#7# ----- Vorwort Endlich ist es mir verg”nnt, dies dritte Buch des Marxschen Hauptwerks, den Abschluá des theoretischen Teils, der ™ffentlich- keit zu bergeben. Bei der Herausgabe des zweiten Buchs, 1885, meinte ich, das dritte wrde wohl nur technische Schwierigkeiten machen, mit Ausnahme freilich einiger sehr wichtigen Abschnitte. Dies war in der Tat der Fall; aber von den Schwierigkeiten, die grade diese, die wichtigsten Abschnitte des Ganzen, mir bereiten wrden, davon hatte ich damals keine Ahnung, ebensowenig wie von den sonstigen Hindernissen, die die Fertigstellung des Buchs so sehr verz”gern sollten. Zun„chst und zumeist st”rte mich eine anhaltende Augenschw„che, die meine Arbeitszeit fr Schriftliches jahrelang auf ein Minimum beschr„nkte und auch jetzt noch nur ausnahmsweise gestattet, bei knstlichem Licht die Feder in die Hand zu nehmen. Dazu kamen an- dre, nicht abzuweisende Arbeiten: Neuauflagen und šbersetzungen frherer Arbeiten von Marx und mir, also Revisionen, Vorreden, Erg„nzungen, die ohne neue Studien oft unm”glich, usw. Vor allem die englische Ausgabe des ersten Buchs, fr deren Text in letzter Instanz ich verantwortlich bin und die mir daher viel Zeit wegge- nommen hat. Wer den kolossalen Anwachs der internationalen sozia- listischen Literatur w„hrend der letzten zehn Jahre, und nament- lich die Anzahl der šbersetzungen frherer Arbeiten von Marx und mir, einigermaáen verfolgt hat, der wird mir recht geben, wenn ich mir Glck wnsche, daá die Anzahl der Sprachen sehr be- schr„nkt ist, bei denen ich dem šbersetzer ntzlich sein konnte und also die Verpflichtung hatte, eine Revision seiner Arbeit nicht von der Hand zu weisen. Der Anwachs der Literatur aber war nur ein Symptom des entsprechenden Anwachses der internationalen Arbeiterbewegung selbst. Und dieser legte mir neue Pflichten auf. Von den ersten Tagen unsrer ”ffentlichen T„tigkeit an war ein gutes Stck der Arbeit der Vermittlung zwischen den nationalen Bewegungen #8# Vorwort ----- der Sozialisten und Arbeiter in den verschiednen L„ndern auf Marx und mich gefallen; diese Arbeit wuchs im Verh„ltnis der Erstar- kung der Gesamtbewegung. W„hrend aber bis zu seinem Tode auch hierin Marx die Hauptlast bernommen hatte, fiel von da an die stets anschwellende Arbeit mir allein zu. Nun ist inzwischen der direkte Verkehr der einzelnen nationalen Arbeiterparteien unter- einander zur Regel geworden und wird es glcklicherweise von Tag zu Tage mehr; trotzdem wird noch weit ”fter, als mir im Interesse meiner theoretischen Arbeiten lieb ist, meine Hilfe in Anspruch genommen. Wer aber wie ich ber fnfzig Jahre in dieser Bewegung t„tig gewesen, fr den sind die hieraus entspringenden Arbeiten eine unabweisbare, augenblicklich zu erfllende Pflicht. Wie im sechzehnten Jahrhundert, gibt es in unsrer bewegten Zeit auf dem Gebiet der ”ffentlichen Interessen bloáe Theoretiker nur noch auf Seite der Reaktion, und ebendeswegen sind diese Herren auch nicht einmal wirkliche Theoretiker, sondern simple Apologeten dieser Reaktion. Der Umstand, daá ich in London wohne, bringt es nun mit sich, daá dieser Parteiverkehr im Winter meist brieflich, im Sommer aber groáenteils pers”nlich stattfindet. Und daraus, wie aus der Not- wendigkeit, den Gang der Bewegung in einer stets wachsenden An- zahl von L„ndern und einer noch st„rker wachsenden Anzahl von Preáorganen zu verfolgen, hat sich die Unm”glichkeit fr mich entwickelt, Arbeiten, die keine Unterbrechung dulden, anders als im Winter, speziell in den ersten drei Monaten des Jahrs fertig- zustellen. Wenn man seine siebenzig Jahre hinter sich hat, so ar- beiten die Meynertschen Assoziationsfasern des Gehirns mit einer gewissen fatalen Bed„chtigkeit; man berwindet Unterbrechungen in schwieriger theoretischer Arbeit nicht mehr so leicht und so rasch wie frher. Daher kam es, daá die Arbeit eines Winters, so- weit sie nicht vollst„ndig zum Abschluá gefhrt hatte, im n„ch- sten Winter gr”átenteils wieder von neuem zu machen war, und dies fand statt, namentlich mit dem schwierigsten fnften Abschnitt. Wie der Leser aus den folgenden Angaben ersehen wird, war die Re- daktionsarbeit wesentlich verschieden von der beim zweiten Buch. Fr das dritte lag eben nur ein, noch dazu „uáerst lckenhafter, erster Entwurf vor. In der Regel waren die Anf„nge jedes einzel- nen Abschnitts ziemlich sorgf„ltig ausgearbeitet, auch meist sti- listisch abgerundet. Je weiter man aber kam, desto skizzenm„áiger und lckenhafter wurde die Bearbeitung, desto mehr Exkurse ber im Lauf der Untersuchung auftauchende Nebenpunkte enthielt sie, wofr die endgltige Stelle sp„terer Anordnung berlassen blieb, desto l„nger und verwickelter wurden die Perioden, worin die #11# Vorwort ----- in statu nascencdi 1*) niedergeschriebenen Gedanken sich aus- drckten. An mehreren Stellen verraten Handschrift und Darstel- lung nur zu deutlich das Hereinbrechen und die allm„hlichen Fort- schritte eines einer aus šberarbeit entspringenden Krankheitsan- f„lle, die dem Verfasser selbst„ndiges Arbeiten erst mehr und mehr erschwerten und endlich zeitweilig ganz unm”glich machten. Und kein Wunder. Zwischen 1863 und 1867 hatte Marx nicht nur die beiden letzten Bcher des Kapitals im Entwurf und das erste Buch in druckfertiger Handschrift hergestellt, sondern auch noch die mit der Grndung und Ausbreitung der Internationalen Arbeiteras- soziation verknpfte Riesenarbeit getan. Dafr stellten sich aber auch schon 1864 und 1865 ernste Anzeichen jener gesundheitlichen St”rungen ein, die schuld daran sind, daá Marx an das II. und III. Buch nicht selbst die letzte Hand gelegt hat. Meine Arbeit begann damit, daá ich das ganze Manuskript aus dem selbst fr mich oft nur mhsam zu entziffernden Original in eine leserliche Kopie hinberdiktierte, was schon eine ziemliche Zeit wegnahm. Erst dann konnte die eigentliche Redaktion beginnen. Ich habe diese auf das Notwendigste beschr„nkt, habe den Charakter des ersten Entwurfs, berall wo es die Deutlichkeit zulieá, m”g- lichst beibehalten, auch einzelne Wiederholungen nicht gestri- chen, da wo sie, wie gew”hnlich bei Marx, den Gegenstand jedesmal von andrer Seite fassen oder doch in andrer Ausdrucksweise wie- dergeben. Da, wo meine Žnderungen oder Zus„tze nicht bloá redak- tioneller Natur sind, oder wo ich das von Marx gelieferte tats„chliche Material zu eignen, wenn auch m”glichst im Marxschen Geist gehaltnen Schluáfolgerungen verarbeiten muáte, ist die ganze Stelle in eckige Klammern gesetzt 2*) und mit meinen In- itialen bezeichnet. Bei meinen Fuánoten fehlen hier und da die Klammern; wo aber meine Initialen darunter stehn, bin ich fr die ganze Note verantwortlich. Wie in einem ersten Entwurf selbstverst„ndlich, finden sich im Manuskript zahlreiche Hinweise auf sp„ter zu entwickelnde Punkte, ohne daá diese Versprechungen in allen F„llen eingehalten worden sind. Ich habe sie stehn lassen, da sie die Absichten des Verfas- sers in Beziehung auf knftige Ausarbeitung darlegen. Und nun zum einzelnen. Fr den ersten Abschnitt war das Hauptmanuskript nur mit groáen Einschr„nkungen brauchbar. Gleich anfangs wird die ganze mathema- tische Berechnung des Verh„ltnisses zwischen Mehrwertsrate und Profitrate (was ----- 1*) im Entstehungszustand - 2*) im vorl. Band in geschweiften Klammern #12# Vorwort ----- unser Kapitel 3 ausmacht) hineingezogen, w„hrend der in unserm Kap. 1 entwickelte Gegenstand erst sp„ter und gelegentlich behan- delt wird. Hier kamen zwei Ans„tze einer Umarbeitung zu Hilfe, jeder von 8 Seiten Folie; aber auch sie sind nicht durchweg im Zusammenhang ausgearbeitet. Aus ihnen ist das gegenw„rtige Kap. 1 zusammengestellt. Kap.2 ist aus dem Hauptmanuskript. Fr Kap. 3 fanden sich eine ganze Reihe unvollst„ndiger mathematischer Bear- beitungen, aber auch ein ganzes, fast vollst„ndiges Heft aus den siebziger Jahren, das Verh„ltnis der Mehrwertsrate zur Profitrate in Gleichungen darstellend. Mein Freund Samuel Moore, der auch den gr”áten Teil der englischen šbersetzung des ersten Buchs ge- liefert, bernahm es, dies Heft fr mich zu bearbeiten, wozu er als alter Cambridger Mathematiker weit besser bef„higt war. Aus seinem Resum‚ habe ich dann, unter gelegentlicher Benutzung des Hauptmanuskripts, das Kapitel 3 fertiggestellt. - Von Kap. 4 fand sich nur der Titel vor. Da aber der hier behandelte Punkt: Wir- kung des Umschlags auf die Profitrate, von entscheidender Wich- tigkeit ist, habe ich ihn selbst ausgearbeitet, weshalb das ganze Kapitel im Text auch in Klammern gesetzt ist. Es stellte sich da- bei heraus, daá in der Tat die Formel des Kap. 3 fr die Pro- fitrate einer Modifikation bedurfte, um allgemein gltig zu sein. Vom fnften Kapitel an ist das Hauptmanuskript einzige Quelle fr den Rest des Abschnitts, obwohl auch hier sehr viele Umstellungen und Erg„nzungen n”tig geworden sind. Fr die folgenden drei Abschnitte konnte ich mich, abgesehn von stilistischer Redaktion, fast durchweg an das Originalmanuskript halten. Einzelne, meist auf die Einwirkung des Umschlags bezgli- che Stellen waren in Einklang mit dem von mir eingeschobnen Kap. 4 auszuarbeiten; auch sie sind in Klammern gesetzt und mit meinen Initialen bezeichnet. Die Hauptschwierigkeit machte Abschnitt V, der auch den verwic- keltsten Gegenstand des ganzen Buchs behandelt. Und grade hier war Marx in der Ausarbeitung von einem der erw„hnten schweren Krankheitsanf„lle berrascht worden. Hier liegt also nicht ein fertiger Entwurf vor, nicht einmal ein Schema, dessen Umrisse auszufllen w„ren, sondern nur ein Ansatz von Ausarbeitung, der mehr als einmal in einen ungeordneten Haufen von Notizen, Bemer- kungen, Materialien in Auszugsform ausl„uft. Ich versuchte an- fangs, diesen Abschnitt, wie es mir mit dem ersten einigermaáen gelungen war, durch Ausfllung der Lcken und Ausarbeitung der nur angedeuteten Bruchstcke zu vervollst„ndigen, so daá er we- nigstens ann„hernd das alles bot, was der Verfasser zu geben be- absichtigt hatte. Ich habe dies wenigstens dreimal versucht, bin aber jedesmal gescheitert, und #13# Vorwort ----- in der hiermit verlernen Zeit liegt eine der Hauptursachen der Versp„tung. Endlich sah ich ein, daá es auf diesem Weg nicht ging. Ich h„tte die ganze massenhafte Literatur dieses Gebiets durchnehmen mssen und am Ende etwas zustande gebracht, was doch nicht Marx' Buch war. Mir blieb nichts brig, als die Sache in gewisser Beziehung bers Knie zu brechen, mich auf m”glichste Ordnung des Vorhandenen zu beschr„nken, nur die notdrftigsten Erg„nzungen zu machen. Und so wurde ich Frhjahr 1893 mit der Hauptarbeit fr diesen Abschnitt fertig. Von den einzelnen Kapiteln waren Kap. 21-24 in der Hauptsache ausgearbeitet. Kap. 25 und 26 erforderten Sichtung des Beleg- stoffs und Einschiebung von Material, das sich an andren Stellen vorfand. Kap. 27 und 29 konnten fast ganz nach dem Ms. gegeben, Kap.28 dagegen muáte stellenweise anders gruppiert werden. Mit Kap. 30 aber fing die eigentliche Schwierigkeit an. Von hier an galt es, nicht nur das Material von Belegstellen, sondern auch den jeden Augenblick durch Zwischens„tze, Abschweifungen usw. un- terbrochnen und an andrer Stelle, oft ganz beil„ufig, weiter ver- folgten Gedankengang in die richtige Ordnung zu bringen. So kam das 30. Kapitel zustande durch Umstellungen und Ausschaltungen, fr die sich an andrer Stelle Verwendung fand. Kap. 31 war wieder mehr im Zusammenhang ausgearbeitet. Aber nun folgt im Ms. ein langer Abschnitt, berschrieben: "Die Konfusion", bestehend aus lauter Auszgen aus den Parlamentsberichten ber die Krisen von 1848 und 1857, worin die Aussagen von dreiundzwanzig Gesch„fts- leuten und ”konomischen Schriftstellern, namentlich ber Geld und Kapital, Goldabfluá, šberspekulation etc. zusammengestellt und stellenweise humoristisch kurz glossiert sind. Hier sind, sei es durch die Fragenden, sei es durch die Antwortenden, so ziemlich alle damals gangbaren Ansichten ber das Verh„ltnis von Geld und Kapital vertreten, und die hier zu Tag tretende "Konfusion" ber das, was auf dem Geldmarkte Geld und was Kapital sei, wollte Marx kritisch und satirisch behandeln. Ich habe mich nach vielen Ver- suchen berzeugt, daá eine Herstellung dieses Kapitels unm”glich ist; das Material, besonders das von Marx glossierte, ist da ver- wandt worden, wo sich ein Zusammenhang dafr vorfand. Hierauf folgt in ziemlicher Ordnung das von mir im Kap. 32 Unterge- brachte, unmittelbar darauf aber ein neuer Stoá von Auszgen aus den Parlamentsberichten ber alle m”glichen, in diesem Abschnitt berhrten Gegenst„nde, vermischt mit l„ngeren oder krzeren Be- merkungen des Verfassers. Gegen das Ende konzentrieren sich die Auszge und Glossen mehr und mehr auf die Bewegung der Geldme- talle und des Wechselkurses, #14# Vorwort ----- und schlieáen wieder mit allerhand Nachtr„glichem. Das "Vorkapitalistische" (Kap. 36) war dagegen vollst„ndig ausgear- beitet. Aus all diesem Material, von der "Konfusion" an, und soweit es nicht schon an frheren Stellen untergebracht, habe ich die Kapi- tel 33-35 zusammengestellt. Dies ging natrlich nicht ab ohne starke Einschbe meinerseits zur Herstellung des Zusammenhangs. Soweit diese Einschbe nicht bloá formeller Natur, sind sie als die meinigen ausdrcklich bezeichnet. Es ist mir auf diese Weise endlich gelungen, alle irgendwie zur Sache geh”renden Aussprche des Verfassers im Text unterzubringen; es ist nichts weggefallen als ein geringer Teil der Auszge, der entweder anderweitig Ge- gebnes nur wiederholte oder aber Punkte berhrte, auf die im Ms. nicht n„her eingegangen ist. Der Abschnitt ber Grundrente war viel vollst„ndiger ausgearbei- tet, wenn auch keineswegs geordnet, wie schon daraus hervorgeht, daá Marx es im Kap.43 (im Ms. das letzte Stck des Abschnitts ber Rente) n”tig findet, den Plan des ganzen Abschnitts kurz zu rekapitulieren. Und dies war fr die Herausgabe um so erwnsch- ter, als das Ms. anf„ngt mit Kap. 37, worauf Kap. 45-47 folgen und erst hierauf die Kap. 38-44. Die meiste Arbeit machten die Tabellen bei der Differentialrente II und die Entdeckung, daá in Kap. 43 der hier zu behandelnde dritte Fall dieser Rentenart gar nicht untersucht war. Fr diesen Abschnitt ber Grundrente hatte Marx in den siebziger Jahren ganz neue Spezialstudien gemacht. Er hatte die nach der Reform von 1861 in Ruáland unvermeidlich gewordnen statistischen Aufnahmen und sonstigen Ver”ffentlichungen ber Grundeigentum, die ihm von russischen Freunden in wnschenswertester Vollst„n- digkeit zur Verfgung gestellt worden, jahrelang in der Ursprache studiert und ausgezogen und beabsichtigte, sie bei der Neubear- beitung dieses Abschnitts zu verwerten. Bei der Mannigfaltigkeit der Formen sowohl des Grundbesitzes wie der Ausbeutung der acker- bauenden Produzenten in Ruáland, sollte im Abschnitt ber Grund- rente Ruáland dieselbe Rolle spielen wie im Buch I, bei der indu- striellen Lohnarbeit, England. Leider blieb ihm die Ausfhrung dieses Plans versagt. Endlich der siebente Abschnitt lag in vollst„ndiger Niederschrift vor, aber nur als erster Entwurf, dessen endlos verschlungne Pe- rioden erst zerlegt werden muáten, um druckbar zu werden. Vom letzten Kapitel existiert nur der Anfang. Hier sollten die den drei groáen Revenueformen: Grundrente, Profit, Arbeitslohn ent- sprechenden drei groáen Klassen der entwickelten kapitalistischen Gesellschaft - Grundeigentmer, Kapitalisten, #15# Vorwort ----- Lohnarbeiter - und der mit ihrer Existenz notwendig gegebne Klas- senkarnpf als tats„chlich vorliegendes Ergebnis der kapitalisti- schen Periode dargestellt werden. Dergleichen Schluázusammenfas- sungen pflegte Marx sich fr die Schluáredaktion, kurz vor dem Druck, vorzubehalten, wo dann die neuesten geschichtlichen Ereig- nisse ihm mit nie versagender Regelm„áigkeit die Belege seiner theoretischen Entwicklungen in wnschenswertester Aktualit„t lie- ferten. Die Zitate und Belegstellen sind, wie schon im II. Buch, bedeu- tend sp„rlicher als im ersten. Zitate aus Buch I geben die Sei- tenzahlen der 2. und 3. Auflage. Wo im Ms. auf theoretische Aus- sprche frherer ™konomen verwiesen wird, ist meist nur der Name angegeben, die Stelle selbst sollte bei der Schluábearbeitung an- gezogen werden. Ich habe das natrlich so lassen mssen. Von Par- lamentsberichten sind nur vier, aber diese auch ziemlich reich- lich benutzt worden. Es sind folgende: 1. "Reports from Committees" (des Unterhauses), Vol. VIII, "Commercial Distress", Vol. II, Part 1, 1847/48, Minutes of Evi- dence. - Zitiert als: "Commercial Distress", 1847/48. 2. Secret Committee of the House of Lords on Commercial Distress 1847, Report printed 1848, Evidence printed 1857" (weil 1848 fr zu komprornittierlich angesehn). - Zitiert als: C. D., 1848-1857. 3. Report: Bank Acts, 1857. - Ditto, 1858. - Berichte des Unter- haus, Ausschusses ber die Wirkung der Bankakte von 1844 und 1845, mit Zeugenaussagen. - Zitiert als: B. A. (zuweilen auch B. C.), 1857, resp. 1858. Das vierte Buch - die Geschichte der Mehrwertstheorie - werde ich in Angriff nehmen, sobald es mir irgendwie m”glich wird. 1*) --- Im Vorwort zum zweiten Band des "Kapital" hatte ich mich abzufin- den mit den Herren, die dazumal ein groáes Geschrei erhoben, weil sie "in Rodbertus die geheime Quelle und einen berlegnen Vorg„n- ger von Marx" gefunden haben wollten. Ich bot ihnen Gelegenheit, zu zeigen, "was die Rodbertussche ™konomie leisten kann"; ich forderte sie auf, nachzuweisen, "wie nicht nur ohne Verletzung des Wertgesetzes, sondern vielmehr auf Grundlage desselben, eine gleiche Durchschnittsprofitrate sich bilden kann und muá". Die- selben Herren, die damals aus subjektiven oder objektiven, in der Regel aber alles andre als wissenschaftlichen Grnden den guten ----- 1*) Siehe Band 26 unserer Ausgabe #16# Vorwort ----- Rodbertus als einen ”konomischen Stern allererster Gr”áe ausposa- unten sind ausnahmslos die Antwort schuldig geblieben. Dagegen haben andre Leute es der Mhe wert gehalten, sich mit dem Problem zu besch„ftigen. In seiner Kritik des II. Bandes ("Conrads Jahr- bcher" [1], XI, 5, 1885, S. 452-465) nimmt Prof. W. Lexis die Frage auf, wenn er auch keine direkte L”sung geben will. Er sagt: "Die L”sung jenes Widerspruchs" (zwischen dem Ricardo-Marxschen Wertgesetz und der gleichen Durchschnittsprofitrate) "ist unm”g- lich, wenn die verschiednen Warenarten vereinzelt betrachtet wer- den und ihr Wert gleich ihrem Tauschwert und dieser gleich oder proportional ihrem Preise sein soll." Sie ist nach ihm nur m”glich, wenn man "fr die einzelnen Warenarten die Bemessung des Wertes nach der Arbeit aufgibt und nur die Warenproduktion im ganzen und die Ver- teilung derselben unter die Gesamtklassen der Kapitalisten und Arbeiter ins Auge faát... Von dem Gesamtprodukt erh„lt die Arbei- terklasse nur einen gewissen Teil... der andre, den Kapitalisten zufallende Teil bildet im Manschen Sinne das Mehrprodukt und dem- nach auch... den Mehrwert. Die Mitglieder der Kapitalistenklasse verteilen nun diesen gesamten Mehrwert unter sich, nicht nach Maágabe der von ihnen besch„ftigten Arbeiterzahl, sondern nach Verh„ltnis der von jedem gestellten Kapitalgr”áe, wobei auch Grund und Boden als Kapitalwert mit in Rechnung gezogen wird." Die Marxschen, durch die in den Waren verk”rperten Arbeitseinhei- ten bestimmten Idealwerte entsprechen nicht den Preisen, k”nnen aber als Ausgangspunkt einer Verschiebung betrachtet werden, die zu den wirklichen Preisen fhrt. Die letzteren sind dadurch be- dingt, daá gleich groáe Kapitalien gleich groáe Gewinne verlan- gen." Dadurch werden einige Kapitalisten fr ihre Waren h”here Preise erhalten als deren Idealwerte, andre erhalten niedrigere. Da aber die Einbuáen und Zulagen an Mehrwert sich innerhalb der Kapitalistenklasse gegenseitig aufheben, so ist die Gesamtgr”áe des Mehrwerts dieselbe, als wenn alle Preise den Idealwerten der Waren proportional w„ren." Man sieht, die Frage ist hier nicht entfernt gel”st, aber sie ist, wenn auch in laxer und verfluchender Weise, doch im ganzen richtig g e s t e l l t. Und dies ist in der Tat mehr, als wir von jemand erwarten drfen, der sich, wie der Verfasser, mit ei- nem gewissen Stolz als einen "Vulg„r”konomen" hinstellt; es ist gradezu berraschend, wenn man es mit den sp„ter zu behandelnden Leistungen andrer Vulg„r”konomen vergleicht. Die Vulg„r”konomie des Verfassers ist allerdings eigner Art. Er sagt, der Kapitalge- winn k ” n n e allerdings in der Marxschen Weise abgeleitet werden, aber nichts z w i n g e zu dieser Auffassung. Im Gegen- teil. Die Vulg„r”konoe habe eine, mindestens plausiblere Erkl„- rungsweise: #17# Vorwort ----- "Die kapitalistischen Verk„ufer, der Rohstoffproduzent, der Fa- brikant, der Groáh„ndler, der Kleinh„ndler, machen bei ihren Ge- sch„ften Gewinn, indem jeder teurer verkauft als er kauft, also den Selbstkostenpreis seiner Ware um einen gewissen Prozentsatz erh”ht. Nur der Arbeiter ist nicht imstande, einen „hnlichen Wertzuschlag durchzusetzen, er ist verm”ge seiner ungnstigen Lage dem Kapitalisten gegenber gen”tigt, seine Arbeit fr den Preis zu verkaufen, den sie ihm selbst kostet, n„mlich fr den notwendigen Lebensunterhalt... so behalten diese Preiszuschl„ge den kaufenden Lohnarbeitern gegenber ihre volle Bedeutung und bewirken die šbertragung eines Teils des Wertes des Gesarntpro- dukts auf die Kapitalistenklasse." Nun bedarf es keiner groáen Anstrengung des Denkens, um einzu- sehn, daá diese "vulg„r”konomische" Erkl„rung des Kapitalprofits praktisch auf dieselben Resultate hinausl„uft wie die Marxsche Mehrwertstheorie; daá die Arbeiter nach der Lexisschen Auffassung in genau derselben "ungnstigen Lage" sich befinden wie bei Marx; daá sie ganz ebensosehr die Geprellten sind, da jeder Nichtarbei- ter ber dem Preis verkaufen kann, der Arbeiter aber nicht; und daá auf Grundlage dieser Theorie sich ein mindestens ebenso plau- sibler Vulg„rsozialismus aufbauen l„át, wie der hier in England auf Grundlage der Jevons-Mengerschen Gebrauchswerts- und Grenz- nutzentheorie [2] aufgebaute. Ja, ich vermute sogar, wrde Herrn George Bernard Shaw diese Profittheorie bekannt, er w„re imstande mit beiden H„nden zuzugreifen, Jevons und Karl Menger den Ab- schied zu geben und auf diesem Felsen die Fabianische Kirche der Zukunft neu zu errichten. In Wirklichkeit aber ist diese Theorie nur eine Umschreibung der Marxschen. Woraus werden denn die s„mtlichen Preiszuschl„ge be- stritten? Aus dem "Gesamtprodukt" der Arbeiter. Und zwar, indem die Ware "Arbeit", oder, wie Marx sagt, Arbeitskraft, unter ihrem Preis verkauft werden muá. Denn wenn es die gemeinsame Eigen- schaft aller Waren ist, teurer verkauft zu werden als die Produk- tionskosten, wenn aber hiervon die Arbeit allein ausgenommen ist und stets nur zu den Produktionskosten verkauft wird, so wird sie eben unter dem Preis verkauft, der die Regel ist in dieser vul- g„r”konomischen Welt. Der infolgedessen dem Kapitalisten, resp. der Kapitalistenklasse zufallende Extraprofit besteht eben darin, und kann in letzter Instanz nur dadurch zustande kommen, daá der Arbeiter, nach Reproduktion des Ersatzes fr den Preis seiner Ar- beit, noch weiteres Produkt produzieren muá, fr das er nicht be- zahlt wird - Mehrprodukt, Produkt unbezahlter Arbeit, Mehrwert. Lexis ist ein in der Wahl seiner Ausdrcke „uáerst vorsichtiger Mann. Er sagt nirgends gradeaus, daá obige Auffassung die seinige ist; ist sie es aber, so ist sonnenklar, daá wir #18# Vorwort ----- es hier nicht mit einem jener gew”hnlichen Vulg„r”konomen zu tun haben, von denen er selbst sagt, daá jeder einzelne in den Augen von Marx "bestenfalls nur ein hoffnungsloser Schwachkopf ist", sondern mit einem als Vulg„r”konomen verkleideten Marxisten. Ob diese Verkleidung bewuát oder unbewuát vor sich gegangen, ist eine uns hier nicht interessierende psychologische Frage. Wer das ergrnden m”chte, wird vielleicht auch Untersuchen, wie es m”g- lich war, daá zu einer gewissen Zeit ein so gescheiter Mann, wie Lexis es unzweifelhaft ist, auch einmal einen solchen Bl”dsinn wie den Bimetallismus verteidigen konnte. [3] Der erste, der die Frage wirklich zu beantworten versuchte, war Dr. Conrad Schmidt, "Die Durchschnittsprofitrate auf Grundlage des Marx'schen Werthgesetzes", Dietz, Stuttgart 1889. Schmidt sucht die Details der Marktpreisbildung in Einklang zu bringen sowohl mit dem Wertgesetz wie mit der Durchschnittsprofitrate. Der industrielle Kapitalist erh„lt in seinem Produkt erstens Er- satz fr sein vorgeschoánes Kapital, zweitens ein Mehrprodukt, wofr er nichts bezahlt hat. Um dies Mehrprodukt aber zu erhal- ten, muá er sein Kapital in der Produktion vorschieáen; d.h. er muá ein bestimmtes Quantum vergegenst„ndlichter Arbeit anwenden, um sich dies Mehrprodukt aneignen zu k”nnen. Fr den Kapitalisten ist also dies sein vorgeschoánes Kapital das Quantum vergegen- st„ndlichter Arbeit, das gesellschaftlich n”tig ist, um ihm dies Mehrprodukt zu verschaffen. Fr jeden andern industriellen Kapi- talisten gilt dasselbe. Da nun die Produkte dem Wertgesetz gem„á sich gegeneinander austauschen im Verh„ltnis der zu ihrer Produk- tion gesellschaftlich notwendigen Arbeit, und da fr den Kapita- listen die zur Herstellung seines Mehrprodukts notwendige Arbeit eben die in seinem Kapital aufgeh„ufte, vergangene Arbeit ist, so folgt, daá sich die Mehrprodukte austauschen nach dem Verh„ltnis der zu ihrer Produktion erheischten Kapitale, nicht aber nach dem der w i r k l i c h in ihnen verk”rperten Arbeit. Der auf jede Kapitaleinheit fallende Anteil ist also gleich der Summe aller produzierten Mehrwerte, dividiert durch die Summe der darauf ver- wandten Kapitale. hernach werfen gleiche Kapitale in gleichen Zeitr„umen gleiche Profite ab, und dies wird bewirkt, indem der so berechnete Kostpreis des Mehrprodukts, d.h. der Durch- schnittsprofit, auf den Kostpreis des bezahlten Produkts geschla- gen und zu diesem erh”hten Preise beides, bezahltes und unbezahl- tes Produkt, verkauft wird. Die Durchschnittsprofitrate ist her- gestellt, trotzdem daá, wie Schmidt meint, die Durchschnitts- preise der einzelnen Waren nach dem Wertgesetz bestimmt werden. Die Konstruktion ist „uáerst sinnreich, sie ist ganz nach Hegel- schem #19# Vorwort ----- Muster, aber sie teilt das mit der Mehrzahl der Hegelschen, daá sie nicht richtig ist. Mehrprodukt oder bezahltes Produkt macht keinen Unterschied: soll das Wertgesetz auch fr die Durch- schnittspreise unmittelbar gelten, so mssen beide verkauft wer- den im Verh„ltnis der zu ihrer Herstellung erforderlichen und darin verbrauchten gesellschaftlich n”tigen Arbeit. Das Wertge- setz richtet sich von vornherein gegen die aus der kapitalisti- schen Vorstellungsweise berkommene Ansicht, als sei die aufge- h„ufte vergangne Arbeit, woraus das Kapital besteht, nicht bloá eine bestimmte Summe von fertigem Wert, sondern, weil Faktor der Produktion und Profitbildung, auch wertbildend, also Quelle von mehr Wert, als es selbst hat; es stellt fest, daá diese Eigen- schaft nur der lebendigen Arbeit zukommt. Daá die Kapitalisten im Verh„ltnis der Gr”áe ihrer Kapitale gleiche Profite erwarten, ih- ren Kapitalvorschuá also als eine Art Kostpreis ihres Profits an- sehn, ist bekannt. Wenn aber Schmidt diese Vorstellung benutzt, um vermittelst ihrer die nach der Durchschnittsprofitrate berech- neten Preise in Einklang mit dem Wertgesetz zu bringen, so hebt er das Wertgesetz selbst auf, indem er eine ihm total widerspre- chende Vorstellung diesem Gesetz als mitbestimmenden Faktor ein- verleibt. Entweder ist die aufgeh„ufte Arbeit wertbildend neben der leben- digen. Dann gilt das Wertgesetz nicht. Oder sie ist nicht wertbildend. Dann ist Schmidts Beweisfhrung unvertr„glich mit dem Wertgesetz. Schmidt wurde auf diesen Seitenweg gefhrt, als er der L”sung schon sehr nahe war, weil er glaubte, eine wom”glich mathemati- sche Formel finden zu mssen, die den Einklang des Durchschnitts- preises jeder einzelnen Ware mit dem Wertgesetz nachweisen lieáe. Wenn er aber hier, ganz in der N„he des Ziels, einem Irrweg folgte, so beweist der brige Inhalt der Broschre, mit welchem Verst„ndnis er aus den beiden ersten Bchern des "Kapital" wei- tere Schlsse gezogen hat. Ihm gebhrt die Ehre, fr die bisher unerkl„rliche sinkende Tendenz der Profitrate die richtige, bei Marx im dritten Abschnitt des dritten Buchs gegebne Erkl„rung selbst„ndig gefunden zu haben; desgleichen die Ableitung des Han- delsprofits aus dem industriellen Mehrwert und eine ganze Reihe von Bemerkungen ber Zins und Grundrente, wodurch Dinge antizi- piert werden, die bei Marx im vierten und fnften Abschnitt des dritten Buchs entwickelt sind. In einer sp„teren Arbeit ("Neue Zeit", 1892/93, Nr. 3 und 4) ver- sucht Schmidt einen andern Weg der L”sung. Dieser l„uft darauf hinaus, daá die Konkurrenz es ist, die die Durchschnittspro- fitrate herstellt, indem sie Kapital aus Produktionszweigen mit Unterprofit in andre auswandern #20# Vorwort ----- macht, wo šberprofit gemacht wird. Daá die Konkurrenz die groáe Ausgleicherin der Profite ist, ist nicht neu. Aber nun versucht Schmidt den Nachweis, daá diese Nivellierung der Profite iden- tisch ist mit der Reduzierung des Verkaufspreises von im šbermaá produzierten Waren auf das Wertmaá, das die Gesellschaft nach dem Wertgesetz dafr zahlen kann. Warum auch dies nicht zum Ziel fh- ren konnte, ergibt sich hinreichend aus den Auseinandersetzungen von Marx im Buche selbst. Nach Schmidt ging P. Fireman an das Problem ("Conrads Jahrb- cher", Dritte Folge, 111, S. 793). Ich gehe nicht ein auf seine Bemerkungen ber sonstige Seiten der Marxschen Darstellung. Sie beruhen auf dem Miáverst„ndnis, daá Marx da definieren will, wo er entwickelt, und daá man berhaupt bei Marx nach fix und ferti- gen, ein fr allemal gltigen Definitionen suchen drfe. Es ver- steht sich ja von selbst, daá da, wo die Dinge und ihre gegensei- tigem Beziehungen nicht als fixe, sondern als ver„nderliche auf- gefaát werden, auch ihre Gedankenabbilder, die Begriffe, eben- falls der Ver„nderung und Umbildung unterworfen sind; daá man sie nicht in starre Definitionen einkapselt, sondern in ihrem histo- rischen resp. logischen Bildungsprozeá entwickelt. Danach wird es wohl klar sein, warum Marx am Anfang des ersten Buchs, wo er von der einfachen Warenproduktion als seiner historischen Vorausset- zung ausgeht, um dann weiterhin von dieser Basis aus zum Kapital zu kommen - warum er da eben von der einfachen Ware ausgeht und nicht von einer begrifflich und geschichtlich sekund„ren Form, von der schon kapitalistisch modifizierten Ware; was freilich Fi- reman platterdings nicht einsehn kann. Diese und andre Neben- dinge, die noch zu mancherlei Einwendungen Anlaá geben k”nnten, lassen wir lieber links liegen und gehn sofort zum Kern der Sache ber. W„hrend dem Verfasser die Theorie lehrt, daá der Mehrwert bei gegebner Mehrwertsrate der Anzahl der angewandten Arbeits- kr„fte proportional ist, zeigt ihm die Erfahrung, daá bei gegeb- ner Durchschnittsprofitrate der Profit proportional ist der Gr”áe des angewandten Gesamtkapitals. Dies erkl„rt Fireman dadurch, daá der Profit eine nur konventionelle (das heiát bei ihm: einer be- stimmten gesellschaftlichen Formation angeh”rige, mit ihr ste- hende und fallende) Erscheinung ist; seine Existenz ist einfach an das Kapital geknpft; dies, wenn es stark genug ist, sich einen Profit zu erzwingen, ist durch die Konkurrenz gen”tigt, sich auch eine fr alle Kapitale gleiche Profitrate zu erzwingen. Ohne gleiche Profitrate ist eben keine kapitalistische Produktion m”glich; diese Produktionsform vorausgesetzt, kann fr jeden Ein- zelkapitalisten die Masse des Profits nur abh„ngen, bei gegebner Profitrate, von der Gr”áe seines Kapitals. Andrerseits besteht der Profit #21# Vorwort ----- aus Mehrwert, unbezahlter Arbeit. Und wie geschieht hier die Ver- wandlung des Mehrwerts, dessen Gr”áe sich nach der Ausbeutung der Arbeit richtet, in Profit, dessen Gr”áe sich nach der Gr”áe des dazu erforderten Kapitals richtet? "Einfach dadurch, daá in allen Produktionszweigen, wo das Ver- h„ltnis zwischen... konstantem und variablem Kapital am gr”áten ist, die Waren ber ihrem Wert verkauft werden, das heiát aber auch, daá in denienigen Produktionszweigen, wo das Verh„ltnis konstantes Kapital : variables Kapital = c:v am kleinsten ist, die Waren unter ihrem Wert verkauft werden, und daá nur, wo das Verh„ltnis c:v eine bestimmte Mittelgr”áe darstellt, die Waren zu ihrem wahren Wert ver„uáert werden... Ist diese Inkongruenz ein- zelner Preise mit ihren respektiven Werten eine Widerlegung des Wertprinzips? Keineswegs. Denn dadurch, daá die Preise einiger Waren in gleichem Maá ber den Wert steigen, wie die Preise andrer unter den Wert sinken, bleibt die Totalsumme der Preise der Totalsumme der Werte gleich... 'in letzter Instanz' ver- schwindet die Inkongruenz.. Diese Inkongruenz ist eine "St”rung"; in den exakten Wissenschaften aber pflegt man eine berechenbare St”rung nie als eine Widerlegung eines Gesetzes zu betrachten". Man vergleiche hiermit die entsprechenden Stellen in Kap. IX, und man wird finden, daá Fireman hier in der Tat den Finger auf den entscheidenden Punkt gelegt hat. Wie vieler Mittelglieder es aber auch nach dieser Entdeckung noch bedrfte, um Fireman zu bef„hi- gen, die volle handgreifliche L”sung des Problems herauszuarbei- ten, beweist die unverdient khle Aufnahme, die sein so bedeuten- der Artikel gefunden hat. So viele sich auch fr das Problem in- teressierten, sie alle frchteten noch immer, sich die Finger zu verbrennen. Und dies erkl„rt sich nicht nur aus der unvollendeten Form, worin Fireman seinen Fund gelassen hat, sondern auch aus der unleugbaren Mangelhaftigkeit sowohl seiner Auffassung der Marxschen Darstellung, wie seiner eignen, auf dieser Auffassung begrndeten allgemeinen Kritik derselben. Wo es Gelegenheit gibt, sich bei einer schwierigen Sache zu bla- mieren, da fehlt Herr Professor Julius Wolf in Zrich nie. Das ganze Problem, erz„hlt er uns ("Conrads Jahrbcher", Dritte Folge, II, S. 352 und ff.), l”st sich durch den relativen Mehr- wert. Die Produktion des relativen Mehrwerts beruht auf Vermeh- rung des konstanten Kapitals gegenber dem variablen. "Ein Plus an konstantem Kapital hat ein Plus an Produktivkraft der Arbeiter zur Voraussetzung. Da dies Plus an Produktivkraft aber (auf dem Wege ber die Verbilligung der Lebensmitteln ein Plus an Mehrwert nach sich zieht, ist die direkte Beziehung zwi- schen wachsendem Mehrwert und wachsender Beteiligung des konstan- ten #22# Vorwort ----- Kapitals im Gesamtkapital hergestellt. Ein Mehr an konstantem Ka- pital weist ein Mehr an Produktivkraft der Arbeit aus. Bei gleichbleibendem variablem und wachsendem konstantem Kapital muá daher der Mehrwert steigen im Einklang rnit Marx. Diese Frage war uns aufgegeben." Zwar sagt Marx an hundert Stellen des ersten Buchs das grade Ge- genteil; zwar ist die Behauptung, nach Marx steige der relative Mehrwert, bei fallendem variablem Kapital, im Verh„ltnis wie das konstante Kapital steigt, von einer Erstaunlichkeit, die jedes parlamentarischen Ausdrucks spottet; zwar beweist Herr Julius Wolf in jeder Zelle, daá er weder relativ noch absolut das ge- ringste verstanden hat weder von absolutem noch von relativem Mehrwert; zwar sagt er selbst: "man scheint sich auf den ersten BIick hier wirklich in einem Nest von Ungereimtheiten zu befinden", was beil„ufig das einzige wahre Wort in seinem ganzen Artikel ist. Aber was tut das alles? Herr Julius Wolf ist so stolz auf seine geniale Entdeckung, daá er nicht unterlassen kann, dem Marx dafr posthume Lobspr,che zu erteilen und diesen seinen eignen unergrndlichen Unsinn anzupreisen als einen "neuerlichen Beweis der Sch„rfe und Weitsichtigkeit, mit der sein" (Marx') kritisches System der kapitalistischen Wirtschaft entworfen ist"! Aber es kommt noch besser: Herr Wolf sagt: "Ricardo hat ebensowohl behauptet: gleicher Kapitalaufwand, glei- cher Mehrwert (Profit), wie: gleicher Arbeitsaufwand, gleicher Mehrwert (der Masse nach). Und die Frage war nun: wie reimt sich das eine mit dem andern. Marx hat die Frage in dieser Form nun aber nicht anerkannt. E r h a t (i m d r i t t e n B a n d) zweifellos nachgewiesen, daá die zweite Behauptung nicht unbe- dingte Konsequenz des Wertgesetzes sei, ja daá sie seinem Wertge- setze widerspreche und also... direkt zu verwerfen sei." Und nun untersucht er, wer von uns beiden sich geirrt hat, ich oder Marx. Daá er selbst in der Irre spazierengeht, daran denkt er natrlich nicht. Es hieáe meine Leser beleidigen und die Komik der Situation total verkennen, wollte ich nur ein Wort verlieren ber diese Pracht- stelle. Ich fge nur noch hinzu: Mit derselben Khnheit, womit er damals bereits sagen konnte, was "Marx im dritten Band zweifellos nachgewiesen", benutzt er die Gelegenheit, einen angeblichen Pro- fessorenklatsch zu berichten, wonach Conrad Schmidts obige Schrift "von Engels direkt inspiriert sei". Herr Julius Wolf! In der Welt, worin Sie leben und weben, mag es blich #25# Vorwort ----- sein, daá der Mann, der andern ”ffentlich ein Problem stellt, seine Privatfreunde im stillen mit der L”sung bekannt macht. Daá Sie dazu kapabel sind, will ich Ihnen gern glauben. Daá in der Welt, worin ich verkehre, man sich nicht zu solchen Erb„rmlich- keiten herabzulassen braucht, beweist Ihnen das gegenw„rtige Vor- wort. Kaum war Marx gestorben, da ver”ffentlichte Herr Achille Loria schleunigst einen Artikel ber ihn in der "Nuova Antologia" (April 1883): zuerst eine von falschen Angaben strotzende Biogra- phie, sodann eine Kritik der ”ffentlichen, politischen und lite- rarischen T„tigkeit. Die Marxische materialistische Auffassung der Geschichte wird hier gef„lscht und verdreht mit einer Zuver- sichtlichkeit, die einen groáen Zweck erraten l„át. Und dieser Zweck ist erreicht worden: 1886 ver”ffentlichte derselbe Herr Lo- ria ein Buch "La teoria economica della costituzione politica", worin er die 1883 so g„nzlich und so absichtlich entstellte Marx- sche Geschichtstheorie als seine eigne Erfindung der staunenden Mitwelt verkndet. Allerdings ist die Marxsche Theorie hier auf ein ziemlich philistr”ses Niveau heruntergebracht; auch wimmeln die historischen Belege und Beispiele von Schnitzern, die man keinem Quartaner durchlassen wrde; aber was verschl„gt das al- les? Die Entdeckung, daá berall und immer die politischen Zu- st„nde und Ereignisse ihre Erkl„rung finden in den entsprechenden ”konomischen Zust„nden, wurde, wie hiermit bewiesen, keineswegs von Marx im Jahr 1845 gemacht, sondern von Herrn Loria 1886. We- nigstens hat er dies seinen Landsleuten, und seit sein Buch fran- z”sisch erschienen, auch einigen Franzosen glcklich aufgebunden und kann jetzt als Autor einer neuen epochemachenden Geschichts- theorie in Italien herumstolzieren, bis die dortigen Sozialisten Zeit finden, dem illustre 1*) Loria die gestohlnen Pfauenfedern herunterzuzupfen. Das ist aber erst ein kleines Pr”bchen von Herrn Lorias Manier. Er versichert uns, daá s„mtliche Theorien von Marx beruhen auf einem bewuáten Sophisma (un consaputo sofisma); daá Marx vor Pa- ralogismen nicht zurckscheute, auch wenn er sie als s o l c h e e r k a n n t e (sapendoll tali) usw. Und nachdem er mit einer ganzen Reihe „hnlicher gemeiner Schnurren seinen Lesern das N”- tige beigebracht hat, damit sie Marx fr einen Streber … la Loria ansehn, der seine Effektchen mit denselben kleinen faulen Humbug- smittelchen in Szene setzt wie unser paduanischer Professor, jetzt kann er ihnen ein wichtiges Geheimnis verraten, und damit fhrt er auch uns zur Profitrate zurck. ----- 1*) erlauchten #26# Vorwort ----- Herr Loria sagt: Nach Marx soll sich die in einem kapitalisti- schen Industriegesch„ft produzierte Masse des Mehrwerts (den Herr Loria hier mit dem Profit identifiziert) richten nach dem darin angewandten variablen Kapital, da das konstante Kapital keinen Profit abwirft. Das widerspricht aber der Wirklichkeit. Denn in der Praxis richtet sich der Profit nicht nach dem variablen, son- dern nach dem Gesamtkapital. Und Marx sieht dies selbst ein (I. Kap. XI [5]) und gibt zu, daá dem Anschein nach die Tatsachen seiner Theorie widersprechen. Wie aber l”st er den Widerspruch? Er verweist seine Leser auf einen noch nicht erschienenen folgen- den Band. Von diesem Band hatte Loria seinen Lesern schon frher gesagt, er glaube nicht, daá Marx auch nur einen Augenblick daran gedacht habe, ihn zu schreiben, und jetzt ruft er triumphierend aus: "Nicht mit Unrecht habe ich also behauptet, dieser zweite Band, womit Marx in einem fort seinen Gegnern droht, ohne daá er je er- scheint, dieser Band k”nne sehr wohl ein pfiffiges Auskunftstitel gewesen sein, das Marx da anwandte, wo ihm die wissenschaftlichen Argumente ausgingen (un ingegneso spediente ideato dal Marx a so- stituzione degli argomenti scientifici)." Und wer jetzt nicht berzeugt ist, daá Marx auf derselben H”he des wissenschaftlichen Schwindels steht wie l'illustre Loria, an dem ist Hopfen und Malz verloren. Soviel also haben wir gelernt: nach Herrn Loria ist die Marxsche Mehrwertstheorie absolut unvereinbar mit der Tatsache der allge- meinen gleichen Profitrate. Nun kam das zweite Buch heraus und damit meine ”ffentlich gestellte Frage grade ber diesen selben Punkt. 1*) W„re Herr Loria einer von uns bl”den Deutschen gewe- sen, er w„re einigermaáen in Verlegenheit geraten. Aber er ist ein kecker Sdl„nder, er kommt aus einem heiáen Kiima, wo, wie er behaupten kann, die Unverfrorenheit gewissermaáen Naturbedingung ist. Die Frage wegen der Profitrate ist ”ffentlich gestellt. Herr Loria hat sie ”ffentlich fr unl”slich erkl„rt. Und grade deshalb wird er sich jetzt selbst bertreifen, indem er sie ”ffentlich l”st. Dies Wunder geschieht in Conrads "Jahrbchern", N.F., Bd. XX, S. 272ff., in einem Artikel ber Conrad Schmidts oben erw„hnte Schrift. Nachdem er von Schmidt gelernt, wie der kommerzielle Profit zustande kommt, ist ihm auf einmal alles klar. "Da nun die Wertbestimmung durch die Arbeitszeit den Kapitali- sten, die einen guten Teil ihres Kapitals in L”hnen anlegen, einen Vorteil gibt, so kann das unproduktive" (soll heiáen kom- merzielle) "Kapital von diesen bevorzugten Kapitalisten ----- 1*) Siehe Band 24 unserer Ausgabe, S. 26 #27# Vorwort ----- einen h”heren Zins" (soll heiáen Profit) erzwingen und die Gleichheit zwischen den einzelnen industriellen Kapitalisten her- vorbringen... So z.B., wenn die industriellen Kapitalisten A, B, C, 100 Arbeitstage fr jeden, und respektive 0, 100, 200 konstan- tes Kapital in der Produktion anwenden, und der Arbeitslohn fr 100 Arbeitstage 50 Arbeitstage in sich enth„lt, jeder Kapitalist einen Mehrwert von 50 Arbeitstagen bekommt und die Profitrate 100% ist fr den ersten, 33,3% fr den zweiten und 20% fr den dritten Kapitalisten. Wenn aber ein vierter Kapitalist D ein un- produktives Kapital von 300 akkumuliert, das einen Zins" (Profit) "von dem Wert von 40 Arbeitstagen von A, einen Zins von 20 Ar- beitstagen von B erheischt, so wird die Profitrate der Kapitali- sten A und B zu 20%, wie die C's sinken und D mit einem Kapital von 300 wird einen Profit von 60, d.h. eine Profitrate von 20%, wie die brigen Kapitalisten bekommen." Mit so berraschender Gewandtheit, im Handumdrehn, l”st l'illustre Loria dieselbe Frage, die er vor zehn Jahren fr un- l”sbar erkl„rt hatte. Leider hat er uns das Geheimnis nicht ver- raten, woher das "unproduktive Kapital" die Macht erh„lt, den In- dustriellen diesen ihren, die Durchschnittsprofitrate berschrei- tenden Extraprofit nicht nur abzuzwacken, sondern auch selbst in der Tasche zu behalten, ganz wie der Grundeigentmer den ber- schssigen Profit des P„chters als Grundrente einsteckt. In der Tat wrden die Kaufleute hiernach einen der Grundrente durchaus analogen Tribut von den Industriellen erheben und dadurch die Durchschnittsprofitrate herstellen. Allerdings ist das Handelskapital ein sehr wesentlicher Faktor in der Herstellung der allgemeinen Profitrate, wie so ziemlich je- dermann weiá. Aber nur ein literarischer Abenteurer, der im Grunde seines Herzens auf die ganze ™konomie pfeift, kann sich die Behauptung erlauben, es besitze die Zauberkraft, allen ber die allgemeine Profitrate, und dazu noch ehe eine solche herge- stellt ist, berschssigen Mehrwert an sich zu saugen und in Grundrente fr sich selbst zu verwandeln, und das obendrein, ohne daá es irgendein Grundeigentum dazu n”tig hat. Nicht weniger er- staunlich ist die Behauptung, das Handelskapital bringe es fer- tig, diejenigen Industriellen zu entdecken, deren Mehrwert nur grade die Durchschnittsprofitrate deckt, und es rechne es sich zur Ehre an, diesen unglcklichen Opfern des Marxschen Wertgeset- zes ihr Los einigermaáen zu erleichtern, indem es ihnen ihre Pro- dukte gratis, sogar ohne jede Provision verkauft. Welch ein Ta- schenspieler geh”rt dazu, sich einzubilden, Marx habe solche j„m- merliche Kunststckchen n”tig! In seiner vollen Glorie aber strahlt unser illustre Loria erst, wenn wir ihn mit seinen nordischen Konkurrenten vergleichen, Z.B. mit Herrn Julius Wolf, der doch auch nicht von gestern ist. Welch ein kleiner Kl„ffer scheint dieser, selbst in seinem dicken Buch ber Sozialismus und kapitalistische #28# Vorwort ----- "Gesellschaftsordnung", neben dem Italiener! Wie unbehilflich, ich w„re fast versucht zu sagen, wie bescheiden steht er da neben der edlen Dreistigkeit, womit der Maestro es als selbstredend hinstellt, daá Marx nicht mehr und nicht minder als alle andern Leute auch, ein genau ebenso bewuáter Sophist, Paralogist, Auf- schneider und Marktschreier war wie Herr Loria selbst - daá Marx jedesmal, wenn er festsetzt, dem Publikum von einem Abschluá sei- ner Theorie in einem folgenden Band vorschwefelt, den er, wie er selbst sehr gut weiá, weder liefern kann noch will! Unbegrenzte Keckheit, gepaart mit aalglattem Durchschlpfen durch unm”gliche Situationen, heroische Verachtung gegen erhaltne Fuátritte, rasch zugreifende Aneignung fremder Leistungen, zudringliche Markt- schreierei der Reklame, Organisation des Ruhms vermittelst des Kamaraderieklngels - wer reicht ihm in alledem das Wasser? Italien ist das Land der Klassizit„t. Seit der groáen Zeit, als bei ihm die Morgenr”te der modernen Welt aufging, brachte es groáartige Charaktere hervor in unerreicht klassischer Vollen- dung, von Dante bis auf Garibaldi. Aber auch die Zeit der Ernied- rigung und Fremdherrschaft hinterlieá ihm klassische Charakter- masken, darunter zwei besonders ausgemeiáelte Typen: den Sgana- rell und den Dulcamara. Die klassische Einheit beider sehn wir verk”rpert in unserm illustre Loria. Zum Schluá muá ich meine Leser ber den Ozean fhren. In New York hat Herr Dr. med. George C. Stiebeling auch eine L”sung des Pro- blems gefunden, und zwar eine „uáerst einfache. So einfach, daá kein Mensch weder hben noch drben sie anerkennen wollte, wor- ber er in groáen Zorn geriet und in einer endlosen Reihe Bro- schren und Zeitungsartikel auf beiden Seiten des groáen Wassers sich bitterlichst ber diese Unbill beschwerte. Man sagte ihm zwar in der "Neuen Zeit" [6], seine ganze L”sung beruhe auf einem Rechenfehler. Aber das konnte ihn nicht st”ren; Marx hat auch Re- chenfehler gemacht und beh„lt dennoch in vielen Dingen recht. Sehn wir uns also die Stiebelingsche L”sung an. "Ich nehme zwei Fabriken an, die mit gleichem Kapital gleiche Zeit arbeiten, aber mit einem verschiednen Verh„ltnis des kon- stanten und des variablen Kapitals. Das Gesamtkapital (c+v) setze ich y, und bezeichne den Unterschied in dem Verh„ltnis des kon- stanten zu dem variablen Kapital mit x. In Fabrik I ist y = c + v, in Fabrik II ist y = (c-x) + (v+x). Die Rate des Mehrwerts ist also in Fabrik I = m/vund in Fabrik II = m/(v+x). Profit (p) nenne ich den Mehrwert (m), um den sich das Gesamtkapital y oder c + v in der gegebnen Zeit vermehrt, also p = m. Die Rate des Profits ist demnach in Fabrik I = p/y oder m/(c+v) und in Fabrik II ebenfalls p/y oder #29# Vorwort ----- m ------------- (c-x) + (v+x) daá d.h. ebenfalls = m/(c+v). Das... Problem l”st sich also der- art, daá auf Grundlage des Wertgesetzes, bei Anwendung gleichen Kapitals und gleicher Zeit, aber ungleicher Mengen lebendiger Ar- beit, aus der Ver„nderung der Rate des Mehrwerts eine gleiche Durchschnittsprofitrate hervorgeht." (G. C. Stiebeling, "Das Werthgesetz und die Profitrate", New York, John Heinrich.) So sch”n und einleuchtend auch die obige Rechnung ist, so sind wir doch gen”tigt, eine Frage an Herrn Dr. Stiebeling zu richten: Woher weiá er, daá die Summe des Mehrwerts, den Fabrik I produ- ziert, aufs Haar gleich ist der Summe des in Fabrik II erzeugten Mehrwerts? Von c, v, y und x, also von allen brigen Faktoren der Rechnung sagt er uns ausdrcklich, daá sie fr beide Fabriken gleiche Gr”áe haben, aber von in kein Wort. Daraus aber, daá er beide hier vorkommende Mengen Mehrwert algebraisch mit in be- zeichnet, folgt dies keineswegs. Es ist, da Herr Stiebeling auch den Profit p ohne weiteres mit dem Mehrwert identifiziert, viel- mehr grade das, was bewiesen werden soll. Nun sind nur zwei F„lle m”glich: entweder sind die beiden in gleich, jede Fabrik produ- ziert gleich viel Mehrwert, also bei gleichem Gesamtkapital auch gleich viel Profit, und dann hat Herr Stiebeling von vornherein das schon vorausgesetzt, was er erst beweisen soll. Oder aber, die eine Fabrik produziert eine gr”áere Summe Mehrwert als die andre, und dann f„llt seine ganze Rechnung dahin. Herr Stiebeling hat weder Mhe noch Kosten gescheut, auf diesen seinen Rechenfehler ganze Berge von Rechnungen aufzubauen und dem Publikum zur Schau zu stellen. Ich kann ihm die beruhigende Ver- sicherung geben, daá sie fast alle gleichm„áig unrichtig sind, und daá sie da, wo dies ausnahmsweise nicht der Fall ist, ganz etwas anders beweisen, als er beweisen will. So beweist er aus der Vergleichung der amerikanischen Zensusberichte von 1870 und 1880 tats„chlich den Fall der Profitrate, erkl„rt ihn aber total falsch und meint, die Marxsche Theorie einer sich immer gleich- bleibenden, stabilen Profitrate durch die Praxis berichtigen zu mssen. Nun folgt aber aus dem dritten Abschnitt des vorliegenden dritten Buchs, daá diese Marxsche "feststehende Profitrate" ein reines Hirngespinst ist, und daá die fallende Tendenz der Pro- fitrate auf Ursachen beruht, die den von Dr. Stiebeling angegeb- nen diametral entgegengesetzt sind. Herr Dr. Stiebeling meint es sicher sehr gut, aber wenn man sich mit wissenschaftlichen Fragen besch„ftigen will, muá man vor allen Dingen lernen, die Schrif- ten, die man benutzen will, so zu lesen, wie der Verfasser sie geschrieben hat und vor allem, ohne Dinge hineinzulesen, die nicht darinstehn. #30# Vorwort ----- Resultat der ganzen Untersuchung: auch mit Bezug auf die vorlie- gende Frage ist es wieder nur die Marxsche Schule, die etwas geleistet hat. Fireman und Conrad Schmidt k”nnen, wenn sie dies dritte Buch lesen, mit ihren eignen Arbeiten jeder an seinem Teil ganz zufrieden sein. London, 4. Oktober 1894 F. Engels Drittes Buch Der Gesamtprozeá der kapitalistischen Produktion Erster Teil #33# ----- Erster Abschnitt Die Verwandlung des Mehrwerts in Profit und der Rate des Mehr- werts in Profitrate ERSTES KAPITEL Kostpreis und Profit Im ersten Buch wurden die Erscheinungen untersucht, die der kapi- talistische P r o d u k t i o n s p r o z e á, fr sich genom- men, darbietet, als unmittelbarer Produktionsprozeá, bei dem noch von allen gekund„ren Einwirkungen ihm fremder Umst„nde abgesehn wurde. Aber dieser unmittelbare Produktionsprozeá ersch”pft nicht den Lebenslauf des Kapitals. Er wird in der wirklichen Velt er- g„nzt durch den Z i r k u l a t i o n s p r o z e á, und dieser bildete den Gegenstand der Untersuchungen des zweiten Buchs. Hier zeigte sich, namentlich im dritten Abschnitt, bei Betrachtung des Zirkulationsprozesses als der Vermittlung des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses, daá der kapitalistische Produktionspro- zeá, im ganzen betrachtet, Einheit von Produktions- und Zirkula- tionsprozeá ist. Worum es sich in diesem dritten Buch handelt, kann nicht sein, allgemeine Reáexionen ber diese Einheit anzu- stellen. Es gilt vielmehr, die konkreten Formen aufzufinden und darzustellen, welche aus dem B e w e g u n g s p r o z e á d e s K a p i t a l s, a l s G a n z e s betrachtet, hervor- wachsen. In ihrer wirklichen Bewegung treten sich die Kapitale in solchen konkreten Formen gegenber, fr die die Gestalt des Kapi- tals im unmittelbaren Produktionsprozeá, wie seine Gestalt im Zirkulationsprozeá, nur als besondere Momente erscheinen. Die Ge- staltungen des Kapitals, wie wir sie in diesem Buch entwickeln, n„hern sich also schrittwels der Form, worin sie auf der Oberfl„- che der Gesellschaft, in der Aktion der verschiedenen Kapitale aufeinander, der Konkurrenz, und im gew”hnlichen Bewuátsein der Produktionsagenten selbst auftreten. #34# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit. ----- Der Wert jeder kapitalistisch produzierten Ware W stellt sich dar in der Formel: W = c + v + m. Ziehn wir von diesem Produktenwert den Mehrwert in ab, so bleibt ein bloáes Žquivalent oder ein Er- satzwert in Ware fr den in den Produktionselementen verausgabten Kapitalwert c + v. Verursacht z.B. die Herstellung eines gewissen Artikels eine Ka- pitalausgabe von 500 Pfd.St.: 20 Pfd.St. fr Verschleiá von Ar- beitsmitteln, 380 Pfd.St. fr Produktionsstoffe, 100 Pfd.St. fr Arbeitskraft, und betr„gt die Rate des Mehrwertes 100%, so ist der Wert des Produkts = 400c + 100v + 100m = 600 Pfd.St. Nach Abzug des Mehrwerts von 100 Pfd.St. bleibt ein Warenwert von 500 Pfd.St., und dieser ersetzt nur das verausgabte Kapital von 500 Pfd.St. Dieser Wertteil der Ware, der den Preis der verzehr- ten Produktionsrnittel und den Preis der angewandten Arbeitskraft ersetzt, ersetzt nur, was die Ware dem Kapitalisten selbst ko- stet, und bildet daher fr ihn den Kostpreis der Ware. Was die Ware dem Kapitalisten kostet, und was die Produktion der Ware selbst kostet, sind allerdings zwei ganz verschiedne Gr”áen. Der aus Mehrwert bestehende Teil des Warenwerts kostet dem Kapi- talisten nichts, eben weil er dem Arbeiter unbezahlte Arbeit ko- stet. Da jedoch auf Grundlage der kapitalistischen Produktion der Arbeiter selbst, nach seinem Eintritt in den Produktionsprozeá, ein Ingrediens des in Funktion begriffenen und dem Kapitalisten zugeh”rigen produktiven Kapitals bildet, der Kapitalist also der wirkliche Warenproduzent ist, so erscheint notwendig der Kost- preis der Ware fr ihn als die wirkliche Kost der Ware selbst. Nennen wir den Kostpreis k, so verwandelt sich die Formel: W = c + v + m in die Formel: W = k + m, oder Warenwert = Kostpreis + Mehrwert. Die Zusammenfassung der verschiednen Wertteile der Ware, die nur den in ihrer Produktion verausgabten Kapitalwert ersetzen, unter der Kategorie des Kostpreises drckt daher einerseits den spezi- fischen Charakter der kapitalistischen Produktion aus. Die kapi- talistische Kost der Ware miát sich an der Ausgabe in Kapital, die wirkliche Kost der Ware an der Ausgabe in Arbeit. Der kapita- listische Kostpreis der Ware ist daher quantitativ verschieden von ihrem Wert oder ihrem wirklichen Kostpreis; er ist kleiner als der Warenwert, denn da W = k + m, ist k = W - m. Andrerseits ist der Kostpreis der Ware keineswegs eine Rubrik, die nur in der kapitalistischen Buchfhrung existiert. Die Verselbst„ndigung dieses Wertteils macht sich in der wirklichen Produktion der Ware fortw„hrend praktisch geltend, da er aus seiner Warenform durch den Zirkulationsprozeá stets wieder in die Form von produktivem Kapital rckverwandelt werden, #37# 1. Kapitel - Kostpreis und Profit ----- der Kostpreis der Ware also best„ndig die in ihrer Produktion verzehrten Produktionselemente rckkaufen muá. Dagegen hat die Kategorie des Kostpreises in keiner Weise zu tun mit der Wertbildung der Ware oder mit dem Verweirtungsprozeá des Kapitals. Wenn ich weiá, daá 5/6 des Warenwerts, von 600 Pfd.St., oder 500 Pfd.St. nur ein Žquivalent, einen Ersatzwert des veraus- gabten Kapitals von 500 Pfd.St. bilden, und daher nur hinreichen, die stofflichen Elemente dieses Kapitals rckzukaufen, so weiá ich damit weder, wie diese 5/6 des Werts der Ware, die ihren Kostpreis bilden, noch wie das letzte Sechstel, das ihren Mehr- wert bildet, produziert worden sind. Die Untersuchung wird jedoch zeigen, daá der Kostpreis in der Kapitalwirtschaft den falschen Schein einer Kategorie der Wertproduktion selbst erh„lt. Kehren wir zu unserm Beispiel zurck. Unterstellen wir, daá der in einem durchschnittlichen gesellschaftlichen Arbeitstag von ei- nem Arbeiter produzierte Wert sich in einer Geldsumme von 6 sh. = 6 M. darstellt, so ist das vorgeschoáne Kapital von 500 Pfd.St. = 40c0 + 100v, das Wertprodukt von 1666 2/3 zehnstndigen Arbeits- tagen, wovon 1333 1/3 Arbeitstage im Wert der Produktionsmittel = 400c, 333 1/3 im Wert der Arbeitskraft = 100v kristallisiert sind. Bei der angenommenen Mehrweirtrate von 100% kostet die Pro- duktion der neu zu bildenden Ware selbst also eine Verausgabung von Arbeitskraft = 100v + 100m = 666 2/3 zehnstndigen Arbeitsta- gen. Wir wissen dann (siehe Buch I, Kap. VII, p. 201/193 1*)), daá der Wert des neugebildeten Produkts von 600 Pfd.St. sich zusammen- setzt aus 1. dem wiedererscheinenden Wert des in Produktionsmit- teln verausgabten konstanten Kapitals von 400 Pfd.St. und 2. ei- nem neuproduzierten Wert von 200 Pfd.St. Der Kostpreis der Ware = 500 Pfd.St. umschlieát die wiedererscheinenden 400c und eine H„lfte des neuproduzierten Werts von 200 Pfd.St. (= 100,), also zwei mit Bezug auf ihre Entstehung ganz und gar verschiedne Ele- mente des Warenwerts. Durch den zweckgem„áen Charakter der w„hrend 6662/3 zehnstndigen Tagen verausgabten Arbeit wird der Wert der verzehrten Produkti- onsmittel, zum Belauf von 400 Pfd.St., von diesen Produktionsmit- teln auf das Produkt bertragen. Dieser alte Wert erscheint daher wieder als Bestandteil des Produktenwerts, aber er entsteht nicht im Produktionsprozeá d i e s e r Ware. Er existiert nur als Be- standteil des Warenwerts, weil er vorher als Bestandteil des vor- geschoánen Kapitals existierte. Das verausgabte konstante ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 226 #38# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Kapital wird also durch den Teil des Warenwerts ersetzt, den es selbst dem Warenwert zusetzt. Dies Element des Kostpreises hat also den zweideutigen Sinn: Es geht einerseits in den Kostpreis der Ware ein, weil es ein Bestandteil des Warenwerts ist, der verausgabtes Kapital ersetzt; und andrerseits bildet es nur einen Bestandteil des Warenwerts, weil es der Wert von verausgabtem Ka- pital ist, oder weil die Produktionsmittel soundso viel kosten. Ganz umgekehrt mit dem andern Bestandteil des Kostpreises. Die w„hrend der Warenproduktion verausgabten 666 2/3 Tage Arbeit bil- den einen Neuwert von 200 Pfd.St. Von diesem Neuwert ersetzt ein Teil nur das vorgeschoáne variable Kapital von 100 Pfd.St. oder den Preis der angewandten Arbeitskraft. Aber dieser vorgeschoáne Kapitalwert geht in keiner Weise in die Bildung des Neuwerts ein. Innerhalb des Kapitalvorschusses z„hlt die Arbeitskraft als W e r t, aber im Produktionsprozeá fungiert sie als W e r t b i l d n e r. An die Stelle des Werts der Arbeitskraft, der innerhalb des Kapitalvorschusses figuriert, tritt im wirklich f u n g i e r e n d e n produktiven Kapital die lebendige, wert- bildende Arbeitskraft selbst. Der Unterschied zwischen diesen verschiednen Bestandteilen des Warenwerts, die zusammen den Kostpreis bilden, springt ins Auge, sobald ein Wechsel in der Wertgr”áe, das eine Mal des verausgab- ten konstanten, das andre Mal des verausgabten variablen Kapi- talteils eintritt. Der Preis derselben Produktionsmittel oder der konstante Kapitaltell steige von 400 Pfd.St. auf 600 Pfd.St., oder sinke umgekehrt auf 200 Pfd.St. Im ersten Fall steigt nicht nur der Kostpreis der Ware von 500 Pfd.St. auf 600c + 100v = 700 Pfd.St., sondern der Warenwert selbst steigt von 600 Pfd.St. auf 600c + 100v + 100m = 800 Pfd.St. Im zweiten Fall sinkt nicht nur der Kostpreis von 500 Pfd.St. auf 200c + 100v = 300 Pfd.St., son- dern der Warenwert selbst von 600 Pfd. St. auf 200c + 100v + 100m = 400 Pfd.St. Weil das verausgabte konstante Kapital seinen eig- nen Wert auf das Produkt bertr„gt, w„chst oder f„llt, bei sonst gleichbleibenden Umst„nden, der Produktenwert mit der absoluten Gr”áe jenes Kapitalwerts. Nimm umgekehrt an, bei sonst gleich- bleibenden Umst„nden wachse der Preis derselben Masse Arbeits- kraft von 100 Pfd.St. auf 150 Pfd.St., oder sinke umgekehrt auf 50 Pfd.St. Im ersten Fall steigt zwar der Kostpreis von 500 Pfd.St. auf 400c + 150v = 550 Pfd.St. und sinkt im zweiten Fall von 500 Pfd.St. auf 400c + 50v = 450 Pfd.St., aber in beiden F„l- len bleibt der Warenwert unver„ndert = 600 Pfd.St.; das eine Mal = 400c + 150v + 50m, das andre Mal = 400c + 50v + 150m. Das vor- geschoáne variable Kapital setzt dem Produkt nicht seinen eignen Wert zu. An die Stelle seines #41# 1. Kapitel - Kostpreis und Profit ----- Werts ist vielmehr im Produkt ein von der Arbeit geschaffner Neu- wert getreten. Ein Wechsel in der absoluten Wertgr”áe des vari- ablen Kapitals, soweit er nur einen Wechsel im Preis der Arbeits- kraft ausdrckt, „ndert daher nicht das geringste an der absolu- ten Gr”áe des Warenwerts, weil nichts an der absoluten Gr”áe des Neuwerts, welchen flssige Arbeitskraft schafft. Solcher Wechsel affiziert vielmehr nur das Gr”áenverh„ltnis der beiden Bestand- teile des Neuwerts, wovon der eine Mehrwert bildet, der andre das variable Kapital ersetzt, und daher in den Kostpreis der Ware eingeht. Gemeinsam haben beide Teile des Kostpreises, in unserm Fall 400 + 100v, nur das: daá sie beide Teile des Warenwerts sind, die vor- geschoánes Kapital ersetzen. Dieser wirkliche Sachverhalt erscheint aber notwendig in verkehr- ter Weise vom Standpunkt der kapitalistischen Produktion. Die kapitalistische Produktionsweise unterscheidet sich von der auf Sklaverei gegrndeten Produktionsweise unter anderm dadurch, daá der Wert, resp. Preis der Arbeitskraft, sich darstellt als Wert, resp. Preis, der Arbeit selbst oder als Arbeitslohn. (Buch I, Kap. XVII.) Der variable Wertteil des Kapitalvorschusses er- scheint daher als in Arbeitslohn verausgabtes Kapital, als ein Kapitalwert, der den Wert, resp. Preis, aller in der Produktion verausgabten Arbeit zahlt. Nehmen wir z.B. an, daá ein durch- schnittlicher gesellschaftlicher Arbeitstag von 10 Stunden sich in einer Geldmasse von 6 sh. verk”rpert, so ist der variable Ka- pitalvorschuá von 100 Pfd.St. der Geldausdruck eines in 333 1/3 zehnstndigen Arbeitstagen produzierten Werts. Dieser im Kapital- vorschuá figurierende Wert der angekauften Arbeitskraft bildet aber keinen Teil des wirklich fungierenden Kapitals. An seine Stelle tritt im Produktionsprozeá selbst die lebendige Arbeits- kraft. Betr„gt, wie in unserm Beispiel, der Exploitationsgrad der letztern 100%, so wird sie verausgabt w„hrend 666 2/3 zehnstndi- gen Arbeitstagen und setzt daher dem Produkt einen Neuwert von 200 Pfd.St. zu. Aber im Kapitalvorschuá figuriert das variable Kapital von 100 Pfd.St. als in Arbeitslohn ausgelegtes Kapital, oder als Preis der Arbeit, die w„hrend 666 2/3 zehnstndigen Ta- gen verrichtet wird. 100 Pfd.St. dividiert durch 666 2/3 gibt uns als Preis des zehnstndigen Arbeitstags 3 sh., das Wertprodukt fnfstndiger Arbeit. Vergleichen wir nun Kapitalvorschuá auf der einen Seite und Wa- renwert auf der andern, so haben wir: 1. Kapitalvorschuá von 500 Pfd.St. = 400 Pfd.St. in Produktionsmitteln verausgabtes Kapital (Preis der Produktionsmittel) + 100 Pfd.St. in #42# 1. