisten an viele andre statt. Jeder industrielle Kapitalist ist sofern direkter Verk„ufer, selbst sein Kaufmann, was er brigens auch im Verkauf an den Kaufmann ist. Der Warenhandel als Funktion des Kaufmannskapitals ist vorausge- setzt und entwickelt sich immer mehr mit der Entwicklung der ka- pitalistischen Produktion. Wir unterstellen ihn also gelegentlich zur Illustration einzelner Seiten des kapitalistischen Zirkulati- onsprozesses; nehmen aber bei dessen allgemeiner Analyse direkten Verkauf ohne Zwischenkunft des Kaufmanns an, weil letztre ver- schiedne Momente der Bewegung verdeckt. Man sehe Sismondi, der die Sache etwas naiv darstellt: "Le commerce emploie un capital consid‚rable qui paraŒt, au pre- mier coup d'oeil, ne point faire partie de celui dont nous avons d‚taill‚ la marche. La valeur des draps accumul‚s dans les ma- gasins du marchand-drapier semble dabord tout-…-fait ‚trangŠre #115# 4. Kapitel - Die drei Figuren des Kreislaufsprozesses ----- … cette partie de la production annuelle que le riche donne au pauvre cornme salaire pour le faire travailler. Ce capital n'a fait cependant que remplacer celui dont nous avons parl‚. Pour sasir avec clart‚ le progrŠs de la richesse, nous l'avons prise … sa cr‚tion, et nous l'avons suivie jusqu'… sa consommation. Alors le capital employ‚ dans la manufacture des draps, par exemple, nous a paru toujours le mˆme; ‚chang‚ contre le revenu du consom- mateur, il ne s'est partag‚ qu'en deux parties: l'une a se de re- venu au fabricant comme produit, l'autre a servi de revenu aux ouvriers comme salaire, tandis qu'ils fabriquent de nouveau drap. Mais on trouva bient“t que, pour l'avantage de tous, il valait mieux que les diverses parties de ce capital se remplassant l'une l'autre, et que, si cent mille ‚cus suffisaient … faire toute la circulation entre le fabricant et le consommateur, ces cent mille ‚cus se partageassent ‚galement entre le fabricant, le marchand en gros, et le marchand en d‚tail. Le preer, avec le tiers seule- merit, fit le mˆme ouvrage qu'il avait fait avec la totalit‚, parcequ'au moment o— sa fabrication ‚tait achev‚e, il trouvait le marchand acheteur beaucoup plus t“t qu'il n'aurait trouv‚ le con- sommateur. Le capital du marchand en gros se trouvait de son c“t‚ beaucoup plus t“t remplac‚ par celui du marchand en d‚tail... differ‚nce entre les sommes des salaires avanc‚s et le prix d'achat du dernier consommateur devait faire le profit des capi- taux. Elle se r‚partit entre le fahricant, le marchand et le d‚- taillant, depuis qu'ils eurent divis‚ entre eux leurs fonctions, et l'ouvrage accompli fut le mˆme, quoiqu'il e–t employ‚ trois personnes et trois fractions de capitaux, au lieu d'une." ("Nouveaux Principes", I, p. 139, 140.) - "Tous" (die Kaufleute) "concouraient indirectement … la production; car celle-ci, ayant pour objet la consommation, ne peut ˆtre consid‚r‚e comme accom- plie que quand elle a mich la chose produite … la port‚e du con- sommateur." (Ib.. p. 137.) 1*) ----- 1*) "Der Handel wendet ein betr„chtliches Kapital an, das, wie es im ersten Augenblick scheint, keinen Bestandteil des Kapitals bildet, dessen Bewegung im einzelnen beschrieben haben. Der Wert der in den Lagerh„usern des Tuchh„ndlers aufgeh„uften Tuche scheint zun„chst nichts mit dem Teil der j„hrlichen Produktion zu tun zu haben, den der Reiche dem Armen als Lohn gibt, um ihn ar- beiten zu machen. Dies Kapital hat indessen nur das andre er- setzt, von dem wir gesprochen haben. Um die Entwicklung des Reichtums klar zu erkennen, verfolgten wir ihn von der Erzeugung bis zur Konsumtion. Dabei schien uns beispielsweise das in der Tuchfabrikation angewendete Kapital stets das gleiche zu sein; beim Austausch gegen das Einkommen des Konsumenten teilte es sich nur in zwei Teile: ein Teil stellte als Profit das Einkommen des Fabrikanten, der andre als hn das Einkommen der Arbeiter dar, w„hrend sie neues Tuch erzeugten. Jedoch fand man bald, daá es, zum Vorteil aller, gnstiger sei, wenn die verschiednen Teile dieses Kapitals sich gegenseitig er- setzten und wenn, falls 100 000 Taler fr die ganze Zirkulation zwischen Fabrikant und Konsument ausreichten, diese 100 000 Taler sich gleichm„áig zwischen Fabrikant, Groákaufmann und Kleinh„nd- ler verteilten. Der erste vollbrachte mit nur einem Drittel das- selbe Werk, das er mit dem Ganzen vollbracht hatte, weil er nun- mehr in dem Augenblick, in dem seine Fabrikation beendet war, den Kaufmann viel frher als K„ufer fand, als er den Konsumenten ge- funden h„tte. Das Kapital des Groákaufmanns seinerseits fand sich viel frher durch das des Kleinh„ndlers ersetzt... Der Unter- schied #116# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- Wir nehmen bei der Betrachtung der allgemeinen Formen des Kreis- laufs und berhaupt in diesem ganzen zweiten Buch, Geld als me- tallisches Geld, mit Ausschluá von symbolischem Geld, bloáen Wertzeichen, die nur Spezialit„t gewisser Staaten bilden, und von Kreditgeld, das noch nicht entwickelt ist. Erstens ist das der historische Gang; Kreditgeld spielt keine oder nur unbedeutende Rolle in der ersten Epoche der kapitalistischen Produktion. Zwei- tens ist die Notwendigkeit dieses Gangs auch theoretisch dadurch bewiesen, daá alles, was bisher Kritisches ber die Zirkulation des Kreditgelds von Tooke und andren entwickelt worden ist, sie zwang, immer wieder zu der Betrachtung zurckzukehren, wie sich die Sache auf Grundlage bloá metallischer Zirkulation darstellen wrde. Man darf aber nicht vergessen, daá das Metallgeld eben- sowohl als Kaufmittel wie als Zahlungsmittel fungieren kann. Der Vereinfachung wegen gilt es uns im allgemeinen in diesem Buch II nur in der ersten Funktionsform. Der Zirkulationsprozeá des industriellen Kapitals, der nur einen Teil seines individuellen Kreislaufsprozesses bildet, ist be- stimmt, soweit er nur eine Vorgangsreihe innerhalb der allgemei- nen Warenzirkulation darstellt, durch die frher (Buch I, Kap. III) entwickelten allgemeinen Gesetze. Dieselbe Geldmasse z.B. von 500 Pfd.St. setzt nacheinander um so mehr industrielle Kapi- tale (oder auch individuelle Kapitale in ihrer Form als Warenka- pitale) in Zirkulation, je gr”áer die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes, je rascher also jedes einzelne Kapital die Reihe seiner Waren- oder Geldmetamorphosen durchl„uft. Dieselbe Wertmasse von Kapital erheischt demnach um so weniger Geld zu ihrer Zirkula- tion, je mehr das Geld als Zahlungsmittel fungiert, je mehr also z.B. bei Ersatz eines Warenkapitals durch seine Produktionsmittel bloáe Bilanzen zu zahlen sind, und je kurzer die Zahlungstermine, z.B. bei Zahlung des Arbeitslohns. Andrerseits, die Geschwindig- keit der Zirkulation und alle andren Umst„nde als gleichbleibend vorausgesetzt, ist die Masse des Geldes, das als Geldkapital zir- kulieren muá, bestimmt durch die Preissumme der Waren (Preis mul- tipljziert mit der Warenmasse), oder, Masse und Werte der Waren gegeben, durch den Wert des Geldes selbst. ----- zwischen der vorgeschoánen Lohnsumme und dem Kaufpreis fr den letzten Konsumenten muáte den Profit der Kapitale ausmachen. Er verteilte sich zwischen Fabrikant, Kaun und Kleinh„ndler, seit sie ihre Funktionen untereinander geteilt hatten, und die gelei- stete Arbeit war dieselbe, obschon sie drei Personen und drei Ka- pitalteile an Stelle einer Person und eines Kapitals bean- spruchte."... - "Alle" (die Kaufleute) beteiligten sich indirekt an der Produktion; denn diese kann, da sie die Konsumtion zum Ziel hat, erst als vollendet betrachtet werden, wenn sie das Pro- dukt in den Bereich des Konsumenten gebracht hat." #117# 4. Kapitel - Die drei Figuren des Kreislaufsprozesses ----- Aber die Gesetze der allgemeinen Warenzirkulation gelten nur, so- weit der Zirkulationsprozeá des Kapitals eine Reihe einfacher Zirkulationsvorg„nge, nicht aber, soweit letztre funktionell be- stimmte Abschnitte des Kreislaufs individueller industrieller Ka- pitale bilden. Um dies klarzumachen, ist es am besten, den Zirkulationsprozeá in seinem ununterbrochnen Zusammenhang zu betrachten, wie er er- scheint in den beiden Formen: A W - G - W < ...P (P') II) P... W' {- G'{ Pm w - g - w A W - G -W< ...P ...W' III) W' {- G'{ Pm w g - w Als Reihe von Zirkulationsvorg„ngen berhaupt stellt der Zirkula- tionsprozeá (ob als W-G-W oder als G-W-G) nur die beiden entge- gengesetzten Reihen von Warenmetamorphosen dar, von denen jede einzelne Metamorphose wieder die entgegengesetzte Metamorphose auf Seite der fremden Ware oder des fremden Geldes einschlieát, das sich ihr gegenber befindet. W-G von seiten des Warenbesitzers ist G-W von seiten des K„ufers; die erste Metamorphose der Ware in W-G ist die zweite Metamor- phose der als G auftretenden Ware; umgekehrt in G-W. Was also ber die Verschlingung der Warenmetamorphose in dem einen Stadium mit der einer andren Ware im andren Stadium gezeigt worden, gilt fr die Kapitalzirkulation, soweit der Kapitalist als K„ufer und Verk„ufer von Ware, sein Kapital daher als Geld fremder Ware, oder als Ware fremdem Geld gegenber fungiert. Aber diese Versch- ling ist nicht zugleich Ausdruck fr die Metamorphosenverschlin- gung der Kapitale. Erstens kann G-W (Pm), wie wir gesehn, eine Verschlingung der Me- tamorphosen verschiedner individuellen Kapitale darstellen. Z.B. das Warenkapital des Baumwollspinners, Garn, wird zum Teil er- setzt durch Kohle. Ein Teil seines Kapitals befindet sich in Geldform, und wird daraus in Warenform umgesetzt, w„hrend das Ka- pital des kapitalistischen Kohlenproduzenten sich in Warenform befindet und daher in Geldform umgesetzt wird; derselbe Zirkula- tionsakt stellt hier entgegengesetzte Metamorphosen zweier (verschiednen Produktionszweigen angeh”rigen) industriellen Kapi- tale dar, also Verschlingung der Metamorphosenreihe dieser Kapi- tale. Wie wir jedoch gesehn, braucht das Pm. worin G sich um- setzt, nicht Warenkapital #118# I. Abschnitt - Die Metamorphose des Kap. und ihr Kreislauf ----- im kategorischen Sinn, d.h. keine Funktionsform von industriellem Kapital, nicht von einem Kapitalisten produziert zu sein. Es ist immer G-W auf der einen, W-G auf der andren Seite, nicht aber im- mer Verschlingung von Kapitalmetamorphosen. Ferner ist G-A, der Ankauf der Arbeitskraft, nie Verschlingung von Kapitalmetamorpho- sen, da die Arbeitskraft zwar Ware des Arbeiters ist, aber erst Kapital wird, sobald sie an den Kapitalisten verkauft ist. Andrerseits im Prozeá W'-G' braucht das C nicht verwandeltes Wa- renkapital zu sein; es kann Versilberung sein der Ware Arbeits- kraft (Arbeitslohn) oder eines vom selbst„ndigen Arbeiter, Skla- ven, Leibeignen, Gemeinwesen produzierten Produkts. Zweitens aber gilt fr die funktionell bestimmte Rolle, welche jede innerhalb des Zirkulationsprozesses eines individuellen Ka- pitals vorkommende Metamorphose spielt, keineswegs, daá sie im Kreislauf des andren Kapitals die entsprechende entgegengesetzte Metamorphose darstellt, wenn wir n„mlich die gesamte Produktion des Weltmarkts als kapitalistisch betrieben voraussetzen. Z.B. im Kreislauf P... P kann das G' welches W' versilbert, auf seiten des K„ufers nur Versilberung seines Mehrwerts sein (wenn die Ware Konsumtionsartikel ist); oder in A G'-W'< Pm (wo also das Kapital akkumullert eingeht) kann es fr den Verk„u- fer von Pm nur als Ersatz seines Kapitalvorschusses eingehn, oder gar nicht wieder eingehn in seine Kapitalzirkulation, wenn es n„mlich in die Revenueausgabe abzweigt. Wie also die verschiednen Bestandteile des gesellschaftlichen Ge- samtkapitals, wovon die Einzelkapitale nur selbst„ndig fungie- rende Bestandteile sind, sich im Zirkulationsprozeá wechselseitig ersetzen - mit Bezug auf das Kapital sowohl als den Mehrwert -, ergibt sich nicht aus den einfachen Metamorphosenverschlingungen der Warenzirkulation, welche die Vorg„nge der Kapitalzirkulation mit aller andren Warenzirkulation gemein haben, sondern erfordert andre Untersuchungsweise. Man hat sich dabei bisher mit Phrasen begngt, die, n„her analysiert, nichts enthalten als un bestimmte Vorstellungen, wie sie lediglich den aller Warenzirkulation ange- h”rigen Verschlingungen von Metamorphosen entlehnt sind. --- Eine der handgreiflichsten Eigentmlichkeiten des Kreislaufspro- zesses des industriellen Kapitals, also auch der kapitalistischen Produktion, ist der Umstand, daá einerseits die Bildungselemente des produktiven Kapitals aus dem Warenmarkt herstammen und be- st„ndig aus demselben erneuert, als Waren gekauft werden mssen; andrerseits das Produkt des Arbeitsprozesses ses #119# 4. Kapitel - Die drei Figuren des Kreislaufprozesses ----- als Ware aus ihm hervorgeht, und best„ndig von neuem als Ware verkauft werden muá. Man vergleiche z.B. einen modernen P„chter von Nieder-Schottland mit einem altmodischen kontinentalen Klein- bauer. Der erstere verkauft sein ganzes Produkt und hat daher auch alle Elemente desselben, selbst die Aussaat, auf dem Markt zu ersetzen, der andere verzehrt den gr”áten Teil seines Produkts direkt, kauft und verkauft m”glichst wenig, verfertigt Werkzeuge, Kleidung etc., soweit m”glich, selbst. Man hat daraufhin Naturalwirtschaft, Geldwirtschaft und Kredit- wirtschaft als die drei charakteristischen ”konomischen Bewe- gungsformen der gesellschaftlichen Produktion einander gegenber- gestellt. Erstens stellen diese drei Formen keine gleichwertigen Entwick- lungsphasen dar. Die sogenannte Kreditwirtschaft ist selbst nur eine Form der Geldwirtschaft, soweit beide Bezeichnungen Ver- kehrsfunktionen oder Verkehrsweisen zwischen den Produzenten selbst ausdrcken. In der entwickelten kapitalistischen Produk- tion erscheint die Geldwirtschaft nur noch als Grundlage der Kre- ditwirtschaft. Geldwirtschaft und Kreditwirtschaft entsprechen so nur verschiednen Entwicklungsstufen der kapitalistischen Produk- tion, sind aber keineswegs verschiedne selbst„ndige Verkehrsfor- men gegenber der Naturalwirtschaft. Mit demselben Recht k”nnte man die sehr verschiednen Formen der Naturalwirtschaft als gleichwertig jenen beiden gegenberstellen. Zweitens: Da man in den Kategorien: Geldwirtschaft, Kreditwirt- schaft, nicht die Wirtschaft, d.h. den Produktionsprozeá selbst betont und als unterscheidendes Merkmal hervorhebt, sondern die der Wirtschaft entsprechende Verkehrsweise zwischen den ver- schiednen Produktionsagenten oder Produzenten, so muáte dasselbe bei der ersten Kategorie geschehn. Statt Naturalwirtschaft also Tauschwirtschaft. Vollst„ndig abgeschloáne Naturalwirtschaft, z.B. der peruanische Inkastaat [8], fiele unter keine dieser Ka- tegorien. Drittens: Geldwirtschaft ist aller Warenproduktion gemein, und das Produkt erscheint als Ware in den verschiedensten gesell- schaftlichen Produktionsorganismen. Es w„re also nur der Umfang, worin das Produkt als Handelsartikel, als Ware produziert wird, also auch seine eignen Bildungselemente wieder als Handelsarti- kel, als Waren in die Wirtschaft, aus der es herkommt, ehn ms- sen, welche die kapitalistische Produktion charakterisierte. In der Tat ist die kapitalistische Produktion die Warenproduktion als allgemeine Form der Prodktion, aber sie ist es nur, und wird es stets mehr in ihrer Entwicklung, weil die Arbeit hier selbst als Ware erscheint, weil #120# I. Abschnitt - Die Metamorphose des Kap. und ihr Kreislauf ----- der Arbeiter die Arbeit, d.h. die Funktion seiner Arbeitskraft, verkauft, und zwar, wie wir annehmen, zu ihrem durch ihre Repro- duktionskosten bestimmten Wert. Im Umfang, wie die Arbeit Lohnar- beit wird, wird der Produzent industrieller Kapitalist; daher die kapitalistische Produktion (also auch die Warenproduktion) erst in ihrem ganzen Umfang erscheint, wenn auch der unmittelbare l„ndliche Produzent hnarbeiter ist. In dem Verh„ltnis zwischen Kapitalist und Lohnarbeiter wird das Geldverh„ltnis, das Verh„lt- nis von K„ufer und Verk„ufer, ein der Produktion selbst immanen- tes Verh„ltnis. Dies Verh„ltnis aber beruht der Grundlage nach auf dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion, nicht der Verkehrsweise; dieser entspringt umgekehrt aus jenem. Es ent- spricht brigens dem brgerlichen Horizont, wo das Gesch„ftchen- machen den ganzen Kopf einnimmt, nicht im Charakter der Produkti- onsweise die Grundlage der ihr entsprechenden Verkehrsweise zu sehn, sondern umgekehrt. 7) --- Der Kapitalist wirft weniger Wert in der Form von Geld in die Zirkulation hinein, als er aus ihr herauszieht, weil er mehr Wert in der Form von Ware hineinwirft, als er ihr in Form von Ware entzogen hat. Soweit er bloá als Personifikation des Kapitals fungiert, als industrieller Kapitalist, ist seine Zufuhr von Wa- renwert stets gr”áer als seine Nachfrage nach Warenwert. Deckung seiner Zufuhr und seiner Nachfrage in dieser Beziehung w„re gleich Nichtverwertung seines Kapitals; es h„tte nicht als pro- duktives Kapital fungiert; das produktive Kapital h„tte sich in Waren. kapital verwandelt, das nicht t Mehrwert geschw„ngert; es h„tte w„hrend des Produktionsprozesses keinen Mehrwert in Waren- form aus der Arbeitskraft gezogen, also berhaupt nicht als Kapi- tal fungiert; er muá in der Tat "teurer verkaufen als er gekauft hat", aber dies gelingt ihm eben nur, weil er vermittelst des ka- pitalistischen Produktionsprozesses die wohlfeilere, weil minder- wertige Ware, die er gekauft hat, in eine mehrwertige, also teu- rere, verwandelt hat. Er verkauft teurer, nicht weil ber den Wert seiner Ware, sondern weil Ware von einem Wert ber der Wertsumme ihrer Produktionsingredienzien. Die Rate, worin der Ka- pitalist sein Kapital verwertet, ist um so gr”áer, je gr”áer die Differenz zwischen seiner Zufuhr und seiner Nachfrage, d.h. je gr”áer der šberschuá des Warenwerts, den er zugefhrt, ber den ----- 7*) Bis hierher Manuskript V. - Das Folgende bis Schluá des Kapi- tels, ist eine, in einem Heft von 1877 oder 1878 unter Bcheraus- zgen sich befindende Note. #121# 4. Kapitel - Die drei Figuren des Kreislaufprozesses ----- Warenwert, den er nachfragt. Statt des Deckens beider ist das M”glichste Nichtdecken, das šberdecken seiner Nachfrage durch seine Zufuhr, sein Ziel. Was von dem einzelnen Kapitalisten, gilt von der Kapitalisten- klasse. Soweit der Kapitalist bloá das industrielle Kapital per- sonifiziert, besteht seine eigne Nachfrage nur in der Nachfrage nach Produktionsmitteln und Arbeitskraft. Seine Nachfrage nach Pm, ihrer Wertigkeit nach betrachtet, ist kleiner als sein vorge- schoánes Kapital; er kauft Produktionsmittel zu geringrem Wert als dem Wert seines Kapitals, und daher von noch viel geringrem Wert als dem des Warenkapitals, das er zufhrt. Was seine Nachfrage nach Arbeitskraft anbetrifft, so ist sie ih- rer Wertigkeit nach bestimmt durch das Verh„ltnis seines vari- ablen Kapitals zu seinem Gesamtkapital, also = v:C, und ist daher in der kapitalistischen Produktion, der Proportion nach betrach- tet, wachsend kleiner als seine Nachfrage nach Produktionsmit- teln. Er ist in best„ndig zunehmendem Maá gr”árer K„ufer fr Pm als fr A. Sofern der Arbeiter seinen Lohn allzumeist in Lebensmittel um- setzt, und zum allergr”áten Teil in notwendige Lebensmittel, ist die Nachfrage des Kapitalisten nach Arbeitskraft indirekt zugleich Nachfrage nach den in den Konsum der Arbeiterklasse ein- gehenden Konsumtionsmitteln. Aber diese Nachfrage ist = v und nicht ein Atom gr”áer (wenn der Arbeiter von seinem Lohn spart - wir lassen alle Kreditverh„ltnisse hier notwendig auáer Augen -, so heiát dies, daá er einen Teil seines Lohns in Schatz verwan- delt und pro tanto nicht als Nachfragender, als K„ufer auftritt). Die Maximalgrenze der Nachfrage des Kapitalisten ist = C = c + v, aber seine Zufuhr ist = c + v + m; ist also die Konstitution sei- nes Warenkapitals 80c + 20v + 20m, so ist seine Nachfrage = 80c + 20v also der Wertigkeit nach betrachtet 1/5 kleiner als seine Zu- fuhr. je gr”áer der Prozentsatz der von ihm produzierten Masse in (die Profitrate), um so kleiner wird seine Nachfrage im Verh„lt- nis zu seiner Zufuhr. Obgleich die Nachfrage des Kapitalisten nach Arbeitskraft, und daher indirekt nach notwendigen Lebensmit- teln, mit dem Fortschritt der Produktion fortschreitend kleiner wird als seine Nachfrage nach Produktionsmitteln, so ist andrer- seits nicht zu vergessen, daá seine Nachfrage nach Pm stets klei- ner ist als sein Kapital, tagaus, tagein gerechnet. Seine Nach- frage nach Produktionsmitteln muá also immer minderwertiger sein als das Warenprodukt des mit gleichem Kapital und unter sonst gleichen Umst„nden arbeitenden Kapitalisten, der ihm diese Pro- duktionsmittel liefert. Daá das viele Kapitalisten sind und nicht einer, „ndert nichts an der Sache. Gesetzt, sein Kapital sei 1000 Pfd.St., der konstante Teil desselben #122# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- = 800 Pfd.St.; so ist seine Nachfrage an ihre Gesamtheit = 800 Pfd.St.; zusammen liefern sie per 1000 Pfd.St. (wie viel davon auf jeden einzelnen unter ihnen falle und welchen Teil auch das auf jeden fallende Quantum von seinem Gesamtkapital bilde), bei gleicher Profitrate, Produktionsmittel zum Werte von 1200 Pfd.St.; also seine Nachfrage deckt nur 2/3 ihrer Zufuhr, w„hrend seine eigne Gesamtnachfrage nur = 4/5 seiner eignen Zufuhr ist, der Wertgr”áe nach betrachtet. Wir mssen jetzt noch beil„ufig die Betrachtung des Umschlags vorausnehmen. Gesetzt, sein Gesamt- kapital sei 5000 Pfd. St., wovon 4000 Pfd. St. fix und 1000 Pfd.St. zirkulierend; diese 1000 = 800c + 200v, nach obiger An- nahme. Sein zirkulierendes Kapital muá fnfmal im Jahre umschla- gen, damit sein Gesamtkapital einmal im Jahre umschlage; sein Wa- renprodukt ist dann = 6000 Pfd.St., also um 1000 Pfd.St. gr”áer als sein vorgeschoánes Kapital, was wieder dasselbe Verh„ltnis von Mehrwert ergibt wie oben: 5000 C : 1000m = 100(c+v):20m. Die- ser Umschlag „ndert also nichts am Verh„ltnis seiner Gesamtnach- frage zu seiner Gesamtzufuhr, die erstre bleibt 1/5 kleiner als die letztre. Sein fixes Kapital sei zu erneuern in 10 Jahren. Er amortisiert also j„hrlich 1/10 = 400 Pfd.St. Dadurch hat er nur noch Wert von 3600 Pfd.St. in fixem Kapital + 400 Pfd.St. in Geld. Soweit Repa- raturen n”tig, und diese nicht ber das Durchschnittsmaá gehn, sind sie nichts als Kapitalanlage, die er erst nachtr„glich macht. Wir k”nnen die Sache so betrachten, als habe er die Repa- raturkosten gleich eingerechnet bei der Wertsch„tzung seines An- lagekapitals, soweit dies ins j„hrliche Warenprodukt eingeht, so daá sie einbegriffen sind in dem 1/10 Amortisierung. (Ist in der Tat sein Reparaturbedrfnis unter dem Durchschnitt, so ist das ein Schnitt fr ihn, ganz wie sein Schaden, wenn ber. Dies gleicht sich aber aus fr die ganze Klasse der in demselben Indu- striezweig besch„ftigten Kapitalisten.) Jedenfalls, obgleich bei einmaligem Umschlag seines Gesamtkapitals im Jahr seine j„hrliche Nachfrage = 5000 Pfd.St. bleibt, gleich seinem ursprnglich vor- geschoánen Kapitalwert, so nimmt sie zu mit Bezug auf den zirku- lierenden Teil des Kapitals, w„hrend sie mit Bezug auf den fixen Teil desselben best„ndig abnimmt. Kommen wir nun zur Reproduktion. Gesetzt, der Kapitalist verzehre den ganzen Mehrwert g und setze nur die ursprngliche Kapital- gr”áe C wieder in produktives Kapital um. Jetzt ist die Nachfrage des Kapitalisten gleichwertig mit seiner Zufuhr. Aber nicht mit Bezug auf die Bewegung seines Kapitals; sondern als Kapitalist bt er nur Nachfrage aus nach 4/5 seiner Zufuhr (der Wertgr”áe nach); 1/5 verzehrt er als Nichtkapitalist, #123# 4. Kapitel - Die drei Figuren des Kreislaufsprozesses ----- nicht in seiner Funktion als Kapitalist, sondern fr sein Privat- bedrfnis oder Vergngen. Seine Rechnung ist dann prozentig gerechnet: als Kapitalist Nachfrage = 100, Zufuhr = 120 als Lebemann " 20, " - Summa Nachfrage " 120, Zufuhr = 120 Diese Voraussetzung ist gleich Voraussetzung der Nichtexistenz der kapitalistischen Produktion und daher der Nichtexistenz des industriellen Kapitalisten selbst. Denn der Kapitalismus ist schon in der Grundlage aufgehoben durch die Voraussetzung, daá der Genuá als treibendes Motiv wirkt, nicht die Bereicherung selbst. Sie ist aber auch technisch unm”glich. Der Kapitalist muá nicht nur ein Reservekapital bilden gegen Preisschwankungen und um die gnstigsten Konjunkturen fr Kauf und Verkauf abwarten zu k”nnen; er muá Kapital akkumulieren, um damit die Produktion auszudehnen und die technischen Fortschritte seinem produktiven Organismus einzuverleiben. Um Kapital zu akkumulieren, muá er zun„chst einen Teil des Mehrwerts in Geldform, der ihm aus der Zirkulation zu- floá, der Zirkulation entziehn, als Schatz anwachsen lassen, bis dieser die zur Ausdehnung des alten Gesch„fts oder Er”ffnung ei- nes Nebengesch„fts erforderlichen Dimensionen angenommen hat. So- lange die Schatzbildung dauert, vermehrt sie die Nachfrage des Kapitalisten nicht; das Geld ist immobilisiert; es entzieht dem Warenmarkt kein Žquivalent in Ware fr das Geld„quivalent, das es ihm fr zugefhrte Ware entzogen hat. Vom Kredit wird hier abge- sehn; und zum Kredit geh”rt, wenn der Kapitalist z.B. das Geld, im Maá wie es sich aufh„uft, bei einer Bank auf laufende Rechnung gegen Zinsen deponiert. #124# ----- FšNFTES KAPITEL Die Umlaufszeit 8) Die Bewegung des Kapitals durch die Produktionssph„re und die zwei Phasen der Zirkulationssph„re vollzieht sich, wie man ge- sehn, in einer zeitlichen Reihenfolge. Die Dauer seines Aufent- halts in der Produktionssph„re bildet seine Produktionszeit, die in der Zirkulationssph„re seine Zirkulations- oder Umlaufszeit. Die Gesamtzeit, worin es seinen Kreislauf beschreibt, ist daher gleich der Summe von Produktionszeit und Umlaufszeit. Die Produktionszeit umschlieát natrlich die Periode des Arbeits- prozesses, aber sie ist nicht von ihr umschlossen. Zun„chst erin- nert man sich, daá ein Teil des konstanten Kapitals in Arbeits- mitteln, wie Maschinen, Baulichkeiten usw., existiert, die bis an ihr Lebensende in denselben stets neu wiederholten Arbeitsprozes- sen dienen. Periodische Unterbrechung des Arbeitsprozesses, nachts z.B., unterbricht zwar die Funktion dieser Arbeitsmittel, aber nicht ihren Aufenthalt in der Produktionsst„tte. Ihr geh”ren sie an, nicht nur w„hrend sie fungieren, sondern auch w„hrend sie nicht fungieren. Andrerseits muá der Kapitalist einen bestimmten Vorrat von Rohmaterial und Hilfsstoffen bereithalten, damit der Produktionsprozeá auf vorher bestimmter Stufenleiter w„hrend krzrer oder l„ngrer Abschnitte vorgehe, ohne von den Zuf„llen t„glicher Zufuhr vom Markt abzuh„ngen. Dieser Vorrat von Rohstof- fen usw. wird nur nach und nach produktiv konsumiert. Es findet daher Differenz statt zwischen seiner Produktionszeit 9) und sei- ner Funktionszeit. Die Produktionszeit der Produktionsmittel berhaupt umfaát also 1. die Zeit, w„hrend deren sie als Produk- tionsmittel fungieren, also im Produktionsprozesse dienen, 2. die Pausen, w„hrend deren der --- 8) Von hier an Manuskript IV. 9) Produktionszeit, hier aktiv genommen: Die Produktionszeit der Produktionsmittel ist hier die Zeit, nicht in der sie produziert werden, sondern in der sie am Produktionsprozeá eines Warenpro- dukts sich beteiligen. - F. E. #125# 5. Kapitel - Die Umlaufszeit ----- Produktionsprozeá, also auch die Funktion der ihm einverleibten Produktionsmittel unterbrochen ist, 3. die Zeit, w„hrend deren sie zwar als Bedingungen des Prozesses bereitliegen, also schon produktives Kapital darstellen, aber noch nicht in den Produkti- onsprozeá eingegangen sind. Die bisher betrachtete Differenz ist jedesmal Differenz zwischen der Aufenthaltszeit des produktiven Kapitals in der Produktions- sph„re und derjenigen im Produktionsprozeá. Aber der Produktions- prozeá selbst kann Unterbrechungen des Arbeitsprozesses und daher der Arbeitszeit bedingen, Zwischenr„ume, worin der Arbeitsgegen- stand der Einwirkung physischer Prozesse ohne weitre Zutat men- schlicher Arbeit anheimgegeben wird. Der Produktionsprozeá, daher die Funktion der Produktionsmittel, dauert fort in diesem Fall, obgleich der Arbeitsprozeá, und daher die Funktion der Produkti- onsmittel als Arbeitsmittel, unterbrochen ist. So z.B. das Korn, das ges„t ist, der Wein, der im Keller g„rt, Arbeitsmaterial vieler Manufakturen, wie z.B. Gerbereien, das chemischen Prozes- sen anheimf„llt. DieProduktionszeit ist hier gr”áer als die Ar- beitszeit. Die Differenz beider besteht in einem šberschuá der Produktionszeit ber die Arbeitszeit. Dieser šberschuá beruht stets darauf, daá produktives Kapital sich latent in der Produk- tionssph„re befindet, ohne im Produktionsprozeá selbst zu fungie- ren, oder daá es im Produktionsprozeá fungiert, ohne sich im Ar- beitsprozeá zu befinden. Der Teil des latenten produktiven Kapitals, der nur als Bedingung fr den Produktionsprozeá bereitliegt, wie Baumwolle, Kohle usw. in der Spinnerei, wirkt weder als Produkt- noch Wertbildner. Er ist brachliegendes Kapital, obgleich seine Brache eine Bedingung fr den ununterbrochneu Fluá des Produktionsprozesses bildet. Die Baulichkeiten, Apparate etc., n”tig um als Beh„lter des produkti- ven Vorrats (des latenten Kapitals) zu dienen, sind Bedingungen des Produktionsprozesses und bilden daher Bestandteile des vorge- schoánen produktiven Kapitals. Sie erfllen ihre Funktion als Be- wahrer der produktiven Bestandteile im vorl„ufigen Stadium. So- weit Arbeitsprozesse in diesem Stadium n”tig sind, verteuern sie das Rohmaterial etc., sind aber produktive Arbeiten und bilden Mehrwert, weil ein Teil dieser Arbeit, wie aller andren Lohnar- beit, nicht bezahlt wird. Die normalen Unterbrechungen des ganzen Produktionsprozesses, also die Intervalle, worin das produktive Kapital nicht fungiert, produzieren weder Wert noch Mehrwert. Da- her das Bestreben, auch nachts arbeiten zu lassen. (Buch I, Kap. VIII, 4.) - Die Intervalle in der Arbeitszeit, die der Arbeitsge- genstand w„hrend des Produktionsprozesses selbst durchmachen muá, bilden weder Wert noch Mehrwert; aber f”rdern das Produkt, bilden einen Teil in dessen Leben, einen Prozeá, den es durchmachen muá. Der Wert #126# I. Abschnitt - Die Metarnorphosen des Kap. und ihr Kreis- lauf ----- der Apparate etc. wird auf das Produkt bertragen im Verh„ltnis zu der ganzen Zeit, w„hrend deren sie fungieren; das Produkt ist durch die Arbeit selbst in dies