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Arbeit verausgabtes Kapital (Preis von 666 2/3 Arbeitstagen oder Arbeitslohn fr selbe). II. Warenwert von 600 Pfd.St. = Kostpreis von 500 Pfd.St. (400 Pfd.St. Preis der verausgabten Produktionsmittel + 100 Pfd.St. Preis der verausgabten 666 2/3 Arbeitstage) + 100 Pfd.St. Mehr- wert. In dieser Formel unterscheidet sich der in Arbeit ausgelegte Ka- pitalteil von dem in Produktionsmitteln, z.B. Baumwolle oder Koh- len ausgelegten Kapitalteil nur dadurch, daá er zur Zahlung eines stofflich verschiednen Produktionselements dient, aber in keiner Weise dadurch, daá er im Wertbildungsprozeá der Ware und daher auch im Verwertungsprozeá des Kapitals eine funktionell ver- schiedne Rolle spielt. Im Kostpreis der Ware kehrt der Preis der Produktionsmittel wieder, wie er bereits im Kapitalvorschuá figu- rierte, und zwar weil diese Produktionsmittel zweckgem„á vernutzt worden sind. Ganz ebenso kehrt im Kostpreis der Ware der Preis oder Arbeitslohn fr die zu ihrer Produktion verbrauchten 666 2/3 Arbeitstage wieder, wie er bereits im Kapitalvorschuá figurierte, und zwar ebenfalls weil diese Masse Arbeit in zweckgem„áer Form verausgabt wurde. Wir sehn nur fertige, vorhandne Werte - die Wertteile des vorgeschoánen Kapitals, die in die Bildung des Pro- duktenwerts eingehn - aber kein Neuwert schaffendes Element. Der Unterschied zwischen konstantem und variablem Kapital ist ver- schwunden. Der ganze Kostpreis von 500 Pfd.St. erh„lt jetzt den Doppelsinn, daá er erstens der Bestandteil des Warenwerts von 600 Pfd.St. ist, der das in der Produktion der Ware verausgabte Kapi- tal von 500 Pfd.St. ersetzt; und daá zweitens dieser Wertbestand- teil der Ware selbst nur existiert, weil er vorher als Kostpreis der angewandten Produktionselemente, der Produktionsmittel und Arbeit d.h. als Kapitalvorschuá existierte. Der Kapitalwert kehrt als Kostpreis der Ware wieder, weil und sofern er als Kapitalwert verausgabt worden ist. Der Umstand, daá die verschiednen Wertbestandteile des vorge- schoánen Kapitals in stofflich verschiednen Produktionselementen ausgelegt sind, in Arbeitsmitteln, Roh- und Hilfsstoffen und Ar- beit, bedingt nur, daá der Kostpreis der Ware diese stofflich verschiednen Produktionselemente wieder rckkaufen muá. Mit Bezug auf die Bildung des Kostpreises selbst macht sich dagegen nur ein Unterschied geltend, der Unterschied zwischen fixem und zirkulie- rendem Kapital. In unserm Beispiel waren 20 Pfd.St. berechnet fr Verschleiá der Arbeitsmittel (400c = 20 Pfd.St. fr Verschleiá der Arbeitsmittel + 380 Pfd.St. fr Produktionsstoffe). War der Wert dieser Arbeitsmittel vor der Produktion der Ware = 1200 Pfd.St., so existiert er nach ihrer Produktion in zwei Gestalten, 20 Pfd.St. als Teil des Warenwerts, #43# 1. Kapitel - Kostpreis und Profit ----- 1200 - 20 oder 1180 Pfd.St. als resistierender Wert der nach wie vor im Besitz des Kapitalisten befindlichen Arbeitsmittel, oder als Wertelement nicht seines Warenkapitals, sondern seines pro- duktiven Kapitals. Im Gegensatz zu den Arbeitsmitteln werden Pro- duktionsstoffe und Arbeitslohn in der Produktion der Ware ganz verausgabt, und geht daher auch ihr ganzer Wert in den Wert der produzierten Ware ein. Wir haben gesehn, wie diese verschiednen Bestandteile des vorgeschoánen Kapitals mit Bezug auf den Um- schlag die Formen von fixem und zirkulierendern Kapital erhalten. Der Kapitalvorschuá ist also = 1680 Pfd.St.: fixes Kapital = 1200 Pfd.St. plus zirkulierendes Kapital = 480 Pfd.St. (= 380 Pfd.St. in Produktionsstoffen plus 100 Pfd.St. in Arbeitslohn). Der Kost- preis der Ware ist dagegen nur = 500 Pfd.St. (20 Pfd.St. fr Ver- schleiá des fixen Kapitals, 480 Pfd.St. fr zirkulierendes Kapi- tal). Diese Differenz zwischen Kostpreis der Ware und Kapitalvorschuá best„tigt jedoch nur, daá der Kostpreis der Ware ausschlieálich gebildet wird durch das fr ihre Produktion wirklich verausgabte Kapital. In der Produktion der Ware werden Arbeitsmittel zum Wert von 1200 Pfd.St. angewandt, aber von diesem vorgeschoánen Kapi- talwert gehn nur 20 Pfd.St. in der Produktion verloren. Das ange- wandte fixe Kapital geht daher nur teilweise in den Kostpreis der Ware ein, weil es nur teilweise in ihrer Produktion verausgabt wird. Das angewandte zirkulierende Kapital geht ganz in den Kost- preis der Ware ein, weil es in ihrer Produktion ganz verausgabt wird. Was beweist dies aber, als daá die verbrauchten fixen und zirkulierenden Kapitaltelle, pro rata ihrer Wertgr”áe, gleichm„- áig in den Kostpreis ihrer Ware eingehn und daá dieser Wertbe- standteil der Ware berhaupt nur aus dem in ihrer Produktion ver- ausgabten Kapital entspringt? W„re dies nicht der Fall, so w„re nicht abzusehn, warum das vorgeschoáne fixe Kapital von 1200 Pfd.St. dem Produktenwert, statt der 20 Pfd.St., die es im Pro- duktionsprozeá verliert, nicht auch die 1180 Pfd.St. zusetzt, die es nicht in ihm verliert. Diese Differenz zwischen fixem und zirkulierendem Kapital in be- zug auf die Berechnung des Kostpreises best„tigt also nur die scheinbare Entstehung des Kostpreises aus dem verausgabten Kapi- talwert oder dem Preis, den die verausgabten Produktionselemente, die Arbeit einbegriffen, dem Kapitalisten selbst kosten. Andrer- seits wird der variable, in Arbeitskraft ausgelegte Kapitalteil in bezug auf Wertbildung hier unter der Rubrik von zirkullerendem Kapital ausdrcklich identifiziert mit konstantem Kapital #44# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- (dem in Produktionsstoffen bestehenden Kapitalteil) und so die Mystifikation des Verwertungsprozesses des Kapitals vollendet. 1) Wir haben bisher nur ein Element des Warenwerts betrachtet, den Kostpreis. Wir mssen uns jetzt auch nach dem andern Bestandteil des Warenwerts umsehn, dem šberschuá ber den Kostpreis oder dem Mehrwert. Zun„chst ist der Mehrwert also ein šberschuá des Werts der Ware ber ihren Kostpreis. Da aber der Kostpreis gleich dem Wert des verausgabten Kapitals, in dessen stoffliche Elemente er auch best„ndig rckverwandelt wird, so ist dieser Wertberschuá ein Wertzuwachs des in der Produktion der Ware verausgabten und aus ihrer Zirkulation zurckkehrenden Kapitals. Man sah bereits frher, daá, obgleich in, der Mehrwert, nur aus einer Wertver„nderung von v, dem variablen Kapital entspringt und daher ursprnglich bloá ein Inkrement des variablen Kapitals ist, er dennoch nach beendigtem Produktionsprozeá ebensosehr einen Wertzuwachs von c + v, dem verausgabten Gesamtkapital bildet. Die Formel c + (v+m), die andeutet, daá in produziert wird durch die Verwandlung des in Arbeitskraft vorgeschoánen bestimmten Kapital- werts v in eine flieáende Gr”áe, also einer konstanten Gr”áe in eine variable, stellt sich ebenso dar als (c+v) + m. Vor der Pro- duktion hatten wir ein Kapital von 500 Pfd.St. Nach der Produk- tion haben wir das Kapital von 500 Pfd.St. plus einem Wertzuwachs von 100 Pfd.St. 2) Der Mehrwert bildet jedoch einen Zuwachs, nicht nur zu dem in den Verwertungsprozeá eingehenden, sondern auch zu dem nicht darin eingehenden Teil des vorgeschoánen Kapitals; also einen Wertzu- wachs, nicht nur zu dem verausgabten Kapital, das aus dem Kost- preis der Ware ersetzt wird, sondern zu dem in der Produktion berhaupt angewandten Kapital. Vor dem Produktionsprozeá hatten wir einen Kapitalwert von 1680 Pfd.St.: 1200 Pfd.St. in Arbeits- mitteln ausgelegtes fixes Kapital, wovon nur --- 1) Welche Verwirrung hieraus im Kopf des ™konomen entstehn kann, wurde Buch I, Kap. VII, 3, S. 216 / 206 ff. 1*), am Beispiel von N. W. Senior gezeigt. 2) Wir wissen in der Tat bereits, daá der Mehrwert bloá Folge der Wertver„nderung ist, die mit v, dem in Arbeitskraft umgesetzten Kapitalteil, vorgeht, daá also v + m = v + delta v (v plus Inkre- ment von v) ist. Aber die wirkliche Wertver„nderung und das Ver- h„ltnis, worin sich der Wert „ndert, werden dadurch verdunkelt, daá infolge des Wachstums seines variierenden Bestandteils auch das vorgeschoáne Gesamtkapital w„chst. Es war 500 und es wird 590." (Buch I, Kap. VII, 1, S.203/195 2*).) ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 237-243 - 2*) ebenda, S. 228 #45# 1. Kapitel - Kostprei, und Profit ----- 20 Pfd. St. fr Verschleiá in den Wert der Ware eingehn, plus 480 Pfd. St. zirkulierendes Kapital in Produktionsstoffen und Ar- beitslohn. Nach dem Produktionsprozeá haben wir 1180 Pfd.St. als Wertbestandteil des produktiven Kapitals plus einem Warenkapital von 600 Pfd.St. Addieren wir diese beiden Wertsummen, so besitzt der Kapitalist jetzt einen Wert von 1780 Pfd.St. Zieht er davon das vorgeschoáne Gesamtkapital von 1680 Pfd.St. ab, so bleibt ein Wertzuwachs von 100 Pfd.St. Die 100 Pfd.St. Mehrwert bilden also ebensosehr einen Wertzuwachs zu dem angewandten Kapital von 1680 Pfd.St., wie zu dem w„hrend der Produktion verausgabten Bruch- stck desselben von 500 Pfd.St. Es ist dem Kapitalisten nun klar, daá dieser Wertzuwachs aus den produktiven Vorg„ngen entspringt die mit dem Kapital vorgenommen werden, daá er also aus dem Kapital selbst entspringt; denn nach dem Produktionsprozeá ist er da, und vor dem Produktionsprozeá war er nicht da. Was zun„chst das in der Produktion verausgabte Kapital betrifft, so scheint der Mehrwert gleichm„áig aus dessen verschiednen, in Produktionsmitteln und Arbeit bestehenden Werte- lementen zu entspringen. Denn diese Elemente gehn gleichm„áig in die Bildung des Kostpreises ein. Sie setzen gleichm„áig ihre als Kapitalvorschsse vorhandnen Werte dem Produktenwert zu und un- terscheiden sich nicht als konstante und variable Wertgr”áen. Dies wird handgreiflich, wenn wir einen Augenblick unterstellen alles verausgabte Kapital bestehe entweder ausschlieálich aus Ar- beitslohn oder ausschlieálich aus dem Wert von Produktionsmit- teln. Wir h„tten dann im ersten Fall statt des Warenwerts 400c + 100v + 100m den Warenwert 500v + 100m. Das in Arbeitslohn ausge- legte Kapital von 500 Pfd.St. ist der Wert aller in der Produk- tion des Warenwerts von 600 Pfd.St. aufgewandten Arbeit und bil- det ebendaher den Kostpreis des ganzen Produkts. Die Bildung die- ses Kostpreises, wodurch der Wert des verausgabten Kapitals als Wertbestandteil des Produkts wiedererscheint, ist aber der ein- zige uns bekannte Vorgang in der Bildung dieses Warenwerts. Wie sein Mehrwertsbestandteil von 100 Pfd.St. entspringt, wissen wir nicht. Ganz ebenso im zweiten Fall, wo der Warenwert = 500c + 100m w„re. In beiden F„llen wissen wir, daá der Mehrwert aus ei- nem gegebnen Wert entspringt, weil dieser Wert in der Form von produktivem Kapital vorgeschossen wurde, gleichgltig ob in der Form von Arbeit oder in der Form von Produktionsmitteln. Andrer- seits aber kann der vorgeschoáne Kapitalwert den Mehrwert nicht aus dem Grunde bilden, weil er verausgabt worden ist, und daher den Kostpreis der Ware bildet. Denn gerade soweit er den Kost- preis der Ware bildet, bildet er keinen Mehrwert, sondern nur ein Žquivalent, einen Ersatzwert des verausgabten #46# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Kapitals. Soweit er also Mehrwert bildet, bildet er ihn nicht in seiner spezifischen Eigenschaft als verausgabtes, sondern als vorgeschoánes und daher angewandtes Kapital berhaupt. Der Mehr- wert entspringt daher ebensosehr aus dem Teil des vorgeschoánen Kapitals, der in den Kostpreis der Ware eingeht, wie aus dem Teil desselben, der nicht in den Kostpreis eingeht; in einem Wort: gleichm„áig aus den fixen und zirkulierenden Bestandteilen des angewandten Kapitals. Das Gesamtkapital dient stofflich als Pro- duktbildner, die Arbeitsmittel sowohl wie die Produktionsstoffe und die Arbeit. Das Gesamtkapital geht stofflich in den wirkli- chen Arbeitsprozeá ein, wenn auch nur ein Teil desselben in den Verwertungsprozeá eingeht. Dies ist vielleicht eben der Grund, daá es nur teilweis zur Bildung des Kostpreises, aber ganz zur Bildung des Mehrwerts beitr„gt. Wie dem auch sei, das Fazit bleibt, daá der Mehrwert gleichzeitig aus allen Teilen des ange- wandten Kapitals entspringt. Die Deduktion kann noch sehr abge- krzt werden, wenn man mit Malthus ebenso derb wie einfach sagt: "Der Kapitalist e r w a r t e t gleichen Vorteil auf alle Teile des Kapitals, die er vorstreckt." 3) Als solcher vorgestellter Abk”mmling des vorgeschoánen Gesamtka- pitals erh„lt der Mehrwert die verwandelte Form des P r o f i t s. Eine Wertsumme ist daher Kapital, weil sie ausge- legt wird, um einen Profit zu erzeugen 4), oder der Profit kommt heraus, weil eine Wertsumme als Kapital angewandt wird. Nennen wir den Profit p, so verwandelt sich die Formel W = c + v + m = k + m in die Formel W = k + p oder Warenwert Kostpreis + Profit. Der Profit, wie wir ihn hier zun„chst vor uns haben, ist also dasselbe, was der Mehrwert ist, nur in einer mystifizierten Form, die jedoch mit Notwendigkeit aus der kapitalistischen Produkti- onsweise herausw„chst. Weil in der scheinbaren Bildung des Kost- preises kein Unterschied zwischen konstantem und variablem Kapi- tal zu erkennen ist, muá der Ursprung der Wertver„nderung, die w„hrend des Produktionsprozesses sich ereignet, von dem variablen Kapitalteil in das Gesamtkapital verlegt werden. Weil auf dem einen Pol der Preis der Arbeitskraft in der verwandelten Form von Arbeitslohn, erscheint auf dem Gegenpol der Mehrwert in der ver- wandelten Form von Profit. --- 3) Malthus, "Principles of Pol. Econ.", 2nd edit., London 1836, p. 268. 4) "Capital: that which is expended with a view to profit." Malthus, "Definitions in Pol. Econ.", London 1827, p. 86. #47# 1. Kapitel - Kostpreis und Profit ----- Wir haben gesehn: Der Kostpreis der Ware ist kleiner als ihr Wert. Da W = k + m, ist k = W - m. Die Formel W = k + m reduziert sich nur auf W = k, Warenwert = Kostpreis der Ware, wenn m = 0, ein Fall, der auf Grundlage der kapitalistischen Produktion nie- mals eintritt, obgleich unter besondren Marktkonjunkturen der Verkaufspreis der Waren auf oder selbst unter ihren Kostpreis sinken mag. Wird die Ware daher zu ihrem Wert verkauft, so wird ein Profit realisiert, der gleich dem šberschuá ihres Werts ber ihren Kost- preis ist, also gleich dem ganzen im Warenwert steckenden Mehr- wert. Aber der Kapitalist kann die Ware mit Profit verkaufen, ob- gleich er sie unter ihrem Wert verkauft. Solange ihr Verkaufs- preis ber ihrem Kostpreis, wenn auch unter ihrem Wert steht, wird stets ein Teil des in ihr enthaltenen Mehrwerts realisiert, also stets ein Profit gemacht. In unserm Beispiel ist der Waren- wert = 600 Pfd.St., der Kostpreis = 500 Pfd.St. Wird die Ware zu 510, 520, 530, 560, 590 Pfd.St. verkauft, so wird sie respektive zu 90, 80, 70, 40, 10 Pfd.St. unter ihrem Wert verkauft und den- noch ein Profit von je 10, 20, 30, 60, 90 Pfd.St. aus ihrem Ver- kauf herausgeschlagen. Zwischen dem Wert der Ware und ihrem Kost- preis ist offenbar eine unbestimmte Reihe von Verkaufspreisen m”glich. Je gr”áer das aus Mehrwert bestehende Element des Waren- werts, desto gr”áer der praktische Spielraum dieser Zwischen- preise. Hieraus erkl„ren sich nicht nur allt„gliche Erscheinungen der Konkurrenz, wie z.B. gewisse F„lle des Unterverkaufs (underselling), anormale Niedrigkeit der Warenpreise in bestimm- ten Industriezweigen 5) etc. Das bisher von der politischen ™ko- nomie unbegriffne Grundgesetz der kapitalistischen Konkurrenz, das Gesetz, welches die allgemeine Profitrate und die durch sie bestimmten sog. Produktionspreise regelt, beruht, wie man sp„ter sehn wird, auf dieser Differenz zwischen Wert und Kostpreis der Ware und der daher entspringenden M”glichkeit, die Ware mit Pro- fit unter ihrem Wert zu verkaufen. Die Minimalgrenze des Verkaufspreises der Ware ist gegeben durch ihren Kostpreis. Wird sie unter ihrem Kostpreis verkauft, so k”n- nen die verausgabten Bestandteile des produktiven Kapitals nicht v”llig aus dem Verkaufspreis ersetzt werden. Dauert dieser Prozeá fort, so verschwindet der vorgeschoáne Kapitalwert. Schon von diesem Gesichtspunkt aus ist der Kapitalist geneigt, den Kost- preis fr den eigentlichen i n n e r e n Wert der --- 5) Vgl. Buch I, Kap. XVIII, p. 571/561 ff. 1*) ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 571-573 #48# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Ware zu halten, weil er der zur bloáen Erhaltung seines Kapitals notwendige Preis ist. Es kommt aber hinzu, daá der Kostpreis der Ware der Kaufpreis ist, den der Kapitalist selbst fr ihre Pro- duktion gezahlt hat, also der durch ihren Produktionsprozeá selbst bestimmte Kaufpreis. Der beim Verkauf der Ware realisierte Wertberschuá oder Mehrwert erscheint dem Kapitalisten daher als šberschuá ihres Verkaufspreises ber ihren Wert, statt als šber- schuá ihres Werts ber ihren Kostpreis, so daá der in der Ware steckende Mehrwert sich nicht durch ihren Verkauf realisiert, sondern aus dem Verkauf selbst entspringt. Wir haben diese Illu- sion bereits n„her beleuchtet in Buch I, Kap. IV, 2 (Widersprche der allgemeinen Formel des Kapitals), kehren hier aber einen Au- genblick zu der Form zurck, worin sie als Fortschritt der poli- tischen ™konomie ber Ricardo hinaus von Torrens u.a. wieder gel- tend gemacht wurde. "Der natrliche Preis, der aus der Produktionskost besteht oder in andren Worten aus der Kapitalauslage in der Produktion oder Fabrikation von Ware, kann unm”glich den Profit einschlieáen... Wenn ein P„chter im Anbau seiner Felder 100 Quarter Korn auslegt und dafr 120 Quarters wiedererh„lt, bilden die 20 Quarter, als šberschuá des Produkts ber die Auslage, seinen Profit; aber es w„re absurd, diesen šberschuá oder Profit einen Teil seiner Aus- lage zu nennen... Der Fabrikant legt eine gewisse Quantit„t von Rohstoffen, Werkzeugen und Subsistenzmitteln fr Arbeit aus, und erh„lt dagegen eine Quantit„t fertiger Ware. Diese fertige Ware muá einen hohem Tauschwert besitzen als die Rohstofie, Werkzeuge und Subsistenzmittel, durch deren Vorschuá sie erworben wurden." Daher schlieát Torrens, der šberschuá des Verkaufspreises ber den Kostpreis oder der Profit entspringe daher, daá die Konsumen- ten "durch unmittelbaren oder vermittelten (circultous) Austausch eine gewisse gr”áre Portion aller Ingredienzien des Kapitals ge- ben, als deren Produktion kostet" 6). In der Tat, der šberschuá ber eine gegebne Gr”áe kann keinen Teil dieser Gr”áe bilden, also kann auch der Profit, der šber- schuá des Warenwerts ber die Auslagen des Kapitalisten, keinen Teil dieser Auslagen bilden. Geht also in die Wertbildung der Ware kein andres Element ein als der Wertvorschuá des Kapitali- sten, so ist nicht abzusehn, wie aus der Produktion mehr Wert herauskommen soll als in sie einging, oder es werde etwas aus Nichts. Dieser Sch”pfung aus Nichts entrinnt Torrens jedoch nur, indem er sie aus der Sph„re der Warenproduktion in die Sph„re der Warenzirkulation verlegt. Der Profit kann nicht aus der Produk- tion herkommen, sagt Torrens, denn sonst w„re er schon in den Ko- sten der Produktion --- 1*) R. Tortens, "An Essay on the Production of Wealth", London 1821, p. 51-53, 349. #49# 1. Kapitel - Kostpreis und Profit ----- enthalten, also kein šberschuá ber diese Kosten. Der Profit kann nicht aus dem Warenaustausch herkommen, antwortet ihm Ramsay [7], wenn er nicht bereits vor dem Warenaustausch vorhanden war. Die Wertsumme der ausgetauschten Produkte „ndert sich offenbar nicht durch den Austausch der Produkte, deren Wertsumme sie ist. Sie bleibt dieselbe nach wie vor dem Austausch. Es sei hier bemerkt, daá Malthus sich ausdrcklich auf die Autorit„t von Torrens be- ruft 7), obgleich er selbst den Verkauf der Waren ber ihren Wert anders entwickelt oder vielmehr nicht entwickelt, da alle Argu- mente dieser Art, der Sache nach, unfehlbar auf das seinerzeit vielberhmte negative Gewicht des Phlogiston [8] hinauslaufen. Innerhalb eines durch die kapitalistische Produktion beherrschten Gesellschaftszustandes ist auch der nichtkapitalistische Produ- zent durch die kapitalistischen Vorstellungen beherrscht. In sei- nem letzten Roman, den "Paysans", stellt Balzac, berhaupt ausge- zeichnet durch tiefe Auffassung der realen Verh„ltnisse, treffend dar, wie der kleine Bauer, um das Wohlwollen seines Wucherers zu bewahren, diesem allerlei Arbeiten umsonst leistet und ihm damit nichts zu schenken glaubt, weil seine eigne Arbeit ihm selbst keine bare Auslage kostet. Der Wucherer seinerseits schl„gt so zwei Fliegen mit einer Klappe. Er erspart bare Auslage von Ar- beitslohn und verstrickt den Bauer, den die Entziehung der Arbeit vom eignen Feld fortschreitend ruiniert, tiefer und tiefer in das Fangnetz der Wucherspinne. Die gedankenlose Vorstellung, daá der Kostpreis der Ware ihren wirklichen Wert ausmacht, der Mehrwert aber aus dem Verkauf der Ware ber ihren Wert entspringt, daá die Waren also zu ihren Wer- ten verkauft werden, wenn ihr Verkaufspreis gleich ihrem Kost- preis, d.h. gleich dem Preis der in ihnen aufgezehrten Produkti- onsmittel plus Arbeitslohn, ist von Proudhon mit gewohnter, sich wissenschaftlich spreizender Scharlatanerie als neu entdecktes Geheimnis des Sozialismus ausposaunt worden. Diese Reduktion des Werts der Waren auf ihren Kostpreis bildet in der Tat die Grund- lage seiner Volksbank [9]. Es ward frher auseinandergesetzt, daá sich die verschiednen Wertbestandteile des Produkts in proportio- nellen Teilen des Produkts selbst darstellen lassen. Betr„gt z.B. (Buch I, Kap. VII, 2, S. 211 / 203 1*)) der Wert von 20 Pfund Garn 30 sh. - n„mlich 24 sh. Produktionsmittel, 3 sh. Arbeits- kraft und 3 sh. Mehrwert - so ist dieser Mehrwert darstellbar in 1/10 des Produkts = 2 Pfund Garn. Werden die 20 Pfund Garn --- 7) Malthus, "Definitions in Pol. Econ.", London 1853, p. 70, 71. ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 234/235 50 #50# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- nun zu ihrem Kostpreis verkauft, zu 27 sh., so erh„lt der K„ufer 2 Pfund Garn umsonst, oder die Ware ist um 1/10 unter ihrem Wert verkauft, aber der Arbeiter hat nach wie vor seine Mehrarbeit geleistet, nur fr den K„ufer des Garns, statt fr den kapitali- stischen Gamproduzenten. Es w„re durchaus falsch, vorauszusetzen, daá, wenn alle Waren zu ihren Kostpreisen verkauft wrden, das Resultat tats„chlich dasselbe w„re, als wenn sie sich alle ber ihren Kostpreisen, aber zu ihren Werten verkauften. Denn selbst wenn Wert der Arbeitskraft, L„nge des Arbeitstags und Exploitati- onsgrad der Arbeit beralt gleichgesetzt werden, so sind doch die in den Werten der verschiednen Warenarten enthaltnen Massen von Mehrwert durchaus ungleich, je nach der verschiednen organischen Zusammensetzung der zu ihrer Produktion vorgeschoánen Kapitale. 8) --- 8) "Die von verschiednen Kapitalen produzierten Massen von Wert und Mehrwert verhalten sich bei gegebnem Wert und gleich groáem Exploitationsgrad der Arbeitskraft direkt wie die Gr”áen der va- riahlen Bestandteile dieser Kapitale, d.h. ihrer in lebendige Ar- beitskraft umgesetzten Beeandteile." (Buch I, Kap. IX, S. 312/303 1*).) ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 325 #51# ----- ZWEITES KAPITEL Die Profitrate Die allgemeine Formel des Kapitals ist G-W-G': d.h. eine Wertsumme wird in Zirkulation geworfen, um eine gr”áre Wertsumme aus ihr herauszuziehn. Der Prozeá, der diese gr”áre Wertsumme er- zeugt, ist die kapitalistische Produktion; der Prozeá, der sie realisiert, ist die Zirkulation des Kapitals. Der Kapitalist pro- duziert die Ware nicht ihrer selbst wegen, nicht ihres Gebrauchs- werts oder seiner pers”nlichen Konsumtion wegen. Das Produkt, um das es sich in der Tat fr den Kapitalisten handelt, ist nicht das handgreifliche Produkt selbst, sondern der Wertberschuá des Produkts ber den Wert des in ihm konsumierten Kapitals. Der Ka- pitalist schieát das Gesamtkapital vor ohne Rcksicht auf die verschiedne Rolle, die seine Bestandteile in der Prodtiktion des Mehrwerts spielen. Er schieát alle diese Bestandteile gleichm„áig vor, nicht nur um das vorgeschoáne Kapital zu reproduzieren, son- dern um einen Wertberschuá ber dasselbe zu produzieren. Er kann den Wert des variablen Kapitals, den er vorschieát, nur in h”hern Wert verwandeln durch seinen Austausch mit lebendiger Arbeit, durch Exploitation lebendiger Arbeit. Aber er kann die Arbeit nur exploitieren, indem er gleichzeitig die Bedingungen fr die Ver- wirklichung dieser Arbeit, Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstand, Maschinerie und Rohstoff vorschieát, d.h. indem er eine in seinem Besitz befindliche Wertsumme in die Form von Produktionsbedingun- gen verwandelt; wie er berhaupt nur Kapitalist ist, den Ex- ploitationsprozeá der Arbeit berhaupt nur vornehmen kann, weil er als Eigentmer der Arbeitsbedingungen dem Arbeiter als bloáem Besitzer der Arbeitskraft gegenbersteht. Es hat sich schon fr- her, im ersten Buch 1*), gezeigt, daá es grade der Besitz dieser Produktionsmittel durch die Nichtarbeiter ist, welcher die Arbei- ter in Lohnarbeiter, die Nichtarbeiter in Kapitalisten verwan- delt. ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 183, 742/743 #52# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Dem Kapitalisten ist es gleichgltig, die Sache so zu betrachten, daá er das konstante Kapital vorschieát, um aus dem variablen Ge- winn zu schlagen, oder das variable verschieát, um das konstante zu verwerten; daá er Geld in Arbeitslohn auslegt, um Maschinen und Rohmaterial h”hern Wert zu geben, oder das Geld in Maschine- rie und Rohmaterial vorschieát, um die Arbeit exploitieren zu k”nnen. Obgleich nur der variable Teil des Kapitals Mehrwert schafft, so schafft er ihn unter der Bedingung, daá auch die and- ren Teile vorgeschossen werden, die Produktionsbedingungen der Arbeit. Da der Kapitalist die Arbeit nur exploitieren kann durch Vorschuá des konstanten Kapitals, da er das konstante Kapital nur verwerten kann durch Vorschuá des variablen, so fallen ihm diese in der Vorstellung alle gleichm„áig zusammen, und dies um so mehr, als der wirkliche Grad seines Gewinns bestimmt ist nicht durch das Verh„ltnis zum variablen Kapital, sondern zum Gesamtka- pital, nicht durch die Rate des Mehrwerts, sondern durch die Rate des Profits, die, wie wir sehn werden, dieselbe bleiben und doch verschiedne Raten des Mehrwerts ausdrucken kann. Zu den Kosten des Produkts geh”ren alle seine Wertbestandteile, die der Kapitalist gezahlt, oder fr die er ein Žquivalent in die Produktion geworfen hat. Diese Kosten mssen ersetzt werden, da- mit das Kapital sich einfach erhalte oder in seiner ursprngli- chen Gr”áe reproduziere. Der in der Ware enthaltne Wert ist gleich der Arbeitszeit, die ihre Herstellung kostet, und die Summe dieser Arbeit besteht aus bezahlter und unbezahlter. Die Kosten der Ware fr den Kapitali- sten bestehn dagegen nur aus dem Teil der in ihr vergegenst„nd- lichten Arbeit, den er gezahlt hat. Die in der Ware enthaltne Mehrarbeit kostet dem Kapitalisten nichts, obgleich sie dem Ar- beiter, ganz so gut wie die bezahlte, Arbeit kostet, und obgleich sie, ganz so gut wie jene Wert schafft und als wertbildendes Ele- ment in die Ware eingeht. Der Profit des Kapitalisten kommt da- her, daá er etwas zu verkaufen hat, das er nicht bezahlt hat. Der Mehrwert resp. Profit besteht gerade in dem šberschuá des Waren- werts ber ihren Kostpreis, d.h. in dem šberschuá der in der Ware enthaltnen Gesamtsumme von Arbeit ber die in ihr enthaltne be- zahlte Summe Arbeit. Der Mehrwert, woher er immer entspringe, ist sonach ein šberschuá ber das vorgeschoáne Gesamtkapital. Dieser šberschuá steht also in einem Verh„ltnis zum Gesamtkapital, das sich ausdrckt in dem Bruch wo m/C, wo C das Gesamtkapital bedeu- tet. So erhalten wir die P r o f i t r a t e m/C = m/(c+v), im Unterschiede von der Rate des Mehrwerts m/v. #53# 2. Kapitel - Die Profitrate ----- Die Rate des Mehrwerts gemessen am vatiablen Kapital heiát Rate des Mehrwerts; die Rate des Mehrwerts gemessen am Gesamtkapital heiát Profitrate. Es sind zwei verschiedne Messungen derselben Gr”áe, die infolge der Verschiedenheit der Maást„be zugleich ver- schiedne Verh„ltnisse oder Beziehungen derselben Gr”áe ausdrc- ken. Aus der Verwandlung der Mehrwertsrate in Profitrate ist die Ver- wandlung des Mehrwerts in Profit abzuleiten, nicht umgekehrt. Und in der Tat ist die Profitrate das, wovon historisch ausgegangen wird. Mehrwert und Rate des Mehrwerts sind, relativ, das Unsicht- bare und das zu erforschende Wesentliche, w„hrend Profitrate und daher die Form des Mehrwerts als Profit sich auf der Oberfl„che der Erscheinungen zeigen. Was den einzelnen Kapitalisten angeht, so ist klar, daá das ein- zige, was ihn interessiert, das Verh„ltnis des Mehrwerts oder des Wertberschusses, wozu er seine Waren verkauft, zu dem fr die Produktion der Ware vorgeschoánen Gesamtkapital ist; w„hrend ihn das bestimmte Verh„ltnis dieses šberschusses zu, und sein innerer Zusammenhang mit den besondren Bestandteilen des Kapitals nicht nur nicht interessiert, sondern es sein Interesse ist, sich blauen Dunst ber dies bestimmte Verh„ltnis und diesen innern Zu- sammenhang vorzublasen. Obgleich der šberschuá des Werts der Ware ber ihren Kostpreis im unmittelbaren Produktionsprozeá entsteht, wird er erst realisiert im Zirkulationsprozeá, und erh„lt um so leichter den Schein, aus dem Zirkulationsprozeá zu entspringen, als es in der Wirklich- keit, innerhalb der Konkurrenz, auf dem wirklichen Markt, von Marktverh„ltnissen abh„ngt, ob oder nicht, und zu welchem Grad, dieser šberschuá realisiert wird. Es bedarf hier keiner Er”rte- rung, daá, wenn eine Ware ber oder unter ihrem Wert verkauft wird, nur eine andre Verteilung des Mehrwerts stattfindet, und daá diese verschiedne Verteilung, das ver„nderte Verh„ltnis, worin verschiedne Personen sich in den Mehrwert teilen, weder an der Gr”áe noch an der Natur des Mehrwerts irgend etwas „ndert. Im tats„chlichen Zirkulationsprozeá gehn nicht nur die Verwandlungen vor, die wir in Buch II betrachtet, sondern sie fallen zusammen mit der wirklichen Konkurrenz, mit Kauf und Verkauf der Waren ber oder unter ihrem Wert, so daá fr den einzelnen Kapitalisten der von ihm selbst realisierte Mehrwert ebensosehr von der wech- selseitigen šbervorteilung, wie von der direkten Exploitation der Arbeit abh„ngt. Im Zirkulationsprozeá tritt neben der Arbeitszeit die Zirkulati- onszeit in Wirksamkeit, die hiermit die Masse des in einem be- stimmten Zeitraum realisierbaren Mehrwerts beschr„nkt. Es greifen noch andre, der Zirkulation #54# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- entspringende Momente in den unmittelbaren Produktionsprozeá be- stimmend ein. Beide, der unmittelbare Produktionsprozeá und der Zirkulationsprozeá, laufen best„ndig ineinander, durchdringen sich und verf„lschen dadurch best„ndig ihre charakteristischen Unterscheidungsmerkmale. Die Produktion des Mehrwerts wie des Werts berhaupt erh„lt im Zirkulationsprozeá, wie frher gezeigt, neue Bestimmungen; das Kapital durchl„uft den Kreis seiner Ver- wandlungen; endlich tritt es sozusagen aus seinem innern organi- schen Leben in ausw„rtige Lebensverh„ltnisse, in Verh„ltnisse, wo nicht Kapital und Arbeit, sondern einerseits Kapital und Kapital, andrerseits die Individuen auch wieder einfach als K„ufer und Verk„ufer sich gegenberstehn; Zirkulationszeit und Arbeitszeit durchkreuzen sich in ihrer Bahn und scheinen so beide gleichm„áig den Mehrwert zu bestimmen; die ursprngliche Form, worin sich Ka- pital und Lohnarbeit gegenberstehn, wird verkleidet durch Einmi- schung scheinbar davon unabh„ngiger Beziehungen; der Mehrwert selbst erscheint nicht als Produkt der Aneignung von Arbeitszeit, sondern als šberschuá des Verkaufspreises der Waren ber ihren Kostpreis, welcher letztre daher leicht als ihr eigentlicher Wert (valeur intrinsque) sich darstellt, so daá der Profit als šber- schuá des Verkaufspreises der Waren ber ihren immanenten Wert erscheint. Allerdings tritt w„hrend des unmittelbaren Produktionsprozesses die Natur des Mehrwerts fortw„hrend in das Bewuátsein des Kapita- listen, wie seine Gier nach fremder Arbeitszeit etc. uns schon bei Betrachtung des Mehrwerts zeigte. Allein: 1. Es ist der un- mittelbare Produktionsprozeá selbst nur ein verschwindendes Mo- ment, das best„ndig in den Zirkulationsprozeá, wie dieser in je- nen bergeht, so daá die im Produktionsprozeá klarer oder dunkler aufged„mmerte Ahnung von der Quelle des in ihm gemachten Gewinns, d.h. von der Natur des Mehrwerts, h”chstens als ein gleichberech- tigtes Moment erscheint neben der Vorstellung, der realisierte šberschuá stamme aus der vom Produktionsprozeá unabh„ngigen, aus der Zirkulation selbst entspringenden, also dem Kapital unabh„n- gig von seinem Verh„ltnis zur Arbeit angeh”rigen Bewegung. Werden diese Ph„nomene derzirkulation doch selbst von modernen ™konomen, wie Ramsey, Malthus, Senior, Tortens usw., direkt als Beweise an- gefhrt, daá das Kapital in seiner bloá dinglichen Existenz, un- abh„ngig von dem gesellschaftlichen Verh„ltnis zur Arbeit, worin es eben Kapital ist, ein selbst„ndiger Quell des Mehrwerts neben der Arbeit und unabh„ngig von der Arbeit sei. - 2. Unter der Ru- brik der Kosten, worunter der Arbeitslohn f„llt, ebensogut wie der Preis von Rohstoff, Verschleiá der Maschinerie etc., er- scheint Auspressung von unbezahlter Arbeit nur als Ersparung in der Zahlung eines der Artikel, der in #55# 2. Kapitel - Die Profitrate ----- die Kosten eingeht, nur als geringre Zahlung fr ein bestimmtes Quantum Arbeit; ganz wie ebenfalls gespart wird, wenn der Roh- stoff wohlfeiler eingekauft, oder der Verschleiá der Maschinerie verringert wird. So verliert die Abpressung von Mehrarbeit ihren spezifischen Charakter; ihr spezj fisches Verh„ltnis zum Mehrwert wird verdunkelt; und dies wird sehr bef”rdert und erleichtert, wie Buch 1, Abschn. VI 1*) gezeigt, durch die Darstellung des Werts der Arbeitskraft in der Form des Arbeitslohns. Indem alle Teile des Kapitals gleichm„áig als Quelle des ber- schssigen Werts (Profits) erscheinen, wird das Kapitalverh„ltnis mystifiziert. Die Art, wie mittelst des šbergangs durch die Profitrate der Mehrwert in die Form des Profits verwandelt wird, ist jedoch nur die Weiterentwicklung der schon w„hrend des Produktionsprozesses vorgehenden Verkehrung von Subjekt und Objekt. Schon hier sahen wir s„mtliche subjektiven Produktivkr„fte der Arbeit sich als Produktivkr„fte des Kapitals darstellen 2*). Einerseits wird der Wert, die vergangne Arbeit, die die lebendige beherrscht, im Ka- pitalisten personifiziert; andrerseits erscheint umgekehrt der Arbeiter als bloá gegenst„ndliche Arbeitskraft, als Ware. Aus diesem verkehrten Verh„ltnis entspringt notwendig schon im einfa- chen Produktionsverh„ltnis selbst die entsprechende verkehrte Vorstellung, ein transportiertes Bewuátsein, das durch die Ver- wandlungen und Modifikationen des eigentlichen Zirkulationspro- zesses weiterentwickelt wird. Es ist, wie man bei der Ricardeschen Schule studieren kann, ein ganz verkehrter Versuch, die Gesetze der Profitrate unmittelbar als Gesetze der Mehrwertsrate oder umgekehrt darstellen zu wol- len. In dem Kopf des Kapitalisten unterscheiden sie sich natr- lich nicht. In dem Ausdruck m/C ist der Mehrwert gemessen am Wert des Gesamtkapitals, das zu seiner Produktion vorgeschossen und in dieser Produktion teilweise ganz konsumiert, teilweise nur ange- wandt worden ist. In der Tat drckt das Verh„ltnis m/C den Ver- wertungsgrad des ganzen vorgeschoánen Kapitals aus, d.h. dem be- grifflichen, innern Zusammenhang und der Natur des Mehrwerts ent- sprechend gefaát, es zeigt an, wie sich die Gr”áe der Variation des variablen Kapitals zur Gr”áe des vorgeschoánen Gesamtkapitals verh„lt. An und fr sich steht die Wertgr”áe des Gesamtkapitals in keinem innern Verh„ltnis zur Gr”áe des Mehrwerts, wenigstens nicht un- mittelbar. Seinen stofflichen Elementen nach besteht das Gesamt- kapital minus das variable Kapital, besteht also das konstante Kapital aus den stofflichen Bedingungen ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 557-564 - 2*) ebenda, S. 352/353 #56# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- zur Verwirklichung der Arbeit, Arbeitsmitteln und Arbeitsmate- rial. Damit ein bestimmtes Quantum Arbeit sich in Waren verwirk- licht, und daher auch Wert bildet, ist ein bestimmtes Quantum Ar- beitsmaterial und Arbeitsmittel erheischt. Es findet je nach dem besondern Charakter der zugesetzten Arbeit ein bestimmtes techni- sches Verh„ltnis statt zwischen der Masse der Arbeit und der Masse der Produktionsmittel, denen diese lebendige Arbeit zuge- setzt werden soll. Es findet also insofern auch ein bestimmtes Verh„ltnis statt zwischen der Masse des Mehrwerts oder der Mehr- arbeit und der Masse der Produktionsmittel. Wenn z.B. die notwen- dige Arbeit zur Produktion des Arbeitslohns 6 Stunden t„glich be- tr„gt, muá der Arbeiter 12 Stunden arbeiten, um 6 Stunden Mehrar- beit zu tun, um einen Mehrwert von 100% zu erzeugen. Er ver- braucht in den 12 Stunden doppelt soviel Produktionsmittel wie in den 6. Aber deswegen steht der Mehrwert, den er in 6 Stunden zu- setzt, durchaus in keinem unmittelbaren Verh„ltnis zu dem Wert der in den 6 oder auch in den 12 Stunden vernutzten Produktions- mittel. Dieser Wert ist hier ganz gleichgltig; es kommt nur auf die technisch n”tige Masse an. Ob der Rohstoff oder das Arbeits- mittel wohlfeil oder teuer, ist ganz gleichgltig; wenn es nur den erheischten Gebrauchswert besitzt und in der technisch vorge- schriebnen Proportion zu der zu absorbierenden lebendigen Arbeit vorhanden ist. Weiá ich jedoch, daá in einer Stunde x Pfund Baum- wolle versponnen werden und a Schillinge kosten, so weiá ich na- trlich auch, daá in 12 Stunden 12 x Pfund Baumwolle = 12 a Schillinge versponnen werden, und ich kann dann das Verh„ltnis des Mehrwerts zum Wert der 12 so gut wie zum Wert der 6 berech- nen. Aber das Verh„ltnis der lebendigen Arbeit zum W e r t der Produktionsmittel kommt hier nur herein, soweit a Schillinge als Name fr x Pfund Baumwolle dient; weil ein bestimmtes Quantum Baumwolle einen bestimmten Preis hat und daher auch umgekehrt ein bestimmter Preis als Index fr ein bestimmtes Quantum Baumwolle dienen kann, solange der Baumwollenpreis sich nicht „ndert. Wenn ich weiá, daá ich, um 6 Stunden Mehrarbeit anzueignen, 12 Stunden arbeiten lassen, also Baumwolle fr 12 Stunden parat haben muá und den Preis dieses fr 12 Stunden erheischten Quantums Baum- wolle kenne, so existiert auf einem Umweg ein Verh„ltnis zwischen dem Preis der Baumwolle (als Index des notwendigen Quantums) und dem Mehrwert. Umgekehrt kann ich aber nie aus dem Preise des Rohmaterials schlieáen auf die Masse des Rohmaterials, die z.B. in einer Stunde und nicht in 6 versponnen werden kann. Es findet also kein inneres, notwendiges Verh„ltnis statt zwischen dem Wert des konstanten Kapitals, also auch nicht zwischen dem Wert des Gesamtkapitals (=c+v) und dem Mehrwert. #57# 2. Kapitel - Die Profitrate ----- Wenn die Rate des Mehrwerts bekannt und seine Gr”áe gegeben ist, drckt die Profitrate nichts andres aus als das, was sie in der Tat ist, eine andre Messung des Mehrwerts, seine Messung am Wert des Gesamtkapitals, statt an dem Wert des Kapitaltells, aus dem er durch dessen Austausch mit Arbeit direkt entspringt. Aber in der Wirklichkeit (d.h. in der Erscheinungswelt) verh„lt sich die Sache umgekehrt. Der Mehrwert ist gegeben, aber gegeben als šber- schuá des Verkaufspreises der Ware ber ihren Kostpreis; wobei es mysteri”s bleibt, woher dieser šberschuá stammt, aus der Ex- ploitation der Arbeit im Produktionsprozeá, aus der šbervortei- lung der K„ufer im Zirkulationsprozeá, oder aus beiden. Was fer- ner gegeben, ist das Verh„ltnis dieses šberschusses zum Wert des Gesamtkapitals, oder die Profitrate. Die Berechnung dieses šber- schusses des Verkaufspreises ber den Kostpreis auf den Wert des vorgeschoánen Gesamtkapitals ist sehr wichtig und natrlich, da hierdurch in der Tat die Verh„ltniszahl gefunden wird, worin sich das Gesamtkapital verwertet hat, oder sein Verwertungsgrad. Wird von dieser Profitrate ausgegangen, so ist also durchaus auf kein spezifisches Verh„ltnis zwischen dem šberschuá und dem in Ar- beitslohn ausgelegten Teil des Kapitals zu schlieáen. Man wird in einem sp„tern Kapitel 1*) sehn, welche drollige Bocksprnge Malthus macht, wenn er auf diesem Weg hinter das Geheimnis des Mehrwerts und des spezifischen Verh„ltnisses desselben zum vari- ablen Teil des Kapitals durchzudringen sucht. Was die Profitrate als solche zeigt, ist vielmehr gleichm„áiges Verhalten des šber- schusses zu gleich groáen Teilen des Kapitals, das von diesem Ge- sichtspunkt aus berhaupt keine inneren Unterschiede zeigt, auáer dem zwischen fixem und zirkulierendem Kapital. Und diesen Unter- schied auch nur, weil der šberschuá doppelt berechnet wird. N„m- lich erstens als einfache Gr”áe: šberschuá ber den Kostpreis. In dieser seiner ersten Form geht das ganze zirkulierende Kapital in den Kostpreis ein, w„hrend vom fixen Kapital nur der Verschleiá in ihn eingeht. Ferner zweitens: das Verh„ltnis dieses Wertber- schusses zum Gesamtwert des vorgeschoánen Kapitals. Hier geht der Wert des ganzen fixen Kapitals so gut wie der des zirkulierenden in die Rechnung ein. Das zirkulierende Kapital geht also beidemal in derselben Weise ein, w„hrend das fixe Kapital das eine Mal in einer verschiednen, das andre Mal in derselben Weise wie das zir- kulierende Kapital eingeht. So dr„ngt sich der Unterschied zwi- schen zirkulierendern und fixem Kapital hier als der einzige auf. Der šberschuá also, wenn er, hegelisch gesprochen, sich aus der Profitrate ----- 1*) Siehe Band 26 unserer Ausgabe, 3. Teil. S. 25-28 #58# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- in sich zurckreflektiert, oder anders, der šberschuá, n„her durch die Profitrate charakterisiert, erscheint als ein šber- schuá, den das Kapital ber seinen eignen Wert hinaus j„hrlich, oder in einer bestimmten Zirkulationsperiode, erzeugt. Obgleich daher die Profitrate von der Rate des Mehrwerts nume- risch verschieden ist, w„hrend Mehrwert und Profit in der Tat dasselbe und auch numerisch gleich sind, so ist der Profit jedoch eine verwandelte Form des Mehrwerts, eine Form, worin sein Ur- sprung und das Geheimnis seines Daseins verschleiert und ausge- l”scht ist. In der Tat ist der Profit die Erscheinungsform des Mehrwerts, welcher letztre erst durch Analyse aus der erstern herausgesch„lt werden muá. Im Mehrwert ist das Verh„ltnis zwi- schen Kapital und Arbeit bloágelegt; im Verh„ltnis von Kapital und Profit, d.h. von Kapital und dem Mehrwert, wie er einerseits als im Zirkulationsprozeá realisierter šberschuá ber den Kost- preis der Ware, andrerseits als ein durch sein Verh„ltnis zum Ge- samtkapital n„her bestimmter šberschuá erscheint, erscheint das Kapital als Verh„ltnis zu sich selbst, ein Verh„ltnis, worin es sich als ursprngliche Wertsumme von einem, von ihm selbst ge- setzten Neuwert unterscheidet. Daá es diesen Neuwert w„hrend sei- ner Bewegung durch den Produktionsprozeá und den Zirkulationspro- zeá erzeugt, dies ist im Bewuátsein. Aber wie dies geschieht, das ist nun mystifiziert und scheint von ihm selbst zukommenden, ver- borgnen Qualit„ten herzustammen. Je weiter wir den Verwertungsprozeá des Kapitals verfolgen, um so mehr wird sich das Kapitalverh„ltnis mystifizieren, und um so we- niger das Geheimnis seines inneren Organismus bloálegen. In diesem Abschnitt ist die Profitrate numerisch von der Rate des Mehrwerts verschieden; dagegen sind Profit und Mehrwert behandelt als dieselbe numerische Gr”áe, nur in verschiedner Form. Im fol- genden Abschnitt werden wir sehn, wie die Ver„uáerlichung weiter- geht und der Profit auch numerisch als eine vom Mehrwert ver- schiedne Gr”áe sich darstellt. #59# ----- DRITTES KAPITEL Verh„ltnis der Profitrate zur Mehrwertsrate Wie am Schluá des vorigen Kapitels hervorgehoben, unterstellen wir hier, wie berhaupt in diesem ganzen ersten Abschnitt, daá die Summe des Profits, die auf ein gegebnes Kapital f„llt, gleich ist der gesamten Summe des vermittelst dieses Kapitals in einem gegebnen Zirkulationsabschnitt produzierten Mehrwerts. Wir sehn also einstweilen davon ab, daá dieser Mehrwert einerseits sich spaltet in verschiedne Unterformen: Kapitalzins, Grundrente, Steuern etc., und daá er andrerseits in der Mehrzahl der F„lle sich keineswegs deckt mit dem Profit, wie er angeeignet wird kraft der allgemeinen Durchschnittsprofitrate, von der im zweiten Abschnitt die Rede sein wird. Soweit der Profit quantitativ dem Mehrwert gleichgesetzt wird, ist seine Gr”áe, und die Gr”áe der Profitrate, bestimmt durch die Verh„ltnisse einfacher, in jedem einzelnen Fall gegebner oder be- stimmbarer Zahlengr”áen. Die Untersuchung bewegt sich also zun„chst auf rein mathematischem Gebiet. Wir behalten die im ersten und zweiten Buch angewandten Bezeich- nungen bei. Das Gesamtkapital C teilt sich in das konstante Kapi- tal c und das variable Kapital v, und produziert einen Mehrwert m. Das Verh„ltnis dieses Mehrwerts zum vorgeschoánen variablen Kapital, also m/v nennen wir die Rate des Mehrwerts und bezeich- nen sie mit m'. Es ist also m/v = m' und folglich m = m'v. Wird dieser Mehrwert, statt auf das variable Kapital, auf das Gesamt- kapital bezogen, so heiát er Profit (p) und das Verh„ltnis des Mehrwerts m zum Gesamtkapital C, also m/C, heiát die Pro- fitrate p'. Wir haben demnach: m m p' = - = ---, C c+v #60# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerft in Profit usw. ----- setzen wir fr in seinen oben gefundnen Wert m'v, so haben wir v v p' = m'- = m'---, C c+v welche Gleichung sich auch ausdrcken l„át in der Proportion: p':m' = v:C; die Pirofitrate verh„lt sich zur Mehrwertsrate wie das variable Kapital zum Gesamtkapital. Es folgt aus dieser Proportion, daá p', die Profitrate stets kleiner ist als m, die Mehrwertsrate, weil v, das variable Kapi- tal, stets kleiner ist als C, die Summe von v+c, von variablem und konstantem Kapital; den einzigen, praktisch unm”glichen Fall ausgenommen, wo v=C, wo also gar kein konstantes Kapital, kein Produktionsmittel, sondern nur Arbeitslohn vom Kapitalisten vor- geschossen wrde. Es kommen bei unsrer Untersuchung indes noch eine Reihe andrer Faktoren in Betracht, die auf die Gr”áe von c, v und m bestimmend einwirken, und daher kurz zu erw„hnen sind. Erstens der W e r t d e s G e l d e s. Diesen k”nnen wir berall als konstant annehmen. Zweitens der U m s c h l a g. Diesen Faktor lassen wir einst- weilen ganz auáer Betracht, da sein Einfluá auf die Profitrate in einem sp„tern Kapitel besonders behandelt wird. {Hier nehmen wir nur den einen Punkt vorweg, daá die Formel p'=m'v/C streng rich- tig ist nur fr e i n e Umschlagsperiode des variablen Kapi- tals, daá wir sie aber fr den Jahresumschlag richtig machen, in- dem wir statt m', der einfachen Rate des Mehrwerts, m'n, die Jah- resrate des Mehrwerts setzen; worin n die Anzahl der Umschl„ge des variablen Kapitals innerhalb eines Jahres ist (s. Buch II, Kap. XVI, I). F. E.}. Drittens kommt in Betracht die P r o d u k t i v i t „ t d e r A r b e i t, deren Einfluá auf die Rate des Mehrwerts in Buch I, Abschnitt IV, ausfhrlich er”rtert worden ist. Sie kann aber auch noch einen direkten Einfluá auf die Profitrate, wenigstens eines Einzelkapitals, ausben, wenn, wie Buch I, Kap. X, S. 323/314 1*) entwickelt, dies Einzelkapital mit gr”áerer als der gesellschaft- lich-durchschnittlichen Produktivit„t arbeitet, seine Produkte zu einem niedrigem Wert darstellt, als dem gesellschaftlichen Durch- schnittswert derselben Ware, und so einen Extraprofit realisiert. Dieser Fall bleibt hier aber noch unbercksichtigt, da wir auch in diesem Abschnitt noch von der Voraussetzung ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 335/336 #61# 3. Kapitel - Verh„ltnis der Profitrate zur Mehrwertrate ----- ausgehn, daá die Waren unter gesellschaftlich-normalen Bedingun- gen produziert und zu ihren Werten verkauft werden. Wir gehn also in jedem einzelnen Fall von der Annahme aus, daá die Produktivi- t„t der Arbeit konstant bleibt. In der Tat drckt die Wertzusam- mensetzung des in einem Industriezweig angelegten Kapitals, also ein bestimmtes Verh„ltnis des variablen zum konstanten Kapital, jedesmal einen bestimmten Grad der Produktivit„t der Arbeit aus. Sobald also dies Verh„ltnis anders als durch bloáe Wert„nderung der stofflichen Bestandteile des konstanten Kapitals, oder durch Žnderung des Arbeitslohns, eine Ver„nderung erf„hrt, muá auch die Produktivit„t der Arbeit eine Žnderung erlitten haben, und wir werden daher oft genug finden, daá die mit den Faktoren c, v und in vorgehenden Ver„nderungen ebenfalls Žnderungen in der Produk- tivit„t der Arbeit einschlieáen. Dasselbe gilt von den noch brigen drei Faktoren: L „ n g e d e s A r b e i t s t a g s, I n t e n s i t „ t d e r A r b e i t u n d A r b e i t s l o h n. Ihr Einfluá auf Masse und Rate des Mehrwerts ist im ersten Buch 1*) ausfhrlich entwic- kelt. Es ist also begreiflich, daá, wenn wir auch zur Vereinfa- chung stets von der Voraussetzung ausgehn, daá diese drei Fakto- ren konstant bleiben, dennoch die Ver„nderungen, die mit v und in vorgehn, ebenfalls Wechsel in der Gr”áe dieser ihrer Bestimmungs- momente in sich schlieáen k”nnen. Und da ist nur kurz daran zu erinnern, daá der Arbeitslohn auf Gr”áe des Mehrwerts und H”he der Mehrwertsrate umgekehrt wirkt wie die L„nge des Arbeitstags und die Intensit„t der Arbeit-, daá Steigerung des Arbeitslohns den Mehrwert verringert, w„hrend Verl„ngerung des Arbeitstags und Erh”hung der Intensit„t der Arbeit ihn vermehren. Gesetzt z.B., ein Kapital von 100 produziere mit 20 Arbeitern bei zehnstndiger Arbeit und einem Gesamtwochenlohn von 20 einen Mehrwert von 20, so haben wir: 80c + 20v + 20m; m'= 100%, p' = 20%. Der Arbeitstag werde verl„ngert, ohne Lohnerh”hung, auf 15 Stun- den; das Gesamtwertprodukt der 20 Arbeiter erh”ht sich dadurch von 40 auf 60 (10:15 = 40:60); da v, der gezahlte Arbeitslohn, derselbe bleibt, steigt der Mehrwert von 20 auf 40, und wir ha- ben: 80c + 20v + 40m; m' = 200%, p' = 40%. Wenn andrerseits, bei zehnst„ndiger Arbeit, der Lohn von 20 auf 12 f„llt, so haben wir ein Gesamtwertprodukt von 40 wie anfangs, aber es verteilt ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 542-552 #62# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- sich anders; v sinkt auf 12 und l„át daher den Rest von 28 fr m Wir haben also: 80v + 12v + 28m; m' = 233 1/3 %, p' = 28/92 = 30 10/23 %. Wir sehn also, daá sowohl verl„ngerter Arbeitstag (oder desglei- chen gesteigerte Arbeitsintensit„t) wie Senkung des Lohns die Masse und damit die Rate des Mehrwerts steigern; umgekehrt wrde erh”hter Lohn bei sonst gleichen Umst„nden die Rate des Mehrwerts herabdrcken. W„chst also v durch Lohnsteigerung, so drckt es nicht ein gesteigertes, sondern nur ein teurer bezahltes Arbeits- quantum aus; m' und p' steigen nicht, sondern fallen. Es zeigt sich hier schon, daá Žnderungen in Arbeitstag, Ar- beitsintensit„t und Arbeitslohn nicht eintreten k”nnen ohne gleichzeitige Žnderung in v und m und ihrem Verh„ltnis, also auch in p', dem Verh„ltnis von in zu c + v, dem Gesamtkapital; und ebenso ist es klar, daá Žnderungen des Verh„ltnisses von in zu v ebenfalls Wechsel in mindestens einer der erw„hnten drei Arbeits- bedingungen einschlieáen. herin zeigt sich eben die besondre organische Beziehung des vari- ablen Kapitals zur Bewegung des Gesamtkapitals und seiner Verwer- tung, sowie sein Unterschied vom konstanten Kapital. Das kon- stante Kapital, soweit Wertbildung in Betracht kommt, ist nur wichtig wegen dem Wert, den es hat, wobei es ganz gleichgltig fr die Wertbildung ist, ob ein konstantes Kapital von 1500 Pfd.St. 1500 Tonnen Eisen sage zu 1 Pfd.St., oder 500 Tonnen Ei- sen zu 3 Pfd.St. vorstellt. Das Quantum der wirklichen Stoffe, das sein Wert darstellt, ist vollst„ndig gleichgltig fr die Wertbildung und fr die Rate des Profits, die in umgekehrter Richtung mit diesem Wert variiert, einerlei welches Verh„ltnis die Zu- oder Abnahme des Werts des konstanten Kapitals zur Masse der stofflichen Gebrauchswerte hat, die es darstellt. Ganz anders verh„lt es sich mit dem variablen Kapital. Es ist nicht der Wert, den es hat, die Arbeit, die in ihm vergegenst„nd- licht ist, worauf es zun„chst ankommt, sondern dieser Wert als bloáer Index der Gesamtarbeit, die es in Bewegung setzt, und die nicht in ihm ausgedruckt ist; der Gesamtarbeit, deren Unterschied von der in ihm selbst ausgedrckten und daher bezahlten Arbeit, deren Mehrwert bildender Teil eben um so gr”áer ist, je kleiner die in ihm selbst enthaltne Arbeit. Ein Arbeitstag von 10 Stunden sei gleich zehn Schilling = zehn Mark. Ist die notwendige, den Arbeitslohn, also das variable Kapital ersetzende Arbeit = 5 Stunden = 5 Schill., so die Mehrarbeit = 5 Stunden und der Mehr- wert = 5 Schill., ist jene 4 Stunden #63# 3. Kapitel - Verh„ltnis der Profitrate zur Mehrwertsrate ----- 4 Schill., so die Mehrarbeit 6 Stunden und der Mehrwert = 6 Schilling. Sobald also die Wertgr”áe des variablen Kapitals aufh”rt, Index der von ihm in Bewegung gesetzten Arbeitsmasse zu sein, vielmehr das Maá dieses Index selbst sich „ndert, wird die Rate des Mehr- werts in entgegengesetzter Richtung und in umgekehrtem Verh„ltnis mit ge„ndert. Wir gehn jetzt dazu ber, die obige Gleichung der Profitrate p' = m'v/C auf die verschiednen m”glichen F„lle anzuwenden. Wir werden nacheinander die einzelnen Faktoren von m'v/C ihren Wert „ndern lassen und die Wirkung dieser Žnderungen auf die Profitrate fest- stellen. Wir erhalten so verschiedne Reihen von F„llen, die wir entweder als sukzessive ver„nderte Wirkungsumst„nde eines und desselben Kapitals ansehn k”nnen oder aber als verschiedne, gleichzeitig nebeneinander bestehende und zur Vergleichung heran- gezogne Kapitale, etwa in verschiednen Industriezweigen oder ver- schiednen L„ndern. Wenn daher die Auffassung mancher unsrer Bei- spiele als zeitlich aufeinanderfolgender Zust„nde eines und des- selben Kapitals gezwungen oder praktisch unm”glich erscheint, so f„llt dieser Einwand weg, sobald sie als Vergleichung unabh„ngi- ger Kapitale gefaát werden. Wir trennen also das Produkt m'v/C in seine beiden Faktoren m' und v/C; wir behandeln zuerst m' als konstant und untersuchen die Wirkung der m”glichen Variationen von v/C; wir setzen dann den Bruch v/C als konstant und lassen m' die m”glichen Variationen durchmachen; endlich setzen wir s„mtliche Faktoren als variabel, und ersch”pfen damit die s„mtlichen F„lle, aus denen sich Gesetze ber die Profitrate ableiten lassen. I. m' konstant, v/C variabel Fr diesen Fall, der mehrere Unterf„lle umfaát, l„át sich eine allgemeine Formel aufstellen. Haben wir zwei Kapitale C und C1 mit den respektiven variablen Bestandteilen v und v1, mit der beiden gemeinsamen Mehrwertsrate m', und den Profitraten p' und p', - so ist: p' = m'v/C; p'1 = m'v1/C1. Setzen wir nun C und C1, sowie v und v1 in Verh„ltnis zueinander, setzen wir z.B. den Wert des Bruchs C1/C = E, und den des Bruchs v1/v = e, #64# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- so ist C1 = EC, und v1 = ev. Indem wir nun in der obigen Glei- chung fr p'1, fr C1 und v1 die so gewonnenen Werte setzen, ha- ben wir: ev p'1 = m'--. EC1 Wir k”nnen aber noch eine zweite Formel aus obigen beiden Glei- chungen ableiten, indem wir sie in die Proportion verwandeln: p':p'1 = m'v/C : m'v1/C1 = v/C : v1/C1. Da der Wert eines Bruchs derselbe bleibt, wenn Z„hler und Nenner mit derselben Zahl multipliziert oder dividiert werden, so k”nnen wir v/C und v1/C1 auf Prozents„tze reduzieren, d.h. C und C1 beide = 100 setzen. Dann haben wir v/C = v/100 und v1/C = v1/100, und k”nnen in obiger Proportion die Nenner weglassen, und erhal- ten: p':p'1 = v:v1; oder: Bei zwei beliebigen Kapitalen, die mit gleicher Mehrwertsrate fungieren, verhalten sich die Profitraten wie die variablen Kapi- talteile, prozentig auf ihre respektiven Gesamtkapitale berech- net. Diese beiden Formen umfassen alle F„lle der Variation von v/C. Ehe wir diese F„lle einzeln untersuchen, noch eine Bemerkung. Da C die Summe von c und v, des konstanten und des variablen Kapitals, ist, und da die Mehrwertsrate wie die Profitrate gew”hnlich in Prozenten ausgedrckt werden, so ist es berhaupt bequem, die Summe c + v ebenfalls gleich Hundert zu setzen, d.h. c und v pro- zentig auszudrcken. Es ist fr die Bestimmung zwar nicht der Masse, aber wohl der Rate des Profits einerlei, ob wir sagen: ein Kapital von 15 000, wovon 12 000 konstantes und 3000 variables Kapital, produziert einen Mehrwert von 3000; oder ob wir dies Ka- pital auf Prozente reduzieren: 15 000C = 12 000c + 3000v (+ 3000m) 100C= 80c + 20v (+ 20m). In beiden F„llen ist die Rate des Mehrwerts m' = 100%, die Pro- fitrate = 20%. Ebenso, wenn wir zwei Kapitale miteinander vergleichen, z. B. mit dem vorstehenden ein andres Kapital: 12 000C = 10 800c + 1200v (+ 1200m) 100C = 90c + 10v (+ 10m), #65# 3. Kapitel - Verh„ltnis der Profitrate zw Mehrwerurate ----- wo beidemal m'= 100%, p'= 10% ist, und wo die Vergleichung mit dem vorstehenden Kapital in der prozentigen Form weit bersicht- licher ist. Handelt es sich dagegen um Ver„nderungen, die an einem und dem- selben Kapital vorgehn, so ist die prozentige Form nur selten zu gebrauchen, weil sie diese Ver„nderungen fast immer verwischt. Geht ein Kapital von der prozentigen Form: 80c+ 20v + 20m ber in die prozentige Form: 90c +10v + 10m, so ist nicht ersichtlich, ob die ver„nderte prozentige Zusammen- setzung 90c + 10v entstanden ist durch absolute Abnahme von v oder absolute Zunahme von c, oder durch beides. Dazu mssen wir die absoluten Zahlengr”áen haben. Fr die Untersuchung der nach- folgenden einzelnen F„lle von Variation aber kommt alles darauf an, wie diese Ver„nderung zustande gekommen ist, ob die 80c + 20v zu 90c + 10v geworden sind dadurch, daá meinetwegen die 12 000c + 3000v durch Vermehrung des konstanten Kapitals bei gleichbleiben- dem variablen sich verwandelt haben in 27 000c+ 3000v (prozentig 90c + 10v); oder ob sie diese Form angenommen haben, bei gleich- bleibendem konstantem Kapital durch Verringerung des variablen, also durch šbergang in 12 000c + 1333 1/3v (prozentig ebenfalls 90c + 10v); oder endlich durch Žnderung beider Summanden, etwa 13 500c + 1500v (prozentig wieder 90c + 10v). Diese F„lle werden wir aber gerade alle nacheinander zu untersuchen, und damit auf die Annehmlichkeiten der prozentigen Form zu verzichten, oder sie nur in zweiter Unie anzuwenden haben. 