Stadium gesetzt, und der Gebrauch dieser Apparate ist ebensosehr Bedingung der Produktion, wie das Zerst„uben eines Teils der Baumwolle, der nicht ins Produkt ein- geht, aber doch seinen Wert auf es bertr„gt. Der andre Teil des latenten Kapitals, wie die Baulichkeiten, Maschinen usw., d.h. die Arbeitsmittel, deren Funktion nur durch die regelm„áigen Pau- sen des Produktionsprozesses unterbrochen ist - unregelm„áige Un- terbrechungen infolge von Einschr„nkung der Produktion, Krisen usw. sind reine Verluste -, setzt Wert zu, ohne in die Pro- duktbildung einzugehn; der Gesamtwert, den er dem Produkt zu- setzt, ist durch seine Durchschnittsdauer bestimmt; er verliert Wert, weil Gebrauchswert, sowohl in der Zeit, worin er fungiert, als auch in der Zeit, worin er nicht fungiert. Endlich der Wert des konstanten Kapitalteils, der im Produktions- prozeá kontinuiert, obgleich der Arbeitsprozeá unterbrochen ist, erscheint wieder im Resultat des Produktionsprozesses. Durch die Arbeit selbst sind die Produktionsmittel hier unter Bedingungen gestellt, innerhalb deren sie von selbst gewisse Naturprozesse durchlaufen, deren Resultat ein bestimmter Nutzeifekt oder eine ver„nderte Form ihres Gebrauchswerts. Die Arbeit bertr„gt den Wert der Produktionsmittel immer auf das Produkt, soweit sie die- selben wirklich zweckgem„á als Produktionsmittel verzehrt. Hieran wird nichts ge„ndert, ob die Arbeit, zur Hervorbringung dieses Effekts, kontinuierlich vermittelst der Arbeitsmittel auf den Ar- beitsgegenstand wirken muá, oder ob sie nur den Anstoá zu geben braucht, indem sie die Produktionsmittel unter Bedingungen stellt, wodurch ohne weitre Mittel der Arbeit die Produktionsmit- tel von selbst, infolge von Naturprozessen, die beabsichtigte Ver„nderung erleiden. Welches immer der Grund des šberschusses der Produktionszeit ber die Arbeitszeit - sei es, daá Produktionsmittel nur latentes pro- duktives Kapital bilden, also sich noch in einer Vorstufe zum wirklichen Produktionsprozeá befinden, oder daá innerhalb des Produktionsprozesses durch dessen Pausen ihre eigne Funktion un- terbrochen wird, oder daá endlich der Produktionsprozeá selbst Unterbrechungen des Arbeitsprozesses bedingt -, in keinem dieser F„lle fungieren die Produktionsmittel als Arbeitseinsauger. Sau- gen sie keine Arbeit ein, so auch keine Mehrarbeit. Es findet da- her keine Verwertung des produktiven Kapitals statt, solange es sich in dem Teil seiner Produktionszeit befindet, der berschs- sig ber die Arbeitszeit ist, so unzertrennlich auch die Vollfh- rung des Verwertungsprozesses von diesen seinen Pausen sein mag. Es ist klar, daá je mehr Produktionszeit und Arbeitszeit #127# 5. Kapitel - Die Umlaufszeit ----- sich decken, um so gr”áer die Produktivit„t und Verwertung eines gegebnen produktiven Kapitals in gegebnem Zeitraum. Daher die Tendenz der kapitalistischen Produktion, den šberschuá der Pro- duktionszeit ber die Arbeitszeit m”glichst zu verkrzen. Ob- gleich aber die Produktionszeit des Kapitals von seiner Arbeits- zeit abweichen mag, so umschlieát sie stets dieselbe, und ist der šberschuá selbst Bedingung des Produktionsprozesses. Die Produk- tionszeit ist also stets die Zeit, w„hrend deren das Kapital Ge- brauchswerte produziert und sich selbst verwertet, daher als pro- duktives Kapital fungiert, obgleich sie Zeit einschlieát, worin es entweder latent ist oder auch produziert, ohne sich zu verwer- ten. Innerhalb der Zirkulationssph„re haust das Kapital als Warenkapi- tal und Geldkapital. Seine beiden Zirkulationsprozesse bestehn darin, sich aus der Warenform in Geldform und aus Geldform in Wa- renform zu verwandeln. Der Umstand, daá die Verwandlung der Ware in Geld hier zugleich Reallsation des der Ware einverleibten Mehrwerts, und daá die Ver wandlung des Geldes in Ware zugleich Verwandlung oder Rckverwand lung des Kapitalwerts in die Gestalt seiner Produktionselemente ist, „ndert durchaus nichts daran, daá diese Prozesse, als Zirkulationsprozesse, Prozesse der einfachen Warenmetamorphose sind. Umlaufszeit und Produktionszeit schlieáen sich wechselseitig aus. W„hrend seiner Umlaufszeit fungiert das Kapital nicht als produk- tives Kapital und produziert daher weder Ware noch Mehrwert. Be- trachten wir den Kreislauf in der einfachsten Form, so daá der gesamte Kapitalwert jedesmal auf einen Schlag aus der einen Phase in die andre tritt, so ist handgreiflich, daá der Produktionspro- zeá unterbrochen ist, also auch die Selbstverwertung des Kapi- tals, solange seine Umlaufszeit dauert, und daá je nach deren L„nge die Erneuerung des Produktionsprozesses rascher oder tr„ger sein wird. Durchlaufen dagegen die verschiednen Teile des Kapi- tals den Kreislauf nacheinander, so daá der Kreislauf des ge- samten Kapitalwerts sich sukzessive im Kreislauf seiner ver- schiednen Portionen vollzieht, so ist klar, daá je l„nger der be- st„ndige Aufenthalt seiner aliquoten Teile in der Zirkulations- sph„re, um so kleiner sein best„ndig in der Produktionssph„re gierender Teil sein muá. Die Expansion und Kontraktion der Um- laufszeit wirkt daher als negative Schranke auf die Kontraktion oder Expansion der Produktionszeit oder des Umfangs, worin ein Kapital von gegebner Gr”áe als produktives Kapital fungiert. Je mehr die Zirkulationsmetamorphosen des Kapitals nur ideell sind, d.h. je mehr die Umlaufszeit = 0 wird oder sich Null n„hert, um so mehr fungiert das Kapital, um so gr”áer wird seine #128# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- Produktivit„t und Selbstverwertung. Arbeitet ein Kapitalist z.B. auf Bestellung, so daá er bei Lieferung des Produkts Zahlung er- h„lt, und erfolgt die Zahlung in seinen eignen Produktionsmit- teln, so n„hert sich die Zirkulationszeit Null. Die Umlaufszeit des Kapitals beschr„nkt also berhaupt seine Pro- duktionszeit und daher seinen Verwertungsprozeá. Und zwar be- schr„nkt sie denselben im Verh„ltnis zu ihrer Dauer. Diese kann aber sehr verschieden zu, oder abnehmen und daher in sehr ver- schiednem Grad die Produktionszeit des Kapitals beschr„nken. Was aber die politische ™konomie sieht, ist das, was erscheint, n„m- lich die Wirkung der Umlaufszeit auf den Verwertungsprozeá des Kapitals šberhaupt. Sie faát diese negative Wirkung als positive auf, weil ihre Folgen positiv sind. Sie haftet um so mehr an die- sem Schein fest, als er den Beweis zu liefern scheint, daá das Kapital eine, von seinem Produktionsprozeá und daher von der Ex- ploitation der Arbeit unabh„ngige mystische Quelle der Selbstver- wertung besitzt, die ihm aus der Zirkulationssph„re zuflieát. Wir werden sp„ter sehn, wie selbst die wissen, schaftliche ™konomie sich durch diesen Schein t„uschen l„át. Er wird, wie sich eben- falls zeigen wird, befestigt durch verschiedne Ph„nomene: 1. die kapitalistische Berechnungsweise des Profits, worin der negative Grund als positiver figuriert, indem fr Kapitale in verschiednen Anlagesph„ren, wo nur die Umlaufszeit verschieden, l„ngre UmIaufszeit als Grund der Preiserh”hung wirkt, kurz, als einer der Grnde in der Ausgleichung der Profite. 2. Die Umlaufszeit bildet nur ein Moment der Umschlagszeit; letztre aber schlieát die Produktionszeit resp. Reproduktionszeit ein. Was der letztren geschuldet, scheint der Umlaufszeit geschuldet. 3. Der Umsatz der Waren in variables Kapital (Arbeitslohn) ist bedingt durch ihre vorherige Verwandlung in Geld. Bei der Kapitalakkumulation geht also der Umsatz in zuschssiges variables Kapital in der Zirkula- tionssph„re vor, oder w„hrend der Umlaufszeit. Die damit gegebene Akkumulation scheint daher der letztren geschuldet. Innerhalb der Zirkulationssph„re durchl„uft das Kapital - ob in der einen oder andren Reihenfolge - die zwei entgegengesetzten Phasen W-G und G-W. Seine Umlaufszeit zerf„llt also auch in zwei Teile, die Zeit, die es braucht, um sich aus Ware in Geld, und die Zeit, die es braucht, um sich aus Geld in Ware zu verwandeln. Man weiá bereits aus der Analyse der einfachen Warenzirkulation (Buch I, Kap. III), daá W-G, der Verkauf, der schwierigste Teil seiner Metamorphose ist und daher, unter gew”hnlichen Umst„nden, von der Umlaufszeit den gr”áren Teil bildet. Als Geld befindet sich der Wert in seiner stets umsetzbaren Form. Als Ware muá er #129# 5. Kapitel - Die Umlaufszeit ----- erst durch Verwandlung in Geld diese Gestalt unmittelbarer Aus- tauschbarkeit und daher stets schlagfertiger Wirksamkeit erhal- ten. Indes handelt es sich beim Zirkulationsprozeá des Kapitals in seiner Phase G-W um seine Verwandlung in Waren, die bestimmte Elemente des produktiven Kapitals III einer gegebnen Anlage bil- den. Die Produktionsmittel sind vielleicht nicht auf dem Markt vorhanden, sondern mssen erst produziert werden, oder sie sind von entlegnen M„rkten zu beziehn, oder es finden Ausf„lle in ih- rer gew”hnlichen Zufuhr statt, PreiswechseI usw., kurz, eine Masse von Umst„nden, die in dem einfachen Formwechsel G-W nicht erkennbar sind, aber auch fr diesen Teil der Zirkulationsphase bald mehr, bald weniger Zeit beanspruchen. Wie W-G und G-W zeit- lich, k”nnen sie auch r„umlich getrennt sein, Kaufmarkt und Ver- kaufmarkt r„umlich verschiedne M„rkte sein. Bei Fabriken z.B. sind Eink„ufer und Verk„ufer sogar h„ufig getrennte Personen. Die Zirkulation ist ebenso notwendig bei der Warenproduktion wie die Produktion selbst, also die Zirkulationsagenten ebenso n”tig wie die Produktionsagenten. Der Reproduktionsprozeá schlieát beide Funktionen des Kapitals ein, also auch die Notwendigkeit der Ver- tretung dieser Funktionen, sei es durch den Kapitalisten selbst, sei es durch Lohnarbeiter, Agenten desselben. Dies ist aber eben- sowenig ein Grund, die Zirkulationsagenten mit den Produktions- agenten zu verwechseln, als es ein Grund ist, die Funktionen von Warenkapital und Geldkapital mit denen von produktivem Kapital zu verwechseln. Die Zirkulationsagenten mssen bezahlt werden durch die Produktionsagenten. Wenn aber Kapitalisten, die untereinander kaufen und verkaufen, durch diesen Akt weder Produkte noch Wert schaffen, so „ndert sich das nicht, wenn der Umfang ihres Ge- sch„fts sie bef„higt und n”tigt, diese Funktion auf andre abzu- w„lzen. In manchen Gesch„ften werden Eink„ufer und Verk„ufer durch Tantieme am Profit bezahlt. Die Phrase, daá sie durch die Konsumenten bezahlt werden, hilft nichts. Die Konsumenten k”nnen nur zahlen, soweit sie sich selbst als Agenten der Produktion ein Žquivalent in Waren produzieren oder sich solches von den Produk- tionsagenten aneignen, sei es auf Rechtstitel hin (als deren As- soci‚s usw.), sei es durch pers”nliche Dienste. Es besteht ein Unterschied zwischen W-G und G-W, der nichts mit der Formverschiedenheit von Ware und Geld zu tun hat, sondern aus dem kapitalistischen Charakter der Produktion entspringt. An und fr sich sind sowohl W-G als G-W bloáe šbersetzungen von gegebnem Wert aus einer Form in die andre. Aber W'-G' ist zugleich Reali- sierung des in W' enthaltnen Mehrwerts. Nicht so G-W. Daher ist der Verkauf wichtiger als der Kauf. G-W ist unter normalen Bedin- gungen notwendiger fr Verwertung #130# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- des in G ausgedrckten Werts, aber es ist nicht Realisierung von Mehrwert; es ist Einleitung zu seiner Produktion, nicht Nachtrag dazu. Fr die Zirkulation des Warenkapitals W'-G' sind bestimmte Schranken durch die Existenzform der Waren selbst, ihr Dasein als Gebrauchswerte gezogen. Sie sind von Natur verg„nglich. Gehn sie also innerhalb gewisser Frist nicht in die produktive oder indi- viduelle Konsumtion ein, je nach ihrer Bestirmnung, werden sie, in andren Worten, nicht in bestimmter Zeit verkauft, so verderben sie und verlieren mit ihrem Gebrauchswert die Eigenschaft, Tr„ger des Tauschwerts zu sein. Der in ihnen enthaltene Kapitalwert, resp. der ihm angewachsne Mehrwert, geht verloren. Die Gebrauchs- werte bleiben nur Tr„ger des perennierenden und sich verwertenden Kapitalwerts, soweit sie best„ndig erneuert und reproduziert, durch neue Gebrauchswerte derselben oder andrer Art ersetzt wer- den. Ihr Verkauf in ihrer fertigen Warenform, also ihr durch den- selben vermitteltes Eingehn in die produktive oder individuelle Konsumtion, ist aber die stets sich erneuernde Bedingung ihrer Reproduktion. Sie mssen innerhalb bestimmter Zeit ihre alte Ge- brauchsform wechseln, um in einer neuen fortzuexistieren. Der Tauschwert erh„lt sich nur durch diese best„ndige Erneuerung sei- nes K”rpers. Die Gebrauchswerte verschiedner Waren verderben ra- scher oder langsamer; es kann also mehr oder weniger Zwischenzeit zwischen ihrer Produktion und ihrer Konsumtion verstreichen; sie k”nnen also, ohne zugmnde zu gehn, krzer oder l„nger in der Zir- kulationsphase W-G als Warenkapital ausharren, krzre oder l„ngre Umlaufszeit als Waren ertragen. Die Grenze der Umlaufszeit des Warenkapitals durch den Verderb des Warenk”rpers selbst ist die absolute Grenze dieses Teils der Umlaufszeit oder der Umlaufs- zeit, die das Warenkapital qua Warenkapital beschreiben kann. Je verg„nglicher eine Ware, je unmittelbarer nach ihrer Produktion sie daher verzehrt, also auch verkauft werden muá, desto ge- ringrer Entfernung von ihrem Produktionsort ist sie f„hig, desto enger also ihre r„umliche Zirkulationssph„re, desto loyalerer Na- tur ihr Absatzmarkt. Je verg„nglicher daher eine Ware, je gr”áer durch ihre physische Beschaffenheit die absolute Schranke ihrer Umlaufszeit als Ware, desto weniger eignet sie sich zum Gegen- stand der kapitalistischen Produktion. Letztrer kann sie nur an- heimfallen an volkreichen Pl„tzen, oder im Maá, wie die lokalen Abst„nde durch Entwicklung der Transportmittel zusammenrcken. Die Konzentration der Produktion eines Artikels in wenigen H„nden und an einem volkreichen Platz kann aber relativ groáen Markt auch fr solche Artikel schaffen, wie z.B. bei groáen Bier- brauereien, Milchereien usw. #131# ----- SECHSTES KAPITEL Die Zirkulationskosten I. Reine Zirkulationskosten 1. Kauf und Verkaufszeit Die Formverwandlungen des Kapitals aus Ware in Geld und aus Geld in Ware sind zugleich H„ndel des Kapitalisten, Akte des Kaufs und Verkaufs. Die Zeit, worin diese Formverwandlungen des Kapitals sich vollziehn, sind subjektiv, vom Standpunkt des Kapitalisten, Verkaufszeit und Kaufzeit, die Zeit, w„hrend deren er auf dem Markt als Verk„ufer und K„ufer fungiert. Wie die Umlaufszeit des Kapitals einen notwendigen Abschnitt seiner Reproduktionszeit bildet, so bildet die Zeit, w„hrend deren der Kapitalist kauft und verkauft, sich auf dem Markt herumtreibt, einen notwendigen Abschnitt seiner Funktionszeit als Kapitalist, d.h. als personi- fiziertes Kapital. Sie bildet Teil seiner Gesch„ftszeit. {Da an- genommen wurde, daá die Waren zu ihren Werten gekauft und ver- kauft werden, so handelt es sich bei diesen Vorg„ngen nur um die Umsetzung desselben Werts aus einer Form in die andre, aus Waren- form in Geldform, und aus Geldform in Warenform - um eine Zu- stands„nderung. Werden die Waren zu ihren Werten verkauft, so bleibt die Wertgr”áe in der Hand sowohl des K„ufers wie des Ver- k„ufers unver„ndert; nur seine Daseinsform hat sich ver„ndert. Werden die Waren nicht zu ihren Werten verkauft, so bleibt die Summe der umgesetzten Werte unver„ndert; was auf der einen Seite plus, ist auf der andern minus. Die Metamorphosen W-G und G-W sind aber H„ndel, die zwischen K„u- fer und Verk„ufer vorgehn; sie brauchen Zeit, um handelseinig zu werden, um so mehr, als hier ein Kampf vorgeht, worin jede Seite die andere zu bervortellen sucht, und sich Gesch„ftsleute gegen- berstehn, so: "when Greek meets Greek then comes the tug of war' [9]. Die Zustands„nderung kostet Zeit und Arbeitskrft, aber nicht um Wert zu schaffen, sondern um #132# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- die Umsetzung des Werts aus einer Form in die andre hervorzubrin- gen, wobei der wechselseitige Versuch, bei dieser Gelegenheit ein berschssiges Quantum Wert sich anzueignen, nichts „ndert. Diese Arbeit, vergr”áert durch die beiderseitigen b”swilligen Absich- ten, schafft so wenig Wert, wie die Arbeit, die bei einem ge- richtlichen Prozeá stattfindet, die Wertgr”áe des streitigen Ob- jekts vermehrt. Es verh„lt sich mit dieser Arbeit - die ein not- wendiges Moment des kapitalistischen Produktionsprozesses in sei- ner Totalit„t, wo er auch die Zirkulation einschlieát, oder von ihr eingeschlossen wird - wie etwa mit der Verbrennungsarbeit ei- nes Stoffs, der zur Erzeugung von W„rme verwandt wird. Diese Ver- brennungsarbeit erzeugt keine W„rme, obgleich sie ein notwendiges Moment des Verbrennungsprozesses ist. um z.B. Kohle als Heizmate- rial zu verbrauchen, muá ich sie mit Sauerstoff verbinden und dazu sie aus dem festen in den gasf”rmigen Zustand berfhren (denn im Kohlens„uregas, dem Resultat der Verbrennung, ist die Kohle im Gaszustand), also eine physikalische Daseinsform- oder Zustandsver„nderung bewirken. Die Lostrennung der Kohlenstoffole- kle, die zu einem festen Ganzen verbunden sind, und die Zer- sprengung des Kohlenstoffmolekls selbst in seine einzelnen Atome, muá der Neuverbindung vorhergehn, und dies kostet einen gewissen Kraftaufwand, der sich also nicht in W„rme verwandelt, sondern von dieser abgeht. Sind die Warenbesitzer daher keine Ka- pitalisten, sondern selbst„ndige unmittelbare Produzenten, so ist die zu Kauf und Verkauf verwendete Zeit ein Abzug von ihrer Ar- beitszeit, und suchten sie daher stets (im Altertum wie im Mit- telalter) solche Operationen auf Festtage zu verlegen. Die Dimensionen, die der Warenumsatz in den H„nden der Kapitali- sten annimmt, k”nnen natrlich diese, keinen Wert schaffende, sondern nur Formwechsel des Werts vermittelnde Arbeit nicht in wertschaffende verwandeln. Ebensowenig kann das Mirakel dieser Transsubstantiation durch eine Transposition vorgehn, d.h. da- durch, daá die industriellen Kapitalisten, statt selbst jene "Verbrennungsarbeit" zu vollziehn, sie zum ausschlieálichen Ge- sch„ft dritter von ihnen bezahlter Personen machen. Diese dritten Personen werden ihnen natrlich nicht aus Liebe fr ihre beaux yeux 1*) ihre Arbeitskraft zur Verfgung stellen. Dem Rentenkol- lekteur eines Grundbesitzers oder dem Hausknecht einer Bank ist es ebenfalls gleichgltig, daá ihre Arbeit die Wertgr”áe weder der Rente, noch der zu einer andern Bank sackweise getragnen Goldstcke um einen Deut vermehrt.} 10) --- Das Eingeklammerte aus einer Note am Schluá von Ms. VIII. ----- 1*) sch”nen Augen #133# 6. Kapitel - Die Zirkulationskosten ----- Fr den Kapitalisten, der andre fr sich arbeiten l„át, wird Kauf und Verkauf eine Hauptfunktion. Da er das Produkt vieler auf gr”- árem gesellschaftlichen Maástab aneignet, so hat er es auch auf solchem zu verkaufen und sp„ter wieder aus Geld in die Produkti- onselemente zurckzuverwandeln. Nach wie vor schafft Kauf- und Verkaufszeit keinen Wert. Eine Illusion kommt herein durch die Funktion des Kaufmannskapitals. Aber, ohne hier noch n„her darauf einzugehn, ist so viel von vornherein klar: Wenn durch Teilung der Arbeit eine Funktion, die an und fr sich unproduktiv, aber ein notwendiges Moment der Reproduktion ist, aus einer Nebenver- richtung vieler in die ausschlieáliche Verrichtung weniger ver- wandelt wird, in ihr besondres Gesch„ft, so verwandelt sich nicht der Charakter der Funktion selbst. Ein Kaufmann (hier als bloáer Agent der Formverwandlung der Waren, als bloáer K„ufer und Ver- k„ufer betrachtet) mag durch seine Operationen die Kauf- und Ver- kaufszeit fr viele Produzenten abkrzen. Er ist dann als eine Maschine zu betrachten, die nutzlosen Kraftaufwand vermindert oder Produktionszeit freisetzen hilft. 11) Wir wollen, um die Sache zu vereinfachen (da wir erst sp„ter den Kaufmann als Kapitalisten und das Kaufmannskapital betrachten), annehmen, dieser Agent zum Kaufen und Verkaufen sei ein Mann, der seine Arbeit verkauft. Er verausgabt seine Arbeitskraft und seine Arbeitszeit in diesen Operationen W-G und G-W. Und er lebt daher davon, wie ein andrer z.B. vom Spinnen oder Pillendrehn. Er ver- richtet eine notwendige Funktion, --- 11) "Die Kosten des Handels mssen, obwohl notwendig, als eine listige Ausgabe betrachtet werden." (Quesnay, Analyse du Tableau conomique", in Daire, "Physiocrates", Ie partie, Paris 1846, p. 71.) - Nach Quesnay ist der "Profit", den die Konkurrenz unter den Kaufleuten hervorbringt, n„mlich daá sie dieselben n”tigt, ihr Entgelt oder ihren Gewinn herabzusetzen... streng genommen nur ein vermiedener Verlust fr den Verk„ufer erster Hand und fr den konsumierenden K„ufer. Nun ist aber ein an den Kosten des Handels v e r m i e d e n e r V e r l u s t kein w i r k l i c h e s P r o d u k t oder durch den Handel bewirk- ter Zuwachs an Reichtum, mag man den Handel an und fr sich ein- fach als Austausch, unabh„ngig von den Transportkosten, oder in Verbindung mit den Transportkosten betrachten." (p. 145, 146.) "Die Kosten des Handels werden immer von den Verk„ufern der Pro- dukte getragen, die den vollen Preis bekommen werden, den die K„ufer zahlen, wenn es keinerlei Vermittlungskosten g„be." (p. 163.) Die propri‚taires 1*) und producteurs 2*) sind "salariants" 3*), die Kaufleute sind "salari‚s" 4*) (p. 164, Quesnay, "Dialogues sur le Commerce et sur les Travaux des Artisans", in Daire, "Physiocrates", Ie partie, Paris 1846). ----- 1*) Grundeigentiimer - 2*) Produzenten - 3*) Lohnzahler - 4*) Entlohnte - 5*) 1. und 2. Auflage: "ProblŠmes ‚conomiques" 134 I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- weil der Reproduktionsprozeá selbt unproduktive Funktionen ein- schlieát. Er arbeitet so gut wie ein andrer, aber der Inhalt sei- ner Arbeit schafft weder Wert noch Produkt. Er selbst geh”rt zu den faux frais der Produktion. Sein Nutzen besteht nicht darin, eine unproduktive Funktion in eine produktive zu verwandeln, oder unproduktive Arbeit in produktive. Es w„re ein Wunder, wenn der- gleichen Verwandlung durch solche šbertragung der Funktion be- werkstelligt werden k”nnte. Sein Nutzen besteht vielmehr darin, daá ein geringrer Teil der Arbeitskraft und Arbeitszeit der Ge- sellschaft in dieser unproduktiven Funktion gebunden wird. Noch mehr. Wir wollen annehmen, er sei bloáer Lohnarbeiter, meinetwe- gen besser bezahlter. Welches immer seine Zahlung, als Lohnarbei- ter arbeitet er einen Teil seiner Zeit umsonst. Er erh„lt viel- leicht t„glich das Wertprodukt von acht Arbeitsstunden und fun- giert w„hrend zehn. Die zwei Stunden Mehrarbeit, die er verrich- tet, produzieren ebensowenig Wert wie seine acht Stunden notwen- dige Arbeit, obgleich vermittelst dieser letztren ein Teil des gesellschaftlichen Produkts auf ihn bertragen wird. Erstens wird nach wie vor, gesellschaftlich betrachtet, eine Arbeitskraft w„h- rend zehn Stunden in dieser bloáen Zirkulationsfunktion vernutzt. Sie ist fr nichts andres verwendbar, nicht fr produktive Ar- beit. Zweitens aber zahlt die Gesellschaft diese zwei Stunden Mehrarbeit nicht, obgleich sie von dem Individuum, das sie ver- richtet, verausgabt werden. Die Gesellschaft eignet sich dadurch kein berschssiges Produkt oder Wert an. Aber die Zirkulations- kosten, die er repr„sentiert, vermindern sich um ein Fnftel, von zehn Stunden auf acht. Die Gesellschaft zahlt kein Žquivalent fr ein Fnftel dieser aktiven Zirkulationszeit, deren Agent er ist. Ist es aber der Kapitalist, der diesen Agenten anwendet, so ver- mindern sich durch Nichtzahlung der zwei Stunden die Zirkulati- onskosten s e i n e s Kapitals, die einen Abzug von seiner Ein- nahme bilden. Fr ihn ist es ein positiver Gewinn, weil sich die negative Schranke der Verwertung seines Kapitals enger zieht. So- lange kleine selbst„ndige Warenproduzenten einen Teil ihrer eig- nen Zeit in Kauf und Ver kauf verausgaben, stellt sich dies nur dar entweder als Zeit, verausgabt in den Intervallen ihrer pro- duktiven Funktion, oder als Abbruch an ihrer Produktionszeit. Unter allen Umst„nden ist die hierauf verwandte Zeit eine Zirku- lationskost, die den umgesetzten Werten nichts zufhrt. Es ist die Kost, erforderlich, sie aus Warenform in Geldform zu berset- zen. Soweit der kapitalistische Warenproduzent als Zirkulations- agent erscheint, unterscheidet er sich vom unmittelbaren Waren- produzenten nur dadurch, daá er auf gr”árer Stufenleiter verkauft und kauft, und daher in gr”árem Umfang als Zirkulationsagent #135# 6. Kapitel - Die Zirkulationskosten ----- fungiert. Sobald der Umfang seines Gesch„fts ihn aber zwingt oder bef„higt, eigne Zirkulationsagenten als Lohnarbeiter zu kaufen (dingen), so ist das Ph„nomen der Sache nach nicht ver„ndert. Ar- beitskraft und Arbeitszeit muá zu gewissem Grad im Zirkulations- prozeá (soweit er bloáe Formverwandlung) verausgabt werden. Aber dies erscheint jetzt als zus„tzliche Kapitalauslage; ein Teil des variablen Kapitals muá ausgelegt werden im Ankauf dieser nur in der Zirkulation fungierenden Arbeitskr„fte. Dieser Kapitalvor- schuá schafft weder Produkt noch Wert. Er vermindert pro tanto den Umfang, worin das vorgeschoáne Kapital produktiv fungiert. Es ist dasselbe, als wrde ein Teil des Produkts in eine Maschine verwandelt, welche den brigen Teil des Produkts kauft und ver- kauft. Diese Maschine verursacht einen Abzug von Produkt. Sie wirkt nicht mit im Produktionsprozeá, obgleich sie die in der Zirkulation verausgabte Arbeitskraft etc. vermindern kann. Sie bildet bloá einen Teil der Zirkulationskosten. 2. Buchfhrung Neben dem wirklichen Kaufen und Verkaufen wird Arbeitszeit ver- ausgabt in der Buchfhrung, in die auáerdem vergegenst„ndlichte Arbeit ein geht, Feder, Tinte, Papier, Schreibpult, Brokosten. Es wird also in dieser Funktion einerseits Arbeitskraft veraus- gabt, andrerseits Arbeitsmittel. Es verh„lt sich hiermit ganz wie mit der Kauf- und Verkaufszeit. Als Einheit innerhalb seiner Kreisl„ufe, als prozessierender Wert, sei es nun innerhalb der Produktionssph„re, sei es inner- halb der beiden Phasen der Zirkulationssph„re, existiert das Ka- pital nur ideell in der Gestalt des Rechengelds, zun„chst im Kopf des Warenproduzenten, resp. kapitalistischen Warenproduzenten. Durch die Buchfhrung, welche auch die Preisbestimmung oder die Berechnung der Warenpreise (Preiskalkulation) einbegreift, wird diese Bewegung fixiert und kontrolliert. Die Bewegung der Produk- tion und namentlich der Verwertung - wobei die Waren nur als Werttr„ger figurieren, als Namen von Dingen, deren ideelles Wert- dasein in Rechengeld fixiert ist - erh„lt so ein symbolisches Ab- bild in der Vorstellung. Solange der einzelne Warenproduzent ent- weder nur in seinem Kopf Buch fhrt (wie z.B. der Bauer; erst die kapitalistische Agrikultur produziert den Buch fahrenden P„chter) oder nur nebenbei, auáerhalb seiner Produktionszeit, ein Buch ber seine Ausgaben, Einnahmen, Zahlungstne usw. fhrt, solange ist es handgreiflich, daá diese seine Funktion und die Arbeits- mittell die er etwa dabei verbraucht, wie Papier usw., zus„tzli- chen Verbrauch von Arbeitszeit und Arbeitsznitteln darstellen, die #136# I. Abschnitt - Die Metmorphoun des Kap. und ihr Kreislauf ----- notwendig sind, aber einen Abzug bilden sowohl an der Zeit, die er produktiv verbrauchen kann, wie an den Arbeitsmitteln, die im wirklichen Produktionsprozeá fungieren, in die Produkt- und Wert- bildung eingehn. 12) Die Natur der Funktion selbst ver„ndert sich nicht, weder durch den Umfang, den sie dadurch erh„lt, daá sie in der Hand des kapitalistischen Warenproduzehten konzentriert wird und statt als Funktion vieler kleiner Warenproduzenten als die e i n e s Kapitalisten, als Funktion innerhalb eines Produkti- onsprozesses auf groáer Stufenleiter erscheint; noch durch ihre Losreiáung von den produktiven Funktionen, von denen sie ein Bei- werk bildete, und durch ihre Verselbst„ndigung als Funktion be- sondrer, ausschlieálich mit ihr betrauter Agenten. Die Teilung der Arbeit, die Verselbst„ndigung einer Funktion, macht sie nicht produkt- und wertbildend, wenn sie es nicht an sich, also schon vor ihrer Verselbst„ndigung ist. Legt ein Kapi- talist sein Kapital neu an, so muá er einen Teil im Ankauf eines Buchhalters etc. und in Mitteln der Buchfhrung anlegen. Ist sein Kapital bereits in Funktion, in seinem best„ndigen Reproduktions- prozeá begriffen, so muá er einen Teil des Warenprodukts, vermit- telst Verwandlung in Geld, best„ndig rckverwandeln in Buchhal- ter, Kommis u. dergl. Dieser Teil des Kapitals ist dem Produkti- onsprozeá entzogen und geh”rt zu den Zirkulationskosten, Abzugen am Gesamtertrag. (Eingeschlossen die Arbeitskraft selbst, die ausschlieálich auf diese Funktion verwendet wird.) Es findet jedoch ein gewisser Unterschied statt zwischen den aus der Buchfhrung entspringenden Kosten, resp. unproduktiven Ver- ausgabung von Arbeitszeit einerseits und denen der bloáen Kauf- und Verkaufszeit andrerseits. Die letztren entspringen nur aus der bestimmten gesellschaftlichen --- 12) Im Mittelalter finden wir die Buchfhrung fr AgrikuItur nur in den Kl”stern. Jedoch sah man (Buch I, p. 343 1*)), daá bereits in den uraltertrnlichen indischen Gemeinwesen ein Buchhalter ber die Agrikultur figuriert. Die Buchfhrung ist hier zur aus- schlieálichen Funktion eines Gemeindebeamten verselbst„ndigt. Durch diese Teilung der Arbeit werden Zeit, Mhe und Ausgaben er- spart, aber die Produktion und die Buchfhrung ber die Produk- tion bleiben ebenso verschiedne Dinge wie die Schiffsladung und der Ladeschein. Im Buchhalter ist ein Teil der Arbeitskraft der Gemeinde der Produktion entzogen, und die Kosten seiner Funktion werden nicht durch seine eigne Arbeit ersetzt, sondern durch einen Abmg vom Gemeindeprodukt. Wie mit dem Buchhalter der indi- schen Gemeinde, verh„lt es sich mutatis mutandis mit dem Buchhal- ter des Kapitalisten. (Aus Manuskript II.) ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 378 #137# 6. Kapitel - Die Zirkulationskosten ----- Form des Produktionsprozesses, daraus, daá er Produktionsprozeá von Ware ist. Die Buchfhrung als Kontrolle und ideelle Zusammen- fassung des Prozesses wird um so notwendiger, je mehr der Prozeá auf gesellschaftlicher Stufenleiter vorgeht und den rein indivi- duellen akter verliert; also notwendiger in der kapitalistischen Produktion als in der zersplitterten des Handwerks- und Bauernbe- triebs, notwendiger bei gemeinschaftlichen Produktion als bei ka- pitalistischer. Die Kosten der Buchfhrung reduzieren sich aber mit der Konzentration der Produktion und je mehr sie sich in ge- sellschaftliche Buchfhrung verwandelt. Es handelt sich hier nur um den allgemeinen Charakter der Zirkulations. kosten, die aus der bloáen formellen Metamorphose entspringen. Es ist hier ber- flssig, auf alle ihre Detailformen einzugehn. Wie aber der rei- nen Formverwandlung des Werts angeh”rige, also aus der bestimmten gesellschaftlichen Form des Produktionsprozesses entspringende Formen, die bei dem individuellen Warenproduzenten nur verschwin- dende und kaum bemerkbare Momente sind, neben seinen produktiven Funktionen herlaufen oder sich mit ihnen verschlingen - wie diese als massenhafte Zirkulationskosten die Augen frappieren k”nnen, sieht man beim bloáen Einnehmen und Ausgeben von Geld, sobald es als ausschlieáliche Funktion von Banken etc. oder des Kassierers in individuellen Gesch„ften, verselbst„ndigt und auf groáer Stu- fenleiter konzentriert ist. Was festzuhalten, ist, daá diese Zir- kulationskosten durch die ver„nderte Gestalt ihren Charakter nicht „ndern 3. Geld Ob ein Produkt als Ware oder nicht als Ware produziert wird, es ist stets stoffliche Gestalt von Reichtum, Gebrauchswert, be- stimmt, in die individuelle oder produktive Konsumtion einzugehn. Als Ware existiert sein Wert ideell im Preise, der an seiner wirklichen Gebrauchsgestalt nichts „ndert. Daá aber bestimmte Wa- ren, wie Gold und Silber, als Geld fungieren und als solche aus- schlieálich den Zirkulationsprozeá behausen (auch als Schatz, Re- serve etc. bleiben sie, obwohl latent, in der Zirkulations- sph„re), ist ein reines Produkt der bestimmten gesellschaftlichen Form des Produktionsprozesses, der Produktionsprozeá von Waren ist. Da auf Grundlage der kapitalistischen Produktion Ware die allgemeine Gestalt des Produkts wird, und die gr”áte Masse des Produkts als Ware produziert wird und daher die Geldform annehmen muá, da also die Warenmasse, der als Ware fungierende Teil des gesellschaftlichen Reichtums fortw„hrend w„chst - so nimmt hier auch der Umfang des als Zirkulationsmittel, Zahlungsmittel, Re- serve etc. #138# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- fungierenden Goldes und Silbers zu. Diese als Geld fungierenden Waren gehn weder in die individuelle noch in die produktive Kon- sumtion ein. Es ist gesellschaftliche Arbeit, in einer Form fi- xiert, worin sie als bloáe Zirkulationsmaschine dient. Auáerdem, daá ein Teil des gesellschaftlichen Reichtums in diese unproduk- tive Form gebannt ist, erheischt der Verschleiá des Geldes be- st„ndigen Ersatz desselben oder Umwandlung von mehr gesellschaft- licher Arbeit - in Produktform - in mehr Gold und Silber. Diese Ersatzkosten sind bei kapitalistisch entwickelten Nationen bedeu- tend, weil berhaupt der in Form des Gelds gebannte Teil des Reichtums umfangreich ist. Gold und Silber, als Geldwaren, bilden fr die Gesellschaft Zirkulationskosten, die nur aus der gesell- schaftlichen Form der Produktion entspringen. Es sind faux frais der Warenproduktion berhaupt, die mit der Entwicklung der Waren- produktion, und besonders der kapitalistischen Produktion, wach- sen. Es ist ein Teil des gesellschaftlichen Reichtums, der dem Zirkulationsprozeá geopfert werden muá. 13) --- 13) "Das in einem Lande zirkulierende Geld ist ein bestimmter Teil des Kapitals des Landes, der produktiven Zwecken v”llig ent- zogen ist, um die Produktivit„t des Restes zu erleichtern oder zu steigern; ein gewisser Anteil des Reichtums ist deshalb ebenso n”tig, um Gold zum zirkulierenden Medium zu machen, wie er not- wendig ist, um eine Maschine zu machen, die jede andere Produk- tion erleichtern soll," ("Economist", vol. V, p. 520.) #138# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- II. Aufbewahrungskosten Zirkulationskosten, die aus dem bloáen Formwechsel des Werts, aus der Zirkulation ideell betrachtet, hervorgehn, gehn nicht in den Wert der Waren ein. Die in ihnen verausgabten Kapitalteile bilden bloáe Abzge von dem produktiv verausgabten Kapital, soweit der Kapitalist betrachtet wird. Von andrer Natur sind die Zirkulati- onskosten, die wir jetzt betrachten. Sie k”nnen aus Produktions- prozessen entspringen, die nur in der Zirkulation fortgesetzt werden, deren produktiver Charakter also durch die Zirkulations- form nur versteckt ist. Sie k”nnen andrerseits, gesellschaftlich betrachtet, bloáe Kosten, unproduktive Verausgabung, sei es le- bendiger, sei es vergegenst„ndlichter Arbeit sein, aber doch eben dadurch fr den individuellen Kapitalisten wertbildend wirken, einen Zusatz zum Verkaufspreis seiner Ware bilden. Dies folgt schon daraus, daá diese Kosten in verschiednen Produktionssph„ren und stellenweise fr verschiedne individuelle Kapitale innerhalb derselben Produktionssph„re verschieden sind. Durch ihren #139# 6. Kapitel - Die Zirkulationskosten ----- Zusatz zum Preis der Ware werden sie in dem Maá verteilt, worin sie auf die individuellen Kapitalisten fallen. Aber alle Arbeit, die Wert zusetzt, kann auch Mehrwert zusetzen und wird auf kapi- talistischer Grundlage immer Mehrwert zusetzen, da der Wert, den sie bildet, von ihrer eignen Gr”áe, der Mehrwert, den sie bildet, von dem Umfang abh„ngt, worin der Kapitalist sie bezahlt, Kosten also, die die Waren verteuern, ohne ihr Gebrauchswert zuzusetzen, fr die Gesellschaft also zu den faux frais der Produktion geh”- ren, k”nnen fr den individuellen Kapitalisten Quelle der Berei- cherung bilden. Andrerseits, soweit der Zusatz, den sie dem Preis der Ware hinzufgen, diese Zirkulationskosten nur gleichm„áig verteilt, h”rt ihr unproduktiver Charakter dadurch nicht auf. Z.B. Assekuranzgesellschaften verteilen die Verluste individuel- ler Kapitalisten unter die Kapitalistenklasse. Dies verhindert jedoch nicht, daá die so ausgeglichnen Verluste nach wie vor, das gesellschaftliche Gesamtkapital betrachtet, Verluste sind. 1. Vorratbildung berhaupt W„hrend seines Daseins als Warenkapital oder seines Aufenthalts auf dem Markt, also solange es sich in dem Intervall befindet zwischen dem Produktionsprozeá, aus dem es herauskommt, und dem Konsumtionsprozeá, in den es eingeht, bildet das Produkt Waren- vorrat. Als Ware auf dem Markt, und daher in der Gestalt des Vor- rats, erscheint das Warenkapital doppelt in jedem Kreislauf, ein- mal als Warenprodukt des prozessierenden Kapitals selbst, dessen Kreislauf betrachtet wird; das andre Mal dagegen als Warenprodukt eines andren Kapitals, das sich auf dem Markt vorfinden muá, um gekauft und in produktives Kapital verwandelt zu werden. Aller- dings ist es m”glich, daá dies letztre Warenkapital erst auf Be- stellung produziert wird. Dann findet Unterbrechung statt, so- lange bis es produziert ist. Der Fluá des Produktions- und Repro- duktionsprozesses erheischt jedoch, daá eine Masse Waren (Produktionsmittel) sich best„ndig auf dem Markt vorfindet, also Vorrat bildet. Ebenso umfaát das produktive Kapital den Ankauf der Arbeitskraft, und die Geldform ist hier nur die Wertform von Lebensmitteln, die der Arbeiter groáenteils auf dem Markt vorfin- den muá. Wir gehn im Fortgang dieses Paragraphen n„her hierauf ein. Hier ist bereits dieser Punkt gewonnen. Stellen wir uns auf den Standpunkt des prozessierenden Kapitalwerts, der sich in Wa- renprodukt verwandelt hat und nun verkauft oder in Geld rckver- wandelt werden muá, der also jetzt als Warenkapital auf dem Markt fungiert, so ist der Zustand, worin es Vorrat bildet, ein zweck- widriger unfreiwilliger Aufenthalt auf dem #140# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- Markt. Je rascher verkauft, desto flssiger der Reproduktionspro- zeá. Der Aufenthalt in der Formverwandlung W'-G' hindert den re- alen Stoffwechsel, der im Kreislauf des Kapitals vorgehn muá, wie seine weitere Funktion als produktives Kapital. Andrerseits fr G-W erscheint das best„ndige Vorhandensein der Ware auf dem Markt, der Warenvorrat, als Bedingung des Flusses des Reprodukti- onsprozesses wie der Anlage von neuem oder zus„tzlichem Kapital. Das Verharren des Warenkapitals als Warenvorrat auf dem Markt erheischt Baulichkeiten, Magazine, Reservoirs der Waren, Warenla- ger, also Auslage von konstantem Kapital; ebenso Zahlung von Ar- beitskr„ften zur Einmagazinierung der Waren in ihre Reservoirs. Auáerdem verderben die Waren und sind sch„dlichen elementaren Einflssen ausgesetzt. Zum Schutz davor ist zus„tzliches Kapital auszulegen, teils in Arbeitsmitteln, in gegenst„ndlicher Form, teils in Arbeitskraft. 14) Das Dasein des Kapitals in seiner Form als Warenkapital und daher als Warenvorrat verursacht also Kosten, die, da sie nicht der Produktionssph„re angeh”ren, zu den Zirkulationskosten z„hlen. Diese Zirkulationskosten unterscheiden sich von den sub I aufge- fhrten dadurch, daá sie in gewissem Umfang in den Wert der Waren eingehn, also die Ware verteuern. Unter allen Umst„nden sind Ka- pital und Arbeitskraft, die zur Erhaltung und Aufbewahrung des Warenvorrats dienen, dem direkten Produktionsprozeá entzogen. Andrerseits mssen die hier angewandten Kapitale, Arbeitskraft eingerechnet, als Bestandteil des Kapitals, aus dem gesellschaft- lichen Produkt ersetzt werden. Ihre Auslage wirkt daher wie eine Verminderung der Produktionskraft der Arbeit, so daá ein gráres Quantum Kapital und Arbeit erheischt ist, um einen bestimmten Nutzeffekt zu erzielen. Es sind U n k o s t e n. Soweit nun die durch die Bildung des Warenvorrats bedingten Zir- kulationskosten nur aus der Zeitdauer der Verwandlung vorhandner Werte aus Warenform in Geldform, also nur aus der bestimmten ge- sellschaftlichen --- 14) Corbet berechnet 1841 die Kosten der Weizenaufspeicherung fr eine Saison von 9 Monaten auf 1/2 % Verlust an Quantit„t, 3% fr Zins auf den Weizenpreis, 2% fr Lagermiete, 1% Schtteln und Fuhrlohn, 1/2 % Ablieferungsarbeit, zusammen 7% oder, bei einem Weizenpreis von 50 sh., 3 sh. 6 d. per Quarter. (Th. Corbet, "An Inquiry into the Causes and Modes of the Wealth of Individuals etc.", London 1841, [p. 140].) Nach den Aussagen von Liverpooler Kaufleuten vor der Eisenbahnkommission betrugen die (reinen) Un- kosten der Getreideaufspeicherung 1865 monatlich 2 d. per Qmrter oder 9-10 d. per Tonne. ("Royal Commission on Railways", 1867, Evidence, p. 19, Nr. 331.) #141# 6. Kapitel - Die Zirkulationskosten ----- Form des Produktionsprozesses entspringen (nur daraus, daá das Produkt als Ware produziert wird und daher auch die Verwandlung in Geld durchmachen muá) - teilen sie ganz den Charakter der sub I aufgez„hlten Zirkulationskosten. Andrerseits wird der Wert der Waren hier nur konserviert, resp. vermehrt, weil der Gebrauchs- wert, das Produkt selbst, unter bestimmte gegenst„ndliche Bedin- gungen versetzt wird, die Kapitalauslage kosten, und Operationen unterworfen wird, die zus„tzliche Arbeit auf die Gebrauchswerte wirken lassen. Die Berechnung der Warenwerte, die Buchfhrung ber diesen Prozeá, die Kauf- und Verkaufsh„ndel dagegen wirken nicht auf den Gebrauchswert, worin der Warenwert existiert. Sie haben es nur mit seiner Form zu tun. Obgleich daher in dem vor- ausgesetzten Fall diese Unkosten der Vorratbildung (die hier un- freiwillig ist) bloá aus einem Aufenthalt der Formverwandlung und aus der Notwendigkeit derselben entspringen, so unterscheiden sie sich dennoch von den Unkosten sub I dadurch, daá ihr Gegenstand selbst nicht die Formverwandlung des Werts, sondern die Erhaltung des Werts ist, der in der Ware, als Produkt, Gebrauchswert, exi- stiert und daher nur durch die Erhaltung des Produkts, des Ge- brauchswerts selbst erhalten werden kann. Der Gebrauchswert wird hier weder erh”ht noch vermehrt, im Gegenteil, er nimmt ab. Aber seine Abnahme wird beschr„nkt, und er wird erhalten. Auch der vorgeschoáne, in der Ware existierende Wert wird hier nicht er- h”ht. Aber neue Arbeit, vergegenst„ndlichte und lebendige, wird hinzugesetzt. Es ist nun weiter zu untersuchen, wieweit diese Unkosten aus dem eigentmlichen Charakter der Warenproduktion berhaupt und der Warenproduktion in ihrer allgemeinen, absoluten Form hervorgehn, d.h. der kapitalistischen Warenproduktion; wieweit sie andrer- seits aller gesellschaftlichen Produktion gemeinsam sind und hier nur innerhalb der kapitalistischen Produktion eine besondre Ge- stalt annehmen, eine besondre Erscheinungsform. A. Smith hat die fabelhafte Ansicht aufgestellt, daá die Vorrat- bildung ein der kapitalistischen Produktion eigentmliches Ph„no- men sei. 15) Neuere ™konomen, z.B. Lalor, behaupten umgekehrt, daá sie mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktion ab- nimmt. Sismondi betrachtet dies sogar als eine Schattenseite der letztren. [10] In der Tat existiert der Vorrat in drei Formen: in der Form des produktiven Kapitals, in der Form des individuellen Konsumtions- fonds und in Form des Warenvorrats oder Warenkapitals. Der Vorrat in der einen Form --- 15) Book II, Introduction. #142# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- nimmt relativ ab, wenn er in der andren Form zunimmt, obgleich er seiner absoluten Gr”áe nach in allen drei Formen gleichzeitig wachsen mag. Es ist von vornherein klar, daá, wo die Produktion direkt auf dir, Befriedigung des Selbstbedarfs gerichtet ist und nur zum ge- ringem Teil fr den Austausch oder Verkauf produziert wird, also das gesellschaftliche Produkt gar nicht oder nur zum kleinern Teil die Form der Ware anninunt, der Vorrat in der Form der Ware oder Warenvorrat nur einen geringen und verschwindenden Teil des Reichtums bildet. Der Konsumtionsfonds ist aber hier relativ groá, namentlich der eigentlichen Lebensmittel. Man hat nur al- tertmliche Bauernwirtschaft anzusehn. Ein berwiegender Teil des Produkts verwandelt sich hier unmittelbar, ohne Warenvorrat zu bilden - eben weil er in der Hand seines Besitzers bleibt - in vorr„tige Produktionsmittel oder Lebensmittel. Er nimmt nicht die Form des Warenvorrats an, und eben deswegen existiert in Gesell- schaften, die auf solcher Produktions weise gegrndet sind, nach A. Smith kein Vorrat. A. Smith verwechselt die Form des Vorrats mit dem Vorrat selbst und glaubt, daá die Gesellschaft bisher von der Hand in den Mund lebte oder sich auf den Zufall des folgenden Tages verlieá. 16) Es ist ein kindisches Miáverst„ndnis. Vorrat in der Form des produktiven Kapitals existiert in der Form von Produktionsmitteln, die sich bereits im Produktionsprozeá be- finden oder wenigstens in der Hand des Produzenten, also latent schon im Produktionsprozeá. Man hat frher gesehn, daá mit der: Entwicklung der Produktivit„t --- 16) Statt daá, wie A. Smith w„hnt, die Vorratbildung erst ent- springt aus der Verwandlung des Produkts in Ware und des Konsum- tionsvorrats in Warenvorrat, verursacht umgekehrt dieser Form- wechsel w„hrend des šbergangs aus der Produktion fr den Selbst- bedarf in die Warenproduktion die heftigsten Krisen in der ™kono- mie der Produzenten. In Indien erhielt sich z.B. bis auf die al- lerneueste Zeit die Gewohnheit, das Getreide, wofr in Jahren des šberflusses wenig zu haben war, massenhaft aufzuspeichern". ("Return, Bengal and Orissa Famine. H. of C. 1867", I, p. 230, 231, Nr.74.) Die durch den Amerikanischen Brgerkrieg pl”tzlich gesteigerte Nachfrage nach Baumwolle, Jute etc. veranlaáte in vielen Teilen Indiens groáe Einschr„nkung des Reisbaus, Steigen der Reispreise und Verkauf der alten Reisvorr„te der Produzenten. Dazu kam noch 1864-1866 beispiellose Ausfuhr von Reis nach Au- stralien, Madagaskar etc. Daher der akute Charakter der Hungers- not von 1866, die im Distrikt von Orissa allein eine Million Men- schen wegraffte. (l.c. 174, 175, 213, 214 und III: "Papers rela- ting to the Famine in Behar", p. 32, 33, wo unter den Ursachen der Hungersnot der drain of old stock 1*) betont wird. (Aus Manu- skript II.) ----- 1*) Abfluá des alten Vorrats #143# 6. Kapitel - Die Zirkulationskosten ----- der Arbeit, also auch mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise - welche die gesellschaftliche Produktivkraft der Arbeit mehr entwickelt als alle frheren Produktionsweisen -, die Masse der in der Form von Arbeitsmitteln dem Prozeá ein fr allemal einverleibten und stets wiederholt, w„hrend l„ngrer oder krzrer Periode in ihm fungierenden Produktionsmittel (Geb„ude, Maschinen etc.) best„ndig w„chst, und daá ihr Wachstum sowohl Voraussetzung wie Wirkung der Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit ist. Das nicht nur absolute, sondern relative Wachstum des Reichtums in dieser Form (vergl. Buch I, Kap. XXIII, 2.) charakterisiert vor allem die kapitalistische Produktionsweise. Die stofflichen Existenzformen des konstanten Kapitals, die Produktionsmittel, bestehn aber nicht nur aus der- artigen Arbeitsmitteln, sondern auch aus Arbeitsmaterial auf den verschiedensten Stufen der Verarbeitung und aus Hilfsstoffen. Mit der Stufenleiter der Produktion und der Steigerung der Produktiv- kraft der Arbeit durch Kooperation, Teilung, Maschinerie usw. w„chst die Masse des Rohmaterials, der Hilfsstoffe etc., die in den t„glichen Reproduktionsprozeá eingehn. Diese Elemente mssen in der Produktionsst„tte bereitliegen. Der Umfang dieses in der Form von produktivem Kapital existierenden Vorrats w„chst also absolut. Damit der Prozeá flieáe - ganz davon abgesehn, ob dieser Vorrat t„glich oder nur in bestimmten Terminen erneuert werden kann -, muá stets mehr Anh„ufung von Rohstoff etc. in der Produk- tionsst„tte bereitliegen, als z.B. t„glich oder w”chentlich ver- braucht wird. Die Kontinuit„t des Prozesses erheischt, daá das Dasein seiner Bedingungen weder abh„nge von m”glicher Unterbre- chung bei t„glichen Eink„ufen, noch davon, daá das Warenprodukt t„glich oder w”chentlich verkauft werde und daher nur unregelm„- áig in seine Produktionselemente rckverwandelbar sei. Indes kann offenbar das produktive Kapital in sehr verschiednem Umfang la- tent sein oder Vorrat bilden. Es macht z.B. groáen Unterschied, ob der Spinner Baumwolle oder Kohlen fr drei Monate oder fr einen parat liegen haben muá. Man sieht, daá dieser Vorrat rela- tiv abnehmen kann, obgleich er absolut zunimmt. Es h„ngt dies von verschiednen Bedingungen ab, die alle im we- sentlichen hinauskommen auf die gr”áre Geschwindigkeit, Regelm„- áigkeit und Sicherheit, womit die n”tige Masse von Rohstoff stets so zugefhrt werden kann, daá nie Unterbrechung entsteht. Je we- niger diese Bedingungen erfllt sind, je geringer also Sicher- heit, Regelm„áigkeit und Geschwindigkeit der Zufuhr, desto gr”áer muá der latente Teil des produktiven Kapitals, d.h. der noch seine Verarbeitung erwartende Vorrat von Rohstoffen usw. in der Hand des Produzenten sein. Diese Bedingungen stehn im umgekehrten #144# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- Verh„ltnis zur Entwicklungsh”he der kapitalistischen Produktion und daher der Produktivkraft der gesellschaftlichen Arbeit. Also auch der Vorrat in dieser Form. Indes ist das, was hier als Abnahme des Vorrats erscheint (z.B. bei Lalor), zum Teil nur Abnahme des Vorrats in der Form des Wa- renkapitals oder des eigentlichen Warenvorrats; also bloá Form- wechsel desselben Vorrats. Ist z.B. die Masse Kohlen, die t„glich im Lande selbst produziert wird, also Umfang und Energie der Koh- lenproduktion, groá, so braucht der Spinner kein groáes Kohlenla- ger, um die Kontinuit„t seiner Produktion zu sichern. Die best„n- dige sichere Erneuerung der Kohlenzufuhr macht dies berflssig. Zweitens: Die Geschwindigkeit, womit das Produkt eines Prozesses als Produktionsmittel in einen andren Prozeá bergehn kann, h„ngt ab von der Entwicklung der Transport- und Kommunikationsmittel. Die Wohlfeilheit des Transports spielt groáe Rolle dabei. Der be- st„ndig erneuerte Transport z.B. von Kohlen von der Grube zur Spinnerei w„re teurer als die Versorgung mit einer gr”áren Koh- lenmasse fr l„ngre Zeit bei relativ wohlfeilerm Transport. Diese beiden bisher betrachteten Umst„nde gehn aus dem Produktionspro- zeá selbst hervor. Drittens wirkt ein die Entwicklung des Kredit- systems. Je weniger der Spinner fr Erneuerung seiner Vorr„te an Baumwolle, Kohle etc. vom unmittelbaren Verkauf seines Garns ab- h„ngt und je entwickelter das Kreditsystem, je geringer ist diese unmittelbare Abh„ngigkeit -, desto kleiner kann die relative Gr”áe dieser Vorr„te sein, um eine von den Zufallen des Garnver- kaufs unabh„ngige kontinuierliche Garnproduktion auf gegebener Stufenleiter zu sichern. Viertens aber bedrfen viele Rohstoffe, Halbfabrikate etc. der Zeitperioden zu ihrer Produktion, und na- mentlich gilt dies von allen Rohstoffen, die die Agrikultur lie- fert. Soll keine Unterbrechung des Produktionsprozesses stattfin- den, so muá also ein bestimmter Vorrat derselben vorhanden sein fr den ganzen Zeitabschnitt, worin Neuprodukt nicht die Stelle des alten ersetzen kann. Nimmt dieser Vorrat ab in der Hand des industriellen Kapitalisten, so beweist das nur, daá er in der Form des Warenvorrats in der Hand des Kaufmanns zunimmt. Die Ent- wicklung der Transportmittel z.B. gestattet, die im Importhafen liegende Baumwolle rasch von Lverpool nach Manchester berzufh- ren, so daá der Fabrikant, je nach Bedarf, in relativ kleinen Portionen seinen Baumwollvorrat erneuern kann. Aber dann liegt dieselbe Baumwolle in um so gr”áren Massen als Warenvorrat in der Hand von Kaufleuten zu Liverpool. Es ist also bloáer Formwechsel des Vorrats, was Lalor und andre bersehn haben. Und das gesell- schaftliche Kapital betrachtet, der sich hier nach wie vor die- selbe Produktmuse in der Form des Vorrats. Fr ein #145# 6. Kapitel - Die Zirkulationskosten ----- einzelnes Land nimmt der Umfang, worin z.B. die fr das Jahr n”- tige Masse bereit sein muá, ab mit der Entwicklung der Transport- mittel. Gehn viele Dampf- und Segelschiffe zwischen Amerika und England, so vermehren sich die Gelegenheiten der Erneuerung des Baumwollvorrats fr England und nimmt also die Masse des Baum- wollvorrats ab, die durchschnittlich in England lagern muá. Ebenso wirkt die Entwicklung des Weltmarkts und daher die Ver- vielfachung der Bezugsquellen desselben Artikels. Der Artikel wird stckwels von verschiednen L„ndern und in verschiednen Zeit- terminen zugefhrt. 2. Eigentlicher Warenvorrat Man hat bereits gesehn: Auf Grundlage der kapitalistischen Pro- duktion wird die Ware zur allgemeinen Form des Produkts, und je mehr jene sich nach Umfang und Tiefe entwickelt, desto mehr. Es existiert also - selbst bei gleichem Umfang der Produktion - ein ungleich gr”árer Teil des Produkts als Ware, im Vergleich, sei es zu frhern Produktionsweisen, sei es zur kapitalistischen Produk- tionsweise auf minder entwickeltem Grad. Alle Ware aber - also auch alles Warenkapital, welches nur Ware ist, aber Ware als Da- seinsform des Kapitalwerts -, soweit sie aus ihrer Produktions- sph„re nicht unmittelbar in die produktive oder individuelle Kon- sumtion eingeht, also im Intervall auf dem Markt sich befindet, bildet ein Element des Warenvorrats. An und fr sich - bei gleichbleibendem Umfang der Produktion - w„chst daher der Waren- vorrat (d.h. diese Verselbst„ndigung und Fixierung der Warenform des Produkts) mit der kapitalistischen Produktion. Man hat be- reits gesehn, daá dies nur Formwechsel des Vorrats ist, d.h. daá auf der einen Seite der Vorrat in Warenform zunimmt, weil er auf der andren Seite in der Form von direktem Produktions- oder Kon- sumtionsvorrat abnimmt. Es ist nur eine ver„nderte gesellschaft- liche Form des Vorrats. Wenn zugleich nicht nur die relative Gr”áe des Warenvorrats im Verh„ltnis zum gesellschaftlichen Ge- samtprodukt zunimmt, sondern auch seine absolute Gr”áe, so, weil mit der kapitalistischen Produktion die Masse des Gesamtprodukts w„chst. Mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktion wird die Stu- fenleiter der Produktion in stets geringrem Grad durch die unmit- telbare Nachfrage nach dem Produkt bestimmt, und in stets gr”árem durch den Umfang des Kapitals, worber der individuelle Kapita- list verfgt, durch den Verwertungstrieb seines Kapitals und die Notwendigkeit der Kontinuit„t und der Ausdehnung seines Produkti- onsprozesses. Damit w„chst notwendig in jedem besondren Produkti- onszweig die Produktmasse, die sich als Ware #146# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- auf dem Markt befindet oder nach Absatz sucht. Es w„chst die in der Form des Warenkapitals krzer oder l„nger fixierte Kapital- masse. Es w„chst daher der Warenvorrat. Endlich wird der gr”áte Teil der Gesellschaft in Lohnarbeiter verwandelt, Leute, die aus der Hand in den Mund leben, ihren Lohn w”chentlich empfangen und t„glich ausgeben, die also ihre Lebens- mittel als Vorrat vorfinden mssen. So sehr die einzelnen Ele- mente dieses Vorrats flieáen m”gen, muá ein Teil derselben be- st„ndig stocken, damit der Vorrat stets in Fluá bleiben kann. Alle diese Momente gehn hervor aus der Form der Produktion und der in ihr einbegriffenen Formverwandlung, die das Produkt im Zirkulationsprozeá durchlaufen muá. Welches immer die gesellschaftliche Form des Produktenvorrats, seine Aufbewahrung erfordert Kosten: Baulichkeiten, Gef„áe usw., welche die Beh„lter des Produkts bilden; ebenso Produktionsmittel und Arbeit, mehr oder weniger je nach der Natur des Produkts, die verausgabt werden mssen zur Abwehr st”render Einflsse. Je mehr die Vorr„te gesellschaftlich konzentriert, desto relativ kleiner sind diese Kosten. Diese Auslagen bilden stets einen Teil gesell- schaftlicher Arbeit, sei es in vergegenst„ndlichter oder lebendi- ger Form - also in der kapitalistischen Form Kapitalauslagen -, die nicht in die Produktbildung selbst eingehn, also Abzge vom Produkt. Sie sind notwendig, Unkosten des gesellschaftlichen Reichtums. Sie sind die Erhaltungskosten des gesellschaftlichen Produkts, ob seine Existenz als Element des Warenvorrats nun bloá der gesellschaftlichen Form der Produktion, also der Warenform und ihrer notwendigen Formverwandlung entspringe, oder ob wir den Warenvortat nur als eine Spezialform des Produktenvorrats be- trachten, der allen Gesellschaften gemeinsam, wenn auch nicht in der Form des W a r e n vorrats, dieser dem Zirkulationsprozeá angeh”rigen Form des Produktenvorrats. Es fragt sich nun, wieweit diese Kosten in den Wert der Waren eingehn. Wenn der Kapitalist sein in Produktionsmitteln und Arbeitskraft vorgeschoánes Kapital in Produkt verwandelt hat, in eine fertige zum Verkauf bestimmte Warenmasse, und diese bleibt unverk„uflich lagern, so stockt nicht nur der Verwertungsprozeá seines Kapitals w„hrend dieser Zeit. Die Ausgaben, welche die Erhaltung dieses Vorrats in Baulichkeiten, zus„tzlicher Arbeit etc. erheischt, bilden positiven Verlust. Der schlieáliche K„ufer wrde ihn aus- lachen, wenn er sagte: Meine Ware war w„hrend sechs Monaten un- verkaufbar, und ihre Erhaltung w„hrend dieser sechs Monate #147# 6. Kapitel - Die Zirkulationskosten ----- hat mir nicht nur soundso viel Kapital brachgelegt, sondern au- áerdem x Unkosten verursacht. Tant pis pour vous 1*), sagt der K„ufer. Da neben Euch steht ein andrer Verk„ufer, dessen Ware erst vorgestern fertig geworden ist. Eure Ware ist ein Ladenhter und wahrscheinlich mehr oder minder angenagt vom Zahn der Zeit. Ihr mát also wohlfeller verkaufen als Euer Rival. - Ob der Wa- renproduzent der wirkliche Produzent seiner Ware oder ihr kapita- listischer Produzent, in der Tat also nur Repr„sentant ihrer wirklichen Produzenten, „ndert nichts an den Lebensbedingungen der Ware. Er hat seine Sache in Geld zu verwandeln. Die Unkosten, die ihre Fixierung in ihrer Warenform ihm verursacht, geh”ren zu seinen individuellen Abenteuern, die den K„ufer der Ware nichts angehn. Dieser zahlt ihm nicht die Zirkulationszeit seiner Ware. Selbst wenn der Kapitalist seine Ware absichtlich vom Markt zu- rckh„lt, in Zeiten wirklicher oder vermuteter Wertrevolution, so h„ngt es ab vom Eintreffen dieser Wertrevolution, von der Rich- tigkeit oder Unrichtigkeit seiner Spekulation, ob er die zus„tz- lichen Unkosten realisiert. Aber die Wertrevolution ist keine Folge seiner Unkosten. Soweit also die Vorratbildung Zirkulati- onsstockung, setzen die dadurch verursachten Kosten der Ware kei- nen Wert zu. Andrerseits kann kein Vorrat vorhanden sein ohne Aufenthalt in der Zirkulationssph„re, ohne Verharren, l„nger oder krzer, des Kapitals in seiner Warenform; also kein Vorrat ohne Zirkulationsstockung, ganz wie kein Geld zirkulieren kann ohne Geldreservebildung. Also ohne den Warenvorrat keine Warenzirkula- tion. Tritt diese Notwendigkeit dem Kapitalisten nicht in W'-G', so tritt sie ihm in G-W entgegen, nicht fr sein Warenkapital, aber fr das Warenkapital andrer Kapitalisten, die Produktions- mittel fr ihn und Lebensmittel fr seine Arbeiter produzieren. Ob die Vorratbildung freiwillig oder unfreiwillig, d.h. ob der Warenproduzent absichtlich einen Vorrat h„lt oder ob seine Waren Vorrat bilden infolge des Widerstands, den die Umst„nde des Zir- kulationsprozesses selbst ihrem Verkauf entgegenstellen, scheint an dem Wesen der Sache nichts „ndern zu k”nnen. Doch ist zur L”- sung dieser Frage ntzlich zu wissen, was die freiwillige von der unfreiwilligen Vorrathildung unterscheidet. Die unfreiwillige Bildung des Vorrats entspringt aus, oder ist identisch mit einer Zirkulationsstockung, die vom Wissen des Warenproduzenten unab- h„ngig ist und seinem Willen in die Quere kommt. Was charakteri- siert die freiwillige Vorratbildung? Nach wie vor sucht der Ver- k„ufer seine Ware so rasch wie m”glich loszuschlagen. Er bietet stets das Produkt als --- 1*) Um so schlimmer fr Euch #148# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- Ware feil. Entz”ge er es dem Verkauf, so bildete es nur m”gliches kein effektives (???????) Element des Warenvorrats. Die Ware als solche ist ihm nach wie vor nur Tr„ger ihres Tauschwerts, und als solcher kann sie nur wirken durch und nach Abstreifung ihrer Wa- renform und Annahme der Geldform. Der Warenvorrat muá einen ge- wissen Umfang haben, um w„hrend einer gegebnen Periode zu gengen fr den Umfang der Nachfrage. Es wird dabei gerechnet auf best„n- dige Ausdehnung des Kreises der K„ufer. Um z.B. w„hrend eines Tags auszureichen, muá ein Teil der auf dem Markt befindlichen Waren best„ndig in der Warenform ausharren, w„hrend der andre flieát, sich in Geld verwandelt. Der Teil, der stockt, w„hrend der andre flieát, nimmt