1. m' und C konstant, v variabel Wenn v seine Gr”áe „ndert, kann C nur unver„ndert bleiben da- durch, daá der andre Bestandteil von C, n„mlich das konstante Ka- pital c, seine Gr”áe um dieselbe Summe, aber in entgegengesetzter Richtung, „ndert wie v. Ist C ursprnglich = 80c + 20v = 100 und verringert sich dann v auf 10, so kann C nur = 100 bleiben, wenn c auf 90 steigt; 90c + 10v = 100. Allgemein gesprochen: verwan- delt sich v in v +- d, in v vermehrt oder vermindert um d, so muá c sich verwandeln in c -+ d, muá um dieselbe Summe, aber in ent- gegengesetzter Richtung, variieren, damit den Bedingungen des vorliegenden Falls gengt werde. Ebenfalls muá, bei gleichbleibender Mehrwertsrate m', aber wech- selndem variablem Kapital v, die Masse des Mehrwerts in sich „n- dern, da m = m'v und in m'v der eine Faktor, v, einen andem Wert erh„lt. #66# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Die Voraussetzungen unsres Falls ergeben neben der ursprnglichen Gleichung p' = m'v/C durch Variation von v die zweite: p#1 = m'v1/C, worin v in v1 bergegangen, und p'1 die daraus folgende ver„n- derte Profitrate, zu finden ist. Sie wird gefunden durch die entsprechende Proportion: p:p'1 = m'v/C : m'v1/C = v:v1. Oder: bei gleichbleibender Mehrwertsrate und gleichbleibendem Ge- samtkapital verh„lt sich die ursprngliche Profittate zu der durch Žnderung des variablen Kapitals entstandnen wie das ur- sprngliche variable Kapital zum ver„nderten. War das Kapital ursprnglich wie oben: I. 15 000C = 12 000c + 3000v (+ 3000m); und ist es jetzt: II. 15 000C = 13 000c + 2000v (+ 2000m); so ist C = 15 000 und m'= 100% in beiden F„llen, und die Profitrate von I, 20%. verh„lt sich zu der von II, 13 1/3 %, wie das variable Kapital von I, 3000, zu dem von II, 2000, also 20%: 13 1/3% = 3000:2000. Das variable Kapital kann nun entweder steigen oder fallen. Neh- men wir zuerst ein Beispiel, worin es steigt. Ein Kapital sei ur- sprnglich konstituiert und fungiere wie folgt: I. 100c + 20v + 10m; C = 120, m' = 50%, p' = 8 1/3 %. Das variable Kapital steige nun auf 30; dann muá nach der Voraus- setzung das konstante Kapital von 100 auf 90 fallen, damit das Gesamtkapital unver„ndert = 120 bleibe. Der produzierte Mehrwert muá, bei gleicher Mehrwertsrate von 50%, auf 15 steigen. Wir ha- ben also: II. 90c + 30v + 15m; C = 120, m' = 50%, p' = 12 1/2 %. Gehn wir zun„chst von der Annahme aus, daá der Arbeitslohn unver- „ndert sei. Dann mssen die andern Faktoren der Mehrwertsrate, Arbeitstag und Arbeitsintensit„t, ebenfalls gleichgeblieben sein. Die Steigerung von v (von 20 auf 30) kann also nur den Sinn ha- ben, daá die H„lfte mehr Arbeiter angewandt werden. Dann steigt auch das Gesamtwertprodukt um die H„lfte, von 30 auf 45, und ver- teilt sich, ganz wie vorher, zu 2/3 auf Arbeitslohn und 1/3 auf Mehrwert. Gleichzeitig aber ist bei vermehrter #67# 3. Kapitel - Verh„ltnis der Profitrate zur Mehrwertsrate ----- Arbeiteranzahl das konstante Kapital, der Wert der Produktions- mittel, von 100 auf 90 gefallen. Wir haben also vor uns einen Fall von abnehmender Produktivit„t der Arbeit, verbunden mit gleichzeitiger Abnahme des kori, stanten Kapitals; ist dieser Fall ”konomisch m”glich? In der Agrikultur und extraktiven Industrie, wo Abnahme der Pro- duktivit„t der Arbeit und daher Zunahme der besch„ftigten Arbei- terzahl leicht zu begreifen, ist dieser Prozeá - innerhalb der Schranken der kapitalistischen Produktion und auf deren Basis - verbunden nicht mit Abnahme, sondern mit Zunahme des konstanten Kapitals. Selbst wenn die obige Abnahme von c durch bloáen Preis- fall bedingt w„re, wrde ein einzelnes Kapital den šbergang von I zu II nur unter ganz ausnahmsweisen Umst„nden vollziehn k”nnen. Bei zwei unabh„ngigen Kapitalen aber, die in verschiednen L„ndern oder in verschiednen Zweigen der Agrikultur oder extraktiven In- dustrie angelegt, w„re es nichts Auffallendes, wenn in dem einen Fall mehr Arbeiter (daher gr”áeres variables Kapital) angewandt wrden und mit minder wertvollen oder sp„rlicheren Produktions- mitteln arbeiteten als im andern Fall. Lassen wir aber die Voraussetzung fallen, daá der Arbeitslohn sich gleichbleibt, und erkl„ren wir die Steigerung des variablen Kapitals von 20 auf 30 durch Erh”hung des Arbeitslohns um die H„lfte, so tritt ein ganz andrer Fall ein. Dieselbe Arbeiteranz- ahl - sagen wir 20 Arbeiter - arbeitet mit denselben oder nur un- bedeutend verringerten Produktionsmitteln weiter. Bleibt der Ar- beitstag unver„ndert - z.B. auf 10 Stunden so ist das Gesamtwert- produkt ebenfalls unver„ndert; es ist nach wie vor 30. Diese 30 werden aber s„mtlich gebraucht, um das vorgeschoáne variable Ka- pital von 30 zu ersetzen; der Mehrwert w„re verschwunden. Es war aber vorausgesetzt, daá die Mehrwertsrate konstant, also wie in I auf 50% stehnbliebe. Dies ist nur m”glich, wenn der Arbeitstag um die H„lfte verl„ngert, auf 15 Stunden erh”ht wird. Die 20 Arbei- ter produzierten dann in 15 Stunden einen Gesamtwert von 45, und die s„mtlichen Bedingungen w„ren erfllt: II. 90c +30v + 15m; C = 120, m' = 50%, p' = 12 1/2 %. In diesem Fall brauchen die 20 Arbeiter nicht mehr Arbeitsmittel, Werkzeug, Maschinen etc. als im Fall I; nur das Rohmaterial oder die Hilfsstoffe máten sich um die H„lfte vermehren. Bei einem Preisfall dieser Stoffe w„re also der šbergang von I zu II unter unseren Voraussetzungen schon weit eher auch fr ein einzelnes Kapital ”konomisch zul„ssig. Und der Kapitalist wrde fr seinen, bei Entwertung seines konstanten Kapitals etwa erlittenen Verlust wenigstens einigermaáen entsch„digt durch gr”áern Profit. #68# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Nehmen wir nun an, das variable Kapital falle statt zu steigen. Dann brauchen wir nur unser obiges Beispiel umzukehren, Nr. II als das ursprngliche Kapital zu setzen und von II zu I berzu- gehn. II. 90c + 30v + 15m verwandelt sich dann in I. 100c + 20v + 10m, und es ist augenscheinlich, daá durch diese Umstellung an den die beiderseitigen Profitraten und ihr gegen- seitigem Verh„ltnis regelnden Bedingungen nicht das geringste ge- „ndert wird. F„llt v von 30 auf 20, weil 1/3 weniger Arbeiter besch„ftigt wer- den bei wachsendem konstantem Kapital, so haben wir hier den Nor- malfall der modernen Industrie vor uns: steigende Produktivit„t der Arbeit, Bew„ltigung gr”áerer Massen von Produktionsmitteln durch weniger Arbeiter. Daá diese Bewegung mit dem gleichzeitig eintretenden Fall in der Profitrate notwendig verbunden ist, wird sich im dritten Abschnitt dieses Buchs herausstellen. Sinkt aber v von 30 auf 20, weil dieselbe Arbeiteranzahl, aber zu niedrige- rem Lohn besch„ftigt wird, so bliebe, bei unver„ndertem Arbeits- tag, das Gesamtwertprodukt nach wie vor= 30v + 15m = 45; da v auf 20 gefallen, wrde der Mehrwert auf 25 steigen, die Mehrwertsrate von 50% auf 125%, was gegen die Voraussetzung w„re. Um innerhalb der Bedingungen unsres Falls zu bleiben, muá der Mehrwert, zur Rate von 50%, vielmehr auf 10 fallen, also das Gesamtwertprodukt von 45 auf 30, und dies ist nur m”glich durch Verkrzung des Ar- beitstags um 1/3. Dann haben wir wie oben: 100c +20v + 10m; m' = 50%. p' = 8 1/3%. Es bedarf wohl keiner Erw„hnung, daá diese Herabsetzung der Ar- beitszeit bei fallendem Lohn in der Praxis nicht vorkommen wrde. Dies ist indes gleichgltig. Die Profitrate ist eine Funktion von mehreren Vatiablen, und wenn wir wissen wollen, wie diese Vari- ablen auf die Profitrate wirken, mssen wir die Einzelwirkung ei- ner jeden nach der Reihe untersuchen, einerlei ob solche iso- lierte Wirkung bei einem und demselben Kapital ”konomisch zul„s- sig ist oder nicht. 2. m' konstant, v variabel, C ver„ndert durch die Variation von v Dieser Fall ist vom vorigen nur dem Grade nach unterschieden. Statt daá c um ebensoviel ab- oder zunimmt, wie v zu- oder ab- nimmt, bleibt c hier konstant. Unter den heutigen Bedingungen der groáen Industrie und Agrikultur ist das variable Kapital aber nur ein relativ geringer Teil des #69# 3. Kapitel - Verh„ltnis der Profitrate zur Mehrwertsrate ----- Gesamtkapitals und daher die Abnahme oder das Wachstum des letz- tern, soweit sie durch Žnderung des erstern bestimmt werden, ebenfalls relativ gering. Gehn wir wieder aus von einem Kapital: I. 100c + 20v + 10m; C = 120, m' = 50%, p' = 8 1/3 %, so wrde dies sich etwa verwandeln in: II. 100c + 30v + 15m; C = 130, m' = 50%, p' = 11 7/13 %. Der entgegengesetzte Fall der Abnahme des variablen Kapitals wrde wieder versinnlicht durch den umgekehrten šbergang von II zu I. Die ”konomischen Bedingungen w„ren m wesentlchen dieselben wie im vorigen Fall und bedrfen daher keiner wiederholten Er”rterung. Der šbergang von I zu II schlieát ein: Verringerung der Produkti- vit„t der Arbeit um die H„lfte; die Bew„ltigung von 100, erfor- dert um die H„lfte mehr Arbeit in II als in I. Dieser Fall kann in der Agrikultur vorkommen. 9) W„hrend aber im vorigen Fall das Gesamtkapital konstant blieb da- durch, daá konstantes Kapital in variables verwandelt wurde oder umgekehrt, findet hier bei Vermehrung des variablen Teils Bindung von zuschssigem Kapital, bei Verminderung desselben Freisetzung von vorher angewandtem Kapital statt. 3. m'v konstant, c und damit auch C variabel In diesem Fall ver„ndert sich die Gleichung: p' = m'v/C in: p'1 = m'v/C1, und fhrt unter Streichung der auf beiden Seiten vorkommenden Faktoren zur Proportion: p'1 : p, = C : C1; bei gleicher Mehrwertsrate und gleichen variablen Kapitalteilen verhalten sich die Profitraten umgekehrt wie die Gesamtkapitale. Haben wir z.B. drei Kapitale oder drei verschiedne Zust„nde des- selben Kapitals: I. 80c + 20v + 20m; C = 100, m' = 100%, p' = 20%; II. 100c + 20v + 20m; C = 120, m' = 100%, p' = 16 2/3 %; III. 60c + 20v + 20m; C = 80, m' = 100%, p' = 25%; so verhalten sich: 20% : 16 2/3% = 120 : 100 und 20% : 25% = 80 : 100. --- 9) Hier steht im Ma.: "Sp„ter zu untersuchen, wie dieser Fall mit der Grundrente zusammenh„ngt." #70# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Die frher gegebne allgemeine Formel fr Variationen von bei kon- stantem m' war: ev v p'1 = m'--; sie wird jetzt: p'1 = m' --, EC EC da v keine Ver„nderung erleidet, also der Faktor e = v1/v hier = 1 wird. Da m'v = m, der Masse des Mehrwerts, und da m' und v beide kon- stant bleiben, so wird auch in nicht von der Variation von C be- rhrt; die Mehrwertsmasse bleibt nach wie vor der Ver„nderung dieselbe. S„nke c auf Null, so w„re p' = m', die Profitrate gleich der Mehrwertsrate. Die Ver„nderung von c kann entstehn entweder aus bloáem Wertwech- sel der stofflichen Elemente des konstanten Kapitals oder aus ver„nderter technischer Zusammensetzung des Gesamtkapitals, also aus einer Ver„nderung in der Produktivit„t der Arbeit im betref- fenden Produktionszweig 1*). In letzterm Fall wrde die mit der Entwicklung der groáen Industrie und Agrikultur steigende Produk- tivit„t der gesellschaftlichen Arbeit bedingen, daá der šbergang stattfindet in der Reihenfolge (im obigen Beispiel) von III zu I und von I zu II. Ein Arbeitsquantum, das mit 20 bezahlt wird und das einen Wert von 40 produziert, wrde zuerst eine Masse Ar- beitsmittel bew„ltigen vom Wert von 60; bei steigender Produkti- vit„t und gleichbleibendem Wert wrden die bew„ltigten Arbeits- mittel wachsen zuerst auf 80, dann auf 100. Die umgekehrte Rei- henfolge wrde Abnahme der Produktivit„t bedingen; dasselbe Ar- beitsquantum wrde weniger Produktionsmittel in Bewegung setzen k”nnen, der Betrieb wrde eingeschr„nkt, wie dies in Agrikultur, Bergwerken etc. vorkommen kann. Ersparnis an konstantem Kapital erh”ht einerseits die Profitrate und setzt andrerseits Kapital frei, ist also von Wichtigkeit fr den Kapitalisten. Diesen Punkt sowie die Einwirkung von Preis- wechsel der Elemente des konstanten Kapitals, namentlich der Roh- stoffe, werden wir sp„terhin 2*) noch n„her untersuchen. Es zeigt sich auch hier wieder, daá Variation des konstanten Kapitals gleichm„áig auf die Profitrate wirkt, einerlei ob diese Variation hervorgerufen ist durch Zu- oder Abnahme der stofflichen Bestand- teile von c oder durch bloáe Wertver„nderung derselben. ----- 1*) 1. Auflage: Produktivzweig - 2*) siehe vorl. Band, S. 87-146 #71# 3. Kapitel - Verh„ltnis der Profitrate zur Mehrwertsrate ----- 4. m' konstant, v, c und C s„mtlich variabel In diesem Fall bleibt die obige allgemeine Formel fr die ver„n- derte Profitrate: ev p'1 = m'-- EC maágebend. Es ergibt sich daraus, daá bei gleichbleibender Mehr- wertsrate: a) die Profitrate f„llt, wenn E gr”áer als e, d.h. wenn das kon- stante Kapital sich derart vermehrt, daá das Gesamtkapital m st„rkerem Verh„ltnis w„chst als das variable Kapital. Geht ein Kapital von 80c +20v +20m ber in die Zusammensetzung 170c + 30v + 30m, so bleibt m' = 100%, aber v/C f„llt von 20/100 auf 30/200, trotzdem daá sowohl v wie C sich vermehrt haben, und die Pro- fitrate f„llt entsprechend von 20% auf 15%. b) die Profitrate bleibt unver„ndert nur wenn e = E, d. h. wenn der Bruch v/C bei scheinbarer Ver„nderung denselben Wert beh„lt, d.h. wenn Z„hler und Nenner mit derselben Zahl multipliziert oder dividiert werden. 80c + 20v + 20m und 160c + 40v + 40m haben au- genscheinlich dieselbe Profitrate von 20%, weil m' = 100% bleibt und v/C = 20/100 = 40/200 in beiden Beispielen denselben Wert darstellt. c) die Profitrate steigt, wenn e gr”áer als E, d.h. wenn das va- riable Kapital in st„rkerem Verh„ltnis w„chst als das Gesamtkapi- tal. Wird 80c + 20v + 20m zu 120c + 40v + 40m, so steigt die Pro- fittate von 20% auf 25%, weil bei unver„ndertem m'v/C = 20/100 gestiegen ist auf 40/160, von auf 1/5 auf 1/4. Bei Wechsel von v und C in gleicher Richtung k”nnen wir diese Gr”áenver„nderung so auffassen, daá beide bis zu einem gewissen Grad in demselben Verh„ltnis variieren, so daá bis dahin v/C un- ver„ndert bleibt. šber diesen Grad hinaus wrde dann nur eins von beiden variieren, und wir haben damit diesen komplizierteren Fall auf einen der vorhergehenden einfachern reduziert. Geht z.B. 80c + 20v +20m ber in: 100c + 30v + 30m, so bleibt das Verh„ltnis von v zu c und also auch zu C unver„ndert bei dieser Variation bis zu: 100c + 25v + 25m. Bis dahin also bleibt auch die Profitrate unberhrt. Wir k”nnen also jetzt 100c + 25v + 25m zum Ausgangspunkt nehmen; wir finden, daá v um 5, auf 30v, und dadurch C von 125 auf 130 gestiegen ist, und haben damit den zweiten Fall, den der einfachen Variation von v und der dadurch verursachten Variation von C vor uns. Die Profitrate, die #72# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- ursprnglich 20% war, steigt durch diesen Zusatz von 5 v bei gleicher Mehrwertsrate auf 23 1/13 %. Dieselbe Reduktion auf einen einfachem Fall kann stattfinden, auch wenn v und C in entgegengesetzter Richtung ihre Gr”áe „n- dern. Gehn wir z.B. wieder aus von 80v + 20c + 20m und lassen dies bergehn in die Form: 110c + 10v + 10m so w„re bei einer Žn- derung auf 40c + 10v + 10m die Profitrate dieselbe wie anfangs, n„mlich 20%. Durch Zusatz von 70c zu dieser Zwischenform wird sie gesenkt auf 8 1/3 %. Wir haben den Fall also wieder reduziert auf einen Fall der Variation einer einzigen Variablen, n„mlich von c. Gleichzeitige Variation von v, c und C bietet also keine neuen Gesichtspunkte und fhrt in letzter Instanz stets zurck auf einen Fall, wo nur ein Faktor variabel ist. Selbst der einzige noch brige Fall ist tats„chlich bereits er- sch”pft, n„mlich der Fall, wo v und C numerisch gleich groá blei- ben, aber ihre stofflichen Elemente einen Wertwechsel erleiden, wo also v ein ver„ndertes Quantum in Bewegung gesetzter Arbeit, c ein ver„ndertes Quantum in Bewegung gesetzter Produktionsmittel anzeigt. In 80c + 20v + 20m stelle 20, ursprnglich den Lohn von 20 Arbei- tern, zu 10 Arbeitsstunden t„glich, dar. Der Lohn eines jeden steige von 1 auf 1 1/4. Dann bezahlen 20v statt 20 nur noch 16 Arbeiter. Wenn aber die 20 in 200 Arbeitsstunden einen Wert von 40 produzierten, werden die 16, in 10 Stunden t„glich, also 160 Arbeitsstunden in allem, nur einen Wert von 32 produzieren. Nach Abzug von 20, fr Lohn bleibt dann von 32 nur noch 12 fr Mehr- wert; die Rate des Mehrwerts w„re gefallen von 100% auf 60%. Da aber nach der Voraussetzung die Rate des Mehrwerts konstant blei- ben muá, so máte der Arbeitstag um 1/4, von 10 Stunden auf 12 1/2, verl„ngert werden; wenn 20 Arbeiter in 10 Stunden t„glich 200 Arbeitsstunden einen Wert von 80 produzieren, so produzieren 16 Arbeiter in 12 1/2 Stunden t„glich = 200 Stunden denselben Wert, das Kapital von 80c + 20v produzierte nach wie vor einen Mehrwert von 20. Umgekehrt: f„llt der Lohn derart, daá 20v den Lohn von 30 Arbei- tern bestreitet, so kann m' nur konstant bleiben, wenn der Ar- beitstag von 10 auf 6 2/3 Stunden herabgesetzt wird. 20 x 10 = 30 x 6/3 = 200 Arbeitsstunden. Inwiefern bei diesen entgegengesetzten Annahmen c dem Wertaus- druck in Geld nach gleichbleiben, aber dennoch die den ver„nder- ten Verh„ltnissen entsprechende ver„nderte Menge Produktionsmit- tel darstellen kann, ist im wesentlichen schon oben er”rtert. In seiner Reinheit drfte dieser Fall nur sehr ausnahmsweise zul„s- sig sein. #73# 3.Kapitel - Verh„ltnis der Profitrate zur Mehrwerts ----- Was den Wertwechsel der Elemente von c betrifft, der ihre Masse vergr”áert oder vermindert, aber die Wertsumme c unver„ndert l„át, so berhrt er weder die Profitrate noch die Mehrwertsrate, solange er keine Ver„ndrung der Gr”áe von v nach sich zieht. Wir haben hiermit alle m”glichen F„lle der Variation von v, c und C in unsrer Gleichung ersch”pft. Wir haben gesehn, daá die Pro- fitrate, bei gleichbleibender Rate des Mehrwerts, fallen, gleich- bleiben oder steigen kann, indem die geringste Žnderung im Ver- h„ltnis von v zu c, resp. C, hinreicht, um die Profitrate eben- falls zu „ndern. Es hat sich ferner gezeigt, daá bei der Variation von v berall eine Grenze eintritt, wo die Konstanz von m' ”konomisch unm”glich wird. Da jede einseitige Variation von c ebenfalls an einer Grenze ankommen muá, wo v nicht l„nger konstant bleiben kann, so zeigt sich, daá fr alle m”glichen Variationen von v/C Grenzen gesetzt sind, jenseits deren m' ebenfalls variabel werden muá. Bei den Variationen von m', zu deren Untersuchung wir jetzt ber- gehn, wird diese Wechselwirkung der verschiednen Vabeln unsrer Gleichung noch deutlicher hervortreten. II. m' variabel Eine allgemeine Formel fr die Profitraten bei verschiednen Mehr- wertsraten, einerlei ob v konstant bleibt oder ebenfalls vari- iert, ergibt sich, wenn wir die Gleichung: p' = m'v/C bergehn lassen in die andre: p'1 = m'1 v1/C1, wo p'1, m'1, v1 und C1 die ver„nderten Werte von p', m', v und C bedeuten. Wir haben dann: p' : p'1 = m'v/C : m'1v1/C1, und daraus: m'1 v1 C p'1 = --- x -- x -- x p'. m' c C1 1. m' variabel, v konstant In diesem Fall haben wir die Gleichungen: p' = m'v/C; p'1 = m'1 v/C, in beiden v/C gleichwertig. Es verh„lt sich daher: p' : p'1 = m' : m'1. #74# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Die Profitraten zweier Kapitale von gleicher Zusammensetzung ver- halten sich wie die bezglichen beiden Mehrwertsraten. Da es im Bruch v/C nicht auf die absoluten Gr”áen von v und C ankommt, sondern nur auf das Verh„ltnis beider, gilt dies fr alle Kapi- tale gleicher Zusammensetzung, was immer ihre absolute Gr”áe sei. 80c + 20v + 20m; C = 100, m' = 100%, p' = 20% 160c + 40v + 20m; C = 200, m'= 50%, p'= 10% 100% : 50% = 20% : 10%. Sind die absoluten Gr”áen von v und C in beiden F„llen dieselben, so verhalten sich die Profitraten auáerdem wie die Mehrwertsmas- sen. p' : p'1 = m'v : m'v = m : m1. Zum Beispiel: 80c + 20v + 20m; m' = 100%, p' = 20% 80c + 20v + 10m; m' = 50%, p' = 10% 20% : 10% = 100 x 20: 50 x 20 = 20m : 10m. Es ist nun klar, daá bei Kapitalen von gleicher absoluter oder prozentiger Zusammensetzung die Mehrwertsrate nur verschieden sein kann, wenn entweder der Arbeitslohn oder die L„nge des Ar- beitstags oder die Intensit„t der Arbeit verschieden ist. In den drei F„llen: I. 80c + 20v + 10m; m' = 50%, p' = 10%, II. 80c + 20v + 20m; m' = 100%, p' = 20%, III. 80c + 20v + 40m; m' = 200%, p' = 40%, wird ein Gesamtwertprodukt erzeugt in I von 30 (20v + 10m), in II von 40, in III von 60. Dies kann auf dreierlei Weise geschehn. Erstens, wenn die Arbeitsl”hne verschieden sind, also 20, in je- dem einzelnen Fall eine verschiedne Arbeiteranzahl ausdrckt. Ge- setzt, in I werden 15 Arbeiter 10 Stunden besch„ftigt zum Lohn von 1 2/3 Pfd.St. und produzieren einen Wert von 30 Pfd.St., da- von 20 Pfd.St. den Lohn ersetzen und 10 Pfd.St. fr Mehrwert bleiben. F„llt der Lohn auf 1 Pfd.St., so k”nnen 20 Arbeiter 10 Stunden besch„ftigt werden und produzieren dann einen Wert von 40 Pfd.St., wovon 20 Pfd.St. fr Lohn und 20 Pfd.St. Mehrwert. F„llt der Lohn noch weiter auf 1/3 Pfd.St., so werden 30 Arbeiter 10 Stunden besch„ftigt und produzieren einen Wert von 60 Pfd. St., wovon nach Abzug von 20 Pfd.St. fr Lohn noch 40 Pfd.St. fr Mehrwert bleiben. Dieser Fall: konstante prozentige Zusammensetzung des Kapitals, konstanter Arbeitstag, konstante Arbeitsintensit„t, Wechsel der Mehrwertsrate verursacht durch Wechsel des Arbeitslohns, ist der einzige, wo Ricardos Annahme zutrifft: #75# 3. Kapitel - Verh„ltnis der Profitrate zur Mehrwertsrate ----- "Profits would be high or low, e x a c t l y i n p r o p o r t i o n as wages would be low or high." 1*) ("Principles", ch. I, sect. III, p. 18 der "Works of D. Ricardo", ed. MacCulloch, 1852.) Oder zweitens, wenn die Intensit„t der Arbeit verschieden ist. Dann machen z. B. 20 Arbeiter mit denselben Arbeitsmitteln in 10 t„glichen Arbeitsstunden, in I 30, in II 40, in III 60 Stck ei- ner bestimmten Ware, wovon jedes Stck, auáer dem Wert der darin verbrauchten Produktionsmittel, einen Neuwert von 1 Pfd.St. dar- stellt. Da jedesmal 20 Stck = 20 Pfd.St. den Arbeitslohn erset- zen, bleiben fr Mehrwert in 110 Stck 10 Pfd.St., in II 20 Stck 20 Pfd.St., in III 40 Stck 40 Pfd.St. Oder drittens, der Arbeitstag ist von verschiedner L„nge. Arbei- ten bei gleicher Intensit„t 20 Arbeiter in I neun, in II zw”lf, in III achtzehn Stunden t„glich, so verh„lt sich ihr Gesamtpro- dukt 30:40:60 wie 9:12:18, und da der Lohn jedesmal = 20, so bleiben wieder 10, resp. 20 und 40 fr Mehrwert. Steigerung oder Senkung des Arbeitslohns wirkt also in umgekehr- ter Richtung, Steigerung oder Senkung der Arbeitsintensit„t und Verl„ngerung oder Krzung des Arbeitstags wirkt in derselben Richtung auf die H”he der Mehrwertsrate und damit, bei konstantem v/C, auf die Profitrate. 2. m' und v variabel, C konstant In diesem Fall gilt die Proportion: v v1 p' : p'1 = m'- : m'1-- = m'v : m'1v1 = m: m1. C C Die Profitraten verhalten sich wie die respektiven Mehrwertsmas- sen. Variierung der Mehrwertsrate bei gleichbleibendem variablem Kapi- tal bedeutete Ver„nderung in Gr”áe und Verteilung des Wertpro- dukts. Gleichzeitige Variation von v und m' schlieát ebenfalls eine andre Verteilung, aber nicht immer einen Gr”áenwechsel des Wertprodukts ein. Es sind drei F„lle m”glich: a) Die Variation von v und m' erfolgt in entgegengesetzter Rich- tung, aber um dieselbe Gr”áe; z.B.: 80c + 20v + 10m; m' = 50%, p' = 10% 90c + 10v + 20m; m' = 200%, p' = 20%. Das Wertprodukt ist in beiden F„llen gleich, also auch das gelei- stete Arbeitsquanturn; 20v + 10m = 10v + 20m = 30. Der Unter- schied ist nur, ----- 1*) Die Profite wrden g e n a u i n d e m V e r h „ l t n i s hoch oder niedrig sein, wie die L”hne nied- rig oder hoch w„ren." #76# I.- Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- daá im ersten Fall 20 fr Lohn gezahlt werden und 10 fr Mehrwert bleiben, w„hrend im zweiten Fall der Lohn nur 10 betr„gt und der Mehrwert daher 20. Dies ist der einzige Fall, wo bei gleichzeiti- ger Variation von v und m' Arbeiterzahl, Arbeitsintensit„t und L„nge des Arbeitstags unberhrt bleiben. b) Die Variation von m' und v erfolgt ebenfalls in entgegenge- setzter Richtung, aber nicht um dieselbe Gr”áe bei beiden. Dann berwiegt die Variation entweder von v oder von m'. I. 80c + 20v + 20m, m' = 100%, p' = 20% II. 72c + 28v + 20m, m' = 71 3/7 %, p' = 20% III. 84c + 16v + 20m, m' = 25%, p' = 20%. In I wird ein Wertprodukt von 40 mit 20v, in II eins von 48 mit 28v in III eins von 36 mit 16, bezahlt. Sowohl das Wertprodukt wie der Lohn hat sich ver„ndert; Žnderung des Wertprodukts aber heiát Žnderung des geleisteten Arbeitsquantums, also entweder der Arbeiterzahl, der Arbeitsdauer oder der Arbeitsintensit„t oder mehrerer von diesen dreien. c) Die Variation von m' und v erfolgt in derselben Richtung; dann verst„rkt die eine die Wirkung der andern. 90c + 10v + 10m; m' = 100%, p' = 10% 80c + 20v + 30m; m' = 150%, p' = 30% 92c + 8v + 6m; m' = 75%, p' = 6%. Auch hier sind die drei Wertprodukte verschieden, n„mlich 20, 50 und 14; und diese Verschiedenheit in der Gr”áe des jedesmaligen Arbeitsquantums reduziert sich wieder auf Verschiedenheit der Ar- beiterzahl, der Arbeitsdauer, der Arbeitsintensit„t oder mehrerer resp. aller dieser Faktoren. 3. m', v und C variabel Dieser Fall bietet keine neuen Gesichtspunkte und erledigt sich durch die unter II., m' variabel, gegebne allgemeine Formel. --- Die Wirkung eines Gr”áenwechsels der Mehrwertsrate auf die Pro- fitrate ergibt also folgende F„lle: 1. p' vermehrt oder vermindert sich in demselben Verh„ltnis wie m', wenn v/C konstant bleibt. #77# 3. Kapitel - Verh„ltnis der Profitrate zur Mehrwertsrate ----- 80c + 20v + 20m; m' = 100%, p' = 20% 80c + 20v + 10m; m' = 50%, p' = 10% 100% : 50% = 20% : 10%. 2. p' steigt oder f„llt in st„rkerem Verh„ltnis als m', wenn v/C sich in entgegengesetzter Richtung bewegt wie m', d.h. zunimmt oder abnimmt, wenn m' zu, oder abnimmt. 80c + 20v + 10m; m' = 50%, p' = 10% 70c + 30v + 20m; m' = 66 2/3%, p' = 20% 50% : 66 2/3% < 10% : 20%. 3. p' steigt oder f„llt in kleinerm Verh„ltnis als m', wenn v/C sich in entgegengesetzter Richtung „ndert wie m', aber in klei- nerm Verh„ltnis. 80c + 20v + 10m; m' = 50%, p' = 10% 90c + 10v + 15m; m' = 150%, p' = 15% 50% : 150% > 10% : 15%. 4. p' steigt, obgleich m' f„llt, oder f„llt, obgleich in steigt, wenn v/C sich in entgegengesetzter Richtung „ndert wie m' und in gr”áerem Verh„ltnis ah dieses. 80c + 20v + 20m; m' = 100%, p' = 20% 90c + 10v + 15m; m' = 150%, p' = 15 % m' gestiegen von 100% auf 150%, p' gefallen von 20% auf 15%. 5. Endlich: p' bleibt konstant, obgleich m' steigt oder f„llt, wenn v/C in entgegengesetzter Richtung, aber genau in demselben Verh„ltnis wie m' seine Gr”áe „ndert. Es ist nur dieser letzte Fall, der noch einiger Er”rterung be- darf. Wie wir oben bei den Variationen von v/C sahen, daá eine und dieselbe Mehrwertsrate sich in den verschiedensten Profitra- ten ausdrcken kann, so sehn wir hier, daá einer und derselben Profitrate sehr verschiedne Mehrwertsraten zugrunde liegen k”n- nen. W„hrend aber bei konstantem m' jede beliebige Žnderung im Verh„ltnis von v zu C gengte, um eine Verschiedenheit der Pro- fitrate hervorzurufen, muá bei Gr”áenwechsel von m' ein genau entsprechender, umgekehrter Gr”áenwechsel von v/C eintreten, da- mit die Profitrate dieselbe bleibe. Dies ist bei einem und dem- selben Kapital oder bei zwei Kapitalen in demselben Land nur sehr ausnahmsweise m”glich. #78# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Nehmen wir z. B. ein Kapital 80c + 20v + 20m; C = 100, m' = 100%. p' = 20%, nehmen wir an. der Arbeitslohn falle derart, daá dieselbe Arbei- terzahl nunmehr mit 16v zu haben w„re statt mit 20v. Dann haben wir, bei sonst unver„nderten Verh„ltnissen, unter Freisetzung von 4v, 80c + 16v + 24m; C = 96, m' = 150%, p' = 25%. Damit nun p' = 20% w„re, wie vorher, máte das Gesamtkapital auf 120, also das konstante auf 104 wachsen: 104c + 16v + 24m; C = 120, m' = 150%, p' = 20%. Dies w„re nur m”glich, wenn gleichzeitig mit der Lohnsenkung eine Žnderung in der Produktivit„t der Arbeit eintr„te, die diese ver- „nderte Zusammensetzung des Kapitals erheischte; oder aber, wenn der Geldwert des konstanten Kapitals von 80 auf 104 stiege; kurz, ein zuf„lliges Zusammentreffen von Bedingungen, wie es nur in Ausnahmef„llen vorkommt. In der Tat ist eine Žnderung von m', die nicht gleichzeitig eine Žnderung von v, und damit auch von v/C bedingt, nur unter ganz bestimmten Umst„nden denkbar, bei solchen Industriezweigen n„mlich, worin nur fixes Kapital und Arbeit an- gewandt wird und der Arbeitsgegenstand von der Natur geliefert ist. Aber im Vergleich der Profitraten zweier L„nder ist dies anders. Dieselbe Profitrate drckt hier in der Tat meist verschiedne Ra- ten des Mehrwerts aus. Aus den s„mtlichen fnf F„llen ergibt sich also, daá eine stei- gende Profitrate einer fallenden oder steigenden Mehrwertsrate, eine fallende Profitrate einer steigenden oder fallenden, eine gleichbleibende Profitrate einer steigenden oder fallenden Mehr- wertsrate entsprechen kann. Daá eine steigende, fallende oder gleichbleibende Profitrate ebenfalls einer gleich. bleibenden Mehrwertsrate entsprechen kann, haben wir unter I gesehn. --- Die Profitrate wird also bestimmt durch zwei Hauptfaktoren: die Rate des Mehrwerts und die Wertzusammensetzung des Kapitals. Die Wirkungen dieser beiden Faktoren lassen sich kurz zusammenfassen wie folgt, wobei wir die Zusammensetzung in Prozenten ausdrcken k”nnen, da es hier gleichgltig ist, von welchem der beiden Kapi- talteile die Žnderung ausgeht: Die Profitraten zweier Kapitale oder eines und desselben Kapitals in zwei sukzessiven, verschied- nen Zust„nden #79# 3. Kapitel - Verh„ltnis der Profitrate zur Mehrwertsrate ----- s i n d g l e i c h: 1. bei gleicher prozentiger Zusammensetzung der Kapitale und gleicher Mehrwertsrate. 2. bei ungleicher prozentiger Zusammensetzung und ungleicher Mehrwertsrate, wenn die Produkte der Mehrwertsraten in die pro- zentigen variablen Kapitaltelle (die m' und v), d.h. die prozen- tig aufs Gesamtkapital berechneten Mehrwerts m a s s e n (m = m'v) gleich sind, in andern Worten, wenn beide Male die Faktoren m' und v in umgekehrtem Verh„ltnis zueinander stehn. S i e s i n d u n g l e i c h: 1. bei gleicher prozentiger Zusammensetzung, wenn die Mehrwerts- ratenungleich sind, wo sie sich verhalten wie die Mehrwertsraten. 2. bei gleicher Mehrwertsrate und ungleicher prozentiger Zusam- mensetzung, wo sie sich verhalten wie die vatiablen Kapitalteile. 3. bei ungleicher Mehrwertsrate und ungleicher prozentiger Zusam- men setzung, wo sie sich verhalten wie die Produkte m'v, d. h. wie die prozentig aufs Gesamtkapital berechneten Mehrwertsmassen. 10) --- 10) In dem Ms. finden sich noch ausfhrliche Berechnungen ber die Differenz zwischen Mehrwertsrate und Profitrate (m' - p'), die allerhand interessante Eigentmlichkeiten besitzt und deren Bewegung die F„lle anzeigt, wo die beiden Raten sich voneinander entfernen oder sich einander n„hern. Diese Bewegungen lassen sich auch in Kurven darstellen. Ich verzichte auf Wiedergabe dieses Materials, da es fr die n„chsten Zwecke dieses Buchs weniger wichtig ist und es hier gengt, diejenigen Leser, die diesen Punkt weiter verfolgen wollen, einfach darauf aufmerksam zu ma- chen. - F. E. #80# ----- VIERTES KAPITEL Wirkung des Umschlags auf die Profitrate {Die Wirkung des Umschlags auf die Produktion von Mehrwert, also auch von Profit, ist im zweiten Buch er”rtert worden. Sie l„át sich kurz dahin zusammenfassen, daá infolge der fr den Umschlag erforderlichen Zeitdauer nicht das ganze Kapital gleichzeitig in der Produktion verwendet werden kann; daá also ein Teil des Kapi- tals fortw„hrend brachliegt, sei es in der Form von Geldkapital, von vorr„tigen Rohstoffen, von fertigem, aber noch unverkauftem Warenkapital oder von noch nicht f„lligen Schuldforderungen; daá das in der aktiven Produktion, also bei der Erzeugung und Aneig- nung von Mehrwert t„tige Kapital fortw„hrend um diesen Teil ver- krzt und der erzeugte und angeeignete Mehrwert fortw„hrend im selben Verh„ltnis verringert wird. Je krzer die Umschlagszeit, desto kleiner wird dieser brachliegende Teil des Kapitals, verg- lichen mit dem Ganzen; desto gr”áer wird also auch, bei sonst gleichbleibenden Umst„nden, der angeeignete Mehrwert. Es ist bereits im zweiten Buch 1*) im einzelnen entwickelt, wie die Verkrzung der Umschlagszeit oder eines ihrer beiden Ab- schnitte, der Produktionszeit und der Zirkulationszeit, die Masse des produzierten Mehrwerts steigert. Da aber die Profitrate nur das Verh„ltnis der produzierten Masse von Mehrwert zu dem in ih- rer Produktion engagierten Gesamtkapital ausdrckt, so ist es au- genscheinlich, daá jede solche Verkrzung die Profitrate stei- gert. Was vorher im zweiten Abschnitt des zweiten Buchs mit Bezug auf den Mehrwert entwickelt, gilt ebensosehr fr den Profit und die Profitrate und bedarf keiner Wiederholung hier. Nur ein paar Hauptmomente wollen wir hervorheben. Das Hauptmittel der Verkrzung der Produktionszeit ist die Stei- gerung der Produktivit„t der Arbeit, was man gew”hnlich den Fort- schritt der ----- 1*) Siehe Band 24 unserer Ausgabe, S. 296-301 #81# 4. Kapitel - Wirkung des Umschlags auf die Profitrate ----- Industrie nennt. Wird dadurch gleichzeitig nicht eine bedeutende Verst„rkung der gesamten Kapitalauslage durch Anlage kostspieli- ger Maschinerie usw. und damit eine Senkung der auf das Gesamtka- pital zu berechnenden Profitrate bewirkt, so muá diese letztere steigen. Und dies ist entschieden der Fall bei vielen der neue- sten Fortschritte der Metallurgie und chemischen Industrie. Die neuentdeckten Verfahrungsweisen der Eisen- und Stahlbereitung von Bessemer, Siemens, Gilchrist-Thomas u.a. krzen, bei relativ ge- ringen Kosten, frher h”chst langwierige Prozesse auf ein Minimum ab. Die Bereitung des Allzarins oder Krappfarbstoffes aus Kohlen- teer bringt in wenig Wochen, und mit der schon bisher fr Kohlen- teerfarben im Gebrauch befindlichen Fabrikeinrichtung, dasselbe Resultat zustande, das frher Jahre erforderte; ein Jahr brauchte der Krapp zum Wachsen, und dann lieá man die Wurzeln noch mehrere Jahre nachreifen, ehe man sie verf„rbte. Das Hauptmittel zur Verkrzung der Zirkulationszeit sind verbes- serte Kommunikationen. Und hierin haben die letzten fnfzig Jahre eine Revolution gebracht, die sich nur mit der industriellen Re- volution der letzten H„lfte des vorigen Jahrhunderts vergleichen l„át. Auf dem Lande ist die makadamisierte Straáe durch die Ei- senbahn, auf der See das langsame und unregelm„áige Segelschiff durch die rasche und regelm„áige Dampferlinie in den Hintergrund gedr„ngt worden, und der ganze Erdball wird umspannt von Telegra- phendr„hten. Der Suezkanal hat Ostasien und Australien dem Damp- ferverkehr erst eigentlich erschlossen. Die Zirkulationszeit ei- ner Warensendung nach Ostasien, 1847 noch mindestens zw”lf Monate (s. Buch II, S. 235 1*)), ist jetzt ungef„hr auf ungef„hr ebenso- viel Wochen reduzierbar geworden. Die beiden groáen Krisenherde von 1825-1857, Amerika und Indien, sind durch diese Umw„lzung der Verkehrsmittel den europ„ischen Industriel„ndern um 70-90% n„her- gerckt und haben damit einen groáen Teil ihrer Explosionsf„hig- keit verloren. Die Umschlagszeit des gesamten Welthandels ist in demselben Maá verkrzt, und die Aktionsf„higkeit des darin betei- ligten Kapitals um mehr als das Doppelte oder Dreifache gestei- gert worden. Daá dies nicht ohne Wirkung auf die Profitrate geblieben, versteht sich von selbst. Um die Wirkung des Umschlags des Gesamtkapitals auf die Pro- fitrate rein darzustellen, mssen wir bei den zu vergleichenden zwei Kapitalen alle andern Umst„nde als gleich annehmen. Auáer der Mehrwertsrate und dem Arbeitstag sei also namentlich auch die prozentige Zusammensetzung ----- 1*) Siehe Band 24 unserer Ausgabe, S. 255 #82# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- gleich. Nehmen wir nun ein Kapital A von der Zusammensetzung 80c + 20v = 100C, welches mit einer Mehrwertsrate von 100% zweimal im Jahr umschl„gt. Dann ist das Jahresprodukt: 160c + 40v + 40m. Aber zur Ermittlung der Profitrate berechnen wir diese 40m nicht auf den umgeschlagnen Kapitalwert von 200, sondern auf den vorgeschoánen von 100 und erhalten so p' = 40%. Vergleichen wir damit ein Kapital B = 160c + 40v = 200C, das mit derselben Mehrwertsrate von 100%, aber nur einmal im Jahr um- schlage. Dann ist das Jahresprodukt wie oben: 160c + 40v + 40m. Diesmal aber sind die 40m zu berechnen auf ein vorgeschoánes Kapital von 200, dies ergibt fr die Profitrate nur 20%, also nur die H„lfte der Rate fr A. Es ergibt sich also: bei Kapitalen gleicher prozentiger Zusammen- setzung, bei gleicher Mehrwertsrate und gleichem Arbeitstag ver- halten sich die Profitraten zweier Kapitale umgekehrt wie ihre Umschlagszeiten. Ist entweder die Zusammensetzung oder die Mehr- wertsrate oder der Arbeitstag oder Aeitslohn in den beiden verg- lichenen F„llen nicht gleich, so werden dadurch allerdings auch weitere Verschiedenheiten in der Profitrate erzeugt; diese aber sind unabh„ngig vom Umschlag und gehn uns daher hier nichts an; sie sind auch bereits in Kap. III er”rtert. Die direkte Wirkung der verkrzten Umschlagszeit auf die Produk- tion von Mehrwert, also auch von Profit, besteht in der gestei- gerten Wirksamkeie, die dem variablen Kapitalteil dadurch gegeben wird, worber nachzusehn Buch II, Kap. XVI: Der Umschlag des va- riablen Kapitals. Es zeigte sich da, daá ein variables Kapital von 500, das zehnmal im Jahr umschl„gt, in dieser Zeit ebensoviel Mehrwert aneignet wie ein variables Kapital von 5000, das bei gleicher Mehrwertsrate und gleichem Arbeitslohn nur einmal im Jahr umschl„gt. Nehmen wir ein Kapital I, bestehend aus 10 000 fixem Kapital, dessen j„hrlicher Verschleiá 10% = 1000 betrage, 500 zirkulieren- dem konstantem und 500 variablem Kapital. Bei einer Mehrwertsrate von 100% schlage das variable Kapital zehnmal im Jahre um. Der Einfachheit wegen nehmen wir in allen folgenden Beispielen an, daá das zirkulierende konstante Kapital in derselben Zeit um- schl„gt wie das variable, was auch in der Praxis meist so ziem- lich der Fall sein wird. Dann wird das Produkt einer solchen Um- schlagspetiode sein: 100c (Verschleiá) + 500c + 500v + 500m = 1600 und das des ganzen Jahres von zehn solchen Umschl„gen: #83# 4. Kapitel - Wirkung des Umschlags auf die Profitrate ----- 1000c (Verschleiá) + 5000c + 5000v + 5000m = 16 000, C = 11 000, m = 5000, p' = 5000/11 000 = 45 5/11 %. Nehmen wir nun ein Kapital II: fixes Kapital 9000, j„hrlicher Verschleiá desselben 1000, zirkulierendes konstantes Kapital 1000, variables Kapital 1000, Mehrwertsrate 100%, Zahl der j„hr- lichen Umschl„ge des variablen Kapitals: 5. Das Produkt einer jeden Umschlagsperiode des variablen Kapitals wird also sein: 200c (Verschleiá) + 1000c + 1000v + 1000m = 3200, und das Gesamtjahresprodukt bei fnf Umschl„gen: 1000c (Verschleiá) + 5000c + 5000v + 5000m = 16 000, C = 11 000, m = 5000, p' = 5000/11 000 = 45 5/11 %. Nehmen wir ferner ein Kapital III, worin gar kein fixes Kapital, dagegen 6000 zirkulierendes konstantes und 5000 variables Kapi- tal. Bei 100% Mehrwertsrate schlage es einmal im Jahr um. Das Ge- samtprodukt im Jahr ist dann: 6000c + 5000v + 5000m = 16 000. C = 11 000, m = 5000, p' = 5000/11 000 = 45 5/11%. Wir haben also in allen drei F„llen dieselbe j„hrliche Masse von Mehrwert, = 5000, und da das Gesarntkapital in allen drei F„llen ebenfalls gleich, n„mlich = 11 000 ist, dieselbe Profitrate von 45 5/11 %. Haben wir dagegen bei dem obigen Kapital I, statt 10, nur 5 j„hr- liche Umschl„ge des variablen Teils, so stellt sich die Sache an- ders. Das Produkt eines Umschlags ist dann: 200c (Verschleiá) + 500c + 500v + 500m = 1700. Oder Jahresprodukt: 1000c (Verschleiá) + 2500c + 2500v + 2500m = 8500, C = 11 000, m = 2500; p' = 2500/11 000 = 22 8/11%. Die Profitrate ist auf die H„lfte gesunken, weil die Umschlags- zeit verdoppelt worden ist. Die im Lauf des Jahrs angeeignete Masse Mehrwert ist also gleich der Masse des in einer Um- schlagsperiode des v a r i a b l e n Kapitals angeeigneten Mehrwerts, multipliziert durch die Anzahl solcher Umschl„ge im Jahr. Nennen wir den j„hrlich angeeigneten Mehrwert oder Profit M, den in einer #84# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Umschlagsperiode angeeigneten Mehrwert m, die Anzahl der j„hrli- chen Umschl„ge des variablen Kapitals n, so ist M mn und die j„hrliche Mehrwertsrate M' =m'n, wie bereits entwickelt Buch II, Kap. XVI, 1 1*). Die Formel der Profitrate p' = m'v/C = m'v/(c+v) ist selbstredend nur richtig, wenn das v des Z„hlers dasselbe ist wie das des Nen- ners. Im Nenner ist v der gesamte, durchschnittlich als variables Kapital, fr Arbeitslohn verwandte Teil des Gesamtkapitals. Das v des Z„hlers ist zun„chst nur bestimmt dadurch, daá es ein gewis- ses Quantum Mehrwert = m produziert und angeeignet hat, dessen Verh„ltnis zu ihm m/v die Mehrwertsrate m' ist. Nur auf diesem Wege hat sich die Gleichung p' = m/(c+v+) verwandelt in die an- dre: p' =m'v/(c+v). Das v des Z„hlers wird nun n„her dahin be- stimmt, daá es gleich sein muá dem v des Nenners, d.h. dem ge- samten variablen Teil des Kapitals C. In andern Worten, die Glei- chung p' = m/C l„át sich nur dann ohne Fehler in die andre p' = m'v/(c+v) verwandeln, wenn m den in e i n e r Umschlagsperiode des variablen Kapitals produzierten Mehrwert bedeutet. Umfaát in nur einen Teil dieses Mehrwerts, so ist in m'v zwar richtig, aber dies v ist hier kleiner als das v in C = c + v, weil weniger als das ganze variable Kapital in Arbeitslohn ausgelegt worden. Um- faát in aber mehr als den Mehrwert eines Umschlags von v, so fun- giert ein Teil dieses v oder auch das Ganze zweimal, zuerst im ersten, dann im zweiten, resp. zweiten und fernern Umschlag; das v, das den Mehrwert produziert und das die Summe aller gezahlten Arbeitsl”hne ist, ist also gr”áer als das v in c + v, und die Rechnung wird unrichtig. Damit die Formel fr die Jahresprofitrate exakt richtig werde, mssen wir statt der einfachen Mehrwertsrate die Jahresrate des Mehrwerts einsetzen, also statt m' setzen M' oder m'n. Mit andern Worten, wir mssen m', die Mehrwertsrate - oder was auf dasselbe herauskommt, den in C enthaltnen variablen Kapitaltell v - mit n, der Anzahl der Umschl„ge dieses variablen Kapitals im Jahr, mul- tiplizieren, und wir erhalten so: p' = m'nv/C, welches die Formel zur Berechnung der Jahresprofitrate ist. Wie groá aber das variable Kapital in einem Gesch„ft ist, das weiá in den allermeisten F„llen der Kapitalist selbst nicht. Wir haben im achten Kapitel des zweiten Buchs gesehn und werden es noch weiterhin sehn, daá ----- 1*) Siehe Band 24 unserer Ausgabe, S. 307 #85# 4. Kapitel - Wirkung des Umschlags auf die Profitrate ----- der einzige Unterschied innerhalb seines Kapitals, der sich dem Kapitalisten als wesentlich aufdr„ngt, der Unterschied von fixem und zirkulierendem Kapital ist. Aus der Kasse, die den in Geld- form in seinen H„nden befindlichen Teil des zirkullerenden Kapi- tals enth„lt, soweit dieser nicht auf der Bank liegt, holt er das Geld fr Arbeitslohn, aus derselben Kasse das Geld fr Roh- und Hilfsstoffe und schreibt beides einem und demselben Kassakonto gut. Und sollte er auch ein besonderes Konto ber die gezahlten Arbeitsl”hne fhren, so wrde dies am Jahresschluá zwar die dafr gezahlte Summe, also vn, aufweisen, aber nicht das variable Kapi- tal v selbst. Um dies zu ermitteln, máte er eine eigne Berech- nung anstellen, von der wir hier ein Beispiel geben wollen. Wir nehmen dazu die in Buch I, S. 209/201 1*) beschriebne Baum- wollspinnerei von 10 000 Mulespindeln und nehmen dabei an, daá die fr eine Woche des April 1871 gegebnen Daten fr das ganze Jahr Geltung behielten. Das in der Maschinerie steckende fixe Ka- pital war 10 000 Pfd.St. Das zirkullerende Kapital war nicht an- gegeben; wir nehmen an, es sei 2500 Pfd. St. gewesen, ein ziem- lich hoher Ansatz, der aber gerechtfertigt ist durch die Annahme, die wir hier immer machen mssen, daá keine Kreditoperationen stattfinden, also keine dauernde oder zeitweilige Benutzung von fremdem Kapital. Das Wochenprodukt war seinem Wert nach zusammen- gesetzt aus 20 Pfd.St. fr Verschleiá der Maschinerie, 358 Pfd.St. zirkulierendem konstantem Kapitalvorschuá (Miete 6 Pfd.St., Baumwolle 342 Pfd.St., Kohlen, Gas, ™l 10 Pfd.St.), 52 Pfd.St. in Arbeitslohn ausgelegtem variablem Kapital und 80 Pfd.St. Mehrwert, also: 20c (Verschleiá) + 358c + 52v + 80m = 510. Der w”chentliche Vorschuá an zirkulierendem Kapital war also 358c + 52v = 410, und seine prozentige Zusammensetzung = 87,3c + 12,7v. Dies auf das ganze zirkulierende Kapital von 2500 Pfd.St. berechnet, ergibt 2182 Pfd.St. konstantes und 318 Pfd.St. va- riables Kapital. Da die Gesamtauslage fr Arbeitslohn im Jahr 52mal 52 Pfd.St. war, also 2704 Pfd.St., ergibt sich, daá das va- riable Kapital von 318 Pfd.St. im Jahr fast genau 8 1/2mal um- schlug. Die Rate des Mehrwerts war 80/52 = 153 11/13 %. Aus die- sen Elementen berechnen wir die Profitrate, indem wir in der For- mel p' = m'nv/C die Werte einsetzen: m' = 153 11/13, n = 8 1/2, v = 318, C = 12 500; also: p' = 153 11/13 x 8 1/2 x 318/12 500 = 33,27%. ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 233 #86# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerte in Profit usw. ----- Die Probe hierauf machen wir durch den Gebrauch der einfachen Formel p' x m/C. Der Gesamtmehrwert oder Profit im Jahr bel„uft sich auf 80 Pfd.St. + 52 = 4160 Pfd.St., dies dividiert durch das Gesamtkapital von 12 500 Pfd. St. ergibt fast wie oben 33,28%, eine abnorm hohe Profitrate, die nur aus den momentan „uáerst gnstigen Verh„ltnissen (sehr wohlfeile Baumwollpreise neben sehr hohen Garnpreisen) sich erkl„rt und in Wirklichkeit sicher nicht das ganze Jahr durch gegolten hat. In der Formel p' = m'nv/C ist m'n, wie gesagt, das was im zweiten Buch als die Jahresrate des Mehrwerts bezeichnet wurde. Sie be- tr„gt im obigen Fall 153 11/13% x 8 1/2, oder genau gerechnet 1307 9/13%. Wenn also ein gewisser Biedermann ber die im zweiten Buch in einem Beispiel aufgestellte Ungeheuerlichkeit einer Jah- resrate des Mehrwerts von 1000% die H„nde ber dem Kopf zusammen- geschlagen hat, so wird er sich vielleicht beruhigen bei der ihm hier aus der lebendigen Praxis von Manchester vorgefhrten Tatsa- che einer Jahresrate des Mehrwerts von ber 1300%. In Zeiten h”chster Prosperit„t, wie wir sie freilich schon lange nicht mehr durchgemacht, ist eine solche Rate keineswegs eine Seltenheit. Beil„ufig haben wir hier ein Beispiel von der tats„chlichen Zu- sammensetzung des Kapitals innerhalb der modernen groáen Indu- strie. Das Gesamtkapital teilt sich in 12 182 Pfd.St. konstantes und 318 Pfd.St. variables Kapital, zusammen 12 500 Pfd.St. Oder prozentig: 97 1/2c + 2 1/2v = 100C. Nur der vierzigste Teil des Ganzen dient, aber in mehr als achtmaliger Wiederkehr im Jahr, zur Bestreitung von Arbeitslohn. Da es wohl nur wenigen Kapitali- sten einf„llt, derartige Berechnungen ber ihr eignes Gesch„ft anzustellen, so schweigt die Statistik fast absolut ber das Ver- h„ltnis des konstanten Teils des gesellschaftlichen Gesamtkapi- tals zum variablen Teil. Nur der amerikanische Zensus gibt, was unter den heutigen Verh„ltnissen m”glich: die Summe der in jedem Gesch„ftszweig gezahlten Arbeitsl”hne und der gemachten Profite. So anrchig diese Daten auch sind, weil nur auf unkontrollierten Angaben der Industriellen selbst beruhend, so sind sie doch „u- áerst wertvoll und das einzige, was wir ber den Gegenstand ha- ben. In Europa sind wir viel zu zattfhlend, um unsern Groáindu- striellen dergleichen Enthllungen zuzumuten. - F. E.} #87# ----- FšNFTES KAPITEL ™konomie in der Anwendung des konstanten Kapitals I. Im allgemeinen Die Vermehrung des absoluten Mehrwerts oder die Verl„ngerung der Mehrarbeit und darum des Arbeitstags, bei gleichbleibendem varia- blem Kapital, also bei Anwendung derselben Arbeiteranzahl zu no- minell demselben Lohn - wobei es gleichgltig, ob die šberzeit bezahlt wird oder nicht - senkt relativ den Wert des konstanten Kapitals gegenber dem Gesamtkapital und dem variablen Kapital und erh”ht dadurch die Profitrate, auch abgesehn von dem Wachstum und der Masse des Mehrwerts und der m”glicherweise steigenden Rate des Mehrwerts. Der Umfang des fixen Teils des konstanten Ka- pitals, Fabrikgeb„ude, Maschinerie etc. bleibt derselbe, ob 16 oder 12 Stunden damit gearbeitet wird. Die Verl„ngerung des Ar- beitstags erheischt keine neue Auslage in diesem, dem kostspie- ligsten Teil des konstanten Kapitals. Es kommt hinzu, daá der Wert des fixen Kapitals so in einer krzern Reihe von Um- schlagsperioden reproduziert, also die Zeit verkrzt wird, fr die es vorgeschossen werden muá, um einen bestimmten Profit zu machen. Die Verl„ngerung des Arbeitstags steigert daher den Pro- fit, selbst wenn die Oberzeit bezahlt, und bis zu einer gewissen Grenze, selbst wenn sie h”her bezahlt wird als die normalen Ar- beitsstunden. Die stets wachsende Notwendigkeit der Vermehrung des fixen Kapitals im modernen Industriesystem war daher ein Hauptstachel zur Verl„ngerung des Arbeitstags fr profitwtige Kapitalisten. 11) --- 11) Da in allen Fabriken ein sehr hoher Betrag von fixem Kapital in Geb„uden und Maschinen steckt, so wird der Gewinn um so gr”áer sein, je gr”áer die Anzahl der Stunden, w„hrend deren diese Ma- schinerie in Arbeit gehalten werden kann." ("Rep. of Insp. of Fact., October 31, 1858", p. 8.) #88# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Es findet nicht dasselbe Verh„ltnis bei konstantem Arbeitstag statt. Es ist hier entweder n”tig, die Zahl der Arbeiter und mit ihnen auch zu einem gewissen Verh„ltnis die Masse des fixen Kapi- tals, der Baulichke'ten, Maschinerie etc. zu vermehren, um eine gr”áere Masse von Arbeit zu exploitieren (denn es wird hier abge- sehn von Abzgen am Lohn oder Herabpressen des Lohns unter seine normale H”he). Oder, wo die Intensit„t der Arbeit vermehrt, be- ziehungsweise die Produktivkraft der Arbeit erh”ht, berhaupt mehr relativer Mehrwert erzeugt werden soll, w„chst in den Indu- striezweigen, die Rohstoff anwenden, die Masse des zirkulierenden Teils des konstanten Kapitals, indem mehr Rohstoff etc. in dem gegebnen Zeitraum verarbeitet wird; und zweitens w„chst die von derselben Zahl Arbeiter in Bewegung gesetzte Maschinerie, also auch dieser Teil des konstanten Kapitals. Das Wachsen des Mehr- werts ist also begleitet von einem Wachsen des konstanten Kapi- tals, die wachsende Exploitation der Arbeit von einer Verteuerung der Produktionsbedingungen, vermittelst welcher die Arbeit ex- ploitiert wird, d.h. von gr”áter Kapitalauslage. Die Profitrate wird also hierdurch auf der einen Seite vermindert, wenn auf der andern erh”ht. Eine ganze Reihe laufender Unkosten bleibt sich beinahe oder ganz gleich bei l„ngrem wie bei krzrem Arbeitstag. Die Aufsichtsko- sten sind geringer fr 500 Arbeiter bei 18 Arbeitsstunden als fr 750 bei 12 Stunden. "Die Betriebskosten einer Fabrik bei zehnstndiger Arbeit sind beinahe gleich hoch wie bei zw”lfstndiger." ("Rep. Fact., Oct. 1848", p. 37.) Staats- und Gemeindesteuern, Feuerversichrung, Lohn verschiedner st„ndiger Angestellter, Entwertung der Maschinerie und ver- schiedne andre Unkosten einer Fabrik laufen unver„ndert voran bei langer oder kurzer Arbeitszeit; im Verh„ltnis wie die Produktion abnimmt, steigen sie gegenber dem Profit. ("Rep. Fact., Oct. 1862", p. 19.) Die Zeitdauer, worin sich der Wert der Maschinerie und andrer Be- standteile des fixen Kapitals reproduziert, ist praktisch be- stimmt nicht durch die Zeit ihrer bloáen Dauer, sondern durch die Gesamtdauer des Arbeitsprozesses, w„hrend dessen sie wirkt und vernutzt wird. Mssen die Arbeiter 18 Stunden statt 12 schanzen, so gibt dies drei Tage mehr auf die Woche, eine Woche wird zu an- derthalb, zwei Jahre zu drei. Wird die šberzeit nicht bezahlt, so geben die Arbeiter also, auáer der normalen Mehrarbeitszeit, auf zwei Wochen die dritte, auf zwei Jahre das dritte gratis. Und so wird die Wertreproduktion der Maschinerie um 50% gesteigert und in 2/3 der sonst notwendigen Zeit erreicht. #89# 5. Kapitel - ™konomie in der Anwendung des konst. Kapitals ----- Wir gehn bei dieser Untersuchung sowie bei der ber die Preis- schwankungen des Rohmaterials (in Kap. VI) von der Voraussetzung aus, daá Masse und Rate des Mehrwerts gegeben sind - zur Vermei- dung nutzloser Komplikationen. Wie bereits bei Darstellung der Kooperation, der Teilung der Ar- beit und der Maschinerie hervorgehoben 1*), entspringt die ™kono- mie in den Produktionsbedingungen, welche die Produktion auf groáer Stufenleiter se Bedingungen als Bedingungen charakteri- siert, wesentlich daraus, daá die gesellschaftlicher, gesell- schaftlich kombinierter Arbeit, also als gesellschaftliche Bedin- gungen der Arbeit fungieren. Sie werden gemeinsam im Produktions- prozeá konsumiert, vom Gesamtarbeiter, statt in zersplitterter Form von einer Masse unzusammenh„ngender oder h”chstens auf klei- nem Maástab unmittelbar kooperierender Arbeiter. In einer groáen Fabrik mit einem oder zwei Zentralmotoren wachsen die Kosten die- ser Motoren nicht in demselben Verh„ltnis wie ihre Pferdekraft und daher ihre m”gliche Wirkungssph„re; die Kosten der šbertra- gungsmaschinerie wachsen nicht in demselben Verh„ltnis wie die Masse der Arbeitsmaschinen, denen sie die Bewegung mitteilt; der Rumpf der Arbeitsmaschine selbst verteuert sich nicht im Verh„lt- nis mit der steigenden Anzahl der Werkzeuge, womit als mit ihren Organen sie fungiert usw. Die Konzentration der Produktionsmittel erspart ferner Baulichkeiten aller Art, nicht nur fr die eigent- lichen Werkst„tten, sondern auch fr die Lagerlokale usw. Ebenso verh„lt es sich mit den Ausgaben fr Feuerung, Beleuchtung usw. Andre Produktionsbedingungen bleiben dieselben, ob von wenigen oder vielen benutzt. Diese ganze ™konomie, die aus der Konzentration der Produktions- mittel und ihrer massenhaften Anwendung entspringt, setzt aber als wesentliche Bedingung die Anh„ufung und das Zusammenwirken der Arbeiter voraus, also gesellschaftliche Kombination der Ar- beit. Sie entspringt daher ebensogut aus dem gesellschaftlichen Charakter der Arbeit, wie der Mehrwert aus der Mehrarbeit jedes einzelnen Arbeiters, fr sich isoliert betrachet. Selbst die be- st„ndigen Verbesserungen, die hier m”glich und notwendig sind, entspringen einzig und allein aus den gesellschaftlichen Erfah- rungen und Beobachtungen, welche die Produktion des auf groáer Stufenleiter kombinierten Gesaintarbeiters gew„hrt und erlaubt. Dasselbe gilt von dem zweiten groáen Zweig der ™konomie in den Produktionsbedingungen. Wir meinen die Rckverwandlung der Exkre- mente der Produktion, ihrer sogenannten Abf„lle, in neue Produk- tionselernente sei ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 343/344 #90# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- es desselben, sei es eines andern Industriezweigs; die Prozesse, wodurch diese sogenannten Exkremente in den Kreislauf der Produk- tion und daher der Konsumtion - produktiver oder individueller - zurckgeschleudert werden. Auch dieser Zweig der Ersparungen, auf den wir sp„ter etwas n„her eingehn, ist das Resultat der gesell- schaftlichen Arbeit auf groáer Stufenleiter. Es ist die ihr ent- sprechende Massenhaftigkeit dieser Abf„lle, die sie selbst wieder zu Handelsgegenst„nden und damit zu neuen Elementen der Produk- tion macht. Nur als Abf„lle gemeinsamer Produktion, und daher der Produktion auf groáer Stufenleiter, erhalten sie diese Wichtig- keit fr den Produktionsprozeá, bleiben sie Tr„ger von Tausch- wert. Diese Abf„lle abgesehn von dem Dienst, den sie als neue Produktionselemente leisten verwohlfeilern, im Maá wie sie wieder verkaufbar werden, die Kosten des Rohstoffs, in welche immer sein normaler Abfall eingerechnet ist, n„mlich das Quantum, das durch- schnittlich bei seiner Bearbeitung verlorengehn muá. Die Vermin- derung der Kosten dieses Teils des konstanten Kapitals erh”ht pro tanto die Profitrate bei gegebner Gr”áe des variablen Kapitals und gegebner Rate des Mehrwerts. Wenn der Mehrwert gegeben ist, kann die Profitrate nur vermehrt werden durch Verminderung des Werts des zur Warenproduktion erheischten konstanten Kapitals. Soweit das konstante Kapital in die Produktion der Waren eingeht, ist es nicht sein Tauschwert, sondern sein Gebrauchswert, der al- lein in Betracht kommt. Wieviel Arbeit der Flachs in einer Spin- nerei einsaugen kann, h„ngt nicht von seinem Wert ab, sondern von seiner Quantit„t, wenn der Grad der Produktivit„t der Arbeit, d.h. die Stufe der technischen Entwicklung gegeben ist. Ebenso h„ngt die Beihilfe, die eine Maschine z. B. drei Arbeitern lei- stet, nicht von ihrem Wert, sondern von ihrem Gebrauchswert als Maschine ab. Auf einer Stufe der technischen Entwicklung kann eine schlechte Maschine kostspielig, auf einer andern eine gute Maschine wohlfeil sein. Der gesteigerte Profit, den ein Kapitalist dadurch erh„lt, daá z. B. Baumwolle und Spinnmaschinerie wohlfeiler geworden, ist das Resultat der gesteigerten Produktivit„t der Arbeit, zwar nicht in der Spinnerei, wohl aber im Maschinen- und Baumwollenbau. Um ein gegebnes Quantum Arbeit zu vergegenst„ndlichen, also ein gegebnes Quantum Mehrarbeit anzueignen, bedarf es geringrer Auslage in den Bedingungen der Arbeit. Es fallen die Kosten, die erheischt sind, um dies bestimmte Quantum Mehrarbeit anzueignen. Es ist schon gesprochen worden von der Ersparung, die aus der ge- meinschaftlichen Anwendung der Produktionsmittel durch den Ge- samtarbeiterden #91# 5. Kapitel - ™konomie in der Anwendung des konst. Kapitals ----- gesellschaftlich kombinierten Arbeiter - im Produktionsprozeá er- folgt. Weitere, aus der Abkrzung der Zrkulatonszeit (wo Entwick- lung der Kommunikationsmittel wesentliches materielles Moment) entspringende Ersparung n der Auslage von konstantem Kapital wird weiter unten betrachtet werden. Hier aber soll gleich noch ge- dacht werden der ™konomie, die hervorgeht aus der fortw„hrenden Verbesserung der Maschinerie, n„mlich 1. ihres Stoffs, z.B. Eisen statt Holz; 2. der Verwohlfellerung der Maschinerie durch Verbes- serung der Maschinenfabrikation šberhaupt; so daá, obgleich der Wert des fixen Teils des konstanten Kapitals best„ndig w„chst mit der Entwicklung der Arbeit auf groáer Stufenleiter, er weitaus nicht in demselben Grad w„chst"; 3. der speziellen Verbesserun- gen, die der schon vorhandenen Maschinerie erlauben, wohlfeller und wirksamer zu arbeiten, z.B. Verbesserung der Dampfkessel etc., worber sp„ter noch etwas im einzelnen; 4. der Verminderung der Abf„lle durch bessere Maschinerie. Alles, was den Verschleiá der Maschinerie und berhaupt des fixen Kapitals fr eine gegebne Produktionsperiode vermindert, verwohl- feilert nicht nur die einzelne Ware, da jede einzelne Ware den auf sie fallenden aliquoten Teil des Verschleiáes in ihrem Preis reproduziert, sondern vermindert die aliquote Kapitalauslage fr diese Periode. Reparaturarbeiten u. dgl., im Maá wie sie n”tig werden, z„hlen bei der Rechnung zu den Originalkosten der Maschi- nerie. Ihre Verminderung, infolge der gr”áern Dauerhaftigkeit der Maschinerie, vermindert pro tanto deren Preis. Von aller ™konomie dieser Art gilt groáenteils wieder, daá sie nur m”glich ist fr den kombinierten Arbeiter und sich oft erst verwirklichen kann bei Arbeiten auf noch gr”árer Stufenleiter, daá sie also noch gr”áre Kombination von Arbeitern unmittelbar im Produktionsprozeá erheischt. Andrerseits aber erscheint hier die Entwicklung der Produktiv- kraft der Arbeit in e i n e m Produktionszweig, z.B. in der Produktion von Eisen, Kohlen, Maschinen, in der Baukunst usw., die zum Teil wieder zusammenh„ngen mag mit Fortschritten im Ge- biet der geistigen Produktion, namentlich der Naturwissenschaft und ihrer Anwendung, als die Bedingung der Verminderung des Werts und damit der Kosten, der Produktionsmittel in a n d e r n In- dustriezweigen, z.B. der Textilindustrie oder dem Ackerbau. Es ergibt sich dies von selbst, da die Ware, die als Produkt aus ei- nem Industriezweig herauskommt, als Produktionsmittel in den an- dern wieder eingeht. Ihre gr”áre oder geringre Wohlfeilheit h„ngt ab von der Produktivit„t der Arbeit in dem Produktionszweig, aus dem sie als Produkt herauskommt, und ist ----- 12) S. Ure ber den Fortschritt im Bau der Fabriken. #92# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- gleichzeitig Bedingung nicht nur fr die Verwohlfeilerung der Wa- ren, in deren Produktion sie als Produktionsmittel eingeht, son- dern auch fr die Wertverminderung des konstanten Kapitals, des- sen Element sie hier wird, und daher fr die Erh”hung der Pro- fitrate. Das Charakteristische dieser Art der ™konomie des konstanten Ka- pitals, die aus der fortschreitenden Entwicklung der Industrie hervorgeht, ist, daá hier das Steigen der Profitrate in einem In- dustriezweig geschuldet wird der Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit in einem andern. Was hier dem Kapitalisten zugut kommt, ist wieder ein Gewinn, der das Produkt der gesellschaftli- chen Arbeit ist, wenn auch nicht das Produkt der direkt von ihm selbst exploitierten Arbeiter. Jene Entwicklung der Produktiv- kraft fhrt sich in letzter Instanz immer zurck auf den gesell- schaftlichen Charakter der in T„tigkeit gesetzten Arbeit; auf die Teilung der Arbeit innerhalb der Gesellschaft; auf die Entwick- lung der geistigen Arbeit, namentlich der Naturwissenschaft. Was der Kapitalist hier benutzt, sind die Vorteile des gesamten Sy- stems der gesellschaftlichen Arbeitsteilung. Es ist die Entwick- lung der Produktivkraft der Arbeit in ihrer ausw„rtigen Abtei- lung, in der Abteilung, die ihm Produktionsmittel liefert, wo- durch hier der Wert des vom Kapitalisten angewandten konstanten Kapitals relativ gesenkt, also die Profitrate erh”ht wird. Eine andre Steigerung der Profitrate entspringt nicht aus der ™konomie der Arbeit, wodurch das konstante Kapital produziert wird, sondern aus der ™konomie in der Anwendung des konstanten Kapitals selbst. Durch die Konzentration der Arbeiter und ihre Kooperation auf groáem Maástab wird einerseits konstantes Kapital gespart. Dieselben Geb„ude, Heiz- und Beleuchtungsvorrichtungen usw. kosten verh„ltnism„áig weniger fr groáe als fr kleine Pro- duktionsstufen. Dasselbe gilt von der Kraft- und Arbeitsma- schinerle. Obgleich ihr Wert absolut steigt, f„llt er relativ, im Verh„ltnis zur steigenden Ausdehnung der Produktion und zur Gr”áe des variablen Kapitals oder der Masse der Arbeitskraft, die in Bewegung gesetzt wird. Die ™konomie, die ein Kapital in seinem eignen Produktionszweig anwendet, besteht zun„chst und direkt in ™konomie der Arbeit, d.h. in Verringerung der bezahlten Arbeit seiner eignen Arbeiter; die vorher erw„hnte ™konomie besteht da- gegen darin, diese gr”átm”gliche Aneignung fremder unbezahlter Arbeit auf m”glichst ”konomische Weise, d.h. auf dem gegebnen Produktionsmaástab mit m”glichst geringen Kosten zu bewerkstelli- gen. Soweit diese ™konomie nicht beruht auf der schon erw„hnten Ausbeutung der Produktivit„t der in der Produktion des konstanten Kapitals angewandten gesellschaftlichen Arbeit, sondern in der ™konomie #93# 5. Kapitel - ™konomie in der Anwendung des konst. Kapitals ----- in Anwendung des konstanten Kapitals selbst, entspringt sie ent- weder direkt aus der Kooperation und gesellschaftlichen Form der Arbeit innerhalb des bestimmten Produktionszweigs selbst oder aus der Produktion der Maschinerie usw. auf einer Stufenleiter, worin ihr Wert nicht in demselben Grad w„chst wie ihr Gebrauchswert. Es sind hier zwei Punkte im Auge zu halten: W„re der Wert von c = 0, also w„re p' = m', und die Profitrate st„nde auf ihrem Maxi- mum. Zweitens aber: Was das wichtige fr die unmittelbare Ex- ploitation der Arbeit selbst ist, ist keineswegs der Wert der an- gewandten Exploitationsmittel, sei es des fixen Kapitals, sei es der Roh- und Hilfsstoffe. Soweit sie dienen als Aufsauger von Ar- beit, als Media, worin oder wodurch sich die Arbeit und darum auch die Mehrarbeit vergegenst„ndlicht, ist der Tauschwert der Maschinerie, der Geb„ude, der Rohstoffe etc. vollst„ndig gleich- gltig. Worauf es ausschlieálich ankommt, ist einerseits ihre Masse, wie sie technisch zur Verbindung mit einem bestimmten Quantum lebendiger Arbeit erheischt ist, andrerseits ihre Zweck- gem„áheit, also nicht nur gute Maschinerie, sondern auch gute Roh- und Hilfsstoffe. Von der Gte des Rohstoffs h„ngt z.T. die Profitrate ab. Gutes Material liefert weniger Abfall; es ist also eine geringre Masse von Rohstoff fr die Aufsaugung desselben Quan. tums Arbeit erheischt. Ferner ist der Widerstand geringer, den die Arbeitsmaschine findet. Z.T. wirkt dies sogar auf den Mehrwert und auf die Rate des Mehrwerts. Der Arbeiter braucht bei schlechtem Rohstoff mehr Zeit, um dasselbe Quantum zu verarbei- ten; bei gleichbleibender Lohnzahlung ergibt dies einen Abzug von der Mehrarbeit. Es wirkt dies ferner sehr bedeutend ein auf die Reproduktion und Akkumulation des Kapitals, die, wie Buch 1, S. 627/619 1*) und folgende entwickelt, noch mehr von der Produkti- vit„t als von der Masse der angewandten Arbeit abh„ngt. Begreiflich ist daher der Fanatismus des Kapitalisten fr ™kono- misierung der Produktionsmittel. Daá nichts umkommt oder ver- schleudert wird, daá die Produktionsmittel nur in der durch die Produktion selbst erheischten Weise verbraucht werden, h„ngt teils von der Dressur und Bildung der Arbeiter ab, teils von der Disziplin, die der Kapitalist ber die kombinierten Arbeiter aus- bt und die berflssig wird in einem Gesellschaftszustand, wo die Arbeiter fr ihre eigne Rechnung arbeiten, wie sie jetzt schon beim Stcklohn fast ganz berflssig wird. Dieser Fanatis- mus „uáert sich auch umgekehrt in der F„lschung der Produktionse- lemente, die ein Hauptmittel ist, den Wert des konstanten Kapi- tals im Verh„ltnis zum variablen zu ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 631 #94# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- senken und so die Rate des Profits zu erh”hen; wobei denn noch der Verkauf dieser Produktionselemente ber ihrem Wert, soweit dieser Wert im Produkt wiedererscheint, als bedeutendes Element der Prellerei hinzukommt. Dies Moment spielt entscheidende Rolle namentlich in der deutschen Industrie, deren Grundsatz ist: Es kann den Leuten ja nur angenehm sein, wenn wir ihnen zuerst gute Proben schicken und nachher schlechte Ware. Indes diese der Kon- kurrenz angeh”rigen Erscheinungen gehn uns hier nichts an. Es ist zu merken, daá diese durch Verminderung des Werts, also der Kost- spieligkeit des konstanten Kapitals hervorgebrachte Steigerung der Profitrate durchaus unabh„ngig davon ist, ob der Industrie- zweig, worin sie stattfindet, Luxusprodukte hervorbringt oder in den Konsum der Arbeiter eingehende Lebensmittel oder Produktions- mittel berhaupt. Letztrer Umstand wrde nur wichtig sein, soweit es sich um die Rate des Mehrwerts handelt, die wesentlich abh„ngt vom Wert der Arbeitskraft, d.h. vom Wert der herk”mmlichen Le- bensmittel des Arbeiters. Hier dagegen sind Mehrwert und Rate des Mehrwerts als gegeben vorausgesetzt. Wie der Mehrwert sich zum Gesamtkapital verh„lt - und dies bestimmt die Profitrate h„ngt unter diesen Umst„nden ausschlieálich vom Wert des konstanten Ka- pitals ab und in keiner Weise vom Gebrauchswert der Elemente, wo- raus es besteht. Die relative Verwohlfeilerung der Produktions- mittel schlieát natrlich nicht aus, daá ihre absolute Wertsumme w„chst; denn der absolute Umfang, worin sie angewandt werden, nimmt auáerordentlich zu mit der Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit und der sie begleitenden, wachsenden Stufenleiter der Produktion. Die ™konomie in der Anwendung des konstanten Kapi- tals, nach welcher Seite sie immer betrachtet werde, ist das Re- sultat, teils ausschlieálich davon, daá die Produktionsmittel als gemeinsame Produktionsmittel des kombinierten Arbeiters fungieren und verbraucht werden, so daá diese ™konomie selbst als ein Pro- dukt des gesellschaftlichen Charakters der unmittelbar produkti- ven Arbeit erscheint; teils aber ist sie das Resultat der Ent- wicklung der Produktivit„t der Arbeit in den Sph„ren, die dem Ka- pital seine Produktionsmittel liefern, so daá, wenn die Gesamtar- beit gegenber dem Gesamtkapital, nicht bloá die vom Kapitalisten X angewandten Arbeiter diesem Kapitalisten X gegenber betrachtet werden, diese ™konomie wieder als Produkt der Entwicklung dei Produktivkr„fte der gesellschaftlichen Arbeit sich darstellt und der Unterschied nur der ist, daá Kapitalist X nicht nur aus der Produktivit„t der Arbeit seiner eignen Werkstatt, sondern auch aus der von fremden Werkst„tten #95# 5. Kapitel - ™konomie in der Anwendung des konst. Kapitals ----- Vorteil zieht. Dennoch aber erscheint die ™konomie des konstanten Kapitals dem Kapitalisten als eine dem Arbeiter g„nzlich fremde und ihn absolut nichts angehende Bedingung, mit der der Arbeiter gar nichts zu tun hat; w„hrend es dem Kapitalisten immer sehr klar bleibt, daá der Arbeiter wohl etwas damit zu tun hat, ob der Kapitalist viel oder wenig Arbeit fr dasselbe Geld kauft (denn so erscheint in seinem Bewuátsein die Transaktion zwischen Kapi- talist und Arbeiter). In einem noch viel h”hern Grad als bei den andern der Arbeit innewohnenden Kr„ften erscheint diese ™konomie in Anwendung der Produktionsmittel, diese Methode, ein bestimmtes Resultat mit den geringsten Ausgaben zu erreichen, als eine dem Kapital inh„rente Kraft und als eine der kapitalistischen Produk- tionsweise eigentmliche und sie charakterisierende Methode. Diese Vorstellungsweise ist um so weniger befremdlich, als ihr der Schein der Tatsachen entspricht und als das Kapitalverh„ltnis in der Tat den innern Zusammenhang verbirgt in der vollst„ndigen Gleichgltigkeit, Žuáerlichkeit und Entfremdung, worin es den Ar- beiter versetzt gegenber den Bedingungen der Verwirklichung sei- ner eignen Arbeit. Erstens: Die Produktionsmittel, aus denen das konstante Kapital besteht, repr„sentieren nur das Geld des Kapitalisten (wie der Leib des r”mischen Schuldners das Geld seines Gl„ubigers nach Linguet [10]) und stehn in einem Verh„ltnis nur zu ihm, w„hrend der Arbeiter, soweit er im wirklichen Produktionsprozeá mit ihnen in Berhrung kommt, sich mit ihnen befaát nur als mit Gebrauchs- werten der Produktion, Arbeitsmitteln und Arbeitsstoff. Die Ab- oder Zunahme dieses Werts ist also eine Sache, die sein Verh„lt- nis zum Kapitalisten sowenig berhrt wie der Umstand, ob er in Kupfer oder in Eisen arbeitet. Allerdings liebt es der Kapita- list, die Sache, wie wir sp„ter andeuten werden, anders aufzufas- sen, sobald Wertzunahme der Produktionsmittel und dadurch Vermin- derung der Profitrate stattfindet. Zweitens: Soweit diese Produktionsmittel im kapitalistischen Pro- duktionsprozeá zugleich Exploitationsmittel der Arbeit sind, km- mert die relative Wohlfellheit oder Kostspieligkeit dieser Ex- ploitationsmittel den trbeiter ebensowenig, wie es ein Pferd krnmert, ob es mit einem teuern oder wohlfeilen Gebiá und Zaum regiert wird. Endlich verh„lt sich, wie frher 1*) gesehn, der Arbeiter in der Tat zu dem gesellschaftlichen Charakter seiner Arbeit, zu ihrer Kombination mit der 1Arbeit andrer fr einen gemeinsamen Zweck, als zu einer ihm fremden Macht; die Verwirklichungsbechngungen dieser Kombination sind ihm ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 344-345 #96# 1. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- fremdes Eigentum, dessen Verschleuderung ihm v”llig gleichgltig w„re, wrde er nicht zur ™konomisierung desselben gezwungen. Ganz anders ist dies in den den Arbeitern selbst geh”rigen Fabriken, z.B. zu Rochdale. [11] Es bedarf also kaum der Erw„hnung, daá, soweit die Produktivit„t der Arbeit in dem einen Produktionszweig als Verwohlfeilerung und Verbesserung der Produktionsmittel in dem andern erscheint und damit zur Erh”hung der Profitrate dient, dieser allgemeine Zusam- menhang der gesellschaftlichen Arbeit als etwas den Arbeitern durchaus Fremdes auftritt, das in der Tat nur den Kapitalisten angeht, sofern er allein diese Produktionsmittel kauft und sich aneignet. Daá er das Produkt der Arbeiter in einem fremden Pro- duktionszweig mit dem Produkt der Arbeiter in seinem eignen Pro- duktionszweig kauft und daher ber das Produkt fremder Arbeiter nur verfgt, soweit er sich das seiner eignen unentgeltlich ange- eignet hat, ist ein Zusammenhang, der durch den Zirkulationspro- zeá usw. glcklich verdeckt ist. Es kommt hinzu, daá, wie die Produktion im groáen sich zuerst in der kapitalistischen Form entwickelt, so die Profitwut einer- seits, die Konkurrenz andrerseits, die zu m”glichst wohlfeller Produktion der Waren zwingt, diese ™konomie in Anwendung des kon- stanten Kapitals als der kapitalistischen Produktionsweise eigen- tmlich und daher als Funktion des Kapitalisten erscheinen l„át. Wie die kapitalistische Produktionsweise auf der einen Seite zur Entwicklung der Produktivkr„fte der gesellschaftlichen Arbeit, treibt sie auf der andern zur ™konomie in der Anwendung des kon- stanten Kapitals. Es bleibt jedoch nicht bei der Entfremdung und Gleichgltigkeit zwi schen dem Arbeiter, dem Tr„ger der lebendi- gen Arbeit hier, und der ”konomischen, d.h. rationellen und sparsamen Anwendung seiner Arbeitsbedingungen dort. Ihrer wider- sprechenden, gegens„tzlichen Natur nach geht die kapitalistische Produktionsweise dazu fort, die Verschwendung am Leben und der Gesundheit des Arbeiters, die Herabdrckung seiner Existenzbedin- gungen selbst zur ™konomie in der Anwendung des konstanten Kapi- tals zu z„hlen und damit zu Mitteln zur Erh”hung der Profitrate. Da der Arbeiter den gr”áten Teil seines Lebens im Produktionspro- zeá zubringt, so sind die Bedingungen des Produktionsprozesses zum groáen Teil Bedingungen seines aktiven Lebensprozesses, seine Lebensbedingungen, und die ™konomie in diesen Lebensbedingungen ist eine Methode, die Profitrate zu erh”hen; ganz wie wir frher schon sahen 1*), daá die šberarbeitung, ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausg, S. 245-320 #97# 5. Kapitel - ™konomie in der Anwendung des konst. Kapitals ----- die Verwandlung des Arbeiters in ein Arbeitsvieh, eine Methode ist, die Selbstverwertung des Kapitals, die Produktion des Mehr- werts zu beschleunigen. Diese ™konomie erstreckt sich auf šber- fllung enger, ungesunder gesunder R„ume mit Arbeitern, was auf kapitalistischer Ersparung an Baulichkeiten heiát: Zusammendr„n- gung gef„hrlicher Maschinerie in denselben R„umen und Vers„umnis von Schutzmitteln gegen die Gefahr; Unterlassung von Vorsichts- maáregeln in Produktionsprozessen, die ihrer Natur nach gesund- heitswidrig oder wie in Bergwerken mit Gefahr verbundenn sind usw. Gar nicht zu sprechen von Abwesenheit aller Anstalten, um dem Arbeiter den Produktionsprozeá zu vermenschlichen, angenehm oder nur ertr„glich zu machen. Es wrde dies vom kapitalistischen Standpunkt eine ganz zweck- und sinnlose Verschwendung sein. Die kapitalistische Produktion ist berhaupt bei aller Knauserei durchaus verschwenderisch mit dem Menschenmaterial, ganz wie sie andrerseits, dank der Methode der Verteilung ihrer Produkte durch den Handel und ihrer Manier der Konkurrenz, sehr verschwenderisch mit den materiellen Mitteln umgeht und auf der einen Seite fr die Gesellschaft verliert, was sie auf der andern fr den einzel- nen Kapitalisten gewinnt. Anwendung der Wie das Kapital die Tendenz hat, in der direkten lebendigen Arbeit sie auf notwendige Arbeit zu reduzieren und die zur Herstellung eines Produkts notwendige Arbeit stets abzukrzen durch Ausbeutung der gesellschaftlichen Produktivkr„fte der Ar- beit, also die direkt angewandte lebendige Aroeit m”glichst zu ”konomisieren, so hat es auch die Tendenz, diese auf ihr notwen- diges Maá reduzierte Arbeit unter den ”konomischsten Bedingungen anzuwenden, d.h. den Wert des angewandten konstanten Kapitals auf sein m”glichstes Minimum zu reduzieren. Wenn der Wert der Waren bestimmt ist durch die in ihnen enthaltne notwendige Arbeitszeit, nicht durch die berhaupt in ihnen enthaltne Arbeitszeit, so ist es das Kapital, das diese Bestimmung erst realisiert und zugleich fortw„hrend die zur Produktion einer Ware gesellschaftlich not- wendige Arbeitsit verkrzt. Der Preis der Ware wird dadurch auf sein Minimum reduziert, indem jeder Teil der zu ihrer Produktion erheischten Arbeit auf sein Minimum reduziert wird. Man muá bei der ™konomie in der Anwendung des konstanten Kapitals unterscheiden. W„chst die Masse und mit ihr die Wertsumme des an- gewandten Kapitals, so ist dies zun„chst nur Konzentration von mehr Kapital in einer Hand. Es ist aber gerade diese gr”áre, von einer Hand angewandte Masse - der meist auch eine absolut gr”áre, aber relativ kleinere Anzahl angewandter Arbeit entspricht -, die die ™konomie des konstanten #98#. 1. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Kapitals erlaubt. Den einzelnen Kapitalisten betrachtet, w„chst der Umfang der notwendigen Kapitalauslage, besonders beim fixen Kapital; aber mit Bezug auf die Masse des verarbeiteten Stoffs und der exploitierten Arbeit nimmt ihr Wert relativ ab. Es ist dies nun kurz durch einzelne Illustrationen auszufhren. Wir beginnen mit dem Ende, mit der ™konomie in den Produktionsbe- dingungen, soweit diese zugleich als Existenz- und Lebensbedin- gungen des Arbeiters sich darstellen. #98#. I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- II. Ersparnis an den Arbeitsbedingungen auf Kosten der Arbeiter Kohlenbergwerke. Vernachl„ssigung der notwendigsten Auslagen. "Bei der Konkurrenz, die unter den Besitzern von Kohlengruben... herrscht, werden nicht mehr Auslagen gemacht als n”tig sind, um die handgreiflichsten physisaen Schwierigkeiten zu benden; und bei der Konkurrenz unter den Grubenarbeitern, die gew”hnlich in šberzahl vorhanden sind, setzen diese sich bedeutenden Gefahren und den sch„dlichsten Einflssen mit Vergngen aus fr einen Lohn, der nur wenig h”her ist als der der benachbarten Land- tagl”hner, da die Bergwerksarbeit zudem gestattet, ihre Kinder profitlich zu verwenden. Diese doppelte Konkurrenz reicht voll- st„ndig hin... um zu bewirken, daá ein groáer Teil der Gruben mit der unvollkommensten Trockenlegung und Ventilation betrieben wird; oft mit schlecht gebauten Schachten, schlechtem Gest„nge, unf„higen Maschinisten, mit schlecht angelegten und schlecht aus- gebauten Stollen und Fahrbahnen; und dies verursacht eine Zerst”- rung an Leben, Gliedmaáen und Gesundheit, deren Statistik ein entsetzendes Bild darstellen wrde." ("First Report on Children's Employment in Mines and Collieries etc., 21. April 1829", p. 102.) In den englischen Kohlengruben wurden gegen 1860 w”chentlich im Durchschnitt 15 Mann get”tet. Nach dem Bericht ber "Coal Mines Accidents" (6. Febr. 1862) wurden in den 10 Jahren 1852-1861 zu- sammen 8466 get”tet. Diese Zahl ist aber viel zu gering, wie der Bericht selbst sagt, da in den ersten Jahren, als die Inspektoren erst eben eingesetzt und ihre Bezirke viel zu groá waren, eine groáe Masse Unglcks- und Todesf„lle gar nicht angemeldet wurden. Gerade der Umstand, daá trotz der noch sehr groáen Schl„chterei und der ungengenden Zahl und geringen Macht der Inspektoren, die Zahl der Unf„lle sehr abgenommen hat seit Einrichtung der Inspek- tion, zeigt die natrliche Tendenz der kapitalistischen Exploita- tion. - Diese Menschenopfer sind gr”átenteils geschuldet dem schmutzigen Geiz der Grubenbesitzer, die z.B. oft nur einen Schacht graben lieáen, #99# 5. Kapitel - ™konomie in der Anwendung des konst. Kapitals ----- so daá nicht nur keine wirksame Ventilation, sondern auch kein Ausweg m”glich, sobald der eine verstopft war. Die kapitalistische Produktion, wenn wir sie im einzelnen be- trachten und von dem Prozeá der Zirkulation und den šberwucherun- gen der Konkurrenz absehn, geht „uáerst sparsam um mit der ver- wirklichten, in Waren vergegenst„ndlichten Arbeit. Dagegen ist sie, weit mehr als jede andre Produktionsweise, eine Vergeuderin von Menschen, von lebendiger Arbeit, eine Vergeuderin nicht nur von Fleisch und Blut, sondern auch von Nerven und Hirn. Es ist in der Tat nur durch die ungeheuerste Verschwendung von individuel- ler Entwicklung, daá die Entwicklung der Menschheit berhaupt ge- sichert und durchgefhrt wird in der Geschichtsepoche, die der bewuáten Rekonstitution der menschlichen Gesellschaft unmittelbar vorausgeht. Da die ganze ™konomisierung, von der hier die Rede, entspringt aus dem gesellschaftlichen Charakter der Arbeit, so ist es in der Tat gerade dieser unmittelbar gesellschaftliche Charakter der Arbeit, der diese Verschwendung von Leben und Ge- sundheit der Arbeiter erzeugt. Charakteristisch in dieser Hin- sicht ist schon die vom Fabrikinspektor R. Baker aufgeworfne Frage: "The whole question is one for serious consideration, in what way this s a c r i f i c e o f i n f a n t l i f e o c c a s i o n e d b y c o n g r e g a t i o n a l labour can be best averted?" 1*) ("Rep. Fact., Oct. 1863", p. 157.) Fabriken. Es geh”rt hierher die Unterdrckung aller Vorsichtsmaá- regeln zur Sicherheit, Bequemlichkeit und Gesundheit der Arbeiter auch in den eigentlichen Fabriken. Ein groáer Teil der Schlacht- bulletins, die die Verwundeten und Get”teten der industriellen Armee aufz„hlen (siehe die allj„hrlichen Fabrikberichte), stammt hieher. Ebenso Mangel an Raum, Lftung etc. Noch Oktober 1855 beklagt sich Leonard Homer ber den Widerstand sehr zahlreicher Fabrikanten gegen die gesetzlichen Bestimmungen ber Schutzvorrichtungen an Horizontalwellen, trotzdem daá die Gefahr fortw„hrend durch, oft t”dliche, Unf„lle bewiesen wird und die Schutzvorrichtung weder kostspielig ist, noch den Betrieb ir- gendwie st”rt. ("Rep. Fact., Oct. 1855", p. 6.) In solchem Wider- stand gegen diese und andre gesetzliche Bestimmungen wurden die Fabrikanten redlich untersttzt von den unbezahlten Friedensrich- tern, die, meist selbst Fabrikanten oder deren Freunde, ber sol- che F„lle zu entscheiden hatten. Welcher Art die Urteile ----- 1*) "Die ganze Frage bedarf ernster šberlegung, wie dieses O p f e r a n K i n d e r l e b e n, d a s d u r c h d i e A r b e i t i n z u s a m m e n g e d r „ n g t e n M a s s e n v e r u r s a c h t w i r d, am besten vermieden werden kann." #100# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- dieser Herren waren, sagte der Oberrichter Campbell mit Bezug auf eins derselben, wogegen an ihn appelliert wurde: Dies ist nicht eine Auslegung des Parlamentsakts, es ist einfach seine Abschaf- fung' (l.c.p. 11). - In demselben Bericht erz„hlt Horner, daá in vielen Fabriken die Maschinerie in Bewegung gesetzt wird, ohne dies den Arbeitern vorher kundzugeben. Da auch an der stillste- henden Maschinerie immer etwas zu tun ist, sind dann immer H„nde und Finger darin besch„ftigt, und fortw„hrende Unf„lle entstehn aus dieser einfachen Unterlassung eines Signals (l.c.p. 44). Die Fabrikanten hatten damals eine Trades-Union zum Widerstand gegen die Fabrikgesetzgebung gebildet, die sog. "National Association for the Amendment of the Factory Laws" in Manchester, die im M„rz 1855 vermittelst Beitr„gen von 2 sh. per Pferdekraft eine Summe von ber 50 000 Pfd.St. aufbrachte, um hieraus die Prozeákosten der Mitglieder gegen gerichtliche Klagen der Fabrikinspektoren zu bestreiten und die Prozesse von Vereins wegen zu fhren. Es han- delte sich zu beweisen, daá killing no murder [12] ist, wenn es um des Profits willen geschieht. Der Fabrikinspektor fr Schott- land, Sir John Kincaid, erz„hlt von einer Firma in Glasgow, daá sie mit dem alten Eisen in ihrer Fabrik ihre s„mtliche Maschine- rie mit Schutzvorrichtungen versah, was ihr 9 Pfd. St. 1 sh. ko- stete. H„tte sie sich an jenen Verein angeschlossen, so h„tte sie fr ihre 110 Pferdekraft 11 Pfd.St. Beitrag zahlen mssen, also mehr als ihr die gesamte Schutzvorrichtung kostete. Die National Association war aber 1854 ausdrcklich gestiftet worden, um dem Gesetz zu trotzen, das solche Schutzvorrichtungen vorschrieb. W„hrend der ganzen Zeit von 1844-1854 hatten die Fabrikanten nicht die geringste Rcksicht darauf genommen. Auf Anweisung Pal- merstons kndigten die Fabrikinspektoren den Fabrikanten jetzt an, daá nun mit dem Gesetz Ernst gemacht werden soll. Sofort stifteten die Fabrikanten ihre Assoziation, unter deren hervorra- gendsten Mitgliedern viele selbst Friedensrichter waren und in dieser Eigenschaft das Gesetz selbst anzuwenden hatten. Als April 1855 der neue Minister des Innern, Sir George Grey, einen Ver- mittlungsvorschlag machte, wonach die Regierung sich mit fast nur nominellen Schutzvorrichtungen zufriedengeben wollte, wies die Assoziation auch dies mit Entrstung zurck. Bei verschiednen Prozessen gab sich der berhmte Ingenieur William 1*) Fairbairn dazu her, als Sachverst„ndiger zugunsten der ™konomie und ver- letzten Freiheit des Kapitals seinen Ruf in die Schanze zu schla- gen. Der Chef der Fabrikinspektion, Leonard Horner, wurde von den Fabrikanten in jeder Weise verfolgt und verl„stert. ----- 1*) 1. Auflage: Thomas #101# 5. Kapitel - ™konomie in der Anwendung des konst. Kapitals ----- Die Fabrikanten ruhten jedoch nicht, bis sie ein Urteil des Court of Queen's Bericht [13] erwirkt, nach dessen Auslegung das Gesetz von 1844 keine Schutzvorrichtungen vorschrieb bei Horizontalwel- len, die mehr als 7 Fuá ber dem Boden angebracht waren, und end- lich 1856 gelang es ihnen durch den Mucker Wilson-Patten - einen von jenen frommen Leuten, deren zur Schau getragne Religion sich stets bereit macht, den Rittern vom Geldsack zu Gefallen schmut- zige Arbeit zu tun - einen Parlamentsakt durchzusetzen, mit dem sie unter den Umst„nden zufrieden sein konnten. Der Akt entzog tats„chlich den Arbeitern allen besondren Schutz und verwies sie fr Schadenersatz bei Unf„llen durch Maschinerie an die gew”hnli- chen Gerichte (reiner Hohn bei englischen Gerichtskosten), w„h- rend er andrerseits durch eine sehr fein ausgetftelte Vorschrift wegen der einzuhaltenden Expertise es den Fabrikanten fast unm”g- lich machte, den Prozeá zu verlieren. Die Folge war rasche Zu- nahme der Unf„lle. Im Halbjahr Mai bis Oktober 1858 hatte Inspek- tor Baker eine Zunahme der Unf„lle von 21% allein gegen das vo- rige Halbjahr. 36,7% s„mtlicher Unf„lle konnten nach seiner An- sicht vermieden werden. Allerdings hatte 1858 und 1859 die Zahl der Unf„lle sich gegen 1845 und 1846 bedeutend vermindert, n„m- lich um 29%, bei einer Vermehrung der Arbeiterzahl in den der In- spektion unterworfnen Industriezweigen um 20%. Aber woher kam dies? Soweit der Streitpunkt bis jetzt (1865) erledigt ist, ist er haupts„chlich erledigt worden durch die Einfhrung neuer Ma- schinerie, bei der die Schutzvorrichtungen schon von vornherein angebracht sind und wo sie sich der Fabrikant gefallen l„át, weil sie ihm keine Extrakosten machen. Auch war es einigen Arbeitern gelungen, fr ihre verlernen Arme schweren gerichtlichen Schaden- ersatz und diese Urteile bis in die h”chste Instanz best„tigt zu erhalten. ("Rep., Fact., 30. April 1861", p. 31, ditto April 1862, p. 17.) Soweit ber ™konomie in den Mitteln zur Sicherung des Lebens und der Glieder der Arbeiter (worunter viele Kinder) vor den Gefah- ren, die direkt aus ihrer Verwendung bei Maschinerie entspringen. A r b e i t i n g e s c h l o á n e n R „ u m e n b e r h a u p t. - Es ist bekannt, wie sehr die ™konomie am Raum, und daher an den Baulichkeiten, die Arbeiter in engen Loka- len zusammendr„ngt. Dazu kommt noch ™konomie an den Lftungsmit- teln. Zusammen mit der l„ngern Arbeitszeit produziert beides groáe Vermehrung der Krankheiten der Atmungsorgane und folglich vermehrte Sterblichkeit. Die folgenden Illustrationen sind genom- men aus den Berichten ber "Public Health, 6th Rep. 1863"; der Bericht ist kompiliert von dem aus unserm Buch I wohlbekannten Dr. John Simon. Wie es die Kombination der Arbeiter und ihre Kooperation ist, die die #102# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Anwendung der Maschinerie auf groáer Stufenleiter, die Konzentra- tion der Produktionsmittel und die ™konomie in ihrer Anwendung erlaubt, so ist es dies massenhafte Zusammenarbeiten in geschloá- nen R„umen und unter Umst„nden, fr die nicht die Gesundheit der Arbeiter, sondern die erleichterte Herstellung des Produkts ent- scheidend ist - es ist diese massenhafte Konzentration in dersel- ben Werkstatt, die einerseits Quelle des wachsenden Profits fr den Kapitalisten, andrerseits aber auch, wenn nicht kompensiert sowohl durch Krze der Arbeitszeit wie durch besondere Vorsichts- maáregeln, zugleich Ursache der Verschwendung des Lebens und der Gesundheit der Arbeiter ist. Dr. Simon stellt als Regel auf, die er durch massenhafte Stati- stik beweist: "Im Verh„ltnis wie die Bev”lkerung einer Gegend auf gemeinschaft- liche Arbeit in geschloánen R„umen angewiesen wird, in demselben Verh„ltnis steigt, bei sonst gleichen Umst„nden, die Sterblich- keitsrate dieses Distrikts infolge von Lungenkrankheiten" (p. 23). Die Ursache ist die schlechte Ventilation. "Und wahrschein- lich gibt es in ganz England keine einzige Ausnahme von der Re- gel, daá in jedem Distrikt, der eine bedeutende, in geschloánen R„umen betriehne Industrie besitzt, die vermehrte Sterblichkeit dieser Arbeiter hinreicht, die Sterblichkeitsstatistik des ganzen Distrikts mit einem entschiednen rschuá von Lungenkrankheiten zu f„rben" (p. 23). Aus der Sterblichkeitsstatistik mit Bezug auf Industrien, die in geschloánen R„umen betrieben werden und die 1860 und 1861 vom Ge- sundheitsamt untersucht wurden, ergibt sich: auf dieselbe Zahl von M„nnern zwischen 15 und 55 Jahren, auf die in den englischen Ackerbaudistrikten 1 00 Todesf„lle von Schwindsucht und andren Lungenkrankheiten kommen, ist die Zahl fr eine gleiche Bev”lke- rungszahl von M„nnern: in Coventry 163 Todesf„lle von Schwind- sucht, in Blackburn und Skipton 167, in Congleton und Bradford 168, n Leicester 171, in Leek 182, in Macclesfield 184, in Bolton 190, in Nottingham 192, in Rochdale 193, in Derby 198, in Salford und Ashton-under-Lyne 203, in Leeds 218, in Preston 220 und in Manchester 263 (p. 24). Die nachfolgende Tabelle gibt ein noch schlagenderes Beispiel. Sie gibt die Todesf„lle durch Lungen- krankheiten getrennt fr beide Geschlechter fr das Alter von 15 bis 25 Jahren und berechnet auf je 100 000. Die ausgew„hlten Di- strikte sind solche, wo nur die Frauen in der in geschloánen R„u- men betriebnen Industrie, die M„nner aber in allen M”glichen Ar- beitszweigen besch„ftigt werden. In den Bezirken der Seidenindustrie, wo die Beteiligung der M„n- ner an der Fabrikarbeit gr”áer, ist auch ihre Sterblichkeit be- deutend. Die Sterblichkeitsrate an Schwindsucht etc. bei beiden Geschlechtern enthllt hier, wie es in dem Bericht heiát, #103# 5. Kapitel - ™konomie in der Anwendung des konst. Kapitals ----- "die emp”renden (atrocious) sanit„ren Umst„nde, unter denen ein groáer Teil unsrer Seidenindustrie betrieben wird". Und es ist dies dieselbe Seidenindustrie, bei der die Fabrikan- ten, unter Berufung auf die ausnahmsweise gnstigen Gesundheits- bedingungen ihres Betriebs, ausnahmswels lange Arbeitszeit der Kinder unter 13 Jahren verlangten und auch teilweis bewilligt er- hielten (Buch I, Kap. VIII, 6, S. 296/286 1*)). Todesf„lle von Lungen- krankheiten zwischen 15 Distrikt Hauptindustrie und 25 Jahren, berechnet auf je 100000 M„nner Weiber Berkhampstead Strohflechterei, von Weibern betrieben 219 578 Leighton Buzzard Strohflechterei, von Weibern betrieben 309 554 Nwport Pagnell Spitzenfabrikation durch Weiber 301 617 Towcester Spitzenfabrikation durch Weiber 239 577 Yeovil Handschuhmachen, meist durch Weiber 280 409 Leek Seidenindustrie, Weiber vorwiegend 437 856 Congleton Seidenindustrie, Weiber vorwiegend 566 790 Macclesfield Seidenindustrie, Weiber vorwiegend 593 890 Gesunde Landgegend Ackerbau 331 333 "Keine der bisher untersuchten Industrien hat wohl ein schlim- meres Bild geliefert als das, welches Dr. Smith von der Schneide- rei gibt... Die Werkst„tten, sagt er, sind sehr verschieden in sanit„rer Beziehung; aber fast alle sind berfllt, schlecht ge- lftet und der Gesundheit in hohem Grade ungnstig... Solche Zim- mer sind notwendig ohnehin heiá; wenn aber das Gas angesteckt wird, wie bei Tage w„hrend des Nebels und des Abends im Winter, steigt die Hitze auf 80 und selbst 90 Grad" (Fahrenheit, = 27- 33øC) "und verursacht triefenden Schweiá und Verdichtung des Dun- stes auf den Glasscheiben, so daá das Wasser fortw„hrend her- abrieselt oder vom Oberlicht heruntertropft und die Arbeiter ge- zwungen sind, einige Fenster offenzuhalten, obgleich sie sich da- bei unvermeidlich erk„lten. - Von dem Zustand in 16 der bedeu- tendsten Werkst„tten des Westends von London gibt er folgende Be- schreibung: Der gr”áte Kubikraum, der in diesen schlechtgelfte- ten Zimmern auf einen Arbeiter kommt, ist 270 Kubikfuá; der ge- ringste 105 Fuá, im Durchschnitt aller nur 156 Fuá pro Mann. In einer Werkstatt, in der eine Galerie rundherum l„uft und die nur Oberlicht hat, werden von 92 bis ber 100 Leute besch„ftigt, eine groáe Menge Gasflammen ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 309/310 #104# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrweirts in Profit usw. ----- gebrannt; die Abtritte sind dicht daneben, und der Rann ber- steigt nicht 150 Kubikfuá pro Mann. In einer andern Werkstatt, die nur als ein Hundehaus in einem von oben erhellten Hof be- zeichnet, und nur durch ein kleines Dachfenster gelftet werden kann, arbeiten 5 oder 6 Leute in einem Raum von 112 Kubikfuá per Mann." Und "in diesen infamen (atrocious) Werkst„tten, die Dr. Smith beschreibt, arbeiten die Schneider gew”hnlich 12-13 Stunden des Tages, und zu gewissen Zeiten wird die Arbeit w„hrend 15-16 Stunden fortgesetzt" (p. 25, 26, 28). Sterblichkeitsrate pro Anzahl der Industriezwecke 100 000 im Alter von besch„ftigten Leute und Lokalit„t 25-35 35-45 45-55 958265 Ackerbau, England 743 805 1145 und Wales 22301 M„nner und 12377 Weiber Schneider, London 958 1262 2093 13803 Schriftsetzer und 894 1747 2367 (p. 30.) Es ist zu bemerken und ist in der Tat von John Simon, dem Chef der medizinischen Abteilung, von dem der Bericht aus- geht, bemerkt, daá fr das Alter von 25-35 Jahren die Sterblich- keit der Schneider, Schriftsetzer und Drucker in London zu gering angegeben ist, weil in beiden Gesch„ftszweigen die Londoner Mei- ster eine groáe Zahl junger Leute (wahrscheinlich bis zu 30 Jah- ren) vom Lande als Lehrlinge und "improvers" 1*), d.h. zur wei- tern Ausbildung, erhalten. Sie vermehren die Anzahl der Besch„f- tigten, worauf die industriellen Sterblichkeitsraten fr London berechnet werden mssen; aber sie tragen nicht in gleichem Ver- h„ltnis bei zur Anzahl der Todesf„lle in London, weil ihr Aufent- halt dort nur zeitweilig ist; erkranken sie w„hrend dieser Zeit, so gehn sie aufs Land nach Hause zurck, und dort wird, wenn sie sterben, der Todesfall eingetragen. Dieser Umstand affiziert noch mehr die frhern Altersstufen und macht die Londoner Sterblich- keitsraten fr diese Stufen vollst„ndig wertlos als Maást„be der industriellen Gesundheitswidrigkeit (p. 30). Žhnlich wie mit den Schneidern verh„lt es sich mit den Schriftsetzern, bei denen zum Mangel an Ventilation, zur Pestluft usw. noch Nachtarbeit hinzukommt. Ihre gew”hnliche Arbeitszeit dauert 12 bis 13 Stunden, manchmal 15 bis 16. "Groáe Hitze und Stickluft, sobald das Gas angezndet wird... Es kommt nicht selten vor, daá Dnste von einer Gieáerei oder Ge- stank von Maschinerie oder Senkgruben aus dem untern Stockwerk heraufsteigen und die šbel des obern Zimmers verschlinunern. Die erhitzte Luft der untern R„ume heizt die obern schon durch Er ----- 1*) "Volont„re" #105# 5. Kapitel - ™konomie in der Anwendung des konst. Kapitals ----- w„rmung des Bodens, und wenn die R„ume bei groáem Gasverbrauch niedrig sind, ist dies ein groáes šbel. Noch schlimmer ist es da, wo die Dampfkessel im untern Raum stehn und das ganze Haus mit unerwnschter Hitze f„llen... Im allgemeinen kann gesagt werden, daá die Lftung durchweg mangelhaft und total ungengend ist, um die Hitze und die Verbrennungsprodukte des Gases nach Sonnenun- tergang zu entfernen, und daá in vielen Werkst„tten, besonders wo sie frher Wohnh„user waren, der Zustand h”chst beklagenswert ist." "In einigen Werkst„tten, besonders fr Wochenzeitungen, wo ebenfalls Jungen von 12 bis 16 Jahren besch„ftigt werden, wird w„hrend zwei Tagen und einer Nacht fast ununterbrochen gearbei- tet; w„hrend in andern Setzereien, die sich auf die Besorgung 'dringender' Arbeit legen, auch der Sonntag dem Arbeiter keine Ruhe gibt und seine Arbeitstage 7 statt 6 in jeder Woche betra- gen." (p. 26, 28.) Die Putzmacherinnen (milliners and dressmakers) besch„ftigten uns schon in Buch I, Kap. VIII, 3, S. 249/241 1*) mit Bezug auf šber- arbeit. Ihre Arbeitslokale werden in unserm Bericht von Dr. Ord geschildert. Selbst wenn w„hrend des Tages besser, sind sie w„h- rend der Stunden, wo Gas gebrannt wird, berhitzt, mffig (foul) und ungesund. In 34 Werkst„tten der bessern Sorte fand Dr. Ord, daá die Durchschnittsanzahl von Kubikfuá Raum fr je eine Arbei- terin war: "In 4 F„llen mehr als 500; in 4 andern 400-500, in 5 andern von 300-400; in 5 andern von 250-300; in 7 andern von 200-250; in 4 von 150-200; und endlich in 9 nur 100-150. Selbst der gnstigste dieser F„lle gengt nur knapp fr andauernde Arbeit, wenn das Lo- kal nicht vollkommen gelftet ist... Selbst mit guter Lftung werden die Werkst„tten sehr heiá und dumpfig nach Dunkelwerden wegen der vielen erforderlichen Gasflammen." Und hier ist die Bemerkung Dr. Ords ber eine von ihm besuchte Werkstatt der geringem, fr Rechnung eines Zwischenfaktors (middlernan) betriebnen Klasse: "Ein Zimmer, haltend 1280 Kubikfuá; anwesende Personen 14; Raum fr jede 91,5 Kubikfuá. Die Arbeiterinnen sahen hier abgearbeitet und verkommen aus. Ihr Verdienst wurde angegeben auf 7-15 sh. die Woche, daneben den Tee... Arbeitsstunden von 8-8. Das kleine Zim- mer, worin diese 14 Personen zusammengedr„ngt, war schlecht ven- tiliert. Es waren zwei bewegliche Fenster und ein Kamin, der aber verstopft war; besondre Lftungsvorrichtungen irgendwelchen Art waren nicht vorhanden" (p. 27). Derselbe Bericht bemerkt mit Bezug auf die šberarbeit der Putzma- cherinnen: ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 269 #106# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- "Die Verarbeitung junger Frauenzimmer in fashionablen Putzmacher- l„den, herrscht nur fr ungef„hr 4 Monate des Jahrs in dem mon- strasen Grad vor, der bei vielen Gelegenheiten die šberraschung und den Unwillen des Publikums fr einen Augenblick hervorgerufen hat; aber w„hrend dieser Monate wird in der Werkstatt als Regel w„hrend voller 14 Stunden t„glich gearbeitet, und bei geh„uften eiligen Auftr„gen w„hrend ganzer Tage 17-18 Stunden. W„hrend andrer Jahreszeiten wird in der Werkstatt wahrscheinlich 10-14 Stunden gearbeitet; die zu Hause arbeiten, sind regelm„áig 12 oder 13 Stunden am Werk. In der Konfektion von Damenm„nteln, Kra- gen, Hemden etc., die Arbeit mit der N„hmaschine einbegriffen, sind die in der gemeinsamen Werkstatt zugebrachten Stunden weni- ger, meist nicht mehr als 10-12; aber, sagt Dr. Ord, die regelm„- áigen Arbeitsstunden sind in gewissen H„usern zu gewissen Zeiten bedeutender Ausdehnung unterworfen durch besonders bezahlte šber- stunden, und in andern H„usern wird Arbeit mit nach Hause genom- men, um nach der regelm„áigen Arbeitszeit fertiggemacht zu wer- den: Die eine wie die andre Art der šberarbeit, k”nnen wir hinzu- fgen, ist oft zwangsm„áig" (p. 28). John Simon bemerkt in einer Note zu dieser Seite: "Herr Radcliffe, der Sekret„r der Epidemiological Society, der besonders viel Gelegenheit hatte, die Gesundheit von Putzmache- rinnen der ersten Gesch„ftsh„user zu prfen, fand auf je 20 M„d- chen, die von sich sagten, sie seien 'ganz wohl', nur eine ge- sund, die brigen zeigten verschiedne Grade physischer Kr„fteab- spannung, nerv”ser Ersch”pfung und zahlreicher daher stammender Funktionsst”rungen. Er gibt als Grnde an: In erster Instanz die L„nge der Arbeitsstunden, die er im Minimum auf 12 t„glich selbst in der stillen Jahreszeit sch„tzt; und zweitens šberfllung und schlechte Lftung der Werkst„tten, durch Gasflammen verdorbne Luft, ungengende oder schlechte Nahrung und Mangel an Sorge fr h„uslichen Komfort." Der Schluá, zu dem der Chef des englischen Gesundheitsamts kommt, ist der, daá "es fr die Arbeiter praktisch unm”glich ist, auf dem zu bestehn, was theoretisch ihr erstes Gesundheitsrecht ist: das Recht, daá, zur Vollendung welcher Arbeit ihr Besch„ftiger sie auch zusammen- bringt, diese gemeinsame Arbeit, soweit an ihm liegt und auf seine Kosten, von allen unn”tigen gesundheitssch„dlichen Umst„n- den befreit werden soll; und daá, w„hrend die Arbeiter selbst tats„chlich nicht imstande sind, diese sanit„re Justiz fr sich selbst zu erzwingen, sie ebensowenig, trotz der pr„sumierten Ab- sicht des Gesetzgebers, irgendwelchen wirksamen Beistand erwarten k”nnen von den Beamten, die die Nuisances Removal Acts 1*) durch- zufhren haben" (p. 29). - Ohne Zweifel wird es einige kleine technische Schwierigkeiten machen, die genaue Grenze zu bestim- men, von welcher an die Besch„ftiger der Regierung unterworfen werden sollen. Aber... im Prinzip ist der Anspruch auf Gesund- heitsschonung universell. Und im Interesse von Myriaden Arbeiter und Arbeiterinnen, deren Leben jetzt ohne Not ----- 1*) gesundheitspolizeilichen Gesetze #107# 5. Kapitel - ™konomie in der Anwendung des konst. Kapitals ----- verkmmert und verkrzt wird durch die unendlichen physischen Leiden, die ihre bloáe Besch„ftigung erzeugt, wage ich die Hoff- nung auszusprechen, daá die sanit„ren Bdingungen der Arbeit ebenso universell unter geeigneten gesetzlichen Schutz gestellt werden; wenigstens soweit, daá die wirksame Lftung aller ge- schloánen Arbeitsr„ume sichergestellt und daá in jedem seiner Na- tur nach ungesunden Arbeitszweig die besondre gesundheitsgef„hr- liche Einwirkung soviel wie m”glich beschr„nkt wird. (p. 31.) #107# 5. Kapitel - ™konomie in der Anwendung des konst. Kapitals ----- III. ™konomie in Krafterzeugung, Kraftbertragung und Baulichkei- ten In seinem Bericht fr Oktober 1852 zitiert L. Horner einen Brief des berhmten Ingenieurs James Nasmyth von Patricroft, des Erfin- ders des Dampfhammers, worin es u. a. heiát: "Das Publikum ist sehr wenig bekannt mit dem ungeheuren Zuwachs an Triebkraft, der durch solche System„nderungen und Verbesserun- gen" (an Dampfmaschinen) "erlangt worden ist, wie die, von denen ich spreche. Die Maschinenkraft unsres Be zirks" (Lancashire) lag unter dem Alpdruck furchtsamer und vorurteilsvoller šberlieferung w„hrend fast 40 Jahren, aber jetzt sind wir glcklicherweise emanzipiert. W„hrend der letzten 15 Jahre, aber besonders im uf der letzten 4 Jahre" (also seit 1848) "haben einige sehr wichtige Žnderungen stattgefunden in der Betriebsweise kondensierender Dampfmaschinen... Der Erfolg war... daá dieselben Maschinen einen weit gr”áern Arbeitsbetrag leisteten, und das obendrein bei sehr bedeutender Verringerung des Kohlenverbrauchs... W„hrend sehr vieler Jahre seit der Einfhrung der Dampfkraft in die Fabriken dieser Bezirke war die Geschwindigkeit, mit der man kondensie- rende Dampfmaschinen glaubte arbeiten lassen zu drfen, ungef„hr 220 Fuá Pistonhub per Minute; d.h. eine Maschine mit 5 Fuá Kol- benhub war schon vorschriftsm„áig auf 22 Drehungen der Kurbel- welle beschr„nkt. Es galt nicht fr angemessen, die Maschine ra- scher zu treiben; und da das ganze Geschirr dieser Geschwindig- keit von 220 Fuá Kolbenbewegung per Minute angepaát war, be- herrschte diese langsame und unsinnig beschr„nkte Geschwindigkeit den ganzen Betrieb w„hrend vieler Jahre. Endlich aber, sei es durch glckliche Unkenntnis der Vorschrift, sei es aus bessern Grnden bei irgendeinem khnen Neuerer, wurde eine gr”áre Ge- schwindigkeit versucht und, da der Erfolg h”chst gnstig war, das Beispiel von andren befolgt; man lieá, wie man sagte, der Ma- schine die Zgel schieáen und „nderte die Hauptr„der des šbertra- gungssgeschirrs derart ab, daá die Dampfmaschine 300 Fuá und mehr per Minute machen konnte, w„hrend die Maschinerie auf ihrer fr- hern Geschwindigkeit gehalten wurde... Diese Beschleunigung der Dampfrnaschine ist jetzt fast allgemein, weil es sich zeigte, daá nicht nur aus derselben Maschine mehr verwendbare Kraft gewonnen wurde, sondern die Bewegung auch, infolge des gr”áern Moments des Schwungrads, viel regelm„áiger war. Bei gleichbleibendem Dampf- druck und gleichbleibendem #108# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Vakuum im Kondenser erhielt man mehr Kraft durch einfache Be- schleunigung des Kolbenhubs. K”nnen wir z.B. eine Dampfmaschine, die bei 200 Fuá per Minute 40 Pferdekraft gibt, durch passende Žnderung dahin bringen, daá sie, bei gleichem Dampfdruck und Va- kuum, 400 Fuá per Minute macht, so werden wir genau die doppelte Kraft haben; und da Dampfdruck und Vakuum in beiden F„llen die- selben sind, so wird die Anstrengung der einzelnen Maschinenteile und damit die Gefahr von 'Unf„llen' mit der vermehrten Geschwin- digkeit nicht wesentlich vermehrt. Der ganze Unterschied ist, daá wir mehr Dampf konsumieren im Verh„ltnis zur beschleunigten Kol- benbewegung oder ann„hernd; und ferner tritt etwas rascherer Ver- schleiá der Lager oder Reibungsteile ein, aber kaum der Rede wert... Aber um von derselben Maschine mehr Kraft durch beschleu- nigte Kolbenbewegung zu erlangen, muá mehr Kohle unter demselben Dampfkessel verbrannt oder ein Kessel von gr”árer Verdunstungsf„- higkeit angewandt, kurz, mehr Dampf erzeugt werden. Dies geschah, und Kessel mit gr”árer F„higkeit der Dampferzeugung wurden bei den alten 'beschleunigten' Maschinen angelegt; diese lieferten so in vielen F„llen 100% mehr Arbeit. Gegen 1842 begann die auáeror- dentlich wohlfeile Krafterzeugung der Dampfmaschinen in den Berg- werken von Cornwall Aufmerksamkeit zu erregen; die Konkurrenz in der Baumwollspinnerei zwang die Fabrikanten, die Hauptquelle ihres Profits in 'Ersparnissen' zu suchen; der merkwrdige Unter- schied im Kohlenverbrauch per Stunde und Pferdekraft, den die cornischen Maschinen aufzeigten, und ebenso die auáerordentlich ”konomischen Leistungen der Woolfschen Doppelzylindermaschinen brachten auch in unsrer Gegend die Ersparung an Heizstoff in den Vordergrund. Die cornischen und die Doppelzylindermaschinen lie- ferten eine Pferdekraft per Stunde fr je 3 1/2 bis 4 Pfund Koh- len, w„hrend die Maschinen in den Baumwolldistrikten allgemein 8 oder 12 Pfund per Pferd und Stunde verbrauchten. Ein so bedeuten- der Unterschied bewog die Fabrikanten und Maschinenbauer unsers Bezirks, durch „hnliche Mittel solche auáer ordentlich ”konomi- schen Ergebnisse zu erreichen, wie sie in Cornwall und Frankreich bereits gew”hnlich waren, da dort der hohe Kohlenpreis die Fabri- kanten gezwungen hatte, diesen kostspieligen Zweig ihres Ge- sch„fts m”glichst einzuschr„nken. Dies fhrte zu sehr wichtigen Resultaten. Erstens: Viele Kessel, deren halbe Oberfl„che in der guten alten Zeit hoher Profite der kalten Auáenluft ausgesetzt blieb, wurden jetzt mit dicken Filzlagen oder Ziegeln und M”rtel und andern Mitteln eingedeckt, wodurch die Ausstrahlung der mit so viel Kosten erzeugten Hitze verhindert wurde. Dampfr”hren wur- den in derselben Weise geschtzt, ebenso der Zylinder mit Filz und Holz umgeben. Zweitens kam die Anwendung des Hochdrucks. Bis- her war die Sicherheitsklappe nur soweit beschwert worden, daá sie schon bei 4, 6 oder 8 Pfund Dampfdruck auf den Quadratzoll sich ”ffnete; jetzt fand man, daá durch Erh”hung des Drucks auf 14 oder 20 Pfund... eine sehr bedeutende Kohlenersparnis erreicht wurde; in andern Worten, die Arbeit der Fabrik wurde durch einen bedeutend geringem Kohlenverbrauch geleistet... Diejenigen, die die Mittel und die Khnheit dazu hatten, fhrten das System des vermehrten Drucks und der Expansion in seiner vollen Ausdehnung aus, und wandten zweckm„áig konstruierte Dampfkessel an, die Dampf von einem Druck von 30, 40, 60 und 70 Pfund per Quadratzoll lieferten; ein Druck, bei dem ein #109# 5. Kapitel - ™konomie in der Anwendung des konst. Kapitals ----- Ingenieur der alten Schule vor Schrecken umgefallen w„re. Aber da das ”konomische Ergebnis dieses gesteigerten Dampfdrucks... sich sehr bald kundgab in der nicht miázuverstehenden Form von Pfun- den, Schillingen und Pence, wurden die Hochdruckkessel bei Kon- densiermaschinen fast allgemein. Diejenigen, die die Reform radi- kal durchfhrten, wandten die Woolfschen Maschinen an, und dies geschah in den meisten der neuerdings gebauten Maschinen; n„mlich die Woolfschen Maschinen mit 2 Zylindern, in deren einem der Dampf aus dem Kessel Kraft leistet verm”ge des šberschusses des Drucks ber den der Atmosph„re, worauf er dann, statt wie frher nach jedem Kolbenhub in die freie Luft zu entweichen, in einen Niederdruckzylinder von ungef„hr vierfach gr”áerm Rauminhalt tritt und, nachdem er dort weitre Expansion geleistet, in den Kondensator geleitet wird. Das ”konomische Resultat, das man bei solchen Maschinen erh„lt, ist die Leistung einer Pferdekraft fr eine Stunde, fr jede 3 1/2 bis 4 Pfund Kohlen; w„hrend bei den Maschinen alten Systems hierzu 12 bis 14 Pfund erforderlich wa- ren. Eine geschickte Vorrichtung hat erlaubt, das Woolfsche Sy- stem des doppelten Zylinders oder der kombinierten Hoch- und Nie- derdruckmaschine auf schon bestehende „ltere Maschinen anzuwenden und so ihre Leistungen zu steigern bei gleichzeitig vermindertem Kohlenverbrauch. Dasselbe Resultat ist erreicht worden w„hrend der letzten 8-10 Jahre durch Verbindung einer Hochdruckmaschine mit einer Kondensiermaschine, derart, daá der verbrauchte Dampf der erstern in die zweite berging und diese trieb. Dies System ist in vielen F„llen ntzlich." "Es wrde nicht leicht m”glich sein, eine genaue Aufstellung der vermehrten Arbeitsleistung derselben identischen Dampfmaschinen zu erhalten, bei denen einige oder alle dieser neuern Verbesse- rungen angebracht sind. Ich bin aber sicher, daá fr dasselbe Ge- wicht Dampfmaschinerie wir jetzt mindestens 50% mehr Dienst oder Arbeit im Durchschnitt erhalten und daá in vielen F„llen dieselbe Dampfmaschine, die zur Zeit der beschr„nkten Geschwindigkeit von 220 Fuá in der Minute 50 Pferdekraft gab, jetzt ber 100 liefert. Die h”chst ”konomischen Resultate der Anwendung des Hochdruck- dampfs bei Kondensiermaschinen sowie die weit groáem Anforderun- gen, die zum Zweck von Gesch„ftsausdehnungen an die alten Dampf- maschinen gemacht werden, haben in den letzten drei Jahren zur Einfhrung von R”hrenkesseln gefhrt und hierdurch die Kosten der Dampferzeugung wieder bedeutend vermindert." ("Rep. Fact., Oct. 1852", p. 23-27.) Was von der Kraft erzeugenden, gilt ebenfalls von der Kraft ber- tragenden und von der Arbeitsmaschinerie. "Die raschen Schritte, womit die Verbesserungen in der Maschine- rie in den letzten wenigen Jahren sich entwickelten, haben die Fabrikanten bef„higt, die Produktion auszudehnen ohne zus„tzliche Triebkraft. Die sparsamere Verwendung der Arbeit ist notwendig geworden durch die Verkrzung des Arbeitstags, und in den meisten gutgeleiteten Fabriken wird immer erwogen, auf welchem Wege die Produktion vermehrt werden kann bei verminderter Auslage. Ich habe eine Aufstellung vor mir, die ich der C-ef„lligkeit eines sehr intelligenten Herrn in meinem Bezirk verdanke, ber die Zahl und das Alter der in seiner Fabrik besch„ftigten Arbeiter, die angewandten Maschinen #110# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- und den bezahlten Lohn w„hrend der Zeit von 1840 bis jetzt. Im Oktober 1840 besch„ftigte seine Firma 600 Arbeiter, wovon 200 un- ter 13 Jahren. Oktober 1852 nur 350 Arbeiter, wovon nur 60 unter 13 Jahren. Dieselbe Anzahl von Maschinen, bis auf sehr wenige, waren in Betrieb, und dieselbe Summe wurde in Arbeitslohn ausge- zahlt in beiden Jahren." (Redgraves Bericht, in "Rep. Fact., Oct. 1852", p. 58, 59.) Diese Verbesserungen in der Maschinerie zeigen erst ihre volle Wirkung, sobald sie in neuen, zweckm„áig eingerichteten Fabrikge- b„uden aufgestellt werden. "Mit Beziehung auf Verbesserungen in der Maschinerie muá ich be- merken, daá vor allem ein groáer Fortschritt gemacht worden ist im Bau von Fabriken, die zur Aufstellung dieser neuen Maschinerie geeignet sind... Im Erdgeschoá zwirne ich all mein Garn, und hier allein stelle ich 29 000 Doublierspindeln auf. In diesem Zimmer und dem Schuppen allein bewirke ich eine Ersparung an Arbeit von mindestens 10%; nicht sosehr infolge von Verbesserungen im Dou- bliersystem selbst, als von Konzentration der Maschinen unter ei- ner einzigen Leitung; und ich kann dieselbe Anzahl Spindeln mit einer einzigen Triebwelle treiben, wodurch ich gegenber andern Firmen an Wellenleitung 60 bis 80% erspare. Auáerdem ergibt dies eine groáe Ersparnis an ™l, Fett etc.... kurz, mit vervollkommne- ter Einrichtung der Fabrik und verbesserter Maschinerie habe ich, gering gerechnet, an Arbeit 10% gespart und daneben groáe Erspar- nis an Kraft, Kohlen, ™l, Talg, Triebwellen und Riemen etc." (Aussage eines Baumwollspinners, "Rep. Fact.. Oct. 1863". p. 109, 110.) #110# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- IV. Nutzbarmachung der Exkremente der Produktion Mit der kapitalistischen Produktionsweise erweitert sich die Be- nutzung der Exkremente der Produktion und Konsumtion. Unter er- stern verstehn wir die Abf„lle der Industrie und Agrikultur, un- ter Letztem teils die Exkremente, die aus dem natrlichen Stoff- wechsel des Menschen hervorgehn, teils die Form, worin die Ver- brauchsgegenst„nde nach ihrem Verbrauch brigbleiben. Exkremente der Produktion sind also in der chemischen Industrie die Neben- produkte, die bei kleiner Produktionsstufe verlorengehn; die Ei- sensp„ne, die bei der Maschinenfabrikation abfallen und wieder als Rohstoff in die Eisenproduktion eingehn etc. Exkremente der Konsumtion sind die natrlichen Ausscheidungsstoffe der Menschen, Kleiderreste in Form von Lumpen usw. Die Exkremente der Konsum- tion sind am wichtigsten fr die Agrikultur. In Beziehung auf ihre Verwendung findet in der kapitalistischen Wirtschaft eine kolossale Verschwendung statt; in London z.B. weiá sie mit dem Dnger von 4 1/2 Millionen Menschen nichts Beáres anzufangen, als ihn mit ungeheuren Kosten zur Verpestung der Themse zu gebrau- chen. #111# 5. Kapitel - ™konomie in der Anwendung des konst. Kapitals ----- Die Verteuerung der Rohstoffe bildet natrlich den Antrieb zur Vernutzung der Abf„lle. Im ganzen sind die Bedingungen dieser Wiederbenutzung: Massenhaf- tigkeit solcher Exkremente, die sich nur ergibt bei Arbeit auf groáer Stufenleiter; Verbesserung der Maschinerie, womit Stoffe, die in ihrer gegebnen Form frher unbrauchbar, in eine der Neu- produktion dienstbare Gestalt bergefhrt werden; Fortschritt der Wissenschaft, speziell der Chemie, welche die nutzbaren Eigen- schaften solcher Abf„lle entdeckt. Allerdings findet auch in der kleinen, g„rtnerm„áig betriebnen Agrikultur, wie etwa in der Lom- barde, im sdlichen China und in Japan, groáe ™konomie dieser Art statt. Im ganzen aber ist in diesem System die Produktivit„t der Agrikultur erkauft durch groáe Verschwendung menschlicher Ar- beitskraft, die andren Sph„ren der Produktion entzogen wird. Die sog. Abf„lle spielen eine bedeutende Rolle in fast jeder Indu- strie. So wird im Fabrikbericht Oktober 1863 als einer der Haupt- grnde angegeben, weshalb sowohl in England wie in vielen Teilen von Irland die P„chter nur ungern und selten Flachs bauen: "Der groáe Abfall... der bei der Bereitung des Flachses in den kleinen mit Wasserkraft getriebenen Hechelfabriken (scutch mills) stattfindet... Der Abfall bei Baumwolle ist verh„ltnism„áig ge- ring, aber bei Flachs sehr groá. Gute Behandlung beim Wasser r”- sten und mechanischen Hecheln kann diesen Nachteil bedeutend ein- schr„nken... In Irland wird Flachs oft auf h”chst schm„hliche Weise gehechelt, so daá 28-30% verlorengehn", was alles durch Anwendung von beárer Maschinerie vermieden werden k”nnte. Das Werg fiel dabei so massenhaft ab, daá der Fabrikin- spektor sagt: "Von einigen der Hechelfabriken in Irland ist mir mitgeteilt wor- den, daá die Hechler den dort gemachten Abfall oft zu Hause auf ihren Herden als Brennstoff verwandt haben, und doch ist er sehr wertvoll." (l.c.p. 140.) "Von Baumwollabfall wird weiter unten die Rede sein, wo wir von den Preisschwankungen des Rohstoffs handeln. Die Wollenindustrie war gescheiter als die Flachsbereitung. "Es war frher gew”hnlich, die Zubereitung von Wollenabfall und wohnen Lumpen zu wiederholter Bearbeitung in Verruf zu erkl„ren, aber das Vorurteil hat sich vollst„ndig gelegt mit Beziehung auf den shoddy trade (Kunstwollindustrie), die ein wichtiger Zweig des Wollendistrikts von Yorkshire geworden ist, und ohne Zweifel wird auch das Gesch„ft in Baumwollabfall bald denselben Platz einnehmen als ein Gesch„ftszweig, der einem anerkannten Bedrfnis abhilft. Vor 30 Jahren waren wollne Lumpen, d.h. Stcke von ganz wollnem Tuch etc., im Durchschnitt etwa #112# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- 4 Pfd.St. 4 sh. per Tonne wert; in den letzten paar Jahren sind sie 44 Pfd.St. per Tonne wert geworden. Und die Nachfrage ist so gestiegen, daá auch gemischte Gewebe au, Wolle und Baumwolle ver- nutzt werden, indem man Mittel gefunden hat, die Baumwolle zu zerst”ren, ohne der Wolle zu schaden; und jetzt sind Tausende von Arbeitern in der Fabrikation von Shoddy besch„ftigt, und der Kon- sument hat groáen Vorteil davon, indem er jetzt Tuch von guter Durchschnittsqualit„t zu einem sehr m„áigen Preis kaufen kann." ("Rep. Fact., Oct. 1863", p. 107.) Die so verjngte Kunstwolle betrug schon Ende 1862 ein Drittel des ganzen Wollverbrauchs der englischen Industrie. ("Rep. Fact., Oct. 1862", p. 81.) Der "groáe Vorteil" fr den "Konsumenten" be- steht darin, daá seine Wollkleider nur ein Drittel der frhern Zeit brauchen, um zu verschleiáen, und ein Sechstel, um faden- scheinig zu werden. Die englische Seidenindustrie bewegte sich auf derselben abschs- sigen Bahn. Von 1839-1862 hatte der Verbrauch von wirklicher Roh- seide sich etwas vermindert, dagegen der von Seidenabf„llen ver- doppelt. Mit verbesserter Maschinerie war man im Stand, aus die- sem, anderswo ziemlich wertlosen Stoff eine zu vielen Zwecken verwendbare Seide zu fabrizieren. Das schlagendste Beispiel von Verwendung von Abf„llen liefert die chemische Industrie. Sie verbraucht nicht nur ihre eignen Ab- f„lle, indem sie neue Verwendung dafr findet, sondern auch die- jenigen der verschiedenartigsten andern Industrien und verwandelt z.B. den frher fast nutzlosen Gasteer in Anilinfarben, Krappfarbstoff (Allzarin), und neuerdings auch in Medikamente. Von dieser ™konomie der Exkremente der Produktion, durch ihre Wiederbenutzung, ist zu unterscheiden die ™konomie bei der Erzeu- gung von Abfall, also die Reduktion der Produktionsexkremente auf ihr Minimum, und die unmittelbare Vernutzung, bis zum Maximum, aller in die Produktion eingehenden Roh- und Hilfsstoffe. Die Ersparung von Abfall ist zum Teil durch die Gte der ange- wandten Maschinerie bedingt. ™l, Seife etc. wird gespart im Ver- h„ltnis wie die Maschinentelle genauer gearbeitet und besser po- liert sind. Dies bezieht sich auf die Hilfsstoffe. Z.T. aber, und dies ist das wichtigste, h„ngt es von der Gte der angewandten Maschinen und Werkzeuge ab, ob ein gr”árer oder geringrer Teil des Rohstoffs im Produktionsprozeá sich in Abfall verwandelt. Endlich h„ngt dies ab von der Gte des Rohstoffs selbst. Diese ist wieder bedingt teils durch die Entwicklung der extraktiven Industrie und Agrikultur, die ihn erzeugt (von dem Fortschritt der Kultur im eigentlichen Sinn), teils von der Ausbildung der Prozesse, die der Rohstoff vor seinem Eintritt in die Manufaktur durchmacht. #113# 5. Kapitel - ™konomie in der Anwendung des konst. Kapitals ----- "Paramentier hat bewiesen, daá seit einer nicht sehr entfernten Epoche, z.B. der Zeit Ludwigs XIV., die Kunst, Korn zu mahlen, in Frankcreich sehr bedeutend vervollkommnet worden ist, so daá die neuen Mhlen, gegenber den alten, aus derselben Menge Korn bis zur H„lfte mehr Brot liefern k”nnen. Man hat in der Tat fr die j„hrlich, Konsurntion eines Einwohners von Paris anfangs 4 se- tiers Korn, dann 3, endlich 2 gerchnet, w„hrend sie heutzutage nur noch 1 1/2 setier oder ungef„hr 342 Pfund per Kopf ist... In der Perche, wo ich lange gewohnt habe, sind plump konstruierte Mhlen, die Mhlsteine von Granit und Trapp hatten, nach den Re- geln der seit 30 Jahren so sehr fortgeschrittnen Mechanik umge- baut worden. Man hat sie mit guten Mhlsteinen von Fert6 versehn, man hat das Korn zweimal ausgemahlen, man hat dem Mahlbeutel eine kreisf”rmige Bewegung gegeben, und das Produkt an Mehl hat sich fr dieselbe Menge Korn um 1/6 vermehrt. Ich erkl„re mir also leicht das enorme Miáverh„ltnis zwischen dem t„glichen Kornver- brauch bei den R”mern und bei uns; der ganze Grund liegt einfach in der Mangelhaftigkeit der Verfahrensweisen beim Mahlen und bei der Brotbereitung. So muá ich auch eine merkwrdige Tatsache er- kl„ren, die Plinius XVIII., c. 20, 2 anf„hrt.. Das Mehl wurde in Rom verkauft, je nach Qualit„t, zu 40, 48 oder 96 Ass der Modius. Diese Preise, so hoch im Verh„ltnis zu den gleichzeitigen Korn- preisen, erkl„ren sich aus den damals noch in der Kindheit be- findlichen, unvollkommnen Mhlen und den daraus folgenden be- tr„chtlichen Mahlkosten." (Dureau de la Malle, "con. Pol. des Romains", Paris 1840, I, p. 280, 281.) #113# 5. Kapitel - ™konomie in der Anwendung des konst. Kapitals ----- V. ™konomie durch Erfindungen Diese Ersparungen in Anwendung des fixen Kapitals sind wie gesagt das Resultat davon, daá die Arbeitsbedingungen auf groáer Stufen- leiter angewandt werden, kurz, daá sie dienen als Bedingungen un- mittelbar gesellschaftlicher, vergesellschafteter Arbeit oder der unmittelbaren Kooperation innerhalb des Produktionsprozesses. Es ist dies einesteils die Bedingung, worunter allein die mechani- schen und chemischen Erfindungen angewandt werden k”nnen, ohne den Preis der Ware zu verteuern, und dies ist immer die conditio sine qua non. Andernteils werden erst bei groáer Stufenleiter der Produktion die ™konomien m”glich, die aus der gemeinschaftlichen produktiven Konsumtion hervorflieáen. Endlich aber entdeckt und zeigt erst die Erfahrung des kombinierten Arbeiters, wo und wie zu ”konomisieren, wie die bereits gemachten Entdeckungen am ein- fachsten auszufhren, welche praktischen Friktionen bei Ausfh- rung der Theorie - ihrer Anwendung auf den Produktionsprozeá - zu berwinden usw. Nebenbei bemerkt, ist zu unterscheiden zwischen allgemeiner Ar- beit und gemeinschaftlicher Arbeit. Beide spielen im Produktions- prozeá ihre Rolle, beide gehn ineinander ber, aber beide unter- scheiden sich auch. #114# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Allgemeine Arbeit ist alle wissenschaftliche Arbeit, alle Entdec- kung, alle Erfindung. Sie ist bedingt teils durch Kooperation mit Lebenden, teils durch Benutzung der Arbeiten Frherer. Gemein- schaftliche Arbeit unterstellt die unmittelbare Kooperation der Individuen. Das Obengesagte erh„lt neue Best„tigung durch das oft Beobach- tete: 1. Den groáen Unterschied in den Kosten zwischen dem ersten Bau einer neuen Maschine und ihrer Reproduktion, worber Ure und Babbage [14] nachzusehn. 2. Die viel gr”áern Kosten, womit berhaupt ein auf neuen Erfin- dungen beruhendes Etablissement betrieben wird, verglichen mit den sp„tern, auf seinen Ruinen, ex suis ossibus 1*) aufsteigenden Etablissements. Dies geht so weit, daá die ersten Unternehmer meist Bankrott machen und erst die sp„tern, in deren Hand Ge- b„ude, Maschinerie etc. wohlfeiler kommen, florieren. Es ist da- her meist die wertloseste und miserabeiste Sorte von Geldkapita- listen, die aus allen neuen Entwicklungen der allgemeinen Arbeit des menschlichen Geistes und ihrer gesellschaftlichen Anwendung durch kombinierte Arbeit den gr”áten Profit zieht. ----- 1*) aus seinen Gebeinen #115# ----- SECHSTES KAPITEL Wirkung von Preiswechsel I. Preisschwankungen des Rohstoffs, ihre direkten Wirkungen auf die Profitrate Es wird hier wie bisher vorausgesetzt, daá kein Wechsel in der Rate des Mehrwerts stattfindet. Diese Voraussetzung ist n”tig, um den Fall in seiner Reinheit zu untersuchen. Es w„re indes m”g- lich, bei gleichbleibender Rate des Mehrwerts, daá ein Kapital eine wachsende oder abnehmende Zahl von Arbeitern besch„ftigte, infolge der Kontraktion oder Expansion, welche die hier zu be- trachtenden Preisschwankungen des Rohstoffs bei ihm verursachte. In diesem Fall k”nnte die Masse des Mehrwerts wechseln bei kon- stanter Rate des Mehrwerts. Indes ist auch dies als ein Zwischen- fall hier zu beseitigen. Wenn Verbesserung der Maschinerie und Preis„nderung des Rohstoffs gleichzeitig wirken, sei es auf die Masse der von einem gegebnen Kapital besch„ftigten Arbeiter, oder auf die H”he des Arbeitslohns, so hat man bloá zusammenzustellen 1. die Wirkung, welche die Variation im konstanten Kapital auf die Profitrate hervorbringt, 2. die Wirkung, welche die Variation im Arbeitslohn auf die Profitrate hervorbringt; das Fazit ergibt sich dann von selbst. Es ist aber im allgemeinen hier zu bemerken, wie bei dem frhern Fall: Finden Variationen statt, sei es infolge von ™konomie des konstanten Kapitals, sei es infolge von Preisschwankungen des Rohstoffs, so affizieren sie stets die Profitrate, auch wenn sie den Arbeitslohn, also die Rate und Masse des Mehrwerts, ganz un- berhrt lassen. Sie „ndern in m' v/C die Gr”áe von C und damit den Wert des ganzen Bruchs. Es ist also auch hier ganz gleichgl- tig - im Unterschied von dem, was sich bei der Betrachtung des Mehrwerts zeigte - in welchen Produktionssph„ren diese Variatio- nen vorgehn; ob die von ihnen berhrten Industriezweige Lebens- mittel fr die Arbeiter, resp. konstantes Kapital zur Produktion solcher Lebensmittel, #116# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- produzieren oder nicht. Das hier Entwickelte gilt ebensowohl, wo die Variationen sich in Luxusproduktionen ereignen, und unter Lu- xusprodukt ist hier alle Produktion zu verstehn, die nicht zur Reproduktion der Arbeitskraft erheischt ist. Unter Rohstoff werden hier auch die Hilfsstoffe einbegriffen, wie Indigo, Kohle, Gas etc. Ferner, soweit die Maschinerie in dieser Rubrik in Betracht kommt, besteht ihr eigner Rohstoff aus Eisen, Holz, Leder etc. Ihr eigner Preis ist daher affiziert durch die Preisschwankungen des Rohmaterials, das in ihre Konstruktion ein- geht. Sofern ihr Preis erh”ht wird durch Preisschwankungen, sei es des Rohstoffs, woraus sie besteht, sei es des Hilfsstoffs, den ihr Betrieb verbraucht, f„llt pro tanto die Profitrate. Umge- kehrt, umgekehrt. In den folgenden Untersuchungen wird man sich beschr„nken auf Preisschwankungen des Rohstoffs, nicht soweit er eingeht, sei es als Rohstoff der Maschinerie, die als Arbeitsmittel fungiert, sei es als Hilfsstoff in ihrer Anwendung, sondern soweit er als Roh- stoff in den Produktionsprozeá der Ware eingeht. Nur dies ist hier zu merken: Der Naturreichtum an Eisen, Kohle, Holz etc., den Hauptelementen in der Konstruktion und Anwendung von Maschinerie, erscheint hier als naturwchsige Fruchtbarkeit des Kapitals und ist ein Element in der Bestimmung der Profitrate, unabh„ngig von der H”he oder Niedrigkeit des Arbeitslohns. Da die Profitrate m/C oder = m/(c+v), so ist klar, daá alles, was einen Wechsel in der Gr”áe von c und deswegen von C verursacht, ebenfalls einen Wechsel in der Profitrate hervorbringt, auch wenn in und v und ihr gegenseitigem Verh„ltnis unver„ndert bleiben. Der Rohstoff bildet aber einen Hauptteil des konstanten Kapitals. Selbst in Industriezweigen, worin kein eigentlicher Rohstoff ein- geht, geht er ein als Hilfsstoff oder als Bestandteil der Ma- schine usw., und beeinflussen dadurch seine Preisschwankungen pro tanto die Profitrate. F„llt der Preis des Rohstoffs um eine Summe = d, so geht m/C oder m/(c+v) ber in m/((c-d) +v). Es steigt da- her die Profitrate. Umgekehrt. Steigt der Preis des Rohstoffs, so wird aus m/C oder m/(c+v) nun m(C+d) oder m/((c+d) + v). es f„llt daher die Profitrate. Bei sonst gleichen Umst„nden f„llt und steigt die Profitrate daher in umgekehrter Richtung wie der Preis des Rohstoffs. Es ergibt sich hieraus u.a., wie wichtig fr indu- strielle L„nder der niedrige Preis des Rohstoffs ist, selbst wenn die Schwankungen im Preis des Rohstoffs durchaus nicht begleitet w„ren von Žnderungen in der #117# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel ----- Verkaufssph„re des Produkts, also ganz abgesehn von dem Verh„lt- nis von Nachfrage und Zufuhr. Es ergibt sich ferner, daá der aus- w„rtige Handel die Profitrate beeinfluát, auch abgesehn von aller Einwirkung desselben auf den Arbeitslohn durch Verwohlfeilerung der notwendigen Lebensmittel. Er affiziert n„mlich die Preise der in die Industrie oder Agrikultur eingehenden Roh- oder Hilfs- stoffe. Der bisher noch durchaus mangelhaften Einsicht in die Na- tur der Profitrate und in ihre spezifische Verschiedenheit von der Rate des Mehrwerts ist es geschuldet, wenn einerseits ™kono- men, die den durch praktische Erfahrung festgestellten, bedeuten- den Einfluá der Preise des Rohstoffs auf die Profitrate hervorhe- ben, dies theoretisch ganz falsch erkl„ren (Torrens [15]), w„h- rend andrerseits an den allgemeinen Prinzipien festhaltende ™ko- nomen, wie Ricardot [16] den Einfluá z.B. des Welthandels auf die Profitrate verkennen. Man begreift daher die groáe Wichtigkeit, fr die Industrie, von Aufhebung oder Erm„áigung der Z”lle auf Rohstoffe; diese m”g- lichst frei hereinzulassen, war daher schon Hauptlehre des ratio- neller entwickelten Schutzzollsystems. Dies war, neben der Ab- schaffung der Kornz”lle [17], Hauptaugeninerk der englischen Freetraders, die vor allem sorgten, daá auch der Zoll auf Baum- wolle abgeschafft wurde. Als ein Beispiel von der Wichtigkeit der Preiserniedrigung, nicht eines eigentlichen Rohstoffs, sondern eines Hilfsstoffs, der al- lerdings zugleich Hauptelernent der Nahrung ist, kann der Ge- brauch des Mehls in der Baumwollindustrie dienen. Schon 1837 be- rechnete R. H. Greg 13), daá die damals in Groábritannien be- triebnen 100 000 Kraftsthle und 250 000 Handsthle der Baumwoll- weberei j„hrlich 41 Millionen Pfund Mehl zum Kettenschlichten verbrauchten. Dazu kam noch ein Drittel dieser Quantit„t beim Bleichen und andern Prozessen. Den Gesamtwert des so verbrauchten Mehls berechnet er auf 342 000 Pfd.St. j„hrlich fr die letzten 10 Jahre. Der Vergleich mit den Mehlpreisen auf dem Kontinent zeigte, daá der durch die Kornz”lle den Fabrikanten aufgen”tigte Preisaufschlag fr Mehl allein j„hrlich 170 000 Pfd. St. betragen hatte. Fr 1837 sch„tzt ihn Greg auf mindestens 200 000 Pfd.St. und spricht von einer Firma, fr die der Preisaufschlag auf Mehl 1000 Pfd.St. j„hrlich betrug. Infolge hiervon "haben groáe Fabrikanten, sorgf„ltige und berechnende Gesch„fts- m„nner, gesagt, daá 10 Stunden t„gliche Arbeit ganz hinreichend sein wurden, w„ren die Kornz”lle abgeschafft". ("Rep. Fact., Oct. 1848", p. 98.) ----- 13 "The Factory Question and the Ten Hours Bill", by R. H. Greg, London 1837, P. 115. #118# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Die Kornz”lle wurden abgeschafft; auáerdem der Zoll auf Baumwolle und andre Rohstoffe; aber kaum war dies erreicht, so wurde die Opposition der Fabrikanten gegen die Zehnstundenbill heftiger als je. Und als die zehnstndige Fabrikarbeit trotzdem gleich darauf Gesetz wurde, war die erste Folge ein Versuch allgemeiner Herab- setzung des Lohns. 