zwar best„ndig ab, wie der Umfang des Verrats selbst abnimmt, bis er schlieálich ganz verkauft ist. Die Warenstockung ist hier also berechnet als notwendige Bedingung des Verkaufs der Ware. Der Umfang muá ferner gr”áer sein als der mittlere Verkauf oder der Umfang der nuttleren Nachfrage. Die šberschsse ber dieselben k”nnten sonst nicht befriedigt werden. Andrerseits muá der Vorrat best„ndig erneuert werden, weil er sich best„ndig aufl”st. Diese Erneuerung kann in letzter Innz nur aus der Produktion herkommen, aus einer Zufuhr von Ware. Ob diese vom Ausland kommt oder nicht, „ndert nichts an der Sache. Die Er- neuerung h„ngt ab von den Perioden, die die Waren zu ihrer Repro- duktion brauchen. W„hrend dieser Zeit muá der Warenvorrat ausrei- chen. Daá er nicht in der Hand des ursprnglichen Produzenten bleibt, sondern durch verschiedne Reservoirs l„uft, vom groáen Kaufmann bis zum Detallverk„ufer, „ndert nur die Erscheinung, nicht die Sache selbst. Gesellschaftlich betrachtet, befindet sich nach wie vor ein Teil des Kapitals in der Form des Warenvor- rats, solange die Ware nicht in die produktive oder individuelle Konsumtion eingegangen ist. Der Produzent selbst sucht einen sei- ner durchschnittlichen Nachfrage entsprechenden Lagerbestand zu haben, um nicht un mittelbar von der Produktion abzuh„ngen, und um sich einen best„ndigen Kreis von Kunden zu sichern. Den Pro- duktionsperioden entsprechend bilden sich Kauftermine und bildet die Ware w„hrend l„ngrer oder kurzrer Zeit Vorrat, bis sie durch neue Exemplare derselben Art ersetzt werden kann. Nur durch diese Vorratbildung ist die Best„ndigkeit und Kontinuit„t des Zirkula- tionsprozesses, und daher des Reproduktionsprozesses, der 1*) den Zirkulationsprozeá einschlieát, gesichert. Man muá sich erinnern: W'-G' kann fr den Produzenten von W vollzogen ----- 1*) 1. und 2. Auflage: die #149# 6. Kapitel - Die Zirkulationskosten ----- sein, obgleich W sich noch auf dem Markt befindet. Wollte der Produzent selbst seine eigne Ware auf Lager halten, bis sie an den definitiven Konsumenten verkauft ist, so máte er ein doppel- tes Kapital in Bewegung setzen, eins als Produzent der Ware, das andre als Kaufmann. Fr die Ware selbst - betrachtet, sei es als einzelne Ware oder als Bestandteil des gesellschaftlichen Kapi- tals - „ndert es nichts an der Sache, ob die Kosten der Vorrat- bildung auf ihren Produzenten fallen oder auf eine Reihe Kauf- leute von A bis Z. Soweit der Warenvorrat nichts ist als die Warenform des Vorrats, der auf gegebner Stufenleiter der gesellschaftlichen Produktion entweder als produktiver Vorrat (latenter Produktionsfonds) oder als Konsumtionsfonds (Reserve von Konsumtionsmitteln) existieren wrde, wenn er nicht als Warenvorrat existierte, sind auch die Kosten, die die Erhaltung des Vorrats erheischt, also die Kosten der Vorratbildung - d.h. die hierauf verwandte vergegenst„nd- lichte oder lebendige Arbeit - bloá transportierte Kosten der Er- haltung, sei es des gesellschaftlichen Produktionsfonds, sei es des gesellschaftlichen Konsumtionsfonds. Die Erh”hung des Werts der Ware, die sie verursachen, verteilt diese Kosten nur pro rata auf die verschiednen Waren, da dieselben fr verschiedne Waren- sorten verschieden sind. Nach wie vor bleiben Kosten der Vorrat- bildung Abzge von dem gesellschaftlichen Reichtum, obgleich sie eine Existenzbedingung desselben sind. Nur soweit der Warenvorrat Bedingung der Warenzirkulation und selbst eine in der Warenzirkulation notwendig entstandne Form ist, soweit diese scheinbare Stagnation also Form des Flusses selbst, ganz wie Bildung von Geldreserve Bedingung der Geldzirku- lation ist - nur soweit ist sie normal. Sobald dagegen die in ih- ren Zirkulationsreservoirs verweilenden Waren der nacheilenden Welle der Produktion nicht Platz machen, die Reservoirs also berfllt werden, dehnt sich der Warenverrat aus infolge der Zir- kulationsstockung, ganz wie die Sch„tze wachsen, wenn die Geld- zirkulation stockt. Es ist dabei gleichgltig, ob diese Stockung in den Speichern des industriellen Kapitalisten oder in den La- gerh„usern des Kaufmanns stattfindet. Der Warenvorrat ist dann nicht Bedingung des ununterbrochnen Verkaufs, sondern Folge der Unverk„uflichkeit dei Waren. Die Kosten bleiben dieselben, aber, da sie jetzt rein aus der Form entspringen, n„mlich aus der Not- wendigkeit, die Waren in Geld zu verwandeln, und der Schwierig- keit dieser Metamorphose, so gehn sie nicht ein in den Wert der Ware, sondern bilden Abzge, Wertverlust in der Realisierung des Werts. Da die normale und die anormale Form des Vorrats sich der Form nach nicht unterscheiden, und beides Zirkulationsstockungen sind, so k”nnen die Ph„nomene verwechselt #150# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- werden und um so mehr den Produktionsagenten selbst t„uschen, als fr den Produzenten der Zirkulationsprozeá seines Kapitals flie- áen kann, obgleich der Zirkulationsprozeá seiner Waren, die in die H„nde der Kaufleute bergegangen sind, stockt. Schwillt der Umfang der Produktion und Konsumtion, so, bei sonst gleichblei- benden Umst„nden, der Umfang des Varenvorrats. Er wird ebenso rasch erneuert und absorbiert, aber sein Umfang ist gr”áer. Der durch die Zirkulationsstockung schwellende Umfang des Warenvor- rats kann also fr ein Symptom der Erweitrung des Reproduktions- prozesses versehn werden, namentlich, sobald mit der Entwicklung des Kreditsystems die wirkliche Bewegung mystifiziert werden kann. Die Kosten der Vorratbildung bestehn 1. aus quantitativer Abnahme der Produktmasse (z.B. bei Mehlvorrat), 2. Verderb der Qualit„t; 3. aus der vergegenst„ndlichten und lebendigen Arbeit, welche die Erhaltung des Vorrats erheischt. #150# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- III. Transportkosten Es ist nicht n”tig, hier auf alle Details der Zirkulationskosten einzugehn, wie z.B. Verpackung, Sortierung etc. Das allgemeine Gesetz ist, daá a l l e Z i r k u l a t i o n s k o s t e n, d i e n u r a u s d e r F o r m v e r w a n d l u n g d e r W a r e e n t s p r i n g e n, d i e s e r l e t z t r e n k e i n e n W e r t h i n z u s e t z e n. Es sind bloá Kosten zur Realisierung des Werts oder zu seiner šbersetzung aus einer Form in die andte. Das in diesen Kosten ausgelegte Kapital (eingeschlossen die von ihm kommandierte Arbeit) geh”rt zu den faux frais der kapitalistischen Produktion. Der Ersatz derselben muá aus dem Mehrprodukt geschehn und bildet, die ganze Kapitali- stenklasse betrachtet, einen Abzug vom Mehrwert oder Mehrprodukt, ganz wie fr einen Arbeiter die Zeit, die er zum Einkauf seiner Lebensmittel braucht, verlorne Zeit ist. Die Transportkosten spielen aber eine zu wichtige Rolle, um sie hier nicht noch kurz zu betrachten. Innerhalb des Kreislaufs des Kapitals und der Warenmetamorphose, welche einen Abschnitt desselben bildet, vollzieht sich der Stoffwechsel der gesellschaftlichen Arbeit. Dieser Stoffwechsel mag den Raumwechsel der Produkte bedingen, ihre wirkliche Bewe- gung von einem Ort zum andren. Zirkulation von Waren kann aber stattfinden ohne ihre physische Bewegung und Produktentransport ohne Warenzirkulation, und selbst ohne unmittelbaren Produkten- austausch. Ein Haus, welches A an B verkauft, zirkuliert als Ware, aber es geht nicht spazieren. Bewegliche Warenwerte, wie Baumwolle oder Roheisen, hocken auf demselben Waren6ger, zur sel- ben Zeit, wo sie #151# 6. Kapitel - Die Zirkulationskosten ----- Dutzende von Zirkulationsprozessen durchlaufen, gekauft und wie- der verkauft werden von den Spekulanten. 17) Was sich hier wirk- lich bewegt, ist der Eigentumstitel an der Sache, nicht die Sache selbst. Andrerseits spielte z.B. im Reich der Inkas die Trans- portindustrie eine groáe Rolle, obgleich das gesellschaftliche Produkt weder als Ware zirkulierte, noch auch vermittelst des Tauschhandels verteilt ward. Wenn die Transportindustrie daher auf Grundlage der kapitalisti- schen Produktion als Ursache von Zirkulationskosten erscheint, so „ndert diese besondre Erscheinungsform nichts an der Sache. Produktmassen vermehren sich nicht durch ihren Transport. Auch die durch ihn etwa bewirkte Ver„nderung ihrer natrlichen Eigen- schaften ist mit gewissen Ausnahmen kein beabsichtigter Nutzef- fekt, sondern ein unvermeidliches šbel. Aber der Gebrauchswert von Dingen verwirklicht sich nur in ihrer Konsumtion, und ihre Konsumtion mag ihre Ortsver„nderung n”tig machen, also den zu- s„tzlichen Produktionsprozeá der Transportindustrie. Das in die- ser angelegte produktive Kapital setzt also den transportierten Produkten Wert zu, teils durch Wertbertragung von den Transport- mitteln, teils durch Wertzusatz vermittelst der Transportarbeit. Dieser letztre Wertzusatz zerf„llt, wie bei aller kapitalisti- schen Produktion, in Ersatz von Arbeitslohn und in Mehrwert. Innerhalb jedes Produktionsprozesses spielt die Ortsver„nderung des Arbeitsgegenstands und die dazu n”tigen Arbeitsmittel und Ar- beitskr„fte Baumwolle z.B., die aus dem Kardierraum in den Spinn- raum rckt, Kohle, die aus dem Schacht auf die Oberfl„che gehoben wird - groáe Rolle. Der šbergang des fertigen Produkts als fer- tige Ware aus einer selbst„ndigen Produktionsst„tte in die andre, r„umlich davon entfernte, zeigt dasselbe Ph„nomen nur auf gr”árer Stufenleiter. Auf den Transport der Produkte aus einer Produkti- onsst„tte in eine andre folgt noch der der fertigen Produkte aus der Produktionssph„te in die Konsumtionssph„re. Das Produkt ist erst fertig fr die Konsumtion, sobald es diese Bewegung vollen- det hat. Es ist, wie frher gezeigt, allgemeines Gesetz der Warenproduk- tion: Die Produktivit„t der Arbeit und ihre Wertsch”pfung stehn im umgekehrten Verh„ltnis. Wie von jeder andren, gilt dies von der Transportindustrie. Je kleiner die Arbeitsmenge, tote und le- bendige, welche der Transport der --- 17) Storch nennt letztres Girculation factie 1*). ----- 1*) knstliche Zirkulation #152# I. Abschnitt - Die Metarnorphosen des Kap. und ihr Kreis- lauf ----- Ware fr gegebne Entfernung erheischt, desto gr”áer die Produk- tivkraft der Arbeit, und umgekehrt. 18) Die absolute Wertgr”áe, welche der Transport den Waren zusetzt, steht unter sonst gleichbleibenden Umst„nden im umgekehrten Ver- h„ltnis zur Produktivkraft der Transportindustrie und im direkten Verh„ltnis zu den zu durchlaufenden Entfernungen. Der relative Wertteil, den die Transportkosten, unter sonst gleichbleibenden Umst„nden, dem Preis der Ware zusetzen, steht in direktem Verh„ltnis zu ihrer Raumgr”áe und ihrem Gewicht. Die mo- difizierenden Umst„nde sind jedoch zahlreich. Der Transport erheischt z.B. gr”áre oder geringre Vorsichtsmaáregeln, daher gr”áre oder geringre Ausgabe von Arbeit und Arbeitsmitteln, je nach der relativen Zerbrechlichkeit, Verg„nglichkeit, Exploidier- barkeit des Artikels. Hier entwickeln die Eisenbahnmagnaten gr”á- res Genie in phantastischer Speziesbildung als Botaniker oder Zoologen. Die Klassifikation der Gter auf englischen Eisenbahnen z.B. fllt B„nde und beruht dem allgemeinen Prinzip nach auf der Tendenz, die buntverschiednen natrlichen Eigenschaften der Gter in ebenso zahlreiche Transportgebresten und obligate Prellerei- vorw„nde umzuwandeln. "Glas, welches frher 11 Pfd.St. per crate" (eine Packkiste von bestimmtem Rauminhalt) "wert war, ist jetzt infolge industrieller Fortschritte und der Abschaffung der Glassteuer nur 2 Pfd.St. wert, aber die Transportkosten stehn so hoch wie frher, und h”- her bei Kanaltransport. Frher wurden Glas und Glaswaren fr Bleiarbeiten innerhalb 50 Meilen von Birmingham zu 10 sh. per Tonne verfhrt. jetzt ist der Transportpreis auf das Dreifache erh”ht unter dem Vorwand des Risikos von wegen Zerbrechlichkeit des Artikels. Wer aber nicht zahlt was wirklich bricht, ist die Eisenbahndirektion." 19) --- 18) Ricardo zitiert Say, der es als eine Segnung des Handels be- trachtet, daá er durch die Transportkosten die Produkte verteuert oder ihren Wert erh”ht. "Der Handel", sagt Say, "bef„higt uns, eine Ware an ihrem Ursprungsort zu erlangen und sie nach einem andren Konsumtionsort zu transpotieren; er bef„higt uns daher, den Wert der Ware zu vermehren um die ganze Differenz zwischen ihrem Preise am ersten Ort und dem am zweiten." [11] Ricardo be- merkt hierzu: "Richtig, wie aber wird ihr der zus„tzliche Wert gegeben? Indem man erstens zu den Produktionskosten die Ausgaben fr den Transport, zweitens den Profit auf die Kapitalvorschsse hinzufgt, die der Kaufmann geleistet hat. Die Ware ist nur aus den gleichen Grnden wertvoller, aus denen jede andere Ware wert- voller werden kann, weil mehr Arbeit auf ihre Produktion und ih- ren Transport verwandt worden ist, bevor sie vom Konsumenten gek- auft wird. Dies darf man nicht als einen der Vorteile des Handels bezeichnen." (Ricardo, "Principles of Pol. Econ.", 3rd ed., Lon- don 1821, p. 309, 310.) 19) "Royal Commission on Railways", p. 31, Nr. 630. #153# 6. Kapitel - Die Zirkulationakosten ----- Daá ferner der relative Werttell, den die Transportkosten einem Artikel zusetzen, im umgekehrten Verh„ltnis zu seinem Wert steht, wird fr die Eisenbahnmagnaten zum besondren Grund, einen Artikel im direkten Verh„ltnis zu seinem Wert zu besteuern. Die Klagen der Industriellen und Kaufleute ber diesen Punkt kehren auf je- der Seite der Zeugenaussagen des angefhrten Berichts wieder. Die kapitalistische Produktionsweise vermindert die Transportko- sten fr die einzelne Ware durch die Entwicklung der Transport- und Kommunikationsmittel wie durch die Konzentration - die Gr”áe der Stufenleiter des Transports. Sie vermehrt den Teil der ge- sellschaftlichen Arbeit, lebendiger und vergegenst„ndlichter, der im Warentransport verausgabt wird, zuerst durch Verwandlung der groáen Mehrzahl aller Produkte in Waren, und sodann durch die Er- setzung lokaler durch entfernte M„rkte. Das Zirkulieren, d.h. tats„chliche Umlaufen der Waren im Raum l”st sich auf in den Transport der Ware. Die Transportindustrie bildet einerseits einen selbst„ndigen Produktionszweig, und daher eine besondre Anlagesph„te des produktiven Kapitals. Andrerseits unterscheidet sie sich dadurch, daá sie als Fortdauer eines Pro- duktionsprozesses i n n e r h a l b des Zirkulationsprozesses und f r den Zirkulationsprozeá erscheint. #154# ----- Zweiter Abschnitt Der Umschlag des Kapitals SIEBENTES KAPITEL Umschlagszeit und Umschlagszahl Man hat gesehn: Die gesamte Zirkulationszeit eines gegebnen Kapi- tals ist gleich der Summe seiner Umlaufszeit und seiner Produkti- onszeit. Es ist der Zeitabschnitt von dem Augenblick des Vor- schusses des Kapitalwerts in einer bestimmten Form bis zur Rck- kehr des prozessierenden Kapitalwerts in derselben Form. Der bestimmende Zweck der kapitalistischen Produktion ist stets Verwertung des vorgeschoánen Werts, ob dieser Wert nun in seiner selbst„ndigen Form, d.h. in der Geldform vorgeschossen sei, oder in Ware, so daá seine Wertform im Preis der vorgeschoánen Waren nur ideelle Selbst„ndigkeit besitzt. In beiden F„llen durchl„uft dieser Kapitalwert w„hrend seines Kreislaufs verschiedne Exi- stenzformen. Seine Identit„t mit sich selbst wird konstatiert in den Bchern des Kapitalisten oder in der Form des Rechengelds. Ob wir die Form G... G' nehmen oder die Form P... P, beide Formen schlieáen ein, 1. daá der vorgeschoáne Wert als Kapitalwert fun- giert und sich verwertet hat; 2. daá er zu der Form, worin er seinen Prozeá begann, nach Beschreibung desselben zurckgekehrt ist. Die Verwertung des vorgeschoánen Werts G und zugleich die Rckkehr des Kapitals zu dieser Form (der Geldform) ist hand- greiflich sichtbar in G... G'. Aber dasselbe findet in der zwei- ten Form statt. Denn der Ausgangspunkt von P ist das Vorhanden- sein der Produktionseleinente, Waren von gegebnem Wert. Die Form schlieát die Verwertung dieses Werts ein (W' und G') und die Rckkehr zu der ursprnglichen Form, denn im zweiten P besitzt der vorgeschoáne Wert wieder die Form der Produktionselemente, worin er ursplich vorgeschossen war. #155# 7. Kapitel - Umschlagszeit und Umschlagszahl ----- Man hat frher gesehn: "Hat die Produktion kapitalistische Form, so die Reproduktion. Wie in der kapitalistischen Produktionsweise der Arbeitsprozeá nur als ein Mittel fr den Verwertungsprozeá erscheint, so die Reproduktion nur als ein Mittel, den vorge- schoánen Wert als Kapital zu reproduzieren, d.h. als sich ver- wertenden Wert." (Buch I, Kap. XXI, S. 588. 1*)) Die drei Formen 1) G... G', II) P... P und III) W'... W' unter- scheiden sich dadurch: In Form II (P... P) ist die Wiedererneu- rung des Prozesses, der Reproduktionsprozeá, als wirklich, in Form 1 aber nur der M”glichkeit nach ausgedruckt. Aber beide un- terscheiden sich dadurch von Form III, daá der vorgeschoáne Kapi- talwert - sei es als Geld, sei es in der Gestalt der stofflichen Produktionselemente - den Ausgangspunkt bildet und daher auch den Punkt der Rckkehr. In G... G' ist die Rckkehr G'= G + g. Wird der Prozeá auf derselben Stufenleiter erneuert, so bildet G wie- der den Ausgangspunkt und g geht nicht in ihn ein, sondern zeigt uns nur, daá G sich als Kapital verwertet und daher einen Mehr- wert g erzeugt, aber von sich abgestoáen hat. In der Form P... P bildet der in der Form der Produktionselemente P vorgeschoáne Ka- pitalwert ebenfalls den Ausgangspunkt. Die Form schlieát seine Verwertung ein. Findet einfache Reproduktion statt, so f„ngt der- selbe Kapitalwert, in derselben Form P, seinen Prozeá von neuem an. Findet Akkumulation statt, so er”ffnet P' (der Wertgr”áe nach = G' = W') jetzt als vergr”áerter Kapitalwert den Prozeá. Aber er beginnt wieder mit dem vorgeschoánen Kapitalwert in der anf„ngli- chen Form, wenn auch mit gr”árem Kapitalwert als vorher. Dagegen in Form III beginnt der Kapitalwert nicht als vorgeschoáner den Prozeá, sondern als bereits verwerteter, als der gesamte in der Form von Waren befindliche Reichtum, wovon der vorgeschoáne Kapi- talwert nur ein Teil. Die letztre Form ist wichtig fr den drit- ten Abschnitt, wo die Bewegung der Einzelkapitale im Zusammenhang mit der Bewegung des gesellschaftlichen Gesamtkapitals aufgefaát wird. Sie ist dagegen nicht zu benutzen fr den Umschlag des Ka- pitals, der stets beginnt mit dem Vorschuá von Kapitalwert, sei es in Form von Geld oder Ware, und stets die Rckkehr des krei- senden Kapitalwerts bedingt in der Form, worin er vorgeschossen war. Von den Kreisl„ufen I und II ist der erstre festzuhalten, soweit haupts„chlich der Einfluá des Umschlags auf Mehrwertbil- dung ins Auge gefaát wird; der zweite, soweit sein Einfluá auf Produktbildung. So wenig die ™konomen die verschiednen Formen der Kreisl„ufe ge- schieden, so wenig haben sie dieselben mit Bezug auf den Umschlag des ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 591 #156# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals ----- Kapitals getrennt betrachtet. Gew”hnlich wird die Form G... G' genommen, weil sie den einzelnen Kapitalisten beherrscht und ihm bei seiner Rechnung dient, selbst wenn das Geld nur in der Ge- stalt des Rechengelds Ausgangspunkt bildet. Andre gehn von der Auslage in Form der Produktionselemente aus, bis Rckfluá er- folgt, wobei von der Form des Rckflusses, ob in Ware oder Geld, gar nicht die Rede. Z.B.: "Der ”konomische Zyklus,... d.h. der ganze Verlauf der Produk- tion, von der Zeit, wo die Auslage gemacht wird, bis der Rckfluá erfolgt ist." (Economic Cycle,... the whole course of production, from the time that outlays are made till returns are received. In agriculture seedtime is its commencement, and harvesting its en- ding. 1*) - S. P. Newman, "Elements of Pol. Econ.", Andover and New York, p. 81.) Andre beginnen mit W' (III. Form): "Die Welt des Produktionsverkehrs kann angesehn werden als umlau- fend in einem Kreise, den wir einen ”konomischen Zyklus nennen wollen, und worin sie je einen Umlauf vollbracht hat, sobald das Gesch„ft, nach Vollzug seiner sukzessiven Transaktionen, wieder ankommt bei dem Punkt, wovon es ausgegangen. Der Anfang kann da- tiert werden von dem Punkt, wo der Kapitalist die eine erhalten hat, vermittelst deren ihm sein Kapital zurckflieát; von welchem Punkt an er von neuem dazu schreitet, seine Arbeiter anzuwerben und ihnen ihren Unterhalt, oder vielmehr die Macht, ihn anzu- schaffen, in Arbeitslohn auszuteilen; von ihnen die Artikel fer- tiggestellt zu erhalten, in denen er macht, diese Artikel auf den Markt zu bringen und dort den Kreislauf dieser einen Reihe von Bewegungen zum Abschluá zu bringen, indem er verkauft und im Er- l”s der Ware eine Wiedererstattung seiner ganzen Kapitalauslage empf„ngt." (Th. Chalmers, "On. Pol. Econ.", 2nd ed., Glasgow 1832, p. 85.) Sobald der gesamte Kapitalwert, den ein individueller Kapitalist in einem beliebigen Produktionszweig anlegt, den Kreislauf seiner Bewegung beschrieben hat, befindet er sich wieder in seiner An- fangsform und kann nun denselben Prozeá wiederholen. Er muá ihn wiederholen, soll der Wert sich als Kapitalwert verewigen und verwerten. Der einzelne Kreislauf bildet im Leben des Kapitals nur einen Abschnitt, der sich best„ndig wiederholt, also eine Pe- riode. Am Abschluá der Periode G... G' befindet sich das Kapital wieder in der Form des Geldkapitals, das die Reihe der Formver- wandlungen, worin sein Reproduktions- resp. Verwertungsprozeá einbegriffen ist, von neuem durchl„uft. Beim Abschluá der Periode P... P befindet das Kapital sich wieder in der Form der Produkti- onselemente, welche die Voraussetzung seines erneuerten Kreis- laufs bilden. Der Kreislauf des Kapitals, nicht als vereinzelter Vorgang, sondern als periodischer Prozeá ----- 1*) Im Ackerbau ist die Zeit der Aussaat sein Anfang und die Ernte sein Ende. #157# 7. Kapitel - Umschlagszeit und Umschlagszahl ----- bestimmt, heiát sein Umschlag. Die Dauer dieses Umschlags ist ge- geben durch die Summe seiner Produktionszeit und seiner Umlaufs- zeit. Diese Zeitsumme bildet die Umschlagszeit des Kapitals. Sie miát daher den Zwischenraum zwischen einer Kreislaufsperiode des gesamten Kapitalwerts und der n„chstfolgenden; die Periodizit„t im Lebensprozeá des Kapitals, oder wenn man will, die Zeit der Erneuerung, Wiederholung des Verwertungs- resp. Produktionspro- zesses desselben Kapitalwerts. Abgesehn von den individuellen Abenteuern, die fr ein einzelnes Kapital die Umschlagszeit be- schleunigen oder abkrzen m”gen, ist die Umschlagszeit der Kapi- tale verschieden je nach ihren verschiednen Anlagesph„ren. Wie der Arbeitstag die natrliche Maáeinheit fr die Funktion der Ar- beitskraft, bildet das Jahr die natrliche Maáeinheit fr die Um- schl„ge des prozessierenden Kapitals. Die Naturbasis dieser Maá- einheit liegt darin, daá die wichtigsten Erdfrchte der gem„áig- ten Zone, welche das Mutterland der kapitalistischen Produktion ist, j„hrliche Produkte sind. Nennen wir das Jahr als Maáeinheit der Umschlagszeit U, die Um- schlagszeit eines bestimmten Kapitals u, die Anzahl seiner Um- schl„ge n, so ist n = U/u. Betr„gt also z.B. die Umschlagszeit u 3 Monate, so n = 12/3 = 4; das Kapital vollzieht 4 Umschl„ge im Jahr oder schl„gt viermal um. Ist u = 18 Monate, so n = 12/18 = 2/3 oder das Kapital legt in einem Jahr nur 2/3 seiner Umschlagszeit zurck. Betr„gt seine Umschlagszeit mehrere Jahre, so wird sie also nach Vielfachen ei- nes Jahres berechnet. Fr den Kapitalisten ist die Umschlagszeit seines Kapitals die Zeit, w„hrend deren er sein Kapital vorschie- áen muá, um es zu verwerten und in der ursprnglichen Gestalt zu- rckzuerhalten. Bevor wir den Einfluá des Umschlags auf den Produktions- und Ver- wertungsprozeá n„her untersuchen, sind zwei neue Formen zu be- trachten, die dem Kapital aus dem Zirkulationsprozeá anschieáen und auf die Form seines Umschlags einwirken. #158# ----- ACHTES KAPITEL Fixes Kapital und zirkulierendes Kapital I. Die Formunterschiede Man sah Buch I, Kap. VI 1*): Ein Teil des konstanten Kapitals be- h„lt die bestimmte Gebrauchsform, worin es in den Produktionspro- zeá eingeht, gegenber den Produkten, zu deren Bildung es bei- tr„gt. Es verrichtet also w„hrend einer krzern oder l„ngern Pe- riode in stets wiederholten Arbeitsprozessen stets wieder diesel- ben Funktionen. So z.B. Arbeitsgeb„ude, Maschinen etc., kurz al- les, was wir unter der Bezeichnung Arbeitttel zusammenfassen. Dieser Teil des konstanten Kapitals gibt Wert an das Produkt ab im Verh„ltnis, worin er mit seinem eignen Gebrauchswert seinen eignen Tauschwert verliert. Diese Wertabgabe oder dies šbergehn des Werts eines solchen Produktionsmittels auf das Produkt, zu dessen Bildung es mitwirkt, wird bestimmt durch eine Durch- schnittsrechnung; es wird gemessen durch die Durchschnittsdauer seiner Funktion von dem Augenblick, worin das Produktionsmittel in den Produktionsprozeá eingeht, bis zu dem Augenblick, wo es ganz abgenutzt, verstorben ist, und durch ein neues Exemplar der- selben Art ersetzt oder reproduziert werden muá. Das Eigentmliche dieses Teils des konstanten Kapitals - der ei- gentlichen Arbeitsmittel - ist also dies: Ein Teil des Kapitals ist in der Form von konstantem Kapital, d.h. von Produktionsmitteln vorgeschossen worden, die nun als Faktoren des Arbeitsprozesses fungieren, solange die selbst„ndige Gebrauchsgestalt ausdauert, mit der sie in denselben eintreten. Das fertige Produkt, also auch die Produktbildner, soweit sie in Produkt verwandelt worden, wird aus dem Produktionsprozeá abge- stoáen, um als Ware aus der Produktionssph„re in die Zirkulati- onssph„re berzugehn. Die Arbeitsttel dagegen verlassen nie die ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe. S. 218 #159# 8. Kapitel - Fixes Kapital und zitierendes Kapital ----- Produktionssph„re, nachdem sie einmal in dieselbe eingetreten sind. Ihre Funktion bannt sie darin fest. Ein Teil des vorge- schoánen Kapitalwerts ist in diese, durch die Funktion der Ar- beitsmittel im Prozeá bestimmte Form f i x i e r t. Mit der Funktion und daher der Abnutzung des Arbeitsmittels geht ein Teil seines Werts auf das Produkt ber, ein andrer bleibt fixiert im Arbeitsmittel und daher im Produktionsprozeá. Der so fixierte Wert nimmt best„ndig ab, bis das Arbeitsmittel ausgedient und da- her auch sein Wert sich in einer l„ngern oder krzern Periode ber eine Masse von Produkten verteilt hat, die aus einer Reihe best„ndig wiederholter Aibeitsprozesse hervorgehn. Solange es aber noch als Arbeitsmittel wirksam ist, also nicht durch ein neues Exemplar derselben Art ersetzt werden muá, bleibt stets konstanter Kapitalwert in ihm fixiert, w„hrend ein andrer Teil des ursprnglich in ihm fixierten Werts auf das Produkt bergeht und daher als Bestandteil des Warenvorrats zirkuliert. Je l„nger das Arbeitsmittel ausdauert, je langsamer es verschleiát, desto l„nger bleibt der konstante Kapitalwert in dieser Gebrauchsform fixiert. Welches aber immer der Grad seiner Dauerhaftigkeit, die Proportion, worin es Wert abgibt, steht immer im umgekehrten Ver- h„ltnis zu seiner gesamten Funktionszeit. Wenn von zwei Maschinen von gleichem Wert die eine in fnf Jahren verschleiát, die andre in zehn, so gibt die erste in gleichem Zeitraum doppelt soviel Wert ab wie die zweite. Dieser im Arbeitsmittel fixierte Teil des Kapitalwerts zirkuliert so gut wie jeder andre. Wir haben berhaupt gesehn, daá der ganze Kapitalwert in best„ndiger Zirkulation begriffen und in diesem Sinn daher alles Kapital zirkulierendes Kapital ist. Aber die Zirkulation des hier betrachteten Kapitaltells ist eigentmlich. Erstens zirkuliert er nicht in seiner Gebrauchsform, sondern nur sein Wert zirkuliert, und zwar allm„hlich, bruchweis, im Maá, wie er von ihm auf das Produkt bergeht, das als Ware zirkuliert. W„hrend seiner ganzen Funktionsdauer bleibt ein Teil seines Werts stets in ihm fixiert, selbst„ndig gegenber den Waren, die es produzieren hilft. Durch diese Eigentmlichkeit erh„lt dieser Teil des konstanten Kapitals die Form: F i x e s K a p i t a l. Alle andern stofflichen Bestandteile des im Produktionsprozeá vorgeschoánen Kapitals dagegen bilden im Gegensatz dazu: Z i r k u l i e r e n d e s oder f l s s i g e s K a p i t a l. Ein Teil der Produktionsmittel - solche Hilfsstoffe n„mlich, die von den Arbeitsmitteln selbst „hrend ihrer Funktion konsumiert werden, wie Kohle von der Dampfmaschine; oder die nur den Vorgang untersttzen, wie Leuchtgas etc. - gehn nicht stofflich in das Produkt ein. Nur ihr Wert bildet einen Teil des Produktwerts. In seiner eignen Zirkulation zirkuliert das Produkt ihren Wert. Dies haben sie gemein mit dem fixen Kapital. Aber in #160# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals ----- jedem Arbeitsprozeá, worin sie eingehn, werden sie ganz konsu- miert und mssen also fr jeden neuen Arbeitsprozeá ganz ersetzt werden durch neue Exemplare derselben Art. Sie bewahren nicht ihre selbst„ndige Gebrauchsgestalt w„hrend ihrer Funktion. Es bleibt also auch w„hrend ihrer Funktion kein Teil des Kapital- werts in ihrer alten Gebrauchsgestalt, ihrer Naturalform fixiert. Der Umstand, daá dieser Teil der Hilfsstoffe nicht stofflich in das Produkt, sondern nur seinem Wert nach als Werttell in den Produktenwert eingeht, und das damit Zusammenh„ngende, daá die Funktion dieser Stoffe innerhalb der Produktionssph„re festge- bannt ist, hat der ™konomen wie Ramsay (bei gleichzeitiger Ver- wechslung von fixem und konstantem Kapital) verleitet, die Kate- gorie des fixen Kapitals auf sie anzuwenden. 1*) Der Teil der Produktionsmittel, der stofflich in das Produkt ein- geht, also Rohstoff etc., erh„lt dadurch zum Teil Formen, worin er sp„ter als Genuámittel in die individuelle Konsumtion eingehn kann. Die eigentlichen Arbeitsmittel, die stofflichen Tr„ger des fixen Kapitals, werden nur produktiv verzehrt und k”nnen nicht in die individuelle Konsumtion eingehn, weil sie nicht in das Pro- dukt oder den Gebrauchswert eingehn, den sie bilden helfen, viel- mehr ihm gegenber ihre selbst„ndige Gestalt bis zu ihrem v”lli- gen Verschleiá bewahren. Eine Ausnahme bilden Transportmittel. Der Nutzeffekt, den sie w„hrend ihrer produktiven Funktion, also w„hrend ihres Aufenthalts in der Produktionssph„re hervorbringen, die Ortsver„nderung, geht gleichzeitig in die individuelle Kon- sumtion, z.B. des Reisenden, ein. Er zahlt den Gebrauch dann auch, wie er den Gebrauch andrer Konsumtionsmittel zahlt. Man hat gesehn, daá z.B. in der chemischen Fabrikation Rohmaterial und Hilfsstoffe ineinander verschwimmen. 