1*) Der Wert der Roh- und Hilfsstoffe geht ganz und auf einmal in den Wert des Produkts ein, wozu sie verbraucht werden, w„hrend der Wert der Elemente des fixen Kapitals nur nach Maágabe seines Ver- schleiáes, also nur allm„hlich in das Produkt eingeht. Es folgt daraus, daá der Preis des Produkts in einem viel h”hern Grad af- fiziert wird vom Preis des Rohmaterials als von dem des fixen Ka- pitals, obwohl die Profitrate bestimmt wird durch die Gesamt- wertsumme des angewandten Kapitals, einerlei, wieviel davon kon- sumiert ist oder nicht. Es ist aber klar - obgleich dies nur ne- benbei erw„hnt wird, da wir hier noch voraussetzen, daá die Waren zu ihrem Wert verkauft werden, die durch die Konkurrenz herbeige- fhrten Preisschwankungen uns also hier noch nichts angehn -, daá Ausdehnung oder Einschr„nkung des Markts vom Preis der einzelnen Ware abh„ngt und in umgekehrtem Verh„ltnis zum Steigen oder Fal- len dieses Preises steht. In der Wirklichkeit findet sich daher auch, daá mit steigendem Preis des Rohstoffs der Preis des Fabri- kats nicht in demselben Verh„ltnis steigt wie jener und bei fallendem Preis des Rohstoffs nicht in demselben Verh„ltnis sinkt. Daher f„llt in dem einen Fall die Profittate tiefer und steigt in dem andern h”her, als bei Verkauf der Waren zu ihrem Wert der Fall w„re. Ferner: Masse und Wert der angewandten Maschinerie w„chst mit der Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit, aber nicht im selben Verh„ltnis wie diese Produktivkraft w„chst, d.h. wie diese Ma- schinerie ein vermehrtes Produkt liefert. In den Industriezweigen also, worin berhaupt Rohstoff eingeht, d.h. wo der Arbeitsgegen- stand selbst schon Produkt frherer Arbeit ist, drckt sich die wachsende Produktivkraft der Arbeit gerade in dem Verh„ltnis aus, worin ein gr”áeres Quantum Rohstoff ein bestimmtes Quantum Arbeit absorbiert, also in der wachsenden Masse Rohstoff, die z.B. in einer Arbeitsstunde in Produkt verwandelt, zu Ware verarbeitet wird. Im Verh„ltnis also wie die Produktivkraft der Arbeit sich entwickelt, bildet der Wert des Rohstoffs einen stets wachsenden Bestandteil des Werts des Warenprodukts, nicht nur weil er ganz in diesen eingeht, sondern weil in jedem aliquoten Teil des Ge- samtprodukts der Teil, den der Verschleiá der Maschinerie, und der Teil, den die neu zugesetzte Arbeit ----- 1*) Vgl. Band 23 unserer Ausgabe, S. 300-302 #119# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel ----- bildet, beide best„ndig abnehmen. Infolge dieser fallenden Bewe- gung w„chst verh„ltnism„áig der andre Wertteii, den der Rohstoff bildet, wenn dies Wachstum nicht aufgehoben wird durch eine ent- sprechende Wertabnahme auf seiten des Rohstoffs, die aus der wachsenden Produktivit„t der zu seiner eignen Erzeugung angewand- ten Arbeit hervorgeht. Ferner: Da die Roh- und Hilfsstoffe, ganz wie der Arbeitslohn, Bestandteile des zirkulierenden Kapitals bilden, also best„ndig ganz ersetzt werden mssen aus dem iedes- maligen Verkauf des Produkts, w„hrend von der Maschinerie nur der Verschleiá, und zwar zun„chst in Form eines Reservelonds, zu er- setzen ist - wobei es in der Tat keineswegs so wesentlich ist, ob jeder einzelne Verkauf seinen Teil zu diesem Reservefonds bei- tr„gt vorausgesetzt nur, daá der ganze Jahresverkauf seinen Jah- resantell dazu liefert -, so zeigt sich hier wieder, wie ein Steigen im Preis des Rohstoffs den ganzen Reproduktionsprozeá be- schneiden oder hemmen kann, indem der aus dem Warenverkauf gel”- ste Preis nicht hinreicht, alle Elemente der Ware zu ersetzen; oder indem er es unm”glich macht, den Prozeá auf einer, seiner technischen Grundlage gem„áen Stufe fortzusetzen, so daá also entweder nur ein Teil der Maschinerie besch„ftigt werden oder die gesamte Maschinerie nicht die volle gewohnheitsm„áige Zeit arbei- ten kann. Endlich wechseln die durch Abf„lle verursachten Kosten in direk- tem Verh„ltnis zu den Preisschwankungen des Rohstoffs, steigen, wenn er steigt, und fallen, wenn er f„llt. Aber auch hier gibt es eine Grenze. 1850 hieá es noch: "Eine Quelle betr„chtlichen Verlustes aus der Preissteigerung des Rohstoffs wrde kaum jemandem auffallen, der kein praktischer Spinner ist, n„mlich der Verlust durch Abfall. Man teilt mir mit, daá, wenn Baumwolle steigt, die Kosten fr den Spinner, besonders der geringem Qualit„ten, in h”herrn Verh„ltnis wachsen als der gezahlte Preisauf schlag anzeigt. Der Abfall beim Spinnen grober Garne betr„gt reichlich 15%; wenn dieser Satz also einen Verlust von 1/2 d. per Pfund bei einem Baumwollpreis von 3 1/2 d. verur- sacht, so steigert er den Verlust per Pfund auf 1 d., sobald Baumwolle auf 7 d. per Pfund steigt." ("Rep. Fact., April 1850", p. 17.) Als aber infolge des Amerikanischen Brgerkriegs die Baumwolle auf seit fast 100 Jahren unerh”rte Preise stieg, lautete der Be- richt ganz anders: "Der Preis, der jetzt fr Baumwollabfall gegeben wird, und die Wiedereinfhrung des Abfalls in die Fabrik als Rohstoff bieten einigen Ersatz fr den Unterschied, im Verlust durch Abfall, zwi- schen indischer und amerikanischer Baumwolle. Dieser Unterschied betr„gt ungef„hr 12 1/2 %. Der Verlust bei Verarbeitung indischer Baumwolle ist 25%, so daá die Baumwolle in Wirklichkeit dem Spin- ner 1/4 mehr kostet, als er fr sie zahlt. Der Verlust durch Ab- fall war nicht so wichtig, als amerikanische Baumwolle #120# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- auf 5 oder 6 d. per Pfund stand, denn er berstieg nicht 3/4 d. per Pfund; aber er ist jetzt sehr wichtig, wo das Pfund Baumwolle 2 sh. kostet und der Verlust durch Abfall also 6 d. betr„gt." 14) ("Rep. Fact., Oct. 1863", p. 106.) --- 14) Der Bericht macht im Schluásatz ein Versehn. Statt 6 d. fr Verlust durch Abfall rnuá es 3 d. heiáen. Dieser Verlust betr„gt zwar 25% bei indischer. aber nur 12 1/2 bis 15% bei amerikani- scher Baumwolle, und von dieser ist hier die Rede, wie auch vor- her derselbe Satz beim Preis von 5 bis 6 d. richtig berechnet worden. Allerdings stieg auch bei der amerikanischen Baumwolle, die w„hrend der letzten Jahre des Brgerkriegs nach Europa kam, das Verh„ltnis des Abfalls oft bedeutend gegen frher. - F.E. #120# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- II. Wertsteigerung und Entwertung, Freisetzung und Bindung von Kapital Die Ph„nomene, die wir in diesem Kapitel untersuchen, setzen zu ihrer vollen Entwicklung das Kreditwesen und die Konkurrenz auf dem Weltmarkt voraus, der berhaupt die Basis und die Lebensatmo- sph„re der kapitalistischen Produktionsweise bildet. Diese kon- kreteren Formen der kapitalistischen Produktion k”nnen aber nur umfassend dargestellt werden, nachdem die allgemeine Natur des Kapitals begriffen ist; zudem liegt ihre Darstellung auáer dem Plan unsers Werks und geh”rt seiner etwaigen Fortsetzung an. Nichtsdestoweniger k”nnen die in der šberschrift bezeichneten Er- scheinungen hier im allgemeinen behandelt werden. Sie h„ngen zu- sammen, erstens untereinander und zweitens sowohl mit der Rate wie mit der Masse des Profits. Sie sind auch schon deswegen kurz darzustellen, weil sie den Schein hervorbringen, als ob nicht nur die Rate, sondern auch die Masse des Profits - die in der Tat identisch ist mit der Masse des Mehrwerts - ab- und zunehmen kann unabh„ngig von den Bewegungen des Mehrwerts, sei es seiner Masse oder seiner Rate. Sind Freisetzung und Bindung von Kapital auf der einen Seite, Wertsteigerung und Entwertung auf der andern als verschiedne Ph„- nomene zu betrachten? Es fragt sich zun„chst: Was verstehn wir unter Freisetzung und Bindung von Kapital? Wertsteigerung und Entwertung verstehn sich von selbst. Sie meinen nichts, als daá vorhandnes Kapital infolge irgendwelchen allgemeinen ”konomischen Umst„nde - denn es handelt sich nicht um besondre Schicksale eines beliebigen Privatkapitals - an Wert zu- oder abnimmt; also daá der Wert des der Produktion vorgeschoánen Kapitals, #121# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel ----- abgesehn von seiner Verwertung durch die von ihm angewandte Mehr- arbeit, steigt oder f„llt. Unter Bindung von Kapital verstehn wir, daá aus dem Gesamtwert des Produkts bestimmte gegebne Proportionen von neuem in die Ele- mente des konstanten oder variablen Kapitals rckverwandelt wer- den mssen, soll die Produktion auf ihrer alten Stufenleiter fortgehn. Unter Freisetzung von Kapital verstehn wir, daá ein Teil vom Gesamtwert des Produkts, der bisher entweder in konstan- tes oder variables Kapital rckverwandelt werden muáte, disponi- bel und berschssig wird, soll die Produktion innerhalb der Schranken der alten Stufenleiter fortdauern. Diese Freisetzung oder Bindung von Kapital ist verschieden von Freisetzung oder Bindung von Revenue. Wenn der J„hrliche Mehrwert fr ein Kapital C z.B. = x ist, so kann infolge der Verwohlfeilerung von Waren, die in den Konsum der Kapitalisten eingehn, x - a hinreichen, um dieselbe Masse Gensse etc. wie frher zu schaffen. Es wird also ein Teil der Revenue = a freigesetzt, der nun entweder zur Ver- gr”áerung des Konsums oder zur Rckverwandlung in Kapital (zur Akkumulation) dienen kann. Umgekehrt: Ist x + a erheischt, um dieselbe Lebensweise fortzufahren, so muá diese entweder einge- schr„nkt werden oder ein Einkommenteil = a, der frher akkumu- liert wurde, muá nun als Revenue verausgabt werden. Die Wertsteigerung und Entwertung kann entweder konstantes oder variables Kapital oder beide treffen, und beim konstanten Kapital kann sie wieder auf den fixen oder den zirkulierenden Teil oder auf beide sich beziehn. Es sind beim konstanten Kapital zu betrachten: Roh- und Hilfs- stoffe, wozu auch Halbfabrikate geh”ren, die wir hier unter dem Namen Rohstoiffe zusammenfassen, und Maschinerie und andres fixes Kapital. Es wurde oben namentlich Variation im Preis resp. Wert des Roh- stoffs mit Bezug auf seinen Einfluá auf die Profitrate betrachtet und das allgemeine Gesetz aufgestellt, daá bei sonst gleichen Um- st„nden die Profitrate im umgekehrten Verh„ltnis zur Werth”he des Rohstoiffs steht. Und dies ist unbedingt richtig fr das Kapital, das neu in einem Gesch„ft engagiert wird, wo also die Kapitalan- lage, die Verwandlung von Geld in produktives Kapital, erst stattfindet. Aber abgesehn von diesem in der Neuanlage begrilffnen Kapital, befindet sich ein groáer Teil des schon fungierenden Kapitals in der Zirkulationssph„re, w„hrend ein andrer Teil sich in der Pro- duktionssph„re befindet. Ein Teil ist als Ware auf dem Markt vor- handen und soll in Geld verwandelt werden; ein andrer Teil ist als Geld, in welcher Form immer, #122# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrweirts in Profit usw. ----- vorhanden und soll in die Produktionsbedingungen rckverwandelt werden; ein dritter Teil endlich befindet sich innerhalb der Pro- duktionssph„re, teils in der ursprnglichen Form der Produktions- mittel, Rohstoff, Hilfsstoff, auf dem Markt gekauftes Halbfabri- kat, Maschinerie und andres fixes Kapital, teils als noch in der Anfertigung begriffnes Produkt. Wie Wertsteigerung oder Entwer- tung hier wirkt, h„ngt sehr ab von der Proportion, worin diese Bestandteile zueinander stehn lassen wir, zur Vereinfachung der Frage, alles fixe Kapital zun„chst ganz aus dem Spiel und be- trachten wir nur den aus Rohstoffen, Hilfsstoffen, Halbfabrika- ten, in der Anfertigung beffnen und fertigen auf dem Markt be- findlichen Waren bestehenden Teil des konstanten Kapitals. Steigt der Preis des Rohstoffs, z.B. der Baumwolle, so steigt auch der Preis der Baumwollenwaren - der Halbfabrikate, wie Garn, und der fertigen Waren, wie Gewebe etc. -, die mit wohlfeilerer Baumwolle fabriziert wurden; ebenso steigt der Wert der noch nicht verarbeiteten, auf Uger vorhandnen, wie der noch in der Verarbeitung beghgnen Baumwolle. Letztre, weil sie durch Rckwir- kung Ausdruck von mehr Arbeitszeit wird, setzt dem Produkt, worin sie als Bestandteil eingeht, h”hern Wert zu als sie selbst ur- sprnglich besaá und als der Kapitalist fr sie gezahlt hat. Ist also eine Erh”hung im Preis des. Rohstoffs begleitet von einer bedeutenden Masse auf dem Markt vorhandner fertiger Ware, auf welcher Stufe der Vollendung immer, so steigt der Wert dieser Ware, und es findet damit eine Erh”hung im Wert des vorhandnen Kapitals statt. Dasselbe gilt fr die in der Hand der Produzenten befindlichen Vorr„te an Rohstoff etc. Diese Wertsteigerung kann den einzelnen Kapitalisten, oder auch eine ganze besondre Produk- tionssph„re des Kapitals, entsch„digen oder mehr als entsch„digen fr den Fall der Profitrate, der aus der Preissteigerung des Roh- stoffs folgt. Ohne hier auf die Details der Konkurrenzwirkungen einzugehn, kann iedoch der Vollst„ndigkeit wegen bemerkt werden, daá 1. wenn die auf Lager befindlichen Vorr„te von Rohstoff be- deutend sind, sie der am Produktionsherd des Rohstoffs entstand- nen Preissteigerung entgegenwirken; 2. wenn die auf dem Markt be- findlichen Halbfabrikate oder fertigen Waren sehr schwer auf dem Markt lasten, sie den Preis der fertigen Waren und des Halbfabri- kats hindern, in Verh„ltnis zum Preis ihres Rohstoffs zu wachsen. Umgekehrt beim Preisfall des Rohstoffs, der bei sonst gleichen Umst„nden die Profitrate erh”ht. Die auf dem Markt befindlichen Waren, die noch in der Anfertigung beffnen Artikel, die Vorr„te von Rohstoff werden entwertet und damit der gleichzeitigen Stei- gerung der Profitrate entgegengewirkt. #123# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel ----- Je geringer z.B. am Ende des Gesch„ftsjahrs, zur Zeit wo der Roh- stoff massenhaft neu geliefert wird, also bei Ackerbauprodukten nach der Ernte, die in der Produktionssph„re und auf dem Markt befindlichen Vorr„te, desto reiner tritt die Wirkung einer Preis- ver„nderung im Rohstoff hervor. In unsrer ganzen Untersuchung wird ausgegangen von der Vorausset- zung, daá Erh”hung oder Erniedrigung der Preise Ausdrcke von wirklichen Wertschwankungen sind. Da es sich hier aber um die Wirkung handelt, die diese Preisschwankungen auf die Profitrate hervorbringen, So ist es in der Tat gleichgltig, worin sie be- grndet sind; das hier Entwickelte gilt also ebenfalls, wenn die Preise steigen und f„llen infolge nicht von Wertschwankungen, sondern von Einwirkungen des Kreditsystems, der Konkurrenz etc. Da die Profitrate gleich ist dem Verh„ltnis des šberschusses des Werts des Produkts zum Wert des vorgeschoánen Gesamtkapitals, so w„re eine Erh”hung der Profitrate, die aus einer Entwertung des vorgeschoánen Kapitals hervorginge, mit Verlust an Kapitalwert verbunden, ebenso eine Erniedrigung der Profitrate, die aus Wert- steigerung des vorgeschoánen Kapitals hervorginge, m”glicherweise mit Gewinn. Was den andere Teil des konstanten Kapitals angeht, Maschinerie und berhaupt fixes Kapital, so sind die Wertsteigerungen, die hier stattfinden und sich namentlich auf Baulichkeiten, auf Grund und Boden etc. beziehn, nicht darstellbar ohne die Lehre von der Grundrente und geh”ren daher nicht hierher. Fr die Entwertung aber sind von allgemeiner Wichtigkeit: 1. Die best„ndigen Verbesserungen, welche vorhandne Maschinerie, Fabrikeinrichtung usw. relativ ihres Gebrauchswerts und damit auch ihres Werts berauben. Dieser Prozeá wirkt gewaltsam nament- lich in der ersten Epoche neu eingefhrter Maschinerie, bevor diese einen bestimmten Grad der Reife erlangt hat, und wo sie da- her best„ndig antiquiert ist, bevor sie Zeit hatte, ihren Wert zu reproduzieren. Es ist dies einer der Grnde der in solchen Epo- chen blichen, maálosen Verl„ngerung der Arbeitszeit, des Arbei- tens mit wechselnder Schicht bei Tag und bei Nacht, damit in kr- zerm Zeitraum, ohne den Verschleiá der Maschinerie zu hoch zu be- rechnen, ihr Wert sich reproduziert. Wird dagegen kurze Wirkungs- zeit der Maschinerie (ihre kurze Lebensfrist gegenber voraus- sichtlichen Verbesserungen) nicht so ausgeglichen, so gibt sie zu viel Wertteil fr moralischen Verschleiá an das Produkt ab, so daá sie selbst mit der Handarbeit nicht konkurrieren kann. 15) --- 15) Beispiele u.a. bei Babbage [18]. Das gew”hnliche Mlfsmittel - Herabsetzung des #124# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Wenn Maschinerie, Einrichtung der Baulichkeiten, berhaupt das fixe Kapital, eine gewisse Reife erlangt hat, so daá es fr l„n- gre Zeit wenigstens in seiner Grundkonstruktion unver„ndert bleibt, so tritt eine „hnliche. Entwertung ein infolge von Ver- besserungen in den Methoden der Reproduktion dieses fixen Kapi- tals. Der Wert der Maschinerie etc. sinkt jetzt, nicht weil sie rasch verdr„ngt oder in gewissern Grad entwertet wird durch neuere, produktivere Maschinerie etc., sondern weil sie jetzt wohlfeiler reproduziert werden kann. Es ist dies einer der Grnde, warum groáe Gesch„ftsanlagen, oft erst in zweiter Hand florieren, nachdem der erste Besitzer Bankrott gemacht und der zweite, der sie wohlfeil angekauft, deshalb von vornherein seine Produktion mit geringrer Kapitalauslage beginnt. Bei der Agrikultur speziell springt in die Augen, daá dieselben Grnde, die den Preis des Produkts erh”hen oder senken, auch den Wert des Kapitals erh”hen oder senken, weil dies selbst zum groáen Teil aus jenem Produkt, Korn, Vieh etc. besteht. (Ricardo. [19]) --- Es w„re nun noch zu erw„hnen das variable Kapital. Soweit der Wert der Arbeitskraft steigt, weil der Wert der zu ih- rer Reproduktion erheischten Lebensttel steigt, oder umgekehrt f„llt, weil der Wert dieser Lebensmittel f„llt - und Wertsteige- rung und Entwertung des variablen Kapitals drcken weiter nichts aus als diese beiden F„lle -, so entspricht, bei gleichbleibender L„nge des Arbeitstags, Fallen des Mehrwerts dieser Wertsteigerung und Wachsen des Mehrwerts dieser Entwertung. Aber es k”nnen hier- mit zugleich auch andre Umst„nde - Freisetzung und Bindung von Kapital - verbunden sein, die vorher nicht untersucht wurden und die jetzt kurz angegeben werden sollen. Sinkt der Arbeitslohn infolge eines Wertfalls der Arbeitskraft (womit sogar Steigen im realen Preis der Arbeit verbunden sein kann), so wird also ein Teil des Kapitals, der bisher in Arbeits- lohn ausgelegt war, freigesetzt. Es findet Freisetzung von varia- blem Kapital statt. Fr neu anzulegendes Kapital hat dies einfach die Wirkung, daá es mit erh”hter Rate des Mehrwerts arbeitet. Es wird mit weniger Geld als frher dasselbe Quantum Arbeit in Bewe- gung gesetzt, und so erh”ht sich der unbezahlte Teil der Arbeit auf Kosten des bezahlten. Aber fr bisher besch„ftigtes Kapital erh”ht sich nicht nur die Rate des Mehrwerts, sondern auáerdem wird ein --- Arbeitslohns - wird auch hier angewandt, und so wirkt diese be- st„ndige Entwertung ganz anders als Herr Carey in seinem harmoni- schen Gehirn tr„umt. #125# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel ----- Teil des bisher in Arbeitslohn ausgelegten Kapitals frei. Er war bisher gebunden und bildete einen st„ndigen Teil, der vom Erl”s des Produkts abging, in Arbeitslohn ausgelegt werden, als va- riables Kapital fungieren muáte, sollte das Gesch„ft auf der al- ten Stufenleiter fortgehn. Jetzt wird dieser Teil disponibel und kann also benutzt werden als neue Kapitalanlage, sei es zur Er- weiterung desselben Gesch„fts, sei es zur Funktion in einer an- dern Produktionssph„re. Nehmen wir z.B. an, es seien anf„nglich 500 Pfd.St. erheischt ge- wesen, um 500 Arbeiter w”chentlich in Bewegung zu setzen, und es seien jetzt nur noch 400 Pfd.St. dazu erheischt. Dann war, wenn die Masse des produzierten Werts beidemal = 1000 Pfd.St., die Masse des w”chentlichen Mehrwerts das erstemal = 500 Pfd.St., die Mehrwertsrate 500/500 = 100%; aber nach der Lohnsenkung wird die Masse des Mehrwerts 1000 Pfd.St. - 400 Pfd.St. = 600 Pfd.St. und seine Rate 600/400 = 150%. Und diese Erh”hung der Mehrwertsrate ist die einzige Wirkung fr den, der mit einem variablen Kapital von 400 Pfd.St. und entsprechendem konstanten Kapital ein neues Gesch„ft in derselben Produktionssph„re anlegt. Aber in einem be- reits fungierenden Gesch„ft ist in diesem Fall nicht nur infolge der Entwertung des variablen Kapitals die Mehrwertsmasse von 500 auf 600 Pfd. St. und die Mehrwertsrate von 100 auf 150% gestie- gen; es sind auáerdem 100 Pfd.St. vom variablen Kapital freige- setzt, mit denen wieder Arbeit exploitiert werden kann. Dieselbe Arbeitsmenge wird also nicht nur vorteilhafter exploitiert, son- dern es k”nnen auch durch die Freisetzung der 100 Pfd.St. mit demselben variablen Kapital von 500 Pfd.St. mehr Arbeiter als zu- vor zu der erh”hten Rate exploitiert werden. Nun umgekehrt. Gesetzt, das ursprngliche Verh„ltnis der Pro- duktverteilung, bei 500 besch„ftigten Arbeitern, sei = 400v + 600m = 1000, also die Rate des Mehrwerts = 150%. Der Arbeiter er- h„lt also hier w”chentlich 4/5 Pfd.St. = 16 Schillinge. Wenn in- folge der Wertsteigerung des variablen Kapitals 500 Arbeiter nun w”chentlich 500 Pfd.St. kosten, so wird der Wochenlohn eines je- den = 1 Pfd.St., und 400 Pfd.St. k”nnen nur 400 Arbeiter in Bewe- gung setzen. Wird also dieselbe Arbeiteranzahl wie bisher in Be- wegung gesetzt, so haben wir 500v + 500m = 1000; die Rate des Mehrwerts w„re gesunken von 150 auf 100%, also um 1/3. Fr ein neu anzulegendes Kapital w„re dies die einzige Wirkung, daá die Rate des Mehrwerts geringer w„re. Bei sonst gleichen Umst„nden w„re die Profitrate entsprechend gesunken, wenn auch nicht im selben Verh„ltnis. Wenn #126# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- z.B. c = 2000, so haben wir in einem Fall 2000c + 400v + 600m = 3000. m' = 150%, p' = 600/2400 = 25%. Im zweiten Fall 2000c + 500v + 500m = 3000, m' = 100%; p' = 500/2500 = 20%. Dagegen fr das bereits engagierte Kapital w„re die Wirkung doppelt. Mit 400 Pfd.St. variablem Kapital k”nnen jetzt nur 400 Arbeiter besch„f- tigt werden, und zwar zu einer Mehrwertsrate von 100%. Sie geben also nur einen Gesamtmehrwert von 400 Pfd.St. Da ferner ein kon- stantes Kapital vom Wert von 2000 Pfd.St. 500 Arbeiter erfordert, um es in Bewegung zu setzen, so setzen 400 Arbeiter nur ein kon- stantes Kapital zum Wert von 1600 Pfd.St. in Bewegung. Soll also die Produktion auf der bisherigen Stufe fortgefhrt und nicht 1/5 der Maschinerie stillgesetzt werden, so muá das variable Kapital um 100 Pfd.St. erh”ht werden, um nach wie vor 500 Arbeiter zu be- sch„ftigen; und dies ist nur m”glich dadurch, daá bisher disponi- bles Kapital gebunden wird, indem ein Teil der Akkumulation, der zur Ausdehnung dienen sollte, jetzt bloá zur Ausfllung dient oder ein zur Verausgabung als Revenue bestimmter Teil dem alten Kapital zugeschlagen wird. Mit einer um 100 Pfd.St. vermehrten Auslage an variablem Kapital wird dann 100 Pfd.St. weniger Mehr- wert produziert. Um dieselbe Anzahl Arbeiter in Bewegung zu set- zen, ist mehr Kapital n”tig, und zugleich ist der Mehrwert ver- ringert, den jeder einzelne Arbeiter liefert. Die Vorteile, die aus der Freisetzung, und die Nachteile, die aus der Bindung von variablem Kapital hervorgehn, existieren beide nur fr das schon engagierte und daher sich in gegebnen Verh„lt- nissen reproduzierende Kapital. Fr neu anzulegendes Kapital be- schr„nkt sich der Vorteil auf der einen, der Nachteil auf der an- dern Seite auf Erh”hung resp. Erniedrigung der Rate des Mehrwerts und entsprechenden, wenn auch keineswegs proportionellen Wechsel der Rate des Profits. --- Die eben untersuchte Freisetzung und Bindung von variablem Kapi- tal ist die Folge von Entwertung und Wertsteigerung der Elemente des variablen Kapitals, d.h. der Reproduktionskosten der Arbeits- kraft. Es k”nnte aber auch variables Kapital freigesetzt werden, wenn infolge der Entwicklung der Produktivkraft, bei gleichblei- bender Rate des Arbeitslohns, weniger Arbeiter erheischt werden, um dieselbe Masse konstantes Kapital in Bewegung zu setzen. Ebenso kann umgekehrt Bindung von zus„tzlichem variablerr Kapital stattfinden, wenn infolge von Abnahme der Produktivkraft #127# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel ----- der Arbeit mehr Arbeiter erheischt sind auf dieselbe Masse kon- stantes Kapital. Wenn dagegen ein Teil des frher als variabel angewandten Kapitals in Form von konstantem angewandt wird, also nur ver„nderte Verteilung zwischen den Bestandteilen desselben Kapitals stattfindet, so hat dies zwar Einfluá auf die Rate des Mehrwerts wie des Profits, aber geh”rt nicht in die hier betrach- tete Rubrik der Bindung und Freisetzung von Kapital. Konstantes Kapital kann, wie wir schon sahen, ebenfalls gebunden oder entbunden werden infolge der Wertsteigerung oder Entwertung der Elemente, aus denen es besteht. Hiervon abgesehn, ist nur Bindung desselben m”glich (ohne daá etwa ein Teil des variablen in konstantes verwandelt wird), wenn die Produktivkraft der Ar- beit zunimmt, also dieselbe Arbeitsmasse gr”áres Produkt erzeugt und daher mehr konstantes Kapital in Bewegung setzt. Dasselbe kann unter gewissen Umst„nden stattfinden, wenn die Produktiv- kraft abnimmt, wie z.B. im Ackerbau, so daá dieselbe Arbeits- menge, um dasselbe Produkt zu erzeugen, mehr Produktionsmittel bedarf, z.B. gr”áere Aussaat oder Dngung, Dr„nierung etc. Ohne Entwertung kann konstantes Kapital freigesetzt werden, wenn durch Verbesserungen, Anwendung von Naturkr„ften etc. ein konstantes Kapital von geringerrn Wert in den Stand gesetzt wird, technisch denselben Dienst zu leisten, wie frher ein h”herwertiges. Man hat im Buch II gesehn, daá, nachdem die Waren in Geld verwan- delt, verkauft sind, ein bestimmter Teil dieses Geldes wieder in die stofflichen Elemente des konstanten Kapitals rckverwandelt werden muá, und zwar in den Verh„ltnissen, wie sie der bestimmte technische Charakter jeder gegebnen Produktionssph„re erheischt. Hier ist in allen Zweigen vom Arbeitslohn, also vom variablen Ka- pital abgesehn - das wichtigste Element der Rohstoff, mit Ein- schluá der Hilfsstoffe, die namentlich wichtig in Produktions- zweigen, wo kein eigentlicher Rohstoff eingeht, wie in Bergwerken und der extraktiven Industrie berhaupt. Der Teil des Preises, der den Verschleiá der Maschinerie ersetzen muá, geht mehr ideell in die Rechnung ein, solange die Maschinerie berhaupt noch werk- f„hig ist; es kommt nicht sehr darauf an, ob er heute oder mor- gen, oder in welchem Abschnitt der Umschlagszeit des Kapitals er gezahlt und in Geld ersetzt wird. Anders mit dem Rohstoff. Steigt der Preis des Rohstoffs, so mag es unm”glich sein, ihn nach Abzug des Arbeitslohns aus dem Wert der Ware vollst„ndig zu ersetzen. Heftige Preisschwankungen bringen daher Unterbrechungen, groáe Kollisionen und selbst Katastrophen im Reproduktionsprozeá her- vor. Es sind namentlich eigentliche Agrikulturprodukte, der orga- nischen Natur entstammende Rohstoffe, die solchen Wertschwankun- gen #128# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwert, in Profit usw. ----- infolge wechselnder Ernteertr„ge etc. - hier noch ganz vom Kre- ditsystem abgesehn - unterworfen sind. Dasselbe Quantum Arbeit kann sich hier infolge unkontrollierbarer Naturverh„ltnisse, der Gunst oder Ungunst der Jahreszeiten usw., in sehr verschiednen Mengen von Gebrauchswerten darstellen, und ein bestimmtes Maá dieser Gebrauchswerte wird darnach einen sehr verschiednen Preis haben. Stellt sich der Wert x in 100 Pfund der Ware a dar, so ist der Preis von einem Pfund von a ; wenn in 1000 Pfund a, 100 ist der Preis eines Pfundes von a usw. Es ist dies also das eine Ele- ment dieser Preisschwankungen des Rohstoffs. Ein zweites, das nur der Vollst„ndigkeit wegen hier erw„hnt wird - da die Konkurrenz wie das Kreditsystem hier noch auáer dem Kreis unsrer Betrachtung liegt -, ist in der Natur der Sache begrndet, daá pflanzliche und tierische Stoffe, deren Wachstum und Produktion bestimmten organischen, an gewisse natrliche Zeitr„ume gebundnen Gesetzen unterworfen sind, nicht pl”tzlich in demselben Maá vermehrt wer- den k”nnen, wie z.B. Maschinen und andres fixes Kapital, Kohlen, Erze etc.. deren Vermehrung, die sonstigen Naturbedingungen vor- ausgesetzt, in einem industriell entwickelten Land in krzester Frist vor sich gehn kann. Es ist daher m”glich und bei entwickel- ter kapitalistischer Produktion sogar unvermeidlich, daá die Pro- duktion und Vermehrung des Teils des konstanten Kapitals, der aus fixem Kapital, Maschinerie etc. besteht, einen bedeutenden Vor- sprung gewinnt vor dem Teil desselben, der aus organischen Roh- stollen besteht, so daá die Nachfrage nach diesen Rohstoffen schneller w„chst als ihre Zufuhr und daher ihr Preis steigt. Dies Steigen des Preises fhrt in der Tat nach sich 1. daá diese Roh- stoffe aus gr”árer Entfernung zugefhrt werden, indem der stei- gende Preis gr”áre Transportkosten deckt; 2. daá die Produktion derselben vermehrt wird, ein Umstand, welcher, der Natur der Sa- che nach, aber vielleicht erst ein Jahr sp„ter die Produktenmasse wirklich vermehren kann; und 3. daá allerlei frher unbenutzte Surrogate vernutzt und ”konomischer mit den Abf„llen umgegangen wird. Wenn das Steigen der Preise anf„ngt, sehr merklich auf die Ausdehnung der Produktion und die Zufuhr zu wirken, ist meist schon der Wendepunkt eingetreten, wo infolge des l„nger fortge- setzten Steigens des Rohstoffs und aller Waren, in die er als Element eingeht, die Nachfrage f„llt und daher auch eine Reaktion im Preis des Rohstoffs eintritt. Abgesehn von den Konvulsionen, die dies durch Entwertung von Kapital in verschiednen Formen be- wirkt, treten noch andre gleich zu erw„hnende Umst„nde ein. #129# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel ----- Zun„chst ist aber schon aus dem bisher Gesagten klar: Je entwic- kelter die kapitalistische Produktion und je gr”áer daher die Mittel pl”tzlicher und anhaltender Vermehrung des aus Maschinerie usw. bestehenden Teils des konstanten Kapitals, je rascher die Akkumulation (wie namentlich in Zeiten der Prosperit„t), desto gr”áer die relative šberproduktion von Maschinerie und andrem fixem Kapital und desto h„ufiger die relative Unterproduktion der pflanzlichen und tierischen Rohstoffe, desto markierter das vor- her beschriebne Steigen ihres Preises und der diesem entspre- chende Rckschlag. Desto h„ufiger sind also die Revulsionen, die in dieser heftigen Preisschwankung eines der Hauptelemente des Reproduktionsprozess ihren Grund haben. Tritt nun aber der Zusammenbruch dieser hohen Preise ein, weil ihr Steigen teils eine Vernnderung der Nachfrage hervorgerufen, teils aber eine Erweiterung der Produktion hier, eine Zufuhr von entferntem und bisher weniger oder gar nicht benutzten Produkti- onsgegenden dort verursacht hat und mit beiden eine die Nachfrage berholende Zufuhr der Rohstoffe - sie namentlich berholend bei den alten hohen Preisen -, so ist das Resultat von verschiednen Gesichtspunkten zu betrachten. Der pl”tzliche Zusammenbruch des Preises der Rohprodukte legt ihrer Reproduktion einen Hemmschuh an, und so wird das Monopol der Ursprungsl„nder, die unter den gnstigsten Bedingungen produzieren, wieder hergestellt; viel- leicht unter gewissen Einschr„nkungen hergestellt, aber doch her- gestellt. Die Reproduktion der Rohstoffe geht zwar infolge des gegebnen Anstoáes auf erweiterter Stufenleiter vor sich, nament- lich in den L„ndern, die mehr oder weniger das Monopol dieser Produktion besitzen. Aber die Basis, auf der infolge der erwei- terten Maschinerie etc. die Produktion vor sich geht, und die nun nach einigen Schwankungen als neue normale Basis, als neuer Aus- gangspunkt zu gelten hat, ist sehr erweitert durch die Vorg„nge w„hrend des letzten Umschlagszyklus. Dabei hat aber in einem Teil der sekund„ren Bezugsquellen die eben erst gesteigerte Reproduk- tion wieder bedeutende Hemmung erfahren. So kann man z.B. aus den Exporttabellen mit den Fingern herauszeigen, wie w„hrend der letzten 30 Jahre (bis 1865) die indische Baumwollproduktion w„chst, wenn Ausfall in der amerikanischen eintritt, und dann pl”tzlich wieder mehr oder minder nachhaltig zurckgeht. W„hrend der Zeit der Rohstoffteurung tun sich die industriellen Kapitali- sten zusammen, bilden Assoziationen, um die Produktion zu regu- lieren. So z.B. nach dem Steigen der Baumwollpreise 1848 in Man- chester, „hnlich fr die Produktion des Flachses in Irland. So- bald aber der unmittelbare Anstoá vorber ist und das allgemeine Prinzip der Konkurrenz, "im wohlfeilsten #130# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Markt zu kaufen" (statt wie jene Assoziationen bezwecken, die Produktionsf„higkeit in Passenden Ursprungsl„ndern zu begnsti- gen, abgesehn vom unmittelbaren, augenblicklichen Preis, wozu diese das Produkt derzeit liefern k”nnen) - sobald also das Prin- zip der Konkurrenz wieder souver„n herrscht, berl„át man es wie- der dem Preise, die Zufuhr zu regulieren. Aller Gedanke an ge- meinsame, bergreifende und vorgehende Kontrolle der Produktion der Rohstoffe - eine Kontrolle, die im ganzen und groáen auch durchaus unvereinbar ist mit den Gesetzen der kapitalistischen Produktion, und daher immer frommer Wunsch bleibt oder sich auf ausnahmsweise gemeinsame Schritte in Augenblicken groáer unmit- telbarer Gefahr und Ratlosigkeit beschr„nkt - macht Platz dem Glauben, daá Nachfrage und Zufuhr sich gegenseitig regulieren werden. 16) Der Aberglaube der Kapitalisten ist hier so grob, daá selbst die Fabrikinspektoren wieder und wieder in ihren Berichten dar die H„nde ber dem Kopf zusammenschlagen. Die Abwechslung guter und schlechter Jahre bringt natrlich auch wieder wohlfei- lere Rohstoffe hervor. Abgesehn von der unmittelbaren Wirkung, die dies auf Ausdehnung der Nachfrage hat, kommt hinzu die frher erw„hnte Wirkung auf die Profitrate, als Stimulus. Und der obige Prozeá mit dem allm„hlichen berholtwerden der Produktion der Rohstoffe durch die Produktion von Maschinerie etc. wiederholt sich dann auf gr”árer Stufenleiter. Die wirkliche Verbesserung des Rohstoffs, so daá er nicht nur der Quantit„t, sondern auch der erheischten Qualit„t nach ----- 16) Seit obiges geschrieben wurde (1865), hat sich die Konkurrenz auf dem Weltmarkt bedeutend gesteigert durch die rapide Entwick- lung der Industrie in allen Kulturl„ndern, namentlich in Amerika und Deutschland. Die Tatsache, daá die rasch und riesig anschwel- lenden modernen Produktivkr„fte den Gesetzen des kapitalistischen Warenaustausches, innerhalb deren sie sich bewegen sollen, t„g- lich mehr ber den Kopf wachsen - diese Tatsache dringt sich heute auch dem Bewuátsein der Kapitalisten selbst mehr und mehr auf. Dies zeigt sich namentlich in zwei Symptomen. Erstens in der neuen allgemeinen Schutzzollmanie, die sich von der alten Schutz- z”llnerei besonders dadurch unterscheidet, daá sie gerade die ex- portf„higen Artikel am meisten sch„tzt. Zweitens in den Kartellen (Trusts) der Fabrikanten ganzer groáer Produktionssph„ren zur Re- gulierung der Produktion und damit der Preise und Profite. Es ist selbstredend, daá diese Experimente nur bei relativ gnstigem ”konomischen Wetter durchfhrbar sind. Der erste Sturm muá sie ber den Haufen werfen und beweisen, daá, wenn auch die Produk- tion einer Regulierung bedarf, es sicher nicht die Kapitalisten ist, die dazu berufen ist. Inzwischen haben diese Kartelle nur den Zweck, dafr zu sorgen. daá die Kleinen noch rascher von den Groáen verspeist werden als bisher. - F.E. #131# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel ----- geliefert wrde, z.B. Baumwolle amerikanischer Qualit„t von In- dien aus, wrde erheischen lang fortgesetzte, regelm„áig wach- sende und stetige europ„ische Nachfrage (ganz abgesehn von den ”konomischen Bedingungen, worunter der indische Produzent in sei- ner Heimat gestellt ist). So aber wird die Produktionssph„re der Rohstoffe nur stoáweise, bald pl”tzlich erweitert, dann wieder gewaltsam kontrahiert. Es ist dies alles, wie auch der Geist der kapitalistischen Produktion berhaupt, sehr gut zu studieren an der Baumwollennot von 1861-1865, wo noch hinzukam, daá ein Roh- stoff zeitweis ganz fehlte, der eins der wesentlichsten Elemente der Reproduktion ist. Es kann n„mlich auch der Preis steigen, w„hrend die Zufuhr voll ist, aber unter schwierigem Bedingungen voll. Oder es kann wirklicher Mangel an Rohstoff vorhanden sein. In der Baumwollkrisis fand ursprnglich das letztre statt. Je mehr wir daher in der Geschichte der Produktion der unmittel- barsten Gegenwart n„herrcken, um so regelm„áiger finden wir, na- mentlich in den entscheidenden Industriezweigen, den stets sich wiederholenden Wechsel zwischen relativer Teurung und daraus ent- springender, sp„trer Entwertung der der organischen Natur ent- lehnten Rohstoffe. Man wird das bisher Entwickelte illustriert finden in den folgenden, den Berichten der Fabrikinspektoren ent- lehnten Beispielen. Die Moral von der Geschichte, die man auch durch sonstige Be- trachtung der Agrikultur gewinnen kann, ist die, daá das kapita- listische System einer rationellen Agrikultur widerstrebt oder die rationelle Agrikultur unvertr„glich ist mit dem kapitalisti- schen System (obgleich dies ihre technische Entwicklung bef”r- dert) und entweder der Hand des selbst arbeitenden Kleinbauern oder der Kontrolle der ass oziie rten Produzenten bedarf. --- Wir lassen nun die soeben erw„hnten Illustrationen aus den engli- schen Fabrikberichten folgen. "Der Stand des Gesch„fts ist besser; aber der Zyklus guter und schlechter Zeiten verkrzt sich mit der Vermehrung der Maschine- rie, und wie sich damit die Nachfrage nach Rohstoff vermehrt, wiederholen sich auch die Schwankungen in der Gesch„fts h„ufi- ger... Augenblicklich ist nicht nur das Vertrauen wiederherge- stellt nach der Panik von 1857, sondern die Panik selbst scheint fast ganz vergessen.. Ob diese Besserung anhalten wird oder nicht, h„ngt in sehr groáem Maá ab vorn Preis der Rohstoffe. Es zeigen sich mir bereits Vorzeichen, daá in einigen F„llen das Ma- ximum schon erreicht ist, worber hinaus die Fabrikation immer weniger profitlich wird, bis sie endlich ganz aufh”rt, Profit zu liefern. Nehmen wir z.B. die gewinnreichen Jahre im #132# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Worsted-Gesch„ft 1849 und 1850, so sehn wir, daá der Preis engli- scher Kammwolle, auf 13 d. stand und von australischer 14 bis 17 d. per Pfund, und daá im Durchschnitt der 10 Jahre 1841-1850 der Durchschnittspreis englischer Wolle nie ber 14 d. und australi- scher ber 17 d. per Pfund stieg. Ab er im Anfang des Unglcks- jahrs 1857 stand australische Wolle auf 23 d.; sie fiel im Dezem- ber, in der schlimmsten Zeit der Panik, auf 18 d., ist aber im Lauf des Jahres 1858 wieder auf den gegenw„rtigen Preis von 21 d. gestiegen. Englische Wolle fing 1857 ebenfalls mit 20 d. an, stieg im April und September auf 21 d., fiel im Januar 1858 auf 14 d. und ist seitdem auf 17 d. gestiegen, so daá sie 3 d. per Pfund h”her steht als der Durchschnitt der angefrten 10 Jahre... Dies zeigt nach meiner Ansicht, daá entweder die Fallimente von 1857, die „hnlichen Preisen geschuldet waren, vergessen sind; oder daá nur knapp so viel Wolle produziert wird, wie die vor- handnen Spindeln verspannen k”nnen; oder aber daá die Preise von Geweben eine dauernde Steigerung erfahren werden... Ich habe aber in meiner bisherigen Erfahrung gesehn, wie in unglaublich kurzer Zeit die Spindeln und Websthle nicht nur ihre Zahl vervielf„l- tigt haben, sondern auch ihre Betriebsgeschwindigkeit; daá ferner unsre Wollausfuhr nach Frankreich fast in demselben Verh„ltnis gestiegen ist, w„hrend sowohl im In- wie im Ausland das Durch- schnittsalter der gehaltnen Schafe immer niedriger wird, da die Bev”lkerung sich rasch vermehrt und die Zchter ihren Viehbestand so rasch wie m”glich in Geld verwandeln wollen. Es ist mir daher oft „ngstlich zumute gewesen, wenn ich Leute sah, die, ohne diese Kenntnis, ihr Geschick und ihr Kapital in Unternehmungen angelegt haben, deren Erfolg von der Zufuhr eines Produkts abh„ngt, das nur nach gewissen organischen Gesetzen sich vermehren kann... Der Stand von Nachfrage und Zufuhr aller Rohstoffe... scheint viele Schwankunen im Baumwollengesch„ft zu erkl„ren und ebenso die Lage des englischen Wollmarkts im Herbst 1857 und die daraus folgende Gesch„ftskrisis." 17 (R. Baker in Rep. Fact., Oct. 1858", p. 56- 61.) Die Bltezeit der Worsted-Industrie des West Riding von Yorkshire war 1849/50. Es wurden dort hierin besch„ftigt 1838 29 246 Per- sonen, 1843 37 060, 1845 48 097, 1850 74 891. In demselben Di- strikt: 1838 2768 mechanische Websthle, 1841 11 458, 1843 16 870, 1845 19 121 und 1850 29 539. ("Rep. Fact., [Oct.] 1850", p. 60.) Diese Blte der Kammwollindustrie fing an bereits im Oktober 1850 verd„chtig zu werden. Im Bericht vom April 1851 sagt Subinspektor Baker ber Leeds und Bradford: "Der Stand des Gesch„fts ist seit einiger Zeit sehr unbefriedi- gend. Die Kammgarnspinner verlieren rasch die Profite von 1850, und die Mehrzahl der Weber kommt auch nicht besonders voran. Ich glaube, daá augenblicklich mehr Wollenmaschinerie stillsteht als je vorher, und auch die Machsspinner entlassen Arbeiter und stel- len Maschinen --- 17) Es versteht sich, daá wir nicht, mit Herrn Baker, die Wollen- krisis von 1857 aus dem Miáverh„ltnis der Preise zwischen Roh- stoff und Fabrikat e r k l „ r e n. Dies Verh„ltnis war selbst nur ein Symptom, und die Krise eine allgemeine. - F. E. #133# 6. Kapitel - Wirkung von Preise ----- still. Die Zyklen der Textilindustrie sind jetzt in der Tat „u- áerst ungewiá, und wir werden, denke ich, bald zur Einsicht kom- men... daá kein Verh„ltnis eingehalten wird zwischen der Produk- tionsf„higkeit der Spindeln, der Menge des Rohstoffs und der Ver- mehrung der Bev”lkerung." (p. 52.) Dasselbe gilt fr die Baumwollindustrie. In dem eben zitierten Bericht von Oktober 1858 heiát es: "Seitdem die Arbeitsstunden in Fabriken festgesetzt worden, sind die Betr„ge des Rohstoffverbrauchs, der Produktion, der L”hne in allen Textilindustrien auf einfache Regeldetri reduziert wor- den... Ich zitiere aus einem neulichen Vortrag... des Herrn Baynes, des jetzigen Mayor von Blackburn, ber die Baumwollindu- strie, worin er die industrielle Statistik seiner eignen Gegend mit m”glichstes Genauigkeit zusammengestellt: 'Jede wirkliche Pferdekraft bewegt 450 self-actor-Spindeln nebst Vorspinnmaschinerie oder 200 throstle-Spindeln oder 15 Sthle fr 40 Zoll breites Tuch, nebst Haspel., Scherungs- und Schlichtma- schinerie. Jede Pferdekraft besch„ftigt beim Spinnen 2 1/2 Arbei- ter, beim Weben aber 10; ihr Durchschnittslohn ist reichlich 10 1/2 sh. per Kopf per Woche... Die verarbeiteten Durchschnittsnum- mern sind Nr. 30-32 fr die Kette und Nr. 34-36 fr den Ein- schlag; nehmen wir das w”chentlich produzierte Gespinst auf 13 Unzen per Spindel an, so gibt dies 824 700 Pfund Garn per Woche, wofr 970 000 Pfund oder 2300 Ballen Baumwolle zum Preis von 28 300 Pfd.St. verbraucht werden... In unserm Distrikt (in einem Umkreis um Blackburn mit 5 englischen Meilen Radius) ist der w”- chentliche Baumwollverbrauch 1 530 000 Pfund oder 3650 Ballen zum Kostpreis von 44 625 Pfd.St. Es ist dies 1/18 der ganzen Baum- wollspinnerei des Vereinigten K”nigreichs und 1/6 der s„mtlichen mechanischen Weberei.' Nach den Berechnungen des Herrn Baynes w„re also die Gesamtzahl der Baum, wollspindeln des K”nigreichs 28 800 000, und um diese in voller Besch„ftigung zu halten, wrden j„hrlich 1 432 080 000 Pfund Baumwolle erfordert. Aber die Baumwolleinfuhr, nach Abzug der Ausfuhr, war 1856 und 1857 nur 1 022 576 832 Pfund; es muá also notwendig ein Defizit von 409 503 168 Pfund stattgefunden haben. Herr Baynes, der die Gte hatte, diesen Punkt mit mir zu besprechen, glaubt, daá eine Berechnung des j„hrlichen Bauinwoll- verbrauchs, begrndet auf den Verbrauch des Distrikts von Black- burn, zu hoch ausfallen wrde infolge des Unterschieds, nicht nur der gesponnenen Nummern, sondern auch der Vortrefflichkeit der Maschinerie. Er sch„tzt den gesamten j„hrlichen Baumwollverbrauch des Vereinigten K”nigreichs auf 1000 Mill. Pfund. Aber wenn er recht hat und wirklich ein šberschuá der Zufuhr von 22 1/2 Mill. stattfindet, so scheint Nachfrage und Zufuhr sich schon jetzt beinahe das Gleichgewicht zu halten, auch ohne daá wir die zu- s„tzlichen Spindeln und Websthle in Erw„gung ziehn, die nach Herrn Baynes in seinem eignen Bezirk in Aufstellung begriffen sind und, danach zu urteilen. in andren Distrikten wahrscheinlich ebenfalls." (p.59, 60, 61.) #134# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit ----- III. Allgemeine Illustration: die Baumwollkrise 1861-1865 Vorgeschichte 1845-1860. 1845. Bltezeit der Baumwollindustrie. Sehr niedriger Baumwoll- preis. L. Horner sagt darber: "W„hrend der letzten 8 Jahre ist mir keine so lebhafte Ge- sch„ftsperiode vorgekommen, wie sie im letzten Sommer und Herbst vorgeherrscht hat. Besonders in der Baumwollspinnerei. Das ganze halbe Jahr durch habe ich jede Woche Anmeldungen neuer Kapitalan- lagen in Fabriken erhalten; bald waren es neue Fabriken, die ge- baut wurden, bald hatten die wenigen leerstehenden neue Mieter gefunden, bald wurde, im Betrieb befindliche Fabriken ausgedehnt, neue st„rkre Dampfmaschinen und vermehrte Arbeitsmaschinerie auf- gestellt." ("Rep. Fact., Oct. 1845", p. 13.) 1846. Die Klagen beginnen. "Schon seit l„ngrer Zeit h”re ich von den Baumwollfabrikanten sehr verbreitete Klagen ber den gedruckten Stand ihres Ge- sch„fts... w„hrend der letzten 6 Wochen haben verschiedne Fabri- ken angefangen kurze Zeit zu arbeiten, gew”hnlich 8 Stunden t„g- lich statt 12; dies scheint sich zu verbreiten... es hat ein groáer Preisaufschlag der Baumwolle stattgefunden und... nicht nur keine Preiserh”hung des Fabrikats, sondern... seine Preise sind niedriger als vor dem Aufschlag in Baumwolle. Die groáe Ver- mehrung in der Zahl der Baumwollfabriken w„hrend der letzten 4 Jahre muá zur Folge gehabt haben einerseits eine stark vermehrte Nachfrage nach dem Rohstoff und andrerseits eine stark vermehrte Zufuhr von Fabrikaten auf den Markt; beide Ursachen mssen ge- meinsam zur Herackung des Profits gewirkt haben, solange die Zu- fuhr des Rohstoffs und die Nachfrage nach dem Fabrikat unver„n- dert blieb; aber sie haben noch weit st„rker gewirkt, weil einer- seits die Zufuhr von Baumwolle neuerdings ungengend war und andrerseits die Nachfrage nach den Fabrikaten in verschiednen in- l„ndischen und ausl„ndischen M„rkten abgenommen hat." ("Rep. Fact., Oct. 1846", p. 10.) Die steigende Nachfrage nach Rohstoff und die šberfllung des Markts mit Fabrikat gehn natrlich Hand in Hand. - Beil„ufig be- schr„nkte sich die damalige Ausdehnung der Industrie und nachfol- gende Stockung nicht auf die Baumwolldistrikte. Im Kammwolldi- strikt von Bradford waren 1836 nur 318 Fabriken, 1846 dagegen 490. Diese Zahlen drucken bei weitem nicht die wirkliche Steige- rung der Produktion aus, da die bestehenden Fabriken gleichzeitig bedeutend erweitert wurden. Dies gilt besonders auch von Flachsspinnereien. #135# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel ----- "Sie alle haben mehr oder weniger w„hrend der letzten 10 Jahre beigetragen zu der šberfhrung des Markts, der die jetzige Stoc- kung des Gesch„fts groáenteils zugeschrieben werden muá... Der gedruckte Gesch„ftsstand folgt ganz natrlich aus einer so ra- schen Erweitrung der Fabriken und der Maschinerie." ("Rep. Fact., Oct. 1846", p. 30.) 1847. Im Oktober Geldkrisis. Diskonto 8%. Vorher schon Zusammen- bruch des Eisenbahnschwindels, der ostindischen Wechselreiterei. Aber: "Herr Baker gibt sehr interessante Details ber die in den letz- ten Jahren gestiegne Nachfrage fr Baumwolle, Wolle und Flachs infolge der Ausdehnung dieser Industrien. Er h„lt die vermehrte Nachfrage nach diesen Rohstoffen, namentlich da sie zu einer Zeit eintrat, wo deren Zufuhr weit unter den Durchschnitt gefallen ist, fr fast gengend, den gegenw„rtigen gedruckten Stand dieser Gesch„ftszweige zu erkl„ren, auch ohne daá man die Zerrttung des Geldmarkts zu Hilfe nimmt. Diese Ansicht wird vollst„ndig best„- tigt durch meine eignen Beobachtungen und durch das, was ich von gesch„ftskundigen Leuten erfahren habe. Diese verschiednen Ge- sch„ftszweige waren alle schon sehr gedrckt, als Diskontierungen noch leicht zu 5% und weniger zu bewirken waren. Dagegen war die Zufuhr von Rohseide reichlich, die Preise m„áig und das Gesch„ft demgem„á lebhaft, bis... in den letzten 2 oder 3 Wochen, wo un- zweifelhaft die Geldkrisis nicht nur die Trarnierer selbst, son- dern noch mehr ihre Hauptkunden, die Fabrikanten von Modewaren, affiziert hat. Ein Blick auf die ver”ffentlichten amtlichen Be- richte zeigt, daá die Baumwollindustrie in den letzten drei Jah- ren sich um beinahe 27% vermehrt hat. Infolgedessen ist Baum- wolle, rund gesprochen, von 4 d. auf 6 d. per Pfund gestiegen, w„hrend Garn, dank der vermehrten Zufuhr, nur eine Kleinigkeit ber seinem frhern Preise steht. Die Wollindustrie fing 1836 an, sich auszudehnen, seitdem ist sie in Yorkshire um 40% gewachsen und in Schottland noch mehr. Noch gr”áer ist der Zuwachs in der Worsted-Industrie." Die Berechnungen ergeben hier fr denselben Zeitraum eine Ausdehnung von ber 74%. Der Verbrauch von Rohwolle ist daher enorm gewesen. Die Leinenindustrie zeigt seit 1839 einen Zuwachs von ungef„hr 25% in England, 22% in Schottland und beinahe 90% in Irland ; die Folge hiervon, bei gleichzeitigen schlechten Flachsernten, war, daá der Rohstoff um 10 Pfd.St. per Tonne gestiegen, der Garnpreis dagegen 6 d. das Bndel gefallen ist." ("Rep. Fact., Oct. 1847", p. 30, 31.) --- 18) Man unterscheidet in England streng zwischen Woollen Manufac- ture, die aus kurzer Wolle Streichgarn spinnt und verweht (Hauptzentrum Leeds), und Worsted Manufacture, die aus langer Wolle Kammgarn spinnt und verweht (Hauptsitz Bradford in Yorks- hire). - F.E. 19) Diese rasche Ausdehnung der Maschinenspinnerei von Leinengarn in Irland gab dem Export des deutschen (schlesischen, Lausitzer, westf„lischen) aus Handgepinst gewobnen Leinens damals den Todes- stoá. - F.E. #136# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- 1849. Seit den letzten Monaten von 1848 lebte das Gesch„ft wieder auf. "Der Flachspreis, der so niedrig war, daá er fast unter allen m”glichen zuknftigen Umst„nden einen ertr„glichen Profit sicher- stellte, hat die Fabrikanten veranlaát, ihr Gesch„ft stetig fort- zufahren. Die Wollfabrikanten waren im Anfang des Jahrs eine Zeitlang sehr stark besch„ftigt... ich frchte aber, daá Konsi- gnationen von Wollenwaren oft die Stelle wirklicher Nachfrage vertreten und daá Perioden scheinbarer Prosperit„t, d.h. voller Besch„ftigung, nicht immer mit den Perioden legitimer Nachfrage sich decken. W„hrend einiger Monate ist das Worsted-Gesch„ft be- sonders gut gewesen... Im Anfang der erw„hnten Periode stand Wolle besonders niedrig; die Spinner hatten sich zu vorteilhaften Preisen gedeckt und sicher auch in bedeutenden Quantit„ten. Als der Wollpreis mit den Frhjahrsauktionen stieg, hatten die Spin- ner den Vorteil davon, und sie behielten ihn, da die Nachfrage nach Fabrikaten betr„chtlich und unabweishar wurde." ("Rep. Fact., [April] 1849", p. 42.) "Wenn wir die Variationen im Stand des Gesch„fts ansehn, die in den Fabrikdistrikten seit jetzt 3 oder 4 Jahren vorgekommen sind, so mssen wir, glaube ich, zugeben, daá irgendwo eine groáe St”- rungsursache besteht... Kann da nicht die ungeheure Produktiv- kraft der vermehrten Maschinerie ein neues Element geliefert ha- ben?" ("Rep. Fact., April 1849", p. 42, 43.) Im November 1848, Mai und Sommer bis Oktober 1849 wurde das Ge- sch„ft immer schwunghafter. "Am meisten gilt dies von der Fabrikation von Stoffen aus Ungarn, die sich um Bradford und Halifax gruppiert; dies Gesch„ft hat zu keiner frhern Zeit auch nur ann„hernd seine jetzige Ausdehnung erreicht... Die Spekulation im Rohstoff und die Ungewiáheit ber seine wahrscheinliche Zufuhr hat von jeher gr”áre Aufregung und h„ufigere Schwankung in der Baumwollindustrie hervorgerufen als in irgendeinem andern Gesch„ftszweig. Es findet hier augenblick- lich eine Anh„ufung von Vorr„ten grabrer Baumwollwaren statt, die die kleinern Spinner beunruhigt und sie bereits benachteiligt, so daá mehrere von ihnen kurze Zeit arbeiten." ("Rep. Fact., Oct. 1849", p. 64, 65.) 1850. April. Fortdauernd flottes Gesch„ft. Ausnahme: "Groáe Depression in einem Teil der Baumwollindustrie infolge un- gengender Zufuhr des Rohstoffs gerade fr grobe Garnnummem und schwere Gewebe... Es wird befrchtet, daá die fr das Worsted-Ge- sch„ft neuerdings aufgestellte vermehrte Maschinerie eine „hnli- che Reaktion herbeifhren wird. Herr Baker berechnet, daá allein im Jahre 1849 in diesem Gesch„ftszweig das Produkt der Websthle um 40% und das der Spindein um 25-30% gestiegen ist, und die Aus- dehnung geht noch immer im selben Verh„ltnis voran." ("Rep. Fact., April 1850" p. 54.) #137# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel ----- 1850. Oktober. "Der Baumwollpreis f„hrt fort... eine betr„chtliche Gedrcktheit in diesem Industriezweig zu verursachen, besonders fr solche Wa- ren, bei denen der Rohstoff, einen betr„chtlichen Teil der Pro- duktionskosten ausmacht. Der groáe Preisaufschlag der Rohseide hat auch in diesem Zweig vielfach einen Druck herbeigefhrt." ("Rep. Fact., Oct. 1850", p. 14.) Nach dem hier zitierten Bericht des Komitees der k”niglichen Ge- sellschaft fr Flachsbau in Irland hatte hier der hohe Flachs- preis, bei niedrigem Preisstand andrer landwirtschaftlichen Pro- dukte, eine bedeutende Vermehrung der Flachsproduktion fr das folgende Jahr sichergestellt. (p. 33.) 1853. April. Groáe Prosperit„t. "Zu keiner Zeit w„hrend der 17 Jahre, w„hrend denen ich amtliche Kenntnis genommen habe vom Stand des Fabirikdistrikts von Lan- cashire, ist mir eine solche allgemeine Prosperit„t vorgekommen; die T„tigkeit ist in allen Zweigen auáerordentlich", sagt L. Hor- ner. ("Rep. Fact., April 1853", p. 19.) 1853. Oktober. Depression der Baumwollindustrie. "šberproduktion." ("Rep. Fact., October 1853", p. 15.) 1854. April. "Das Wollgesch„ft, obwohl nicht flott, hat in allen Fabriken volle Besch„ftigung geliefert; ebenso die Baumwollindustrie. Das Worsted-Gesch„ft war im ganzen vorigen Halbjahr durchweg unregel- m„áig... In der Leinenindustrie fand St”rung statt infolge der verminderten Zufuhren von Flachs und Hanf aus Ruáland wegen des Krimkriegs." ("Rep. Fact., [April] 1854", p. 37.) 1859. "Das Gesch„ft in der schottischen Leinenindustrie ist noch ge- drckt... da der Rohstoff selten und teuer ist; die geringe Qua- lit„t der vorigen Ernte in den Ostseel„ndern, woher wir unsre Hauptzufuhr bezogen, wird eine sch„dliche Wirkung auf das Ge- sch„ft dieses Bezirks ausben; dagegen ist Jute, die in vielen groben Artikeln den Flachs allm„hlich verdr„ngt, weder ungew”hn- lich teuer noch selten... ungef„hr die H„lfte der Maschinerie in Dundee spinnt jetzt Jute." ("Rep. Fact., April 1859", p. 19.) "Infolge des hohen Preises des Rohstoffs ist die Flachsspinnerei noch immer durchaus nicht lohnend, und w„hrend alle andern Fabri- ken die volle Zeit laufen, haben wir verschiedne Beispiele der Stillsetzung von Flachsmaschinerie... Die Jutespinnerei... ist in einer zufriedenstellendem Lage, da neuerdings dieser Stoff auf einen m„áigem Preis herabgegangen ist." ("Rep. Fact. October 1859", p. 20.) #138# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- 1861-1864. Amerikanischer Brgerkrieg. Cotton Famine. 1*) Das gr”áte Beispiel der Unterbrechung des Produktionsprozesses durch Mangel und Teuerung des Rohstoffs 1860. April. "Was den Stand des Gesch„fts angeht, freut es mich, Ihnen mittei- len zu k”nnen, daá trotz des hohen Preises der Rohstoffe alle Textilindustrien, mit Ausnahme von Seide, w„hrend des letzten halben Jahres recht gut besch„ftigt gewesen sind... In einigen der Baumwollbezirke sind Arbeiter auf dem Weg der Annonce gesucht worden und aus Norfolk und andern l„ndlichen Grafschaften dorthin gewandert... Es scheint in jedem Industriezweig ein groáer Mangel an Rohstoff zu herrschen. Es ist... dieser Mangel allein, der uns in Schranken h„lt. Im Baumwollgesch„ft ist die Zahl der neu er- richteten Fabriken, die Erweiterung der schon bestehenden und die Nachfrage nach Arbeitern wohl nie so stark gewesen wie jetzt. Nach allen Richtungen hin ist man auf der Suche nach Rohstoff." ("Rep. Fact., April 1860", p. 57.) 1860. Oktober. "Der Stand des Gesch„fts in den Baumwoll-, Woll- und Flachsbezir- ken ist gut gewesen; in Irland soll er sogar sehr gut gewesen sein seit mehr als einem Jahr und w„re noch besser gewesen ohne den hohen Preis des Rohstoffs. Die Flachsspinner scheinen mit mehr Ungeduld als je auf die Er”ffnung der Hilfsquellen Indiens durch die Eisenbahnen zu warten und auf die entsprechende Ent- wicklung seiner Agrikultur, um endlich eine... ihren Bedrfnissen entsprechende Zufuhr von Flachs zu erhalten." ("Rep. Fact., October 1860", p. 37.) 1861. April. "Der Gesch„ftsstand ist augenblicklich gedrckt... einige wenige Baumwollfabriken arbeiten kurze Zeit, und viele Seidenfabriken sind nur teilweise besch„ftigt. Rohstoff ist teuer. In fast jedem textilen Zweige steht er ber dem Preis, zu dem er fr die Masse der Konsumenten verarbeitet werden kann." ("Rep. Fact., April 1861 p. 33.) Es zeigte sich jetzt, daá 1860 in der Baumwollindustrie berpro- duziert worden war; die Wirkung davon machte sich noch w„hrend der n„chsten Jahre fhlbar. "Es hat zwischen zwei und drei Jahren genommen, bis die šberpro- duktion von 1860 auf dem Weltmarkt absorbiert war." ("Rep. Fact., October 1863", p. 127.) Der gedruckte Stand der M„rkte fr Baum- wollfabrikate in Ostasien, anfangs 1860, hatte eine entsprechende Rckwirkung auf das Gesch„ft in Blackburn, wo im Durchschnitt 30 000 mechanische Websthle fast ausschlieálich in der Produk- tion von Geweben fr diesen Markt besch„ftigt sind. Die Nachfrage fr Arbeit war demzufolge hier schon ----- 1*) Baumwolinot #139# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel ----- beschr„nkt, viele Monate bevor die Wirkungen der Baumwollblockade sich fhlbar machten... Glcklicherweise wurden hierdurch viele Fabrikanten vor dem Ruin bewahrt. Die Vorr„te stiegen im Wert, solange man sie auf Lager hielt, und so wurde die erschreckende Entwertung vermieden, die sonst in einer solchen Krisis unver- meidlich war." ("Rep. Fact., October 1862", p. 28, 29, 30.) 