2*) So auch Arbeitsmittel und Hilfsstoff und Rohmaterial. So gehn im Ackerbau z.B. die in Bodenmeliorationen zugesetzten Stoffe zum Teil als Produktbildner in das Pflanzenprodukt ein. Andrerseits ist ihre Wirkung ber eine l„ngre Periode, z.B. 4-5 Jahre verteilt. Ein Teil derselben geht daher stofflich in das Produkt ein und bertr„gt damit zugleich seinen Wert auf das Produkt, w„hrend ein andrer Teil in seiner alten Gebrauchsform auch seinen Wert fixiert. Er dauert fort als Produktionsmittel und erh„lt daher die Form von fixem Kapital. Als Arbeitsvieh ist ein Ochse fixes Kapital. Wird er ge- gessen, so fungiert er nicht als Arbeitsmittel, also auch nicht als fixes Kapital. Die Bestinunung, die einem Teil des in Produk- tionsmitteln ausgelegten Kapitalwerts den Charakter des fixen Ka- pitals gibt, liegt ausschlieálich in ----- 1*) Siehe Rand 26 unserer Aus, 3. Teil, S. 323-325 - 2*) siehe Band 23 unserer Ausgabe S. 196. #161# 8. Kapitel - Fixes Kapital und zirkulierendes Kapital ----- der eigentmlichen Weise, worin dieser Wert zirkuliert. Diese eigne Weise der Zirkulation entspringt aus der eignen Weise, worin das Arbeitsmittel seinen Wert an das Produkt abgibt, oder sich als Wertbildner w„hrend des Produktionsprozesses verh„lt. Und diese selbst wieder entspringt aus der besondren Art der Funktion der Arbeitsmittel im Arbeitsprozeá. Man weiá, daá derselbe Gebrauchswert, der als Produkt aus dem einen Arbeitsprozeá herauskommt, als Produktionsmittel in den an- dren eingeht. Nur die Funktion eines Produkts als Arbeitsmittel im Produktionsprozeá macht es zu fixem Kapital. Soweit es dagegen selbst erst aus einem Prozesse herauskommt, ist es keineswegs fi- xes Kapital. Z.B. eine Maschine, als Produkt resp. Ware des Ma- schinenfabrikanten, geh”rt zu seinem Warenkapital. Fixes Kapital wird sie erst in der Hand ihres K„ufers, des Kapitalisten, der sie produktiv anwendet. Alle andren Umst„nde gleichgesetzt, w„chst der Grad der Fixit„t mit der Dauerbarkeit des Arbeitsmittels. Von dieser Dauerbarkeit h„ngt n„mlich die Gr”áe der Differenz ab zwischen dem in Arbeits- mitteln fixierten Kapitalwert und dem Teil dieser Wertgr”áe, den es in wiederholten Arbeitsprozessen an das Produkt abgibt. Je langsamer diese Wertabgabe stattfindet - und Wert wird abgegeben vom Arbeitsmittel bei jeder Wiederholung desselben Arbeitsprozes- ses -, um so gr”áer das fixierte Kapital, um so gr”áer die Diffe- renz zwischen dem im Produktionsprozeá angewandten und dem in ihm konsumierten Kapital. Sobald diese Differenz verschwunden ist, hat das Arbeitsmittel ausgelebt und mit seinem Gebrauchswert sei- nen Wert verloren. Es hat aufgeh”rt, Werttr„ger zu sein. Da das Arbeitsmittel, wie jeder andre stoffliche Tr„ger von konstantem Kapital, nur Wert an das Produkt abgibt in dem Maá, worin es mit seinem Gebrauchswert seinen Wert verliert, so ist es klar, daá je langsamer sein Gebrauchswert verlorengeht, je l„nger es im Pro- duktionsprozeá ausdauert, um so l„nger die Periode, worin kon- stanter Kapitalwert in ihm fixiert bleibt. Verh„lt sich ein Produktionsmittel, welches kein Arbeitsmittel im eigentlichen Sinne ist, z.B. Hilfsstoff, Rohmaterial, Halbfabri- kat etc., mit Bezug auf Wertabgabe und daher auf Zirkulations- weise seines Werts, wie die Arbeitsmittel, so ist es ebenfalls stofflicher Tr„ger, Existenzform von fixem Kapital. Dies ist der Fall bei solchen schon erw„hnten Bodenmeliorationen, welche dem Boden chemische Bestandteile zusetzen, deren Wirkung sich auf mehrere Produktionsperioden oder Jahre erstreckt. Hier existiert noch ein Teil des Werts neben dem Produkt in seiner selbst„ndigen Gestalt fort oder in Gestalt von fixem Kapital, w„hrend ein andrer Wertteil an das Produkt abgegeben ist und daher mit ihm zirkuliert. In diesem Falle geht nicht #162# Il. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals ----- nur ein Wertteil des fixen Kapitals in das Produkt ein, sondern auch der Gebrauchswert, die Substanz, worin dieser Wertteil exi- stiert. Abgesehn von dem Grundirrtum - der Verwechslung der Kategorien: fixes und zirkulierendes Kapital, mit den Kategorien: konstantes und variables Kapital -, beruht die Konfusion in der bisherigen Begriffsbestimrnung bei den ™konomen zun„chst auf folgenden Punk- ten: Man macht bestinunte Eigenschaften, die den Arbeitsmitteln stoff- lich zukonunen, zu unmittelbaren Eigenschaften des fixen Kapi- tals, z.B. die physische Unbeweglichkeit, etwa eines Hauses. Es ist dann stets leicht nachzuweisen, daá andre Arbeitsmittel, die als solche auch fixes Kapital sind, die entgegengesetzte Eigen- schaft haben, z.B. die physische Beweglichkeit, etwa eines Schiffs. Oder man verwechselt die ”konomische Formbestimmtheit, die aus der Zirkulation des Werts hervorgeht, mit einer dinglichen Eigen- schaft; als ob Dinge, die a n s i c h berhaupt nicht Kapital sind, sondern es nur in bestinmten gesellschaftlichen Verh„ltnis- sen werden, an sich und von Natur schon Kapital in einer bestimm- ten Form, fixes oder zirkullerendes, sein k”nnten. Wir sahen Buch I, Kap. V 1*), daá die Produktionsmittel in jedem Arbeitsprozeá, einerlei unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen er vorgeht, sich einteilen in Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstand. Aber erst innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise werden beide zu Kapital, und zwar zu "produktivem Kapital", wie es im vorigen Ab- schnitt bestimmt. Damit spiegelt sich der in der Natur des Ar- beitsprozesses begrndete Unterschied von Arbeitsttel und Ar- beitsgegenstand wider in der neuen Form des Unterschieds von fixem Kapital und zirkulierendem Kapital. Erst hiermit wird ein Ding, das als Arbeitsmittel fungiert, fixes Kapital. Kann es sei- nen stofflichen Eigenschaften nach auch in andren Funktionen als der des Arbeitsmittels dienen, so ist es fixes Kapital oder nicht, je nach Verschiedenheit seiner Funktion. Vieh als Arbeits- vieh ist fixes Kapital; als Mastvieh ist es Rohmaterial, das schlieálich als Produkt in die Zirkulation tritt, also nicht fi- xes, sondern zirkulierendes Kapital. Das bloáe l„ngre Fixiertsein eines Produktionsmittels in wieder- holten Arbeitsprozessen, die aber zusammenenh„ngen, kontinuier- lich sind und daher eine Produktionsperiode bilden - d.h. die ge- samte Produktionszeit, die n”tig ist, um das Produkt fertigzuma- chen -, bedingt ganz wie fixes Kapital l„ngern oder krzern Vor- schuá fr den Kapitalisten, macht aber nicht sein Kapital zu fixem Kapital. Samen z.B. ist kein fixes Kapital, sondern nur ----- 1*) Siehe Bmd 23 unserer Ausgabe S. 192-196. #163# 8. Kapitel - Fixes Kapital und zirkulierendes Kapital ----- Rohmaterial, das w„hrend ungef„hr eines Jahres im Produktionspro- zeá fixiert ist. Alles Kapital, solange es als produktives Kapi- tal fungiert, ist im Produktionsprozeá fixiert, also auch alle Elemente des produktiven Kapitals, welches immer ihre stoffliche Gestalt, ihre Funktion und die Zirkulationsweise ihres Werts. Ob, je nach der Art des Produktionsprozesses oder dem bezweckten Nutzeffekt, dies Fixiertsein l„nger oder krzer dauert, bewirkt nicht den Unterschied von fixem und zirkulierendem Kapital. 20) Ein Teil der Arbeitsmittel, worin die allgemeinen Arbeitsbedin- gungen eingeschlossen, wird entweder ”rtlich befestigt, sobald er als Arbeitsmittel in den Produktionsprozeá eintritt, resp. zur produktiven Funktion bereit gemacht wird, wie z.B. Maschinen. Oder er wird von vornherein in dieser stehenden, an den Ort ge- bundnen Form produziert, wie z.B. Bodenmeliorationen, Fabrikge- b„ude, Hoch”fen, Kan„le, Eisenbahnen usw. Das fortw„hrende Gebun- densein des Arbeitsmittels an den Produktionsprozeá, innerhalb dessen es fungieren soll, ist hier zugleich durch ihre sinnliche Existenzweise bedingt. Andrerseits kann ein Arbeitsmittel phy- sisch best„ndig den Ort ver„ndern, sich bewegen, und dennoch be- st„ndig sich im Produktionsprozeá befinden, wie eine Lokomotive, ein Schiff, Arbeitsvieh etc. Weder gibt ihm, in dem einen Fall, die Unbeweglichkeit den Charakter des fixen Kapitals, noch nimmt ihm, in dem andern, die Beweglichkeit diesen Charakter. Der Um- stand jedoch, daá Arbeitsmittel lokal fixiert sind, mit ihren Wurzeln im Grund und en feststecken, weist diesem Teil des fixen Kapitals eine eigne Rolle in der ™konomie der Nationen zu. Sie k”nnen nicht ins Ausland geschickt werden, nicht als Waren auf dem Weltmarkt zirkulieren. Die Eigentumstitel an diesem fixen Ka- pital k”nnen wechseln, es kann gekauft und verkauft werden und sofern ideell zirkulieren. Diese Eigentumstitel k”nnen sogar auf fremden M„rkten zirkulieren, z.B. in der Form von Aktien. Aber durch den Wechsel der Personen, welche Eigentmer dieser Art von fixem Kapital sind, wechselt nicht das Verh„ltnis des stehenden, materiell fixierten Teils des Reichtums in einem Lmd zu dem be- weglichen Teil desselben. 21) Die eigentmliche Zirkulation des fixen Kapitals ergibt einen ei- gentmlichen Umschlag. Der Wertteil, den es in seiner Naturalform durch Abnutzung verliert zirkuliert als Wertteil des Produkts. Das Produkt verwandelt --- 20) Wegen der Schwierigkeit, welche die Bestimmung des fixen und zirkulierenden Kapitals macht, meint Herr Lorenz Stein, diese Un- terscheidung sei nur fr die leichtere Darstellung. 21) Bis hierher Manuskript IV. - Von hier an Manuskript II. #164# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals ----- sich durch seine Zirkulation aus Ware in Geld; also auch der vom Produkt zirkulierte Wertteil des Arbeitsmittels, und zwar tropft sein Wert aus dem Zirkulationsprozeá als Geld nieder, in dersel- ben Proportion, worin dies Arbeitsmittel aufh”rt, Werttr„ger im Produktionsprozeá zu sein. Sein Wert erh„lt also jetzt Doppelexi- stenz. Ein Teil desselben bleibt an seine, dem Produktionsprozeá angeh”rige Gebrauchs- oder Naturalform gebunden, ein andrer Teil l”st sich von ihr ab als Geld. Im Verlauf seiner Funktion nimmt der in der Naturalform existierende Wertteil des Arbeitsmittels best„ndig ab, w„hrend sein in Geldform umgesetzter Wertteil be- st„ndig zunimmt, bis es schlieálich ausgelebt hat und sein Ge- samtwert, von seiner Leiche getrennt, in Geld verwandelt ist. Hier zeigt sich die Eigentmlichkeit im Umschlag dieses Elements des produktiven Kapitals. Die Verwandlung seines Werts in Geld geht gleichen Schritt mit der Geldverpuppung der Ware, die sein Werttr„ger ist. Aber seine Rckverwandlung aus Geldform in Ge- brauchsform trennt sich von der Rckverwandlung der Ware in ihre sonstigen Produktionselemente und ist vielmehr bestimmt durch seine eigne Reproduktionsperiode, d.h. durch die Zeit, w„hrend deren das Arbeitsmittel sich verlebt hat und durch ein andres Ex- emplar derselben Art ersetzt werden muá. Betr„gt die Funktions- dauer einer Maschine, sage zum Wert von 10000 Pfd.St., z.B. 10 Jahre, so betr„gt die Umschlagszeit des in ihr ursprnglich vor- geschoánen Werts 10 Jahre. Vor Ablauf dieser Zeit ist sie nicht zu erneuern, sondern wirkt in ihrer Natutalform fort. Ihr Wert zirkuliert unterdes stckweis als Wertteil der Waren, zu deren kontinuieirlicher Produktion sie dient, und wird so allm„hlich in Geld umgesetzt, bis er schlieálich am Ende der 10 Jahre ganz in Geld verwandelt und aus Geld in eine Maschine rckverwandelt wor- den ist, also seinen Umschlag vollzogen hat. Bis zum Eintritt dieser Reproduktionszeit wird ihr Wert allm„hlich zun„chst in der Form eines Geldreservefonds akkumuliert. Die brigen Elemente des produktiven Kapitals bestehn teils aus den in Hilfsstoffen und Rohstoffen existierenden Elementen des konstanten Kapitals, teils aus variablem, in Arbeitskraft ausge- legtem. Die Analyse des Arbeits- und Verwertungsprozesses (Buch I, Kap. V) zeigte, daá diese verschiednen Bestandteile sich als Pro- duktbildner und Wertbildner ganz verschieden verhalten. Der Wert des aus Hilfsstoffen und Rohstoffen bestehenden Teils des kon- stanten Kapitals - ganz wie der Wert seines aus Arbeitsmitteln bestehenden Teils - erscheint wieder im Wert des Produkts als nur bertragner Wert, w„hrend die Arbeitskraft vermittelst des Ar- beitsprozesses dem Produkt ein Žquivalent ihres Werts zusetzt oder ihren Wert wirklich reproduziert. Ferner. Ein Teil der Hilfsstoffe, #165# 8. Kapital - Fixes Kapital und zirkuliemndes Kapital ----- Heizkohlen, Leuchtgas usw. wird im Arbeitsprozeá aufgezehrt, ohne stofflich in das Produkt einzugehn, w„hrend ein andrer Teil der- selben k”rperlich in das Produkt eingeht und das Material seiner Substanz bildet. Alle diese Verschiedenheiten sind jedoch gleich- gltig fr die Zirkulation und daher fr die Umschlagsweise. So- weit Hilfs- und Rohstoffe ganz verzehrt werden in der Bildung ihres Produkts, bertragen sie ihren ganzen Wert auf das Produkt. Er wird daher auch ganz durch das Produkt zirkuliert, verwandelt sich in Geld und aus Geld zurck in die Produktionselemente der Ware. Sein Umschlag wird nicht unterbrochen, wie der des fixen Kapitals, sondern durchl„uft fortw„hrend den ganzen Kreislauf seiner Formen, so daá diese Elemente des produktiven Kapitals be- st„ndig in natura erneuert werden. Was den variablen, in Arbeitskraft ausgelegten Bestandteil des produktiven Kapitals betrifft: Die Arbeitskraft wird fr eine be- stimmte Zeitfrist gekauft. Sobald der Kapitalist sie gekauft und dem Produktionsprozeá einverleibt hat, bildet sie einen Bestand- teil seines Kapitals, und zwar dessen variablen Bestandteil. Sie wirkt t„glich w„hrend eines Zeitraums, worin sie nicht nur ihren ganzen Tageswert, soidern noch einen berschssigen Mehrwert, von dem wir hier zun„chst absehn, dem Produkt zusetzt. Nachdem die Arbeitskraft, fr eine Woche z.B., gekauft ist und gewirkt hat, muá der Kauf best„ndig in den gewohnheitsm„áigen Terminen erneu- ert werden. Das Žquivalent ihres Werts, das die Arbeitskraft w„h- rend ihrer Funktion dem Produkt zusetzt und das mit der Zirkula- tion des Produkts in Geld verwandelt wird, muá aus Geld best„ndig in Arbeitskraft rckverwandelt werden oder best„ndig den voll- st„ndigen Kreislauf seiner Formen beschreibend d.h. umschlagen, wenn der Kreislauf der kontinuierlichen Produktion nicht unter- brochen werden soll. Der in Arbeitskraft vorgeschoáne Wertteil des produktiven Kapi- tals geht also ganz auf das Produkt ber (wir sehn hier fortw„h- rend vom Mehrwert ab), beschreibt mit ihm die beiden der Zirkula- tionssph„re angeh”rigen Metamorphosen und bleibt durch diese be- st„ndige Erneuerung stets dem Produktionsprozeá einverleibt. Wie verschieden die Arbeitskraft sich also auch sonst, mit Bezug auf die Wertbildung, zu den k e i n f i x e s Kapital bildenden Bestandteilen des konstanten Kapitals verh„lt, diese Art des Um- schlags ihres Werts hat sie mit ihnen gemein im Gegensatz zum fi- xen Kapital. Diese Bestandteile des produktiven Kapitals - die in Arbeitskraft und in nicht fixes Kapital bilden den Produktions- mitteln ausgelegten Wertteile desselben stehn durch diesen ihren gemeinschaftlichen Charakter des Umschlags dem fixen Kapital als z i r k u l i e r e n d e s oder f l s i g e s Kapital ge- genber. #166# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals ----- Wie man frher sah 1*), ist das Geld, welches der Kapitalist dem Arbeiter fr den Gebrauch der Arbeitskraft zahlt, in der Tat nur die allgemeine Žquivalentform fr die notwendigen Lebensmittel des Arbeiters. Insofern besteht das variable Kapital stofflich aus Lebensmitteln. Aber hier, bei Betrachtung des Umschlags, han- delt es sich um die Form. Was der Kapitalist kauft, sind nicht die Lebensmittel des Arbeiters, sondern seine Arbeitskraft selbst. Was den variablen Teil seines Kapitals bildet, sind nicht die Lebensmittel des Arbeiters, sondern seine sich bet„tigende Arbeitskraft. Was der Kapitalist produktiv im Arbeitsprozeá kon- sumiert, ist die Arbeitskraft selbst und nicht die Lebensmittel des Arbeiters. Es ist der Arbeiter selbst, der das fr seine Ar- beitskraft erhaltne Geld in Lebensmittel umsetzt, um sie in Ar- beitskraft rckzuverwandeln, um sich am Leben zu erhalten, ganz wie z.B. der Kapitalist einen Teil des Mehrwerts der Ware, die er fr Geld verkauft, in Lebensmittel fr sich selbst umsetzt, ohne daá man deswegen sagen wird, daá der K„ufer seiner Ware ihn in Lebensmitteln zahlt. Selbst wenn dein Arbeiter ein Teil seines Lohns in Lebensmitteln, in natura, gezahlt wird, so ist dies heutzutage eine zweite Transaktion. Er verkauft seine Arbeits- kraft fr einen bestimmten Preis, und es wird dabei akkordiert, daá er einen Teil dieses Preises in Lebensmitteln erh„lt. Es „n- dert dies nur die Form der Zahlung, aber nicht, daá das, was er wirklich verkauft, seine Ar beitskraft ist. Es ist eine zweite Transaktion, die nicht mehr zwischen Arbeiter und Kapitalist, sondern zwischen dem Arbeiter als K„ufer von Ware und dem Kapita- listen als Verk„ufer von Ware vorgeht; w„hrend in der er sten Transaktion der Arbeiter Verk„ufer von Ware (seiner Arbeitskraft) und der Kapitalist ihr K„ufer ist. Ganz wie wenn der Kapitalist seine Ware sich durch Ware, z.B. die Maschine, die er an die Ei- senhtte verkauft, durch Eisen ersetzen l„át. Es sind also nicht die Lebensmittel des Arbeiters, welche die Bestimmtheit des fls- sigen Kapitals im Gegensatz zum fixen Kapital erhalten. Es ist auch nicht seine Arbeitskraft, sondern es ist der in ihr ausge- legte Wertteil des produktiven Kapitals, der durch die Form sei- nes Umschlags diesen Charakter gemeinschaftlich mit einigen, und im Gegensatz zu andren, Bestandteilen des konstanten Kapitalteils erh„lt. Der Wert des flssigen Kapitals - in Arbeitskraft und Produkti- onsmitteln - ist vorgeschossen nur fr die Zeit, w„hrend welcher das Produkt fertiggemacht wird, je nach der Stufenleiter der Pro- duktion, welche mit dem Umfang des fixen Kapitals gegeben ist. Dieser Wert geht ganz in das Produkt ein, kehrt also durch den Verkauf des Produkts ganz wieder aus der Zirkulation --- 1*) Siehe Band 23 unsere Ausgabe, S. 181-191 #167# 8. Kapitel - Fixes Kapital und zirkulierenden Kapital ----- zurck und kann von neuem vorgeschossen werden. Die Arbeitskraft und die Produktionsmittel, worin der flssige Kapitalbestandteil existiert, werden in dem Umfang, der fr die Bildung und den Ver- kauf des fertigen Produkts n”tig ist, der Zirkulation entzogen, aber sie mssen best„ndig durch Rckkauf durch Rckverwandlung aus der Geldform in die Produktionselemente, ersetzt und erneuert werden. Sie werden in geringren Massen als die Elemente des fixen Kapitals auf einmal dem Markt entzogen, aber sie mssen ihm um so h„ufiger wieder entzogen werden, und der Vorschuá des in ihnen ausgelegten Kapitals erneuert sich in karzren Perioden. Diese be- st„ndige Erneuerung ist vermittelt durch den best„ndigen Umsatz des Produkts, das ihren gesamten Wert zirkuliert. Sie beschreiben endlich fortw„hrend den ganzen Kreislauf der Metamorphosen, nicht nur ihrem Wert nach, sondern auch in ihrer stofflichen Form; sie werden best„ndig rckverwandelt aus Ware in die Produktionsele- mente derselben Ware. Mit ihrem eignen Wert setzt die Arbeitskraft dem Produkt best„n- dig Mehrwert zu, die Verk”rperung unbezahher Arbeit. Dieser wird also ebenso best„ndig vom fertigen Produkt zirkuliert und in Geld verwandelt, wie dessen brige Wertelemente. Hier jedoch, wo es sich zun„chst um den Umschlag des Kapitalwerts, nicht des gleich- zeitig mit ihm umschlagenden Mehrwerts handelt, wird vorderhand von letztrem abgesehn. Aus dem Bisherigen ergibt sich folgendes: I. Die Formbestimmtheiten von fixem und flssigem Kapital ent- springen nur aus dem verschiednen Umschlag des im Produktionspro- zeá fungierenden Kapitalwerts oder p r o d u k t i v e n K a p i t a l s. Diese Verschiedenheit des Umschlags entspringt ihrerseits aus der verschiednen Weise, worin die verschiednen Be- standteile des produktiven Kapitals ihren Wert auf das Produkt bertragen, aber nicht aus ihrem verschiednen Anteil an der Pro- duk tion des Produktweirts oder ihrem charakteristischen Verhal- ten im Verwertungsprozeá. Die Verschiedenheit der Abgabe des Werts an das Produkt endlich - und daher auch die verschiedde Weise, worin dieser Wert durch das Produkt zirkuliert und durch dessen Metamorphosen in seiner ursprnglichen Naturalform erneu- ert wird - entspringt aus der Verschiedenheit der stofflichen Ge- stalten, worin das produktive Kapital existiert, und wovon ein Teil w„hrend der Bildung des einzelnen Produkts ganz konsumiert, ein andrer nur allm„hlich vernutzt wird. Es ist also nur das pro- duktive Kapital, das sich in fixes und flssiges spalten kann. Dagegen existiert dieser Gegensatz nicht fr die beiden andren Daseinsweisen des industriellen Kapitals, also weder fr das Wa- renkapital, noch fr das Geldkapital, noch als Gegensatz beider gegen das produktive Kapital. Er existiert nur #168# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals ----- f r d a s p r o d u k t i v e K a p i t a l u n d i n n e r h a l b d e s s e l b e n. Geldkapital und Warenkapi- tal m”gen noch so sehr als Kapital fungieren und noch so flssig zirkulieren, sie k”nnen erst dann flssiges Kapital im Gegensatz zu fixem werden, sobald sie sich in flssige Bestandteile des produktiven Kapitals verwandelt. Weil aber diese beiden Formen des Kapitals die Zirkulationssph„re behausen, hat sich die ™kono- mie seit A. Smith, wie wir sehn werden, verleiten lassen, sie mit dem flssigen Teil des produktiven Kapitals unter der Kategorie: zirkulierendes Kapital zusammenzuwerfen. Sie sind in der Tat Zir- kulationskapital im Gegensatz zum produktiven, aber sie sind nicht zirkulierendes Kapital im Gegensatz zum fixen. 2. Der Umschlag des fixen KapitaIbestandteils, also auch die dazu n”tige Umschlagszeit, umfaát mehrere Umschl„ge der flssigen Ka- pitalbestandtelle. In derselben Zeit, worin das fixe Kapital ein- mal umschl„gt, schl„gt das flssige Kapital mehrmal um. Der eine Wertbestandteil des produktiven Kapitals erh„lt die Formbestheit des fixen Kapitals nur, soweit das Produktionsmittel, worin er existiert, nicht in dem Zeitraum ab. genutzt wird, worin das Pro- dukt fertiggemacht und aus dem Produktionsprozeá als Ware abge- stoáen wird. Ein Teil seines Werts muá in der alten fortdauernden Gebrauchsform gebunden bleiben, w„hrend ein andrer von dem ferti- gen Produkt zirkuliert wird, dessen Zirkulation dagegen gleich- zeitig den Gesamtwert der flssigen Kapitalbestandteile zirku- liert. 3. Der im fixen Kapital ausgelegte Wertteil des produktiven Kapi- tals ist ganz, auf einmal vorgeschossen worden, fr die ganze Fu- nonsdauer denjenigen Teils der Produktionsmittel, woraus das fixe Kapital besteht. Dieser Wert wird also auf einmal vom Kapitali- sten in die Zirkulation geworfen; er wird aber der Zirkulation nur stckweis und allm„hlich wieder entzogen durch die Realisie- rung der Wertteile, die das fixe Kapital den Waren stckweis zu- setzt. Andrerseits: Die Produktionsmittel selbst, worin ein Be- standteil des produktiven Kapitals fixiert wird, werden auf ein- mal der Zirkulation entzogen, um dem Produktionsprozeá fr Ihre ganze Funktionsdauer einverleibt zu werden, aber sie bedrfen fr dieselbe Zeit nicht des Ersatzes durch neue Exemplare derselben Art nicht der Reproduktion. Sie fahren w„hrend er oder krzrer Zeit fort, zur Bildung der in Zirkulation geworfenen Waren beizu- tragen, ohne selbst der Zirkulation die Elemente ihrer eignen Er- neuerung zu entziehn. W„hrend dieser Zeit erheischen sie also auch ihrerseits keine Erneuerung des Vorschusses von seiten des Kapitalisten. Endlich: Der im fixen Kapital ausgelegte Kapital- wert durchl„uft den Kreislauf seiner Formen w„hrend der Funkti- onsdauer der Produktionsmitels, worin er existiert, nicht stoff- lich, sondern nur fr seinen Wert, und #169# 8. Kapitel - Fixes Kapital und zirkulierendes Kapitals ----- auch das nur teilweise und allm„hlich. D.h. ein Teil seines Werts wird fortw„hrend als Wertteil der Ware zirkuliert und in Geld verwandelt, ohne sich aus Geld in seine ursprngliche Naturalform rckzuverwandeln. Diese Rckverwandlung des Gelds in die Natural- form des Produktionsmittels findet erst statt am Schluá seiner Funktionsperiode, wenn das Produktionsmittel g„nzlich verbraucht ist 4. Die Elemente des flssigen Kapitals sind ebenso best„ndig im Produktionsprozeá - soll er kontinuierlich sein - fixiert wie die Elemente des fixen Kapitals. Aber die so fixierten Elemente des erstren werden best„ndig in natura erneuert (die Produktionsmit- tel durch neue Exemplare derselben Art, die Arbeitskraft durch stets erneuerten Kauf); w„hrend bei den Elementen des fixen Kapi- tals w„hrend ihrer Fortdauer weder sie selbst erneuert werden, noch ihr Kauf zu erneuern ist. Es befinden sich best„ndig Roh- und Hilfsstoffe im Produktionsprozeá, aber immer neue Exemplare derselben Art, nachdem die alten in der Bildung des fertigen Pro- dukts verzehrt sind. Es findet sich ebenso best„ndig Arbeitskraft im Produktionsprozeá, aber nur durch best„ndige Erneuerung ihres Kaufs, und oft mit Wechsel der Personen. Dagegen fahren dieselben identischen Geb„ude, Maschinen etc. fort, w„hrend wiederholter Umschl„ge des flssigen Kapitals in denselben wiederholten Pro- duktionsprozessen zu fungieren. #169# 8. Kapitel - Fixes Kapital und zirkulierendes Kapitals ----- II. Bestandteile, Ersatz, Reparatur, Akkumulation des fixen Kapi- tals In derselben Kapitalanlage haben die einzelnen Elemente des fixen Kapitals eine verschiedne Lebenszeit, daher auch verschiedne Um- schlagszeiten. In einer Eisenbahn z.B. haben Schienen, Schwellen, Erdarbeiten, Bahnhofsgeb„ude, Brcken, Tunnels, Lokomotiven und Wagen verschiedne Funktionsdauer und Reproduktionszeit, also auch das in ihnen vorgeschoáne Kapital verschiedne Umschlagszeiten. W„hrend einer langen Reihe von Jahren bedrfen die Geb„ude, die Perrons, Wasserbeh„lter, Viadukte, Tunnels, Bodeneinschnitte und D„mme, kurz, alles was im englischen Eisenbahnwesen als works of art 1*) bezeichnet wird, keiner Erneuerung. Die haupts„chlichsten Gegenst„nde des Verschleiáes sind der Schienenweg und das Trans- portmaterial (rolling stock). Ursprnglich, bei der Errichtung der modernen Eisenbahnen, war es vorherrschende Meinung, gen„hrt durch die ausgezeichnetsten prak- tischen #170# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals ----- Ingenieure, daá die Dauer einer Eisenbahn sekul„r w„re und der Verschleiá der Schienen so durchaus unmerklich, daá er fr alle finanziellen und praktischen Zwecke auáer acht zu lassen sei; 100-150 Jahre wurden als Lebenszeit guter Schienen betrachtet. Es stellte sich aber bald heraus, daá die Lebensdauer einer Schiene, die natrlich von der Geschwindigkeit der Lokomotiven, dem Ge- wicht und der Anzahl der Zge, der Dicke der Schienen selbst und einer Masse andrer Nebenumst„nde abh„ngt, im Durchschnitt 20 Jahre nicht berschritt. In einzelnen Bahnh”fen, Zentren groáes Verkehrs, verschleiáen die Schienen sogar jedes Jahr. Gegen 1867 fing man an, Stahlschienen einzufhren, die ungef„hr doppelt so- viel kosteten wie Eisenschienen, dafr aber mehr als doppelt so lange dauern. Die Lebensdauer der Holzschwellen w„hrte 12-15 Jahre. Bei dem Betriebsmaterial stellte sich ein bedeutend gr”á- rer Verschleiá heraus fr Gterwagen als fr Passagierwagen. Die Lebensdauer einer Lokomotive wurde 1867 auf 10-12 Jahre berech- net. Der Verschleiá wird bewirkt erstlich durch den Gebrauch selbst. Im allgemeinen verschleiáen die Schienen im Verh„ltnis zur Anzahl der Zge (R. C., Nr. 17 645) 22). Bei vermehrter Geschwindigkeit wuchs der Verschleiá in einem h”hern Verh„ltnis als dem des Qua- drats der Geschwindigkeit: d.h. bei verdoppelter Geschwindigkeit der Zge stieg der Verschleiá um mehr als das Vierfache. (R. C., Nr. 17 046.) Ein fernerer Verschleiá tritt ein durch die Einwirkung von Natur- kr„ften. So leiden Schwellen nicht nur durch wirklichen Ver- schleiá, sondern auch durch F„ulnis. "Die Unterhaltungskasten der Bahn h„ngen nicht so sehr ab von dem Verschleiá, den der Bahnverkehr mit sich fhrt, wie von der Qua- lit„t des Holzes, des Eisens und des Mauerwerks, die der Atmo- sph„re ausgesetzt sind. Ein einziger strenger Wintermonat wird dem Bahnk”rper mehr Schaden tun als ein ganzes Jahr Bahnverkehr." (R. P. Williams, "On the Maintance of Permanent Way. Vortrag im Institute of Civil Engineers", Herbst 1867. [12]) Endlich, wie berall in der groáen Industrie, spielt auch hier der moralische Verschleiá seine Rolle: Nach Verlauf von zehn Jah- ren kann man gew”hnlich dasselbe Quantum Waggons und Lokomotiven fr 30 000 Pfd. St. kaufen, das vorher 40 000 Pfd. St. kostete. Man muá so, auf dies Material --- 22) Die mit R. C. bezeichneten Zitate sind aus: "Royal Commission on Railways. Minutes of Evidence taken before the Commissioners. Presented to both Houses of Parliament", London 1867. - Die Fra- gen und Antworten sind numeriert und die Nummern hier angefhrt. #171# 8. Kapitel - Fixes Kapital und zirkulierendes Kapital ----- eine Depretiation von 25% des Marktpreises rechnen, selbst wenn keine Depretiation des Gebrauchswerts stattfindet. (Lardner, Railway Economy". [p. 120].) "R”hren-Brcken werden in ihrer gegenw„rtigen Form nicht erneuert werden." (Weil man jetzt bessere Formen fr solche Brcken hat.) "Gew”hnliche Reparaturen daran, Wegnahme und Ersatz einzelner Stcke sind nicht tunlich." (W. B. Adams. "Roads and Rails", Lon- don 1862, p. 1361.) Die Arbeitsmittel werden groáenteils best„ndig umgew„lzt durch den Fortschritt der Industrie. Sie werden daher nicht in ihrer ursprnglichen Form ersetzt, sondern in der umgew„lzten Form. Ei- nerseits bildet die Masse des fixen Kapitals, die in einer be- stimmten Naturalform angelegt ist und innerhalb derselben eine bestimmte Durchschnittslebenszeit auszudauern hat, einen Grund der nur allm„hlichen Einfhrung neuer Maschinen etc., und daher ein Hindernis gegen die rasche allgemeine Einfhrung der verbes- serten Arbeitsmittel. Andrerseits zwingt der Konkurrenzkampf, na- mentlich bei entscheidenden Umw„lzungen, die alten Arbeitsmittel vor ihrem natrlichen Lebensende durch die neuen zu ersetzen. Es sind haupts„chlich Katastrophen, Krisen, die solche vorzeitige Erneuerung des Betriebsger„ts auf gr”árer gesellschaftlicher Stu- fenleiter erzwingen. Der Verschleiá (abgesehn vom moralischen) ist der Wertteil, den das fixe Kapital allm„hlich durch seine Vernutzung an das Produkt abgibt, in dem Durchschnittsmaá, worin es seinen Gebrauchswert verliert. Zum Teil ist diese Abnutzung so, daá das fixe Kapital eine ge- wisse durchschnittliche Lebenszeit besitzt; fr diese wird es ganz vorgeschossen; nach Ablauf derselben muá es ganz ersetzt werden. Fr die lebendigen Arbeitsmittel, z.B. Pferde, ist die Reproduktionszeit durch die Natur selbst vorgeschrieben. Ihre durchschnittliche Lebenszeit als Arbeitsmittel ist durch Naturge- setze bestimmt. Sobald dieser Termin abgelaufen, mssen die abge- nutzten Exemplare durch neue ersetzt werden. Ein Pferd kann nicht stckweis, sondern nur durch ein andres Pferd ersetzt werden. Andre Elemente des fixen Kapitals lassen periodische oder teil- weise Erneuerung zu. Her ist der teilweise oder periodische Er- satz zu unterscheiden von allm„hlicher Ausdehnung des Gesch„fts- betriebs. Das fixe Kapital besteht zum Teil aus gleichartigen Bestandtei- len, die aber nicht gleich lange dauern, sondern in verschiednen Zeitr„umen stckweise erneuert werden. So die Schienen auf Bahn- h”fen die ”fter ersetzt werden mssen als auf dem brigen Bahn- k”rper. Ebenso die Schwellen, von denen in den 50er Jahren auf den belgischen Eisenbahnen nach Lardner #172# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals ----- 8% j„hrlich, also im Laufe von 12 Jahren die s„mtlichen Schwellen erneuert wurden. [13] Das Verh„ltnis ist hier also dies: Es wird eine Summe z.B. fr zehn Jahre in einer bestimmten Art des fixen Kapitals vorgeschossen. Diese Auslage wird auf einmal gemacht. Aber ein bestimmter Teil dieses fixen Kapitals, dessen Wert in den Wert des Produkts eingegangen und mit diesem in Geld umge- setzt ist, wird in jedem Jahr in natura ersetzt, w„hrend der an- dre Teil in seiner ursprnglichen Naturalform fortexistiert. Es ist die Auslage auf einmal und die nur stckweise Reproduktion in Naturalform, die dies Kapital als fixes vom flssigen Kapital un- terscheidet. Andre Stcke des fixen Kapitals bestehn aus ungleichen Bestand- teilen, die in ungleichen Zeitr„umen abnutzen und daher ersetzt werden mssen. Dies findet namentlich bei Maschinen statt. Was wir eben bemerkt haben mit Bezug auf die verschiedne Lebenszeit der verschiednen Bestandteile eines fixen Kapitals, gilt hier mit Bezug auf die Lebenszeit verschiedner Bestandteile derselben Ma- schine, die als Stck dieser fixen Kapitals figuriert. Mit Bezug auf allm„hliche Ausdehnung des Gesch„fts im Lauf der teilweisen Erneuerung bemerken wir folgendes. Obgleich, wie wir gesehn, das fixe Kapital fortf„hrt, in natura im Produktionspro- zeá zu wirken, hat ein Teil seines Werts, je nach dem Durch- schnittsverschleiá, mit dem Produkt zirkuliert, ist in Geld ver- wandelt worden, bildet Element des Geldreservefonds zum Ersatz des Kapitals fr den Termin seiner Reproduktion in natura. Dieser so in Geld verwandelte Teil des fixen Kapitalwerts kann dazu die- nen, das Gesch„ft zu erweitern oder Verbesserungen an den Maschi- nen anzubringen, welche deren Wirksamkeit vermehren. In krzren oder l„ngren Abschnitten findet so Reproduktion statt, und zwar - vom Standpunkt der Gesellschaft betrachtet - Reproduktion auf er- weiterter Stufenleiter; extensiv, wenn das Produktionsfeld ausge- dehnt; intensiv, wenn das Produktionsmittel wirksamer gemacht. Diese Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter entspringt nicht aus Akkumulation - Verwandlung von Mehrwert in Kapital -, sondern aus Rckverwandlung des Werts, welcher sich abgezweigt, in Geld- form losgel”st hat vom K”rper des fixen Kapitals, in neues, ent- weder zuschssiges oder doch wirksameres, fixes Kapital derselben Art. Es h„ngt natrlich teils von der spezifischen Natur des Ge- sch„ftsbetriebs ab, wieweit und in welchen Dimensionen er solches allm„hlichen Zuschusses f„hig ist, also auch in welchen Dimensio- nen ein Reservefonds gesammelt sein muá, um in dieser Weise rckangelegt wer den zu k”nnen, und in welchen Zeitr„umen dies geschehn kann. Wieweit andrerseits Detailverbesserungen an vor- handner Maschinerie angebracht werden k”nnen, h„ngt natrlich von der Natur der Verbesserung und der #173# 8. Kapitel - Fixes Kapital und zirkulimndes Kapital ----- Konstruktion der Maschine selbst ab. Wie sehr aber z.B. bei Ei- senbahnanlagen dieser Punkt von vornherein ins Auge gefaát wird, beweist Adams: "Die ganze Konstruktion sollte sich nach dem Prinzip richten, das im Bienenkorb herrscht - F„higkeit unbegrenzter Ausdehnung. Alle bersoliden und von vornherein symmetrischen Strukturen sind vom šbel, im Fall der Ausdehnung mssen sie niedergerissen werden." (p. 123.) Es h„ngt dies groáenteils vom verfgbaren Raum ab. Bei einigen Geb„uden kann man Stockwerke in der H”he zusetzen, bei andren ist Seitenausdehnung, also mehr Boden n”tig. Innerhalb der kapitali- stischen Produktion werden einerseits viele Mittel verschwendet, findet andrerseits viel zweckwidrige Seitenausdehnung dieser Art (zum Teil zum Schaden der Arbeitskraft) bei der allm„hlichen Aus- dehnung des Gesch„fts statt, weil nichts nach gesellschaftlichem Plan geschieht, sondern von den unendlich verschiednen Umst„nden, Mitteln etc. abh„ngt, womit der einzelne Kapitalist agiert. Hier- aus entsteht groáe Verschwendung der Produktivkr„fte. Diese stckweise Wiederanlage des Geldreservefonds (d.h. des in Geld rckverwandelten Teils des fixen Kapitals) ist am leichtesten im Landbau. Ein r„umlich gegebnes Produktionsfeld ist hier der gr”áten allm„hlichen Absorption von Kapital f„hig. Ebenso wo natrliche Reproduktion stattfindet, wie bei der Vieh- zucht. Das fixe Kapital verursacht besondre Erhaltungskosten. Ein Teil der Erhaltung wird durch den Arbeitsprozeá selbst bewirkt; das fixe Kapital verdirbt, wenn es nicht im Arbeitsprozeá fungiert. (Siehe Buch I, Kap. VI, p. 196 1*) und Kap. XIII, p. 423 2*): Verschleiá der Maschinerie, der aus ihrem Nichtgebrauch ent- springt.) Das englische Gesetz betrachtet es daher auch ausdrck- lich als Besch„digung (waste), wenn gepachtete Grundstcke nicht nach Landesgebrauch bebaut werden. (W.A. Holdsworth, Barrister at Law 3*), "The Law of Landlord and Tenant", London 1857, p. 96.) Diese Erhaltung, die aus dem Gebrauch im Arbeitsprozeá hervor- geht, ist eine Gratisnaturgabe der lebendigen Arbeit. Und zwar ist die erhaltende Kraft der Arbeit doppelter Art. Einerseits er- h„lt sie den Wert der Arbeitsmaterialien, indem sie ihn auf das Produkt bertr„gt andrerseits erh„lt sie den Wert der Arbeitsmit- tel, soweit sie nicht auch diesen auf das Produkt bertr„gt, durch Erhaltung ihres Gebrauchswerts, vermittelst ihrer Aktion im Produktionsprozeá. Das fixe Kapital erfordert aber auch positive Arbeitsauslage zu seiner Instandhaltung. Die Maschinerie muá von Zeit zu Zeit gereinigt werden. Es ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe. S. 221/222 - 2*) ebenda, S. 426 - 3*) Rechtsanwalt #174# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals ----- handelt sich hier um zus„tzliche Arbeit, ohne welche sie ge- brauchsunf„hig wird; um bloáe Abwehr sch„dlicher elementarer Ein- flsse, die vom Produktionsprozeá unzertrennlich sind, also um Erhaltung im werkf„higen Zustand im w”rtlichsten Sinn. Die nor- male Lebenszeit des fixen Kapitals ist selbstredend darauf be- rechnet, daá die Bedingungen erfllt werden, unter denen es w„h- rend dieser Zeit normal fungieren kann, ganz wie man unter. stellt, daá, wenn ein Mensch im Durchschnitt 30 Jahre lebt, er sich auch w„scht. Es handelt sich hier auch nicht um Ersatz der in der Maschine enthaltnen Arbeit, sondern um best„ndige zus„tz- liche Arbeit, die ihr Gebrauch n”tig macht. Es handelt sich nicht um Arbeit, die die Maschine tut, sondern die an ihr getan wird, worin sie nicht Produktionsagent ist, sondern Rohmaterial. Das in dieser Arbeit ausgelegte Kapital, obgleich es nicht in den ei- gentlichen Arbeitsprozeá eingeht, dem das Produkt seinen Ursprung verdankt, geh”rt zum flssigen Kapital. Diese Arbeit muá best„n- dig in der Produktion verausgabt, ihr Wert also auch best„ndig durch den Wert des Produkts ersetzt werden. Das in ihr ausgelegte Kapital geh”rt zu dem Teil des flssigen Kapitals, der die allge- meinen Unkosten zu decken hat und nach einer j„hrlichen Durch- schnittsrechnung auf das Wertprodukt zu ver. teilen ist. Wir ha- ben gesehn 1*), daá in der eigentlichen Industrie diese Arbeit der Reinigung von den Arbeitern gratis in den Ruhepausen und eben deswegen auch oft w„hrend des Produktionsprozesses selbst vor- geht, wo sie die Quelle der meisten Unf„lle wird. Diese Arbeit z„hlt nicht im Preis des Produkts. Der Konsument erh„lt sie so- fern gratis. Andrerseits hat der Kapitalist so die Erhaltungsko- sten seiner Maschine umsonst. Der Arbeiter zahlt in eigner Per- son, und dies bildet eins der Selbsterhaltungsmysterien des Kapi- tals, die der Tat nach einen juristischen Anspruch des Arbeiters auf die Maschinerie bilden und ihn selbst vom brgerlichen Rechtsstandpunkt aus zu ihrem Miteigentmer machen. In verschied- nen Produktionszweigen jedoch, wo die Maschinerie zu ihrer Reini- gung aus dem Produktionsprozeá entfernt werden muá, und die Rei- nigung daher nicht unter der hand geschehn kann, wie z.B. bei Lo- komotiven, z„hlt diese Erhaltungsarbeit unter den laufenden Ko- sten, also als Element des flssigen Kapitals. Eine Lokomotive muá nach h”chstens dreit„giger Arbeit in den Schuppen gebracht und dort gereinigt werden; der Kessel muá erst abkhlen, wenn er ohne Sch„digung ausgewaschen werden soll. (R. C., Nr. 17 823.) Die eigentlichen Reparaturen oder Flickarbeiten erheischen Aus- lage von Kapital und Arbeit, die nicht in dem ursprnglich vorge- schoánen Kapital ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 449/450, Note 190a #175# 8. Kapitel - Fixes Kapital und zirkulierendes Kapital ----- enthalten sind, also auch durch den allm„hlichen Wertersatz des fixen Kapitals jedenfalls nicht immer ersetzt und gedeckt werden k”nnen. Ist z.B. der Wert des fixen Kapitals = 10 000 Pfd.St. und seine Gesamtlebenszeit = 10 Jahre, so ersetzen diese 10 000 Pfd.St., nach zehn Jahren ganz in Geld verwandelt, nur den Wert des ursprnglichen Anlagekapitals, aber sie ersetzen nicht das inzwischen in Reparaturen neu zugesetzte Kapital, resp. Arbeit. Es ist dies ein zuschssiger Wertbestandteil, der auch nicht auf einmal vorgeschossen wird, sondern je nach Bedrfnis, und dessen verschiedne Vorschuázeiten der Natur der Sache nach zuf„llig sind. Solche sp„tere, dosenweise, zus„tzliche Kapitalauslage in Arbeitsmitteln und Arbeitskraft erheischt alles fixe Kapital. Die Besch„digungen, denen einzelne Teile der Maschinerie etc. ausgesetzt sind, sind der Natur der Sache nach zuf„llig, und so sind daher auch die dadurch ern”tigten Reparaturen. Dennoch scheiden sich aus dieser Masse zwei Sorten von Reparaturarbeiten ab, die einen mehr oder minder festen Charakter haben und in ver- schiedne Perioden der Lebenszeit des fixen Kapitals fallen - Ge- bresten des Kindesalters und die viel zahlreicheren Gebresten des ber die mittlere Lebenszeit hinausgerckten Alters. Eine Ma- schine z.B. mag mit noch so vollkommner Konstruktion in den Pro- duktionsprozeá eintreten; bei dem wirklichen Gebrauch zeigen sich M„ngel, die durch nachtr„gliche Arbeit korrigiert werden mssen. Andrerseits, je mehr sie ber ihre mittlere Lebenszeit hinausge- treten, je mehr sich also der normale Verschleiá geh„uft hat, das Material, aus dem sie besteht, vernutzt und altersschwach gewor- den, desto zahlreicher und bedeutender werden die Reparaturarbei- ten, n”tig, um die Maschine bis zu Ende ihrer durch schnittlichen Lebensperiode in Atem zu erhalten; ganz wie ein aller Mann, um nicht vorzeitig zu sterben, mehr medizinische Ausgaben hat als ein jugendkr„ftiger. Trotz ihres zuf„lligen Charakters verteilen sich also die Reparaturarbeiten in ungleichen Massen auf die ver- schiednen Lebe perioden des fixen Kapitals. Hieraus sowohl, wie aus dem sonst zuf„lligen Charakter der Repa- raturarbeiten an der Maschine folgt: Einerseits ist die wirkliche Ausgabe an Arbeitskraft und Arbeits- mitteln fr Reparaturarbeiten zuf„llig, wie die Umst„nde selbst, welche diese Reparaturen ern”tigen; der Umfang der n”tigen Repa- raturen ist verschieden verteilt auf die verschiednen Lebensperi- oden des fixen Kapitals. Andrerseits ist bei Sch„tzung der durch- schnittlichen Lebensperlode des fixen Kapitals unterstellt, daá es best„ndig in werkt„tigem Zustand erhalten wird, teils durch Reinigung (wozu auch die Reinhaltung der Lokale geh”rt), teils #176# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals ----- durch Reparatur, so oft wie erheischt. Die Wertbertragung durch Verschleiá des fixen Kapitals ist auf dessen durchschnittliche Lebensperiode berechnet, aber diese durchschnittliche Lebensper- lode selbst ist darauf berechnet, daá das zur Instandhaltung erheischte Zusatzkapital fortw„hrend vorgeschossen wird. Andrerseits ist es ebenso klar, daá der durch diese zuschssige Ausgabe von Kapital und Arbeit zugesetzte Wert nicht in den Preis der Waren eingehn kann gleichzeitig mit der wirklichen Ausgabe. Ein Spinner z.B. kann diese Woche sein Garn nicht teurer verkau- fen als vorige Woche, weil ihm diese Woche ein Rad gebrochen oder ein Riemen zerrissen ist. Die allgemeinen Kosten der Spinnerei haben sich in keiner Weise ver„ndert durch diesen Unfall in einer einzelnen Fabrik. Hier, wie bei aller Wertbestimrnung, bestimmt der Durchschnitt. Die Erfahrung zeigt den durchschnittlichen Um- fang solcher Unf„lle und der n”tigen Erhaltungs- und Reparaturar- beiten w„hrend der durchschnittlichen Lebensperlode des in einem bestimmten Gesch„ftszweig angelegten fixen Kapitals. Diese Durch- schnittsausgabe wird verteilt auf die Durchschnitts-Lebensperiode und wird in entsprechenden aliquoten Teilen auf den Preis des Produkts geschlagen und daher durch den Verkauf desselben er- setzt. Das Zuschuákapital, das so ersetzt wird, geh”rt zum flssigen Ka- pital, obgleich die Art der Auslage unregelm„áig ist. Da es von der h”chsten Wichtigkeit ist, sofort jedes Gebresten der Maschi- nerie zu kurieren, so befindet sich bei jeder gr„áern Fabrik ein den eigentlichen Fabrikarbeitern aggregiertes Personal, Ingeni- eur, Schreiner, Mechaniker, Schlosser usw. Ihr Lohn bildet Teil des variablen Kapitals, und der Wert ihrer Arbeit verteilt sich auf das Produkt. Andrerseits werden die in Produktionsmitteln erheischten Ausgaben nach jener Durchschnittsrechnung bestimmt und bilden nach dieser Rechnung fortw„hrend Wertteil des Pro- dukts, obgleich sie faktisch in unregelm„áigen Perioden vorge- schossen werden und also auch in unregelm„áigen Perioden in das Produkt, resp. das fixe Kapital eingehn. Dies in eigentlichen Re- paraturen ausgelegte Kapital bildet in mancher Hin,sicht ein Ka- pital eigner Art, das weder unter flssiges noch fixes Kapital zu rangieren ist, aber als unter die laufenden Ausgaben geh”rig mehr zum erstern z„hlt. Die Art der Buchfhrung „ndert natrlich nichts an dem wirklichen Zusammenhang der Dinge, worber Buch gefhrt wird. Es ist aber wichtig zu bemerken, daá es in vielen Gesch„ftszweigen Gewohnheit ist, die Reparaturkosten mit dem wirklichen Verschleiá des fixen Kapitals in folgender Aft anzurechnen. Das vorgeschoáne fixe Ka- pital sei 10 000 Pfd.St., #177# 8. Kapitel - Fixes Kapital und zirkulierendes Kapital ----- seine Lebensperiode 15 Jahre; der j„hrliche Verschleiá ist dann 666 2/3 Pfd.St. Nun wird aber der Verschleiá auf nur zehn Jahre berechnet, d.h. dem Preis der produzierten Waren j„hrlich 1000 Pfd.St. zugeschlagen fr Abnutzung des fixen Kapitals, statt 666 2/3 Pfd.St.; d.h., es werden 333 1/3 Pfd.St. fr Reparaturarbeit etc. reserviert. (Die Zahlen 10 und 15 sind nur beispielsweise genommen.) Soviel ist also im Durchschnitt an Reparatur veraus- gabt worden, damit das fixe Kapital 15 Jahre dauert. Diese Rech- nung verhindert natrlich nicht, daá das fixe Kapital und das in den Reparaturen ausgelegte Zusatzkapital verschiedne Kategorien bilden. Auf Grund dieser Rechnungsweise wurde z.B. angenommen, daá der niedrigste Kostenanschlag fr die Erhaltung und den Er- satz von Dampfschiffen 15% j„hrlich sei, also Reproduktionszeit = 6 2/3 Jahre. In den 60er Jahren vergtete die englische Regierung der Peninsular and Oriental Co. dafr 16% j„hrlich, was also ei- ner Reproduktionszeit von 6 1/4 1*) Jahr gleichkommt. Bei Eisen- bahnen ist die Durchschnitts-Lebensdauer einer Lokomotive 10 Jahre, aber, Reparaturen eingerechnet, wird der Verschleiá ange- nommen zu 12 1/2 %, was die Lebensdauer auf 8 Jahre reduziert, Bei Passagier- und Gterwagen wird 9% berechnet, also eine labenszeit von 11 1/9 Jahr angenommen. Die Gesetzgebung hat berall bei Mietkontrakten von H„usern und andren Dingen, die fr ihren Eigentmer fixes Kapital sind und als solches vermietet werden, den Unterschied anerkannt zwischen dem normalen Verschleiá, der durch die Zeit, den Einfluá der Ele- mente und die normale Vernutzung selbst herbeigefhrt wird, und zwischen den gelegentlichen Reparaturen, die zur Instandhaltung w„hrend der normalen Lebensdauer des Hauses und seiner normalen Benutzung zeitweise erforderlich sind. In der Regel fallen die ersten auf den Eigentmer, die zweiten auf den Mieter. Die Repa- raturen unterscheiden sich ferner in gew”hnliche und substanti- elle. Die letztren sind teilweise Erneuerung des fixen Kapitals in seiner Naturalform und fallen ebenfalls auf den Eigentmer, wo der Kontrakt nicht ausdrcklich das Gegenteil sagt. So z.B. nach englischem Recht: "Ein Mieter von Jahr zu Jahr ist nur verpflichtet, die Baulich- keiten wind, und wasserdicht zu halten, solange dies geschehn kann ohne substantielle Reparaturen; und berhaupt nur solche Re- paraturen zu besorgen, die als gew”hnliche bezeichnet werden k”n- nen. Und selbst in dieser Beziehung muá das Alter und der allge- meine Zustand der betreffenden Teile des Geb„udes, zur Zeit als der Mieter es bernahm, im Auge behalten werden, denn er ist nicht verpflichtet, weder altes und verschliánes Material durch neues zu ersetzen, noch die aus dem Zeitverlauf und dem regelm„- áigen Gebrauch ----- 1*) 1. und 2. Auflage: 6 1/2 #178# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals ----- entstehende unvermeidliche Entwertung gutzumachen" (Holdsworth "Law of Landlord and Tenant", p. 90, 91.) Ganz verschieden, sowohl vom Ersatz des Verschleiáes wie von den Arbeiten der Erhaltung und Reparatur ist die V e r s i c h e r u n g, die sich auf Zerst”rung durch auáeror- dentliche Naturereignisse, Feuersbrunst, šberschwemmungen etc. bezieht. Diese muá aus dem Mehrwert gutgemacht werden und bildet einen Abzug von demselben. Oder, vom Standpunkt der ganzen Ge- sellschaft betrachtet: Es muá eine best„ndige šberproduktion stattfinden, d.h; Produktion auf gr”árer Stufenleiter, als zu einfachem Ersatz und Reproduktion des vorhandnen Reichtums n”tig - ganz abgesehn von Zunahme der Bev”lkerung -, um die Produkti- onsmittel zur Verfgung zu haben, zur Ausgleichung der auáeror- dentlichen Zerst”rung, welche Zuf„lle und Naturkr„fte anrichten. In der Tat besteht nur der geringste Teil des zum Ersatz n”tigen Kapitals in dem Geldreservefonds. Der wichtigste Teil besteht in der Ausdehnung der Produktionsleiter selbst, die teils wirkliche Erweiterung ist, teils zum normalen Umfang der Produktionszweige geh”rt, die das fixe Kapital produzieren. So ist z.B. eine Ma- schinenfabrik darauf eingerichtet, daá j„hrlich sowohl die Fabri- ken ihrer Kundschaft erweitert werden, wie auch daá best„ndig ein Teil davon ganzer oder teilweiser Reproduktion bedarf. Bei der Bestimmung des Verschleiáes, wie der Reparaturkosten, nach gesellschaftlichem Durchschnitt, ergeben sich notwendig groáe Ungleichheiten, selbst fr gleich groáe und sonst unter denselben Umst„nden befindliche Kapitalanlagen in demselben Pro- duktionszweig. In der Praxis dauert fr den einen Kapitalisten die Maschine etc. ber die Durchschnittsperiode hinaus, bei dem andern nicht so lange. Die Reparaturkosten des einen sind ber, die des andren unter dein Durchschnitt usw. Der durch den Ver- schleiá, wie durch die Reparaturkosten, bestimmte Preiszuschlag der Ware ist aber derselbe und wird durch den Durchschnitt be- stimmt. Der eine erh„lt also durch diesen Preiszusatz mehr, als er wirklich zusetzt, der andre weniger. Dies, wie alle andren Um- st„nde, die bei gleicher Exploitation der Arbeitskraft den Gewinn verschiedner Kapitalisten in demselben Gesch„ftszweig verschieden machen, tr„gt dazu bei, die Einsicht in die wahre Natur des Mehr- werts zu erschweren. Die Grenze zwischen eigentlicher Reparatur und Ersatz, zwischen Erhaltungskosten und Erneuerungskosten, ist eine mehr oder weni- ger flieáende. Daher der ewige Streit bei Eisenbahnen z.B., ob gewisse Ausgaben Reparatur oder Ersatz sind, ob sie aus laufender Ausgabe oder dem Grundkapital bestritten werden mssen. šbertra- gung von Reparaturausgaben auf #179# 8. Kapitel - Fixes Kapital und zirkulierendes Kapital ----- Kapitalkonto, statt auf Revenuekonto, ist das bekannte Mittel, wodurch Eisenbahndirektionen ihre Dividenden knstlich in die H”he schrauben. Jedoch hat auch hierfr die Erfahrung die wesent- lichsten Anhaltspunkte bereits geliefert. Die nachtr„glichen Ar- beiten w„hrend der ersten Lebensperiode der Eisenbahn z.B. sind "keine Reparaturen, sondern mssen angesehn werden als wesentli- cher Bestandteil des Bahnbaus, und sind also dem Kapitalkonto zu belasten, da sie nicht aus dem Verschleiá oder der normalen Wir- kung des Verkehrs herrhren, sondern der ursprnglichen und un- vermeidlichenunvollkommenheitdes Bahnbaus geschuldet sind". (Lardner, l.c.p. 40.) "Dagegen ist es die einzig richtige Methode, die Revenue eines jeden Jahres zu belasten mit der Entwertung, die notwendigerweise eingetreten ist, mit diese Revenue verdient werden konnte, einer- lei, ob die Summe wirklich ausgegeben ist oder nicht." (Captain Fitzmaurice, "Committee of Inquiry on Caledonian Railway", abckt in "Money Market Review", 1868.) Praktisch unm”glich und zwecklos wird die Trennung von Ersatz und Erhaltung des fixen Kapitals in der Landwirtschaft, wenigstens soweit sie noch nicht mit Dampf arbeitet. "Bei einem vollst„ndigen, jedoch nicht bertrieben starken Be- stande des Ger„teinventars" (Bedarf an Acker- und sonstigen Ar- beits- und Wirbchaftsger„ten aller Art) "pflegt man im groáen Durchschnitt die j„hrliche Abnutzung und Unterhalt des Ger„tin- ventars nach Verschiedenheit der vorliegenden Verh„ltnisse zu 15- 25% vom Anschaffungskapital anzuschlagen." (Kirchhof, "Handbuch der landwirthschaftlichen Betriebslehre", Dessau 1852, p. 137.) Bei dem Betriebsunternehmen einer Eisenbahn ist Reparatur und Er- satz gar nicht zu trennen. "Wir erhalten unser Betriebsmaterial der Zahl nach aufrecht. Wel- che Anzahl von Lokomotiven wir auch haben, diese Zahl erhalten wir aufrecht. Wird eine im Lauf der Zeit unbrauchbar, so daá es vorteilhafter ist, eine neue zu bauen, so bauen wir sie auf Ko- sten der Revenue, wobei wir der Revenue natrlich den Wert der von der alten Maschine brigen Materialien gutschreiben... Es bleibt immer ziemlich viel brig... Die R„der, die Achsen, die Kessel etc., kurz, ein gutes Stck der alten Lokomotive bleibt brig." (T. Gooch, Chairman of Great Western Railway Co. 1*), R.C. Nr. 17327, 17329.) - "Reparieren heiát erneuern; fr mich existiert das Wort 'Ersatz' nicht;... hat eine Eisenbahngesell- schaft einen Wagen oder eine Lokomotive einmal gekauft, so "sollte sie sie so reparieren, daá sie in Ewigkeit fortlaufen k”nnen." (17784.) Wir rechnen 8 1/2 d. fr die englische Zugmeile an Lokomotivkosten. Aus diesen 8 1/2 d. erhalten wir die Lokomo- tiven fr immer. Wir erneuern unsre Maschinen. Wenn Sie eine neu kaufen wollen, so geben Sie mehr Geld aus, als n”tig ist... An der alten Maschine ----- 1*) Pr„sident der Groáen Westbahn-Gesellschaft #180# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals ----- finden sich immer ein paar R„der, eine Achse oder sonst ein Stck, das brauchbar und du hilft eine Maschine wohlfeiler her- stellen, die ebensogut ist wie eine ganz neue." (17790.) Ich pro- duziere jede Woche eine neue Lokomotive, d.h. die so gut wie neu ist, denn Kessel, Zylinder und Gestell sind neu." (17823, Archi- bald Sturrock, Locomotive Superintendent of Great Northern Rail- way 1*), in R.C., 1867.) Ebenso bei den Wagen: "Im Lauf der Zeit wird der Vorrat der Lokomotiven und Wagen fort- w„hrend erneuert; das eine Mal werden neue R„der angesteckt, das andre Mal ein neues Gestell. Die Teile, auf denen die Bewegung beruht und die dem Verschleiá am meistens sind, werden ich erneu- ert; die Maschinen und Wagen k”nnen dann einer solchen Reihe von Reparaturen unterworfen werden, daá in manchen von ihnen nicht eine Spur von dem alten Material brig ist... Selbst wenn sie re- paraturunf„hig werden, werden Stcke von den alten Wagen oder Lo- komotiven hinein verarbeitet und verschwinden so nie gich von der Bahn. Das bewegliche Kapital ist daher in fortw„hrender Reproduk- tion, was fr den Bahnk”rper zu einer bestimmten Zeit auf einmal stattfinden muá, wenn die ganze Bahn neu belegt wird, das findet beim Betriebema ausschlieálich von Jahr zu Jahr statt. Seine Exi- stenz ist perennierend, es ist in fortw„hrender Verjngung be- griffen." (Lardner, p. 115, 116.) Dieser Prozeá, wie hier von Lardner bei der Eisenbahn darge- stellt, paát nicht auf eine einzelne Fabrik, wohl aber als Bild der best„ndigen, partiellen, mit der Reparatur durcheinander lau- fenden Reproduktion des fixen Kapitals innerhalb eines ganzen In- dustriezweigs, oder berhaupt innerhalb der gesamten Produktion, auf gesellschaftlicher Stufenleiter betrachtet. Hier ein Beweis, innerhalb wie weiter Grenzen geschickte Direktionen den Begriffen Reparatur und Ersatz wirtschaften k”nnen zur Erzielung von Divi- denden. Nach dem oben zitierten Vortrag von R.P. Williams schrie- ben verschiedne englische Eisenbahngesellschaften im Durchschnitt einer Reihe von Jahren fr Reparatur und Erhaltungskosten des Bahnk”rpers und der Baulichkeiten folgende Summe auf Revenuekonto ab (per englische Meile der Bahnl„nge j„hrlich): London & North Western 370 Pfd.St. Midland 225 Pfd.St. London & South Western 257 Pfd.St. Great Northern 360 Pfd.St. Lancashire & Yorkshire 377 Pfd.St. South Eastern 263 Pfd.St. Brighton 266 Pfd.St. Manchester & Sheffield 200 Pfd.St. ----- 1*) Oberaufseher ber die Lokomotiven der Groáen Nordbahn #181# 8. Kapitel - Fixex Kapitel und zirkulierendes Kapital ----- Diese Differenzen rhren nur zum allergeringsten Teil von Ver- schiedenheit der wirklichen Auslagen her, sie stammen fast aus- schlieálich aus verschiedner Berechnungsweise, je nachdem Ausga- beposten dem Kapitalkonto oder dem Revenuekonto zur Last gebracht werden. William geradezu: "Die geringere Belastung wird angenommen, weil dies fr eine gute Dividende ist, und die gr”áte Belastung wird gemacht,weil dies fr eine st„rkeren Dividende n”tig ist und die gr”áre Belastung wird gemacht, weil eine st„rkere Revenue vorhanden ist, die das ertragen kann." [12] In gewissen F„llen wird der Verschleiá, also auch sein Ersatz, eine praktisch verschwindende Gr”áe, so daá allein die Reparatur- kosten in Rechnung kommen. Was Lardner im folgenden von works of art bei Eisenbahnen gilt im allgemeinen fr alle solche dauer- haften Werke, Kan„le, Docks, eiserne und steinerne Brcken etc. - "Der Verschleiá, der infolge der langsamen Wirkung der Zeit bei den solideren Werken eintritt, wirkt fast unmerklich w„hrend kr- zerer Zeitr„ume, nach Verfluá eines langen Zeitraums, z.B. von Jahrhunderten, muá er jedoch die Erneuenmg, ganz oder teilweise, selbst bei den solidesten Konstruktionen herbeifhren. Dieser un- merkliche Verschleiá, verglichen mit dem fhlbareren bei andren Teilen der Bahn, l„át sich vergleichen mit den sekul„ren und pe- riodischen Ungleichheiten in der Bewegung der Weltk”rper. Die Wirkung der Zeit auf die massiveren Konstruktionen einer Bahn, Brcken, Tunnel, Viadukte etc., liefert Beispiele von dem, was man einen sekul„ren Verschleiá nennen kann. Die schnellere und sichtbarere Entwertung, die in krzern Zeitr„umen durch Reparatu- ren oder Ersatz gutgemacht wird, ist den periodischen Ungleich- heiten analog. In die j„hrlichen Reparaturkosten wird auch der Ersatz des zuf„lligen Schadens eingeschlossen, den die Auáenseite auch der dauerhafteren Konstruktionen von Zeit zu Zeit erleidet; aber auch unabh„ngig von diesen Reparaturen geht das Alter nicht wirkungslos an ihnen vorbei, und wie entfernt sie auch immer sei, die Zeit muá kommen, in der ihr Zustand einen Neubau n”tig macht. In finanzieller und ”konomischer Beziehung mag diese Zeit aller- dings viel zu entfernt, um sie in praktische Rechnung zu ziehn." (Lardner, l.c.p. 38, 39.) Es gilt dies fr alle solche Werke von sekul„rer Dauer, bei wel- chen also nicht das in ihnen vorgeschoáne Kapital ihrem Ver- schleiá entsprechend allm„hlich zu ersetzen ist, sondern nur die j„hrlichen Durchschnittskosten der Erhaltung und Reparatur auf den Preis des Produkts zu bertragen sind. Obgleich, wie wir ge- sehn, ein gr”árer Teil des zum Ersatz des Verschleiáes des fixen Kapitals zurckfliegenden Geldes j„hrlich, oder selbst in krzern Zeitr„umen, wieder in seine Naturalform rckvermndelt wird, ist dennoch fr jeden einzelnen Kapitalisten ein Amortisationsfonds n”tig fr den Teil des fixen Kapitals, der nur nach Verlauf von Jahren auf einmal in seinen Reproduktionstermin tritt und dann ganz zu ersetzen ist. Ein #182# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals ----- bedeutender Bestandteil des fixen Kapitals schlieát durch seine Beschaffenheit die stckweise Reproduktion aus. Auáerdem, wo die Reproduktion stckweis in der Weise geschieht, daá in krzern In- tervallen dem entwerteten Bestand neuer zugefgt wird, ist je nach dem spezifischen Charakter des Produktionszweigs eine vorhe- rige Geldakkumulation von gr”árem oder geringrem Umfang n”tig, bevor dieser Ersatz stattfinden kann. Nicht jede beliebige Geld- summe reicht dazu hin, es wird eine Geldsumme von bestimmtem Um- fang dazu erheischt. Betrachten wir dies bloá unter der Voraussetzung der einfachen Geldzirkulation, ohne alle Rcksicht auf das erst sp„ter zu ent- wickelnde Kreditsystem, so ist der Mechanismus der Bewegung die- ser: Im ersten Buch (Kap. III, 3a.) wurde gezeigt, daá, wenn ein Teil des in einer Gesellschaft vorhandnen Geldes stets als Schatz brachliegt, w„hrend ein andrer als Zirkulationsmittel, resp. als unmittelbarer Reservefonds des direkt zirkulierenden Geldes fun- giert, die Proportion best„ndig wechselt, worin sich die Gesamt- masse des Geldes auf Schatz und auf Zirkulaiionsmittel verteilt. In unserm Fall wird nun Geld, das als Schatz in der Hand eines gr”áern Kapitalisten in gr”árem Umfang aufgeh„uft sein muá, beim Einkauf des fixen Kapitals auf einmal in Zirkulation geworfen. Es verteilt sich selbst wieder in der Gesellschaft als Zirkulations- mittel und als Schatz. Durch den Amortisationsfonds, worin nach Maágabe des Verschleiáes des fixen Kapitals dessen Wert zu seinem Ausgangspunkt zurckflieát, bildet ein Teil des zirkuherenden Geldes wieder Schatz - fr l„ngre oder krzre Zeit - in der Hand desselben Kapitalisten, dessen Schatz bei Ankauf des fixen Kapi- tals sich in Zirkulationsmittel verwandelt und von ihm entfernt hatte. Es ist eine best„ndig wechselnde Verteilung des in der Ge- sellschaft existierenden Schatzes, der abwechselnd als Zirkulati- onsmittel fungiert, und dann wieder als Schatz aus der Masse des zirkulierenden Geldes abgeschieden wird. Mit der Entwicklung des Kreditwesens, welche der Entwicklung der groáen Industrie und der kapitalistischen Produktion notwendig parallel geht, fungiert dies Geld nicht als Schatz, sondern als Kapital, aber in der Hand nicht seines Eigentmers, sondern andrer Kapitalisten, denen es zur Verfgung gestellt ist. #183# ----- NEUNTES KAPITEL Der Gesamtumschlag des vorgeschoánen Kapitals. Umschlagszyklen Wir haben gesehn, daá die fixen und flssigen Bestandteile des produktiven Kapitals verschiedenartig und zu verschiednen Peri- oden umschlagen, ebenso daá die verschiednen Bestandteile des fi- xen Kapitals in demselben Gesch„ft wie nach ihrer verschiednen Lebens-, daher Reproduktionszeit, wieder verschiedne Umschlagspe- rioden haben. (šber die wirkliche oder scheinbare Verschiedenheit im Umschlag verschiedner Bestandteile des flssigen Kapitals in demselben Gesch„ft, siehe am Schluá dieses Kapitels sub 6.) 