1861. Oktober. "Das Gesch„ft ist seit einiger Zeit sehr gedruckt gewesen... Es ist gar nicht unwahrscheinlich, daá w„hrend der Wintermonate viele Fabriken die Arbeitszeit sehr verkrzen werden. Dies war indes vorherzusehn... ganz abgesehn von den Ursachen, die unsre gew”hnliche Baumwollzufuhr von Amerika und unsre Ausfuhr unter- brochen haben, wurde Verkrzung der Arbeitszeit fr den kommenden Winter notwendig geworden sein infolge der starken Vermehrung der Produktion in den letzten drei Jahren und der St”rungen im indi- schen und chinesischen Markt." ("Rep. Fact., October 1861", p. 19.) Baumwollabfall. Ostindische Baumwolle (Surat). Einfluá auf den Lohn der Arbeiter. Verbesserung in der Maschinerie. Ersetzung von Baumwolle durch St„rkmehl und Mineralien. Wirkung dieser St„rk- mehlschlichte auf die Arbeiter. Spinner feinerer Garnnummern. Be- trug der Fabrikanten "Ein Fabrikant schreibt mir wie folgt: was die Sch„tzung des Baumwollverbrauchs per Spindel betrifft, so ziehn Sie wohl nicht hinreichend die Tatsache in Rechnung, daá, wenn Baumwolle teuer ist, jeder Spinner gew”hnlicher Garne (sage bis Nr. 40, haupt- s„chlich Nr. 12-32) so feine Nummern spinnt, wie er nur irgend kann, d.h. er wird Nr. 16 spinnen statt frher Nr. 12 oder Nr. 22 statt Nr. 16 usw.; und der Weber, der diese feinen Carne verwebt, wird seinen Kattun auf das gew”hnliche Gewicht bringen, indem er um so viel mehr Schlichte zusetzt. Dies Hilfsmittel wird jetzt benutzt in einem wirklich schm„hlichen Grad. Ich habe aus guter Quelle geh”rt, daá es ordin„re Shirtings 1*) fr Export gibt, wo- von das Stck 8 Pfund wiegt, und wovon 2 3/4 Pfund Schlichte wa- ren. In Gewebe andrer Sorten wird oft bis zu 50% Schlichte ge- steckt, so daá der Fabrikant keineswegs lgt, der sich rhmt, ein reicher Mann zu werden, indem er sein Gewebe fr weniger Geld per Pfund verkauft, als er fr das Garn bezahlt hat, woraus es ge- macht ist." ("Rep. Fact., April 1864", p. 27.) "Es sind mir auch Aussagen gemacht worden, daá die Weber ihren gesteigerten Krankheitsstand der Schlichte zuschreiben, die fr die aus ostindischer Baumwolle gesponnenen Ketten verwandt wird und die nicht mehr wie frher bloá aus Mehl besteht. Dies Surro- gat fr Mehl soll jedoch den sehr groáen Vorteil bieten, daá es das Gewicht des Gewebes bedeutend vermehrt, so daá 15 Pfund Garn, wenn verwebt, zu 20 Pfund werden." ("Rep. Fact., Oct. 1863", p. 63. Dies Surrogat war gemahlner Talk, ----- 1*) Hemdenstoffe #140# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- genannt China clay, oder Cips, genannt French chalk.) - "Der Ver- dienst der Weber (hier bedeutet dies die Arbeiter) ist sehr ver- mindert durch Anwendung von Surrogaten fr Mehl als Ketten- schlichte. Diese Schlichte macht das Garn schwerer, aber auch hart und brchig. Jeder Faden der Kette geht im Webstuhl durch die sogenannte Litze, deren starke F„den die Kette in der richti- gen Lage halten; die hartgeschlichteten Ketten verursachen fort- w„hrende Fadenbrche in der Litze; jeder Bruch verursacht dem We- ber fnf Minuten Zeitverlust zur Reparatur; der Weber hat diese Sch„den jetzt mindestens 10mal so oft wie frher auszubessern, und der Stuhl leistet w„hrend der Arbeitsstunden natrlich um so viel weniger." (l.c.p. 42, 43.) "In Ashton, Stalybridge, Mossley, Oldham etc. ist die Beschr„n- kung der Arbeitszeit um ein volles Drittel durchgefhrt, und die Arbeitsstunden werden noch jede Woche weiter verkrzt... Gleich- zeitig mit dieser Verkrzung der Arbeitszeit findet auch in vielen Zweigen Herabsetzung des Lohns statt." (p. 13.) Anfangs 1861 fand ein Strike unter den mechanischen Webern in ei- nigen Teilen von Lancashire statt. Verschiedne Fabrikanten hatten eine Lohnherabsetzung von 5-7 1/2 % angekndigt; die Arbeiter be- standen darauf, daá die Lohns„tze beibehalten, aber die Arbeits- stunden verkrzt werden sollten. Dies wurde nicht bewilligt, und der Strike entstand. Nach einem Monat muáten die Arbeiter nachge- ben. Aber nun erhielten sie beides: "Auáer der Lohnherabsetzung, worin die Arbeiter zuletzt einwil- ligten, arbeiten jetzt auch viele Fabriken kurze Zeit." (" Rep. Fact., April 1861", p. 23.) 1862. April. "Die Leiden der Arbeiter haben sich seit dem Datum meines letzten Berichts bedeutend vermehrt, aber zu keinerzeit in der Geschichte der Industrie sind so pl”tzliche und so schwere iden ertragen worden mit so viel schweigender Resignation und so geduldigem Selbstgefhl." ("Rep. Fact., April 1862", p. 10.) - Die Verh„lt- niszahl der augenblicklich ganz besch„ftigungslosen Arbeiter scheint nicht viel gr”áer zu sein als 1848, wo eine gew”hnliche Panik herrschte, die aber bedeutend genug war, um die beunruhig- ten Fabrikanten zur Zusammenstellung einer „hnlichen Statistik ber die Baumwollindustrie zu veranlassen, wie sie jetzt w”chent- lich ausgegeben wird... Im Mai 1848 waren von s„mtlichen Baum- wollarbeitern in Manchester 15%, unbesch„ftigt, 12% arbeiteten kurze Zeit, w„hrend ber 70% auf voller Zeit besch„ftigt waren. Am 28. Mai 1862 waren 15% unbesch„ftigt, 35% arbeiteten kurze Zeit, 49% volle Zeit... In den Nachbarorten, z.B. Stockport, ist die Prozentzahl der nicht voll und der gar nicht Besch„ftigten h”her, die der Vollbesch„ftigten geringer", weil n„mlich hier gr”bere Nummern gesponnen werden als in Manchester. (p. 16.) 1862. Oktober, "Nach der letzten amtlichen Statistik waren [1861] im Vereinigten K”nigreich 2887 Baumwollfabriken, davon 2109 in meinem Distrikt (Lancashire und Cheshire). #141# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel ----- Ich wuáte wohl, daá ein sehr groáer Teil der 2109 Fabriken in meinem Bezirk kleine Etablissements waren, die nur wenig Leute besch„ftigen. Es hat mich aber berrascht zu entdecken, wie groá diese Zahl ist. In 392, oder 19%, ist die Triebkraft, Dampf oder Wasser, unter 10 Pferdekraft; in 345, oder 16%, zwischen 10 und 20 Pferdekraft; in 1372 ist sie 20 Pferde und mehr... Ein sehr groáer Teil dieser kleinen Fabrikanten mehr als ein Drittel der Gesamtzahl - waren selbst vor nicht langer Zeit Arbeiter; sie sind Leute ohne Kommando ber Kapital... Die Hauptiast wurde also auf die brigen 2/3 fallen." ("Rep. Fact., October 1862", p. 18, 19.) Nach demselben Bericht waren von den Baumwollarbeitern in Lan- cashire und Cheshire damals voll besch„ftigt 40 146 oder 11,3%, mit beschr„nkter Arbeitszeit besch„ftigt 134 767 oder 38%, unbe- sch„ftigt 179 721 oder 50,7%. Zieht man hiervon die Angaben ber Manchester und Bolton ab, wo haupts„chlich feine Nummern gespon- nen werden, ein von der Baumwollnot verh„ltnism„áig wenig be- troffner Zweig, so stellt sich die Sache noch ungnstiger, n„m- lich: Vollbesch„ftigt 8,5%, beschr„nkt besch„ftigt 38%, unbe- sch„ftigt 53,5%. (p. 19, 20.) "Es macht fr die Arbeiter einen wesentlichen Unterschied, ob gute oder schlechte Baumwolle verarbeitet wird. In den ersten Mo- naten des Jahrs, als die Fabrikanten ihre Fabriken dadurch in Gang zu halten suchten, daá sie alle zu m„áigen Preisen kaufbare Baumwolle aufbrauchten, kam viel schlechte Baumwolle in Fabriken, wo frher gew”hnlich gute verwandt wurde; der Unterschied im Lohn der Arbeiter war so groá, daá viele Strikes stattfanden, weil sie jetzt zum alten Stcklohn keinen ertr„glichen Taglohn mehr her- ausschlagen konnten... In einigen F„llen betrug der Unterschied durch Anwendung schlechter Baumwolle selbst bei voller Arbeits- zeit die H„lfte des Gesamtlohns." (p. 27.) 1863. April. "Im Lauf dieses Jahres wird nicht viel mehr als die H„lfte der Baumwollarbeiter voll besch„ftigt werden k”nnen." ("Rep. Fact., April 1863", p. 14.) "Ein sehr ernstlicher Nachteil bei Verwendung ostindischer Baum- wolle, wie die Fabriken sie jetzt gebrauchen mssen, ist der, daá die Geschwindigkeit der Maschinerie dabei sehr verlangsamt werden muá. W„hrend der letzten Jahre wurde alles aufgeboten, diese Ge- schwindigkeit zu beschleunigen, so daá dieselbe Maschinerie mehr Arbeit tat. Die verminderte Geschwindigkeit trifft aber den Ar- beiter ebensosehr wie den Fabrikanten; denn die Mehrzahl der Ar- beiter wird nach Stcklohn bezahlt, die Spinner soviel per Pfund gesponnenes Garn, die Weber soviel per gewebtes Stck; und selbst bei den andern, nach Wochenlohn bezahlten Arbeitern wurde eine Lohnverminderung eintreten infolge der verminderten Produktion. Nach meinen Ermittlungen... und den mir bergebnen Aufstellungen des Verdienstes der Baumwollarbeiter im Lauf dieses Jabrs... er- gibt sich eine Vermindrung von durchnittlich 20%, in einigen F„l- len von 50%, berechnet nach den Lohnh”hen, wie sie 1861 herrsch- ten." #142# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- (p. 13.) - "Die verdiente Summe h„ngt ab... davon, was fr Mate- rial verarbeitet wird... Die Lage der Arbeiter, in Beziehung auf den verdienten Lohnbetrag, ist sehr viel besser jetzt" (Oktober 1863) "als voriges Jahr um diese Zeit. Die Maschinerie ist ver- bessert worden, man kennt den Rohstoff besser, und die Arbeiter werden leichter mit den Schwierigkeiten fertig, womit sie anfangs zu k„mpfen hatten. Voriges Frhjahr war ich in Preston in einer N„hschule" (Wohlt„tigkeitsanstalt fr Unbesch„ftigte); "zwei junge M„dchen, die tags zuvor in eine Weberei geschickt waren, auf die Angabe des Fabrikanten hin, daá sie 4 sh. die Woche ver- dienen k”nnten, baten um Wiederaufnahme in die Schule und klag- ten, sie h„tten nicht 1 sh. per Woche verdienen k”nnen. Ich habe Angaben gehabt ber Self-acting minders... M„nner, die ein paar Self-actors regieren, die nach 14 Tagen voller Arbeitszeit 8 sh. 11 d. verdient hatten, und von dieser Summe wurde ihnen die Haus- miete abgezogen, wobei der Fabrikant" (Edelmtigster!) "ihnen je- doch die halbe Miete als Geschenk zurckgab. Die Minders nahmen die Summe von 6 sh. 11 d. nach Hause. An manchen Orten verdienten die Self-acting minders 5-9 sh. die Woche, die Weber von 2-6 sh. die Woche, w„hrend der letzten Monate 1862... Gegenw„rtig besteht ein viel gesundrer Zustand, obwohl der Verdienst in den meisten Distrikten noch immer sehr abgenommen hat... Mehrere andre Ursa- chen haben zu dem geringen Verdienst beigetragen, neben dem kr- zern Stapel der indischen Baumwolle und ihrer Verunreinigung. So z.B. ist es jetzt Brauch, Baumwollabfall reichlich unter die in- dische Baumwolle zu mischen, und dies steigert natrlich die Schwierigkeit fr den Spinner noch mehr. Bei der Krze der Faser reiáen die F„den leichter beim Herausziehen der Mule und beim Drehen des Garns, und die Mule kann nicht so regelm„áig im Gang gehalten werden... Ebenso kann, bei der groáen Aufmerksamkeit, die auf die F„den verwandt werden muá, eine Weberin h„ufig nur einen Stuhl berwachen, und nur sehr wenige mehr als zwei Sthle... In vielen F„llen ist der Lohn der Arbeiter geradezu um 5, 7 1/2, und 10% herabgesetzt worden... in der Mehrzahl der F„lle muá der Arbeiter zusehn, wie er mit seinem Rohstoff fertig wird und wie er zum gew”hnlichen Lohnsatz an Verdienst heraus- schl„gt was er kann... Eine andre Schwierigkeit, womit die Weber zuweilen zu k„mpfen haben, ist, daá sie aus schlechtem Stoff gutes Gewebe machen sollen und mit Lohnabzgen gestraft werden, wenn die Arbeit nicht nach Wunsch ausf„llt." ("Rep. Fact., October 1863", p. 41-43.) Die L”hne waren miserabel, selbst wo volle Zeit gearbeitet wurde. Die Baumwollarbeiter stellten sich bereitwillig zu all den ”f- fentlichen Arbeiten, Dr„nage, Wegehauten, Steineklopfen, Straáe- pflastern, wozu sie verbraucht wurden, um ihre Untersttzung (die tats„chlich eine Untersttzung der Fabrikanten war, s. Buch I, S. 598/589 1*)) von den Lokalbeh”rden zu beziehn. Die ganze Bour- geoisie stand auf Wache ber den Arbeitern. Wrde der schlechteste Hundelohn angeboten und der Arbeiter wollte ihn nicht ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S.600/601 #143# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel ----- nehmen, so strich das Untersttzungskomitee ihn von der Unter- sttzungsliste. Es war insofern eine goldne Zeit fr die Herrn Fabrikanten, als die Arbeiter entweder verhungern oder zu jedem dem Bourgeois profitabelsten Preis arbeiten muáten, wobei die Un- tersttzungskomitees als ihre Wachthunde agierten. Zugleich ver- hinderten die Fabrikanten, in geheimem Einverst„ndnis mit der Re- gierung, die Auswanderung soweit wie m”glich, teils um ihr im Fleisch und Blut der Arbeiter existierendes Kapital stets in Be- reitschaft zu halten, teils um die von den Arbeitern erpreáte Hausmiete zu sichern. Die Untersttzungskomitees handelten in diesem Punkt mit groáer Strenge. War Arbeit angeboten, so wurden die Arbeiter, denen sie angeboten worden, von der Liste gestrichen und so gezwungen, sie anzunehmen. Wenn sie sich weigerten, die Arbeit anzutreten... so war die Ursache die, daá ihr Verdienst bloá nominell, die Arbeit aber auáerordentlich schwer sein wrde." l.c.p. 97.) Die Arbeiter waren zu jeder Art Arbeit bereitwillig, zu der sie infolge des Public Works Act 1*) angestellt wurden. "Die Grunds„tze, wonach industrielle Besch„ftigungen organisiert wurden, wechselten bedeutend in verschiednen St„dten. Aber selbst an den Orten, wo die Arbeit in freier Luft nicht absolut als Ar- beitsprobe (Iabour test) diente, wurde diese Arbeit doch entweder mit der bloáen regelm„áigen Untersttzungssumme oder doch nur so unbedeutend h”her bezahlt, daá sie in der Tat eine Arbeitsprobe wurde." (p. 69.) Der Public Works Act von 1863 sollte diesem šbel abhelfen und den Arbeiter bef„higen, seinen Taglohn als unabh„n- giger Tagl”hner zu verdienen. Der Zweck dieses Akts war dreifach: 1. Lokalbeh”rden zu bef„higen, Geld (mit Einwilligung des Pr„si- denten der staatlichen Zentral-Armenbeh”rde) von den Schatzan- leihe-Kommiss„ren zu borgen; 2. Verbesserungen in den St„dten der Baumwollbezirke zu erleichtern; 3. den unbesch„ftigten Arbeitern Arbeit und lohnenden Verdienst (remunerative wages) zu verschaf- fen." Bis Ende Oktober 1863 waren Anleihen bis zum Betrag von 883 700 Pfd.St. unter diesem Gesetz bewilligt worden. (p. 70.).Die unter- nommenen Arbeiten waren haupts„chlich Kanalisation, Wegebauten, Straáenpflastem, Sammelteiche fr Wasserwerke etc. Herr Henderson, Pr„sident des Komitees von Blackburn, schreibt mit Beziehung hierauf an Fabrikinspektor Redgrave: "W„hrend meiner ganzen Erfahrung im Lauf der gegenw„rtigen Zeit des Leidens und des Elends hat mich nichts st„rker frappiert oder mir mehr Freude gemacht als die heitre Bereitwilligkeit, womit die unbesch„ftigten Arbeiter dieses Distrikts die ihnen gem„á dem Public Works Act vom Stadtrat von Blackburn angebotne Arbeit bernommen haben. Man kann kaum einen groáem Kontrast denken als den zwischen ----- 1*) Gesetzes ber ”ffentliche Arbeiten #144# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- dem Baumwollspinner, der frher als geschickter Arbeiter in der Fabrik, und jetzt als Tagel”hner an einem Abzugskanal 14 oder 18 Fuá tief arbeitet." (Sie verdienten dabei je nach Gr”áe der Familie 4-12 sh. w”chent- lich, letztre riesige Summe muáte oft fr eine Familie von 8 Per- sonen ausreichen. Die Herren Spieábrger hatten dabei doppelten Profit: Erstens bekamen sie das Geld zur Verbesserung ihrer rau- chigen und vernachl„ssigten St„dte zu ausnahmsweis niedrigen Zin- sen; zweitens zahlten sie die Arbeiter weit unter den regelm„ái- gen Lohns„tzen.) "Gewohnt wie er war, an eine fast tropische Temperatur, an Ar- beit, wobei Gewandtheit und Genauigkeit der Manipulation ihm un- endlich mehr nutzte als Muskelkraft, gewohnt an das Doppelte, manchmal Dreifache der Entlohnung, die er jetzt erhalten kann, schlieát seine willige Annahme der gebotnen Besch„ftigung eine Summe von SeIbstverleugnung und Rcksicht ein, die ihm zur h”chsten Ehre gereicht. In Blackburn sind die Leute probiert wor- den, bei fast jeder m”glichen Art von Arbeit in freier Luft; beim Ausgraben eines steifen, schweren Lehmbodens auf betr„chtliche Tiefe, bei Trockenlegung, Steinklopfen, Wegebauten, bei Ausgra- bungen fr Straáenkan„le auf Tiefen von 14, 16 und zuweilen 20 Fuá. H„ufig stehn sie dabei in 10-12 Zoll tiefem Schmutz und Was- ser, und jedesmal sind sie dabei einem Klima ausgesetzt, dessen nasse K„lte in keinem Distrikt Englands bertroffen, wenn ber- haupt erreicht wird." (p. 91, 92.) - "Die Haltung der Arbeiter ist fast tadellos gewesen... ihre Bereitwilligkeit, die Arbeit in freier Luft zu bernehmen und sich damit durchzuschlagen." (p. 69.) 1864. April. "Gelegentlich h”rt man in verschiednen Bezirken Klagen ber Man- gel an Arbeitern, haupts„chlich in gewissen Zweigen, z.B. der We- berei... aber diese Klagen haben ihren Ursprung ebensosehr in dem geringen Lohn, den die Arbeiter verdienen k”nnen infolge der an- gewandten schlechten Garnsorten, wie in irgendwelchen wirklichen Seltenheit von Arbeitern selbst in diesem besondern Zweig. Zahl- reiche Zwistigkeiten wegen des Lohns haben vorigen Monat stattge- funden zwischen gewissen Fabrikanten und ihren Arbeitern. Ich be- daure, daá Strikes nur zu h„ufig vorgekommen sind... Die Wirkung des Public Works Act wird von den Fabrikanten als eine Konkurrenz empfunden, und infolgedessen hat das Lokalkomitee von Bacup seine T„tigkeit suspendiert, denn obwohl noch nicht alle Fabriken lau- fen, hat sich doch ein Mangel an Arbeitern gezeigt." ("Rep. Fact., April 1864", p. 9.) Es war allerdings die h”chste Zeit fr die Herren Fabrikanten. Infolge des Public Works Act wuchs die Nachfrage so sehr, daá in den Steinbrchen bei Bacup manche Fabrikarbeiter jetzt 4-5 sh. t„glich verdienten. Und so wurden die ”ffentlichen Arbeiten all- m„hlich eingestellt - diese neue Auflage der Ateliers nationaux von 1848 [20], aber diesmal errichtet zum Nutzen der Bourgeoisie. #145# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel 145 ----- Experimente in corpore vili 1*) "Obwohl ich den sehr herabgesetzten Lohn" (der Vollbesch„ftig- ten), den wirklichen Verdienst der Arbeiter in verschiednen Fa- briken gegeben habe, folgt keineswegs, daá sie Woche fr Woche dieselbe Summe verdienen. Die Arbeiter sind hier groáen Schwan- kungen ausgesetzt infolge des best„ndigen Experimentierens der Fabrikanten mit verschiednen Arten und Proportionen von Baumwolle und Abfall in derselben Fabrik; die Mischungen, wie man sie nennt, werden h„ufig gewechselt, und der Verdienst der Arbeiter steigt und f„llt mit der Qualit„t der Baumwollmischung. Zuweilen blieb er nur 15% des frhern Verdienstes, und in einer oder ein paar Wochen fiel er auf 50 oder 60% herunter." Inspektor Redgrave, der hier spricht, gibt nun der Praxis entnom- mene Lohnaufstellungen, wovon hier folgende Beispiele hinreichen: A, Weber, Familie von 6 Personen, 4 Tage in der Woche besch„f- tigt, 6 sh. 8 1/2 d.; B, Twister 2*), 4 1/2 Tag per Woche, 6 sh.; C, Weber, Familie von 4, 5 Tage per Woche, 5 sh. 1 d.; D, Slubber 3*), Familie von 6, 4 Tage per Woche, 7 sh. 10 d.; E, Weber, Fa- milie von 7, 3 Tage. 5 sh. usw. Redgrave f„hrt fort: "Die obigen Aufstellungen verdienen Beachtung, denn sie beweisen, daá die Arbeit in mancher Familie ein Unglck werden wrde, da sie nicht nur das Einkommen reduziert, sondern es so tief herun- terbringt, daá es vollst„ndig unzureichend wird, um mehr als einen ganz kleinen Teil ihrer absoluten Bedrfnisse zu befriedi- gen, wenn nicht zus„tzliche Untersttzung in F„llen gegeben wrde, wo der Verdienst der Familie nicht die Summe erreicht, die sie alt, Untersttzung erhalten wurde, wenn sie alle unbesch„f- tigt w„ren." ("Rep. Fact., October 1863", p. 50-53.) "In keiner Woche seit dem 5. Juni 1863 ist die durchschnittliche Gesamtbesch„ftigung aller Arbeiter mehr als zwei Tage, 7 Stunden und einige Minuten gewesen." l.c.p. 121.) Von Anfang der Krise bis 25. M„rz 1863 wurden beinahe drei Mill. Pfd.St. ausgegeben von den Armenverwaltungen, dem Zentral-Unter- sttzungskomitee und dem Londoner Mansion-House-Komitee. (p. 13.) "In einem Bezirk, wo wohl das feinste Garn gesponnen wird... er- leiden die Spinner eine indirekte Lohnherabsetzung von 15% in- folge des šbergangs von Sea Island zu „gyptischer Baumwolle... In einem ausgedehnten Distrikt, wo Baumwollabfall in Mengen verwandt wird zur Mischung mit indischer Baumwolle, haben die Spinner eine hnreduktion von 5% gehabt und auáerdem noch 20-30% verloren in- folge der Verarbeitung von Surat und Abfall. Die Weber sind von vier Sthlen auf ----- 1*) an einem wertlosen K”rper - 2*) Zwirner - 3*) Vorspinner #146# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- 2 heruntergekommen. 1860 machten sie auf jeden Webstuhl 5 sh. 7 d., 1863 nur 3 sh. 4 d.... Die Geldstrafen, die auf amerikanische Baumwolle frher von 3 d. bis 6 d. variierten" (fr den Spinner), laufen jetzt auf zu 1 sh. bis 3 sh. 6 d." In einem Bezirk, wo „gyptische Baumwolle gebraucht wurde, ver- mischt mit ostindischer: "Der Durchschnittslohn der Mule-Spinner 1860 war 18-25 sh. und ist jetzt 10-18 sh. Dies ist nicht ausschlieálich durch die ver- schlechterte Baumwolle verursacht, sondern auch durch die vermin- derte Geschwindigkeit der Mule, um dem Garn eine st„rkere Drehung zu geben, wo in gew”hnlichen Zeiten Extrazahlung gemm„á der Lohn- liste gemacht worden w„re." (p. 43, 44, 45-50.) Obgleich die ost- indische Baumwolle vielleicht hier und da mit Profit fr den Fa- brikanten verarbeitet worden ist, so sehn wir doch (siehe Lohnli- ste p. 53), daá die Arbeiter darunter leiden, verglichen mit 1861. Setzt sich der Gebrauch von Surat fest, so werden die Ar- beiter den gleichen Verdienst wie 1861 verlangen; dies aber wrde den Profit des Fabrikanten ernstlich affizieren, falls es nicht ausgeglichen wird durch den Preis, sei es der Baumwolle, sei es der Fabrikate." (p. 105.) Hausmiete. "Die Hausmiete der Arbeiter, wenn die von ihnen bewohnten cotta- ges dem Fabrikanten geh”ren, wird von diesem h„ufig vom Lohn ab- gezogen, selbst wenn kurze Zeit gearbeitet wird. Trotzdem ist der Wert dieser Geb„ude gesunken, und H„uschen sind jetzt 25-50% wohlfeiler gegen frher zu haben; eine cottage, die sonst 3 sh. 6 d. per Woche kostete, ist jetzt fr 2 sh. 4 d. zu haben und zu- weilen noch fr weniger." (p. 57.) Auswanderung. Die Fabrikanten waren natrlich gegen die Auswande- rung der Arbeiter, einestells weil sie "in Erwartung beárer Zeiten fr die BaumwoIlindustrie sich die Mittel zur Hand erhalten wollten, um ihre Fabrik in der vorteil- haftesten Weise zu betreiben." Dann aber auch sind manche Fabri- kanten Eigentmer der H„user, worin die von ihnen besch„ftigten Arbeiter wohnen, und wenigstens einige von ihnen rechnen unbe- dingt darauf, sp„ter einen Teil der aufgelaufnen schuldigen Miete bezahlt zu erhalten". (p. 96.) Herr Bernal Osborne sagt in einer Rede an seine Parlamentsw„hler vom 22. Oktober 1864, daá sich die Arbeiter von Lancashite benom- men haben wie die antiken Philosophen (Stoiker). Nicht wie Schafe? #147# ----- SIEBENTES KAPITEL Nachtr„ge Gesetzt, wie in diesem Abschnitt unterstellt, die in jeder beson- dren Produktionssph„re angeeignete Profitmasse sei gleich der Summe des Mehrwerts, den das in dieser Sph„re angelegte Gesamtka- pital erzeugt. So wird der Bourgeols den Profit doch nicht als identisch mit dem Mehrwert, d.h. mit unbezahlter Mehrarbeit, auf- fassen, und zwar aus folgenden Grnden nicht: 1. In dem Prozeá der Zirkulation vergiát er den Produktionspro- zeá. Das Realisieren des Werts der Waren - worin das Realisieren ihres Mehrwerts eingeschlossen - gilt ihm als Machen dieses Mehr- werts. {Eine leergelassene Lcke im Manuskript deutet an, daá Marx diesen Punkt n„her zu entwickeln vorhatte. - F. E.} 2. Denselben Exploitationsgrad der Arbeit vorausgesetzt, hat sich gezeigt, daá, abgesehn von allen durch das Kreditsystem hereinge- brachten Modifikationen, von aller wechselseitigen šbervorteilung und Prellerei der Kapitalisten untereinander, ferner von aller gnstigen Wahl des Markts, die Profitrate sehr verschieden sein kann, je nachdem der Rohstoff wohlfeiler oder minder wohlfeil, mit mehr oder minder Sachkenntnis angekauft; je nachdem die ange- wandte Maschinerie produktiv, zweckm„áig und wohlfeil; je nachdem die Gesamteinrichtung der verschiednen Stufen des Produktionspro- zesses mehr oder minder vollkommen, die Stoffvergeudung besei- tigt, die Leitung und Aufsicht einfach und wirksam ist usw. Kurz, den Mehrwert fr ein bestimmtes variables Kapital gegeben, so h„ngt es noch sehr von der individuellen Gesch„ftstchtigkeit, sei es des Kapitalisten selbst, sei es seiner Unteraufseher und Kommis ab, ob sich dieser selbe Mehrwert in einer gr”áern oder kleinern Profitrate ausdrckt, und daher, ob er eine gr”áere oder kleinere Profitmasse liefert. Derselbe Mehrwert von 1000 Pfd.St., das Produkt von 1 000 Pfd.St. Arbeitslohn, sei im Gesch„ft A auf 9000 Pfd.St. und in dem andern Gesch„ft B auf 11000 Pfd.St. #148# 1. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- konstantes Kapital bezogen. Im Fall A haben wir p' = 1000/10 000 = 10%. Indem 1000 Fall B haben wir p' = 1000/12 000 = 8 1/3 %. Das Gesamtkapital produziert bei A verh„ltnism„áig mehr Profit als bei B, weil dort die Profitrate h”her als hier, obgleich in beiden F„llen das vorgeschoáne variable Kapital 1000 und der aus demselben geschlagne Mehrwert ebenfalls = 1000 ist, also in bei- den F„llen gleich groáe Exploitation von gleich vielen Arbeitern stattfindet. Diese Verschiedenheit der Darstellung derselben Masse Mehrwerts oder die Verschiedenheit der Profitraten und da- her der Profite selbst, bei gleicher Exploitation der Arbeit, kann auch aus andren Quellen herstammen; sie kann aber auch ein- zig und allein entspringen aus der Verschiedenheit in dem Ge- sch„ftsgeschick, womit beide Gesch„fte gefhrt sind. Und dieser Umstand verleitet den Kapitalisten - berzeugt ihn -, daá sein Profit geschuldet ist, nicht der Exploitation der Arbeit, sondern wenigstens teilweise auch andern, davon unabh„ngigen Umst„nden, namentlich aber seiner individuellen Tat. --- Aus dem in diesem ersten Abschnitt Entwickelten folgt die Falsch- heit der Ansicht (Rodbertus [21]), wonach (im Unterschied von der Grundrente, wo z.B. das Bodenareal dasselbe bleibe, w„hrend die Rente wachse) ein Gr”áenwechsel des Kapitals ohne Einfluá auf das Verh„ltnis zwischen Profit und Kapital und daher auf die Pro- fitrate bleibe, weil, wenn die Masse des Profits w„chst, auch die Masse des Kapitals w„chst, auf das er berechnet wird und umge- kehrt. Dies ist nur wahr in zwei F„llen. Erstens wenn, alle andern Um- st„nde, also namentlich die Rate des Mehrwerts, als gleichblei- bend vorausgesetzt, ein Wertwechsel der Ware eintritt, welche die Geldware ist. (Dasselbe findet statt bei dem nur nominellen Wert- wechsel, Steigen oder Fallen von Wertzeichen bei sonst gleichen Umst„nden.) Das Gesamtkapital sei 100 Pfd.St. und der Profit = 20 Pfd.St., die Profitrate also = 20%. F„llt oder steigt das Gold nun um 100%, so wird im ersten Fall dasselbe Kapital 200 Pfd.St. wert sein, das frher 100 Pfd.St. wert war, und der Profit wird einen Wert von 40 Pfd.St. haben, d.h. sich in diesem Geldausdruck darstellen, statt frher in 20 Pfd.St. Im zweiten Fall sinkt das Kapital auf einen Wert von 50 Pfd.St., und der Profit stellt sich dar in einem Produkt zum Wert von 10 Pfd.St. Aber in beiden F„l- len ist 200:40 50:10 = 100:20 ----- 1*) 1. Auflage: steigt oder f„llt; ge„ndert nach dem Manuskript von Marx #149# 7. Kapitel - Nachtr„ge ----- = 20%. In allen diesen F„llen w„re jedoch in der Tat kein Gr”áen- wechsel im Kapitalwert, sondern nur im Geldausdruck desselben Werts und desselben Mehrwerts vorgegangen. Es k”nnte also auch m/C oder die Profitrate nicht affiziert werden. Der andre Fall ist der, wenn wirklicher Gr”áenwechsel des Werts stattfindet, aber dieser Gr”áenwechsel nicht begleitet ist von einem Wechsel im Verh„ltnis von v:c, d.h., wenn bei konstanter Rate des Mehrwerts das Verh„ltnis des in Arbeitskraft ausgelegten Kapitals (das variable Kapital als Index der in Bewegung gesetz- ten Arbeitskraft betrachtet) zu dem in Produktionsmitteln ausge- legten Kapital dasselbe bleibt. Unter diesen Umst„nden, ob wir C oder nC oder C/n haben, z.B. 1000 oder 2000 oder 500, wird der Profit, bei 20% Profitrate, im ersten Fall 200, im zweiten = 400, im dritten = 100 sein; aber 200/1000 = 400/2000 = 100/500 = 20%. D.h. die Profitrate bleibt hier unver„ndert, weil die Zusammen- setzung des Kapitals dieselbe bleibt und von seinem Gr”áenwechsel nicht berhrt wird. Zunahme oder Abnahme der Profitmasse zeigt daher hier nur an Zunahme oder Abnahme in der Gr”áe des angewand- ten Kapitals. Im ersten Fall findet also nur ein scheinbarer Gr”áenwechsel des angewandten Kapitals statt, im zweiten Fall findet ein wirklicher Gr”áenwechsel statt, aber kein Wechsel in der organischen Zusam- mensetzung des Kapitals, in dem Verh„ltnis seines variablen Teils zu seinem konstanten. Aber diese beiden F„lle ausgenommen, ist der Gr”áenwechsel des an gewandten Kapitals entweder F o l g e eines vorhergegangnen Wertwechsels in einem seiner Bestandteile und daher (sofern nicht mit dem variablen Kapital der Mehrwert selbst wechselt) eines Wechsels in der relativen Gr”áe seiner Be- standteile; oder dieser Gr”áenwechsel (Wie bei Arbeiten ,auf groáer Stufenleiter, Einfhrung neuer Maschinerie etc.) ist die Ursache eines Wechsels in der relativen Gr”áe seiner beiden orga- nischen Bestandteile. In allen diesen F„llen muá daher bei sonst gleichen Umst„nden der Gráenwechsel des angewandten Kapitals be- gleitet sein von einem gleichzeitigen Wechsel der Profitrate. --- Die Vermehrung der Profitrate stammt stets daher, daá der Mehr- wert relativ oder absolut im Verh„ltnis zu seinen Produktionsko- sten, d.h. zum vorgeschoánen Gesamtkapital, vermehrt wird oder die Differenz zwischen Rate des Profits und Rate des Mehrwerts vermindert wird. #150# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Schwankungen in der Rate des Profits, unabh„ngig vom Wechsel in den organischen Bestandteilen des Kapitals oder von der absoluten Gr”áe des Kapitals, sind dadurch m”glich, daá der Wert des vorge- schoánen Kapitals, in welcher Form, fix oder zirkullerend, es existiere, steigt oder f„llt infolge einer, von dem schon exi- stierenden Kapital unabh„ngigen, Erh”hung oder Erniedrigung der zu einer Reproduktion n”tigen Arbeitszeit. Der Wert Jeder Ware - also auch der Waren, woraus das Kapital besteht - ist bedingt nicht durch die in ihr selbst enthaltne notwendige Arbeitszeit, sondern durch die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, die zu ihrer Reproduktion erheischt ist. Diese Reproduktion kann erfol- gen unter erschwerenden oder unter erleichternden Umst„nden, ver- schieden von den Bedingungen der ursprngilchen Produktion. Be- darf es unter den ver„nderten Umst„nden allgemein doppelt so vieler oder umgekehrt halb so vieler Zeit, um dasselbe sachliche Kapital zu reproduzieren, so wrde bei unver„ndertem Wert des Geldes, wenn es frher 100 Pfd.St. wert, jetzt 200 Pfd.St., bzw. 50 Pfd.St. wert sein. Tr„fe diese Werterh”hung oder Entwertung alle Teile des Kapitals gleichm„áig, so wurde sich auch der Pro- fit entsprechend in der doppelten oder nur in der halben Geld- summe ausdrcken. Schlieát sie aber eine Žnderung in der organi- schen Zusammensetzung des Kapitals ein, steigert oder senkt sie das Verh„ltnis des variablen zum konstanten Kapitalteil, so wird die Profitrate bei sonst gleichen Umst„nden wachsen mit relativ wachsendem, fallen bei relativ sinkendem variablem Kapital. Steigt oder f„llt nur der Geldwert (infolge einer Wert„nderung des Geldes) des vorgeschoánen Kapitals, so steigt oder f„llt im selben Verh„ltnis der Geldausdruck des Mehrwerts. Die Profitrate bleibt unver„ndert. #151# ----- Zweiter Abschnitt Die Verwandlung des Profits in Durchschnittsprofit ACHTES KAPITEL Verschiedne Zusammensetzung der Kapitale in verschiednen Produk- tionszweigen und daher folgende Verschiedenheit der Profitraten Im vorigen Abschnitt wurde unter anderm nachgewiesen, wie bei gleichbleibender Rate des Mehrwerts die Profitrate variieren, steigen oder fallen kann. In diesem Kapitel wird nun vorausge- setzt, daá der Exploitationsgrad der Arbeit und daher die Rate des Mehrwerts und die L„nge des Arbeitstags in allen Produktions- sph„ren, worin sich die gesellschaftliche Arbeit in einem gegeb- nen Lande spaltet, von gleicher Gr”áe, gleich hoch ist. Von vielen Verschiedenheiten in der Exploitation der Arbeit in ver- schiednen Produktionssph„ren hat schon A. Smith [22] ausfhrlich nachgewiesen, daá sie sich durch allerlei wirkliche oder vom Vor- urteil akzeptierte Kompensationsgrnde ausgleichen und daher, als nur scheinbare und verschwindende Verschiedenheiten, fr die Un- tersuchung der allgemeinen Verh„ltnisse nicht in Rechnung kommen. Andre Unterschiede, z.B. in der H”he des Arbeitslohns, beruhen groáenteils auf dem schon im Eingang zu Buch 1, S. 19 1*) erw„hn- ten Unterschied zwischen einfacher und komplizierter Arbeit und berhren, obgleich sie das Los der Arbeiter in verschiednen Pro- duktionssph„ren sehr verungleichen, keineswegs den Exploitations- grad der Arbeit in diesen verschiednen Sph„ren. Wird z.B. die Ar- beit eines Goldschmieds teurer bezahlt als die eines Tagl”hners, so stellt die Mehrarbeit des Goldschmieds in demselben Verh„ltnis auch gr”áern Mehrwert her als die des Tagl”hners. Und wenn die Ausgleichung der Arbeitsl”hne und Arbeitstage und daher der Rate des Mehrwerts zwischen ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 59 #152# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr. ----- verschiednen Produktionssph„ren, ja selbst zwischen verschiednen Kapitalanlagen in derselben Produktionssph„re durch vielerlei lo- kale Hindernisse aufgehalten wird, so vollzieht sie sich doch mehr und mehr mit dem Fortschritt der kapitalistischen Produktion und der Unterordnung aller ”konomischen Verh„ltnisse unter diese Produktionsweise. So wichtig das Studium solcher Friktionen fr jede Spezialarbeit ber den Arbeitslohn, so sind sie doch fr die allgemeine Untersuchung der kapitalistischen Produktion als zu- f„llig und unwesentlich zu vernachl„ssigen. In solcher allgemei- nen Untersuchung wird berhaupt immer vorausgesetzt, daá die wirklichen Verh„ltnisse ihrem Begriff entsprechen, oder was das- selbe, werden die wirklichen Verh„ltnisse nur dargestellt, soweit sie ihren eignen allgemeinen Typus ausdrcken. Der Unterschied der Raten des Mehrwerts in verschiednen L„ndern und daher der nationalen Exploitationsgrade der Arbeit ist fr die vorliegende Untersuchung durchaus gleichgltig. Wir wollen ja eben in diesem Abschnitt darstellen, in welcher Weise eine allge- meine Profitrate innerhalb eines Landes hergestellt wird. Es ist jedoch klar, daá man bei Vergleichung der verschiednen nationalen Profitraten nur das frher Entwickelte mit dem hier zu Entwic- kelnden zusammenzustellen hat. Erst betrachte man die Verschie- denheit in den nationalen Raten des Mehrwerts und dann vergleiche man, auf Grundlage dieser gegehnen Raten des Mehrwerts, die Ver- schiedenheit der nationalen Profitraten. Soweit ihre Verschieden- heit nicht aus der Verschiedenheit der nationalen Raten des Mehr- werts resultiert, muá sie Umst„nden geschuldet sein, worin, wie in der Untersuchung in diesem Kapitel, der Mehrwert als berall gleich, als konstant vorausgesetzt wird. Es wurde im vorigen Kapitel gezeigt, daá, die Rate des Mehrwerts als konstant vorausgesetzt, die Profitrate, die ein bestimmtes Kapital abwirft, steigen oder fallen kann infolge von Umst„nden, die den Wert eines oder des andern Teils des konstanten Kapitals erh”hen oder erniedrigen und dadurch berhaupt das Verh„ltnis zwischen den konstanten und variablen Bestandteilen des Kapitals affizieren. Es wurde ferner bemerkt, daá Umst„nde, welche die Um- schlagszeit eines Kapitals verl„ngern oder verkrzen, in „hnli- cher Weise die Profitrate affizieren k”nnen. Da die Masse des Profits identisch ist mit der Masse des Mehrwerts, mit dem Mehr- wert selbst, so zeigte sich auch, daá die Masse des Profits - im Unterschied von der Profitrate - nicht von den eben erw„hnten Wertschwankungen betroffen wird. Sie modifizierten nur die Rate, worin sich ein gegebner Mehrwert und daher auch ein Profit von gegebner Gr”áe ausdrckt, d.h. seine verh„ltnism„áige Gr”áe, seine Gr”áe verglichen mit der Gr”áe des vorgeschoánen #153# 8. Kapitel - Verschiedenheit der Profitraten usw. ----- Kapitals. Insofern infolge jener Wertschwankungen Bindung oder Freisetzung von Kapital stattfand, konnte auf diesem indirekten Weg nicht nur die Profitrate, sondern der Profit selbst affiziert werden. Indes galt dies dann immer nur von bereits engagiertem Kapital, nicht von neuer Kapitalanlage; und auáerdem hing die Vergr”áerung oder Verringerung des Profits selbst immer davon ab, inwiefern infolge jener Wertschwankungen mit demselben Kapital mehr oder weniger Arbeit in Bewegung gesetzt werden konnte, also mit demselben Kapital - bei gleichbleibender Rate des Mehrwerts - eine gr”áre oder geringre Masse von Mehrwert produziert werden konnte. Weit entfernt, dem allgemeinen Gesetz zu widersprechen oder eine Ausnahme davon zu bilden, war diese scheinbare Ausnahme in der Tat nur ein besondrer Fall der Anwendung des allgemeinen Gesetzes. Wenn sich im vorigen Abschnitt zeigte, daá bei konstantem Ex- ploitationsgrad der Arbeit, mit Wertwechsel der Bestandteile des konstanten Kapitals und ebenso mit Wechsel in der Umschlagszeit des Kapitals, die Profitrate sich „nderte, so folgt daraus von selbst, daá die Profitraten verschiedner gleichzeitig nebeneinan- der existierenden Produktionssph„ren verschieden sein werden, wann bei sonst gleichbleibenden Umst„nden die Umschlagszeit der angewandten Kapitale eine verschiedne, oder wenn das Wertverh„lt- nis zwischen den organischen Bestandteilen dieser Kapitale in den verschiednen Produktionszweigen verschieden ist. Was wir frher betrachteten als Žnderungen, die zeitlich nacheinander mit dem- selben Kapital vorgingen, betrachten wir jetzt als gleichzeitig vorhandne Unterschiede zwischen nebeneinander bestehenden Kapi- talanlagen in verschiednen Produktionssph„ren. Wir werden hierbei zu untersuchen haben: 1. die Verschiedenheit in der o r g a n i s c h e n Z u s a m m e n s e t z u n g der Kapi- tale, 2. die Verschiedenheit ihrer Umschlagszeit. Die Voraussetzung bei dieser ganzen Untersuchung ist selbstver- st„ndlich die, daá, wenn wir von Zusammensetzung oder Umschlag des Kapitals in einem bestimmten Produktionszweig sprechen, immer das durchschnittliche Normalverh„ltnis des in diesem Produktions- zweig angelegten Kapitals gemeint, berhaupt von dem Durchschnitt des in der bestimmten Sph„re angelegten Gesamtkapitals, nicht von den zuf„lligen Unterschieden der in dieser Sph„re angelegten Ein- zelkapitale die Rede ist. Da ferner unterstellt ist, daá Rate des Mehrwerts und Arbeitstag konstant, und da diese Unterstellung ebenfalls Konstanz des Arbeitslohns einschlieát, so drckt ein gewisses Quantum variables Kapital ein gewisses Quantum in Bewe- gung gesetzter Arbeitskraft und daher ein bestimmtes #154# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr. ----- Quantum sich vergegenst„ndlichender Arbeit aus. Wenn also 100 Pfd.St. den WochenIohn von 100 Arbeitern ausdrckt, also in der Tat 100 Arbeiterkraft anzeigt, so n x 100 Pfd.St. die von n x 100 Arbeitern und 100 Pfd.St./n die von 100/n Arbeitern. Das variable Kapital dient hier also (wie bei gegebnem Arbeitslohn stets der Fall) als Index der Masse der von einem bestimmten Gesamtkapital in Bewegung gesetzten Arbeit; Verschiedenheiten in der Gr”áe des angewandten variablen Kapitals dienen daher als Indizes der Ver- schiedenheit in der Masse der angewandten Arbeitskraft. Wenn 100 Pfd.St. 100 Arbeiter w”chentlich darstellen und daher bei 60 Stunden w”chentlicher Arbeit 6000 Arbeitsstunden repr„sentieren, so 200 Pfd.St. 12 000 und 50 Pfd.St. nur 3000 Arbeitsstunden. Unter Zusammensetzung des Kapitals verstehn wir, wie schon in Buch I gesagt, das Verh„ltnis seines aktiven und seines passiven Bestandteils, des variabeln und des konstanten Kapitals. Es kom- men hierbei zwei Verh„ltnisse in Betracht, die nicht von gleicher Wichtigkeit sind, obgleich sie unter gewissen Umst„nden gleiche Wirkung hervorbringen k”nnen. Das erste Verh„ltnis beruht auf technischer Grundlage und ist auf einer bestimmten Entwicklungs- stufe der Produktivkraft als gegeben zu betrachten. Eine be- stimmte Masse Arbeitskraft, dargestellt durch eine bestimmte An- zahl Arbeiter, ist erheischt, um eine bestimmte Masse Produkt, z.B. in einem Tag zu produzieren und daher - was darin einge- schlossen - eine bestimmte Masse Produktionsmittel, Maschinerie, Rohstoffe etc. in Bewegung zu setzen, produktiv zu konsumieren. Es kommt eine bestimmte Anzahl Arbeiter auf ein bestimmtes Quan- tum Produktionsmittel und daher ein bestimmtes Quantum lebendiger Arbeit auf ein bestimmtes Quantum von in den Produktionsmitteln bereits vergegenst„ndlichter Arbeit. Dies Verh„ltnis ist sehr verschieden in verschiednen Produktionssph„ren, oft zwischen den verschiednen Zweigen einer und derselben Industrie, obgleich es zuf„llig wieder in sehr weit auseinanderliegenden Industriezwei- gen ganz oder ann„hernd dasselbe sein kann. Dies Verh„ltnis bildet die technische Zusammensetzung des Kapi- tals und ist die eigentliche Grundlage seiner organischen Zusam- mensetzung. Es ist aber auch m”glich, daá jenes Verh„ltnis in verschiednen Industriezweigen dasselbe sei, soweit das variable Kapital bloáer Index von Arbeitskraft und das konstante Kapital bloáer Index der von der Arbeitskraft in Bewegung gesetzten Masse von Produktions- mitteln ist. Z.B. gewisse Arbeiten in Kupfer und Eisen m”gen gleiches Verh„ltnis zwischen Arbeitskraft und Masse von Produkti- onsmitteln voraussetzen. Da aber Kupfer #155# 8. Kapitel - Verschiedenheit der Profitraten usw. ----- teurer als Eisen, wird das Wertverh„ltnis zwischen variablem und konstantem Kapital in beiden F„llen verschieden sein und darin auch die Wertzusammensetzung der beiden Gesamtkapitale. Der Un- terschied zwischen der technischen Zusammensetzung und der Wert- zusammensetzung zeigt sich in jedem Industriezweig darin, daá bei konstanter technischer Zusammensetzung das Wertverh„ltnis der beiden Kapitaltelle wechseln und bei ver„nderter technischer Zu- sammensetzung das Wertverh„ltnis dasselbe bleiben kann; letztres natrlich nur, wenn der Wechsel in dem Verh„ltnis der angewandten Massen von Produktionsmitteln und Arbeitskraft durch entgegenge- setzten Wechsel in ihren Werten ausgeglichen wird. Die Wertzusammensetzung des Kapitals, insofern sie durch seine technische Zusammensetzung bestimmt wird und diese widerspiegelt, nennen wir die o r g a n i s c h e Zusammensetzung des Kapi- tals. 20) Bei dem variablen Kapital setzen wir also voraus, daá es Index einer bestimmten Menge Arbeitskraft, bestimmter Anzahl Arbeiter oder bestimmter Massen in Bewegung gesetzter lebendiger Arbeit ist. Man hat im vorigen Abschnitt gesehn, daá Wechsel in der Wertgr”áe des variablen Kapitals m”glicherweise nichts darstellt als gr”áern oder geringem Preis derselben Arbeitsrnasse; aber hier, wo Mehrwertsrate und Arbeitstag als konstant, der Arbeits- lohn fr bestimmte Arbeitszeit als gegeben betrachtet wird, f„llt dies fort. Dagegen kann ein Unterschied in der Gr”áe des konstan- ten Kapitals zwar auch Index sein eines Wechsels in der Masse der von einem bestimmten Quantum Arbeitskraft in Bewegung gesetzten Produktionsmittel; aber er kann auch herrhren von dem Unter- schied im Wert, den die in Bewegung gesetzten Produktionsmittel in einer Produktionssph„re als unterschieden von der andren ha- ben. Beide Gesichtspunkte kommen daher hier in Erw„gung. Endlich ist folgendes Wesentliche zu bemerken: Gesetzt, 100 Pfd.St. sei der Wochenlohn von 100 Arbeitern. Ge- setzt, die w”chentliche Arbeitszeit sei = 60 Stunden. Gesetzt ferner die Rate des Mehrwerts sei = 100%. In diesem Falle arbei- ten die Arbeiter von den 60 Stunden 30 fr sich selbst und 30 um- sonst fr den Kapitalisten. In den 100 Pfd.St. Arbeitslohn sind in der Tat nur 30 Arbeitsstunden der 100 Arbeiter --- 20) Das Obige findet sich schon kurz entwickelt in der dritten Auflage des ersten Buchs, S. 628, am Anfang von Kapitel XXIII 1*). Da die beiden ersten Auflagen jene Stelle nicht enthalten, war ihre Wiederholung hier um so mehr geboten. - F. E. ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 640 #156# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr. ----- oder zusammen 3000 Arbeitsstunden verk”rpert, w„hrend die andren 3000 Stunden, die sie arbeiten, verk”rpert sind in den 100 Pfd.St. Mehrwert, resp. Profit, den der Kapitalist einsteckt. Ob- gleich der Arbeitslohn von 100 Pfd.St. daher nicht den Wert aus- drckt, worin sich die Wochenarbeit der 100 Arbeiter vergegen- st„ndlicht, so zeigt er doch an (da L„nge des Arbeitstags und Rate des Mehrwerts gegeben), daá von diesem Kapital 100 Arbeiter w„hrend zusammen 6000 Arbeitsstunden in Bewegung gesetzt worden sind. Das Kapital von 100 Pfd.St. zeigt dies an, weil es erstens die Anzahl der in Bewegung gesetzten Arbeiter anzeigt, indem 1 Pfd. St. = 1 Arbeiter per Woche, also 100 Pfd.St. = 100 Arbeiter; und zweitens, weil jeder in Bewegung gesetzte Arbeiter, bei der gegebnen Mehrwertsrate von 100%, noch einmal soviel Arbeit ver- richtet als in seinem Lohn enthalten ist, also 1 Pfd.St., sein Lohn, der der Ausdruck einer halben Woche Arbeit, eine ganze Wo- che Arbeit in Bewegung setzt, und ebenso 100 Pfd.St., obgleich sie nur 50 Wochen Arbeit enthalten, 100 Arbeitswochen. Es ist da also ein sehr wesentlicher Unterschied zu machen zwischen dem va- riablen, in Arbeitslohn ausgelegten Kapital, soweit sein Wert, die Summe der Arbeitsl”hne, ein bestimmtes Quantum vergegenst„nd- lichter Arbeit darstellt und soweit sein Wert bloáer Index ist der Masse lebendiger Arbeit, die es in Bewegung setzt. Diese letztre ist immer gr”áer als die in ihm enthaltne Arbeit und stellt sich daher auch in einem h”hern Wert dar als dem des vari- ablen Kapitals; in einem Wert, der bestimmt ist einerseits durch die Anzahl der vom variablen Kapital in Bewegung gesetzten Arbei- ter und andrerseits durch das Quantum Mehrarbeit, das sie ver- richten. Es folgt aus dieser Betrachtungsweise des variablen Kapitals. Wenn eine Kapitalanlage in der Produktionssph„re A auf Je 700 des Gesamtkapitals nur 100 in variablem Kapital verausgabt und 600 in konstantem, w„hrend in der Produktionssph„re B 600 in variablem und nur 100 in konstantem verausgabt werden, so wird jenes Ge- samtkapital A von 700 nur eine Arbeitskraft von 100 in Bewegung setzen, also unter der frhern Annahme nur 100 Arbeitswochen oder 6000 Stunden lebendiger Arbeit, w„hrend das gleich groáe Gesamt- kapital B 600 Arbeitswochen und daher 36 000 Stunden lebendiger Arbeit in Bewegung setzt. Das Kapital in A wrde daher nur 50 Ar- beitswochen oder 3000 Stunden Mehrarbeit aneignen, w„hrend das gleich groáe Kapital in B 300 Arbeitswochen oder 18 000 Stunden. Das variable Kapital ist der Index nicht nur der in ihm selbst enthaltnen Arbeit, sondern, bei gegebner Mehrwertsrate, zugleich der von ihm ber dies Maá hinaus in Bewegung gesetzten berschs- sigen oder Mehrarbeit. Bei gleichem Exploitationsgrad der Arbeit w„re der #157# 8. Kapitel - Verschiedenheit der Profitraten usw. ----- Profit im ersten Fall 100/700 = 1/7 = 14 3/7 % und im zweiten = 600/700 = 85 5/7 %, die sechsfache Profitrate. Aber in der Tat w„re in diesem Fall der Profit selbst sechsmal gr”áer, 600 fr B gegen 100 fr A, weil sechsmal soviel lebendige Arbeit mit dem- selben Kapital in Bewegung gesetzt, also bei gleichem Exploitati- onsgrad der Arbeit auch sechsmal soviel Mehrwert, daher sechsmal soviel Profit gemacht wird. Wrden in A nicht 700, sondern 7000 Pfd.St., in B dagegen nur 700 Pfd.St. Kapital angewandt, so wrde das Kapital A, bei gleich- bleibender organischer Zusammensetzung, 1000 Pfd.St. von den 7000 Pfd.St. als variables Kapital anwenden, also 1000 Arbeiter w”- chentlich = 60 000 Stunden lebendiger Arbeit, wovon 30 000 Stun- den Mehrarbeit. Aber nach wie vor wrde A mit je 700 Pfd.St. nur 1/6 soviel lebendige Arbeit und daher auch nur 1/6 soviel Mehrar- beit in Bewegung setzen wie B, also damit auch nur 1/6 soviel Profit produzieren. Wird die Profitrate betrachtet, so ist 1000/7000 = 100/700 = 14 3/7 % gegen 600/700 oder 85 5/7 % des Kapitals B. Gleich groáe Kapitalbetr„ge genommen, ist hier die Profitrate verschieden, weil bei gleicher Mehrwertsrate, infolge der verschiednen Massen in Bewegung gesetzter lebendiger Arbeit, die Massen der produzierten Mehrwerte und daher die Profite ver- schieden sind. Dasselbe Resultat folgt tats„chlich, wenn die technischen Ver- h„ltnisse in der einen Produktionssph„re dieselben sind wie in der andern, aber der Wert der angewandten konstanten Kapitalele- mente gr”áer oder kleiner ist. Nehmen wir an, beide wenden 100 Pid.St. als vatiables Kapital an und brauchen also 100 Arbeiter w”chentlich, um dasselbe Quantum Maschinerie und Rohstoff in Be- wegung zu setzen, aber letztre seien teurer in B als in A. In diesem Falle k„men auf 100 Pfd.St. variables Kapital in A z.B. 200 Pfd.St. konstantes und in B 400. Dann ist bei einer Mehr- wertsrate von 100% der produzierte Mehrwert beidemal gleich 100 Pfd.St.; also auch der 100 Profit beidemal gleich 100 Pfd.St. Aber in A 100/(200c + 100v) = 1/3 = 33 1/3 %; dagegen in B 100/(400c + 100v) = 1/5 = 20%. In der Tat, nehmen wir in beiden F„llen einen bestimmten aliquoten Teil des Gesamtkapitals, so bildet in B von je 100 Pfd. St. nur 20 Pfd.St. oder 1/5 variables Kapital, w„hrend in A von je 100 Pfd. St. 33 1/3 Pfd.St. oder 1/3 variables Kapital ist. B produziert auf je 100 Pfd.St. weniger Profit, weil es weniger lebendige Arbeit in Bewegung setzt als A. Die Verschiedenheit der Profitraten l”st sich hier also wieder auf in Verschiedenheit der auf je 100 der Kapitalanlagen erzeug- ten Profitmassen, weil Massen des Mehrwerts. #158# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr. ----- Der Unterschied dieses zweiten Beispiels vom vorhergehenden ist nur der: Die Ausgleichung zwischen A und B wrde im zweiten Fall nur einen Wertwechsel des konstanten Kapitals, sei es von A oder B, bei gleichbleibender technischer Grundlage erfordern; im er- sten Fall dagegen ist die technische Zusammensetzung selbst in den beiden Produktionssph„ren verschieden und máte zur Ausglei- chung umgew„lzt werden. Die verschiedne organische Zusammensetzung der Kapitale ist also unabh„ngig von ihrer absoluten Gr”áe. Es fragt sich stets nur, wieviel von je 100 variables und wieviel konstantes Kapital ist. Kapitale von verschiedner Gr”áe prozentig berechnet, oder was hier auf dasselbe herauskommt, Kapitale von gleicher Gr”áe erzeu- gen also bei gleichem Arbeitstag und gleichem Exploitationsgrad der Arbeit sehr verschiedne Mengen von Profit, weil von Mehrwert, und zwar weil, nach der verschiednen organischen Kapitalzusammen- setzung in verschiednen Produktionssph„ren ihr variabler Teil verschieden ist, also die Quanta der von ihnen in Bewegung ge- setzten lebendigen Arbeit verschieden, also auch die Quanta der von ihnen angeeigneten Mehrarbeit, der Substanz des Mehrwerts und daher des Profits. Gleich groáe Stcke des Gesamtkapitals in den verschiednen Produktionssph„ren schlieáen ungleich groáe Quellen des Mehrwerts ein, und die einzige Quelle des Mehrwerts ist die lebendige Arbeit. Bei gleichem Exploitationsgrad der Arbeit h„ngt die Masse der von einem Kapital = 100 in Bewegung gesetzten Ar- beit, und daher auch der von ihm angeeigneten Mehrarbeit, von der Gr”áe seines variablen Bestandteils ab. Wenn ein Kapital, das prozentig aus 90c + 10v besteht, bei gleichem Exploitationsgrad der Arbeit ebensoviel Mehrwert oder Profit erzeugte wie ein Kapi- tal, das aus 10c + 90v besteht, dann w„re es sonnenklar, daá der Mehrwert und daher der Wert berhaupt eine ganz andre Quelle ha- ben máte als die Arbeit und daá damit jede rationelle Grundlage der polltischen ™konomie wegfiele. Setzen wir fortw„hrend 1 Pfd.St. gleich dem Wochenlohn eines Arbeiters fr 60 Arbeitsstun- den und die Mehrwertsrate = 100%, so ist klar, daá das Gesamt- wertprodukt, das ein Arbeiter in einer Woche liefern kann = 2 Pfd.St.; 10 Arbeiter k”nnten also nicht mehr liefern als 20 Pfd.St.; und da von diesen 20 Pfd. St. 10 Pfd.St. den Arbeitslohn ersetzen, so k”nnten die 10 keinen gr”áern Mehrwert schaffen als 10 Pfd.St.; w„hrend die 90, deren Gesamtprodukt = 180 Pfd.St., und deren Arbeitslohn = 90 Pfd.St., einen Mehrwert von 90 Pfd.St. schfen. Die Profitrate w„re also im einen Fall 10%, im andern 90%. Sollte es anders sein, so máten Wert und Mehrwert etwas an- dres sein als vergegenst„ndlichte Arbeit. Da also Kapitale in verschiednen Produktionssph„ren, prozentig #159# 8. Kapitel - Verschiedenheit der Profitraten usw. ----- betrachtet - oder gleich groáe Kapitale -, sich ungleich eintei- len in gleich viel lebendige Arbeit in konstantes und variables Element, ungleich viel lebendige Arbeit in Bewegung setzen und daher ungleich viel Mehrwert, also Profit erzeugen, so ist die Rate des Profits, die eben in der prozentigen Berechnung des Mehrwets auf das Gesamtkapital besteht, in ihnen verschieden. Wenn aber die Kapitale verschiedner Produktionssph„ren, prozentig berechnet, also gleich groáe Kapitale in verschiednen Produkti- onssph„ren ungleiche Profite erzeugen, infolge ihrer verschiednen organischen Zusammensetzung, so folgt, daá die Profite ungleicher Kapitale in verschiednen Produktionssph„ren nicht im Verh„ltnis zu ihren respektiven Gr”áen stehn k”nnen, daá also die Profite in verschiednen Produktionssph„ren nicht den Gr”áen der respektiven ihnen angewandten Kapitale proportional sind. Denn solches Wach- sen des Profits pro rata der Gr”áe des angewandten Kapitals wrde unterstellen, daá prozentig betrachtet die Profite gleich sind, daá also gleich groáe Kapitale in verschiednen Produktionssph„ren die gleiche Profitraten haben, trotz ihrer verschiednen organi- schen Zusammensetzung. Nur innerhalb derselben Produktionssph„re, wo also die organische Zusammensetzung des Kapitals gegeben ist, oder zwischen verschiednen Produktionssph„ren von gleicher orga- nischer Zusammensetzung des Kapitals, stehn die Massen der Pro- fite in geradem Verh„ltnis zur Masse der angewandten Kapitale. Daá die Profite ungleich groáer Kapitale im Verh„ltnis ihrer Gr”- áen sind, heiát berhaupt nichts, als daá gleich groáe Kapitale gleich groáe Profite abwerfen oder daá die Profitrate fr alle Kapitale gleich ist, welches immer ihre Gr”áe und ihre organische Zusammensetzung. Es findet das Entwickelte statt unter der Voraussetzung, daá die Waren zu ihren Werten verkauft werden. Der Wert einer Ware ist gleich dem Wert des in ihr enthaltnen konstanten Kapitals, plus dem Wert des in ihr reproduzierten variablen Kapitals, plus dem Inkrement dieses variablen Kapitals, dem produzierten Mehrwert. Bei gleicher Rate des Mehrwerts h„ngt seine Masse offenbar ab von der Masse des variablen Kapitals. Der Wert des Produkts des Kapi- tals von 100 ist in dem einen Fall 90c + 10v + 10m = 110; im an- dern Fall 10c + 90v + 90m = 190. Werden die Waren zu ihren Werten verkauft, so das erste Produkt zu 110, wovon 10 Mehrwert oder un- bezahlte Arbeit darstellt; das zweite Produkt dagegen zu 190, wo- von 90 Mehrwert oder unbezahlte Arbeit. Es ist dies namentlich wichtig, wenn nationale 1*) Profitraten miteinander ----- 1*) 1. Auflage: internationale #160# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchsttspr. ----- verglichen werden. In einem europ„ischen Land sei die Rate des Mehrwerts 100%, d.h., der Arbeiter arbeite den halben Tag fr sich und den halben Tag fr seinen Besch„ftiger; in einem asiati- schen Land sei sie 25 %, d.h., der Arbeiter arbeite 4/5 des Tages fr sich und 1/5 fr seinen Besch„ftiger. In dem europ„ischen Land aber sei die Zusammensetzung des nationalen Kapitals 84c + 16v und im asiatischen Land, wo wenig Maschinerie etc. angewandt und in einer gegebnen Zeit von einer gegebnen Menge Arbeitskraft relativ wenig Rohmaterial produktiv konsumiert wird, sei die Zu- sammensetzung 16c + 84v. Wir haben dann folgende Rechnung: Im europ„ischen Land Produktwert = 84c + 16v + 16m = 116; Pro- fitrate 16/100 = 16%. Im asiatischen Land Produktwert = 16c + 84v + 21m = 121; Pro- fitrate = 21/100 = 21%. Die Profitrate ist also im asiatischen Land um mehr als 25% gr”- áer als im europ„ischen, obgleich die Mehrwertsrate in jenem viermal kleiner ist als in diesem. Die Careys, Bastlats und tutti quanti werden gerade auf das Umgekehrte schlieáen. Dies beil„ufig; verschiedne nationale Profitraten werden meist auf verschiednen nationalen Mehrwertsraten beruhen; wir verglei- chen aber in diesem Kapitel ungleiche Profitraten, die aus einer und derselben Mehrwertsrate entspringen. Auáer der verschiednen organischen Zusammensetzung der Kapitale, also auáer den verschiednen Massen von Arbeit und damit auch, bei sonst gleichen Umst„nden, von Mehrarbeit, die Kapitale von glei- cher Cr”áe in verschiednen Produktionssph„ren in Bewegung setzen, besteht noch eine andre Quelle der Ungleichheit der Profitraten: die Verschiedenheit in der L„nge des Umschlags des Kapitals in den verschiednen Produktionssph„ren. Wir haben im IV. Kapitel ge- sehn, daá bei gleicher Zusammensetzung der Kapitale und bei sonst gleichen Umst„nden die Profitraten sich umgekehrt verhalten wie die Umschlagszeiten, und ebenso, daá dasselbe variable Kapital, wenn es in verschiednen Zeitr„umen umschl„gt, ungleiche Massen von j„hrlichem Mehrwert zuwege bringt. Die Verschiedenheit der Umschlagszeiten ist also ein andrer Grund, warum gleich groáe Ka- pitale in v,erschiednen Produktionssph„ren nicht gleich groáe Profite in gleichen Zeitr„umen produzieren und warum daher die Profitraten in diesen verschiednen Sph„ren verschieden sind. Was dagegen das Verh„ltnis der Zusammensetzung der Kapitale aus fixem und zirkurendem Kapital betrifft, so affiziert es, an und fr sich betrachtet, die Profitrate durchaus nicht. Es kann sie nur affizieren, #161# 8. Kapitel - Verschiedenheit der Profitraten usw. ----- wenn entweder diese verschiedne Zusammensetzung zusammenf„llt mit wenn entweder verschiednem Verh„ltnis zwischen dem variablen und konstanten Teil, wo also diesem Unterschied, und nicht dem von zirkulierendem und fixem, die Verschiedenheit der Profitrate ge- schuldet ist; oder wenn das verschiedne Verh„ltnis zwischen fixen und zirkulierenden Bestandteilen eine Verschiedenheit bedingt in der Umschlagszeit, w„hrend welcher ein bestimmter Profit reali- siert wird. Wenn Kapitale in verschiedner Proportion in fixes und zirkulierendes zerfallen, wird dies zwar stets Einfluá auf ihre Umschlagszeit haben und eine Verschiedenheit derselben hervorru- fen; es folgt daraus aber nicht, daá die Umschlagszeit, worin dieselben Kapitale Profit realisieren, verschieden ist. Ob A z.B. best„ndig einen groáem Teil des Produkts in Rohstoff etc. umset- zen muá, w„hrend B fr l„ngre Zeit dieselben Maschinen etc. bei weniger Rohstoff braucht, beide haben, soweit sie produzieren, stets einen Teil ihres Kapitals engagiert; der eine in Rohstoff, also zirkullerendem Kapital, der andre in Maschinen etc., also in fixem Kapital. A verwandelt best„ndig einen Teil seines Kapitals aus Warenform in Geldform und aus dieser zurck in die Form des Rohstoffs; w„hrend B einen Teil seines Kapitals ohne solche Ver- „nderung fr l„ngren Zeitraum als Arbeitsinstrument benutzt. Wenn beide gleich viel Arbeit anwenden, so werden sie im Lauf des Jahrs zwar Produktenmassen von ungleichem Wert verkaufen, aber beide Produktenmassen werden gleich viel Mehrwert enthalten, und ihre Profitraten, die auf das gesamte vorgeschoáne Kapital be- rechnet werden, sind dieselben, obgleich ihre Zusammensetzung aus fixem und zirkulierendem Kapital und ebenso ihre Umschlagszeit verschieden ist. Beide Kapitale realisieren in gleichen Zeiten gleiche Profite, obgleich sie in verschiednen Zeiten umschlagen. 21) Die Verschiedenheit der Umschlagszeit hat an und fr sich nur Bedeutung, soweit sie die Masse der Mehrarbeit affiziert, die von demselben Kapital in einer gegebnen Zeit --- 21) {Wie aus Kap. IV folgt, ist das Obige nur richtig fr den Fall, daá die Kapitale A und B verschiedne Wertzusammensetzung haben, daá aber ihre prozentigen variablen Bestandteile sich ver- halten wie ihre Umschlagszeiten, resp. umgekehrt wie ihre Um- schlagzahlen. Kapital A sei prozentig zusammengesetzt aus 20c fix + 70c zirkulierend, also 90c + 10v = 100. Bei einer Mehrwertsrate von 100% erzeugen die 10v in einem Umschlag 10m, Profitrate fr den Umschlag = 10%. Kapital B dagegen sei = 60c fix + 20c zirku- lierend, also 80c + 20v = 100. Die 20v erzeugen bei einem Um- schlag bei obiger Mehrwertsrate 20m, Profitrate fr den Umschlag = 20%, also die doppelte gegen A. Schl„gt aber A zweimal um in einem Jahr und B nur einmal, so ergibt es fr das Jahr ebenfalls 2 x 10 = 20m, und die Jahresprofitrate ist bei beiden gleich, n„mlich 20%. - F. E.} #162# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschittspr. ----- angeeignet und realisiert werden kann.Wenn also eine ungleiche Zusammensetzung aus zirkulierendem und fixem Kapital nicht not- wendig eine Ungleichheit der Umschlagszeit einschlieát, die ih- rerseits Ungleichheit der Profitrate bedingt, so ist klar, daá, soweit letztre stattfindet, dies nicht aus der ungleichen Zusam- mensetzung von zirkulierendem und fixem Kapital an sich herrhrt, sondern vielmehr daraus, daá diese letztre hier nur eine die Profitrate affizierende Ungleichheit der Umschlags- zeiten anzeigt. Die verschiedne Zusammensetzung des konstanten Kapitals aus zir- kulierendem und fixem in verschiednen Industriezweigen hat an sich also keine Bedeutung fr die Profitrate, da das Verh„ltnis des variablen Kapitals zum konstanten entscheidet und der Wert des konstanten Kapitals, also auch seine relative Gr”áe im Ver- h„ltnis zum variablen, durchaus unabh„ngig ist von dem fixen oder zirkulierenden Charakter seiner Bestandteile. Wohl aber wird sich finden - und dies leitet mit zu falschen Schlssen daá da, wo das fixe Kapital bedeutend entwickelt, dies nur Ausdruck davon ist, daá die Produktion auf groáer Stufenleiter betrieben wird und da- her das konstante Kapital sehr berwiegt ber das variable, oder daá die angewandte lebendige Arbeitskraft gering ist im Verh„lt- nis zur Masse der von ihr in Bewegung gesetzten Produktionsmit- tel. Wir haben also gezeigt: daá in verschiednen Industriezweigen, entsprechend der verschiednen organischen Zusammensetzung der Ka- pitale, und innerhalb der angegebnen Grenzen auch entsprechend ihren verschiednen Umschlagszeiten, ungleiche Profitraten herr- schen und daá daher auch bei gleicher Mehrwertsrate nur fr Kapi- tale von gleicher organischer Zusammensetzung - gleiche Um- schlagszeiten vorausgesetzt - das Gesetz (der allgemeinen Tendenz nach) gilt, daá die Profite sich verhalten wie die Gr”áen der Ka- pitale und daher gleich groáe Kapitale in gleichen Zeitr„umen gleich groáe Profite abwerfen. Das Entwickelte gilt auf der Ba- sis, welche berhaupt bisher die Basis unsrer Entwicklung war: daá die Waren zu ihren Werten verkauft werden. Andrerseits unter- liegt es keinem Zweifel, daá in der Wirklichkeit, von unwesentli- chen, zuf„lligen und sich ausgleichenden Unterschieden abgesehn, die Verschiedenheit der durchschnittlichen Profifraten fr die verschiednen Industriezweige nicht existiert und nicht existieren k”nnte, ohne das ganze System der kapitalistischen Produktion aufzuheben. Es scheint also, daá die Werttheorie hier unvereinbar ist mit der wirklichen Bewegung, unvereinbar mit den tats„chli- chen Erscheinungen der Produktion und daá daher berhaupt darauf verzichtet werden muá, die letztren zu begreifen. #163# 8. Kapitel - Verschiedenheit der Profitraten usw. ----- Aus dem ersten Abschnitt dieses Buchs ergibt sich, daá die Kost- preise dieselben sind fr Produkte verschiedner Produktionssph„- ren, in deren Produktion gleich groáe Kapitalteile vorgeschossen sind, wie verschieden immer die organische Zusammensetzung dieser Kapitale sein m”ge. Im Kostpreis f„llt der Unterschied von varia- blem und konstantem Kapital fr den Kapitalisten fort. Ihm kostet eine Ware, zu deren Produktion er 100 Pfd.St. auslegen muá, gleich viel, lege er nun 90c + 10v oder 1Oc + 90v aus. Sie kostet ihm stets 100 Pfd.St., weder mehr noch weniger. Die Kostpreise sind dieselben fr gleich groáe Kapitalauslagen in verschiednen Sph„ren, so sehr auch die produzierten Werte und Mehrwerte ver- schieden sein m”gen. Diese Gleichheit der Kostpreise bildet die Basis der Konkurrenz der Kapitalanlagen, wodurch der Durch- schnittsprofit hergestellt wird. #164# ----- NEUNTES KAPITEL Bildung einer allgemeinen Profitrate (Durchschnittsprofitrate) und Verwandlung der Warenwerte in Produktionspreise Die organische Zusammensetzung des Kapitals h„ngt in jeden aktu- ellen Moment von zwei Umst„nden ab: erstens vom technischen Ver- h„ltnis der angewandten Arbeitskraft zur Masse der angewandten Produktionsmittel; zweitens vom Preis dieser Produktionsmittel. Sie muá, wie wir gesehn, nach ihrem Prozentverh„ltnis betrachtet werden. Die organische Zusammensetzung eines Kapitals, das aus 4/5 konstantem und 1/5 variablem Kapital besteht, drcken wir aus durch die Formel 80c + 20v. Ferner wird bei der Vergleichung eine unver„nderliche Rate des Mehrwerts angenommen, und zwar eine ir- gend beliebige Rate, z.B. 100%. Das Kapital von 80c + 20v wirft also einen Mehrwert von 20m ab, was auf das Gesamtkapital eine Profitrate von 20% bildet. Wie groá nun der wirkliche Wert seines Produkts, h„ngt davon ab, wie groá der fixe Teil des konstanten Kapitals und wieviel davon als Verschleiá in das Produkt eingeht, wieviel nicht. Da dieser Umstand aber v”llig gleichgltig fr die Profitrate und also fr die vorliegende Untersuchung, wird der Vereinfachung halber angenommen, daá das konstante Kapital ber- all gleichm„áig ganz in das j„hrliche Produkt dieser Kapitale eingeht. Es wird ferner angenommen, daá die Kapitale in den ver- schiednen Produktionssph„ren, im Verh„ltnis zur Gr”áe ihres vari- ablen Teils, j„hrlich gleich viel Mehrwert realisieren; es wird also vorl„ufig abgesehn von dein Unterschied, den die Verschie- denheit der Umschlagszeiten in dieser Beziehung hervorbringen kann. Dieser Punkt wird sp„ter behandelt. Nehmen wir fnf verschiedne Produktionssph„ren mit jedesmal ver- schiedner organischer Zusammensetzung der in ihnen angelegten Ka- pitale, etwa wie folgt: #165# 9. Kapitel - Durchschnittsprofitrate und Produktionspreise ----- Kapitale Mehrwertrate Mehrwert Produktwert Profitrate I. 80c+20v 100% 20 120 20% II. 70c+30v 100% 30 130 30% III. 60c+40v 100% 40 140 40% IV. 85c+15v 100% 15 115 15% V. 95c+ 5v 100% 5 105 5% Wir haben hier fr verschiedne Produktionssph„ren bei gleichm„ái- ger Exploitation der Arbeit sehr verschiedne Profitraten, ent- sprechend der verschiednen organischen Zusammensetzung der Kapi- tale. Die Gesamtsumme der in den fnf Sph„ren angelegten Kapitale ist = 500; die Gesamtsumme des von ihnen produzierten Mehrwerts = 110; der Gesamtwert der von ihnen produzierten Waren = 610. Betrachten wir die 500 als ein einziges Kapital, von dem I-V nur verschiedne Teile bilden (Wie etwa in einer Baumwollfabrik in den verschied- nen Abteilungen, im Kardierraum, Vorspinnraum, Spinnsaal und Weh- saal, verschiednes Verh„ltnis von variablem und konstantem Kapi- tal existiert und das Durchschnittsverh„ltnis fr die ganze Fa- brik erst berechnet werden muá), so w„re erstens die Durch- schnittszusammensetzung des Kapitals von 500 = 390c + 110v oder prozentig 78c + 22v. Jedes der Kapitale von 100 nur als 1/5 des Gesamtkapitals betrachtet, w„re seine Zusammensetzung diese durchschnittliche von 78c + 22v; ebenso fielen auf jedes 100 als durchschnittlicher Mehrwert 22; daher w„re die Durchschnittsrate des Profits = 22%, und endlich w„re der Preis von jedem Fnftel des von den 500 produzierten Gesamtprodukts = 122. Das Produkt von jedem Fnftel des vorgeschoánen Gesamtkapitals máte also zu 122 verkauft werden. Es ist jedoch, um nicht zu ganz falschen Schlssen zu kommen, n”- tig, nicht alle Kostpreise = 100 anzurechnen. Bei 80c + 20v und Mehrwertsrate = 100% w„re der Totalwert der vom Kapital I = 100 produzierten Ware = 80c + 20v + 20m = 120, wenn das gesamte konstante Kapital in das j„hrliche Produkt einginge. Nun kann dies wohl unter Umst„nden in gewissen Produktionssph„ren der Fall sein. Schwerlich jedoch da, wo das Verh„ltnis c:v = 4:1. Es ist also bei den Werten der Waren, die von je 100 der ver- schiednen Kapitale produziert werden, zu erw„gen, daá sie ver- schieden sein werden je nach der verschiednen Zusammensetzung von c aus fixen und zirkullerenden Bestandteilen und daá die fixen Bestandteile verschiedner Kapitale selbst wieder rascher oder langsamer verschleiáen, also in gleichen Zeiten ungleiche Wert- quanta dem Produkt zusetzen. Fr die Profitrate ist dies aber gleichgltig. Ob die #166# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr. ----- 80c den Wert von 80 oder 50 oder 5 an das Jahresprodukt abgeben, ob also das j„hrliche Produkt 80c + 20v + 20m = 120, oder 50c + 20v + 20m = 90, oder = 5c + 20v + 20m = 45 ist, in allen diesen F„llen ist der šberschuá des Werts des Produkts ber seinen Kost- preis = 20, und in allen diesen F„llen werden, bei Feststellung der Profitrate, diese 20 auf ein Kapital von 100 berechnet; die Profitrate des Kapital I ist also in allen F„llen = 20%. Um dies noch deutlicher zu machen, lassen wir in der folgenden Tabelle fr dieselben fnf Kapitale, wie oben, verschiedne Teile des kon- stanten Kapitals in den Wert des Produkts eingehn. Kapitale Mehrwert- Mehr- Profit- Verbrauch- Wert der Kost- rate wert rate tes c Waren preis I. 80c+ 20v 100% 20 20% 50 90 70 II. 70c+ 30v 100% 30 30% 51 111 81 III. 60c+ 40v 100% 40 40% 51 131 91 IV. 85c+ 15v 100% 15 15% 40 70 55 V. 95c+ 5v 100% 5 5% 10 20 15 ---------------------------------------------------------------- Summe 390c+110v - 110 - - - - ---------------------------------------------------------------- Durch schn. 78c+ 22v - 22 22% - - - Betrachtet man die Kapitale I-V wieder als ein einziges Gesamtka- pital, so sieht man, daá auch in diesem Fall die Zusammensetzung der Summen der fnf Kapitale = 500 = 390c + 110v, also die Durch- schnittszusammensetzung = 78c + 22v, dieselbe bleibt; ebenso der Durchschnittsmehrwert = 22 1*). Diesen Mehrwert gleichm„áig auf I-V verteilt, k„men folgende Warenpreise heraus: Kapitale Mehr- Wert der Kost- Preis der Profit- Abweichung wert Waren preis Waren rate des Preises vom Wert I. 80c+ 20v 20 90 70 92 22% + 2 II. 70c+ 30v 30 111 81 103 22% + 8 III. 60c+ 40v 40 131 91 113 22% -18 IV. 85c+ 15v 15 70 2*) 55 77 22% + 7 V. 95c+ 5v 5 20 15 37 22% +17 Zusammengenommen werden die Waren verkauft 2 + 7 + 17 = 26 ber und 8 + 18 = 26 unter dem Wert, so daá die Preisabweichungen durch ----- 1*) 1. Auflage: 22%: ge„ndert nach dem Manuskript von Marx - 2*) 1. Auflage 40; ge„ndert nach dem Manuskript von Marx #167# 9. Kapitel - Durchschnittsprofitrate und Produktionspreise ----- gleichm„áige Verteilung des Mehrwerts oder durch Zuschlag des durchschnittlichen Profits von 22 auf 100 vorgeschoánes Kapital zu den respektiven Kostpreisen der Waren I-V sich gegenseitig aufheben; in demselben Verh„ltnis, worin ein Teil der Waren ber, wird ein andrer unter seinem Wert verkauft. Und nur ihr Verkauf zu solchen Preisen erm”glicht, daá die Profitrate fr I-V gleich- m„áig ist, 22%, ohne Rcksicht auf die verschiedne organische Komposition der Kapitale I-V. Die Preise, die dadurch entstehn, daá der Durchschnitt der verschiednen Profitraten der verschied- nen Produktionssph„ren gezogen und dieser Durchschnitt den Kost- preisen der verschiednen Produktionssph„ren zugesetzt wird, sind die Produktionspreise. Ihre Voraussetzung ist die Existenz einer allgemeinen Profitrate, und diese setzt wiederum voraus, daá die Profitraten in jeder besondren Produktionssph„re fr sich genom- men, bereits auf ebensoviel Durchschnittsraten reduziert sind. Diese besondren Profitraten sind in jeder Produktionssph„re = m/C, und sind, wie dies im ersten Abschnitt dieses Buchs ge- schehn, aus dem Wert der Ware zu entwickeln. Ohne diese Entwick- lung bleibt die allgemeine Profitrate (und daher auch der Produk- tionspreis der Ware) eine sinn- und begriffslose Vorstellung. Der Produktionspreis der Ware ist also gleich ihrem Kostpreis plus dem, entsprechend der allgeme nen Profitrate, prozentig ihm zuge- setzten Profit oder gleich ihrem Kostpreis plus dem Durch- schnittsprofit. Infolge der verschiednen organischen Zusammensetzung der in ver- schiednen Produktionszweigen angelegten Kapitale; infolge daher des Umstandes, daá je nach dem verschiednen Prozentsatz, den der variable Teil in einem Gesamtkapital von gegebner Gr”áe hat, sehr verschiedne Quanta Arbeit von Kapitalen gleicher Gr”áe in Bewe- gung gesetzt werden, werden auch sehr verschiedne Quanta Mehrar- beit von ihnen angeeignet oder sehr verschiedne Massen Mehrwert von ihnen produziert. Demgem„á sind die Profitraten, die in ver- schiednen Produktionszweigen herrschen, ursprnglieb sehr ver- schieden. Diese verschiednen Profitraten werden durch die Konkur- renz zu einer allgemeinen Profitrate ausgeglichen, welche der Durchschnitt aller dieser verschiednen Profitraten ist. Der Pro- fit, der entsprechend dieser allgemeinen Profitrate auf ein Kapi- tal von gegebner Gr”áe f„llt, welches immer seine organische Zu- sammensetzung, heiát der Durchschnittsprofit. Der Preis einer Ware, welcher gleich ist ihrem Kostpreis plus dem im Verh„ltnis ihrer Umschlagsbedingungen auf sie fallenden Teil des j„hrlichen Durchschnittsprofits auf das in ihrer Produktion angewandte (nicht bloá das in ihrer Produktion konsumierte) Kapital. ist ihr Produktionspreis. #168# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr. ----- Nehmen wir z.B. ein Kapital von 500, davon 100 fixes Kapital, wo- von 1O% Verschleiá w„hrend einer Umschlagsperiode des zirkulie- renden Kapitals von 400. Der Durchschnittsprofit fr die Dauer dieser Umschlagsperiode sei 10%. Dann wird der Kostpreis des w„h- rend dieses Umschlags hergestellten Produkts sein: 10c fr Ver- schleiá plus 400 (c+v) zirkulierendes Kapital = 410, und ihr Pro- duktionspreis: 410 Kostpreis plus (10% Profit auf 500) 50 = 460. Obgleich daher die Kapitalisten der verschiednen Produktionssph„- ren beim Verkauf ihrer Waren die in der Produktion dieser Waren verbrauchten Kapitalwerte zurckziehn, so l”sen sie nicht den in ihrer eignen Sph„re bei der Produktion dieser Waren produzierten Mehrwert und daher Profit ein, sondern nur so viel Mehrwert und daher Profit, als vom Gesamtmehrwert oder Gesamtprofit, der vom Gesamtkapital der Gesellschaft in allen Produktionssph„ren zusam- mengenommen, in einem gegebnen Zeitabschnitt produziert wird, bei gleicher Verteilung auf jeden aliquoten Teil des Gesamtkapitals f„llt. Pro 100 zieht jedes vorgeschoáne Kapital, welches immer seine Zusammensetzung, in jedem Jahr oder andern Zeitabschnitt den Profit, der fr diesen Zeitabschnitt auf 100 als den soviel- sten Teil des Gesamtkapitals kommt. Die verschiednen Kapitalisten verhalten sich hier, soweit der Profit in Betracht kommt, als bloáe Aktion„re einer Aktiengesellschaft, worin die Anteile am Profit gleichm„áig pro 100 verteilt werden und daher fr die ver- schiednen Kapitalisten sich nur unterscheiden nach jer Gr”áe des von jedem in das Gesamtunternehmen gesteckten Kapitals, nach sei- ner verh„ltnism„áigen Beteiligung am Gesamtunternehmen, nach der Zahl seiner Aktien. W„hrend sich also der Teil dieses Warenprei- ses, der die in der Produktion der Waren verzehrten Wertteile des Kapitals ersetzt und mit dem daher diese verzehrten Kapitalwerte rckgekauft werden mssen, w„hrend dieser Teil, der Kostpreis, sich ganz nach der Auslage innerhalb der respektiven Produktions- sph„ren richtet, richtet sich der andre Bestandteil des Waren- preises, der auf diesen Kostpreis zugeschlagne Profit, nicht nach der Masse Profit, die von diesem bestimmten Kapital in dieser be- stimmten Produktionssph„re w„hrend einer gegebnen Zeit produziert wird, sondern nach der Masse Profit, die auf jedes angewandte Ka- pital, als aliquoten Teil des in der Gesamproduktion angewandten gesellschaftlichen Gesamtkapitals, w„hrend eines gegebnen Zeit- raums im Durchschnitt f„llt. 22) Wenn ein Kapitalist also seine Ware zu ihrem Produktionspreis ver kauft, --- 22) Cherbuliez. [23] #169# 9. Kapitel - Durchschnittsprofitrate und Produktionspreise ----- so zieht er Geld zurck im Verh„ltnis zur Wertgr”áe des in der Produktion von ihm verzehrten Kapitals und schl„gt Profit heraus im Verh„ltnis zu seinem vorgeschoánen Kapital als bloáem aliquo- ten Teil des gesellschaftlichen Gesamtkapitals. Seine Kostpreise sind spezifisch. Der Profitzuschlag auf diesen Kostpreis ist un- abh„ngig von seiner besondren Produktionssph„re, ist einfacher Durchschnitt pro 100 des vorgeschoánen Kapitals. Unterstellen wir, die fnf verschiednen Kapitalanlagen I-V im vo- rigen Beispiel geh”rten einem Mann. Wieviel in jeder einzelnen Anlage von I-V auf je 100 des angewandten Kapitals an variablem und konstantem Kapital konsumiert wrde in der Produktion der Wa- ren, w„re gegeben, und dieser Wertteil der Waren I-V wrde selbstredend einen Teil ihres Preises bilden, da mindestens die- ser Preis erheischt ist zum Ersatz des vorgeschoánen und konsu- mierten Kapitalteils. Diese Kostpreise w„ren also fr jede Waren- gattung von 1-V verschieden und wrden als solche von dem Besit- zer verschieden fixiert werden. Was aber die in I-V produzierten verschiednen Massen von Mehrwert oder Profit betr„fe, so k”nnte der Kapitalist sie sehr gut als Profit seines vorgeschoánen Ge- samtkapitals rechnen, so daá auf je 100 Kapital ein bestimmter aliquoter Teil fiele. Verschieden also w„ren bei den in den ein- zelnen Anlagen I-V produzierten Waren die Kostpreise; aber gleich bei allen diesen Waren w„re der Teil des Verkaufspreises, der aus dem zugesetzten Profit von je 100 Kapital k„me. Der Gesamtpreis der Waren I-V w„re also gleich ihrem Gesamtwert, d.h. gleich Summe der Kostpreise I-V plus Summe des in I-V produzierten Mehr- werts oder Profit, in der Tat also Geldausdruck fr das Gesamt- quantum Arbeit, vergangner und neu zugesetzter, enthalten in den Waren I-V. Und in dieser Weise ist in der Gesellschaft selbst - die Totalit„t aller Produktionszweige betrachtet - die Summe der Produktionspreise der produzierten Waren gleich der Summe ihrer Werte. Diesem Satz scheint die Tatsache zu widersprechen, daá in der ka- pitalistischen Produktion die Elemente des produktiven Kapitals in der Regel auf dem Markt gekauft sind, ihre Preise also einen bereits realisierten Profit enthalten und hiernach der Produkti- onspreis eines Industriezweigs samt dem in ihm enthaltnen Profit, daá also der Profit des einen Industriezweigs in den Kostpreis des andern eingeht. Aber wenn wir die Summe der Kostpreise der Waren des ganzen Landes auf die eine Seite und die Summe seiner Profite oder Mehrwerte auf die andre stellen, so ist klar, daá die Rechnung sich richtig stellen muá. Z.B. nehmen wir eine Ware A; ihr Kostpreis mag die Profite von B, C, D eingeschlossen ent- halten, wie bei B, C, D etc. wieder die Profite von A in ihre Kostpreise eingehn m”gen. #170# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr. ----- Stellen wir also die Rechnung auf, so fehlt der Profit von A in seinem eignen Kostpreis und ebenso fehlen die Profite von B, C, D etc. in ihren eignen Kostpreisen. Keiner rechnet seinen eignen Profit in seinen Kostpreis ein. Gibt es also z.B. n Sph„ren der Produktion und wird in jeder ein Profit gleich p gemacht, so ist in allen zusammen der Kostpreis = k - np. Die Gesamtrechnung be- trachtet, soweit die Profite einer Produktionssph„re eingehn in den Kostpreis der andren, soweit sind also diese Profite bereits in Rechnung gebracht fr den Gesamtpreis des schlieálichen End- produkts und k”nnen nicht zum zweitenmal auf der Profitseite er- scheinen. Erscheinen sie aber auf dieser Seite, so nur, weil die Ware selbst Endprodukt war, ihr Produktionspreis also nicht in den Kostpreis einer andern Ware eingeht. Wenn in den Kostpreis einer Ware eine Summe eingeht = p fr die Profite der Produzenten der Produktionsmittel und auf diesen Kostpreis ein Profit geschlagen wird = p1, so ist der Gesamtpro- fit P = p + p1. Der Gesamtkostpreis der Ware, abstrahiert von al- len fr Profit eingehenden Preisteilen, ist dann ihr eigner Kost- preis minus P. Heiát dieser Kostpreis k, so ist offenbar k + P = k + p + p1. Man hat bei Behandlung des Mehrwerts in Buch I, Kap. VII, 2, S. 211/203 1*) gesehn, daá das Produkt jedes Kapitals so behandelt werden kann, als ob ein Teil bloá Kapital ersetzt, der andre nur Mehrwert ausdrckt. Diese Berechnung auf das Gesamtpro- dukt der Gesellschaft angewandt, finden Rektifikationen statt, indem, die ganze Cesellschaft betrachtet, z.B. der im Preis des Flachses enthaltne Profit nicht zweimal figurieren kann, nicht als Teil zugleich des Preises der Leinwand und des Profits des Flachsproduzenten. Es findet insofern kein Unterschied statt zwischen Profit und Mehrwert, als z.B. der Mehrwert von A in das konstante Kapital von B eingeht. Fr den Wert der Waren ist es ja v”llig gleichgl- tig, ob die in ihnen enthaltne Arbeit aus bezahlter oder unbe- zahlter Arbeit besteht. Dies zeigt nur, daá B den Mehrwert von A zahlt. In der Gesamtrechnung kann der Mehrwert von A nicht zwei- mal z„hlen. Aber der Unterschied ist der: Auáer daá der Preis des Produkts z.B. von Kapital B abweicht von seinem Wert, weil der in B reali- sierte Mehrwert gr”áer oder kleiner sein mag als der im Preis der Produkte von B zugeschlagne Profit, so gilt auch derselbe Umstand wieder fr die Waren, die den konstanten Teil des Kapitals B, und indirekt, als Lebensmittel der Arbeiter, auch seinen variablen Teil bilden. Was den konstanten Teil ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Aus S. 236 #171# 9. Kapitel - Durchschnittsprofitrate und Produktionspreise ----- betrifft, so ist er selbst gleich Kostpreis plus Mehrwert, also jetzt gleich Kostpreis plus Profit, und dieser Profit kann wieder gr”áer oder kleiner sein als der Mehrwert, an dessen Stelle er steht. Was das variable Kapital angeht, so ist der durchschnitt- liche t„gliche Arbeitslohn zwar stets gleich dem Wertprodukt der Stundenzahl, die der Arbeiter arbeiten muá, um die notwendigen Lebensmittel zu produzieren; aber diese Stundenzahl ist selbst wie. der verf„lscht durch die Abweichung der Produktionspreise der notwendigen Lebensmittel von ihren Werten. Indes l”st sich dies immer dahin auf, daá, was in der einen Ware zuviel, in der andren zuwenig fr Mehrwert geht, und daá daher auch die Abwei- chungen vom Wert, die in den in Produktionspreisen der Waren stecken, sich gegeneinander aufheben. Es ist berhaupt bei der ganzen kapitalistischen Produktion immer nur in einer sehr ver- wickelten und ann„hernden Weise, als nie festzustellender Durch- schnitt ewiger Schwankungen, daá sich das allgemeine Gesetz als die beherrschende Tendenz durchsetzt. Da die allgemeine Profitrate gebildet wird durch den Durchschnitt der verschiednen Profitraten auf je 100 vom vorgeschoánen Kapital in einem bestimmten Zeitraum, sage einem Jahr, so ist darin auch der durch den Unterschied der Umschlagszeiten fr verschiedne Ka- pitale hervorgebrachte Unterschied ausgel”scht. Aber diese Unter- schiede gehn bestimmend ein in die verschiednen Profitraten der verschiednen Produktionssph„ren, durch deren Durchschnitt die allgemeine Profitrate gebildet wird. Es ist bei der vorigen Illustration zur Bildung der allgemeinen Profitrate jedes Kapital in jeder Produktionssph„re = 100 ange- setzt, und zwar ist dies geschehn, um den prozentigen Unterschied der Profitrate klarzumachen und daher auch den Unterschied in den Werten der Waren, die von gleich groáen Kapitalen produziert wer- den. Aber es versteht sich: die wirklichen Massen des Mehrwerts, die in jeder besondren Produktionssph„re erzeugt werden, h„ngen, da in jeder solchen gegebnen Produktionssph„re die Zusammenset- zung des Kapitals gegeben ist, von der Gr”áe der angewandten Ka- pitale ab. Indes, die besondre Profitrate einer einzelnen Produk- tionssph„re wird nicht davon berhrt, ob ein Kapital von 100, m x 100 oder xm x 100 angewandt wird. Die Profitrate bleibt 10%, ob der Gesamtprofit 10:100 oder 1000:10 000 betr„gt. Da aber die Profitraten in den verschiednen Produktionssph„ren verschieden sind, indem in denselben, je nach dem Verh„ltnis des variablen Kapitals zum Gesamtkapital, sehr verschiedne Massen Mehrwert und daher Profit produziert werden, so ist klar, daá der Durch- schnittsprofit pro 100 des gesellschaftlichen Kapitals und daher die Durchschnittsprofitrate #172# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr. ----- oder allgemeinen Profitrate sehr verschieden sein wird, je nach den respektiven Gr”áen der in den verschiednen Sph„ren angelegten Kapitale. Nehmen wir vier Kapitale A, B, C, D. Die Mehrwertsrate sei fr alle = 100%. Auf jede 100 vom Gesamtkapital sei das va- riable Kapital fr A = 25, fr B = 40, fr C = 15, fr D = 10. Auf jede 100 vom Gesamtkapital fiele dann ein Mehrwert oder Pro- fit von A = 25, B = 40, C = 15, D = 10; zusammen = 90, also, wenn die vier Kapitale gleich groá sind, Durchschnittsprofitrate 90/4 = 22 1/2 %. Wenn aber die Gesamtkapitalgr”áen sind wie folgt: A = 200, B = 300, C = 1000, D = 4000, so wrden die produzierten Profite sein resp. 50, 120, 150 und 400. Zusammen auf 5500 Kapital ein Profit von 720 oder eine Durchschnittsprofitrate von 13 1/11%. Die Massen des produzierten Gesamtwerts sind verschieden je nach den verschiednen Gr”áen der in A, B, C, D respektive vorgesclioá- nen Gesamtkapitale. Bei Bildung der allgemeinen Profitrate han- delt es sich daher nicht nur um den Unterschied der Profitraten in den verschiednen ProduktionsSph„ren, deren einfacher Durch- schnitt zu ziehn w„re, sondern um das relative Gewicht, womit diese verschiednen Profitraten in die Bildung des Durchschnitts eingehn. Dies aber h„ngt ab von der verh„ltnism„áigen Gr”áe des in jeder besondren Sph„re angelegten Kapitals oder davon, welchen aliquoten Teil des gesellschaftlichen Gesamtkapitals das in jeder besondren Produktionssph„re angelegte Kapital bildet. Es muá na- trlich ein sehr groáer Unterschied stattfinden, je nachdem ein gr”árer oder geringrer Teil des Gesamtkapitals eine h”here oder niedere Profitrate abwirft. Und diese h„ngt wieder davon ab, wie- viel Kapital in den Sph„ren angelegt ist, wo das variable Kapital relativ zum Gesamtkapital groá oder klein ist. Es ist ganz damit wie mit dem Durchschnittszinsfuá, den ein Wucherer macht, der verschiedne Kapitalien zu verschiednen Zinsraten ausleiht, z.B. zu 4, 5, 6, 7% etc. Die Durchschnittsrate h„ngt ganz davon ab, wieviel von seinem Kapital er zu jeder der verschiednen Zinsraten ausgeliehen hat. Die allgemeine Profitrate ist also durch zwei Faktoren bestimmt: 1. durch die organische Zusammensetzung der Kapitale in den verschiednen Sph„ren der Produktion, also durch die verschiednen Profitraten der einzelnen Sph„ren; 2. durch die Verteilung des gesellschaftlichen Gesamtkapitals auf diese verschiednen Sph„ren, also durch die relative Gr”áe des in jeder besondren Sph„re, und daher zu einer besondren Profitrate, angelegten Kapitals; d. h. durch den verh„ltnism„áigen Massenan- teil des gesellschaftlichen Gesamtkapitals, den jede besondre Produktionssph„re verschluckt. #173# 9. Kapitel - Durchschnittsprofitrate und Produktionspreise ----- Wir hatten es in Buch I und II nur mit den W e r t e n der Wa- ren zu tun. Einerseits hat sich jetzt abgesondert als ein Teil dieses Werts der K o s t p r e i s, andrerseits hat sich ent- wickelt als eine verwandelte Form des Werts der P r o d u k t i o n s p r e i s der Ware. Gesetzt, die Zusammensetzung des gesellschaftlichen Durch- schnittskapitals sei 80c + 20v und die Rate des j„hrlichen Mehr- werts m' = 100%, so w„re der j„hrliche Durchschnittsprofit fr ein Kapital von 100 = 20 und die allgemeine j„hrliche Profitrate = 20%. Welches nun immer der Kostpreis k der von einem Kapital von 100 j„hrlich produzierten Waren, ihr Produktionspreis w„re = k + 20. In den Produktionssph„ren, wo die Zusammensetzung des Ka- pitals = (80-x)c + (20+x)v, w„re der wirklich erzeugte Mehrwert, resp. der innerhalb dieser Sph„re produzierte j„hrliche Profit, = 20 + x, also gr”áer als 20, und der produzierte Warenwert = k + 20 + x, gr”áer als k + 20 oder gr”áer als ihr Produktionspreis. In den Sph„ren, wo die Zusammensetzung des Kapitals (80+x)c + (20-x)v w„re der j„hrlich erzeugte Mehrwert oder Profit = 20-x, also kleiner als 20, und daher der Warenwert k + 20 - x kleiner als der Produktionspreis, der = k + 20. Abgesehn von etwaigen Un- terschieden in der Umschlagszeit, w„re der Produktionspreis der Waren gleich mit ihrem Wert nur in den Sph„ren, wo die Zusammen- setzung des Kapitals zuf„llig = 80c + 20v w„re. Die spezifische Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit ist in jeder besondren Produktionssph„re dem Grade nach verschieden, h”her oder niedriger, im Verh„ltnis wie das von einem bestimmten Quantum Arbeit, also bei gegebnem Arbeitstag von einer bestimmten Anzahl Arbeiter, in Bewegung gesetzte Quantum von Produktionsmitteln groá und daher das fr ein bestimmtes Quantum Produktionsmittel erheischte Quantum Arbeit klein ist. Wir nennen daher Kapitale, die prozentig mehr konstantes, also weniger variables Kapital enthalten als das gesellschaftliche Durchschnittskapital: Kapitale von h ” h e r e r Zusammenset- zung. Umgekehrt solche, wo das konstante Kapital einen relativ kleinern und das variable einen gr”áern Raum einnimmt, als beim gesellschaftlichen Durchschnittskapital, nennen wir: Kapitale von n i e d r i g e r e r Zusammensetzung. Kapitale von durch- schnittlicher Zusammensetzung endlich nennen wir solche, deren Zusammensetzung mit der des gesellschaftlichen Durchschnittskapi- tals zusammenf„llt. Ist das gesellschaftliche Durchschnittskapi- tal prozentig zusammengesetzt aus 80c + 20v so steht ein Kapital von 90c + 10v b e r, eins von 70c + 30v u n t e r dem ge- sellschaftlichen Durchschnitt. Allgemein, Zusammensetzung des ge- sellschaftlichen Durchschnittskapitals = mc + nv wo m und n kon- stante Gr”áen und m + n = 100. #174# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr. ----- repr„sentiert (m+x)c + (n-x)v, die h”here, (m-x)c + (n+x)v die niedrigere Zusammensetzung eines einzelnen Kapitals oder einer Kapitalgruppe. Wie diese Kapitale fungieren nach Herstellung der Durchschnittsprofitrate, unter Voraussetzung einmaligen Umschlags im Jahr, zeigt folgende šbersicht, worin I die Durchschnittszu- sammensetzung vorstellt und die Durchschnittsprofitrate somit = 20% ist: I. 80c + 20v + 20m. Profitrate = 20%. Preis des Produkts = 120. Wert = 120. II. 90c + 10v + 10m. Profitrate = 20%. Preis des Produkts = 120. Wert = 110. III. 70c + 30v + 30m. Profitrate = 20%. Preis des Produkts = 120. Wert = 130. Fr die von Kapital II produzierten Waren w„re also ihr Wert kleiner als ihr Produktionspreis, fr die des Kapital III der Produktionspreis kleiner als der Wert, und nur fr die Kapitale I der Produktionszweige, deren Zusammensetzung zuf„llig die des ge- sellschaftlichen Durchschnitts ist, w„ren Wert und Produktions- preis gleich. Obrigens muá bei Anwendung dieser Bezeichnungen auf bestimmte F„lle natrlich in Rechnung gebracht werden, wie weit etwa nicht ein Unterschied in der technischen Zusammensetzung, sondern bloáer Wertwechsel der Elemente des konstanten Kapitals das Verh„ltnis zwischen c und v vom allgemeinen Durchschnitt ab- weichen macht. Es ist durch die jetzt gegebne Entwicklung allerdings eine Modi- fikation eingetreten bezglich der Bestimmung des Kostpreises der Waren. Ursprnglich wurde angenommen, daá der Kostpreis einer Ware gleich sei dem Wert der in ihrer Produktion konsumierten Wa- ren. Der Produktionspreis einer Ware ist aber fr den K„ufer der- selben ihr Kostpreis und kann somit als Kostpreis in die Preis- bildung einer andren Ware eingehn. Da der Produktionspreis abwei- chen kann vom Wert der Ware, so kann auch der Kostpreis einer Ware, worin dieser Produktionspreis andrer Ware eingeschlossen, ber oder unter dem Teil ihres Gesamtweirts stehn, der durch den Wert der in sie eingehenden Produktionsmittel gebildet wird. Es ist n”tig, sich an diese modifizierte Bedeutung des Kostpreises zu erinnern und sich daher zu erinnern, daá, wenn in einer beson- dren Produktionssph„re der Kostpreis der Ware dem Wert der in ih- rer Produktion verbrauchten Produktionsmittel gleichgesetzt wird, stets ein Irrtum m”glich ist. Fr unsre gegenw„rtige Untersuchung ist nicht n”tig, n„her auf diesen Punkt einzugehn. Dabei bleibt immer der Satz richtig, daá der Kostpreis der Waren stets kleiner als ihr Wert. Denn wie auch der Kostpreis der Ware #175# 9. Kapitel - Durchnittsprofitrate und Produktionspreise ----- von dem Wert der in ihr konsumierten Produktionsmittel abweichen mag, fr den Kapitalisten ist dieser vergangne Irrtum gleichgl- tig. Der Kostpreis der Ware ist ein gegebner, ist eine von sei- ner, des Kapitalisten, Produktion unabh„ngige Voraussetzung, w„h- rend das Resultat seiner Produktion eine Ware ist, die Mehrwert enth„lt, also einen Wertberschuá ber ihren Kostpreis. Sonst hat der Satz, daá der Kostpreis kleiner ist als der Wert der Ware, sich jetzt praktisch in den Satz verwandelt, daá der Kostpreis kleiner ist als der Produktionspreis. Fr das gesellschaftliche Gesamtkapital, wo Produktionspreis gleich Wert, ist dieser Satz identisch mit dem frhern, daá der Kostpreis kleiner ist als der Wert. Obgleich er fr die besondren Produktionssph„ren abweichen- den Sinn hat, so bleibt ihm immer die Tatsache zugrunde liegen, daá, das gesellschaftliche Gesamtkapital betrachtet, der Kost- preis der von diesem produzierten Waren kleiner als der Wert oder der hier, fr die Gesamtmasse der produzierten Waren, mit diesem Wert identische Produktionspreis. Der Kostpreis einer Ware be- zieht sich nur auf das Quantum der in ihr enthaltnen bezahlten Arbeit, der Wert auf das Gesamtquantum der in ihr enthaltnen be- zahlten und unbezahlten Arbeit; der Produktionspreis auf die Summe der bezahlten Arbeit plus einem, fr die besondre Produkti- onssph„re unabh„ngig von ihr selbst, bestimmten Quantum unbezahl- ter Arbeit. Die Formel, daá der Produktionspreis einer Ware = k + p, gleich Kostpreis plus Profit ist, hat sich jetzt n„her dahin bestimmt, daá p = kp' ist (wo p' die allgemeine Profitrate), und daher der Produktionspreis = k + kp'. Ist k = 300 und p' = 15%, so ist der Produktionspreis k + kp'= 300 + 300 15/100 = 345. Der Produktionspreis der Waren m' jeder besondren Produktions- sph„re kann Gr”áenwechsel erfahren: 1. bei gleichbleibendem Wert der Waren (so daá also nach wie vor dasselbe Quantum toter und lebendiger Arbeit in ihre Produktion eingeht) infolgeeines von der besondren Sph„re unabh„ngigen Wech- sels in der allgemeinen Profitrate; 2. bei gleichbleibender allgemeiner Profitrate durch Wertwechsel, sei es in der besondren Produktionssph„re selbst, infolge techni- scher Žnderung, sei es infolge eines Wertwechsels der Waren, die als Bildungselemente in ihr konstantes Kapital eingehn; 3. end- lich durch Zusammenwirkung dieser beiden Umst„nde. Trotz der groáen Wechsel, die best„ndig - wie sich weiter zeigen wird in den tats„chlichen Profitraten der besondren Produktionssph„ren vorgehn, #176# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr. ----- ist eine wirkliche Žnderung in der allgemeinen Profitrate, soweit nicht durch auáerordentliche ”konomische Ereignisse ausnahmsweise ins Werk gesetzt, das sehr sp„te Werk einer Reihe ber sehr lange Zeitr„ume sich erstreckender Schwingungen, d.h. von Schwingungen, die viel Zeit brauchen, bis sie sich zu einer Žnderung der allge- meinen Profitrate konsolidieren und ausgleichen. Bei allen kr- zern Perioden (ganz abgesehn von Schwankungen der Marktpreise) ist daher eine Žnderung in den Produktionspreisen prima facie stets aus einem wirklichen Wertwechsel der Waren zu erkl„ren, d.h. aus einem Wechsel in der Gesamtsumme der zu ihrer Produktion n”tigen Arbeitszeit. Bloáer Wechsel im Geldausdruck derselben Werte kommt hier selbstredend gar nicht in Betracht. 23) Es ist andrerseits klar: das gesellschaftliche Gesamtkapital be- trachtet, ist die Wertsumme der von ihm produzierten Waren (oder in Geld ausgedrckt ihr Preis) = Wert des konstanten Kapitals + Wert des variablen Kapitals + Mehrwert. Den Exploitationsgrad der Arbeit als konstant angenommen, kann die Profitrate hier nur wechseln, bei gleichbleibender Masse des Mehrwerts, wenn entweder der Wert des konstanten Kapitals wechselt oder der Wert des vari- ablen wechselt oder beide wechseln, so daá m/C sich „ndert und dadurch die allgemeine Profitrate. In jedem Falle also unter- stellt ein Wechsel in der allgemeinen Profitrate Wechsel im Wert der Waren, die als Bildungselemente in das konstante Kapital oder in das variable oder in beide gleichzeitig eingehn. Oder die allgemeine Profitrate kann wechseln bei gleichbleibendem Wert der Waren, wenn der Exploitationsgrad der Arbeit wechselt. Oder bei gleichbleibendem Exploitationsgrad der Arbeit kann die allgemeine Profitrate wechseln, wenn die Summe der angewandten Arbeit wechselt relativ zum konstanten Kapital, infolge techni- scher Žnderungen im Arbeitsprozeá. Aber solche technischen Žnde- rungen mssen sich stets zeigen in und daher begleitet sein von einem Wertwechsel der Waren, deren Produktion jetzt gegen frher mehr oder minder viel Arbeit erfordern wrde. Man hat im ersten Abschnitt gesehn: Mehrwert und Profit waren identisch, der Masse nach betrachtet. Die Profitrate jedoch ist von vornherein unter- schieden von der Rate des Mehrwerts, was zun„chst nur als andre Form der Berechnung erscheint; was aber ebenso von vornherein, da die Rate des Profits steigen oder fallen kann bei gleichbleiben- der Rate des Mehrwerts und umgekehrt und da allein die Rate des Profits den Kapitalisten ----- 23) Corbet, p. 174. #177# 9. Kapitel - Durchschnittsprofitrate und Produktionspr. ----- praktisch interessiert, durchaus den wirklichen Ursprung des Mehrwerts verdunkelt und mystifiziert. Ein Gr”áenunterschied je- doch war nur zwischen Mehrwertsrate und Profitrate, nicht zwi- schen Mehrwert und Profit selbst. Da in der Profitrate der Mehr- wert auf das Gesamtkapital berechnet und auf es als sein Maá be- zogen wird, so erscheint der Mehrwert selbst dadurch als aus dem Gesamtkapital und zwar gleichm„áig aus allen seinen Teilen ent- sprungen, so daá der organische Unterschied zwischen konstantem und variablem Kapital im Begriff des Profits ausgel”scht ist; in der Tat daher, in dieser seiner verwandelten Gestalt als Profit, der Mehrwert selbst seinen Ursprung verleugnet, seinen Charakter verloren hat, unerkennbar geworden ist. Soweit jedoch bezog sich der Unterschied zwischen Profit und Mehrwert nur auf eine quali- tative Žnderung, einen Formwechsel, w„hrend wirklicher Gr”áenun- terschied auf dieser ersten Stufe der Verwandlung nur noch zwi- schen Profitrate und Mehrwertsrate, noch nicht zwischen Profit und Mehrwert existiert. Anders verh„lt es sich, sobald eine allgemeine Profitrate und durch selbe ein der in den verschiednen Produktionssph„ren gegeb- nen Gr”áe des angewandten Kapitals entsprechender Durch- schnittsprofit hergestellt ist. Es ist jetzt nur noch Zufall, wenn der in einer besondren Produk- tionssph„re wirklich erzeugte Mehrwert und daher Profit mit dem im Verkaufspreis der Ware enthaltnen Profit zusammenf„llt. In der Regel sind Profit und Mehrwert, und nicht bloá ihre Raten, nun wirklich verschiedne Gr”áen. Bei gegebnem Exploitationsgrad der Arbeit ist jetzt die Masse des Mehrwerts, die in einer besondren Produktionssph„re erzeugt wird, wichtiger fr den Gesamtdurch- schnittsprofit des gesellschaftlichen Kapitals, also fr die Ka- pitalistenklasse Oberhaupt, als direkt fr den Kapitalisten in- nerhalb jedes besondren Produktionszweigs. Fr ihn nur 24), so- fern das in seiner Branche erzeugte Quantum Mehrwert mitbestim- mend eingreift in die Reglung des Durchschnittsprofits. Aber dies ist ein Prozeá, der hinter seinem Rcken vorgeht, den er nicht sieht, nicht versteht und der ihn in der Tat nicht interessiert. Der wirkliche Gr”áenunterschied zwischen Profit und Mehrwert - nicht nur zwischen Profitrate und Mehrwertsrate - in den besond- ren Produktionssph„ren versteckt nun v”llig die wahre Natur und den Ursprung des Profits, nicht nur fr den Kapitalisten, der hier ein besondres Interesse hat, sich zu t„uschen, sondern auch fr den Arbeiter. Mit der Verwandlung der Werte in Produktions- preise wird die Grundlage --- 24) Selbstredend wird hier abgesehn von der M”glichkeit, durch Lohndrckung, Monopolpreis usw. einen momentanen Extraprofit her- auszuschlagen. [F.E.] #178# II. Abschnitt - Verwandlung des Profite in Durchschnittspr. ----- der Wertbestimmung selbst dem Auge entrckt. Endlich: Wenn bei der bloáen Verwandlung von Mehrwert in Profit der Wertteil der Waren, der den Profit bildet, dem andren Wertteil gegenbertritt als dem Kostpreis der Ware, so daá hier schon der Begriff des Werts dem Kapitalisten abhanden kommt, weil er nicht die Gesamt- arbeit vor sich hat, die die Produktion der Ware kostet, sondern nur den Teil der Gesamtarbeit, den er in der Form von Produkti- onsmitteln, lebendigen oder toten, bezahlt hat, und ihm so der Profit als etwas auáerhalb des immanenten Werts der Ware Stehen- des erscheint - so wird jetzt diese Vorstellung vollst„ndig be- st„tigt, befestigt, verkn”chert, indem der zum Kostpreis zuge- schlagne Profit in der Tat, wenn man die besondre Produktions- sph„re betrachtet, nicht durch die Grenzen der in ihr selbst vor- gehenden Wertbildung bestimmt, sondern ganz „uáerlich dagegen festgesetzt ist. Der Umstand, daá hier zum erstenmal dieser innere Zusammenhang enthllt ist; daá, wie man aus dem Folgenden und aus Buch IV sehn wird, die bisherige ™konomie entweder gewaltsam von den Unter- schieden zwischen Mehrwert und Profit, Mehrwertsrate und Pro- fitrate abstrahierte, um die Wertbestimmung als Grundlage fest- halten zu k”nnen, oder aber mit dieser Wertbestimmung allen Grund und Boden wissenschaftlichen Verhaltens aufgab, um an jenen in der Erscheinung auff„lligen Unterschieden festzuhalten - diese Verwirrung der Theoretiker zeigt am besten, wie der im Konkur- renzkampf befangne, seine Erscheinungen in keiner Art durchdrin- gende praktische Kapitalist durchaus unf„hig sein muá, durch den Schein hindurch das innere Wesen und die innere Gestalt dieses Prozesses zu erkennen. Alle im ersten Abschnitt entwickelten Gesetze ber Steigen und Fallen der Profitrate haben in der Tat die folgende doppelte Be- deutung: I. Einerseits sind sie die Gesetze der allgemeinen Profitrate. Bei den vielen verschiednen Ursachen, welche nach dem Entwickel- ten die Profitrate steigen oder fallen machen, sollte man glau- ben, daá die allgemeine Profitrate jeden Tag wechseln máte. Aber die Bewegung in einer Produktionssph„re wird die in der andem aufheben, die Einflsse kreuzen und paralysieren sich. Wir werden sp„ter untersuchen, nach welcher Seite die Schwankungen in letz- ter Instanz hinstreben; aber sie sind langsam; die Pl”tzlichkeit, Vielseitigkeit und verschiedne Dauer der Schwankungen in den ein- zelnen Produktionssph„ren macht, daá sie sich zum Teil in ihrer Reihenfolge in der Zeit kompensieren, so daá Preisfall auf Preis- steigerung folgt und umgekehrt, daá sie also lokal, d.h. auf die besondre Produktionssph„re beschr„nkt bleiben; endlich, daá die verschiednen lokalen Schwankungen #179# 9. Kapitel - Durchschnittsprofitrate und Prionspreise ----- sich wechselseitig neutralisieren. Es finden innerhalb jeder be- sondren Produktionssph„re Wechsel statt, Abweichungen von der allgemeinen Profitrate, die sich einerseits in einem bestimmten Zeitraum ausgleichen und daher nicht auf die allgemeine Pro- fitrate zurckwirken; und die andrerseits wieder nicht auf sie zurckwirken, weil sie durch andre gleichzeitige lokale Schwan- kungen aufgehoben werden. Da die allgemeine Profitrate bestimmt ist nicht nur durch die Durchschnittsprofitrate in jeder Sph„re, sondern auch durch die Verteilung des Gesamtkapitals auf die ver- schiednen besondren Sph„ren, und da diese Verteilung best„ndig wechselt, so ist dies wieder eine best„ndige Ursache des Wechsels in der allgemeinen Profitrate - aber eine Ursache des Wechsels, die wiederum, bei der Ununterbrochenheit 1*) und Allseitigkeit dieser Bewegung, groáenteils sich selbst wieder paralysiert. 2. Innerhalb jeder Sph„re ist ein Spielraum gegeben fr krzere oder l„ngere Epoche, wo die Profitrate dieser Sph„re schwankt, bevor sich dies Schwanken, nach Steigen oder Fallen, hinreichend konso- lidiert, um Zeit zu gewinnen zur Einwirkung auf die allgemeine Profitrate und daher zur Erreichung von mehr als lokaler Bedeu- tung. Innerhalb solcher r„umlichen und zeitlichen Grenzen gelten daher ebenfalls die im ersten Abschnitt dieses Buchs entwickelten Gesetze der Profitrate. Die theoretische Ansicht - bei der ersten Verwandlung des Mehrwerts in Profit daá jeder Teil des Kapitals gleichm„áig Profit abwerfe 25), drckt eine praktische Tatsache aus. Wie immer das industrielle Kapital zusammengesetzt sei, ob es ein Viertel tote Arbeit und drei Viertel lebendige Arbeit oder drei Viertel tote Arbeit und ein Viertel lebendige Arbeit in Be- wegung setzt, ob es in dem einen Fall dreimal soviel Mehrarbeit einsaugt oder Mehrwert produziert als in dem andren - bei glei- chem Exploitation grad der Arbeit und abgesehn von individuellen Unterschieden, die ohnehin verschwinden, weil wir beide Male nur die Durchschnittszusammensetzung der ganzen Produktionssph„re vor uns haben -, in beiden F„llen wirft es gleich viel Profit ab. Der einzelne Kapitalist (oder auch die Gesamtheit der Kapitalisten in jeder besondren Produktionssph„te), dessen Blick borniert ist, glaubt mit Recht, daá sein Profit nicht allein aus der von ihm oder in seinem Zweig besch„ftigten Arbeit herstamme. Es ist dies ganz wichtig fr seinen Durchschnittsprofit. Wieweit dieser Pro- fit vermittelt ist --- 25) Malthus. [24] ----- 1*) 1. Auflage: Unterbrochenheit #180# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr. ----- durch die Gesamtexploitation der Arbeit durch das Gesamtkapital, d.h. durch alle seine Kapitalistengenossen, dieser Zusammenhang ist ihm ein vollst„ndiges Mysterium, um so mehr, als selbst die Bourgeoistheoretiker, die politischen ™konomen, es bis jetzt nicht enthllt hatten. Ersparung an Arbeit - nicht nur an der Ar- beit, notwendig um ein bestimmtes Produkt zu produzieren, sondern auch an der Anzahl der besch„ftigten Arbeiter - und gr”áre Anwen- dung toter Arbeit (konstantes Kapital) erscheint als ”konomisch ganz richtige Operation und scheint von vornherein in keiner Weise die allgemeine Profitrate und den Durchschnittsprofit an- zugreifen. Wie sollte daher die lebendige Arbeit ausschlieáliche Quelle des Profits sein, da Verminderung der zur Produktion n”ti- gen Menge Arbeit nicht nur nicht den Profit anzugreifen scheint, sondern vielmehr unter gewissen Umst„nden als n„chste Quelle zur Vermehrung des Profits erscheint, wenigstens fr den einzelnen Kapitalisten? Wenn in einer gegebnen Produktionssph„re der Teil des Kostpreises steigt oder f„llt, der den Wert des konstanten Kapitals repr„sen- tiert, so kommt dieser Teil aus der Zirkulation her und geht von vornherein vergr”áert oder verkleinert in den Produktionsprozeá der Ware ein. Wenn andrerseits die angewandte Arbeiteranzahl in derselben Zeit mehr oder weniger produziert, also bei gleichblei- bender Arbeiteranzahl das zur Produktion einer bestimmten Waren- menge erheischte Arbeitsquantum wechselt, so mag der Teil des Kostpreises, der den Wert des variablen Kapitals repr„sentiert, derselbe bleiben, also mit gleicher Gr”áe in den Kostpreis des Gesamtprodukts eingehn. Aber auf jede einzelne von den Waren, de- ren Summe das Gesamtprodukt ausmacht, f„llt mehr oder weniger Ar- beit (bezahlte und daher auch unbezahlte), also auch mehr oder weniger von der Ausgabe fr diese Arbeit, gr”áeres oder kleineres Stck des Lohns. Der vom Kapitalisten gezahlte Gesamtlohn bleibt derselbe, aber er ist ein andrer, auf jedes Stck Ware berechnet. Hier tr„te also Žnderung ein in diesem Teil des Kostpreises der Ware. Ob nun der Kostpreis der einzelnen Ware infolge solcher Wertver„nderungen, sei es in ihr selbst, sei es in ihren Waren- elementen (oder auch der Kostpreis der Summe der von einem Kapi- tal von gegebner Gr”áe produzierten Waren) steigt oder f„llt: ist der Durchschnittsprofit z. B. 10%, so bleibt er 10%; obgleich 10%, die einzelne Ware betrachtet, eine sehr verschiedne Gr”áe darstellt, je nach dem, durch den vorausgesetzten Wertwechsel hervorgebrachten. Gr”áenwechsel im Kostpreis der einzelnen Ware. 26) --- 26) Corbet. [25] #181# 9. Kapitel - Durchschnittsprofitrate und Produktionspr. ----- Mit Bezug auf das variable Kapital - und dies ist das wichtigste, weil es die Quelle des Mehrwerts und weil alles, was sein Ver- h„ltnis zur Bereicherung des Kapitalisten verdeckt, das ganze Sy- stem mystifiziert - vergr”bert sich die Sache oder erscheint sie dem Kapitalisten so: ein variables Kapital von 100 Pfd.St. stelle z.B. den Wochenlohn von 100 Arbeitern vor. Wenn diese 100, bei gegebnem Arbeitstag, ein w”chentliches Produkt von 200 Stck Wa- ren produzieren = 200 W, so kostet 1 W - abstrahiert von dem Teil des Kostpreises, den das konstante Kapital zusetzt - da 100 Pfd.St. = 200 W, 1 W = 100 Pfd.St./200 = 10 Schill. Gesetzt nun, es tr„te 200 Wechsel in der Produktivkraft der Arbeit ein; sie verdopple sich, dieselbe Anzahl Arbeiter produziere in derselben Zeit zwei- mal 200 W, worin sie frher 200 W produzierte. In diesem Fall ko- stet (soweit der Kostpreis aus bloáem Arbeitslohn besteht), da jetzt 100 Pfd.St. = 400 W, 1 W = 100 Pfd.St./400 = 5 Schill. Verminderte sich die Produktivkraft um die H„lfte, so wrde die- selbe Arbeit nur noch 200 W produzieren; und da 100 Pfd.St = 200 W/2, nun 1 W = 200 Pfd.St./200 = 1 Pfd.St. Die Wechsel in der zur Produktion der Waren erheischten Arbeitszeit und daher in ihrem Wert, erscheinen jetzt mit Bezug auf den Kostpreis und daher auch den Produktionspreis als verschiedne Verteilung desselben Ar- beitslohns ber mehr oder weniger Waren, je nachdem in derselben Arbeitszeit fr denselben Arbeitslohn mehr oder weniger Waren produziert werden. Was der Kapitalist und daher auch der politi- sche ™konom sieht, ist, daá der Teil der bezahlten Arbeit, der auf die Ware per Stck f„llt, sich mit der Produktivit„t der Ar- beit „ndert und damit auch der Wert Jedes einzelnen Stcks; er sieht nicht, daá dies ebenfalls der Fall ist mit der in jedem Stck enthaltnen unbezahlten Arbeit, um so weniger, da der Durch- schnittsprofit in der Tat durch die in seiner Sph„re absorbierte unbezahlte Arbeit nur zuf„llig bestimmt ist. Nur in solch vergr”- berter und begriffsloser Form scheint jetzt noch die Tatsache durch, daá der Wert der Waren durch die in ihnen enthaltne Arbeit bestimmt ist. #182# ----- ZEHNTES KAPITEL Ausgleichung der allgemeinen Profitrate durch die Konkurrenz. Marktpreise und Marktwerte. Surplusprofit Ein Teil der Produktionssph„ren hat eine mittlere oder Durch- schnittszusammensetzung des in ihnen angewandten Kapitals, d.h. ganz oder ann„hernd die Zusammensetzung des gesellschaftlichen Durchschnittskapitals. In diesen Sph„ren f„llt der Produktionspreis der produzierten Wa- ren mit ihrem in Geld ausgedrckten Wert ganz oder ann„hernd zu- sammen. Wenn auf keine andre Weise zur mathematischen Grenze zu gelangen, so w„re es auf diese. Die Konkurrenz verteilt das Ge- sellschaftskapital so zwischen die verschiednen Produktionssph„- ren, daá die Produktionspreise in einer jeden Sph„re gebildet werden nach dem Muster der Produktionspreise in diesen Sph„ren der mittleren Komposition, d.h. = k + kp' (Kostpreis plus dem Produkt der Durchschnittsprofitrate in den Kostpreis). Diese Durchschnittsprofitrate ist aber nichts andres als der prozentig berechnete Profit in jener Sph„re der mittleren Komposition, wo also der Profit zusammenf„llt mit dem Mehrwert. Die Profitrate ist also in allen Produktionssph„ren dieselbe, n„mlich ausgegli- chen auf diejenige dieser mittleren Produktionssph„ren, wo die Durchschnittszusammensetzung des Kapitals herrscht. Hiernach muá die Summe der Profite aller verschiednen Produktionssph„ren gleich sein der Summe der Mehrwerte und die Summe der Produkti- onspreise des gesellschaftlichen Gesamtprodukts gleich der Summe seiner Werte. Es ist aber klar, daá die Ausgleichung zwischen den Produktionssph„ren von verschiedner Zusammensetzung immer dahin streben muá, sie zu egalisieren mit den Sph„ren von mittlerer Zu- sammensetzung, sei es nun, daá diese exakt, sei es, daá sie nur ann„hernd dem gesellschaftlichen Durchschnitt entsprechen. Zwi- schen den mehr oder minder Ann„hernden findet selbst wieder Ten- denz nach Ausgleichung statt, die der idealen, d.h. in der Wirk- lichkeit nicht vorhandnen Mittelposition zustrebt, #183# 10. Kapitel - Konkurrenz. Marktpreise und Marktwerte usw. ----- d.h. die Tendenz hat, sich um sie herum zu normieren. In dieser Weise herrscht also notwendig die Tendenz, die Produktionspreise zu bloá verwandelten Formen des Werts zu machen oder die Profite in bloáe Teile des Mehrwerts zu verwandeln, die aber verteilt sind nicht im Verh„ltnis urn Mehrwert, der in jeder besondren Produktionssph„re erzeugt ist, sondern im Verh„ltnis zur Masse des in jeder Produktionssph„re angewandten Kapitals, so daá auf gleich groáe Kapitalmassen, wie immer zusammengesetzt, gleich groáe Anteile (aliquote Teile) der Totalit„t des vom gesell- schaftlichen Gesamtkapital erzeugten Mehrwerts fallen. Fr die Kapitale von mittlerer oder ann„hernd mittlerer Zusammen- setzung f„llt der Produktionspreis also mit dem Wert ganz oder ann„hernd zusammen, und der Profit mit dem von ihnen erzeugten Mehrwert. Alle andren Kapitale, welches immer ihre Zusammenset- zung, streben unter dem Druck der Konkurrenz, sich mit diesen auszugleichen. Da aber die Kapitale mittlerer Zusammensetzung gleich oder ann„hernd gleich dem gesellschaftlichen Durch- schnittskapital, so streben alle Kapitale, welches immer der von ihnen selbst erzeugte Mehrwert, an Stelle dieses Mehrwerts den Durchschnittsprofit durch die Preise ihrer Waren zu realisieren, d.h. also die Produktionspreise zu realisieren. Es kann andrerseits gesagt werden, daá berall, wo ein Durch- schnittsprofit hergestellt wird, also eine allgemeine Profitrate - in welcher Weise auch immer dies Resultat hervorgebracht worden sei - dieser Durchschnittsprofit nichts andres sein kann als der Profit auf das gesellschaftliche Durchschnittskapital, dessen Summe gleich der Summe der Mehrwerte, und daá die durch Zuschlag dieses Durchschnittprofits auf die Kostpreise hervorgebrachten Preise nichts andres sein k”nnen als die in Produktionserwandel- ten Werte. Es wrde nichts „ndern, wenn Kapitale in bestimmten Produktionssph„ren aus irgendwelchen Grnden nicht dem Prozeá der Ausgleichung unterworfen wrden. Der Durchschnittsprofit w„re dann berechnet auf den Teil des Gesellschaftskapitals, der in den Ausgleichungsprozeá eingeht. Es ist klar, daá der Durch- schnittsprofit nichts sein kann als die Gesamtmasse des Mehr- werts, verteilt auf die Kapitalmassen in jeder Produktionssph„re nach Verh„ltnis ihrer Gr”áen. Es ist das Ganze der realisierten unbezahlten Arbeit, und diese Gesamtmasse stellt sich dar, eben- sogut wie die bezahlte tote und lebendige Arbeit, in der Gesamt- masse von Waren und Geld, die den Kapitalisten zuf„llt. Die ei- gentlich schwierige Frage ist hier die: wie diese Ausgleichung der Profite zur allgemeinen Profitrate vorgeht, da sie offenbar ein Resultat ist und nicht ein Ausgangspunkt sein kann. #184# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr. ----- Es ist zun„chst klar, daá eine Sch„tzung der Warenwerte, z. B. in Geld, nur das Resultat ihres Austausches sein kann und daá, wenn wir daher solche Sch„tzung voraussetzen, wir sie als das Ergebnis wirklicher Austausche von Warenwert gegen Warenwert zu betrachten haben. Aber wie soll dieser Austausch der Waren zu ihren wirkli- chen Werten zustande gekommen sein? Nehmen wir zuerst an, daá alle Waren in den verschiednen Produk- tionssph„ren zu ihren wirklichen Werten verkauft wrden. Was w„re dann der Fall? Es wrden nach dem frher Entwickelten sehr ver- schiedne Profitraten in den verschiednen Produktionssph„ren herr- schen. Es sind prima facie zwei ganz verschiedne Dinge, ob Waren zu ihren Werten verkauft werden (d.h. ob sie im Verh„ltnis des in ihnen enthaltnen Werts, zu ihren Wertpreisen, miteinander ausge- tauscht werden) oder ob sie zu solchen Preisen verkauft werden, daá ihr Verkauf gleich groáe Profite auf gleiche Massen der zu ihrer respektiven Produktion vorgeschoánen Kapitale abwirft. Daá Kapitale, die ungleich viel lebendige Arbeit in Bewegung set- zen, ungleich viel Mehrwert produzieren, setzt wenigstens bis zu einem gewissen Grad voraus, daá der Exploitationsgrad der Arbeit oder die Rate des Mehrwerts dieselbe oder daá die darin existie- renden Unterschiede als durch wirkliche oder eingebildete (konventionelle) Kompensationsgrnde ausgeglichen gelten. Dies setzt Konkurrenz unter den Arbeitern voraus und Ausgleichung durch ihre best„ndige Auswanderung aus einer Produktionssph„re in die andre. Solch eine allgemeine Rate des Mehrwerts - der Tendenz nach, wie alle ”konomischen Gesetze - ist von uns als theoreti- sche Vereinfachung vorausgesetzt; in Wirklichkeit aber ist sie tats„chliche Voraussetzung der kapitalistischen Produktionsweise, obgleich mehr oder minder gehemmt durch praktische Friktionen, die mehr oder minder bedeutende lokale Differenzen hervorbringen, wie z.B. die Heimatsgesetzgebung (settlement laws) [26] fr die Ackerbautaglhner in England. Aber in der Theorie wird vorausge- setzt, daá die Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise sich rein entwickeln. In der Wirldichkeit besteht immer nur Ann„he- rung; aber diese Ann„herung ist um so gr”áer, je mehr die kapita- listische Produktionsweise entwickelt und je mehr ihre Verunrei- nigung und Verquickung mit Resten frherer ”konomischer Zust„nde beseitigt ist. Die ganze Schwierigkeit kommt dadurch hinein, daá die Waren nicht einfach als W a r e n ausgetauscht werden, sondern als P r o d u k t v o n K a p i t a l e n, die im Verh„ltnis zu ihrer Gr”áe, oder bei gleicher Gr”áe, gleiche Teil #185# 10. Kapitel - Konkurrenz. Marktpreise und Marktwerte usw. ----- nahme an der Gesamtmasse des Mehrwerts beanspruchen. Und der Ge- samtpreis der von einem gegehnen Kapital in einer gegebnen Zeit- frist produzierten Waren soll diese Forderung befriedigen. Der Gesamtpreis dieser Waren ist aber bloá die Summe der Preise der einzelnen waren, die das Produkt des Kapitals bilden. Das punctum saliens 1*) wird zumeist heraustreten, wenn wir die Sache so fassen: Unterstelle, die Arbeiter selbst seien im Besitz ihrer respektiven Produktionsmittel und tauschten ihre Waren mit- einander aus. Diese Waren w„ren dann nicht Produkte des Kapitals. Je nach der technischen Natur ihrer Arbeiten w„re der Wert der in den verschiednen Arbeitszweigen angewandten Arbeitsmittel und Ar- beitsstoffe verschieden; ebenso w„re, abgesehn von dem ungleichen Wert der angewandten Produktionsmittel, verschiedne Masse dersel- ben erheischt fr gegebne Arbeitsmasse, je nachdem eine bestimmte Ware in einer Stunde fertiggemacht werden kann, eine andre erst in einem Tag etc. Unterstelle ferner, daá diese Arbeiter im Durchschnitt gleich viel Zeit arbeiten, die Ausgleichungen einge- rechnet, die aus verschiedner Intensit„t etc. der Arbeit hervor- gehn. Zwei Arbeiter h„tten dann beide in den Waren, die das Pro- dukt ihrer Tagesarbeit bilden, erstens ersetzt ihre Auslagen, die Kostpreise der verbrauchten Produktionsmittel. Diese w„ren ver- schieden je nach der technischen Natur ihrer Arbeitszweige. Beide h„tten zweitens gleich viel Neuwert geschaffen, n„mlich den den Produktionsmitteln zugesetzten Arbeitstag. Es schl”sse dies ein ihren Arbeitslohn plus dem Mehrwert, der Mehrarbeit ber ihre notwendigen Bedrfnisse hinaus, deren Resultat aber ihnen selbst geh”rte. Wenn wir uns kapitalistisch ausdrucken, so erhalten beide denselben Arbeitslohn plus denselben Profit, = dem 2*) Wert, ausgedrckt z.B. im Produkt eines zehnstndigen Arbeits- tags. Aber erstens w„ren die Werte ihrer Waren verschieden. In der Ware I z.B. w„re mehr Wertteil fr die aufgewandten Produkti- onsmittel enthalten als in der Ware II, und um gleich alle m”gli- chen Unterschiede hineinzubringen, Ware I absorbiere mehr leben- dige Arbeit, erfordre also l„ngere Arbeitszeit in ihrer Herstel- lung als Ware II. Der Wert dieser Waren I und II ist also sehr verschieden. Ebenso die Summen der Warenwerte, die das Produkt der von Arbeiter I und der von Arbeiter II in einer gegebnen Zeit verrichteten Arbeit. Die Profitraten w„ren auch sehr verschieden fr I und II, wenn wir hier das Verh„ltnis des Mehrwerts zum Ge- gamtwert der ausgelegten ----- 1*) Der entscheidende Punkt - 2*) 1. Auflage: aber auch den; ge- „ndert nach dem Manuskript von Marx #186# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr. ----- Produktionsmittel die Profitrate nennen. Die Lebensmittel, die I und II w„hrend der Produktion t„glich verzehren und die den Ar- beitslohn vertreten, werden hier den Teil der vorgeschoánen Pro- duktionsmittel bilden, den wir sonst vatiables Kapital nennen. Aber die Mehrwerte w„ren fr gleiche Arbeitszeit dieselben fr I und II oder noch genauer, da I und II, oder den Wert des Produkts eines Arbeitstags erhalten, erhalten sie, nach Abzug des Werts der vorgeschoánen "konstanten" Elemente, gleiche Werte, wovon ein Teil als Ersatz der in der Produktion verzehrten Lebensmittel, der andre als darber hinaus berschssiger Mehrwert betrachtet werden kann. Hat I mehr Auslagen, so sind diese ersetzt durch den gr”áern Wertteil seiner Ware, der diesen konstanten Teils er- setzt, und er hat daher auch wieder einen gr”áern Teil des Ge- samtwerts seines Produkts rckzuverwandeln in die stofflichen Elemente dieses konstanten Teils, w„hrend II, wenn er weniger da- fr einkassiert, dafr auch um so weniger rckzuverwandeln hat. Die Verschiedenheit der Profitrate w„re unter dieser Vorausset- zung also ein gleichgltiger Umstand, ganz wie es heute fr den Lohnarbeiter ein gleichgltiger Umstand ist, in welcher Pro- fitrate das ihm abgepreáte Quantum Mehrweirt sich ausdrckt, und ganz wie im internationalen Handel die Verschiedenheit der Pro- fitraten bei den verschiednen Nationen fr ihren Warenaustausch ein gleichgltiger Umstand ist. Der Austausch von Waren zu ihren Werten oder ann„hernd zu ihren Werten erfordert also eine viel niedrigre Stufe als der Austausch zu Produktionspreisen, wozu eine bestimmte H”he kapitalistischer Entwicklung n”tig ist. In welcher Weise immer die Preise der verschiednen Waren zuerst gegeneinander festgesetzt oder geregelt sein m”gen, das Wertge- setz beherrscht ihre Bewegung. Wo die zu ihrer Produktion erheischte Arbeitszeit f„llt, fallen die Preise; wo sie steigt, steigen die Preise, bei sonst gleichbleibenden Umst„nden. Abgesehn von der Beherrschung der Preise und der Preisbewegung durch das Wertgesetz, ist es also durchaus sachgem„á, die Werte der Waren nicht nur theoretisch, sondern historisch als das prius der Produktionspreise zu betrachten. Es gilt dies fr Zust„nde, wo dem Arbeiter die Produktionsmittel geh”ren, und dieser Zustand findet sich, in der alten wie in der modernen Welt, beim selbst- arbeitenden grundbesitzenden Bauer und beim Handwerker. Es stimmt dies auch mit unsrer frher 1*) ausge ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 102 #187# 10. Kapitel - Konkurrenz. Marktpreis und Marktwerte usw. ----- sprochnen Ansicht 27), daá die Entwicklung der Produkte zu Waren entspringt durch den Austausch zwischen verschiednen Gemeinwesen, nicht zwischen den Gliedern einer und derselben Gemeinde. Wie fr diesen ursprnglichen Zustand, so gilt es fr die sp„teren Zu- st„nde, die auf Sklaverei und Leibeigenschaft gegrndet sind, und fr die Zunftorganisation des Handwerks, solange die in jedem Produktionszweig festgelegten Produktionsmittel nur mit Schwie- rigkeit aus der einen Sph„re in die andre bertragbar sind und die verschiednen Produktionssph„ren sich daher innerhalb gewisser Grenzen zueinander verhalten wie fremde L„nder oder kommunisti- sche Gemeinwesen. Damit die Preise, wozu Waren sich gegeneinander austauschen, ih- ren Werten ann„hernd entsprechen, ist nichts n”tig, als daá 1. der Austausch der verschiednen Waren aufh”rt, ein rein zuf„lliger oder nur gelegentlicher zu sein; 2. daá, soweit wir den direkten Warenaustausch betrachten, diese Waren beiderseits in den ann„- hernd dem wechselseitigen Bedrfnis entsprechenden Verh„ltnismen- gen produziert werden, was die wechselseitige Erfahrung des Ab- satzes mitbringt und was so als Resultat aus dem fortgesetzten Austausch selbst herausw„chst; und 3., soweit wir vom Verkauf sprechen, daá kein natrliches oder knstliches Monopol eine der kontrahierenden Seiten bef„hige, ber den Wert zu verkaufen, oder sie zwinge, unter ihm loszuschlagen. Unter zuf„lligem Monopol verstehn wir das Monopol, das dem K„ufer oder Verk„ufer erw„chst aus dem zuf„lligen Stand von Nachfrage und