1. Der Gesamtumschlag des vorgeschoánen Kapitals ist der Durch- schnittsumschlag seiner verschiednen Bestandteile; Berechnungsmo- dus weiter unten. Soweit es sich nur um verschiedne Zeitperioden handelt, ist natrlich nichts einfacher als ihren Durchschnitt zu ziehn; aber: 2. es findet hier nicht nur quantitativer, sondern qualitativer Unterschied statt. Das in den Produktionspirozeá eingehende flssige Kapital ber- tr„gt seinen ganzen Wert auf das Produkt und muá daher best„ndig, durch den Verkauf des Produkts, in natura ersetzt werden, soll der Produktionsprozeá ohne Unterbrechung vorsichgehn. Das in den Produktionsprozeá eingehende fixe Kapital bertr„gt nur Teil sei- nes Werts (den Verschleiá) auf das Produkt und f„hrt trotz des Verschleiáes fort, im Produktionsprozeá zu fungieren; es braucht daher nur in krzern oder rn Intervallen, jedenfalls nicht so oft wie das flssige Kapital, in natura ersetzt zu werden. Diese Er- satznotwendigkeit, der Reproduktionstermin, ist nicht nur quanti- tativ verschieden fr die verschiednen Bestandteile des fixen Ka- pitals, sondern, wie wir gesehn haben, ein Teil des l„nger dau- ernden, vielj„hrigen fixen Kapitals kann j„hrlich oder in krzern Intervallen ersetzt und dem alten fixen Kapital in natura hin- zugefgt werden; bei fixem Kapital andrer Beschaffenheit kann der Ersatz nur nach Ende er Lebenszeit auf einmal stattfinden. #184# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals ----- Es ist daher n”tig, die Sonderumschl„ge der verschiednen Teile des fixen Kapitals auf gleichartige Form des Umschlags zu redu- zieren, so daá sie nur noch quantitativ, der Umschlagsdauer nach, verschieden sind. Diese qualitative Dieselbigkeit findet nicht statt, wenn wir P... P - die Form des kontinuierlichen Produkti- onsprozesses - zum Ausgangspunkt nehmen. Denn bestimmte Elemente von P mssen best„ndig in natura ersetzt werden, andre nicht. Wohl aber gibt die Form G... G' diese Dieselbigkeit des Um- schlags. Nehmen wir z.B. eine Maschine zum Wert von 10 000 Pfd.St., die zehn Jahre dauert, wovon sich also j„hrlich 1/10 = 1000 Pfd.St. in Geld rckverwandelt. Diese 1000 Pfd.St. haben sich im Lauf eines Jahres aus Geldkapital in produktives Kapital und Warenkapital und aus diesem in Geldkapital rckverwandelt. Sie sind zu ihrer ursprnglichen Geldform zurckgekehrt, wie das flssige Kapital, wenn wir es unter dieser Form betrachten, und es ist dabei gleichgltig, ob das Geldkapital von 1000 Pfd.St. wieder am Ende des Jahres in die Naturalform einer Maschine rck- verwandelt wird oder nicht. Bei der Berechnung des Gesamt- umschlags des vorgeschoánen produktiven Kapitals fixieren wir da- her alle seine Elemente in der Geldform, so daá die Rckkehr zur Geldform den Umschlag schlieát. Wir betrachten den Wert immer als in Geld vorgeschossen, selbst beim kontinuierlichen Produktions- prozeá, wo diese Geldform des Werts nur die des Rechengelds ist. So k”nnen wir dann den Durchschnitt ziehn. 3. Es folgt, daá selbst wenn der bei weitem gr”áre Teil des vor- geschoánen produktiven Kapitals aus fixem Kapital besteht, dessen Reproduktions-, also auch Umschlagszeit, einen vielj„hrigen Zy- klus umfaát, dennoch der w„hrend des Jahres umgeschlagene Kapi- talwert infolge der wiederholten Umschl„ge des flssigen Kapitals w„hrend des Jahres gr”áer sein kann als der Gesamtwert des vorge- schoánen Kapitals. Das fixe Kapital sei = 80 000 Pfd.St., seine Reproduktionszeit = 10 Jahre, so daá 8000 Pfd.St. davon j„hrlich zu ihrer Geldform zurckkehren oder es 1/10 seines Umschlags vollzieht. Das fls- sige Kapital sei = 20 000 Pfd.St. und schlage fnfmal im Jahre um. Das Gesamtkapital ist dann = 100 000 Pfd.St. Das umgeschlagne fixe Kapital ist = 8000 Pfd.St.; das ungeschickte flssige Kapi- tal = 5 x 20 000 = 100 000 Pfd.St. Also ist das w„hrend des Jah- res umgeschlagne Kapital 108 000 Pfd.St., gr”áer um 8000 Pfd.St. als das vorgeschoáne Kapital. 1 + 2/25, des Kapitals hat umge- schlagen. 4. Der W e r t u m s c h l a g des vorgeschoánen Kapitals trennt sich also von seiner wirklichen Reproduktionszeit oder der realen Umschlagszeit seiner Bestandteile. Ein Kapital von 4000 Pfd.St. schlage z. B. fnfmal im Jahre #185# 9. Kapitel - Der Gesamtumschlag des vorgeschoánen Kapitals ----- um. Das umgeschlagne Kapital ist dann 5 x 4000 = 20 000 Pfd.St. Was aber am Ende jedes Umschlags zurckkehrt, um wieder von neuem vorgeschossen zu werden, ist das ursprnglich vorgeschoáne Kapi- tal von 4000 Pfd.St. Seine Gr”áe wird nicht ver„ndert durch die Anzahl der Umschlagsperloden, w„hrend deren es von neuem als Ka- pital fungiert. (Abgesehn vom Mehrwert.) In dem Beispiel sub 3 also ist nach der Voraussetzung am Ende des Jahres in die Hand des Kapitalisten zurckgekehrt a) eine Wertsumme von 20000 Pfd.St., die er von neuem in den flssigen Bestandteilen des Kapitals auslegt, und b) eine Summe von 8000 Pfd.St., die sich durch den Verschleiá vom Wert des vorgeschoánen fixen Kapitals losgel”st hat; daneben existiert nach wie vor das- selbe fixe Kapital im Produktionsprozeá fort, aber mit dem ver- minderten Wert von 72 000 Pfd.St. statt 80 000 Pfd.St. Es be- drfte also noch neunj„hriger Fortsetzung des Produktionsprozes- ses, bis das vorgeschoáne fixe Kapital sich ausgelebt und sowohl als Produktbildner wie Wertbildner ausfungiert hat und ersetzt werden muá. Der vorgeschoáne Kapitalwert hat also einen Zyklus von Umschl„gen zu beschreiben, im gegebnen Fall z.B. einen Zyklus von zehn j„hrlichen Umschl„gen - und zwar ist dieser Zyklus be- stimmt durch die Lebenszeit, daher die Reproduktionszeit oder Umschkgszeit des angewandten fixen Kapitals. In demselben Maáe also, worin sich mit der Entwicklung der kapi- talistischen Produktionsweise der Wertumfang und die Lebensdauer des an gewandten fixen Kapitals entwickelt, entwickelt sich das Leben der Industrie und des industriellen Kapitals in jeder be- sondren Anlage zu einem vielj„hrigen, sage im Durchschnitt zehn- j„hrigen. Wenn einerseits die Entwicklung des fixen Kapitals die- ses Leben ausdehnt, so wird es andrerseits abgekrzt durch die best„ndige Umw„lzung der Produktionsmittel, die ebenfalls mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise best„ndig zu- nimmt. Mit ihr daher auch der Wechsel der Produktionsmittel und die Notwendigkeit ihres best„ndigen Ersatzes infolge des morali- schen Verschleiáes, lange bevor sie physisch ausgelebt sind. Man kann annehmen, daá fr die entscheidendsten Zweige der groáen In- dustrie dieser Lebenszyklus jetzt im Durchschnitt ein zehnj„hri- ger ist. Doch kommt es hier nicht auf die bestimmte Zahl an. So- viel ergibt sich: Durch diesen eine Reihe von Jahren umfassenden Zyklus von zusammenh„ngenden Umschl„gen, in welchen das Kapital durch seinen fixen Bestandteil gebannt ist, ergibt sich eine ma- terielle Grundlage der periodischen Krisen, worin das Gesch„ft aufeinanderfolgende Perioden der Abspannung, mittleren Lebendig- keit, šberstrzung, #186# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals ----- Krise durchmacht. Es sind zwar die Perioden, worin Kapital ange- legt wird, sehr verschiedne und auseinanderfallende. Indessen bildet die Krise immer den Ausgangspunkt einer groáen Neuanlage. Also auch - die ganze Gesellschaft betrachtet - mehr oder minder eine neue rmterielle Grundlage fr den n„chsten Umschlagszyklus. 22[a] 5. šber die Berechnungsweise des Umschlags lassen wir einen ame- rikanischen ™konomen sprechen. "In einigen Gesch„ftszweigen wird das ganze vorgeschoáne Kapital mehrere Mal innerhalb eines Jahres umgeschlagen oder zirkuliert; in einigen andren schl„gt ein Teil mehr als einmal im Jahr um, ein andrer Teil nicht so h„ufig. Es ist die Durchschnittsperiode, die sein ganzes Kapital gebraucht, um durch seine Hand zu passie- ren oder um einmal umzuschlagen, wonach ein Kapitalist seinen Profit berechnen muá. Angenommen, jemand habe in einem bestimmten Gesch„ft die Hilfte seines Kapitals in Geb„uden und Maschinerie angelegt, welche einmal in zehn Jahren erneuert werden; ein Vier- tel in Werkzeugen etc., die in zwei Jahren erneuert werden. das letzte Viertel, ausgelegt in Arbeitsl”hnen und Rohstoffen, w„re zweimal im Jahre umgeschlagen. Sein ganzes Kapital sei 50000 Dol- lars. Dann wird seine Jahresauslage sein: 50 000/2 = 25 000 Doll. in 10 Jahren = 2500 Doll. in 1 Jahr 50 000/4 = 12 500 " " 2 " = 6250 " " 1 " 50 000/4 = 12 500 " " 1/2 " = 25 000 " " 1 " ---------------------------------- in 1 Jahr = 33 750 Doll. Die Durchschnittszeit also, in der sein ganzes Kapital einmal um- geschlagen wird, ist 16 Monate [14]... Nehmen wir einen andern Fall: Ein Viertel des Gesamtkapitals von 50 000 Doll. zirkuliert in 10 Jahren; ein Viertel in 1 Jahr; die brige H„lfte zweimal in 1 Jahr. Dann wird die j„hrliche Auslage sein: 12 500/10 = 1 250 Doll. 12 500 = 12 500 " 25000 x 2 = 50 000 " In 1 Jahr umgeschlagen = 63 750 Doll. (Scrope, "Pol. Econ.", edit. Alonzo Potter, New York 1841, p. 142, 143.) [15] --- 22[a]) "Die st„dtische Produktion ist an den Turnus der Tage ge- bunden, die l„ndliche hingegen an den Turnus der Jahre." (Adam H. Mller, "Die Elemente der Staaskunst", Berlin 1809, III., S. 178.) Dies ist die naive Vorstellung der Romantik von Industrie und Agrikultur. #187# 9. Kapitel - Der Gesamtumschlag des vorgeschoánen Kapitals ----- 6. Wirkliche und scheinbare Verschiedenheiten im Umschlag der verschiednen Teile des Kapitals. - Derselbe Scrope sagt an der- selben Stelle [p. 141]: "Das Kapital, das ein Fabrikant, Landwirt oder Kaufmann in der Zahlung von Arbeitsl”hnen auslegt, zirkuliert am schnellsten, da es vielleicht einmal in der Woche, wenn seine Leute w”chentlich bezahlt werden, durch die w”chentlichen Einknfte aus seinen Ver- k„ufen oder bezahlten Fakturen umgeschlagen wird. Das in Rohstof- fen oder fertigen Vorr„ten ausgelegte zirkuliert weniger rasch; es mag zweimal oder viel im Jahr umschlagen, je nach der Zeit, die zwischen dem Einkauf der einen und dem Verkauf der andern verbraucht wird, vorausgesetzt, daá er auf gleiche Kreditfrist kauft und verkauft. Das in Werkzeugen und Maschinen steckende Ka- pital zirkuliert noch langsamer, da es im Durchschnitt vielleicht nur einmal in fnf oder zehn Jahren umgeschlagen, d.h. konsumiert und erneuert wird, obwohl manche Werkzeuge schon in einer einzi- gen Reihe von Operationen aufgebraucht werden. Das in Geb„uden, z.B. Fabriken, L„den, Lagerh„usern, Scheunen, in Straáen, Bew„s- serungsanlagen etc. ausgelegte Kapital scheint berhaupt kaum zu zirkulieren. In der Tat aber werden auch diese Anlagen vollst„n- dig ebensosehr wie die frher erw„hnten aufgebraucht, w„hrend sie zur Produktion beitragen, und mssen reproduziert werden, damit der Produzent seine Operationen fortfahren kann. Nur mit dem Un- terschied, daá sie langsamer konsumiert und reproduziert werden als die brigen... Das in ihnen angelegte Kapital vielleicht erst in 20 oder 50 Jahren um." Scrope verwechselt hier den durch Zahlungstermine und Kreditver- h„ltnisse fr den individuellen Kapitalisten bewirkten Unter- schied im Fluá bestimmter Teile des flssigen Kapitals mit den aus der Natur des Kapitals hervorgehenden Umschl„gen. Er sagt, der Arbeitslohn muá w”chentlich gezahlt werden durch die w”chent- lichen Einknfte aus den bezahlten Verk„ufen oder Fakturen. Er- stens ist hier zu bemerken, daá mit Bezug auf den Arbeitslohn selbst Unterschiede eintreten, je nach der L„nge des Zahlungster- mins, d.h. der L„nge der Zeit, wofr der Arbeiter dem Kapjtali- sten Kredit zu geben hat; also je nachdem der Zahlungstermin des hns w”chentlich, monatlich, dreimonatlich, halbj„hrlich usw. Es gilt hier das frher entwickelte Gesetz: "Die notwendige Masse des Zahlungsmittels (also des auf einen Schlag verzuschieáenden Geldkapitais) steht im geraden 1*) Verh„ltnis zur L„nge der Zah- lungsperioden." (Buch I, Kap. III, 3, b, Seite 124 2*).) Zweitens: In das w”chentliche Produkt geht die Gesamtheit nicht nur des in seiner Produktion durch die Wochenarbeit zugesetzten Neuwerts ein, sondern ebenso der Wert der im Wochenprodukt aufge- zehrten Roh- ----- 1*) 1. und 2. Auflage: umgekehrten - 2*) siehe Band 23 unser Aus- gabe, S. 156 #188# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals ----- und Hilfsstoffe. Mit dem Produkt zirkuliert dieser in ihm ent- haltne Wert. Durch den Verkauf dieses Produkts erh„lt er die Geldform und muá von neuem in dieselben Produktionselemente umge- setzt werden. Es gilt dies ebensowohl von der Arbeitskraft wie von Roh- und Hilfsstoffen. Aber man hat bereits gesehn (Kap.VI, II, 1.), daá die Kontinuit„t der Produktion einen Vorrat von Pro- duktionstteln erheischt, verschieden fr verschiedne Gesch„fts- zweige, und im selben Gesch„ftszweig wieder verschieden fr ver- schiedne Bestandteile dieses Elements des flssigen Kapitals, z.B. fr Kohle und Baumwolle. Obgleich daher diese Stoffe best„n- dig in natura ersetzt werden mssen, brauchen sie nicht best„ndig neu gekauft zu werden. Wie oft sich der Kauf erneuert, h„ngt von der Gr”áe des angelegten Vorrats ab, wie lange er vorh„lt, bis er ersch”pft ist. Bei der Arbeitskraft findet solches Einlegen von Vorrat nicht statt. Die Rckverwandlung in Geld geht den in Ar- beit ausgelegten Kapitalteil Hand in Hand mit der des in Hilfs- und Rohstoff ausgelegten. Aber die Rckverwandlung des Geldes, einerseits in Arbeitskraft, andrerseits in Rohstoffe, geht ge- trennt vor sich wegen der besondren Kauf- und Zahlungstermine dieser beiden Bestandteile, von denen der eine als produktiver Vorrat in l„ngern Terminen gekauft wird, der andre, die Arbeits- kraft, in krzern, z.B. w”chentlich. Andrerseits muá der Kapita- list neben dem Produktionsvorrat einen Vorrat fertiger Waren hal- ten. Abgesehn von Verkaufsschwierigkeiten etc. ist z.B. eine be- stimmte Masse auf Bestellung zu produzieren. W„hrend der letzte Teil derselben produziert wird, wartet der schon fertige auf dem Speicher bis zur Zeit, wo die Bestellung ganz ausgefhrt werden kann. Andre Unterschiede im Umschlag des flssigen Kapitals ent- stehn, sobald einzelne Elemente desselben l„nger als andre in ei- nem vorl„ufigen Stadium des Produktionsprozesses (Austrocknung von Holz usw.) verharren mssen. Das Kreditwesen, auf das Scrope hier Bezug nimmt, wie das Han- delskapital, modifiziert den Umschlag fr den einzelnen Kapitali- sten. Auf gesellschaftlicher Stufenleiter modifiziert es ihn nur, soweit es nicht nur die Produktion, sondern auch die Konsumtion beschleunigt. #189# ----- ZEHNTES KAPITEL Theorien ber fixes und zirkulierendes Kapital Die Physiokraten und Adam Smith Bei Quesnay erscheint der Unterschied von fixem und zirkulieren- dem Kapital als avances primitives 1*) und avances annuelles 2*). Er stellt diesen Unterschied richtig dar als Unterschied inner- halb des produktiven, dem unmittelbaren Produktionsprozeá einver- leibten Kapitals. Da ihm das in der Agrikultur angewandte Kapi- tal, also das Kapital des P„chters, als das einzig wirklich pro- duktive gilt, so ergeben sich diese Unterschiede auch nur fr das Kapital des P„chters. Hieraus ergibt sich auch die j„hrliche Um- schlagszeit des einen Teils des Kapitals und die mehr als j„hrli- che (zehnj„hrige) des andern. Beil„ufig bertragen die Physiokra- ten im Lauf der Entwicklung diese Unterschiede auch auf andre Sorten Kapital, auf das industrielle Kapital berhaupt. Fr die Gesellschaft bleibt der Unterschied zwischen j„hrlichen und mehr- j„hrigen Vorschssen so wichtig, daá viele ™konomen selbst nach A. Smith, zu dieser Bestimmung zurckkehren. Der Unterschied zwi- schen beiden Arten von Vorschssen entsteht erst, sobald vorge- schoánes Geld in die Elemente des produktiven Kapitals verwandelt ist. Es ist ein Unterschied einzig und allein innerhalb des pro- duktiven Kapitals. Es f„llt Quesnay daher nicht ein, das Geld, sei es zu den ursprnglichen, sei es zu den j„hrlichen Vorschs- sen zu rechnen. Als Vorschsse der Produktion - d.h. als produk- tives Kapital - stehn sie beide sowohl dem Geld wie den auf dem Markt befindlichen Waren gegenber. Ferner reduziert sich der Un- terschied dieser beiden Elemente des produktiven Kapitals bei Quesnay richtig auf die verschiedne Weise, worin sie in den Wert des fertigen Produkts eingehn, daher auf die verschiedne Weise, worin ihr Wert mit dem Produktenwert zirkuliert wird, und daher die verschiedne Weise ihres Ersatzes oder ihrer Reproduktion, in- dem der Wert ----- 1*) ursprngliche Vorschsse - 2*) j„hrliche Vorschsse #190# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals ----- des einen j„hrlich ganz, der des andren in ern Perioden stckweis ersetzt wird. 23) Der einzige Fortschritt, den A. Smith macht, ist die Verallgemei- nerung der Kategorien. Sie bezieht sich bei ihm nicht mehr auf eine spezielle Form des Kapitals, das P„chterkapital, sondern auf jede Form des produktiven Kapitals. Es folgt daher von selbst, daá an die Stelle des der Agrikultur entnommenen Unterschieds zwischen j„hrlichem und mehrj„hrigem Umschlag, der allgemeine Un- terschied verschiedenzeitigen Umschlags tritt, so daá ein Um- schlag des fixen Kapitals stets mehr als einen Umschlag des zir- kulierenden Kapitals umfaát, welches immer die Zeitdauer dieser Umschl„ge des zirkulierenden Kapitals sei, j„hrlich, mehr als j„hrlich oder weniger als j„hrlich. So verwandeln sich bei Smith die avances annuelles in zirkulierendes und die avances primiti- ves in fixes Kapital. Auf diese Verallgemeinerung der Kategorien beschr„nkt sich aber sein Fortschritt. Die Ausfhrung f„llt weit hinter Quesnay zurck. Gleich die roh empirische Art, wie Smith die Untersuchung er”ff- net, leitet die Unklarheit ein: "There are two different ways in which a capital may be employed so as to yield a revenue or profit to its employer." 3*) ("Wealth of Nations", Book II, chap. I, p. 185. Edit. Aberdeen 1848.) --- 23) Vgl. fr Quesnay die "Analyse du Tableau conomique" ("Physiocrates", ‚d. Daire, I. Partie, Paris 1846). Es heiát dort z.B.: "Die j„hrlichen Vorschsse bestehen in den Ausgaben, die j„hrlich fr die Arbeiten in der Landbestellung gemacht werden; diese Vorschsse mssen von den ursprnglichen Vorschssen unter- schieden werden, die Fonds fr die Einrichtung der Landbestellung darstellen." (p. 59.) - Bei den jngren Physiokraten werden die avances schon mehrfach direkt als capital bezeichnet: "Capital ou avances". Dupont de Nemours, "Maximes du Docteur Quesnay, ou r‚- sum‚ de ses principes d'‚conomie sociale" 1*) (Daire, I, p. 391.); ferner Le Trosne: "Infolge der l„ngeren oder krzeren Le- bensdauer der Arbeitserzeugnisse besitzt eine Nation einen von seiner j„hrlichen Reproduktion unabh„ngigen betr„chtlichen Vorrat von Reichtmern, der ein von langer Hand akkumuliertes K a p i t a l darstellt und, ursprnglich mit Produkten bezahlt, sich immer erh„lt und w„chst." (Daire, II, p. 928, 929.) - Turgot braucht das Wort capital schon regelm„áiger fr avances, und identifiziert noch mehr die avances der manufacturiers 2*) mit denen der P„chter. (Turgot, R‚flexions sur la Formation et la Di- bution des Richesses, 1766.) ----- 1*) 1. und 2. Auflage: "Origine & ProgrŠs d'une science nou- velle", 1767 - 2*) Fabrikanten - 3*) "Es gibt zwei verschiedene Arten, worin ein Kapital angelegt werden kann, um seinem Besitzer ein Einkommen oder einen Profit abzuwerfen." #191# 10. Kapitel - Theorien ber fixes und zirkul. Kapital ----- Die Arten, worin Wert angelegt werden kann, um als Kapital zu fungieren, um seinem Eigner einen Mehrwert abzuwerfen, sind ebenso verschieden, ebenso mannigfach wie die Anlagesph„ren des Kapitals. Es ist eine Frage nach den verschiednen Produktions- zweigen, worin Kapital angelegt werden kann. Die Frage, so formu- liert, geht noch weiter. Sie schlieát die Frage ein, wie Wert, auch wenn er nicht als produktives Kapital angelegt wird, als Ka- pital fr seinen Eigner fungieren kann, z.B. als zinstragendes Kapital, Kaufmannskapital usw. Hier sind wir also schon himmel- weit entfernt von dem wirklichen Gegenstand der Analyse, n„mlich von der Frage: wie die Teilung des p r o d u k t i v e n Kapi- tals in seine verschiednen Elemente, abgesehn von ihrer ver- schiednen Anlagesph„re, auf ihren Umschlag wirkt. A. Smith f„hrt dann gleich fort: "First, it may be employed in raising, manufactoring, or purcha- sing goods, and selling them again with a profit." 1*) A. Smith sagt uns hier nichts, als daá Kapital angewandt werden kann in der Agrikultur, der Manufaktur und dem Handel. Er spricht also nur von den verschiednen Anlagesph„ren des Kapitals und auch von solchen, worin, wie im Handel, das Kapital nicht dem unmit- telbaren Produktionsprozeá einverleibt ist, also nicht als pro- duktives Kapital fungiert. Damit verl„át er schon die Grundlage, worauf die Physiokraten die Unterschiede des produktiven Kapitals und ihren Einfluá auf den Umschlag darstellen. Ja, er nimmt so- fort auch das Kaufmannskapital als Beispiel in einer Frage, wo es sich ausschlieálich um Differenzen des produktiven Kapitals im Produkt- und Wertbildungsprozeá handelt, die selbst wieder Diffe- renzen in seinem Umschlag und seiner Reproduktion erzeugen. Er f„hrt fort: "The capital employed in this manner yields no revenue or profit to its employer while it either remains in his possession or con- tinues in the same shape." 2*) - "The capital employed in this manner! Aber Smith spricht von Ka- pital, das in der Agrikultur, in der Industrie angelegt ist, und er sagt uns sp„ter, daá das so angelegte Kapital in fixes und zirkulierendes zerf„llt! Die Anlage des Kapitals in dieser Art kann also das Kapital weder zu fixem noch zu zirkulierendem ma- chen. ----- 1*) "Erstens kann es angelegt werden, um Gter zu zchten, zu fa- brizieren oder zu kaufen und sie mit einem Profit wieder zu ver- kaufen." - 2*) "Das auf diese Weise angelegte Kapital wirft sei- nem Besitzer weder Einkommen noch Profit ab, sowie es entweder in seinem Besitz bleibt oder die gleiche Gestalt beh„lt." #192# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals ----- Oder meinte er, daá Kapital, angewandt, um Waren zu produzieren und diese Waren mit einem Profit zu verkaufen, nach seiner Ver- wandlung in Waren verkauft werden und durch den Verkauf erstens aus dem Besitz des Verk„ufers in den des K„ufers bergehn, zwei- tens aus seiner Naturalform als Ware in seine Geldform sich um- setzen muá, und daher dem Besitzer unntz ist, solange es entwe- der in seinem Besitz oder - fr ihn - in derselben Form bleibt? Aber dann kommt die Sache darauf hinaus: Derselbe Kapitalwert, der frher in der Form des produktiven Kapitals fungierte, in ei- ner dem Produktionsprozeá angeh”rigen Form, fungiert jetzt als Warenkapital und Geldkapital, in seinen dem Zirkulationsprozeá angeh”rigen Formen, ist also weder fixes noch flssiges Kapital mehr. Und es gilt dies ebensowohl fr die Wertelemente, welche durch Roh- und Hilfsstoffe, also durch flssiges, wie fr dieje- nigen, welche durch den Verbrauch der Arbeitsmittel, also durch fixes Kapital, zugefgt werden. Wir kommen auch so dem Unter- schied von fixem und flssigem Kapital keinen Schritt n„her. Weiter: "The goods of the merchant yield him no revenue or profit till he sells them for money, and the money yields him as little till it is again exchanged for goods. His capital is continually going from him in one shape, and eng to him in another, and it is only by means of such circulation, or successive exchanges, that it can yield him any profit. Such capitds, therefore, may very pro- perly be called circulating capitals." 1*) Was A. Smith hier als zirkulierendes Kapital bestimmt, ist das, was ich Z i r k u l a t i o n s k a p i t a l nennen will, Ka- pital, in der dem Zirkulationsprozeá, dem Formwechsel vermittelst des Austausches (Stoffwechsel und H„ndewechsel) angeh”rigen Form, also Warenkapital und Geldkapital, im Gegensatz zu seiner dem Produktionsprozeá angeh”rigen Form, der des produktiven Kapitals. Es sind dies keine besondren Arten, worin der industrielle Kapi- talist sein Kapital teilt, sondern es sind verschiedne Formen, die derselbe vorgeschoáne Kapitalwert in seinem curriculum vitae 2*) nacheinander stets von neuem annimmt und abstreift. Dies wirft A. Smith - und das ist ein groáer Rckschritt gegen die Physiokraten - zusammen mit den Formunterschieden, die innerhalb der Zirkulation des Kapitalwerts, in seinem ----- 1*) "Die Gter des KaufManns werfen ihm weder Einkommen noch Pro- fit ab, bis er sie fr Geld verkauft, und das Geld wirft ihm ebensowenig ab, bis es wieder gegen Gter ausgetmncht wird. Sein Kapital geht best„ndig in der einen Gestalt von ihm und kehrt in einer anderen zu ihm zurck, und nur vermittels einer solchen Zirkulation oder aufeinanderfolgender Tauschhandlungen kann es ihm einen Profit abwerfen. Deshalb kann man solche Kapitale ganz richtig zirkulierende Kapitale nennen." - 2*) Lebenslauf #193# 10. Kapitel - Theorien ber fixes und zirkul. Kapital ----- Kreislauf durch seine sukzessiven Formen, entspringen w„hrend der Kapitalwert sich in der Form des promtiven Kapitals befindet; und zwar entspringen aus der verschiednen Weise, worin die verschied- nen Elemente des produktiven Kapitals am Wertbildungsprozeá sich beteiligen und ihren Wert auf das Produkt bertragen. Wir werden die Folgen dieser Grundverwechslung zwischen dem produktiven und dem in der Zirkulationssph„re befindlichen Kapital (Warenkapital und Geldkapital) einerseits, und zwischen fixem und flssigem Ka- pital andrerseits, weiter unten sehn. Der in fixem Kapital vorge- schoáne Kapitalwert wird ebensowohl durch das Produkt zirkuliert, wie der im flssigen Kapital vorgeschoáne, und er verwandelt sich durch die Zirkulation des Warenkapitals ebensosehr in Geld kapi- tal wie der andre. Der Unterschied entspringt nur daraus, daá sein Wert bruchweis zirkuliert und daher auch bruchweis, in kr- zern oder l„ngern Perioden ersetzt, in Naturalform reproduziert werden muá. Daá A. Smith hier unter zirkulierendem Kapital nichts versteht als Zirkulationskapital, d.h. den Kapitalwert in seinen dem Zir- kulationsprozeá angeh”rigen Formen (Warenkapital und Geldkapi- tal), beweist das von ihm mit besondrem Ungeschick gew„hlte Bei- spiel. Er nimmt als Beispiel eine Kapitalart, die gar nicht dem Produktionsprozeá angeh”rt, sondern nur in der Zirkulationssph„re haust, nur aus Zirkulationskapital besteht, das Kaufmannskapital. Wie abgeschmackt es ist, mit einem Beispiel zu beginnen, worin das Kapital berhaupt nicht als produktives Kapital figuriert, sagt er selbst gleich darauf: "The capital of a merchant is altogether a circulating capital." 1*) Aber der Unterschied zwischen zirkulierendem und fixem Kapital soll ja, wie uns sp„ter gesagt wird, ein aus wesentlichen Unter- schieden innerhalb des produktiven Kapitals selbst entspringender sein. Einerseits hat A. Smith den physiokratischen Unterschied im Kopf, andrerseits die Formunterschiede, die der Kapitalwert in seinem Kreislauf durchmacht. Und beides geht bunt durcheinander. Wie aber ein Profit entstehn soll durch den Formwechsel von Geld und Ware, durch bloáe Verwandlung des Werts aus einer dieser For- men in die andre, ist absolut nicht abzusehn. Auch wird die Er- kl„rung absolut unm”glich, weil er hier beginnt mit dem Kauf- mannskapital, das sich nur in der Zirkulationssph„re bewegt. Wir kommen hierauf zurck; h”ren wir zun„chst, was er ber das fixe Kapital sagt: ----- 1*) "Das Kapital eines Kaufmanns ist ein und gar zirkulierendes Kapital." #194# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals ----- "Secondly, it" (capital) "may be employed in the improvement of land, in the purchase of useful machines and instruments of trade, or in auch like things as yield a revenue or profit wi- thout changing masters, or circulating any further. Such capi- tals, therefore, may very properly be called fixed capitals. Dif- ferent occupations require very different proportions between the fixed and circulating capitals employed in them... Some part of the capital of every master artificer or manufacturer must be fi- xed in the instruments of his trade. This part however, is very small in some, and very great in others... The far greater part of the capital of all such master artificers" (wie Schneider, Schuster, Weber) however is circulated, either in the wages of their wages of their workmen, or in the price of their materials, and to be repaid with a profit by the price of the work." 1*) Abgesehn von der kindlichen Bestimmung ber die Quelle des Pro- fits tritt das Schwache und Konfuse gleich darin hervor: Fr einen Maschinenfabrikanten z.B. ist die Maschine Produkt, die als Warenkapital zirkuliert, also in A. Smiths Worten: "is parted with, changes masters, circulates further." 