Angebot. Die Annahme, daá die Waren der verschiednen Produktionssph„ren sich zu ihren Werten verkaufen, bedeutet natrlich nur, daá ihr Wert der Gravitationspunkt ist, um den ihre Preise sich drehn und zu dem ihre best„ndigen Hebungen und Senkungen sich ausgleichen. Es wird dann auáerdem immer ein M a r k t w e r t - worber sp„ter - zu unterscheiden sein von dem individuellen Wert der einzelnen Waren, die von den verschiednen Produzenten produziert werden. Der individuelle Wert einiger dieser Waren wird unter dem Marktwert stehn (d.h. es ist weniger Arbeitszeit fr ihre Produk- tion erheischt als der Marktwert ausdrckt), der andre darber. Der Marktwert wird einerseits zu betrachten sein als der Durch- schnittswert der in einer Sph„re produzierten Waren, andrerseits als der individuelle Wert der Waren, die unter den durchschnitt- lichen Bedingungen --- 27) Damals, 1865, noch bloáe "Ansicht" von Marx. Heute, seit der umfangreichen Untersuchung der ursprnglichen Gemeinwesen von Maurer bis auf Morgan, kaum noch irgendwo bestrittene Tatsache. - F.E. #188# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr. ----- der Sph„re produziert werden und die die groáe Masse der Produkte derselben bilden. Es sind nur auáerordentliche Kombinationen, un- ter denen die unter den schlechtesten Bedingungen oder die unter den bevorzugtesten Bedingungen produzierten Waren den Marktwert regeln, der seinerseits das Schwankungszentrum bildet fr die Marktpreise - die aber dieselben sind fr die Waren derselben Art. Wenn die Zufuhr der Waren zu dem Durchschnittswert, also zu dem mittleren Wert der Masse, die zwischen den beiden Extremen liegt, die gew”hnliche Nachfrage befriedigt, so realisieren die Waren, deren individueller Wert unter dem Marktwert steht, einen Extramehrwert oder Surplusprofit, w„hrend die, deren individuel- ler Wert ber dem Marktwert steht, einen Teil des in ihnen ent- haltnen Mehrwerts nicht realisieren k”nnen. Es hilft nichts zu sagen, daá der Verkauf der unter den schlechtesten Bedingungen produzierten Waren beweist, daá sie zur Deckung der Nachfrage 1*) erheischt sind. W„re der Preis h”her in dem unterstellten Fall als der mittlere Marktwert, so w„re die Nachfrage geringer 2*). Zu gewissen Preisen kann eine Warenart einen gewissen Raum im Markt einnehmen; der Raum bleibt nur dann derselbe bei Wechsel der Preise, wenn der h”here Preis mit ge- ringrem Warenquantum und der niedrigere Preis mit r”árem Waren- quantum zusammenf„llt. Ist dagegen die Nachfrage so stark, daá sie sich nicht kontrahlert, wenn der Preis geregelt wird durch den Wert der unter den schlechtesten Bedingungen produzierten Wa- ren, so bestimmen diese den Marktwert. Es ist dies nur m”glich, wenn die Nachfrage die gew”hnliche bersteigt oder die Zufuhr un- ter die gew”hnliche f„llt. Endlich, wenn die Masse der produzier- ten Waren gr”áer ist, als zu den mittlern Marktwerten Absatz fin- det, so regeln die unter den besten Bedingungen produzierten Wa- ren den Marktwert. Sie k”nnen z.B. ihre Waren ganz oder ann„hernd zu ihrem individuellen Wert verkaufen, wobei es passieren kann, daá die unter den schlechtesten Bedingungen produzierten Waren vielleicht nicht einmal ihre Kostpreise realisieren, w„hrend die des mittlern Durchschnitts nur einen Teil des in ihnen enthaltnen Mehrwerts realisieren k”nnen. Was hier vom Marktwert gesagt, gilt vom Produktionspreis, sobald er an die Stelle des Marktwerts ge- treten. Der Produktionspreis ist in jeder Sph„re reguliert und ebenso nach den besondren Umst„nden reguliert. Er selbst aber ist wieder das Zentrum, worum sich die t„glichen Marktpreise drehn und wozu sie sich in bestimmten Perioden ausgleichen. ----- 1*) 1. Auflage: Zufuhr - 2*) 1. Auflage: gr”áer; ge„ndert nach dem Manuskript von Marx #189# 10. Kapitel - Konkurrenz. Marktpreise und Marktwerte usw. ----- (S. Ricardo, ber die Bestimmung des Produktionspreises durch die unter den schlechtesten Bedingungen Arbeitenden. [27]) Wie immer die Preise geregelt seien, es ergibt sich: 1. Das Wertgesetz beherrscht ihre Bewegung, indem Verminderung oder Vermehrung der zur Produktion erheischten Arbeitszeit die Produktionspreise steigen oder fallen macht. Es ist in diesem Sinne, daá Ricardo sagt [28] (der wohl fhlt, daá seine Produkti- onspreise von den Werten der Waren abweichen), daá the inquiry to which he wishes to draw the reader's attention, relates to the effect of the varlations in the relative value of commodities, and not in their absolute value 1*) 2. Der Durchschnittsprofit, der die Produktionspreise bestimmt, muá immer ann„hernd gleich sein dem Quantum Mehrwert, das auf ein gegebnes Kapital als aliquoten Teil des gesellschaftlichen Ge- samtkapitals f„llt. Gesetzt, die allgemeine Profitrate und daher der Durchschnittsprofit sei in einem Geldwert ausgedruckt, h”her als der wirkliche Durchschnittsmehrwert, seinem Geldwert nach be- rechnet. Soweit die Kapitalisten dann in Betracht kommen, ist es gleichgltig, ob sie sich wechselseitig 10 oder 15% Profit an- rechnen. Der eine Prozentsatz deckt nicht mehr wirklichen Waren- wert als der andre, indem die šbertreibung des Geldausdrucks wechselseitig ist. Was aber die Arbeiter angeht (da vorausgesetzt ist, daá sie ihren normalen Arbeitslohn erhalten, die Heraufset- zung des Durchschnittsprofits also nicht einen wirklichen Abzug vom Arbeitslohn, d.h. etwas ganz andres als normalen Mehrwert des Kapitalisten ausdrckt), so muá der durch die Heraufsetzung des Durchschnittsprofits entstehenden Erh”hung der Warenpreise eine Erh”hung im Geldausdruck des variablen Kapitals entsprechen. In der Tat ist solche allgemeine nominelle Erh”hung der Profitrate und des Durchschnittsprofits ber den durch das Verh„ltnis des wirklichen Mehrwerts zum vorgeschoánen Gesamtkapital gegebnen Satz nicht m”glich, ohne Erh”hung des Arbeitslohns nach sich zu ziehn, und ebenso Erh”hung der Preise der Waren, die das kon- stante Kapital bilden. Ebenso umgekehrt bei Erniedrigung. Da nun der Gesamtwert der Waren den Gesamtmehrwert, dieser aber die H”he des Durchschnittsprofits und daher der allgemeinen Profitrate re- gelt - als allgemeines Gesetz oder als das die Schwankungen Be- herrschende -, so reguliert das Wrtgesetz die Produktionspreise. ----- 1*) die Untersuchung, auf die er des Lesers Aufmerksamkeit lenken m”chte, sich auf die Wirkung der Ver„nderungen in dem relativen Wert der Waren und nicht in ihrem absoluten Wert bezieht #190# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr. ----- Was die Konkurrenz, zun„chst in einer Sph„re, fertigbringt, ist die Herstellung eines gleichen Marktwerts und Marktpreises aus den verschiednen individuellen Werten der Waren. Die Konkurrenz der Kapitale in den verschiednen Sph„ren aber bringt erst hervor den Produktionspreis, der die Profitraten zwischen den verschied- nen Sph„ren egallsiert. Zu dem letztren ist h”here Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise erheischt als zu dem fr- hern. Damit Waren derselben Produktionssph„re, derselben Art und ann„- hernd derselben Qualit„t zu ihren Werten verkauft werden, ist zweierlei n”tig: Erstens mssen die verschiednen individuellen Werte zu e i n e m gesellschaftlichem Wert, dem oben dargestellten Marktwert, ausge- glichen sein, und dazu ist eine Konkurrenz unter den Produzenten derselben Art Waren erfordert, ebenso wie das Vorhandensein eines Markts, auf dem sie gemeinsam ihre Waren ausbieten. Damit der Marktpreis identischer Waren, die aber jede unter Umst„nden von verschiedner individueller F„rbung produziert sind, dem Marktwert entspreche, nicht von ihm abweiche, weder durch Erh”hung ber, noch durch Senkung unter ihn, ist erfordert, daá der Druck, den die verschiednen Verk„ufer aufeinander ausben, groá genug ist, um die Masse Waren auf den Markt zu werfen, die das gesellschaft- liche Bedrfnis erheischt, d.h. die Quantit„t, wofr die Gesell- schaft f„hig ist, den Marktwert zu zahlen. šbertr„fe die Produk- tenmasse dies Bedrfnis, so máten die Waren unter ihrem Markt- wert verkauft werden; umgekehrt ber ihrem Marktwert, wenn die Produktenmasse nicht groá genug w„re oder, was dasselbe, wenn der Druck der Konkurrenz unter den Verk„ufern nicht stark genug w„re, sie zu zwingen, diese Warenmasse auf den Markt zu bringen. Žn- derte sich der Marktwert, so wurden sich auch die Bedingungen „n- dern, wozu die Gesamtwarenmasse verkauft werden k”nnte. F„llt der Marktwert, so erweitert sich im Durchschnitt das gesellschaftli- che Bedrfnis (welches hier immer zahlungsf„higes Bedrfnis ist) und kann innerhalb gewisser Grenzen gr”áre Massen Ware absorbie- ren. Steigt der Marktwert, so kontrahlert sich das gesellschaft- liche Bedrfnis fr die Ware und geringre Massen davon werden ab- sorbiert. Wenn daher Nachfrage und Zufuhr den Marktpreis regulie- ren oder vielmehr die Abweichungen der Marktpreise vom Marktwert, so reguliert andrerseits der Marktwert das Verh„ltnis von Nach- frage und Zufuhr oder das Zentrum, um das die Schwankungen der Nachfrage und Zufuhr die Marktpreise oszillieren machen. Betrachtet man die Sache n„her, so findet man, daá die Bedingun- gen, #191# 10. Kapitel - Konkurrenz. Marktpreise und Marktwerte usw. ----- die fr den Wert der einzelnen Ware gelten, sich hier reproduzie- ren als Bedingungen fr den Wert der Gesamtsumme einer Art; wie denn die kapitalistische Produktion von vornherein Massenproduk- tion ist und wie auch andre, weniger entwickelte Produktionswei- sen - wenigstens bei den Hauptwaren - das in kleinem Massen Pro- duzierte als gemeinschaftliches Produkt, wenn auch vieler kleiner Detailproduzenten, in groáen Massen in den H„nden relativ weniger Kaufleute auf dem Markt konzentrieren, aufh„ufen und zum Verkauf bringen; als gemeinschaftliches Produkt eines ganzen Produktions- zweigs oder eines gr”áern oder kleinern Kontingents davon. Es sei hier ganz im Vorbeigehn bemerkt, daá das gesellschaftliche Bedrfnis, d.h. das, was das Prinzip der Nachfrage regelt, we- sentlich bedingt ist durch das Verh„ltnis der verschiednen Klas- sen zueinander und durch ihre respektive ”konomische Position, namentlich also erstens durch das Verh„ltnis des Gesamtmehrwerts zum Arbeitslohn und zweitens durch das Verh„ltnis der verschied- nen Teile, worin sich der Mehrwert spaltet (Profit, Zins, Grund- rente, Steuern usw.); und so zeigt sich auch hier wieder, wie ab- solut nichts aus dem Verh„ltnis von Nachfrage und Zufuhr erkl„rt werden kann, bevor die Basis entwickelt ist, worauf dies Verh„lt- nis spielt. Obgleich beide, Ware und Geld, Einheiten von Tauschwert und Ge- brauchswert, sahen wir doch schon (Buch I, Kap. I, 3), wie im Kauf und Verkauf beide Bestimmungen an die beiden Extreme pola- risch verteilt sind, so daá die Ware (Verk„ufer) den Gebrauchs- wert und das Geld (K„ufer) den Tauschwert repr„sentiert. Daá die Ware Gebrauchswert habe, also ein gesellschaftliches Bedrfnis befriedige, war die eine Voraussetzung des Verkaufs. Die andre war, daá das in der Ware enthaltne Quantum Arbeit gesellschaft- lich notwendige Arbeit repr„sentiere, der individuelle Wert (und was unter dieser Voraussetzung dasselbe, der Verkaufspreis) der Ware daher mit ihrem gesellschaftlichen Wert zusammenfalle. [28] Wenden wir dies an auf die auf dem Markt befindliche Warenmasse, die das Produkt einer ganzen Sph„re bildet. Die Sache wird am leichtesten dargestellt, wenn wir die ganze Wa- renmasse, zun„chst also e i n e s Produktionszweigs, als eine Ware, und die Summe der Preise der vielen identischen Waren als in e i n e n Preis zusammenaddiert ----- 28) K. Marx, "Zur Kritik der pol. Oek.", Berlin 1859. 1*) ----- 1*) Siehe Band 13 unserer Ausgabe, S. 15-32 #192# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr. ----- auffassen. Was dann fr die einzelne Ware gesagt worden, gilt nun w”rtlich fr die auf dem Markt befindliche Warenmasse eines be- stimmten Produktionszweigs. Daá der individuelle Wert der Ware ihrem gesellschaftlichen Wert entspreche, ist jetzt dahin ver- wirklicht oder weiter bestimmt, daá das Gesamtquantum die zu sei- ner Produktion notwendige gesellschaftliche Arbeit enth„lt und daá der Wert dieser Masse = ihrem Marktwert. Nimm nun an, die groáe Masse dieser Waren sei ungef„hr unter den- selben normalen gesellschaftlichen Bedingungen produziert, so daá dieser Wert zugleich der individuelle Wert der diese Masse bil- denden einzelnen Waren. Wenn nun ein relativ kleiner Teil unter, ein andrer ber diesen Bedingungen produziert worden, so daá der individuelle Wert des einen Teils gr”áer, der des andren kleiner als der mittlere Wert des groáen Teils der Waren, diese beiden Extreme aber sich ausgleichen, so daá der Durchschnittswert der ihnen angeh”rigen Waren gleich dem Wert der der mittlern Masse angeh”rigen Waren, dann ist der Marktwert bestimmt durch den Wert der unter mittlern Bedingungen produzierten Waren. 29) Der Wert der gesamten Warenmasse ist gleich der wirklichen Summe der Werte aller einzelnen Waren zusammengenommen, sowohl deren, die inner- halb der mittlern Bedingungen, als deren, die unter oder ber ih- nen produziert sind. In diesem Fall ist der Marktwert oder der gesellschaftliche Wert der Warenmasse - die notwendig in ihnen enthaltne Arbeitszeit - bestimmt durch den Wert der groáen mitt- lern Masse. Nimm dagegen an, die Gesamtmenge der auf den Markt gebrachten fraglichen Ware bleibe dieselbe, aber der Wert der unter den schlechtem Bedingungen produzierten Waren gleiche sich nicht aus mit dem Wert der unter den bessern Bedingungen produzierten, so daá der unter den schlech. tern Bedingungen produzierte Massen- teil eine relativ bedeutende Gr”áe bilde, sowohl gegen die mitt- lere Masse wie gegen das andre Extrem: dann regelt die unter den schlechtem Bedingungen produzierte Masse den Marktwert oder den gesellschaftlichen Wert. Nimm endlich an, die unter bessern als den mittlern Bedingungen produzierte Warenmasse bertreife bedeutend die unter den schlechtem Bedingungen produzierte und bilde selbst eine bedeu- tende Gr”áe gegen die unter mittlern Verh„ltnissen produzierte; dann reguliert der unter den besten Bedingungen produzierte Teil den Marktwert. Es wird hier abgesehn von šberfhrung des Marktes, wo immer der unter den besten Bedingungen produzierte Teil den Marktpreis regelt; aber hier haben wir es nicht --- 29) K. Marx, "Zur Kritik etc." #193# 10. Kapitel - Konkurrenz. Marktpreise und Marktwerte usw. ----- mit dem Marktpreis zu tun, soweit er verschieden von dem Markt- wert, sondern mit den verschiednen Bestimmungen des Marktwerts selbst. 30) In der Tat, ganz strenggenommen (was natrlich in der Wirklich- keit nur ann„hernd und tausendfach modifiziert vorkommt) ist im Fall I der durch die mittlern Werte geregelte Marktwert der gan- zen Masse gleich der Summe ihrer individuellen Werte; obgleich fr die an den Extremen produzierten Waren dieser Wert sich als ihnen aufgedrungner Durchschnittswert darstellt 1*). Die am schlechtesten Extrem Produzierenden mssen ihre Waren dann unter dem individuellen Wert verkaufen; die am besten Extrem verkaufen sie darber. Im Fall II gleichen sich die unter beiden Extremen produzierten individuellen Wertmassen nicht aus, sondern gibt die unter den schlechtem Bedingungen produzierte den Ausschlag. Strenggenommen w„re der Durchschnittspreis oder der Marktwert jeder einzelnen Ware oder jedes aliquoten Teils der Gesarntmasse nun bestimmt durch den Gesamtwert der Masse, der durch Addition der Werte der unter den verschiednen Bedingungen produzierten Waren herausk„me, und durch den aliquoten Teil, der von diesem Gesamtwert auf die einzelne Ware fiele. Der so erhaltne Marktwert st„nde ber dem individuellen Wert nicht nur der dem gnstigen Extrem, sondern auch der der mittlern Schicht angeh”rigen Waren; er st„nde aber immer noch niedriger als der individuelle Wert der auf dem --- 30) Der Streit zwischen Storch und Ricardo bei Gelegenheit der Grundrente (ein Streit nur der Sache nach: in der Tat nehmen sie beide keine Rcksicht aufeinander), ob der Marktwert (bei ihnen vielmehr der Markt- resp. Produktionspreis) durch die unter den ungnstigsten Bedingungen (Ricardo) oder unter den gnstigsten (Storch) produzierten Waren reguliert werde, l”st sich also dahin auf, daá beide recht haben und beide unrecht und daá ebenso beide den mittlern Fall ganz auáer acht gelassen haben. [29] Vergleiche Corbet [30] ber die F„lle, wo der Preis reguliert wird durch die unter den besten Bedingungen produzierten Waren. - "Es bedeutet nicht, er" (Ricardo) habe behauptet, daá sich zwei einzelne Po- sten von zwei verschiedenen Artikeln, wie ein Hut und ein Paar Schuhe, gegeneinander austauschen, wenn jene zwei einzelnen Po- sten mit gleichen Arbeitsmengen hergestellt wurden. Unter "Ware" mssen wir hier die 'Warengattung' verstehen, nicht einen einzel- nen Hut fr sich, ein einzelnes Paar Schuhe usw. Die gesamte Ar- beit, die alle Hte in England herstellt, muá zu diesem Zweck als auf alle Hte verteilt betrachtet werden. Das, scheint mir, ist zuerst und in den allgemeinen Darlegungen dieser hre nicht ausge- druckt worden." ("Observations on some verbal disputes in Pol. Econ. etc.", London 1821, p. 53, 54.) ----- 1*) 1. Auflage: aufstellt; ge„ndert nach dem Mmuskript von Marx #194# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr. ----- ungnstigen Extrem produzierten Waren. Wieweit er sich diesem n„- hert oder mit ihm endlich zusammenf„llt, h„ngt ganz ab von dem Umfang, den die am ungnstigen Extrem produzierte Warenmasse in der fraglichen Warensph„re einnimmt. Ist die Nachfrage nur wenig berwiegend, so regelt der individuelle Wert der ungnstig produ- zierten Waren den Marktpreis. Nimmt endlich, wie in Fall III, das am gnstigen Extrem produ- zierte Warenquantum gr”áern Raum ein, nicht nur verglichen mit dem andren Extrem, sondern mit den mittlern Bedingungen, so f„llt der Marktwert unter den mittlern Wert. Der Durchschnittswert, be- rechnet durch Addierung der Wertsummen der beiden Extreme und der Mitte, steht hier unter dem Wert der Mitte und n„hert oder ent- fernt sich von ihm je nach dem relativen Raum, den das gnstige Extrem einnimmt. Ist die Nachfrage schwach gegen die Zufuhr, so nimmt der gnstig gestellte Teil, wie groá er immer sei, gewalt- sam Raum ein durch Zusammenziehung seines Preises auf seinen in- dividuellen Wert. Mit diesem individuellen Wert der unter den be- sten Bedingungen produzierten Waren kann der Marktwert nie zusam- menfallen, auáer bei sehr starkem šberwiegen der Zufuhr ber die Nachfrage. Diese, hier a b s t r a k t dargestellte Festsetzung des Markt- werts wird auf dem wirklichen Markt vermittelt durch die Konkur- renz unter den K„ufern, vorausgesetzt, daá die Nachfrage gerade so groá ist, um die Warenmasse zu ihrem so festgesetzten Werte zu absorbieren. Und hier kommen wir auf den andren Punkt. Zweitens. Daá die Ware Gebrauchswert hat, heiát nur, daá sie ir- gendein gesellschaftliches Bedrfnis befriedigt. Solange wir nur von den einzelnen Waren handelten, konnten wir unterstellen, daá das Bedrfnis fr diese bestimmte Ware - in den Preis schon ihr Quantum eingeschlossen - vorhanden sei, ohne uns auf das Quantum des zu befriedigenden Bedrfnisses weiter einzulassen. Dies Quan- tum wird aber ein wesentliches Moment, sobald das Produkt eines ganzen Produktionszweigs auf der einen Seite und das gesell- schaftliche Bedrfnis auf der andern Seite steht. Es wird jetzt notwendig, das Maá, d.h. das Quantum dieses gesellschaftlichen Bedrfnisses zu betrachten. In den vorhin gegehnen Bestimmungen ber den Marktwert ist unter- stellt, daá die Masse der produzierten Waren dieselbe bleibt, eine gegebne ist; daá nur Wechsel stattfindet im Verh„ltnis der Bestandteile dieser Masse, die unter verschiednen Bedingungen produziert sind, und daá daher der Marktwert derselben Masse von Waren verschieden geregelt wird. Gesetzt, #195# 10. Kapitel - Konkurrenz. Marktpreise und Marktwerte usw. ----- diese Masse sei das gew”hnliche Quantum der Zufuhr, wobei wir ab- sehn von der M”glichkeit, daá ein Teil der produzierten Waren zeitweise dem ogen werden kann. Bleibt nun die Nachfrage fr diese Masse Markt entz auch die gew”hnliche, so wird die Ware zu ihrem Marktwert verkauft, welcher der drei vorhin untersuchten F„lle auch diesen Marktwert regulieren m”ge. Die Warenmasse be- friedigt nicht nur ein Bedrfnis, sondern sie befriedigt es in seinem gesellschaftlichen Umfang. Ist dagegen das Quantum kleiner oder gr”áer als die Nachfrage dafr, so finden Abweichungen des Marktpreises vom Marktwert statt. Und die erste Abweichung ist, daá, wenn das Quantum zu klein, stets die unter den schlechtesten Bedingungen produzierte Ware den Marktwert reguliert, und wenn zu groá, stets die unter den besten Bedingungen produzierte; daá also eins der Extreme den Marktwert bestimmt, trotzdem daá nach dem bloáen Verh„ltnis der Massen, die unter den verschiednen Be- dingungen produziert sind, ein andres Resultat stattfinden máte. Ist die Differenz zwischen Nachfrage und Produktenquantum bedeu- tender, so wird der Marktpreis ebenfalls noch bedeutender vom Marktwert nach oben oder nach unten abweichen. Die Differenz zwi- schen dem Quantum der produzierten Waren und dem Quantum, wobei die Waren zu ihrem Marktwert verkauft werden, kann aber aus dop- pelter Ursache entstehn. Entweder wechselt dies Quantum selbst, wird zu klein oder zu groá, so daá also die Reproduktion auf ei- nem andren Maástab stattgefunden h„tte als dem, der den gegebnen Marktwert regulierte. In diesem Fall hat sich die Zufuhr ver„n- dert, obgleich die Nachfrage dieselbe blieb, und dadurch ist re- lative šberproduktion oder Unterproduktion eingetreten. Oder aber die Reproduktion, d.h. die Zufuhr bleibt dieselbe, aber die Nach- frage ist gefallen oder gestiegen, was aus verschiednen Grnden geschehn kann. Obgleich hier die absolute Gr”áe der Zufuhr die- selbe geblieben, hat ihre relative Gr”áe, ihre Gr”áe verglichen mit oder gemessen an dem Bedrfnis, sich ver„ndert. Die Wirkung ist dieselbe wie im ersten Fall, nur in umgekehrter Richtung. Endlich: Wenn Ver„nderungen auf beiden Seiten stattfinden, aber entweder in entgegengesetzter Richtung, oder wenn in derselben Richtung, nicht in demselben Maá, wenn also in einem Wort doppel- seitige Žnderungen stattfinden, die aber die frhere Proportion zwischen den beiden Seiten „ndern, so muá das Endresultat immer auf einen der zwei oben betrachteten F„lle herauskommen. Die eigentliche Schwierigkeit bei der allgemeinen Begriffsbestim- mung der Nachfrage und Zufuhr ist die, daá sie auf Tautologie hinauszulaufen scheint. Betrachten wir zun„chst die Zufuhr, das auf dem Markt befindliche Produkt oder das fr ihn geliefert wer- den kann. Um reicht in hier ganz nutzlose #196# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr. ----- Details einzugehn, denken wir hier an die Masse der j„hrlichen Reproduktion in jedem bestimmten Industriezweig und sehn dabei ab von der gr”áern oder geringem F„higkeit, die verschiedne Waren besitzen, dem Markt entzogen und fr die Konsumtion, sage des n„chsten Jahres, aufgespeichert zu werden. Diese j„hrliche Repro- duktion drckt zun„chst ein bestimmtes Quantum aus, Maá oder An- zahl, je nachdem die Warenmasse als diskrete oder kontinuierliche gemessen wird; es sind nicht nur Gebrauchswerte, die menschliche Bedrfnisse befriedigen, sondern diese Gebrauchswerte befinden sich auf dem Markt in einem gegebnen Umfang. Zweitens aber hat diese Warenmenge einen bestimmten Marktwert, den man ausdrucken kann in einen Multipel des Marktwerts der Ware oder des Warenma- áes, die als Einheiten dienen. Zwischen dem quantitativen Umfang der auf dem Markt befindlichen Waren und ihrem Marktwert exi- stiert daher kein notwendiger Zusammenhang, indem z.B. manche Wa- ren spezifisch hohen Wert haben, andre spezifisch niedrigen Wert, so daá eine gegebne Wertsumme sich in einem sehr groáen Quantum der einen und einem sehr geringen Quantum der andren Ware dar- stellen kann. Zwischen dem Quantum der auf dem Markt befindlichen Artikel und dem Marktwert dieser Artikel findet nur dieser Zusam- menhang statt: Auf einer gegebnen Basis der Produktivit„t der Ar- beit erheischt in jeder besondren Produktionssph„re die Herstel- lung eines bestimmten Quantums Artikel ein bestimmtes Quantum ge- sellschaftlicher Arbeitszeit, obgleich dies Verh„ltnis in ver- schiednen Produktionssph„ren durchaus verschieden ist und in kei- nem innern Zusammenhang mit der Ntzlichkeit dieser Artikel oder der besondren Natur ihrer Gebrauchswerte steht. Alle andren Um- st„nde gleichgesetzt: Wenn das Quantum a einer Warensorte b Ar- beitszeit kostet, so kostet das Quantum na nb Arbeitszeit. Fer- ner: Soweit die Gesellschaft Bedrfnisse befriedigen, einen Arti- kel zu diesem Zweck produziert haben will, so muá sie ihn zahlen. In der Tat, da bei der Warenproduktion Teilung der Arbeit voraus- gesetzt ist, kauft die Gesellschaft diese Artikel, indem sie auf ihre Produktion einen Teil ihrer disponiblen Arbeitszeit verwen- det, kauft sie sie also durch ein bestimmtes Quantum der Arbeits- zeit, worber diese gegebne Gesellschaft verfgen kann. Der Teil der Gesellschaft, dem es durch die Teilung der Arbeit zuf„llt, seine Arbeit in der Produktion dieser bestimmten Artikel zu ver- wenden, muá ein Žquivalent erhalten durch gesellschaftliche Ar- beit, dargestellt in den Artikeln, die seine Bedrfnisse befrie- digen. Aber es existiert kein notwendiger, sondern nur zuf„lliger Zusammenhang zwischen dem Gesarntquantum der gesellschaftlichen Arbeit, das auf einen gesellschaftlichen Artikel verwandt ist, d.h. zwischen dem #197# 10. Kapitel - Konkurrenz. Marktpreise und Marktwerte usw. ----- aliquoten Teil ihrer Gesamtarbeitskraft, den die Gesellschaft auf die Produktion dieses Artikels verwendet, also zwischen dem Um- fang, den die Produktion dieses Artikels in der Gesamtproduktion einnimmt, einerseits, und zwischen dem Umfang andrerseits, worin die Gesellschaft Befriedigung des durch jenen bestimmten Artikel gestillten Bedrfnisses verlangt. Obgleich jeder einzelne Artikel oder jedes bestimmte Quantum einer Warensorte nur die zu seiner Produktion erheischte gesellschaftliche Arbeit enthalten mag und von dieser Seite her betrachtet der Marktwert dieser gesamten Wa- rensorte nur notwendige Arbeit darstellt, so ist doch, wenn die bestimmte Ware in einem das gesellschaftliche Bedrfnis dermalen berschreitendem Maá produziert worden, ein Teil der gesell- schaftlichen Arbeitszeit vergeudet, und die Warenmasse repr„sen- tiert dann auf dem Markt ein viel kleineres Quantum gesellschaft- licher Arbeit, als wirklich in ihr enthalten ist. (Nur wo die Produktion unter wirklicher vorherbestimmender Kontrolle der Ge- sellschaft steht, schafft die Gesellschaft den Zusammenhang zwi- schen dem Umfang der gesellschaftlichen Arbeitszeit, verwandt auf die Produktion bestimmter Artikel, und dem Umfang des durch diese Artikel zu befriedigenden gesellschaftlichen Bedrfnisses.) Daher mssen diese Waren unter ihrem Marktwert losgeschlagen, ein Teil davon kann selbst ganz unverk„uflich werden. - Umgekehrt, wenn der Umfang der auf die Produktion einer bestimmten Warensorte verwandten gesellschaftlichen Arbeit zu klein fr den Umfang des durch das Produkt zu befriedigenden besondren gesellschaftlichen Bedrfnisses. - Entspricht aber der Umfang der gesellschaftlichen Arbeit, die zur Produktion eines bestimmten Artikels verwandt, dem Umfang des zu befriedigenden gesellschaftlichen Bedrfnisses, so daá also die produzierte Masse dem gew”hnlichen Maástab der Reproduktion bei unver„nderter Nachfrage entspricht, so wird die Ware zu ihrem Marktwert verkauft. Der Austausch oder Verkauf der Waren zu ihrem Wert ist das Rationelle, das natrliche Gesetz ihres Gleichgewichts; von ihm ausgehend, sind die Abweichungen zu erkl„ren, nicht umgekehrt aus den Abweichungen das Gesetz selbst. Sehn wir uns nach der andren Seite um, der Nachfrage. Waren werden gekauft als Produktionsmittel oder als Lebensmittel wobei es nichts „ndert, daá manche Sorten Waren beiden Zwecken dienen k”nnen -, um in die produktive oder individuelle Konsum- tion einzugehn. Es findet also Nachfrage fr sie statt von den Produzenten (hier Kapitalisten, da unterstellt, daá die Produkti- onsmittel in Kapital verwandelt sind) und von den Konsumenten. Beides scheint zun„chst zu unterstellen auf Seite der Nachfrage ein gegebnes Quantum gesellschaftlicher Bedrfnisse, dem #198# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr. ----- auf der andren Seite bestimmte Quanta gesellschaftlicher Produk- tion in den verschiednen Produktionszweigen entsprechen. Soll die Baumwollindustrie ihre j„hrliche Reproduktion auf gegebner Stu- fenleiter wieder ausfahren, so ist dazu das herk”mmliche Maá und, mit Betracht auf die j„hrliche Ausweitung der Reproduktion, in- folge von Kapitalakkumulation, bei sonst gleichbleibenden Umst„n- den, ein zus„tzliches Quantum von Baumwolle erforderlich. Ebenso mit Bezug auf die Lebensmittel. Die Arbeiterklasse muá wenigstens dasselbe Quantum notwendiger Lebensmittel, obgleich vielleicht mehr oder minder anders verteilt unter die verschiednen Sorten, wieder vorfinden, soll sie in hergebrachter Durchschnittsweise fortleben; und in Anbetracht des j„hrlichen Wachstums der Bev”l- kerung ein zus„tzliches Quantum; und so, mit mehr oder minder Mo- difikation, fr die andren Klassen. Es scheint also, daá auf Seite der Nachfrage eine gewisse Gr”áe von bestimmtem gesellschaftlichem Bedrfnis steht, das zu seiner L”schung bestimmte Menge eines Artikels auf dem Markt erheischt. Aber die quantitative Bestimmtheit dieses Bedrfnisses ist durch- aus elastisch und schwankend. Seine Fixit„t ist Schein. W„ren die Lebensmittel wohlfeiler oder der Geldlohn h”her, so wrden die Arbeiter mehr davon kaufen, und es wrde sich gr”áres gesell- schaftliches Bedrfnis fr diese Warensorten zeigen, ganz abge- sehn von den Paupers etc., deren "Nachfrage" noch unter den eng- sten Schranken ihres physischen Bedrfnisses steht. W„re andrer- seits z.B. die Baumwolle wohlfeller, so wrde die Nachfrage der Kapitalisten nach Baumwolle wachsen, es wrde mehr zuschssiges Kapital in die Baumwollindustrie geworfen etc. Es muá hierbei berhaupt nicht vergessen werden, daá die Nachfrage fr produk- tive Konsumtion unter unsrer Voraussetzung die Nachfrage des Ka- pitalisten und daá dessen eigentlicher Zweck die Produktion von Mehrwert ist, so daá er nur zu diesem Behuf eine gewisse Sorte von Waren produziert. Andrerseits hindert dies nicht, daá, soweit er als K„ufer z.B. von Baumwolle auf dem Markt steht, er das Be- drfnis fr Baumwolle repr„sentiert, wie es dem Baumwollverk„ufer ja auch gleichgltig ist, ob der K„ufer die Baumwolle in Hemden- zeug oder Schieáwolle verwandelt oder sich und der Welt die Ohren damit zu verstopfen gedenkt. Allerdings bt dies aber groáen Ein- fluá aus auf die Art, worin er K„ufer ist. Sein Bedrfnis fr Baumwolle ist wesentlich durch den Umstand modifiziert, daá es in Wirklichkeit nur sein Bedrfnis des Profitmachens verkleidet. - Die Grenzen, worin das auf dem M a r k t repr„sentierte Bedrf- nis fr Waren - die Nachfrage - quantitativ verschieden ist von dem wirklichen gesellschaftlichen Bedrfnis, ist natrlich fr verschiedne #199# 10. Kapitel - Konkurrenz. Marktpreise und Marktwerte usw. ----- Waren sehr verschieden; ich meine die Differenz zwischen dem ver- langten Quantum Waren und dem Quantum, das verlangt wrde mit an- dren Geldpreisen der Ware oder andren Geld- resp. Lebensverh„lt- nissen der K„ufer. Es ist nichts leichter, als die Ungleichm„áig- keiten von Nachfrage und Zufuhr einzusehn und die daraus folgende Abweichung der Marktpreise von den Marktwerten. Die eigentliche Schwierigkeit besteht in der Bestimmung dessen, was unter Deckung von Nachfrage und Zufuhr zu verstehn ist. Nachfrage und Zufuhr decken sich, wenn sie in solchem Verh„ltnis stehn, daá die Warenmasse eines bestimmten Produktionszweigs zu ihrem Marktwert verkauft werden kann, weder darber noch darun- ter. Das ist das erste, was wir h”ren. Das zweite: Wenn die Waren zu ihrem Marktwert verkaufbar, decken sich Nachfrage und Zufuhr. Wenn Nachfrage und Zufuhr sich decken, h”ren sie auf zu wirken, und eben deswegen wird die Ware zu ihrem Marktwert verkauft. Wenn zwei Kr„fte in entgegengesetzter Richtung gleichm„áig wirken, he- ben sie ein. ander auf, wirken sie gar nicht nach auáen, und Er- scheinungen, die unter dieser Bedingung vorgehn, mssen anders als durch das Eingreifen cheser beiden Kr„fte erkl„rt werden. Wenn Nachfrage und Zufuhr sich gegenseitig aufheben, h”ren sie auf, irgend etwas zu erkl„ren, wirken sie nicht auf den Marktwert und lassen uns erst recht im dunkeln darber, weshalb der Markt- wert sich grade in dieser Summe Geld ausdrckt und in keiner an- dern. Die wirklichen innern Gesetze der kapitalistischen Produk- tion k”nnen offenbar nicht aus der Wechselwirkung von Nachfrage und Zufuhr erkl„rt werden (ganz abgesehn von tieferer, hier nicht angebrachter Analyse dieser beiden gesellschaftlichen Trieb- kr„fte), da diese Gesetze nur dann rein verwirklicht erscheinen, sobald Nachfrage und Zufuhr aufh”ren zu wirken, d.h. sich decken. Nachfrage und Zufuhr decken sich in der Tat niemals, oder wenn sie sich einmal decken, so ist es zuf„llig, also wissenschaftlich = 0 zu setzen, als nicht geschehn zu betrachten. In der politi- schen ™konomie wird aber unterstellt, daá sie sich decken, warum? Um die Erscheinungen in ihrer gesetzm„áigen, ihrem Begriff ent- sprechenden Gestalt zu betrachten, d.h., sie zu betrachten unab- h„ngig von dem durch die Bewegung von Nachfrage und Zufuhr her- vorgebrachten Schein. Andrerseits, um die wirkliche Tendenz ihrer Bewegung aufzufinden, gewissermaáen zu fixieren. Denn die Un- gleichheiten sind entgegengesetzter Natur, und da sie einander best„ndig folgen, gleichen sie sich durch ihre entgegengesetzten Richtungen, durch ihren Widerspruch untereinander aus. Wenn also in keinem einzigen #200# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr. ----- gegebnen Fall Nachfrage und Zufuhr sich decken, so folgen sich ihre Ungleichheiten so - und es ist das Resultat der Abweichung in einer Richtung, eine andre Abweichung in einer entgegengesetz- ten Richtung hervorzurufen -, daá, wenn das Ganze einer gr”áern oder kleinern Zeitperiode betrachtet wird, sich Zufuhr und Nach- frage best„ndig decken; aber nur als Durchschnitt der verflosse- nen Bewegung und nur als best„ndige Bewegung ihres Widerspruchs. Dadurch gleichen sich die von den Marktwerten abweichenden Markt- preise, ihrer Durchschnittszahl nach betrachtet, zu Marktwerten aus, indem sich die Abweichungen von den letztren aufheben als Plus und Minus. Und diese Durchschnittszahl ist keineswegs von bloá theoretischer Wichtigkeit, sondern von praktischer fr das Kapital, dessen Anlage auf die Schwankungen und Ausgleichungen in mehr oder minder bestimmter Zeitperiode berechnet ist. Das Verh„ltnis von Nachfrage und Zufuhr erkl„rt daher einerseits nur die Abweichungen der Marktpreise von den Marktwerten und andrerseits die Tendenz zur Aufhebung dieser Abweichung, d.h. zur Aufhebung der Wirkung des Verh„ltnisses von Nachfrage und Zufuhr. (Die Ausnahmen von Waren, die Preise haben, ohne Wert zu haben, sind hier nicht zu betrachten.) Nachfrage und Zufuhr k”nnen die Aufhebung der durch ihre Ungleichheit hervorgebrachten Wirkung in sehr verschiedner Form durchfhren. Z. B. f„llt die Nachfrage und daher der Marktpreis, so kann das dazu fhren, daá Kapital entzo- gen und so die Zufuhr vermindert wird. Es kann aber auch dazu fhren, daá der Marktwert selbst durch Erfindungen, die die not- wendige Arbeitszeit verkrzen, erniedrigt und dadurch mit dem Marktpreis ausgeglichen wird. Umgekehrt: Steigt die Nachfrage und damit der Marktpreis ber den Marktwert, so kann dies dazu fh- ren, daá diesem Produktionszweig zuviel Kapital zugefhrt und die Produktion so gesteigert wird, daá der Marktpreis selbst unter den Marktwert f„llt; oder es kann andterseits zu einer Preisstei- gerung fhren, die die Nachfrage selbst zurcktreibt. Es mag auch in diesem oder Jenem Produktionszweig dazu fhren, daá der Markt- wert selbst fr krzre oder l„ngre Perioden steigt, indem ein Teil der verlangten Produkte w„hrend dieser Zeit unter schlech- tern Bedingungen produziert werden muá. Bestimmt Nachfrage und Zufuhr den Marktpreis, so andrerseits der Marktpreis und in weitrer Analyse der Marktwert die Nachfrage und Zufuhr. Bei der Nachfrage ist dies augenscheinlich, da diese sich in umgekehrter Richtung zum Preise bewegt, zunimmt, wenn dieser f„llt, und umgekehrt. Aber auch bei der Zufuhr. Denn die Preise der Produktionsmittel, die in die zugefhrte Ware eingehn, be- stimmen die Nachfrage nach diesen #201# 10. Kapitel - Konkurrenz. Marktpreise und Marktwerte usw. ----- Produktionsmitteln und daher auch die Zufuhr der Waren, deren Zu- fuhr die Nachfrage nach Jenen Produktionsmitteln einschlieát. Die Baumwollpreise sind bestimmend fr die Zufuhr von Baumwollstof- fen. Zu dieser Konfusion - Bestimmung der Preise durch Nachfrage und Zufuhr und daneben Bestimmung der Nachfrage und Zufuhr durch die Preise - kommt hinzu, daá die Nachfrage die Zufuhr und umgekehrt die Zufuhr die Nachfrage bestimmt, die Produktion den Markt und der Markt die Produktion. 31) Selbst der ordin„re ™konom (s. Note) sieht ein, daá ohne einen durch „uáere Umst„nde herbeigefhrten Wechsel der Zufuhr oder des Bedarfs --- 31) Groáer Bl”dsinn der folgende "Scharfsinn": Wo die Menge der L”hne, des Kapitals und des Bodens, die zur Herstellung einer Ware erforderlich ist, sich gegen frher ver„ndert hat, ist auch das, was Adam Smith ihren natrlichen Preis nennt, ver„ndert, und jener Preis, der vorher ihr natrlicher Preis war, wird mit Hin- blick auf diese Ver„nderung ihr Marktpreis: denn obwohl weder die Zufuhr noch die verlangte Menge gewechselt haben m”gen" (beide wechseln hier, gerade weil der Marktwert oder, worum es sich bei A. Smith handelt, der Produktionspreis wechselt infolge eines Wertwechsels), entspricht jene Zufuhr nicht v”llig der Nachfrage jener Personen, die das, was jetzt die Produktionskosten dar- stellt, zu zahlen f„hig und gewillt sind, sondern sie ist entwe- der gr”áer oder kleiner, so daá das Verh„ltnis zwischen der Zu- fuhr und dem, was im Hinblick auf die neuen Produktionskosten die effektive Nachfrage darstellt, verschieden ist von dem frheren. Dann wird eine Žnderung in der Zufuhr eintreten - wenn ihr kein Hindernis im Wege steht - und wird schlieálich die Ware zu ihrem neuen natrlichen Preis bringen. Es k”nnte dann manchen Leuten gut dnken zu sagen, daá - da die Ware zu ihrem natrlichen Preis durch eine Žnderung in ihrer Zufuhr gelangt - der natrliche Preis ebensosehr einem Verh„ltnis zwischen Nachfrage und Zufuhr geschuldet ist wie der Marktpreis einem andern, und folglich, daá der natrliche Preis ebenso wie der Marktpreis von dem Verh„ltnis abh„ngt, in dem Nachfrage und Zufuhr zueinander stehen. ('Der groáe Grundsatz von Zufuhr und Nachfrage wurde in T„tigkeit ge- setzt, um ebenso das zu bestimmen, was A.Smith natrliche Preise, wie das, was er Marktpreise nennt.' - Malthus. [31])" ("Observations on certain verbal disputes etc.", London 1821, p. 60, 61.) Der kluge Mann begreift nicht, daá im vorliegenden Fall gerade der Wechsel in cost of production 1*), also auch im Wert, die Žnderung in der Nachfrage, also im Verh„ltnis von Nachfrage und Zufuhr, hervorgebracht hatte und daá diese Žnderung in der Nachfrage eine Žnderung in der Zufuhr herbeifhren kann; was ge- rade das Gegenteil beweisen wrde von dem, was unser Denker be- weisen will; es wurde n„mlich beweisen, daá die Žnderung in den Produktionskosten keineswegs von dem Verh„ltnis von Nachfrage und Zufuhr reguliert ist, sondern im Gegenteil selbst dies Verh„ltnis reguliert. ----- 1*) Produktionskosten #202# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr. ----- das Verh„ltnis beider wechseln kann infolge eines Wechsels im Marktwert der Waren. Selbst er muá zugeben, daá, welches immer der Marktwert, Nachfrage und Zufuhr sich ausgleichen mssen, um ihn herauszubekommen. D.h., das Verh„ltnis von Nachfrage und Zu- fuhr erkl„rt nicht den Marktwert, sondern dieser umgekehrt er- kl„rt die Schwankungen von Nachfrage und Zufuhr. Der Verfasser der "Observations" f„hrt nach der in der Note zitierten Stelle fort: "This proportion" (zwischen Nachfrage und Zufuhr), "however, if we still mean by 'demand' and 'natural price', what we meant just now, when referring to Adam Smith, must always be a proportion of equality, for it is only when the supply is equal to the effec- tual demand, that is, to that demand, which will pay neither more nor less than the natural price, that the natural price is in fact paid; consequently, there may be two very different natural prices, at different times, for the same commodity, and yet the proportion which the supply bears to the demand, be in both cases the same, namely the proportion of equality." 1*) Es wird also zugegeben, daá bei zwei verschiednen natural prices derselben Ware zu verschiedner Zeit Nachfrage und Zufuhr jedesmal sich decken k”nnen und decken mssen, soll die Ware beide Male zu ihrem natural price verkauft werden. Da nun beide Male kein Un- terschied im Verh„ltnis von Nachfrage und Zufuhr ist, wohl aber ein Unterschied in der Gr”áe des natural price selbst, so ist dieser offenbar unabh„ngig von Nachfrage und Zufuhr bestimmt, und kann also am wenigsten durch diese bestimmt werden. Damit eine Ware zu ihrem Marktwert verkauft wird, d.h. im Ver- h„ltnis zu der in ihr enthaltnen gesellschaftlich notwendigen Ar- beit, muá das Gesamtquantum gesellschaftlicher Arbeit, welches auf die Gesamtmasse dieser Warenart verwandt wird, dem Quantum des gesellschaftlichen Bedrfnisses fr sie entsprechen, d.h. des zahlungsf„higen gesellschaftlichen Bedrfnisses. Die Konkurrenz, die Schwankungen der Marktpreise, die den Schwankungen des Ver- h„ltnisses von Nachfrage und Zufuhr entsprechen, suchen best„ndig das Gesamtquanturn der auf jede Warenart verwandten Arbeit auf dieses Maá zu reduzieren. ----- 1*) "Dieses Verh„ltnis" (zwischen Nachfrage und Zufuhr) jedoch, wenn wir unter 'Nachfrage' und 'natrlichem Preis' noch das ver- stehen, was wir bis jetzt mit Bezugnahme auf Adam Smith darunter verstanden, muá immer ein Gleichheitsverh„ltnis sein, denn nur wenn die Zufuhr gleich ist der effektiven Nachfrage, d.h. jener Nachfrage, die weder mehr noch weniger als den natrlichen Preis zahlen will, wird der natrliche Preis tats„chlich gezahlt; folg- lich kann es zu den verschiedenen Zeiten zwei sehr verschiedene natrliche Preise fr dieselbe Ware geben, und doch kann das Ver- h„ltnis, in dem die Zufuhr zur Nachfrage steht, in beiden F„llen dasselbe sein, n„mlich das Gleichheitsverh„ltnis." #203# 10. Kapitel - Konkurrenz. Marktpreise und Marktwerte usw. ----- In dem Verh„ltnis von Nachfrage und Zufuhr der Waren wiederholt sich erstens das Verh„ltnis von Gebrauchswert und Tauschwert, von Ware und Geld, von K„ufer und Verk„ufer; zweitens das von Produ- zent und Konsument, obgleich beide durch dritte Kaufleute vertre- ten sein m”gen. Bei der Betrachtung des K„ufers und Verk„ufers ist es hinreichend, sie einzeln gegenberzustellen, um das Ver- h„ltnis zu entwickeln. Drei Personen gengen fr die vollst„ndige Metamorphose der Ware und daher fr das Ganze des Verkaufs und Kaufs. A verwandelt seine Ware in das Geld von B, an den er die Ware verkauft, und er rckverwandelt sein Geld wieder in Ware, die er damit von C kauft; der ganze Prozeá geht zwischen diesen dreien vor. Ferner: Bei Betrachtung des Geldes war angenommen, daá die Waren zu ihrem Wert verkauft werden, weil durchaus kein Grund vorhanden war, von dem Wert abweichende Preise zu betrach- ten, da es sich nur um die Formver„nderungen handelte, welche die Ware bei ihrer Geldwerdung und Rckverwandlung aus Geld in Ware durchl„uft. Sobald die Ware berhaupt verkauft und mit dem Erl”s eine neue Ware gekauft wird, liegt die ganze Metamorphose vor uns, und es ist fr sie, als solche betrachtet, gleichgltig, ob der Preis der Ware unter oder ber ihrem Wert steht. Der Wert der Ware als Grundlage bleibt wichtig, weil das Geld nur aus diesem Fundament heraus begrifflich zu entwickeln und der Preis seinem allgemeinen Begriff nach zun„chst nur der Wert in Geldform ist. Allerdings wird bei Betrachtung des Geldes als Zirkulationsmittel unterstellt, daá nicht nur eine Metamorphose einer Ware vorgeht. Es wird vielmehr die gesellschaftliche Verschlingung dieser Meta- morphosen betrachtet. Nur so kommen wir zum Umlauf des Geldes und zur Entwicklung seiner Funktion als Zirkulationsmittel. Aber so wichtig dieser Zusammenhang fr den šbergang des Geldes in die Funktion als Zirkulationsmittel und fr seine daraus folgende ver„nderte Gestalt, so gleichgltig ist er fr die Transaktion zwischen den einzelnen K„ufern und Verk„ufern. Dagegen bei Zufuhr und Nachfrage ist die Zufuhr gleich der Summe der Verk„ufer oder Produzenten einer bestimmten Warenart und die Nachfrage gleich der Summe der K„ufer oder Konsumenten (individueller oder produktiver) derselben Warenart. Und zwar wirken die Summen aufeinander als Einheiten, als Aggregatkr„fte. Der einzelne wirkt hier nur als Teil einer g e s e l l s c h a f t l i c h e n Macht, als Atom der Masse, und es ist in dieser Form, daá die Konkurrenz den gesellschaftli- chen Charakter der Produktion und Konsumtion geltend macht. Die Seite der Konkurrenz, die momentan die schw„chere, ist zugleich die, worin der einzelne unabh„ngig von der Masse seiner Konkur- renten #204# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr. ----- und oft direkt gegen sie wirkt und grade dadurch die Abh„ngigkeit des einen von dem andren fhlbar macht, w„hrend die st„rkre Seite stets mehr oder minder als geschloáne Einheit dem Widerpart ge- genbertritt. Ist fr diese bestimmte Sorte Waren die Nachfrage gr”áer als die Zufuhr, so berbietet - innerhalb gewisser Grenzen - ein K„ufer den andren und verteuert so die Ware fr alle ber den Marktwert 1*), w„hrend auf der andern Seite die Verk„ufer ge- meinsam zu einem hohen Marktpreis zu verkaufen suchen. Ist umge- kehrt die Zufuhr gr”áer als die Nachfrage, so f„ngt einer an, wohlfeller loszuschlagen, und die andren mssen folgen, w„hrend die K„ufer gemeinsam darauf hinarbeiten, den Marktpreis m”glichst tief unter den Marktwert herabzudrcken. Die gemeinsame Seite in- teressiert jeden nur, solange er mehr mit ihr gewinnt als gegen sie. Und die Gemeinsamkeit h”rt auf, sobald die Seite als solche die schw„chere wird, wo dann jeder einzelne auf eigne Hand sich m”glichst gut herauszuwinden sucht. Produziert ferner einer wohl- feiler und kann er mehr losschlagen, sich gr”áren Raums vom Markt bem„chtigen, indem er unter dem laufenden Marktpreis oder Markt- wert verkauft, so tut er es, und so beginnt die Aktion, die nach und nach die andren zwingt, die wohlfeilere Produktionsart einzu- fhren, und die die gesellschaftlich notwendige Arbeit auf ein neues geringres Maá reduziert. Hat eine Seite die Oberhand, so gewinnt jeder, der ihr angeh”rt; es ist, als h„tten sie ein ge- meinschaftliches Monopol geltend zu machen. Ist eine Seite die schw„chte, so kann jeder fr seinen eignen Teil suchen, der St„rkte zu sein (z.B. wer mit weniger Produktionskosten arbeitet) oder wenigstens so gut wie m”glich davonzukommen, und hier schert er sich den Teufel um seinen Nebenmann, obgleich sein Wirken nicht nur ihn, sondern auch alle seine Kumpane mit berhrt. 32) Nachfrage und Zufuhr unterstellen die Verwandlung des Werts in Marktwert, und soweit sie auf kapitalistischer Basis vorgehn, so- weit die Waren Produkte des Kapitals sind, unterstellen sie kapi- talistische Produktionsprozesse, also ganz anders verwickelte Verh„ltnisse als den bloáen --- 32) "Wenn jeder einzelne einer Klasse nie mehr haben k”nnte als einen gegebenen Anteil oder einen aliquoten Teil von Gewinn und Besitz des Ganzen, so wrde er sich bereitwillig vereinigen, um die Gewinne hinaufzutreiben" (das tut er, sobald das Verh„ltnis von Nachfrage und Zufuhr es erlaubt): "das ist Monopol. Aber wo jeder einzelne denkt, daá er irgendwie die absolute Summe seines eigenen Anteils vergr”áern k”nne, wenn auch durch ein Verfahren, das die Gesamtsumme verringert, wird er es oft tun: das ist Kon- kurrenz." ("An Inquiry into those principles respecting the na- ture of dernand etc.", London 1821, p. 105.) ----- 1*) 1. Auflage: Marktpreis #205# 10. Kapitel - Konkurrenz. Marktpreise und Marktwerte usw. ----- Kauf und Verkauf der Waren. Bei ihnen handelt es sich nicht um die formelle Verwandlung des Werts der Waren in Preis, d.h. um bloáe Formver„nderung; es handelt sich um die bestimmten quanti- tativen Abweichungen der Marktpreise von den Marktwerten und wei- ter von den Produktionspreisen. Bei dem einfachen Kauf und Ver- kauf gengt es, Warenproduzenten als solche sich gegenber zu ha- ben. Nachfrage und Zufuhr, bei weitrer Analyse, unterstellen die Existenz der verschiednen Klassen und Klassenabteilungen, welche die Gesamtrevenue der Gesellschaft unter sich verteilen und als Revenue unter sich konsumieren, die also die von der Revenue ge- bildete Nachfrage bilden; w„hrend sie andrerseits, zum Verst„nd- nis der durch die Produzenten als solche unter sich gebildeten Nachfrage und Zufuhr, Einsicht in die Gesamtgestaltung des kapi- talistischen Produktionsprozesses erheischen. Bei der kapitalistischen Produktion handelt es sich nicht nur darum, fr die in Warenform in die Zirkulation geworfne Wertmasse eine gleiche Wertmasse in andrer Form - sei es des Geldes oder einer andren Ware herauszuziehn, sondern es handelt sich darum, fr das der Produktion vorgeschoáne Kapital denselben Mehrwert oder Profit herauszuziehn wie jedes andre Kapital von derselben Gr”áe, oder pro rata seiner Gr”áe, in welchem Produktionszweig es auch angewandt sei; es handelt sich also darum, wenigstens als Minimum, die Waren zu Preisen zu verkaufen, die den Durch- schnittsprofit liefern, d.h. zu Produktionspreisen. Das Kapital kommt sich in dieser Form selbst zum Bewuátsein als eine g e s e l l s c h a f t l i c h e M a c h t, an der jeder Kapi- talist teilhat im Verh„ltnis seines Anteils am gesellschaftlichen Gesamtkapital. Erstens ist die kapitalistische Produktion an und fr sich gleichgltig gegen den bestimmten Gebrauchswert, berhaupt gegen die Besonderheit der Ware, die sie produziert. In jeder Produkti- onssph„re kommt es ihr nur darauf an, Mehrwert zu produzieren, im Produkt der Arbeit ein bestimmtes Quantum unbezahlter Arbeit sich anzueignen. Und es liegt ebenso in der Natur der dem Kapital un- terworfnen Lohnarbeit, daá sie gleichgltig ist gegen den spezi- fischen Charakter ihrer Arbeit, sich nach den Bedrfnissen des Kapitals umwandeln und sich von einer Produktionssph„re in die andre werfen lassen muá. Zweitens ist in der Tat eine Produktionssph„re nun so gut und so schlecht wie die andre; jede wirft denselben Profit ab, und jede wrde zwecklos sein, wenn die von ihr produzierte Ware nicht ein gesellschaftliches Bedrfnis irgendeiner Art befriedigt. Werden die Waren aber zu ihren Werten verkauft, so entstehn, wie entwickelt, #206# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr. ----- sehr verschiedne Profitraten in den verschiednen Produktionssph„- ren, je nach der verschiednen organischen Zusammensetzung der darin angelegten Kapitalmassen. Das Kapital entzieht sich aber einer Sph„re mit niedriger Profitrate und wirft sich auf die an- dre, die h”heren Profit abwirft. Durch diese best„ndige Aus- und Einwandrung, mit einem Wort, durch seine Verteilung zwischen den verschiednen Sph„ren, je nachdem dort die Profitrate sinkt, hier steigt, bewirkt es solches Verh„ltnis der Zufuhr zur Nachfrage, daá der Durchschnittsprofit in den verschiednen Produktionssph„- ren derselbe wird und daher die Werte sich in Produktionspreise verwandeln. Diese Ausgleichung gelingt dem Kapital mehr oder min- der, je h”her die kapitalistische Entwicklung in einer gegebnen nationalen Gesellschaft ist: d.h. je mehr die Zust„nde des be- treffenden Landes der kapitalistischen Produktionsweise angepaát sind. Mit dem Fortschritt der kapitalistischen Produktion entwic- keln sich auch ihre Bedingungen, unterwirft sie das Ganze der ge- sellschaftlichen Voraussetzungen, innerhalb deren der Produkti- onsprozeá vor sich geht, ihrem spezifischen Charakter und ihren immanenten Gesetzen. Die best„ndige Ausgleichung der best„ndigen Ungleichheiten voll- zieht sich um so rascher, 1. je mobiler das Kapital, d.h. je leichter es bertragbar ist von einer Sph„re und von einem Ort zum andern; 2. je rascher die Arbeitskraft von einer Sph„re in die andre und von einem lokalen Produktionspunkt auf den andren werfbar ist. Nr. 1 unterstellt vollst„ndige Handelsfreiheit im Innern der Gesellschaft und Beseitigung aller Monopole auáer den natrlichen, n„mlich aus der kapitalistischen Produktionsweise selbst entspringenden. Ferner Entwicklung des Kreditsystems, wel- ches die unorganische Masse des disponiblen gesellschaftlichen Kapitals den einzelnen Kapitalisten gegenber konzentriert; end- lich Unterordnung der verschiednen Produktionssph„ren unter Kapi- talisten. Dies letztre ist schon in der Voraussetzung einge- schlossen, wenn angenommen wurde, daá es sich um Verwandlung der Werte in Produktionspreise fr alle kapitalistisch ausgebeuteten Produktionssph„ren handelt; aber diese Ausgleichung selbst st”át auf gráre Hindernisse, wenn zahlreiche und massenhafte, nicht kapitalistisch betriebne Produktionssph„ren (z.B. Ackerbau durch Kleinbauern) sich zwischen die kapitalistischen Betriebe ein- schieben und mit ihnen verketten. Endlich groáe Dichtigkeit der Bev”lkerung. - Nr. 2 setzt voraus Aufhebung aller Gesetze, welche die Arbeiter hindern, aus einer Produktionssph„re in die andre oder aus einem Lokalsitz der Produktion nach irgendeinem andern berzusiedeln. Gleichgltigkeit des Arbeiters gegen den Inhalt seiner Arbeit. M”glichste Reduzierung der Arbeit in allen Produk- tionssph„ren #207# 10. Kapitel - Konkurrenz. Marktpreise und Marktwerte usw. ----- auf einfache Arbeit. Wegfall aller professionellen Vorurteile bei den Arbeitern. Endlich und namentlich Unterwerfung des Arbeiters unter die kapitalistische Produktionsweise. Weitre Ausfhrungen hierber geh”ren in die Spezialuntersuchung der Konkurrenz. Aus dem Gesagten ergibt sich, daá jeder einzelne Kapitalist, wie die Gesamtheit aller Kapitalisten jeder besondern Produktions- sph„re, in der Exploitation der Gesamtarbeiterklasse durch das Gesamtkapital und in dem Grad dieser Exploitation nicht nur aus allgemeiner Klassensympathie, sondern direkt ”konomisch beteiligt ist, weil, alle andern Umst„nde, darunter den Wert des vorge- schoánen konstanten Gesamtkapitals als gegeben vorausgesetzt, die Durchschnittsprofitrate abh„ngt von dem Exploitationsgrad der Ge- samtarbeit durch das Gesamtkapital. Der Durchschnittsprofit f„llt zusammen mit dem Durchschnittsmehr- wert, den das Kapital pro 100 erzeugt, und mit Bezug auf den Mehrwert ist das eben Gesagte von vornherein selbstverst„ndlich. Beim Durchschnittsprofit kommt nur hinzu der Wert des vorgeschoá- nen Kapitals als eines der Bestimmungsrnomente der Profitrate. In der Tat ist das besondre Interesse, das ein Kapitalist oder das Kapital einer bestimmten Produktionssph„re an der Exploitation der direkt von ihm besch„ftigten Arbeiter nimmt, darauf be- schr„nkt, daá entweder durch ausnahmsweise šberarbeitung oder aber durch Herabsetzung des Lohns unter den Durchschnitt oder durch ausnahmsweise Produktivit„t in der angewandten Arbeit ein Extraschnitt, ein ber den Durchschnittsprofit bergreifender Profit gemacht werden kann. Hievon abgesehn, w„re ein Kapitalist, der in seiner Produktionssph„re gar kein variables Kapital und darum gar keine Arbeiter anwendete (was in der Tat bertriebne Unterstellung), ganz ebensosehr an der Exploitation der Arbeiter- klasse durch das Kapital interessiert und leitete ganz ebensosehr seinen Profit von unbezahlter Mehrarbeit ab, wie etwa ein Kapita- list, der (wieder bertriebne Voraussetzung) nur variables Kapi- tal anwendete, also sein ganzes Kapital in Arbeitslohn auslegte. Der Exploitationsgrad der Arbeit h„ngt aber bei gegebnem Arbeits- tag von der durchschnittlichen Intensit„t der Arbeit und bei ge- gebner Intensit„t von der L„nge des Arbeitstags ab. Von dem Ex- ploitationsgrad der Arbeit h„ngt die H”he der Mehrwertsrate ab, also bei gegebner Gesamtmasse des variablen Kapitals die Gr”áe des Mehrwerts, damit die Gr”áe des Profits. Das Spezialinteresse, welches das Kapital einer Sph„re, im Unterschied vom Gesamtkapi- tal, an der Ausbeutung der von ihm speziell besch„ftigten Arbei- ter, hat der einzelne Kapitalist, im Unterschied von seiner Sph„re, an der Ausbeutung der pers”nlich von ihm ausgebeuteten Arbeiter. #208# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr. ----- Andrerseits hat jede besondre Sph„re des Kapitals und jeder ein- zelne Kapitalist dasselbe Interesse an der Produktivit„t der vom Gesamtkapital angewandten gesellschaftlichen Arbeit. Denn davon h„ngt zweierlei ab: Erstens die Masse der Gebrauchswerte, worin sich der Durchschnittsprofit ausdrckt; und dies ist doppelt wichtig, soweit dieser sowohl als Akkumulationsfonds von neuem Kapital wie als Revenuefonds zum Genuá dient. Zweitens die Wert- h”he des vorgeschoánen Gesamtkapitals (konstanten und variablen), die, bei gegebner Gr”áe des Mehrwerts oder Profits der ganzen Ka- pitalistenklasse, die Profitrate oder den Profit auf ein bestimm- tes Quantum Kapital bestimmt. Die besondre Produktivit„t der Ar- beit in einer besondren Sph„re oder in einem besondren Einzelge- sch„ft dieser Sph„re interessiert nur die direkt dabei beteilig- ten Kapitalisten, soweit sie die einzelne Sph„re gegenber dem Gesamtkapital oder den einzelnen Kapitalisten gegenber seiner Sph„re bef„higt, einen Extraprofit zu machen. Man hat also hier den mathematisch exakten Nachweis, warum die Kapitalisten, sosehr sie in ihrer Konkurrenz untereinander sich als falsche Brder bew„hren, doch einen wahren Freimaurerbund bilden gegenber der Gesamtheit der Arbeiterklasse. Der Produktionspreis schlieát den Durchschnittsprofit ein. Wir gaben ihm den Namen Produktionspreis; es ist tats„chlich das- selbe, was A. Smith natural price 1*) nennt, Ricardo price of production, cost of production 2*), die Physiokraten prix n‚ces- saire 3*) nennen - wobei keiner von ihnen den Unterschied des Produktionspreises vom Wert entwickelt hat -, weil er auf die Dauer Bedingung der Zufuhr, der Reproduktion der Ware jeder be- sondren Produktionssph„re ist. 33) Man begreift auch, warum die- selben ™konomen, die sich gegen die Bestimmung des Werts der Wa- ren durch die Arbeitszeit, durch das in ihnen enthaltne Quantum Arbeit str„uben, immer von den Produktionspreisen sprechen als von den Zentren, um die die Marktpreise schwanken. Sie k”nnen sich das erlauben, weil der Produktionspreis eine schon ganz ver- „uáerlichte und prima facie begriffslose Form des Warenwerts ist, eine Form, wie sie in der Konkurrenz erscheint, also im Bewuát- sein des vulg„ren Kapitalisten, also auch in dem der Vulg„r”kono- men vorhanden ist. --- Aus der Entwicklung ergab sich, wie der Marktwert (und alles dar- ber Gesagte gilt mit den n”tigen Einschr„nkungen fr den Produk- tionspreis) --- 32) Malthus. [32] ----- 1*) natrlichen Preis - 2*) Produktionspreis, Produktionskosten - 3*) notwendigen Preis #209# 10. Kapitel - Konkurrenz. Marktpreise und Marktwerte usw. ----- einen Surplusprofit der unter den besten Bedingungen Produzieren- den in jeder besondren Produktionssph„re einschlieát. F„lle von Krisen und šberproduktion berhaupt ausgenommen, gilt dies von allen Marktpreisen, wie sehr sie auch abweichen m”gen von den Marktwerten oder den Marktproduktionspreisen. Im Marktpreis ist n„mlich eingeschlossen, daá derselbe Preis fr Waren derselben Art bezahlt wird, obgleich diese unter sehr verschiednen indivi- duellen Bedingungen produziert sein und daher sehr verschiedne Kostpreise haben m”gen. (Von Surplusprofiten, die Folge von Mono- polen im gew”hnlichen Sinn, knstlichen oder natrlichen, spre- chen wir hier nicht.) Ein Surplusprofit kann aber auáerdem noch entstehn, wenn gewisse Produktionssph„ren in der Lage sind, sich der Verwandlung ihrer Warenwerte in Produktionspreise und daher der Reduktion ihrer Profite auf den Durchschnittsprofit zu ent- ziehn. Im Abschnitt ber die Grundrente werden wir die weitre Ge- staltung dieser beiden Formen des Surplusprofits zu betrachten haben. #210# ----- ELFTES KAPITEL Wirkungen allgemeiner Schwankungen des Arbeitslohns auf die Pro- duktionspreise Die Durchschnittszusammensetzung des gesellschaftlichen Kapitals sei 80c + 20v und der Profit 20%. In diesem Fall ist die Rate des Mehrwerts 100%. Eine allgemeine Erh”hung des Arbeitslohns, alles andre gleichgesetzt, ist eine Erniedrigung der Rate des Mehr- werts. Fr das Durchschnittskapital fallen Profit und Mehrwert zusammen. Der Arbeitslohn steige um 25%. Dieselbe Masse Arbeit, die es 20 kostete in Bewegung zu setzen, kostet es jetzt 25. Wir haben dann statt 80c + 20v + 20p einen Umschlagswert von 80c + 25v + 15p. Die vom variablen Kapital in Bewegung gesetzte Arbeit produziert nach wie vor eine Wertsumme von 40. Steigt v von 20 auf 25, so ist der šberschuá in resp. p nur noch = 15. Der Profit von 15 auf 105 ist 14 2/7 %, und dies w„re die neue Rate des Durchschnittsprofits. Da der Produktionspreis der vom Durch- schnittskapital produzierten Waren zusammenf„llt mit ihrem Wert, so h„tte sich der Produktionspreis dieser Waren nicht ver„ndert; die Erh”hung des Arbeitslohns h„tte daher wohl Erniedrigung des Profits, aber keinen Wert- und Preiswechsel der Waren mit sich gefhrt. Frher, wo der Durchschnittsprofit = 20%, war der Produktions- preis der in einer Umschlagsperiode produzierten Waren gleich ih- rem Kostpreis plus einem Profit von 20% auf diesen Kostpreis, also = k + kp' = k + 20k/100; wo k variable Gr”áe, verschieden nach dem Wert der Produktionsmittel, die in die Waren eingehn, und nach dem Maáe des Verschleiáes, den das in ihrer Produktion verwandte fixe Kapital an das Produkt abgibt. Jetzt betrge der Produktionspreis 14 2/7 k k + --------. 100 Nehmen wir nun erst ein Kapital, dessen Zusammensetzung niedriger als die ursprngliche des gesellschaftlichen Durchschnittskapi- tals 80c + 20v (die sich jetzt verwandelt hat in 76 4/21 c + 23 17/21 v); z.B. 50c + 50v. Hier betrug der Produktionspreis des Jahresprodukts, wenn wir der Vereinfachung #211# 11. Kapitel - Arbeitslohn und P