2*) Die Maschine w„re also nach seiner eignen Bestimmung kein sondern zirkulierendes Kapital. Diese Konfusion entspringt wieder daraus, daá Smith den aus der verschiedenartigen Zirkulation der ver- schiednen Elemente des produktiven Kapitals entspringenden Unter- schied von fixem und flssigem Kapital verwechselt mit Formunter- schieden, die dasselbe Kapital durchl„uft, soweit es innerhalb des Produktionsprozesses als produktives Kapital fungiert, dage- gen innerhalb der Zirkulationssph„re als Zirkulationskapital, d.h. als Warenkapital oder als Geldkapital. Je nach der Stelle, die sie im Lebensprozeá des Kapitals einnehmen, k”nnen dieselben Dinge daher bei A. Smith als fixes Kapital fungieren (als Ar- beitsmittel, Elemente des produktiven Kapitals), und als "zirkulierendes" Kapital, Warenkapital ----- 1*) "Zweitens kann es" (das Kapital) "zur Bodenverbesserung, zum Ankauf ntzlicher Maschinen und Arbeitsinstrumente oder zu „hnli- chen Dingen verwandt werden, die ein Einkommen oder einen Profit abwerfen, ohne den Eigner zu wechseln oder weiter zu zirkulieren. Solche Kapitale kann man deshalb ganz richtig fixe Kapitale nen- nen. Verschiedene Besch„ftigtmgen erfordern sehr verschiedene Gr”áenverh„ltnisse der in ihnen angelegten fixen und zirkulieren- den Kapitale... Ein bestimmter Teil des Kapitals eines jeden Handwerksmeisters oder Fabrikanten muá in seinen Arbeitsinsenten festgelegt sein. Dieser Teil ist jedoch bei einigen sehr klein und bei andren sehr groá... Der entschieden gr”áere Teil des Ka- pitals aller solcher Handwerksmeister" (wie Schneider, Schuster, Weber) zirkuliert jedoch entweder in den L”hnen ihrer Arbeiter oder im Preis ihrer Materialien und wird mit einem Profit durch den Preis der Arbeit zurckgezahlt." - 2*) "von der man sich trennt, die die Eigner wechselt, die man weiter zirkulieren l„át." #195# 10. Kapitel - Theorien ber fixes und zirkul. Kapital ----- (als Produkt, das aus der Produktionssph„re in die Zirkulations- sph„re abgestoáen wird). Aber A. Smith wechselt auf einmal den ganzen Einteilungsgrund und widerspricht dem, womit er ein paar Zeilen vorher die ganze Un- tersuchung er”ffnet hatte. Es geschieht dies namentlich mit dem Satz: "There are two different ways in which a capital may be emplow so as to yield a revenue or a profit to its employer." 1*) n„mlich als zirkulierendes oder als fixes Kapital. Danach waren dies also verschiedne Anwendungsweisen verschiedner voneinander unabh„ngiger Kapitale, wie Kapitale entweder z.B. in der Indu- strie oder in der Agrikultur angewandt werden k”nnen. - Jetzt aber heiát es: "Different occupations require very different propotions between the fixed and circulating capitals employed in them." 2*) Fixes und zirkulierendes Kapital sind jetzt nicht mehr ver- schiedne, selbst„ndige Kapilanlagen, sondern verschiedne Portio- nen desselben produktiven Kapitals, die in verschiednen Anla- gesph„ren verschiednen Anteil vom Gesamtwert dieses Kapitals bil- den. Es sind also Unterschiede, die aus der sachgem„áen Teilung des promiiven Kapitals selbst entspringen, und die daher nur mit Bezug auf dieses gelten. Dem widerspricht aber wieder, daá das Handelskapital als bloá zirkulierendes Kapital dem fixen Kapital gegenbergestellt wird, denn Smith selbst sagt: "Das Kapital eines Kaufmanns ist ganz und gar zirkulierendes Ka- pital." Es ist in der Tat ein nur innerhalb der Zirkulationssph„re fun- gierendes Kapital und steht als solches dem produktiven Kapital, dem dem Produktionsprozeá einverleibten Kapital berhaupt gegen- ber, kann aber ebendeshalb nicht als flssiger (zirkulierender) Bestandteil des produktiven Kapitals dem fixen Bestandteil des produktiven Kapitals gegenberstehn. Bei den Beispielen, die Smith gibt, bestimmt er als fixes Kapital die instruments of trade 3*), als zirkulierendes Kapital den Kapitalantell, ausge- legt in Arbeitsl”hnen und Rohstoffen, Hilfsstoffe eingerechnet (repaid with a profit by the price of the work 4*)). ----- 1*) "Es gibt zwei verschiedene Arten, worin ein Kapital angelegt werden kann, um seinem Besitzer ein Einkommen oder einen Profit abzuwerfen" - 2*) "Verschiedene Besch„ftigungen erfordern sehr verschiedene Gr”áenverh„tnisse der in ihnen angelegten fixen und zirkulierenden Kapitale." - 3*) Arbeitainsnte - 4*) mit einem Profit durch den Preis der Arbeit zurckgezahlt #196# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals ----- Also zun„chst wird nur ausgegangen von den verschiednen Bestand- teilen des Arbeitsprozesses, Arbeitskraft (Arbeit) und Rohstoffen auf der einen Seite, Arbeitsinstrumenten auf der andern. Diese aber sind Kapitalbestandteile, weil eine Wertsumme, die als Kapi- tal fungieren soll, in ihnen ausgelegt ist. Sofern sind sie die stofflichen Elemente, Daseinsweisen des produktiven, d.h. des im Produktionsprozeá fungierenden Kapitals. Warwn heiát nun der eine Teil fix? Weil "some of the capital must be fixed in the instruments of trade". 1*) Aber der andre Teil ist auch fixiert in Arbeitslohn und Rohstof- fen. Maschinen indessen und "instruments of trade... such like things... yield a revenue or profit without changing masters, or circulating any further. Such capitals, therefore, may very properly be cabed fixed capitals". 2*) Nehmen wir z.B. den Bergbau. Rohmaterial wird hier gar nicht ver- wandt, indem der Arbeitsgegenstand, z.B. das Kupfer, ein Natur- produkt ist, das durch die Arbeit erst angeeignet werden soll. Das erst anzueignende Kupfer, das Produkt des Prozesses, das sp„- ter als Ware, resp. Warenkapital, zirkuliert, bildet kein Element des produktiven Kapitals. Kein Teil seines Werts ist darin ausge- legt. Andrerseits die andren Elemente des Produktionsprozesses, Arbeitskraft und Hilfsstoffe, wie Kohle, Wasser usw., gehn eben- sowenig stofflich in das Produkt ein. Die Kohle wird ganz konsu- miert, und nur ihr Wert geht in das Produkt ein, ganz wie ein Werttell der Maschine etc. in das Produkt eingeht. Endlich bleibt der Arbeiter ebenso selbst„ndig dem Produkt, dem Kupfer, gegen- ber stehn, wie die Maschine. Nur der Wert, den er durch seine Arbeit produziert, ist jetzt Bestandteil des Kupferwerts. Also in diesem Beispiel wechselt kein einziger Bestandteil des produkti- ven Kapitals die H„nde (masters 3*)), oder wird keiner derselben weiter zirkuliert, weil keiner derselben stofflich in das Produkt eingeht. Wo bleibt hier also das zirkulierende Kapital? Nach A. Smiths eigner Definition best„nde das ganze in einem Kupferberg- werke zur Verwendung kommende Kapital nur aus fixem Kapital. Nehmen wir dagegen eine andre Industrie, die Rohstoffe anwendet, welche die Substanz des Produkts bilden, ferner Hilfsstoffe, die leiblich, ----- 1*) "ein bestimmter Teil des Kapitals in den Arbeitsinstrumenten festgelegt werden muá" - 2*) "Arbeitsinstrumente... „hnliche Dinge... werfen ein Einkommen oder Profit ab, ohne den Eigner zu wechseln oder weiter zu zirkulieren. Solche Kapitale kann man deshalb ganz richtig fixe Kapitale nennen" - 3*) des Eigners #197# 10. Kapitel - Theorien ber fixes und zirkul. Kapital ----- nicht nur dem Wert nach, wie etwa Heizkohle, in das Produkt ein- gehn. Mit dem Produkt, dem Garn z.B., wechselt auch der Rohstoff, die Baumwolle, woraus es besteht, die H„nde und geht aus dem Pro- duktionsprozeá in den Konsurntionsprozeá ein. Aber solange die Baumwolle als Element des produktiven Kapitals fungiert, verkauft der Eigner sie nicht, sondern bearbeitet sie, l„át Garn aus ihr machen. Er gibt sie nicht aus der Hand. Oder, um Smiths grob- falsch-trivialen Ausdruck zu brauchen, er macht keinen Profit by parting with it, by its changing masters, or by circulating it 1*). Er l„át seine Materialien ebensowenig zirkulieren wie seine Maschinen. Sie sind fixiert im Produktionsprozeá, ganz so gut wie die Spinnmaschinen und Fabrikgeb„ude. Ja, es muá ebenso best„ndig ein Teil des produktiven Kapitals in der Form von Kohle, Baum- wolle etc. fixiert sein, wie in der von Arbeitsmitteln. Der Un- terschied ist nur der, daá die zur z.B. w”chentlichen Produktion von Garn n”tige Baumwolle, Kohle etc. best„ndig in der Produktion des Wochenprodukts ganz konsumiert wird, daher durch neue Exem- plare von Baumwolle, Kohle etc. ersetzt werden muá; also diese Elemente des produktiven Kapitals, obgleich sie der Art nach identisch bleiben, best„ndig aus neuen Exemplaren derselben Art bestehn, w„hrend dieselbe individuelle Spinnmaschine, dasselbe individuelle Fabrikgeb„ude fortf„hrt, ohne Ersatz durch ein neues Exemplar seiner Art, zu einer ganzen Reihe von Wochenproduktionen mitzuwirken. Als Elemente des produktiven Kapitals sind alle seine Bestandteile best„ndig im Produktionsprozeá fixiert, denn er kann nicht ohne sie vorgehn. Und alle Elemente des produktiven Kapitals, fixe wie flssige, stehn gleichm„áig als produktives Kapital dem Zirkulationskapital, d.h. dem Warenkapital und Geld- kapital gegenber. Ebenso verh„lt es sich mit der Arbeitskraft. Ein Teil des produk- tiven Kapitals muá best„ndig in ihr fixiert sein, und es sind dieselben identischen Arbeitskr„fte, wie dieselben Maschinen, die berall auf l„ngre Zeit von demselben Kapitalisten verwandt wer- den. Der Unterschied zwischen ihnen und den Maschinen besteht hier nicht darin, daá die Maschine ein fr all mal gekauft ist (was auch nicht der Fall, wenn sie z.B. in Terminen abbezahlt wird), der Arbeiter nicht - sondern darin, daá die Arbeit, die dieser verausgabt, ganz in den Wert des Produkts eingeht, dagegen der Wert der Maschine nur bruchweis. Smith verwechselt verschiedne Bestimmungen, wenn er vom zirkulie- renden Kapital sagt im Gegensatz zum fixen: ----- 1*) indem er sich von ihr trennt, indem sie die Eigner wechselt oder indem er sie zirkulieren l„át #198# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals ----- "The capital employed in this manner yields no revenue or profit to its employer, while it either remains in his possesion or con- tinues in the same shape." 1*) Er stellt die nur formelle Metamorphose der Ware, die das Pro- dukt, das Warenkapital, in der Zirkulationssph„re durchl„uft und die den H„ndewechsel der Waren vermittelt, auf gleiche Stufe mit der k”rperlichen Metamorphose, welche die verschiednen Elemente des produktiven Kapitals w„hrend des Produktionsprozesses durch- laufen. Verwandlung von Ware in Geld und von Geld in Ware, Kauf und Verkauf, wirft er hier ohne weitres zusammen mit Verwandlung von Produktionselementen in Produkt. Sein Beispiel fr das zirku- lierende Kapital ist das Kaufmannskapital, das sich aus Ware in Geld, aus Geld in Ware verwandelt - der der Warenzirkulation an- geh”rige Formwechsel W-G-W. Dieser Formwechsel innerhalb der Zir- kulation hat aber fr das fungierende industrielle Kapital die Bedeutung, daá die Waren, worin das Geld rckverwandelt wird, Produktionselemente (Arbeitsmittel und Arbeitskraft) sind, daá er also die Kontinuit„t seiner Funktion vermittelt, den Produktions- prozeá als kontinuierlichen oder als Reproduktionsprozeá. Dieser ganze Formwechsel geht in der Z i r k u l a t i o n vor; er ist es, der den wirklichen šbergang der Waren aus einer Hand in die andre vermittelt. Dagegen die Metamorphosen, die das produktive Kapital innerhalb seines Produktionsprozesses durchl„uft, sind dem A r b e i t s p r o z e á angeh”rige Metamorphosen, notwen- dig, um die Produktionselemente in das bezweckte Produkt zu ver- wandeln. A. Smith h„lt sich daran, daá ein Teil der Produktions- mittel (die eigentlichen Arbeitsmittel) im Arbeitsprozeá dient (was er f„lschlich ausdrckt: yield a profit to their master 2*)), indem er seine Naturalform nicht ver„ndert, sich nur all- m„hlich abnutzt; w„hrend ein andrer Teil, die Materialien, sich ver„ndert, und gerade durch seine Ver„nderung seine Bestimmung als Produktionsmittel erfllt. Dies verschiedne Verhalten der Elemente des produktiven Kapitals im Arbeitsprozeá bildet aber nur den Ausgangspunkt des Unterschieds zwischen fixem und nicht fixem Kapital, nicht diesen Unterschied selbst, was sich schon daraus ergibt, daá es fr alle Produktionsweisen, kapitalistische und nichtkapitalistische, gleichm„áig besteht. Diesem verschied- nen stofflichen Verhalten entspricht aber die Wertabgabe an das Produkt, der hinwieder der Wertersatz durch den Verkauf des Pro- dukts entspricht; und erst dies bildet jenen Unterschied. Das Ka- pital ist also nicht fix, weil es in den Arbeits- ----- 1*) "Das auf diese Weise angelegte Kapital wirft seinem Besitzer weder Einkommen noch Profit ab, solange es entweder in seinem Be- sitz bleibt oder die gleiche Gestalt beh„lt." - 2*) ihrem Eigner einen Profit abwerfen #199# 10. Kapitel - Theorie ber fixes und zierkul. Kapital ----- mitteln fixiert ist, sondern weil ein Teil seines in Arbeitsmit- teln ausgelegten Werts in denselben fixiert bleibt, w„hrend ein andrer Teil als Wertbestandteil des Produkts zirkuliert. "If it" (the stock) "is employed in procuring future profit, it must procure this profit by staying with him" (the employer), "or by going from him. In the one case it is a fixed, in the other it is a circulating capital." 1*) (p. 189.) Zun„chst f„llt hier auf die roh empirische, aus der Anschauungs- weise des gew”hnlichen Kapitalisten gesch”pfte Vorstellung des Profits, die der bessern esoterischen Einsicht A. Smiths durchaus widerspricht. In dem Preis des Produkts ist der Preis sowohl der Materialien wie der Arbeitskraft ersetzt worden, aber ebenso der von den Arbeitsinstrumenten durch Verschleiá auf das Produkt bertragne Wertteil. Aus diesem Ersatz entquillt in keinem Fall der Profit. Ob ein zur Produktion des Produkts vorgeschoáner Wert ganz oder stckweis, auf einmal oder allm„hlich durch den Verkauf desselben ersetzt wird, kann nur die Art und die Zeit des Er- satzes „ndern; in keinem Fall aber das beiden Gemeinschaftliche - den Wertersatz - in Sch”pfung von Mehrwert verwandeln. Es liegt hier zugrunde die gew”hnliche Vorstellung, daá, weil der Mehrwert erst durch den Verkauf des Produkts, durch seine Zirkulation re- alisiert wird, er nur aus dem Verkauf, aus der Zirkulation ent- springe. In der Tat ist die verschiedne Entstehungsweise des Pro- fits hier nur falsche Phrase dafr, daá die verschiednen Elemente des produktiven Kapitals verschieden dienen, als produktive Ele- mente verschieden im Arbeitsprozeá wirken. Schlieálich wird der Unterschied nicht aus dem Arbeits- resp. Verwertungsprozeá, aus der Funktion des produktiven Kapitals selbst abgeleitet, sondern soll nur subjektiv gelten fr den einzelnen Kapitalisten, dem der eine Kapitalteil in dieser, der andre in jener Weise ntzlich sei. Dagegen hatte Quesnay die Unterschiede aus dem Reproduktionspro- zeá und seinen Notwendigkeiten selbst hergeleitet. Damit dieser Prozeá kontinuierlich sei, muá aus dem Wert des j„hrlichen Pro- dukts der Wert der j„hrlichen Vorschsse j„hrlich ganz ersetzt werden, dagegen der Wert des Anlagekapitals nur stckweis, so daá er erst in einer Reihe von z.B. zehn Jahren ganz ersetzt und da- her ganz reproduziert (durch neue Exemplare derselben Art er- setzt) werden muá. A. Smith f„llt also tief unter Quesnay zurck. ----- 1*) "Wenn es" (das Kapital) "angelegt wird, um zuknftigen Profit zu verschaffen, so muá es diesen Profit entweder dadurch ver- schaffen, daá es bei ihm" (dem Besitzer) "bleibt, oder dadurch, daá es ihn verl„át. In dem einen Falle ist es fixes, in dem and- ren zirkulierendes Kapital." #200# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals ----- Es bleibt so bei A. Smith fr die Bestimmung des fixen Kapitals durchaus nichts brig, als daá es Arbeitsmittel sind, die ihre Gestalt nicht im Produktionsprozeá „ndern und fortfahren, bis zu ihrer Abnutzung in der Produktion zu dienen, gegenber den Pro- dukten, zu deren Bildung sie mithelfen. Es wird vergessen, daá alle Elemente des produktiven Kapitals best„ndig in ihrer Natu- ralform (als Arbeitsmittel, Materialien und Arbeitskraft) dem Produkt und dem als Ware zirkulierenden Produkt gegenberstehn, und daá der Unterschied des aus Materialien und Arbeitskraft be- stehenden Teils von dem aus Arbeitsmitteln bestehenden Teil nur darin liegt, Bezug auf die Arbeitskraft: daá sie stets neu gek- auft wird (nicht fr ihre Dauer gekauft wird wie die Arbeitsmit- tel); in bezug auf die Materialien: daá nicht dieselben identi- schen, sondern stets neue Exemplare derselben Art im Arbeitspro- zeá fungieren. Es wird zugleich der falsche Schein hervorge- bracht, als ob der Wert des fixen Kapitals nicht auch zirkulieren obgleich A. Smith natrlich den Verschleiá des fixen Kapitals als Teil des Produktenpreises frher entwickelt hat. Bei dem zirkulierenden Kapital als Gegensatz zum fixen wird nicht hervorgehoben, daá es diesen Gegensatz nur hat als derjenige Be- standteil des produktiven Kapitals, der ganz aus dem Wert des Produkts ersetzt werden und dessen Metamorphosen daher ganz mit- machen muá, w„hrend dies bei dem fixen Kapital nicht der Fall. Es wird vielmehr zusammengeworfen, mit den Gestalten, die das Kapi- tal bei seinem šbergang aus der Produktionssph„re in die Zirkula- tionssph„re annimmt, als Warenkapital und Geldkapital. Aber beide Formen, Warenkapital und Geldkapital, sindtr„ger des Werts eben- sowohl der fixen wie der flssige 1*) Bestandteile des produkti- ven Kapitals. Beide sind Zirkulationskapital, im Gegensatz zum produktiven, aber nicht zirkulierndes (flssiges) Kapital im Ge- gensatz zum fixen. Endlich: Durch die ganz schiefe Entwicklung vorn Machen des Pro- fits durch das fixe Kapital, indem es im Produktionsprozeá bleibt; durch das zirkulierende, indem es ihn verl„át und zirku- liert wird, - wird ber die Dieselbigkeit der Form, die variables Kapital und der flssigel Bestandteil des konstanten Kapitals im Umschlag haben, der wesentliche Unterschied derselben im Ver- tungsprozeá und der Bildung des Mehrwerts versteckt, also das ganze Geheimnis der kapitalistischen Produktion noch mehr verdun- kelt; durch die gemeinsame Bezeichnung: zirkulierendes Kapital, wird dieser wesentliche Unterschied aufgehoben; was dann die sp„- tere ™konomie noch weiter fhrte, indem nicht der Gegensatz von variablem und konstantem, ----- 1*) 1. und 2. Auflage: den flssigen; ge„ndert nach der Druckvor- lage von Engels #201# 10. Kapitel - Theorien ber fixes und zirkul. Kapital ----- sondern der von fixem und zirkulierendem Kapital als das Wesent- liche und allein Unterscheidende festgehalten wurde. Nachdem A. Smith fixes und zirkulierendes Kapital erst bezeichnet hat als zwei besondre Arten, Kapital anzulegen, die, jede fr sich betrachtet, einen Profit abwerfen, sagt er: "No fixed capital can yield any revenue but by means of a circu- lating capital. The most useful machines and instruments of trade will produce nothing without the circulating capital which af- forcts the materials they are employed upon, and the maintenance of the workmen who employ them." 1*) (p. 188.) Hier kommt es heraus, was die frhern Ausdrcke: yield a revenue, make a profit 2*) etc. bedeuten, daá n„mlich beide Kapitalteile als Produktbildner dienen. A. Smith gibt nun folgendes Beispiel: "That part of the capital of the farmer which is employed in the implements of nature is a fixed, that which is employed in the wages and maintenance of his labouring servants is a circulating capital." 3*) (Hier bezieht sich also der Unterschied von fixem und zirkulie- rendem Kapital richtig nur auf die verschiedne Zirkulation, den Umschlag verschiedner Bestandteile des produktiven Kapitals.) "He makes a profit of the one by keeping it in his own posses- sion, and of the other by parting with it. Ile price or value of his labouring cattle is a fixed capital" (hier wieder das Richtige, daá es der Wert ist, worauf sich der Unterschied bezieht, nicht das stoffliche Element), "in the same manner as that of the instruments of husbandry, their maintenance" (des Arbeitviehs) "is a circulating capital, in the same way as that of the labouring servants. The farmer ma- kes his profit by keeping the labouring cattle, and by parting with their maintenance." 4*) 1*) "Kein fixes Kapital kann anders als mit Hilfe eines zirkulie- renden Kapitals Einkommen abwerfen. Die ntzlichsten Maschinen und Arbeitsinstrumente werden nichts ohne das zirkulierende Kapital produzieren, das die Materialien, die bearbeitet werden, und den Unterhalt der Arbeiter, von denen sie in T„tigkeit gesetzt werden, verschafft." - 2*) ein Einkommen ab- werfen, Profit machen - 3*) Der Teil des Kapitals eines P„chters, der in den Ackerger„ten angelegt ist, ist fixes, derjenige, der in den L”hnen und dem Unterhalt seines Arbeitsmindes angelegt ist, ist zirkulierendes Kapital. - 4*) Er macht mit dem einen da- durch einen Profit, daá er es in seinem eignen Besitz beh„lt, und mit dem anderen dadurch, daá er es weggibt. Der Preis oder Wert seines Arbeitsviehs ist ebenso fixes Kapital" (...) wie der der Ackerger„te; sein" (des Arbeitsviehs) Unterhalt ist gerade so zirkulierendes Kapital, wie der des Arbeitsgesindes. Der P„chter macht seinen Profit, indem er das Arbeit beh„lt und dessen Unter- halt weggibt." #202# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals ----- (Der P„chter beh„lt das Futter des Viehs, verkauft es nicht. Er verbraucht es als Viehfutter, w„hrend er das Vieh selbst als Ar- beitsinstrument verbraucht. Der Unterschied ist nur der: Das Viehfutter, das in die Erhaltung des Arbeitsviehs eingeht, wird ganz aufgezehrt und muá best„ndig durch neues Viehfutter aus dem Ackerbauprodukt oder seinem Verkauf ersetzt werden; das Vieh selbst wird nur ersetzt im Maá, wie jedes Stck der Reihe nach arbeitsunf„hig wird.) "Both the price and the maintenance of the cattle which are bought in and fattened, not for labour but for sale, are a circu- lating capital. The farmer makes his profit by parting with them." 1*) (Jeder Warenproduzent, also auch der kapitalistische, verkauft sein Produkt, das Resultat seines Produktionsprozesses, weswegen aber dies Produkt weder fixen noch flssigen Bestandteil seines p r o d u k t i v e n Kapitals bildet. Es besteht jetzt vielmehr in einer Form, worin es aus dem Produktionsprozeá ausgestoáen ist und als Warenkapital fungieren muá. Das Mastvieh fungiert im Pro- duktionsprozeá als Rohmaterial, nicht als Instrument wie das Ar- beitsvieh. Es geht daher als Substanz in das Produkt ein, und sein ganzer Wert geht in dasselbe ein, wie der der Hilfsstoffe (sein Futter). Daher ist es flssiger Teil des produktiven Kapi- tals, nicht weil das verkaufte Produkt - das Mastvieh - hier die- selbe Naturalform hat wie der Rohstoff, das noch nicht gem„stete Vieh. Dies ist zuf„llig. Zugleich h„tte aber Smith aus diesem Beispiel sehn k”nnen, daá es nicht die dingliche Gestalt des Pro- duktionselements ist, was dem in ihm steckenden Wert die Bestim- mung fix und flssig gibt, sondern seine Funktion innerhalb des Produktionsprozesses.) "The whole value of the too is a fixed capital. Though it goes da and fods between the ground and the granary, it never changes ma- sters, and therefore it does not properly circulate. The farmer makes his profit not by its sale, but by its increase." 2*) Hier bricht die g„nzliche Gedankenlosigkeit der Smithschen Di- stinktion an den Tag. Nach ihm w„re die Aussaat fixes Kapital, wenn kein change of masters 3*) stattf„nde, d.h. wenn die Aussaat direkt aus dem j„hrlichen ----- 1*) "Sowohl der Preis als auch der Unterhalt des Viehs, das nicht zur Arbeit, sondern zum Verkauf gekauft und gem„stet wurde, ist zirkulierendes Kapital. Der P„chter macht seinen Profit dadurch, daá er es weggibt." - 2*) "Der ganze Wert der Aussaat ist eben- falls ein fixes Kapital. Obgleich sie zwischen dem Boden und der Scheune hin und her geht, wechselt sie doch nie den Eigner und zirkuliert daher nicht wirklich. Der P„chter macht seinen Profit nicht durch ihren Verkauf, sondern durch ihren Zuwachs." - 3*) Wechsel der Eigner #203# 10. Kapitel - Theorien ber fixes und zirkul. Kapital ----- Produkt ersetzt, von ihm abgezogen wird. Es w„re dagegen zirku- lierendes Kapital, wenn das ganze Produkt verkauft und aus einem Wertteil desselben fremdes Saatkorn gekauft worden. In dem einen Fall findet change of masters statt, in dem andern nicht. Smith verwechselt hier wieder flssiges Kapital und Warenkapital. Das Produkt ist der stoffliche Tr„ger des Warenkapitals. Aber natr- lich nur der Teil desselben, der wirklich in Zirkulation tritt und nicht wieder direkt in den Produktionsprozeá eingeht, aus dem er als Produkt hervorkam. Ob der Same direkt als Teil vom Produkt abgezogen, oder ob das ganze Produkt verkauft und ein Teil seines Werts im Ankauf von fremdem Samen umgesetzt wird, in beiden F„llen findet nur Ersatz statt und wird durch diesen Ersatz kein Profit gemacht. In dem einen Fall tritt der Same mit dem Rest des Produkts als Ware in Zirkulation, im andern Fall figuriert er nur in der Buchhaltung als Wertbestandtell des vorgeschoánen Kapitals. Aber in beiden F„llen bleibt er flssiger Bestandteil des produktiven Kapitals. Er 1*) wird ganz aufgezehrt, um das Produkt fertig zu machen, und er muá ganz aus ihm ersetzt werden, um die Reproduktion zu erm”g- lichen. "Rohmaterialien und Hilfsstoffe verlieren die selbst„ndige Ge- stalt, womit sie in den Arbeitsprozeá als Gebrauchswerte eintra- ten. Anders mit den eigentlichen Arbeitsmitteln. Ein Instrument, eine Maschine, ein Fabrikgeb„ude, ein Gef„á usw. dienen im Ar- beitsprozeá nur, solange sie ihre ursprngliche Gestalt bewahren und morgen wieder in ebenderselben Form in den Arbeitsprozeá ein- gehn wie gestern. Wie sie w„hrend ihres Lebens, des Arbeitspro- zesses, ihre selbst„ndige Gestalt gegenber dem Produkt bewahren, so auch nach dem Tode. Die Leichen von Maschinen, Werkst„tten, Arbeitsgeb„uden existieren immer noch selbst„ndig, getrennt von den Produkten, die sie bilden halfen." (Buch I, Kap. VI, S. 192. 2*)) Diese verschiednen Weisen, worin die Produktionsmittel zur Bil- dung des Produkts vernutzt werden, indem die einen dem Produkt gegenber ihre selbst„ndige Gestalt bewahren, die andern sie ver- „ndern oder ganz verlieren -, diesen, dem Arbeitsprozeá als sol- chem angeh”rigen Unterschied, der daher ebenso fr Arbeitspro- zesse zutrifft, die auf bloáen Selbstbedarf, z.B. der patriarcha- lischen Familie, gerichtet sind, ohne allen Austausch, ohne Wa- renproduktion - verf„lscht A. Smith, indem er 1. die hier ganz ungeh”rige Bestimmung des Profits hineinbringt, daá die einen dem Eigner Profit bringen, indem sie ihre Gestalt beibehalten, die andren, indem sie sie verlieren; 2. indem er die Ver„nderungen eines Teils der Produktionselemente ----- 1*) 1. und 2. Auflage: Es; ge„ndert nach der Druckvorlage von En- gels - 2*) siehe Band 23 uner Ausgabe, S. 217/218 #204# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals ----- im Arbeitsprozeá zusammenwirft mit dem, dem Austausch der Pro- dukte, der Warenzirkulation angeh”rigen Formwechsel (Kauf und Verkauf, der zugleich den Wechsel des Eigentums an den zirkulie- renden Waren einschlieát. Der Umschlag unterstellt die Reproduktion als vermittelt durch Zirkulation, also durch Verkauf des Produkts, durch seine Ver- wandlung in Geld und Rckverwandlung aus Geld in seine Produkti- onselemente. Soweit aber ein Teil seines eignen Produkts dem ka- pitalistischen Produzenten selbst wieder direkt als Produktions- mittel dient, erscheint der Produzent als Verk„ufer desselben an sich selbst, und so figuriert die Sache in seiner Buchhaltung. Dieser Teil der Reproduktion ist dann nicht durch Zirkulation vermittelt, sondern unmittelbar. Der Teil des Produkts, der so wieder als Produktionsmittel dient, ersetzt aber flssiges Kapi- tal, nicht fixes, soweit 1. sein Wert ganz in das Produkt eingeht und 2. es selbst in natura ganz durch ein neues Exemplar aus dem neuen Produkt ersetzt worden ist. A. Smith sagt uns nun, woraus zirkulierendes und fixes Kapital besteht. Er z„hlt die Dinge, die stofflichen Elemente auf, welche fixes Kapital, und die, welche zirkulierendes bilden, als ob diese Bestimmtheit diesen Dingen stofflich, von Natur zuk„me und nicht vielmehr aus ihrer bestimmten Funktion innerhalb des kapi- talistischen Produktionsprozesses entspr„nge. Und doch macht er in demselben Kapitel (Book II, chap. I) die Bemerkung, daá, ob- gleich ein gewisses Ding, wie z.B. ein Wohnhaus, das fr unmit- telbare Konsumtion, reserviert ist, "may yield a revenue to its proprietor, and thereby serve i n t h e f u n c t i o n o f a c a p i t a l to him, it cannot yield any to the public, nor serve in the function of a capital to it, and the revenue of the whole body of the people can never be in the smallest degee increased by it." 1*) (S. 186.) Hier spricht A. Smith also klar aus, daá die Kapitaleigenschaft den Dingen nicht als solchen und unter allen Umst„nden zukommt, sondern eine Funktion ist, mit der sie je nach Umst„nden beklei- det oder nicht bekleidet sind. Was aber vom Kapital berhaupt, das gilt auch von seinen Unterabteilungen. Dieselben Dinge bilden Bestandteil des flssigen oder des fixen Kapitals, je nachdem sie andre Funktion im Arbeitsprozeá voll- ziehn. Z.B. ein Vieh, als Arbeitsvieh (Arbeitsmittel) bildet stoffliche Existenzweise des fixen ----- 1*) "seinem Besitzer ein Einkommen abwerfen und ihm s o i n d e r E i g e n s c h a f t e i n e s K a p i t a l s dienen kann, es keineswegs der Allgemeinheit Einkonunen abwerfen, noch ihr in der Eigenschaft eines Kapitals dienen, und das Einkommen der Gesamtheit des Volkes dadurch niemals im geringsten Grade vergr”áert werden kann". #205# 10. Kapitel - Theorien ber fixes und zirkul. Kapital ----- Kapitals, dagegen als Mastvieh (Rohmaterial) Bestandteil des zir- kulierenden Kapitals des P„chters. Andrerseits kann dasselbe Ding bald als Bestandteil des produktiven Kapitals fungieren, bald zum unmittelbaren Konsumtionsfonds geh”ren. Ein Haus z.B., wenn als Arbeitslokal fungierend, ist fixer Bestandteil des produkti